Stephen Petranek
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Die Fortschritte, die die Astronomie, Kosmologie und Biologie in den letzten zehn Jahren gemacht haben, sind wirklich außergewöhnlich – wir wissen mittlerweile weit mehr über das Universum und seine Funktionsweise, als viele von Ihnen sich wahrscheinlich vorstellen. Aber da war noch etwas anderes, das mir auffiel, als diese Veränderungen geschahen, als man begann herauszufinden, dass... "Oh, ja, da ist ja tatsächlich ein schwarzes Loch im Zentrum jeder Galaxie." Die wissenschaftlichen Autoren und die Redakteure – vielleicht sollte ich lieber sagen: die Leute, die über Wissenschaft schreiben, und die Redakteure setzten sich zu ein paar Bier nach einem schweren Arbeitstag hin und sprachen über diese unglaublichen Auffassungen. Darüber, wie das Universum funktioniert.

Über kurz oder lang gelangten sie immer an denselben bizarren Punkt, nämlich die Arten, auf die die Welt sehr plötzlich enden könnte. Und darüber möchte ich heute sprechen. (Lachen) Ah, lacht nur, ihr Narren. (Lachen)

(Stimme: Können wir ein bisschen früher fertig werden?)

(Lachen) Stephen Petranek: Ja, wir brauchen die Zeit! Zuerst schien mir das etwas utopisch, aber nachdem ich viele dieser Ideen hinterfragt hatte, begann ich, viele von ihnen ernst zu nehmen. Und dann kam der 11. September und ich dachte mir, oh Gott, ich kann nicht zur TED-Konferenz gehen und über das Ende der Welt sprechen. Das will doch niemand hören. Nachdem das passiert ist! Und so begann eine Diskussion mit anderen Leuten, anderen Wissenschaftlern, über ein paar andere Themen, und einer von ihnen, ein Neurowissenschaftler, sagte: "Weißt du, es gibt eine Menge Lösungen für diese Probleme", und das erinnert mich an Michaels Vortrag gestern, und wie seine Mutter sagte, dass man eine Lösung nicht ohne Problem haben kann. Wir machten uns also daran, Lösungen für die Arten zu suchen, wie die Welt morgen enden könnte, und siehe da, wir fanden sie. Das bringt mich zu dem Video einer Pressekonferenz von Präsident Bush von vor ein paar Wochen. Können wir das abspielen, Andrew?

(Video) George W. Bush: Was die Verteidigung unserer Sicherheit auch kostet, und was die Verteidigung unserer Freiheit auch kostet, wir müssen den Preis zahlen."

SP: Ich stimme dem Präsidenten zu. Er möchte zwei Billionen Dollar, um uns nächstes Jahr vor Terroristen zu beschützen, bei dem Betrag würden wir sofort in die Defizitfinanzierung geraten. Aber Terroristen sind nicht unsere einzige Bedrohung. Wir sind Aug in Aug mit ein paar ernsthaften Katastrophen, die wir aber genau so verleugnen, wie wir den Terrorismus verleugneten, und das Geschehen vom 11. September.

Ich würde daher vorschlagen, 10 Milliarden Dollar aus diesem Budget über 2,13 Billionen Dollar zu nehmen – das sind zwei Hundertstel des Budgets – und eine Milliarde Dollar in jedes dieser Probleme steckten, von denen ich Ihnen erzählen werde, könnte die Mehrheit gelöst werden, und mit dem Rest könnten wir umgehen. Hoffentlich finden Sie dies sowohl faszinierend – mich fasziniert so etwas ja, zugegeben – für mich sind das Richards Kakerlaken.

Ich hoffe aber auch, denn ich denke, die Leute in diesem Raum können die Welt tatsächlich verändern, ich hoffe, dass Sie daraus ein paar Sachen mitnehmen, und wenn Sie die Möglichkeit haben, Einfluss auszuüben, können Sie dafür sorgen, dass für diese Ideen ein paar Moneten ausgegeben werden.

Fangen wir an. Nummer 10: Wir verlieren den Überlebenswillen. Wir leben in einem unglaublichen Zeitalter moderner Medizin. Wir sind alle viel gesünder als noch vor 20 Jahren. Leute überall auf der Welt erhalten bessere Gesundheitsversorgung, aber geistig zerfallen wir. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass einer von fünf Menschen auf dem Planeten eine klinische Depression hat. Und die Weltgesundheitsorganisation sagt auch, dass Depression die größte Epidemie ist, die die Menschheit je erlebt hat.

Bald werden genetische Errungenschaften und noch bessere Medikamente es uns erlauben, 100 als normale Lebensspanne anzusehen. Ein weibliches Kind, das morgen geboren wird, wird im Durchschnitt 83 Jahre alt werden. Unsere Lebenszeit verlängert sich mit jedem Jahr um ein weiteres. Das Problem an diesem ganzen Älterwerden ist aber, dass es die Leute über 65 sind, die am wahrscheinlichsten Selbstmord begehen.

Was sind die Lösungen dafür? Na ja, wir haben nicht wirklich eine Geistes-Krankenversicherung in diesem Land, und das ist – (Beifall) – das ist wirklich fahrlässig. Ungefähr 98 Prozent aller Leute mit Depression, und ich meine die wirklich ernste Depression – ich habe einen Freund mit unglaublich ernster Depression – das ist eine heilbare Krankheit mit der aktuellen medizinischen Versorgung und Technik. Aber es ist oft ein Mix aus Gesprächstherapie und Pillen. Pillen allein schaffen es nicht, besonders bei klinischer Depression. Man sollte einfach zu einem Psychiater oder Psychologen gehen können, dort seine Arztgebühr über 10 Dollar bezahlen und Behandlung erhalten, genau so wie bei einer Schnittwunde am Arm. Es ist lächerlich.

Zweitens werden Pharmafirmen keine hochentwickelten psychoaktiven Drogen entwickeln. Die meisten Geisteskrankheiten haben eine biologische Komponente, mit der man umgehen kann. Und jetzt wissen wir so unglaublich viel mehr über das Gehirn als noch vor zehn Jahren. Wir brauchen einen Anstoß der Bundesregierung, durch die Nationale Gesundheitsbehörde, die Nationale Wissenschaftsstiftung und ähnliche Institutionen, um den Pharmakonzernen bei der Entwicklung fortgeschrittener psychoaktiver Drogen zu helfen.

Kommen wir zur Nummer neun – nicht lachen: Eine Alien-Invasion. Vor zehn Jahren wäre kein Astronom auf der Welt auf die Idee gekommen – na, oder sehr wenige Astronomen – dass es Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gibt. 1995 fanden wir drei. Jetzt sind wir bei ungefähr 80 – wir finden zwei bis drei pro Monat. Alle gefundenen Planeten sind übrigens in dieser unglaublich kleinen Ecke in der Milchstraße, wo wir auch wohnen. Es muss Millionen Planeten in der Milchstraße geben, und wie Carl Sagan jahrelang stur behauptete und dafür ausgelacht wurde: Es muss Abermilliarden im Universum geben. In ein paar Jahren wird die NASA vier oder fünf Teleskope zum Jupiter schicken, wo es weniger Staub gibt, und nach erdähnlichen Planeten suchen, die wir mit der gegenwärtigen Technologie weder sehen noch registrieren können. Die Wahrscheinlichkeit, dass es kein Leben in anderen Ecken des Universums gibt, und relativ nahe bei uns, wird immer kleiner. Und die Wahrscheinlichkeit, dass einiges davon nicht intelligenter ist als wir, ebenso.

Bedenken Sie, wir sind erst seit etwa 200 Jahren eine fortschrittliche, eine industrielle Zivilisation. Obwohl mich jedes Mal, wenn ich nach Pompeii gehe, verblüfft, dass sie das Äquivalent eines McDonald's an jeder Straßenecke hatten. Ich weiß also nicht, wie weit die Zivilisation sich seit 79 n. Chr. wirklich weiterentwickelt hat. Aber die Wahrscheinlichkeit ist groß – ich glaube wirklich daran, und ich glaube nicht an Aliens und denke auch nicht, dass Aliens auf der Erde sind oder so etwas – aber die Wahrscheinlichkeit besteht, dass wir auf eine Zivilisation treffen werden, die intelligenter ist als wir es sind.

Und was wird dann passieren? Was, wenn sie herkommen und unsere Ozeane absaugen, um an den Wasserstoff zu kommen? Und uns wie Fliegen wegschlagen, so wie wir es mit Fliegen tun, wenn wir den Regenwald abholzen. Schauen wir uns die eigene Geschichte an. Der Physiker Gerard O'Neil sagte: "Die fortgeschrittene westliche Zivilisation hat einen zerstörerischen Effekt auf alle primitiven Zivilisationen gehabt, mit denen sie in Kontakt gekommen ist, selbst in den Fällen, wo aktiv versucht wurde, diese primitive Zivilisation zu beschützen." Wenn die Außerirdischen hier ankommen, sind wir die primitive Zivilisation.

Also, wie können wir das lösen? (Lachen) Gott sei Dank können Sie alle lesen! Es mag lächerlich scheinen, aber wir sind bewiesenermaßen sehr schlecht dabei, solche Dinge vorauszusehen und uns auf sie vorzubereiten. Wie viel Geld und Aufwand braucht es, einen Plan zu haben, wie man mit einer fortschrittlichen Spezies verhandelt?

Zweitens – und davon werden Sie von mir noch mehr hören – müssen wir eine nach außen blickende, weltraumreisende Nation werden. Wir müssen den Gedanken entwickeln, dass die Erde nicht ewig existiert, unsere Sonne nicht ewig existiert. Wenn wir wollen, dass die Menschheit überdauert, müssen wir die Milchstraße besiedeln. Und das ist zu diesem Zeitpunkt nicht jenseits unserer Vorstellungskraft. (Beifall) Es wird uns auch sehr dabei helfen, falls wir dabei eine fortschrittliche Zivilisation treffen, dass wir versuchen, fortschrittlich zu sein. Jetzt zu Nummer acht –

(Stimme: Steve, das mache ich, wenn TED vorbei ist.) (Lachen) (Beifall)

SP: Super! Du bist engagiert.

Nummer acht: Das Ökosystem kollabiert. Im letzten Juli veröffentlichten im Fachmagazin "Science" 19 Ozeanographen einen sehr, sehr ungewöhnlichen Artikel. Es war kein richtiger Forschungsbericht, eher eine Tirade. Sie sagten, wir haben uns die Ozeane nun lange angeschaut und wir möchten euch mitteilen, sie sind nicht gefährdet, sondern fast am Kollaps. Viele andere Ökosysteme auf der Erde sind wahrhaftig in Gefahr. Wir leben in einer Zeit des Massenaussterbens, das bisherige fossile Funde um den Faktor 10.000 übertrifft. Wir haben in den letzten 20 Jahren 25 Prozent der einzigartigen Spezies auf Hawaii verloren. Kalifornien wird 25 Prozent seiner Spezies in den nächsten 40 Jahren verlieren. Irgendwo im Amazonas steht der marginale Baum. Fällt man diesen Baum, kollabiert der Regenwald als Ökosystem. So einen Baum gibt es wirklich. Darauf wird es hinauslaufen. Und wenn dieses Ökosystem kollabiert, reißt es vielleicht ein riesiges Ökosystem mit sich, zum Beispiel unsere Atmosphäre. Wie gehen wir das an? Was sind unsere Lösungen?

Zur Zeit gibt es ein paar Pläne, Ökosysteme zu modellieren. Das Problem mit Ökosystemen ist, dass wir sie so wenig verstehen, wir wissen nicht, dass es ihnen schlecht geht, bis es beinahe zu spät ist. Wir müssen früher wissen, wenn es schlecht um sie steht, und wir müssen dann mögliche Lösungen ausprobieren können. Und mit der Rechenkraft, die uns jetzt zur Verfügung steht, läuft da schon einiges auf diesem Gebiet, aber es braucht Zuschüsse. Die Nationale Wissenschaftsstiftung muss sagen, tja, alles Geld, was in diesem Land für Wissenschaft verwendet wird, kommt auf irgendeine Weise von der Bundesregierung. Und die können die Prioritäten setzen, oder? Es gibt Leute in der Nationalen Wissenschaftsstiftung, die bestimmen können, was jetzt am wichtigsten ist. Das ist eine der Sachen, über die sie mehr nachdenken sollten.

Zweitens müssen wir riesige Biodiversitäts-Reservate gründen, und sie umherbewegen. In den letzten paar Jahren hat ein Experiment auf der Georges-Bank stattgefunden, bzw, der Neufundlandbank. Es ist ein Gebiet mit Fischereiverbot. Dort darf in einem Radius von 200 Meilen nicht gefischt werden. Und etwas Faszinierendes passierte: Fast alle Fische sind zurückgekehrt und pflanzen sich wie verrückt fort. Wir werden dies überall auf dem Erdball tun müssen. Wir werden Fischereiverbotszonen einrichten müssen. Wir werden sagen müssen, kein Abholzen des Amazonas für 20 Jahre. Soll er sich erholen, bevor wir weiter abholzen. (Beifall)

Nummer sieben: Unfall mit dem Teilchenbeschleuniger. Erinnern Sie sich alle an Ted Kaczynski, den Unabomber? Er schwafelte ständig darüber, dass ein Experiment mit einem Teilchenbeschleuniger schiefgehen und eine Kettenreaktion auslösen könnte, die die Welt zerstört. Ein paar sehr sachliche Physiker, ob Sie's glauben oder nicht, haben genau denselben Gedanken. Dieses Frühjahr – es gibt einen Beschleuniger bei Brookhaven auf Long Island – dieses Frühjahr wird dort ein Experiment durchgeführt, bei dem schwarze Löcher produziert werden. Sie wollen winzig kleine schwarze Löcher produzieren. Und die sollen dann angeblich verpuffen. (Lachen) Ich hoffe, sie haben recht. (Lachen)

Bei anderen Experimenten mit Teilchenbeschleunigern – eins findet nächsten Sommer in CERN statt – besteht die Möglichkeit, etwas namens "Strangelets", "seltsame Materie" zu erschaffen, was eine Art Antimaterie ist. Wenn sie auf andere Materie trifft, wird diese zerstört und vernichtet. Die meisten Physiker sagen, dass die gegenwärtigen Beschleuniger nicht stark genug sind, schwarze Löcher und seltsame Materie zu erschaffen, über die wir uns Sorgen machen müssten, und sie haben wohl recht. Aber überall auf der Welt, in Japan, Kanada, überall redet man darüber, man will es in den USA wieder einführen. Wir haben einen heruntergefahren, der ganz groß sein sollte. Aber jetzt wollen sie diese riesigen Beschleuniger bauen. Was können wir ausrichten? Was sind die Lösungen?

Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Wir brauchen den Rat von Teilchenphysikern, wenn es um Teilchenphysik geht, und was die Teilchenphysik braucht, aber wir brauchen auch ein paar neutrale Denker und Wächter, die ein Auge auf diese Experimente haben.

Zweitens ist die Erde von einem natürlichen Labor umgeben. Wir haben ein elektromagnetisches Feld um die Erde, das ständig von hochenergetischen Partikeln wie Protonen bombardiert wird. Und meiner Meinung nach verbringen wir nicht genügend Zeit damit, dieses natürliche Labor zu beobachten und daraus abzuleiten, welche Verfahren auf der Erde sicher wären.

Nummer sechs: Biotech-Katastrophe. Das ist einer meiner Favoriten, denn wir hatten schon ein paar Geschichten über Bt-Mais. Bt-Mais ist ein Mais, der sein eigenes Pestizid erschafft, um den Maiszünsler abzuwehren. Vielleicht haben Sie schon von der StarLink-Maisvariante gehört, zum Beispiel als alle Taco-Hüllen vor etwa anderthalb Jahren zurückgerufen wurden. Das Zeug sollte eigentlich in den USA nur Tierfutter werden, aber es gelang in die menschliche Nahrungsversorgung und jemand hätte das eigentlich vorher feststellen können. Aber vor ein paar Monaten passierte in Mexiko noch etwas Alarmierendes: Dort ist Bt-Mais und Genmais allgemein total illegal, und doch wurden Gene von Bt-Mais in wilden Maispflanzen gefunden. Wir vermuten, dass Mais seinen Ursprung in Mexiko hat. Mexiko ist also das Reservoir der genetischen Varianz für Mais. So kommt ein Skeptizismus wieder auf, der zunächst verschwunden war, dass Super-Unkräuter und Super-Schädlinge sich über die Biotechnologie weltweit verbreiten und im wahrsten Sinne den gesamten Nahrungsmittelvorrat der Welt in kürzester Zeit zerstören könnten.

Was können wir dagegen tun? Wir müssen mit Biotechnologie dieselbe Vorsicht walten lassen wie bei Kernkraftwerken. Das war's schon. Dieses Feld ist verblüffend ungeregelt. Als die Katastrophe mit StarLink passierte, gab es einen riesigen Streit zwischen der Lebensmittelaufsichtsbehörde und der Umweltschutzbehörde, wer für welches Teilgebiet verantwortlich war, und sie bekamen das Problem über Monate nicht geregelt. Ganz schön verrückt.

Nummer fünf, das mag ich mit am liebsten: Umkehr des Magnetfelds der Erde. Ob Sie's glauben oder nicht, das passiert aller paar Hunderttausend Jahre, und ist in unserer Geschichte schon viele Male passiert. Der Nordpol wandert zum Südpol, der Südpol zum Nordpol und andersrum. Aber während das geschieht, verlieren wir über ungefähr 100 Jahre das Magnetfeld der Erde und das bedeutet, dass alle kosmischen Strahlen und Partikel, die von der Sonne ausgehen, und vor denen dieses Feld uns beschützt – na ja, wir werden im Prinzip gebraten. (Lachen)

(Stimme: Steve, ich habe unten noch ein paar Helme.)

SP: Was können wir deswegen tun? Oh, wir sind übrigens überfällig. Der letzte Vorfall liegt 780.000 Jahre zurück. Es hätte also vor circa 480.000 Jahren passieren sollen. Oh, und noch etwas: Wissenschaftler glauben, dass unser Magnetfeld um etwa 5 % abgenommen hat. Vielleicht sind das schon die Wehen. Eines der Probleme, wenn wir herausfinden wollen, wie gesund die Erde ist, ist dass wir keine guten Wetterdaten von dem Zeitraum vor 60 Jahren haben, und noch viel weniger Informationen über die Ozonschicht und so.

Es gibt also eine recht einfache Lösung dafür. In ungefähr sechs oder sieben Jahren wird preisgünstiges Raketenwesen stark zunehmen. So werden wir sehr günstig in die untere Atmosphäre gelangen. Wir können übrigens Ozon aus dem Auto-Auspuff gewinnen. Das ist nicht schwer: Es sind nur drei Sauerstoffatome. Wenn man die gesamte Ozonschicht auf die Oberfläche der Erde brächte, hätte sie eine Dicke von 2 Cents bei einem Gewicht von 1 kg pro cm². So viel brauchen wir da oben gar nicht. Wir müssen lernen, wie wir die Ozonschicht der Erde reparieren und wiederauffüllen. (Beifall)

Nummer vier: riesige Solareruptionen. Solareruptionen sind gigantische magnetische Ausbrüche aus der Sonne, die die Erde in Höchstgeschwindigkeit mit subatomaren Partikeln bombardieren. Bis jetzt haben unsere Atmosphäre und unser Magnetfeld uns ziemlich gut davor geschützt. Ab und zu verursacht eine Eruption Schaden in der Kommunikation, Elektrizität und so weiter. Astronomen studieren aber seit einer Weile Sterne, die unserer Sonne ähnlich sind, und einige von denen erhellen sich in dem ungefähren Alter unserer Sonne um den Faktor 20. Das hält dann nicht sehr lange und ist sehr alarmierend. Sie halten das für Super-Eruptionen, millionenmal mächtiger als alle bisherigen Eruptionen unserer Sonne.

So eine wollen wir natürlich nicht sehen. (Lachen) Es gibt dazu auch eine Kehrseite. Beim Untersuchen von sonnenähnlichen Sternen fanden wir heraus, dass sie Verkleinerungsphasen durchlaufen, wenn die Gesamtmenge der von ihnen abgegebenen Energie um etwa ein Prozent abnimmt. Ein Prozent klingt nach wenig, würde hier aber eine saumäßige Eiszeit verursachen. Was können wir dahingehend tun?

(Lachen) Wir terraformen Mars. Das ist eins meiner Lieblingsthemen. Ich habe 1993 darüber eine Geschichte in der "Life" geschrieben. Das ist höhere Mathematik, aber auch wieder nicht so hoch. Alles, was wir brauchen, um auf dem Mars eine Atmosphäre zu schaffen und einen bewohnbaren Planeten aus dem Mars zu machen, ist wahrscheinlich schon dort. Und man muss wirklich nur ein paar nukleare Fabriken dorthin schicken, die das Eisenoxid auf der Oberfläche aufsammeln und Sauerstoff ausspucken. Problematisch ist, dass dieser Prozess mindestens 300 Jahre dauert. Eher mehr als 500 Jahre, wenn wir es richtig machen wollen. Es gibt keinen Grund, nicht jetzt damit anzufangen. (Lachen)

Nummer drei – das ist doch cool, oder? (Lachen) Eine neue globale Epidemie. Menschen stehen schon seit Anbeginn ihrer Existenz mit Keimen auf dem Kriegsfuß, und ab und zu erlangen die Keime auch die Oberhand. 1918 tötete eine Grippeepidemie in den USA 20 Millionen Menschen. Damals belief sich die Bevölkerung auf etwa 100 Millionen. Die Beulenpest im Mittelalter in Europa tötete einen von vier Europäern. AIDS kommt wieder. Ebola bläht schon seine Nüstern, und das viel zu regelmäßig. Und alte Krankheiten wie Cholera werden gegen Antibiotika resistent. Wir haben alle gelernt, was für eine Panik auftreten kann, wenn eine alte Krankheit wieder aufkommt, wie Milzbrand.

Das schlimmste Szenario wäre es, wenn ein sehr einfaches Bakterium wie Staphylokokken, für das wir noch ein funktionierendes Antibiotikum haben, mutiert. Und Staphylokokken können tolle Dinge tun. Eine Staphylokokken-Zelle kann sich aus einer neben ihr gelegenen Muskelzelle Gene borgen, wenn die Antibiotika ankommen, und sich verändern und mutieren. Die Gefahr besteht, dass Bakterien wie Staphylokokken zu etwas mutieren, das sehr ansteckend ist, und ganze Bevölkerungen abräumt, bevor wir handeln können. So etwas ist bereits passiert. Vor etwa 12.000 Jahren gab es in den Amerikas ein massives Säugetieraussterben, es wird angenommen, dass eine ansteckende Krankheit dazu führte. Was können wir dahingehend tun?

Es ist verrückt. Wir geben Antibiotika – (Beifall) – wir behandeln jeden Tag alle Kühe, Lämmer, Hühner mit Antibiotika. Wenn Sie in ein Restaurant gehen und Fisch essen, spitzen Sie mal Ihre Ohren: das kommt alles aus der Zucht. Man muss in einem Restaurant schon fragen, ob der Fisch wild ist, denn sagen tun sie es uns nicht. Wir verraten unseren Code. Das ist, als wäre man im Krieg und gibt jemandem den Geheimcode. Wir verraten den Keimen da draußen, wie sie uns bekämpfen können. Wir müssen das beheben. Wir müssen das sofort verbieten.

Außerdem ist unser Gesundheitssystem ein Desaster, haben wir ja beim Milzbrand gesehen. Wenn es einen echten, größeren Ausbruch in den USA gibt, dann sind wir nicht darauf vorbereitet, damit umzugehen. Es gibt zwar Geld im Staatsbudget, nächstes Jahr, um das öffentliche Gesundheitssystem aufzubauen. Aber ich glaube nicht, dass das wirklich gemacht werden muss.

Nummer zwei – mein Favorit – ein wanderndes schwarzes Loch. Wenn man vor zehn Jahren, oder eher vor 15 Jahren, auf einer astronomischen Tagung gesagt hätte: "Wisst ihr was, da ist wahrscheinlich ein schwarzes Loch im Zentrum einer jeden Galaxie", wäre man wahrscheinlich von der Bühne geworfen worden. Und wenn man jetzt zu so einer Tagung geht und sagt: "Ich glaube nicht, dass es schwarze Löcher gibt", wird man von der Bühne geworfen. Unser Verständnis von der Funktionsweise unseres Universums hat in den letzten Jahren unglaublich zugenommen.

Wir glauben, dass es um die 10 Millionen toter Sterne allein in der Milchstraße gibt, in unserer Galaxie. Und diese Sterne sind auf einen Durchmesser von 17 bis 25 km geschrumpft und sie sind schwarze Löcher. Und sie saugen alles sie Umgebende auf, inklusive Licht, daher können wir sie nicht sehen. Die meisten befinden sich im Orbit um etwas. Aber in Galaxien geht's rabiat zu und Dinge werden aus ihrem Orbit geschleudert. Und außerdem ist das Universum unglaublich riesig. Also selbst wenn eine Million davon aus dem Orbit geschleudert würden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns eins erwischt, recht klein. Aber die Dinger müssen nur in unsere Nähe kommen, so etwa 1,5 Milliarden Kilometer. Wenn es sich 1,5 Milliarden Kilometer entfernt befindet, passiert dies mit dem Orbit der Erde: Er wird elliptisch anstatt kreisförmig, und somit würde die Oberflächentemperatur drei Monate im Jahr auf 65° bis 80°C steigen. Und drei Monate im Jahr geht es auf 45°C unter Null. Das würde nicht so gut ausgehen. Was können wir da tun? Und jetzt kommt das Schlimmste. (Lachen) Ich habe darauf keine gute Antwort. Wir müssen weiter darüber nachdenken, Kolonien zu gründen.

Und die Nummer eins, die größte Gefahr für das uns bekannte Leben auf der Erde, ist ein riesiger Asteroid, der Kurs auf die Erde nimmt. Wir müssen hier eins bedenken, hier geht es nicht um die Möglichkeit, es geht hier um den Zeitpunkt, und die Größe. 1908 explodierte ein nur 60 Meter großer Komet über Sibirien und räumte Wälder im Umkreis von gut 150 km um. Das hatte den Effekt von etwa 1.000 Hiroshima-Bomben. Astronomen schätzen die Häufigkeit solcher kleinen Asteroiden auf alle 100 Jahre. 1989 flog ein riesiger Asteroid 650.000 km an der Erde vorbei.

Nicht weiter bedenklich, oder? Er durchflog den Erdorbit. Wir waren sechs Stunden vorher an diesem Ort gewesen. Ein kleiner Asteroid, sagen wir mal einen knappen Kilometer groß, würde Feuerstürme verursachen, direkt gefolgt von ernsthafter globaler Abkühlung durch die aufgewirbelten Trümmer – das ist Carl Sagans nuklearer Winter. Ein Asteroid mit einer Größe von 8 km würde zu riesigen Aussterben führen. Wir vermuten, der Asteroid, der die Dinosaurier erwischte, war etwa so groß. Wo sind sie? Es gibt den so genannten Kuipergürtel, der – einige Leute behaupten, Pluto sei kein Planet, er befindet sich dort, im Kuipergürtel. Es gibt auch noch etwas ein Stück weiter draußen, die Oortsche Wolke. Es gibt da draußen um die 100.000 riesige Kugeln aus Eis und Fels – Kometen also –, die 80 km und mehr im Durchmesser sind, und die drehen regelmäßig Richtung Sonne ab und fliegen relativ in unserer Nähe an uns vorbei. Was mir aber noch mehr Sorgen bereitet, sind die Asteroiden zwischen Mars und Jupiter. Letzten Herbst sagten uns die Leute bei Sloan Digital Sky Survey – sie erstellen die erste dreidimensionale Karte des Universums – dass es an die 700.000 Asteroiden zwischen Mars und Jupiter gibt, die einen Durchmesser von 800 Meter oder mehr haben. Sie fragen sich jetzt: "Wie wahrscheinlich ist so etwas denn?" Andrew, kannst du mal die Tabelle zeigen?

Diese Tabelle hat Dr. Clark Chapman am Southwest Research Institute vor ein paar Jahren dem Kongress gezeigt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Asteroiden- oder Kometen-Einschlag uns umbringt liegt bei etwa 1:20.000, laut diesen Forschungen. Jetzt schauen Sie sich mal dein Eintrag darunter an. Flugzeugabsturz: 1:20.000. Wir verwenden sehr viel Geld darauf, sicherzustellen, dass wir nicht bei einem Flugzeugabsturz sterben, aber dafür geben wir fast nichts aus. Und doch ist es total vermeidbar. Wir haben seit letztem Jahr die Technologie, das aufzuhalten. Können wir Lösungen anbringen?

NASA gibt drei Milliarden Dollar pro Jahr aus – das ist quasi deren Portokasse – um nach Asteroiden zu suchen. Denn wir können tatsächlich jeden Asteroiden da draußen finden, und ob und wann er die Erde treffen könnte. Und das versuchen sie herauszufinden. Aber sie werden bei drei Millionen Dollar pro Jahr 10 Jahre brauchen, und selbst dann werden sie ihrer Aussage nach nur 80 % registriert haben. Kometen sind schwieriger. Wir haben keine richtige Technologie, um Kometenflugbahnen vorauszusagen, oder wenn einer mit unserem Namen drauf auftaucht. Aber wenn wir es vorhersehen könnten, hätten wir viel Zeit. Wir brauchen ein Observatorium für diesen Zweck. Vielleicht haben Sie mal festgestellt, dass viele Kometen nach komplett unbekannten Amateur-Astronomen benannt sind. Das liegt daran, dass niemand außer Amateur-Astronomen sie sucht. Wir brauchen ein Observatorium, das speziell nach Kometen sucht.

Teil zwei der Lösung: Wir müssen herausfinden, wie wir einen Asteroiden zerstören, oder seine Flugbahn verändern. Vor einem Jahr haben wir etwas Tolles getan. Wir schickten eine Sonde in diesen Asteroidengürtel, sie hieß "NEAR", "Asteroiden-Rendezvous nahe der Erde". Und diese Leute umkreisten einen ungefähr 35 km langen Asteroiden namens Eros. Und dann zogen sie so ein heimliches NASA-Manöver ab, wo sie Extra-Batterien und Treibstoff und alles mit hatten, und landeten in der letzten Minute. Als die Mission vorbei war, landeten sie auf dem Ding. Wir haben ein Raumschiff auf einem Asteroiden landen lassen. Das ist nicht so schwer. Aber es ist problematisch, ihm einfach eine Bombe zu schicken, denn es gibt nichts, wogegen man im Weltall Druck ausüben kann, es gibt keine Luft. Eine Atomexplosion ist genau so heiß, aber wir haben nichts, das groß genug ist, so einen Asteroiden hochzujagen oder ihn wahrscheinlich eher zu zerpulvern.

Aber wir können lernen, auf den Asteroiden mit unserem Namen drauf zu landen und etwas wie einen kleinen Ionenantrieb dort abzusetzen, der nach einiger Zeit ihn vorsichtig auf eine andere Flugbahn bewegt, damit er, wenn wir richtig rechnen, die Erde nicht trifft. Wir müssen sie nur finden, dorthin gehen und dann etwas unternehmen. Ich weiß, Ihr Schädel dreht sich jetzt von diesem Zeug. Oh Gott! So viele Bedrohungen!

Wichtig ist es, sich an den 11. September zu erinnern. Wir wollen nicht wieder auf dem falschen Fuß erwischt werden. Uns ist das jetzt bekannt. Die Wissenschaft kann in vielen Fällen die Zukunft vorhersagen. Wissen ist Macht. Das Schlimmste, was wir jetzt machen könnten, ist so zu tun, als hätten wir schon genügend andere Probleme. (Lachen) So ein Fehler könnte uns unsere Zukunft kosten. Danke.