Stuart Firestein
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Ein altes Sprichwort berichtet von der Schwierigkeit, eine schwarze Katze in einem dunklen Raum zu finden, besonders, wenn es keine Katze gibt. Ich finde das eine sehr passende Beschreibung von Wissenschaft und ihrer Funktionsweise – man tapert in einem dunklen Raum herum, stolpert über Gegenstände, versucht, die Form von diesem oder jenem zu erraten, es kursieren Gerüchte über eine Katze, keiner weiß, ob sie stimmen, und so weiter und so fort.

Nun weiß ich, dass diese Auffassung nicht mit der der meisten Leute übereinstimmt. Im Allgemeinen wird uns eingetrichtert, Wissenschaft sei ein wohlgeordneter Mechanismus, um die Welt zu verstehen, Fakten zu sammeln, Daten zu erheben; sie ist regelbasiert und Wissenschaftler verwenden die sogenannte "wissenschaftliche Methode", jetzt schon seit 14 Generationen oder so, und diese Methode ist ein Regelsatz, der die knallharten Fakten aus den Daten herausholt.

Ich möchte Sie vom Gegenteil überzeugen. Hier haben wir die wissenschaftliche Methode, aber tatsächlich passiert das hier. (Lachen)

[Wissenschaftliche Methode vs. Herumrülpsen]

Und es läuft ungefähr so ab.

[... im Dunkeln] (Lachen)

Wo liegt nun der Unterschied zwischen meinem Blick auf Wissenschaft und der allgemeinen Wahrnehmung? Dieser Unterschied wurde mir zuerst auf verschiedene Weise in meiner Doppelrolle an der Columbia University bewusst – ich habe dort eine Professur und betreibe ein Neurowissenschaft-Labor, an dem wir die Funktionsweise des Gehirns ergründen. Dies tun wir, indem wir den Geruchssinn untersuchen, die olfaktorische Wahrnehmung, und im Labor ist es ein großes Vergnügen und sehr faszinierend und aufregend, mit Studienabgängern und Doktoranden zusammenzuarbeiten und sich coole Experimente auszudenken, um diesen Geruchssinn und das Gehirn zu verstehen. Offen gesagt ist es irgendwie berauschend.

Aber zur selben Zeit trage ich die Verantwortung für einen Kurs über das Gehirn für Studenten – ein riesiges Themengebiet – und das dauert eine ganze Weile und ist ziemlich herausfordernd und interessant aber, rund heraus, nicht ganz so berauschend. Wo liegt der Unterschied? Der Kurs, den ich weiter unterrichte, heißt Zellulare und Molekulare Neurowissenschaft – Teil Eins. (Lacht) Er besteht aus 25 Vorlesungen mit verschiedensten Fakten und verwendet dieses riesige Buch namens "Prinzipien neuraler Wissenschaft" von drei berühmten Neurowissenschaftlern. Das Buch beläuft sich auf 1.414 Seiten und wiegt sagenhafte 3 kg. Um das mal in Relation zu setzen, das ist das Gewicht zweier normaler menschlicher Gehirne.

(Lachen)

Und so erkannte ich am Ende dieses Kurses, dass die Studenten vielleicht den Eindruck bekamen, dass wir alles Wissenswerte über das Gehirn wissen. Das stimmt natürlich nicht. Und sie mussten auch zu dem Eindruck gelangt sein, dass Wissenschaftler Daten erheben und Fakten sammeln und die dann in fette Bücher stecken. Das stimmt auch nicht so richtig. Wenn ich mich nach einem Tag voller Treffen in einer Bar auf ein paar Bier mit den Kollegen treffe, reden wir nie über das, was wir wissen. Wir reden über das, was wir nicht wissen. Wir sprechen darüber, was noch getan werden muss, was unbedingt im Labor erledigt werden muss. Am besten wurde das von – glaube ich – Marie Curie ausgedrückt: "Man bemerkt nie das, was getan wurde, sondern nur das, was noch zu tun ist." Sie schrieb dies ihrem Bruder, nachdem sie ihren zweiten Uni-Abschluss erhielt.

Das hier war schon immer eines meiner liebsten Bilder von Marie Curie, denn ich bin mir sicher, dass das Leuchten hinter ihr kein Lichteffekt ist. (Lachen) Das ist echt. Es stimmt, dass ihre Artikel bis heute in einem Kellerraum der Bibliothèque Française aufbewahrt werden, in einem Betonbunker mit Bleiverkleidung, und wenn man als Gelehrter diese Aufzeichnungen lesen möchte, muss man einen strahlensicheren Anzug anziehen, ziemlich gruselige Sache.

Aber genau das lassen wir in unseren Kursen weg, und wir lassen die Interaktion aus, die wir als Wissenschaftler mit der Öffentlichkeit haben, das "was noch zu tun ist". Die total aufregenden und interessanten Sachen. Die Ignoranz, wenn man so will. Die fehlt.

Und so dachte ich mir, vielleicht solle ich einen Kurs über Ignoranz halten, vielleicht endlich etwas, worin ich richtig gut bin. Also begann ich diesen Kurs über Ignoranz und das ist ganz schön interessant. Sie sollten mal auf die Webseite gehen. Dort finden Sie alle möglichen Informationen. Sie ist offen zugänglich. Und es ist eine recht interessante Erfahrung für mich, andere Wissenschafter zu treffen, die kommen und darüber sprechen, was sie nicht wissen.

Ich verwende hier das Wort "Ignoranz" natürlich, um wenigstens teilweise zu provozieren, denn Ignoranz hat einen ziemlich schlechten Beiklang und den meine ich auf keinen Fall. Ich meine hier keine Dummheit, keine unverhohlene Indifferenz gegenüber Vernunft, Daten oder Tatsachen. Die Ignoranten sind eindeutig unerleuchtet, un-bewusst, uninformiert, und Anwesende natürlich ausgeschlossen, wurden sie scheinbar oft in ihre Position gewählt. Das ist vielleicht eine andere Geschichte.

Ich meine hier eine andere Ignoranz. Eine weniger abwertende Ignoranz, die von einer gemeinschaftlichen Wissenslücke kommt, etwas, das einfach nicht zum Wissen gedacht ist, oder noch nicht bekannt genug, oder wir können keine Schlüsse ziehen, die Art von Ignoranz, die man vielleicht am ehesten in einem Zitat von James Clerk Maxwell zusammenfasst, der wohl größte Physiker zwischen Newton und Einstein, der sagte: "Der Auftakt zu jedem wahren wissenschaftlichen Fortschritt ist eine gründliche, bewusste Ignoranz." Das ist doch ein toller Gedanke: eine gründliche, bewusste Ignoranz.

Über diese Art Ignoranz möchte ich heute also sprechen, doch erst müssen wir eines klären: Was machen wir mit all den Fakten? Ja, die Wissenschaft erhebt rasend schnell Daten. Wissenschaft scheint für uns alle dieser riesige Faktenberg, dieses Akkumulationsmodell der Wissenschaft, wie es einige nannten, und er scheint undurchdringlich. Unmöglich. Wie kann man das je alles wissen? Und tatsächlich – die Fachliteratur wächst alarmierend schnell. 2006 gab es 1,3 Millionen veröffentlichte Artikel. Bei einer Wachstumsrate von 2,5 % pro Jahr waren wir letztes Jahr bei mehr als 1,5 Millionen angekommen. Teilen Sie das mal auf Minuten pro Jahr auf, dann erhalten Sie drei Artikel pro Minute. Ich stehe hier also seit gut 10 Minuten und habe schon drei Artikel verpasst. Eigentlich muss ich weg. Ich muss lesen.

Wie können wir das angehen? Es ist so: Wissenschaftler gehen mit einer kontrollierten Missachtung an das Thema heran. Auf eine gewisse Art ist es uns egal. Fakten sind wichtig. Um Wissenschaftler zu sein, muss man eine Menge wissen. Okay. Aber viel zu wissen, macht einen nicht zum Wissenschaftler. Man muss auch eine Menge wissen, um Anwalt zu werden, oder Buchhalter, oder Elektriker, oder Schreiner. Aber in der Wissenschaft ist viel zu wissen nicht der Sinn der Sache. Viel zu wissen hilft dabei, mehr Ignoranz zu erlangen. Wissen ist also das große Thema, doch ich behaupte mal, Ignoranz ist das größere.

Das führt uns dazu, vielleicht ein bisschen über ein paar gängige Wissenschaftsmodelle nachzudenken, von denen ich Ihnen einige gern abgewöhnen möchte. Ein beliebtes Modell ist das Puzzle: Wissenschaftler setzen geduldig die Einzelteile zusammen, um irgendeinen Masterplan zu enthüllen. Das stimmt natürlich nicht. Zum einen garantiert bei Puzzeln der Hersteller eine Lösung. Wir haben keine solche Garantie. Viele von uns zweifeln schon am "Hersteller".

(Lachen)

Also funktioniert das Puzzle-Modell nicht.

Ein weiteres gängiges Bild ist das schrittweise Enthüllen, etwa wie das Entfernen einzelner Zwiebelschalen. So wird Schale für Schale die Zwiebel enthüllt, um zum fundamentalen Kern der Wahrheit zu gelangen. Aber so funktioniert es auch nicht. Hier noch ein beliebtes Modell, das des Eisbergs. Wir sehen nur seine Spitze, doch darunter ist der größte Teil des Eisbergs versteckt. All diese Modelle sind auf der Idee eines Faktenkorpus begründet, den man irgendwie vervollständigen kann. Wir können den Eisberg zerhacken und ihn enträtseln, oder heutzutage einfach warten, bis er schmilzt. Doch irgendwie gelangen wir an den ganzen Eisberg. Oder? Oder er bekommt eine übersichtliche Größe. Doch das ist nicht der Fall. Tatsächlich entspricht die Wissenschaft eher einem magischen Brunnen: Egal, wie viele Eimer Wasser man ihm entnimmt, man kann immer noch einen weiteren herausholen, oder hier mein liebstes Bild, was den Effekt und alles betrifft: Wellen in einem Teich. Betrachten Sie Wissen also als diese sich ausbreitende Wellenbewegung, muss man hier erkennen, dass unsere Ignoranz, der Umfang unseres Wissens, mit dem Wissen zunimmt. Das Wissen generiert also Ignoranz. Ich finde, das hat George Bernard Shaw wirklich gut formuliert. Eigentlich ist das ein Teil eines Trinkspruches, den er auf einem Diner zu Ehren Einsteins aussprach. ["Die Wissenschaft liegt immer falsch. Sie löst kein Problem, ohne dabei 10 neue aufzuwerfen.]

Das finde ich glorreich und stimme ihm völlig zu. Außerdem sorgt das für Sicherheit im Beruf. Diesen Gedanken hatte er eigentlich vom Philosophen Immanuel Kant abgekupfert, der 100 Jahre vor ihm schon die Idee von der Fragenvermehrung gehabt hatte: "Jede Antwort führt nur zu mehr Fragen." Ich liebe diesen Begriff, "Fragenvermehrung", diesen Gedanken, dass Fragen sich fröhlich fortpflanzen.

Ich sage also, ein passendes Modell ist keines, wo wir ignorant anfangen und dann Fakten sammeln und so Wissen erlangen. Es ist eher anders herum. Wofür verwenden wir dieses Wissen? Wofür verwenden wir diese Faktensammlungen? Wir verbessern damit unsere Ignoranz, wir erlangen sozusagen mehr hoch-qualitative Ignoranz. Denn es gibt natürlich eine niedrig-qualitative Ignoranz und eine hoch-qualitative Ignoranz ist nicht gleich Ignoranz. Ein andauernder Streit unter Wissenschaftlern. Wir nennen es manchmal Stierkampf und manchmal Forschungsanträge. Aber darum geht es bei diesem Streit. Es geht um die Ignoranz. Darum, was wir nicht wissen. Darum, was eine gute Frage ausmacht.

Was halten wir von diesen Fragen? Ich zeige Ihnen mal ein Diagramm, das ein paar Stunden des Glücks in verschiedenen Wissenschaftszweigen zeigt. Es geht hier um die Beziehung zwischen dem, was Sie kennen, und wie viel Sie darüber wissen. Das Bekannte kann also von 'Null' bis 'Alles' reichen, und wie viel Sie darüber wissen, reicht von ein bisschen bis viel. Hier ist ein ein Punkt im Diagramm. Ein Student. Weiß noch nicht viel, aber interessiert sich für vieles. Interessiert sich für fast alles. Hier haben wir einen Master-Student, schon ein bisschen weiter in der Ausbildung. Der weiß schon etwas mehr, aber das Wissen ist etwas enger geworden. Und hier haben wir den Doktoranden, der weiß dann eine unglaubliche Menge über fast nichts. (Lachen) Sehr verstörend daran ist der durchlaufende Trend, denn dort, wo er die Null unterschreitet, geht er in eine negative Ecke. Dort befinden sich dann leider Leute wie ich.

Wichtig ist hieran ist, das all dies veränderbar ist. Der ganze Blickpunkt kann verändert werden, indem man einfach die X-Achse umbenennt. Anstatt zu fragen, wie viel wir darüber wissen, können wir fragen: "Was kann man darüber fragen?" Also, ja, man muss als Chemiker viel wissen, aber der Sinn all dieses Wissens ist es nicht nur, viel zu wissen. Dann ist man nur ein Streber, oder? Wer viel weiß, sollte in der Lage sein, viele Fragen stellen zu können, durchdachte, interessante Fragen zu formulieren, denn darin steckt die eigentliche Arbeit.

Hier ein kurzer Eindruck von einigen dieser Fragen. Ich bin Neurowissenschaftler. Wie finden wir neue Fragen in der Neurowissenschaft? Der Prozess ist nicht immer so geradlinig. Zum Beispiel könnten wir fragen: Was genau tut das Gehirn denn? Eine Sache wäre die: Es bewegt uns. Wir laufen auf zwei Beinen. Das scheint recht simpel. Fast jeder, der älter als 10 Monate ist, läuft auf zwei Beinen, oder nicht? Vielleicht ist das also nicht so interessant. Vielleicht sollten wir uns eine kompliziertere Frage anschauen. Wie wäre es mit dem visuellen System? Hier haben wir es. Wir lieben unser visuelles System. Damit können wir so viel machen. Es gibt mehr als 12.000 Neurowissenschaftler, die sich damit beschäftigen, mit allem von der Retina zum visuellen Kortex, um nicht nur das visuelle System zu verstehen, sondern auch die allgemeinen Prinzipien der Funktionsweise des Gehirns. Aber hier ist der Knaller: Unsere Technologie ist ziemlich gut darin, die Funktion des visuellen Systems zu reproduzieren. Wir haben TV, wir haben Filme, wir haben Animation und Fotografie, wir haben Mustererkennung, all so was. Sie funktionieren nicht immer genau wie unser visuelles System, aber wir sind doch einer Technologie, die wie unser visuelles System funktioniert, recht nahe gekommen. Aber irgendwie haben wir in 100 Jahren der Robotik keinen Roboter auf zwei Beinen laufen sehen, denn Roboter laufen nicht auf zwei Beinen, es ist nämlich keine einfache Sache. 100 Jahre der Robotik und wir kriegen keinen Roboter dazu, sich mehr als ein paar Schritte zu bewegen. Sollen sie eine Schräge hochlaufen, fallen sie um. Sie sollen sich umdrehen und fallen um. Ein ernsthaftes Problem. Was ist also die schwierigste Aufgabe für ein Gehirn? Was sollten wir untersuchen? Vielleicht der Gang auf zwei Beinen, oder das motorische System. Hier ein Beispiel aus meinem Labor, meine ziemlich stinkenden Fragen, da wir mit dem Geruchssinn arbeiten. Aber hier ist ein Diagramm mit fünf Molekülen und einer Art chemischen Schemas. Das sind einfach nur Moleküle, aber wenn Sie die riechen, mit diesen beiden kleinen Löchern in Ihrem Gesicht, dann taucht in Ihrer Vorstellung der Eindruck einer Rose auf. Wenn eine echte Rose da ist, sind diese Moleküle da, aber selbst wenn sie nicht da ist, haben Sie die Erinnerung eines Moleküls. Wie können wir Moleküle in Wahrnehmung umändern? Was für ein Prozess liegt dem zugrunde? Hier ist ein weiteres Beispiel: Zwei sehr einfache Moleküle in dieser chemischen Formel. Vielleicht stellen Sie sie sich eher so vor, dass die grauen Kreise Kohlenstoffatome sind, die weißen Wasserstoff und die roten Sauerstoff. Diese zwei Moleküle unterscheiden sich in einem Kohlenstoffatom, und zwei Wasserstoffatome, die bei ihm mitfahren, und doch hat eines von ihnen, Heptylacetat, den eindeutigen Geruch einer Birne, und Hexylacetat ist ganz klar eine Banane. Jetzt kommen zwei sehr interessante Fragen. Erstens: Wie kann ein so einfaches kleines Molekül eine Wahrnehmung in Ihrem Gehirn erzeugen, die so klar wie eine Birne oder Banane ist? Zweitens: Wie zur Hölle können wir den Unterschied zwischen zwei Molekülen feststellen, die sich durch ein Kohlenstoffatom unterscheiden? Das ist doch bemerkenswert, und der beste chemische Detektor auf dem Planeten. Und Sie denken noch nicht einmal drüber nach!

Hier ist eines meiner Lieblingszitate und es bringt uns zurück zur Ignoranz und zur Idee der Fragen. Ich zitiere gern, da ich Leute ungern aus Gesprächen ausschließe, nur weil sie tot sind. Und außerdem finde ich den Gedanken wichtig, dass diese Konversation schon seit einer Weile abläuft. Erwin Schrödinger also, ein großer Quantenphysiker und, wie ich meine, Philosoph, bemerkt, dass man "der Ignoranz eine unbestimmte Zeitperiode folgen" muss. Und dieses Befolgen der Ignoranz müssen wir meiner Meinung nach lernen. Das ist schwierig. Es ist wirklich nicht so einfach.

Es liegt wohl an unserem pädagogischen System, und nun komme ich zu Ignoranz und Erziehung, denn hier kommt es wirklich zum Tragen. Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht. Im Zeitalter von Google und Wikipedia muss sich das Geschäftsmodell der Universität und wahrscheinlich auch der Oberstufe grundlegend ändern. Wir können nicht einfach vom Verkauf von Fakten leben. Man erhält sie auf einen Mausklick, oder wenn man möchte, kann man wahrscheinlich einfach eine Wand fragen, eines Tages zumindest, oder wo auch immer sie die Dinge verstecken, die uns das alles erzählen.

Was müssen wir also tun? Wir müssen unseren Schülern ein Gefühl für die Grenzen geben, was außerhalb des Umkreises liegt, was außerhalb der Fakten liegt, genau hinter den Fakten.

Wie tun wir das? Als eines der Probleme stellen sich die Tests heraus. Wir haben zur Zeit ein Bildungssystem, das sehr effizient ist in einer sehr schlechten Sache. In der zweiten Klasse finden alle Kinder Wissenschaft toll, Mädchen und Jungen. Sie nehmen Zeug auseinander. Sie sind total neugierig. Sie untersuchen Dinge. Sie gehen in wissenschaftliche Museen. Sie spielen gern herum. Sie sind in der zweiten Klasse. Sie sind interessiert. Aber in der 11. oder 12. Klasse interessieren sich weniger als 10 Prozent auch nur im Ansatz dafür, geschweige denn will irgendjemand Wissenschaftler werden. Dieses unglaublich effiziente System treibt also effektiv jegliches wissenschaftliche Interesse aus den Köpfen heraus.

Wollen wir das? Ein Lehrerkollege von mir nannte die Ursache dafür "die bulimische Bildungsmethode". Sie wissen, was ich meine, oder? Wir stopfen ihnen einfach einen Haufen Fakten in den Hals und dann kotzen sie sie beim Test wieder raus und alle gehen nach Hause ohne jegliche intellektuelle Bereicherung.

Das kann so nicht weitergehen. Was tun wir also? Hier haben die Genetiker einen sehr praktischen Leitspruch. Sie sagen: "Bei einem Screening findet man immer, was man gesucht hat." Und das soll eine Warnung sein. Wenn wir also etwas aussieben, haben wir im Ergebnis immer das Ausgesiebte. Und wir sieben teilweise nach unseren Testmethoden aus. Wir hören eine Menge über Testen und Evaluation und müssen beim Testen vorsichtig darüber nachdenken, ob wir hier bewerten oder aussieben. Ob wir nicht die Leute aussieben und bestimmte Menschen ausschließen. Bewerten ist die eine Sache. Heutzutage hört man viel über Bewertungen in der pädagogischen Literatur, doch Bewertung läuft auf Feedback hinaus und auf eine Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen. Auf eine Chance, längerfristig mit dieser Art Feedback zu arbeiten. Das hat nichts mit Aussieben zu tun und ich sage hier oft, wenn Leute übers Bewerten von Studenten, von Lehrern, von Schulen oder Programmen sprechen, dann geht es hier eigentlich ums Aussieben. Und das ist schlecht, denn wir erhalten das, was wir vorausgewählt haben, und das haben wir bis jetzt auch erhalten.

Ich sage also, wir brauchen einen Test, der fragt: "Was ist X?", und die Antworten wären: "Keine Ahnung, weiß aber auch sonst keiner." oder "Was ist die Frage?" – Noch besser. Oder: "Ich werde es nachschlagen. Ich werde jemanden fragen, ich rufe mal schnell jemanden an. Ich find's heraus." Denn dazu sollen die Leute in der Lage sein und so bewertet man sie. In den fortgeschrittenen Kursen könnte die Frage so lauten: "Hier ist die Antwort. Was ist die nächste Frage?" Die mag ich besonders.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von William Butler Yeats: "Bei Bildung geht es nicht darum, Eimer zu füllen, sondern ums Entfachen von Feuer."

Holen wir die Streichhölzer raus! Danke.

(Beifall)

Danke. (Beifall)