Stewart Brand + Mark Z. Jacobson
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Chris Anderson: Wir debattieren. Wir debattieren über die These "Was die Welt jetzt braucht, ist Atomenergie" — richtig oder falsch? Und bevor wir mit der Debatte beginnen, möchte ich durch Handhebung — gleich jetzt abstimmen lassen, ob Sie dafür oder dagegen sind. Die, die "dafür" sind, heben bitte die Hand. "Dafür" Okay, Hände bitte runter. Die, die "dagegen" sind, heben bitte ihre Hände. Okay, ich sehe, dass ungefähr 75:25 dafür sind, zu Beginn. Das bedeutet, dass wir am Ende der Debatte abstimmen werden, und sehen werden, wie sich das Ergebnis, wenn überhaupt, geändert hat. Hier ist die Vorgehensweise: Jeder hat sechs Minuten und dann, nach einem kleinen kurzen Austausch zwischen den beiden, möchte ich zwei Leute aus dem Publikum bitten, für jeweils eine Seite dieser Debatte, in 30 Sekunden kurz, lebhaft und scharf einen Kernpunkt zu präsentieren.

Für die These, und das ist möglicherweise schockierend, ist einer der wahren Begründer der Umweltschutzbewegung, ein langjähriger TEDster, Gründer des Whole Earth Kataloges, jemand, den wir alle kennen und lieben, Stewart Brand.

Stewart Brand. (Beifall) Man sagt, wenn es ums Klima geht, sind die, die das meiste wissen, am meisten besorgt. Wenn es um Atomenergie geht, sind die, die das meiste wissen, am wenigstens besorgt. Ein klassisches Beispiel ist James Hansen, ein Klimaforscher der NASA, die 350 ppm Kohlendioxid in die Atmosphäre bläst. Er hat kürzlich ein wunderbares Buch geschrieben, mit dem Titel "Storms of My Grandchildren". Hansen ist ganz entschieden für die Atomenergie, so wie die meisten Klimaforscher, die sich ernsthaft mit diesem Problem befassen.

So sieht es aus: ein Planet, der vor der Herausforderung des Klimawandels steht, und jetzt zur Hälfte aus Städten besteht. Schauen Sie sich den Kundenstamm an. Fünf von sechs von uns leben in Entwicklungsländern. Wir ziehen in die Städte. Wir steigen auf. Wir schicken unsere Kinder zur Schule, wir haben weniger Kinder, grundsätzlich sind das gute Nachrichten. Aber wir ziehen in die Städte, zu den hellen Lichtern, und dort gibt etwas, das wir wollen, außer Arbeitsplätzen, nämlich Elektrizität. Und wenn wir sie nicht mühelos bekommen können, stehlen wir sie. Das ist etwas, das arme Menschen auf der ganzen Welt am meisten wollen, in den Städten und auf dem Land. Elektrizität für die Städte, in ihrer besten Form, nennt man Grundlaststrom. Das heißt, der Strom ist immer eingeschaltet. Und bis jetzt gibt es nur drei Hauptquellen dafür — Kohle und Gas, Wasserkraft, die fast überall ausgeschöpft ist — und Atomenergie. Ich möchte sehr gern etwas an der vierter Stelle haben, aber in Form von dauerhafter, sauberer, vergrösserbarer Energie, [Solar-], Wind- und andere erneuerbaren Energien sind noch nicht soweit, weil sie unbeständig sind. Atomenergie ist es schon seit 40 Jahren.

Von Umweltgesichtspunkten aus betrachtet, ist am wichtigsten was mit dem Müll von Atomenergie und Kohle, den zwei Hauptquellen der Elektrizität, geschieht. Wenn die gesamte Elektrizität, die Sie in Ihrem Leben verbrauchen, aus Atomenergie stammt, würde der Müll von diesem lebenslangen Stromverbrauch, in eine Coladose passen — eine ziemlich schwere Coladose, ungefähr ein Kilo schwer. Ein Tag mit Strom aus Kohlenenergie, hingegen, stößt eine Menge Kohlendioxid aus, in einem gewöhnlichen Ein-Gigawatt Kohlekraftwerk. Was geschieht dann mit dem Müll? Der Atommüll geht normalerweise in die Trockenlagerfässer auf dem Parkplatz des Reaktors, weil die meisten noch keine unterirdischen Lager haben. Das ist auch gut so, weil der Müll bleiben kann, wo er ist. Kohlendioxid, hingegen, entweicht in großen Mengen, Gigatonnen, in die Atmosphäre, von wo man es bisher noch nicht zurückholen kann und dort verursacht es die Probleme, die uns so große Sorgen machen. Wenn Sie also die Treibhausgase während der Laufzeiten dieser verschiedenen Energiequellen zusammenaddieren finden Sie die Atomenergie ganz unten mit Windenegie und Wasserkraft sogar niedrieger als Solarenergie und natürlich noch niedriger als alle fossilen Brennstoffe.

Wind ist wunderbar; ich liebe Wind. Ich liebe es, in der Nähe von diesen großen Windgeneratoren zu sein. Aber etwas, das wir gerade herausfinden, ist, dass sowohl Wind- wie auch Solarenergie eigentlich relativ verdünnte Energiequellen sind. Man kommt also zu einer ziemlich hohen CO2 Bilanz, einer sehr hohen CO2 Bilanz was Materialien angeht, fünf bis zehn mal mehr als das, was man für Atomenergie benötigt. Um normalerweise ein Gigawatt Strom zu erzeugen, ist eine Windfarm von etwa 65000 Hektar notwendig. In Ländern wie Dänemark und Deutschland, sind die Gebiete für die Windenergie schon ausgeschöpft. Die guten Orte sind alle schon genutzt. Die Hochspannungsleitungen sind überlastet. Und der Gipfel ist überschritten. Ähnlich ist es mit den Solaranlagen, besonders hier in Kalifornien, erkennen wir, dass für die 80 Solarfarmen, die im Bau sind, im Grunde 260000 Hektar der südkalifornischen Wüste umgepflügt werden müssen. Gut, als Umweltschützer möchten wir so etwas eher nicht. Das ist in Ordnung auf nicht mehr genutztem Agrarland. Solaranlagen sind wunderbar auf Dächern. Aber draußen in der Natur werden für ein Gigawatt etwa 13000 Hektar Wüste umgepflügt.

Wenn man alle diese Faktoren zusammenaddiert — Saul Griffith hat das getan und herausgefunden, was man braucht um 13 Terawatt saubere Energie aus Wind, Sonne und Biokraftstoffen zu erzeugen und, dass dafür ein Gebiet ungefähr von der Größe der Vereinigten Staaten nötig wäre, ein Land, das er "Erneuerbarstan" nennt, Jemand, der das alles sehr gut zusammenaddiert hat, ist David Mackay, ein Physiker aus England, und in seinem wunderbaren Buch "Sustainable Energy" sagt er, unter anderem, sagt er, "Ich bin nicht pro-atom. Ich bin pro Arithmetik."

(Lachen)

Was Waffen angeht, ist Atomenergie bis heute das beste Werkzeug der Abrüstung. Wir sind die russischen Sprengköpfe los geworden, indem sie in Strom umgewandelt wurden. Zehn Prozent der amerikanischen Elektrizität stammen aus stillgelegten Sprengköpfen. Wir haben noch nicht einmal die amerikanischen Vorräte angerührt. Ich glaube, ein TED Publikum wäre sehr an einer neuen Generation von Reaktoren interessiert, die sehr klein sind, ungefähr 10 bis 125 Megawatt. Das ist ein Reaktor von Toschiba. Hier ist einer, der von den Russen auf einem Lastkahn gebaut wird. Und das wäre sehr interessant für Entwicklungsländer. Normalerweise werden diese Dinge unterirdisch gelagert. Das sind Atombatterien. Sie sind unglaublich sicher, können nicht als Waffen usw. genutzt werden. Hier ist eine kommerzielle Version aus New Mexico Hyperion genannt, und eine Version aus Oregon, genannt NuScale. Babcock & Wilcox, die Kernreaktoren herstellen... hier ist ein eingebauter Schnellreaktor. Thorium Reaktor, an dem Nathan Myhrvold mitgearbeitet hat. Die Regierungen der Welt müssen sich entschliessen, Kohle teuerer zu machen und dann wird es hiermit vorangehen. Das ist die Zukunft.

(Beifall)

CA: Okay. Okay. (Beifall) Gegen die These spricht nun ein Mann, der seit Jahren mittendrin in der Energie- und Klimadebatte steht. Im Jahr 2000 hat er entdeckt, dass Ruß wahrscheinlich die zweitgrößte Ursache der globalen Erwärmung ist, nach CO2. Sein Team hat genaue Berechnungen der relativen Auswirkungen der verschiedenen Energiequellen durchgefüht. Zum ersten Mal bei TED, möglicherweise ein Nachteil — wir werden sehen— aus Stanford, Professor Mark Jacobson. Viel Glück.

Mark Jacobson: Danke. (Beifall) Ich behaupte, dass die Atomenergie mehr Kohlendioxid ausstösst, mehr zur Luftverschmutzung beiträgt, die Sterblichkeitsrate ansteigen lässt und mehr Zeit beim Aufbau einer Anlage benötigt als echte erneuerbare Energiesysteme, nämlich Windenergie, Solarenergie, Erdwärme und Gezeiten- und Wellenkraft. Und Atomkraft steigert die Verbreitung von Atomwaffen. Sehen wir uns zunächst die CO2 Emissionen während der Laufzeit an. CO2e Emissionen sind äquivalente Emissionen aller Treibhausgase und Teilchen, die Erwärmung verursachen, und zu CO2 umgewandelt wurden. Und wie Sie sehen, haben Wind- und konzentrierte Solarenergie die niedrigsten CO2 Emissionen, wenn Sie auf die Grafik schauen. Atomenergie — es gibt hier zwei Balken. Einer stellt eine niedrige Schätzung dar, und einer ist eine hohe Schätzung. Die niedrige Schätzung ist die Schätzung der Atomindustrie für Atomenergie. Die hohe ist der Durchschnitt von 103 wissenschaftlichen, begutachteten Studien. Und das ist nur der CO2 Ausstoß während der Laufzeit.

Wenn wir uns die Verzögerungen anschauen, man benötigt zwischen 10 und 19 Jahre, um ein Atomkraftwerk zu errichten von der Plannung bis zur Inbetriebnahme. Das beinhaltet etwa dreieinhalb bis sechs Jahre für die Standortgenehmigung und weitere zweieinhalb bis vier Jahre für eine Baugenehmigung und dann vier bis neun Jahre für die eigentliche Errichtung. In China werden jetzt 5 Gigawatt starke Atomkraftwerke gebaut. Durchschnittlich brauchen sie für die Errichtung 7,1 Jahre zusätzlich zur Planung. Während man auf das Atomkraftwerk wartet, muss man das normale Versorgungsnetz nutzen, das in den Vereinigten Staaten und in der ganzen Welt überwiegend mit Kohle arbeitet. Und die Grafik hier zeigt den Unterschied zwischen Emissionen aus dem normalen Versorgungsnetz, die sich aus Atomenergie oder eine andere Energie ergeben im Vergleich zu Windenergie, konzentrierter Solarenergie oder Photovoltaik. Windenergie braucht durchschnittlich ungefähr zwei bis fünf Jahre genauso wie konzentrierte Solarenergie und Photovoltaik. Die Differenz beruht auf den Alternativkosten der Atomenergie im Vergleich zur Windenergie oder anderen Energiequellen. Wenn man nur diese zwei addiert, sieht man, dass die Atomenergie mindestens neun bis siebzehn mal soviel CO2 äquivalente Emissionen verursacht wie Windenergie. Und das berücksichtigt noch nicht die CO2 Bilanz vorort.

Wenn man den Einfluß der Luftverschmutzug auf die Gesundheit berücksichtigt, das ist die Zahl der Toten pro Jahr für 2020 nur durch den Ausstoß von Kraftfahrzeugen. Nehmen wir mal an, wir stellen alle Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten um auf batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge oder Flexfuel-Fahrzeuge mit Ethanol. Gut, zurzeit sterben in den Vereinigten Staaten 50 000 bis 100 000 Menschen pro Jahr durch Luftverschmutzung, davon gehen etwa 25 000 auf Kraftfahrzeuge zurück. Bis zum Jahr 2020 wird sich die Zahl auf 15 000 verringern. durch Verbesserungen. Und hier, auf der rechten Seite, sehen Sie die Benzinemissionen, die Sterblichkeitsraten für das Jahr 2020. Wenn wir zu Ethanol aus Getreide oder Zellulose übergehen, wird die Sterblichkeitsrate tatsächlich etwas ansteigen. Wenn man zur Atomenergie wechselt, wird sie weit zurückgehen, aber nicht so sehr wie bei Wind- und/oder konzentrierter Solarenergie.

Wenn man jetzt die Tatsache betrachtet, dass die Verbreitung von Atomwaffen mit der Verbreitung der Atomenergie zusammenhängt, weil wir zum Beispiel wissen, dass Indien und Pakistan heimlich Atomwaffen durch Urananreicherung in Atomenergieanlagen entwickelt haben. Nord Korea tut das zu einem gewissem Grad. Iran tut das im Augenblick. Und Venezuela wird es tun, wenn man dort anfängt, Atomenergieanlage zu errichten. Wenn eine großangelegte Verbreitung der Atomenergie auf der ganzen Welt stattfindet und als Ergebnis nur eine Atombombe gebaut wird, mit der eine Stadt wie zum Beispiel Mumbai zerstört wird oder eine andere Großstadt, eine Megacity, wäre die dadurch verursachte Sterblichkeitsrate über 30 Jahre gemittelt und auf die Bevölkerung der USA übertragen diese hier. Brauchen wir das?

Die nächste Sache: Wie sieht es mit der CO2 Bilanz aus? Stewart erwähnte die CO2 Bilanz. Eigentlich ist die CO2 Bilanz für Windenergie die kleinste von allen Energiequellen in der Welt. Das ist deshalb so, weil die CO2 Bilanz, wie man sehen kann, nur den Mast betrifft, der den Boden berührt. Man kann den gesamten Wagenpark der USA mit der Energie versorgen, die aus den 73 000 bis 145 000 5 Megawatt Windturbinen stammt. Das würde insgesamt zwischen ein und drei qkm Platz auf der Erde in Anspruch nehmen. Die Zwischenräume sind etwas anderes. Das wird immer etwas durcheinander gebracht. Die Menschen verwechseln CO2 Bilanz mit Zwischenräumen. Wie man auf diesen Bildern sehen kann, können die Zwischenräume für viele Zwecke verwendet werden auch für Agrarland, Weideland oder offenes Land. Auf dem Ozean gibt es überhaupt kein Land. Wenn wir jetzt die Atomenergie ansehen — (Lachen) Wie sieht es mit der Atomenergie aus? Wir haben Anlagen rund herum. Zusätzlich gibt es eine Pufferzone, das sind 17 qkm. Und dann ist da noch der Uranabbau, den man dazurechnen muss.

Wenn wir jetzt die Fläche ansehen gibt es vieles, das schlechter ist als Atom-oder Windenergie Zum Beispiel Ethanol aus der Zellulose, um den ganzen Wagenpark der USA zu versorgen, dafür bräuchten wir so viel Land. Ethanol aus der Zellulose, die zweite Generation der Biokraftstoffe aus Präriegras. Hier ist Ethanol aus Getreide. Da ist es weniger. Das stützt sich auf einer Reihe von Daten, aber wenn man sichdie Atomenergie ansieht, bräuchte man die Fläche von Rhode Island, um den Wagenpark der USA zu versorgen. Für Windenergie ist die Fläche viel größer, aber die Standfläche ist kleiner. Und natürlich, mit Windenergie, könnte man theoretisch alles an der Ostküste errichten,oder man könnte es aufteilen. Und jetzt, wenn wir nochmal Erdwärme ansehen, da ist sie noch geringer und bei der Solarenergie ist es etwas größer was die Zwischenräume angeht als bei der Atomenergie, aber immer noch ziemlich klein. Und damit könnte man den gesamten Wagenpark der USA versorgen. Um die ganze Welt zu 50 Prozent mit Windenergie zu versorgen, braucht man etwa ein Prozent der Erdoberfläche.

Für eine gleichwertige Zuverlässigkeit ist Grundlaststrom eigentlich ohne Bedeutung. Wir wollen eine gleichwertige stündliche Stromversorgung. Das lässt sich erreichen,wenn man erneuerbare Energien kombiniert. Das stammt von realen Daten aus Kalifornien, Daten der Wind- und Solarenergie. Hier wird nur existierende Wasserkraft berücksichtigt, um den stündlichen Strombedarf sicherzustellen. Das hier sind die weltweiten Winderergieressourcen. Es gibt weltweit 5 bis 10 mal mehr Wind als wir für die ganze Welt brauchen. Nun das letzte Ranking. Das letzte Bild, das ich Ihnen zeigen möchte: Das steht zur Auswahl. Man kann entweder Wind- oder Atomkraft haben. Wenn man den Wind nutzt, wird das Eis der Arktis garantiert bleiben. Bei Atomenergie wird schon die zeitliche Verzögerung dazu führen Verzögerungszeit allein dass das Eis der Arktik und anderswo weiter schmelzen wird. Wir können sauberen, blauen Himmel garantieren oder eine unsichere Zukunft mit Atomenergie.

(Beifall)

CA: In Ordnung. Während die beiden nun miteinander argumentieren — Ihre Zeit ist nun etwas kürzer, weil Sie ein bisschen überzogen haben — brauche ich zwei Leute für jede Seite. Wenn Sie also dafür sind, wenn Sie für Atomenergie sind, heben Sie bitte beide Hände. Wenn Sie dagegen sind, heben Sie eine Hand. Ich möchte jeweils zwei von Ihnen an die Mikros. Also, Sie haben — Sie haben eine Minute, um einen Punkt aufzugreifen, anzufechten, was auch immer.

SB: Ich denke, ein Unterschied zwischen uns, Mark, hat etwas mit Waffen und Energie zu tun. Diese Diagramme, die zeigen, dass Atomkraft irgendwie viele Treibhausgase ausstößt — viele von diesen Studien sagen auch, "Natürlich wird Krieg unvermeidbar sein und deshalb werden wir brennende Städte und so weiter haben," das ist ziemlich raffiniert ein bisschen, meine ich. Die Realität ist, dass 21 Staaten Atomkraft haben, oder? Sieben davon haben Atomwaffen. In jedem Fall hatten sie diese Waffen ehe sie Atomkraft bekommen haben. Es gibt zwei Staaten, Nord Korea und Israel, die Nuklearwaffen haben, aber überhaupt keine Atomkraft. Die Orte, wo wir am liebsten wirklich saubere Energie sehen wollen, sind China, Indien, Europa und Nord Amerika, von denen alle ihre Einstellung zu Atomwaffen geklärt haben. Es bleiben ein paar Länder wie Iran, möglicherweise Venezuela, die man ganz genau überwachen sollte was spaltbares Material angeht. Atomkraft voranzutreiben bedeutet, dass wir wirklich wissen werden, wo das ganze spaltbare Material ist, und wir können uns in Richtung Atomwaffenfreiheit bewegen, wenn wir das alles wissen.

CA: Mark, 30 Sekunden, entweder darüber oder über etwas anderes, was Stewart gesagt hat.

MJ: Gut, wir wissen, dass Indien und Pakistan zuerst Atomenergie hatten und dann heimlich in ihren Fabriken Atomwaffen entwickelten. Die andere Sache ist, dass wir keine Atomenergie brauchen. Es gibt eine Menge Sonnen- und Windenergie. Man kann sie verlässlich machen, wie ich auf diesem Diagramm gezeigt habe. Das sind reale Daten. Das das ist laufende Forschungsarbeit. Das ist keine Zukunftstechnologie. Die Lösung der Weltprobleme kann man erreichen, wenn man es sich wirklich vornimmt und saubere, erneuerbare Energie nutzt. Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit für Atomenergie.

(Beifall)

CA: Wir brauchen jemand dafür. Rod Beckstrom: Danke Chris. Ich bin Rod Beckstrom, Vorstandsvorsitzender von ICANN. Ich arbeite seit 1994 an den Strategien zur Erderwärmung, seit dem ich Mitglied im Vorstand des [US] Umweltverteidigungsfond wurde einem der Antriebskräften des Kyoto Protokolls. Ich möchte die Position von Stewart Brand unterstützen. Ich habe meine Meinung in den letzten 10 Jahren geändert. Ich war gegen die Atomenergie. Jetzt unterstütze ich Stewarts Position sachte, aus dem Blickwinkel des Risikomanagements. Ich stimme mit ihm überein, dass das Risiko der Überhitzung des Planeten, das Risiko eines Atomunfalls überwiegt, der mit Sicherheit möglich ist und ein sehr reales Problem darstellt. Ich denke aber, dass es sich hier möglicherweise um eine Win-Win- Lösung handelt, bei der beide Parteien diese Debatte gewinnen können. Denn wir stehen einer Situation gegenüber, wo es entweder CO2 Emissionsdeckelung auf diesem Planeten gibt oder wir sterben. Und im Senat der Vereinigten Staaten, brauchen wir die Unterstützung beider Parteien — nur eine oder zwei Stimmen sind nötig um die Erderwärmung im Senat durchzubringen, und dieser Saal kann dabei helfen. Wenn wir das erreichen, dann wird Mark diese Probleme lösen. Danke, Chris.

CA: Danke Rod Beckstrom. Dagegen.

David Fanton: Hallo, ich bin David Fanton. Ich will nur ganz kurz ein paar Dinge ansprechen. Erstens: Hüten Sie sich vor Propaganda. Die Propaganda der Industrie, ist sehr, sehr stark. Und wir haben noch nicht alle Argumente der anderer Seite gehört, so dass die Menschen ihre eigenen Schlüsse ziehen können. Hüten Sie sich vor der Propaganda. Zweitens, denken Sie mal hierrüber nach. Wenn wir alle diese Atomkraftwerke bauen, der ganze Atommüll wird auf hunderte, wenn nicht tausende von LKWs und Zügen, jeden Tag durch dieses Land rollen. Können Sie mir sagen, dass es keine Unfälle geben wird. Können Sie mir sagen, dass bei diesen Unfällen keine giftigen Materialien entweichen werden die hunderte oder sogar tausende von Jahren die Umwelt vergiften werden. Können Sie mir sagen, dass keiner dieser LKWs oder Züge ein potenzielles Ziel für Terroristen sein könnte.

CA: Danke. Dafür. Noch jemand dafür? Los.

Alex: Hallo, ich bin Alex. Ich will zuerst sagen, dass ich der größte Fan der erneuerbaren Energie bin. Ich habe eine Photovoltaikanlage auf meinem Dach. Ich habe Wasserkraftumwandlung in einer eigenen Wassermühle. Und ich bin, wissen Sie, sehr "für" diese Dinge. Aber es gibt hier ein grundsätzliches, arithmetisches Problem. Die Leistung von Sonnenschein, Wind und Niederschlag ist einfach nicht groß genug. Wenn also die Lichter weiter leuchten sollen, brauchen wir wirklich eine Lösung, mit der eine konstante Energieerzeugung möglich ist. In den 1980er Jahren habe ich gegen Atomwaffen demonstriert, und das tue ich immer noch. Aber wir haben die Möglichkeit sie für etwas Nützlicheres wiederzuverwerten, das uns ermöglicht, konstante Energie zu erzeugen. Schliesslich wird es das arithmetische Problem immer geben. Wir werden nur aus erneuerbaren Quellen nicht genug Energie bekommen. Wir brauchen eine Lösung, die konstante Energie erzeugt. Wenn wir die Lichter immer an haben wollen, ist die Lösung Atomenergie.

CA: Danke. Noch jemand dagegen?

Mann: Der letzte, der dafür war, behauptete, dass wir nicht genug alternative Ressourcen für erneuerbare Energien haben. Und unser "dagegen" Argumetierer hier hat erklärt, dass wir eigentlich genug haben. Der Trugschluss also, dass wir diese Ressource brauchen und sie tatsächlich in einem sinnvollen Zeitraum erreichen können, ist nicht möglich. Ich werde noch eine andere Sache hinzufügen. Ray Kurzweil und alle anderen Vorträge — wir wissen, dass die Tendenz expotenziell nach oben geht. Man kann also nicht auf den neuesten Stand der Technik im Bereich der erneuerbaren Energien, schauen und sagen, "Das ist alles, was wir haben." Denn in fünf Jahren werden Sie staunen, welche Alternativen wir wirklich haben zu dieser schrecklichen, katastrophalen Atomkraft.

CA: Gut erfasstes Argument. Danke.

(Beifall)

Jeder von Ihnen hat nur ein paar Sätze — 30 Sekunden für eine Zusammenfassung. Ihr Schlusspunkt, Stewart

SB: Mir hat Ihr "alles gleicht sich aus" Bild gut gefallen, das Sie hier hatten. Es war ein sonniger Tag und eine windige Nacht. Und gerade jetzt hatten sie in England eine Kaltphase. Der Wind im ganzen Land hat für eine Woche aufgehört zu wehen. Keine von diesen Turbinen hat sich bewegt. Und wie üblich, mussten sie Atomenergie von Frankreich kaufen. Zwei Gigawatt kommen durch den Eurotunnel. Das passiert immer wieder. Früher habe ich mir Sorgen über den 10 000 Jahre Faktor gemacht. Und tatsächlich werden wir den Atommüll, den wir haben, als Kraftstoff zu nutzen, für die vierte Generation von Reaktoren, die hinzukommen wird. Und besonders die kleinen Reaktoren brauchen die Entwicklung. Ich habe von Nathan Myhrvold gehört— und ich meine hier ist der Knackpunkt— dass einen Entscheid des Kongresses nötig ist, um eine Atomregulierungskomission zu bilden, die sich schnell mit diesen kleinen Reaktoren beschäftigt, die wir hier und in der Welt dringend brauchen.

(Beifall)

MJ: Wir haben Strombedarf und Stromversorgung auf stündlicher Basis analysiert, dabei haben wir Sonnen- und Winddaten von Kalifornien berücksichtigt. Und man kann den Bedarf stündlich erbringen, beinahe für das ganze Jahr. Jetzt, was Ressourcen angeht, haben wir die erste Windkarte der Welt entwickelt, nur aus Daten, bei einer Höhe von 80 Metern. Wir wissen welche Ressourcen es gibt. Man kann 15 Prozent des Energiebedarfs decken. 15 Prozent der gesamten USA hat Wind mit ausreichender Geschwindigkeit um kostengünstig zu sein. Und es gibt viel mehr Solarenergie als Wind. Es gibt viele Ressourcen. Man kann sie verlässlich machen.

CA: Okay. Danke Mark. (Beifall) Wenn Sie also in Palm Springs wären... (Gelächter) (Beifall) Unverschämt, unverschämt, unverschämt. (Beifall)

So, Leute der TED Gemeinschaft, Ich behaupte, dass die Welt jetzt Atomenergie braucht. Und die, die dafür sind, heben die Hand. (Schreie) Und alle, die dagegen sind. Ooooh. Nun das ist — meine Annahme ist... heben Sie... Hände hoch, wer während der Debatte Ihre Meinung geändert haben, wer hat anders gestimmt. Die, die ihre Meinung geändert haben zu Gunsten von "dafür", heben die Hände. Okay. so sieht es aus. Beide haben Unterstützer gewonnen, aber nach meiner Auszählung, hat sich die Stimmungslage der TED Gemeinschaft geändert von ungefähr 75-25 zu etwa 65-35 dafür, dafür.

Sie haben beide gewonnen. Ich gratuliere Ihnen beiden. Ich danke Ihnen.

(Beifall)