Stanley McChrystal
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Als ich ein junger Offizier war, erzählte man mir, ich solle meinen Instinkten folgen, meinem Bauchgefühl. Doch ich habe gelernt, dass unsere Instinkte oft falsch sind.

Im Sommer 2010 sickerten aus dem Pentagon extrem viele als geheim eingestufte Dokumente an die Öffentlichkeit. Die Welt war geschockt, die amerikanische Regierung wachgerüttelt, und viele Leute begannen Fragen zu stellen, denn die reine Menge an Informationen, die austraten, sowie deren mögliche Auswirkungen waren erheblich. Und eine der ersten Fragen, die wir uns stellten, war: Wieso hatte ein so junger Soldat Zugang zu so vielen Information? Warum vertrauten wir so sensible Dinge einer relativ jungen Person an?

Im Sommer 2003 wurde mir das Kommando über eine Sondereinsatztruppe zugeteilt. Diese Truppe war im ganzen Nahen Osten verteilt, um al-Qaida zu bekämpfen. Unser Hauptaufgabe war im Irak und unsere genaue Mission war es, al-Qaida im Irak zu besiegen. Ich blieb fast 5 Jahre dort und wir stellten uns darauf ein, einen Krieg zu führen, der unkonventionell war, schwierig und blutig, und oft forderte er den größten Tribut unter den unschuldigen Leuten. Wir taten alles, was wir konnten, um al-Qaida zu stoppen, wie auch die ausländischen Kämpfer, die als Selbstmordattentäter kamen und die Gewalt befeuerten. Wir feilten an unseren kämpferischen Fähigkeiten, wir entwickelten neue Ausrüstung, wir sprangen mit Fallschirmen ab, flogen Helikopter, benutzen kleine Boote, fuhren und liefen zu unseren Zielen, Nacht für Nacht, um dem Töten, das von diesem Netzwerk ausgeht, ein Ende zu setzen. Wir bluteten, wir starben und wir töteten, um die Gewalttaten dieser Organisation zu stoppen, die sich meist gegen die irakischen Menschen richtete.

Wir handelten also gemäß unsere Wissens, mit dem wir aufgewachsen waren, und eine der Sachen, die wir wussten, die in unserer DNS gespeichert war, war Verschwiegenheit. Geheimhaltung. Informationen zu schützen. Die Ansicht, dass Informationen Lebenssaft sind und das sind, was Personen schützt und behütet. Und wir hatten die Ansicht, dass, wenn wir innerhalb unserer Organisation arbeiteten, es wichtig war, Informationen in den Bunkern unserer Organisation zu halten; und vor allem Informationen nur an diejenigen herauszugeben, die beweisen konnten, dass sie das Wissen benötigen. Aber oft kam die Frage auf, wer das Wissen benötigte. Wer benötigte es; wer musste die Information haben, um eine wichtige Aufgabe ihrer Arbeit zu verrichten? Und in einer eng vernetzten Welt ist das sehr schwer zu bestimmen. Es ist sehr schwer zu bestimmen, wer Informationen benötigt und wer nicht. Ich arbeitete viel mit Nachrichtendiensten zusammen, und ich beschwerte mich oft, dass sie nicht ausreichend Nachrichten herausgaben. Mit eiserner Miene sahen sie mich dann an und sagten: "Was verstehst du daran nicht?" (Gelächter) Ich sagte: "Wenn ich das wüsste, hätten wir kein Problem."

Aber wir fanden heraus, dass wir uns ändern müssen. Wir müssen unsere Gewohnheiten über Informationen ändern. Wir mussten Wände einreißen. Wir mussten das Wer-muss-es-wissen in ein Wer-weiß-es-nicht ändern und wir mussten ihn aufklären, so schnell wie möglich. Ein erheblicher Gewohnheitswandel für eine Organisation, in deren DNS Geheimhaltung geschrieben stand.

Wir begannen durch Errichten von Büros, nicht, um darin zu arbeiten, Wände einzureißen, in etwas zu arbeiten, was wir "Räume für Situationsbewusstsein" nannten, und im Sommer 2007 geschah etwas, was dies rechtfertigte. Wir beschlagtnahmten die Personenakten von Leuten, die ausländische Kämpfer in den Irak brachten. Normalerweise, wenn wir die Personenakten beschlagnahmen, würde wir diese verstecken und mit nur ein paar wenigen Geheimdiensten teilen und dann damit arbeiten. Dann frage ich jedoch meinen Nachrichtenoffizier: "Was tun wir?" Und er: "Nun, ihr habt sie gefunden". Das war unser Befehl. "Ihr könnt sie freigeben." Und ich sagte: "Wirklich? Und wenn der Feind das herausfindet?" und er sagte: "Das sind deren Personenakten." (Gelächter)

Also taten wir das und viele Leute verärgerte das sehr. Als wir die Informationen jedoch weitergaben, stellte sich heraus, dass Informationen nur dann von Wert sind, wenn man sie Leuten gibt. die die Fähigkeit haben, damit etwas anzufangen. Die Tatsache, dass ich etwas weiß, hat keinen Wert, wenn ich nicht die Person bin, die damit etwas anfangen kann. Infolgedessen änderten wir die Wahrnehmung von Informationen von "Wissen ist Macht" zu "Teilen ist Macht". Es war ein fundamentaler Wandel. Keine neuen Taktiken, keine neuen Waffen oder sonst irgendetwas. Es war die Idee, dass wir Teil eines Teams sind, in welchem Informationen das ausschlaggebende Bindeglied zwischen uns sind, und keine Blockade.

Jetzt wollte jeder einen tiefen Atemzug nehmen und es alles raus lassen,, denn in unseren Leben wird es Informationen geben, die an die Öffentlichkeit dringen und es wird uns nicht gefallen. Irgendjemand wird meine Schulnoten herausfinden, das wird eine Katastrophe sein. (Gelächter) Aber es wird in Ordnung sein, und ich kann ihnen sagen, dass ich mehr Angst vor dem Bürokraten habe, der Informationen im Safe oder in der Schreibtischschublade versteckt, als vor jemandem, der Informationen an die Öffentlichkeit bringt, denn letzendlich werden wir alle besser davonkommen, wenn wir teilen.

Danke.

(Applaus)

Helen Walters: Ich weiß nicht, ob Sie heute morgen hier waren; ob es Ihnen möglich war, Rick Ledgett zu hören, der stellvertretende Direktor der NSA, der eine Antwort auf die Rede von Edward Snowden Anfang der Woche gab. Ich frage mich nur, denken Sie, dass die amerikanische Regierung Edwards Snowden Straferlass gewähren sollte?

Stanley McChrystal: Ich denke, Rick hat etwas sehr Wichtiges gesagt. Wir, die Mehrheit, kennen nicht alle Tatsachen. Ich denke, es gibt hier zwei Seiten. Edward Snowden warf Licht auf etwas, das die Menschen verstehen müssen. Er bemächtigte sich auch einer Menge an Dokumenten, von deren Bedeutung er nichts wusste, also glaube ich, sollten wir zunächst die Faktenlage in diesem Fall prüfen, bevor wir ein verfrühtes Urteil über Edward Snowden bilden. HW: Ich danke Ihnen vielmals. Danke. (Applaus)