Theo Jansen
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Ich möchte Ihnen von einem Projekt erzählen, das ich vor etwa 16 Jahren begann. Es ging darum, neue Lebensformen zu schaffen. Diese hier wurden mit solchen Röhren gemacht - Elektroinstallationsröhren heißen sie in Holland. Hier kommt nun ein Film darüber, der uns einen kleinen zeitlichen Rückblick zeigt.

Erzähler: Irgendwann einmal sollen diese Geschöpfe herdenweise am Strand leben. Theo Jansen arbeitet hart an dieser Entwicklung.

Theo Jansen: Ich möchte diese Lebensformen am Strand ansiedeln. Sie sollen dort in Zukunft alleine und ganz auf sich selbst gestellt überleben. Sie sollen lernen, eigenständig zu leben, aber es wird noch ein paar Jahre dauern, bis man sie alleine loslaufen lassen kann.

Erzähler: Die mechanischen Tiere beziehen ihre Energie nicht aus Nahrung, sondern vom Wind. Der Wind bewegt die Flügel auf ihrem Rückenund treibt so ihre Beine an. Das Tier bewegt sich seitwärts auf dem nassen Sand am Strand, seine Nase in den Wind gedreht. Kommt es in die Brandung oder auf trockenen Sand, hält es sofort an und geht in die entgegengesetzte Richtung.

Die Evolution hat viele Arten hervorgebracht. Das hier ist die Animaris Currens Ventosa. (Applaus)

Jansen: Das hier ist eine Herde. Sie ist nach genetischen Codes gebaut. Es geht um eine Art Wettlauf. Jedes einzelne Tier ist anders, und nur die Codes, die gewinnen, vermehren sich.

Das ist eine Welle, von links nach rechts, Sie können diese hier sehen. Und jetzt geht sie von - ja, jetzt geht sie von links nach rechts. Das hier ist eine neue Generation, eine neue Familie, die den Wind speichern kann. Die Flügel pumpen Luft in die Limonadeflaschen, die hier oben drauf sitzen, und sie können diese Energie nutzen, wenn der Wind ausbleibt und die Flut kommt. Dann ist noch etwas Energie übrig, um die Dünen zu erreichen und ihr Leben zu retten. Sie ertrinken nämlich sehr leicht. (Lachen)

Ich könnte Ihnen dieses Tier hier zeigen. (Applaus) Vielen Dank. Die Proportion der Röhren bei diesem Tier ist für das Gehen sehr wichtig. Es gibt 11 Zahlen, ich nenne sie die heiligen 11 Zahlen. Dies sind die Abstände der Röhren, die das Tier so gehen lassen. In Wirklichkeit handelt es sich um die Neuerfindung des Rads. Es funktioniert genauso wie ein Rad. Die Achse eines Rads bleibt auf der gleichen Höhe, und diese Hüfte bleibt ebenfalls auf gleicher Höhe. In Wirklichkeit ist es sogar besser als ein Rad, denn wenn man versucht, mit dem Rad auf dem Strand zu fahren, merkt man, dass das sehr schwierig ist. Diese Füße aber steigen einfach über den Sand hinweg. Ein Rad jedoch muss jeden Zentimeter Boden dazwischen berühren. 5,000 Jahre nach der Erfindung des Rads haben wir also ein neues Rad. Ich will Ihnen im nächsten Video zeigen - - können Sie es bitte starten? - dass damit schwere Lasten bewegt werden können. Hier schiebt es ein Mann von hinten an, aber es kann auch sehr gut bei Wind alleine gehen. Es hat 3.2 Tonnen.

Dieses hier arbeitet gerade mit dem in den Flaschen gespeicherten Wind. Es hat einen Fühler, um Hindernisse zu fühlen und sich umzudrehen. Und, sehen Sie, dann geht es in die andere Richtung.

Kann ich jetzt den Fühler haben? OK. Gut. Sie müssen gegen alle Gefahren am Strand gewappnet sein. Eine der größte Gefahren ist das Meer. Das ist das Meer. Es muss also das Meerwasser spüren können. Das ist der Wasser-Fühler. Diese Röhre ist sehr wichtig. Normalerweise saugt sie Luft an, aber wenn sie auf Wasser trifft, spürt sie dessen Widerstand. Stellen Sie sich vor, dass sich das Tier dem Meer nähert. Sobald es das Wasser berührt, sollte man hören, wie Luft entweicht. Ja! Wenn es das nämlich nicht fühlt, ertrinkt es, OK?

Hier haben wir das Gehirn des Tieres. Eigentlich ist es ein Schrittzähler, es zählt die Schritte. Es ist ein binärer Schrittzähler. Sobald es beim Meer angelangt ist, ändert sich das Muster der Nullen und Einsen hier, und so es weiß immer, wo am Strand es sich gerade befindet. Ein sehr einfaches Gehirn. Es sagt, hier ist das Meer, hier sind Dünen und hier bin ich. Es ist also eine Art Abbild der einfachen Welt des Strand-Tieres. Danke.

Stürme zählen zu den größten Feinden. Das ist ein Teil der Nase des Animaris Percipiere. Wenn die Nase des Tiers fixiert wird, ist das ganze Tier fixiert. Wenn nun der Sturm kommt, schlägt es einen Stift in den Boden. (Lachen) Die Nase ist fixiert, und das ganze Tier ist fixiert. Der Wind kann sich drehen, aber das Tier hat seine Nase immer im Wind. Noch ein paar Jahre, und diese Tiere werden ganz auf sich allein gestellt überleben. Noch muss ich ihnen sehr oft helfen.

Meine Damen und Herren, Ich danke Ihnen vielmals. (Applaus)