Michael Merzenich
1,351,538 views • 23:07

Diese Maschine, die in all unseren Schädeln wohnt, erinnert mich an eine Bemerkung von Woody Allen, der fragte, was das Beste wäre, das man in seinem Schädel haben kann. Und es ist diese Maschine. Sie ist für Veränderung geschaffen, es geht eigentlich nur darum. So können wir morgen Dinge tun, die wir heute noch nicht können, und heute die, die wir gestern noch nicht konnten. Natürlich wird sie dumm geboren. Das letzte Mal, als Sie ein Baby gesehen haben — Das ist übrigens meine Enkeltochter Mitra. Ist sie nicht großartig? (Lachen) Aber als sie geboren wurde, obwohl ihr Gehirn sich schon seit Monaten entwickelt hatte, basierend auf den Erfahrungen, die sie in der Gebärmutter gemacht hatte, waren ihre Fähigkeiten nur sehr schwach ausgebildet, wie bei jedem Kind zur Zeit einer normalen, natürlichen Geburt. Ihre Wahrnehmungskompetenzen fielen in einem Test plump aus. Es gibt keine richtigen Anzeichen für gedankliche Aktivität. Es gibt eigentlich fast keine Beweise dafür, dass sehr kleine Kinder überhaupt kognitive Fähigkeiten haben. Babys reagieren nicht auf viel. Es gibt kaum Anhaltspunkte dafür, dass eine Person mit von der Partie ist. (Lachen) Und sie können ihre Bewegungen nur auf sehr primitive Art kontrollieren. Einige Monate vergehen, bis dieses Kind etwas so Simples tun kann wie willentlich nach etwas zu greifen, zu nehmen und herumzubewegen, meistens zum Mund. Es werden einige Monate vergehen, und wir sehen eine lange, kontinuierliche Entwicklung der Evolution von den ersten Strampelbewegungen zum Sich-Umdrehen, Aufsetzen, Krabbeln, Stehen, Gehen, Sehen, bevor wir den magischen Punkt erreichen, an dem wir durch die Welt spazieren. Schauen wir uns jedoch die Zukunft des Gehirns an, finden wir beachtlichen Fortschritt. In diesem Alter kann das Gehirn bereits Dinge speichern. Es hat gespeichert, aufgezeichnet, kann sehr schnell die Bedeutung von Tausenden, Zehntausenden Objekten, Handlungen, und deren Verhältnis zur Welt abrufen. Und diese Beziehungen können auf Hunderttausende, wahrscheinlich Millionen, Arten gebildet werden. In diesem Alter kontrolliert das Gehirn schon sehr verfeinerte Wahrnehmungsfähigkeiten. Es hat sogar ein wachsendes Potential an kognitiven Fähigkeiten. Das Gehirn ist praktisch eine Denk-Maschine. Und in diesem Alter steht es außer Frage, dass bei diesem Gehirn eine Person involviert ist. Und in diesem Alter steuert es im Wesentlichen seine Selbstentwicklung und wir sehen eine bemerkenswerte Entwicklung bezüglich der Fähigkeit, Bewegungen zu steuern. Jetzt hat sich Bewegung so weit entwickelt, dass das Gehirn mehrere Bewegungen simultan steuern kann, in einer komplexen Abfolge, auf komplizierte Arten, wie es zum Beispiel nötig ist, um komplizierte Spiele, wie Fußball, zu spielen. Dieser Junge hier kann mit seinem Kopf Ball spielen. Dort wo er herkommt, Sao Paulo, Brasilien, können das etwa 40 % der Jungen in seinem Alter. Würde man nach Monterey gehen, hätte man Schwierigkeiten, einen Jungen zu finden, der das kann. Und wenn man einen finden würde, wäre er wahrscheinlich aus Sao Paulo. (Lachen) Das alles zeigt uns, dass unsere individuellen Fähigkeiten stark durch unser Umfeld geprägt werden. Dieses Umfeld erstreckt sich bis in unsere zeitgenössische Kultur, diesem Ding, das unser Gehirn sehr fordert. Was wir mit unserer persönlichen Entwicklung bewältigt haben, ist der Aufbau eines großen Repertoires an bestimmten Fähigkeiten, die genau an unsere persönliche Vergangenheit angepasst sind. Sie bilden wundervolle Unterschiede im menschlichen Wesen, sodass keine zwei von uns ganz gleich sind. Jeder von uns hat sich verschiedene Fähigkeiten angeeignet, die sich alle von der Formbarkeit und Anpassungsfähigkeit dieser bemerkenswert anpassungsfähigen Maschine herleiten. Im Gehirn eines Erwachsenen haben wir natürlich ein großes Repertoire an erlernten Fähigkeiten, die wir mehr oder weniger automatisch aus der Erinnerung ausführen können, was uns zu handelnden, sich bewegenden, denkenden Wesen macht. Verklemmte Laborratten an der Uni, also Menschen wie ich, untersuchen dies, indem wir uns Gehirne von Tieren wie Ratten oder Affen ansehen, oder dieser eigenartigen Kreatur — eine der bizarrsten Lebensformen der Welt — indem wir sie dazu bringen, sich neue Fähigkeiten anzueignen. Wir verfolgen die Veränderungen beim Erlernen einer neuen Fähigkeit. Wir machen das mit Individuen jeden Alters, dieser verschiedenen Spezies — nämlich von der Kindheit an über die Zeit als Erwachsene bis ins Alter. Wir nehmen also dazu etwa eine Ratte, um eine neue Fähigkeit zu erlernen, die es erfordern könnte, dass die Ratte ihre Pfote benutzt,

um bestimmte manuelle Griffweisen zu beherrschen, so wie wir ein Kind untersuchen und dessen Fähigkeit, Teilkenntnisse zu erwerben, oder eine allgemeine Fertigkeit, wie die Lesefähigkeit, zu erlangen. Oder man schaut sich ein älteres Individuum an, das eine komplexe Reihe von Fähigkeiten gemeistert hat, etwa das Lesen einer Notenschrift oder die Durchführung eines mechanischen Aktes wie eine musikalische Aufführung. Ausgehend von diesen Studien definierten wir zwei große Abschnitte der plastischen Entwicklung des Gehirns. Der erste große Abschnitt heißt meist "Kritische Zeit". Und in diesem Zeitraum richtet das Gehirn in seiner ursprünglichen Form seine grundlegende Verarbeitungsmaschine ein. Dies ist tatsächlich eine Periode dramatischen Wandels, in der es nicht das Lernen an sich braucht, um die anfängliche Differenzierung des Gehirnmechanismus anzuregen. Alles, was es dafür etwa im Klang-Bereich braucht, ist die Einwirkung von Klang. Und das Gehirn ist von der akustischen Umgebung abhängig, in der es heranwächst. Ich kann z. B. ein Tier in einer Umgebung aufziehen, in der es einen sinnlosen, dumpfen Klang gibt, ein Klang-Repertoire, das ich erstelle und für das Tier und sein junges Gehirn nur dadurch bedeutsam mache, dass ich es diesen Klängen aussetze. Und ich stelle fest, dass das Gehirn des Tiers die ursprüngliche Verarbeitung dieses Klangs idealisiert, innerhalb der Grenzen seiner Verarbeitungsleistung, um ihn in einer organisierten und geordneten Weise darzustellen. Das Geräusch muss für das Tier nicht wertvoll sein: Ich könnte ein Tier etwas hypothetisch Wertvollem aussetzen, wie Geräusche, die die Muttersprache eines Kindes simulieren. Das Gehirn entwickelt dann sogar einen spezialisierten Prozessor — spezialisiert auf ein komplexes Spektrum, auf dieses Klangrepertoir. Es übersteigert die Abgetrenntheit von Bedeutung auf multi-dimensionale, neuronal-repräsentative Weise. Wir können das Tier auch einem komplett bedeutungslosen und destruktiven Geräusch aussetzen. Ich kann ein Tier unter Bedingungen halten, die damit vergleichbar wären, ein Baby unter einem mäßig lauten Deckenventilator aufzuziehen, in der Präsenz eines kontinuierlichen Rauschens. Und wenn ich das tue, spezialisiere ich das Gehirn sogar, um ein Meisterverarbeiter dieses sinnlosen Rauschens zu werden. Als Folge hemme ich seine Fähigkeit, irgendein sinnvolles Geräusch darzustellen. Solche Dinge in der frühen kindlichen Entwicklung passieren bei echten Babys. Und sie sind z. B. für die schöne Entwicklung eines sprachenspezifischen Prozessors verantwortlich, bei jedem sich normal entwickelnden Baby. Sie sind also auch verantwortlich für die Entwicklung von fehlerhafter Verarbeitung bei einem beträchtlichen Teil an Kindern, die als Folge eingeschränkter sind in ihren Sprachfähigkeiten, wenn sie älter sind. In diesem frühen Stadium der Plastizität ändert sich das Gehirn sogar außerhalb eines Lernkontextes. Ich muss dem Gehörten keine Aufmerksamkeit schenken. Der Input muss nicht wirklich sinnvoll sein. Ich muss nicht in einem Verhaltenskontext sein. Das ist nötig, damit das Gehirn seine Verarbeitung einrichtet, um differentiell und selektiv zu handeln, damit das Lebewesen, das es trägt, anfangen kann, auf eine selektive Weise zu funktionieren. In der nächsten großen Lebensepoche, die auf ein Großteil des Lebens zutrifft, verfeinert das Gehirn seinen Mechanismus, während es ein breites Repertoire an Fähigkeiten meistert. Und in diesem Zeitraum, der sich vom ersten Lebensjahr bis zum Tod hinzieht, macht es das unter Verhaltenskontrolle. Und das heißt mit anderen Worten, das Gehirn hat Strategien, die die Bedeutung des Inputs für das Gehirn definieren. Und es konzentriert sich auf eine Fertigkeit oder eine Fähigkeit nach der anderen, unter spezifischer Aufmerksamkeitssteuerung. Es hat die Funktion, ein Ziel mit einem Verhalten zu erreichen, oder das Individuum, indem Verhalten belohnt wird. Das ist tatsächlich sehr wirksam. Eine ausdrucksstarke Fähigkeit zur Plastizität für Veränderungen im Gehirn. Es ist die Basis unserer wirklichen Differenzierung, eines Individuums vom anderen. Man kann sich das Gehirn eines Tiers anschauen, das mit einer spezifischen Fertigkeit beschäftigt ist, und die Veränderung in mehreren Ebenen miterleben oder dokumentieren. Hier ist ein sehr einfaches Experiment. Es wurde tatsächlich vor 5 Jahren in Kooperation mit Wissenschaftlern von der Universität von Provence in Marseilles durchgeführt. Ein sehr einfaches Experiment, bei dem ein Affe trainiert worden war, mit einem Werkzeug umzugehen, was genauso schwierig ist, wie der Umgang mit einem Löffel für ein Kind. Der Affe meisterte diese Aufgabe auch in ca. 700 Praxisversuchen. Anfangs konnte der Affe sie also gar nicht erfüllen. Er hatte eine Erfolgsquote von 1 aus 8 Versuchen. Diese Versuche waren sehr aufwendig. Jeder Versuch unterschied sich erheblich vom nächsten. Aber der Affe entwickelte schrittweise eine Strategie. Und etwa 700 Versuche später verrichtet der Affe sie fehlerlos — er scheitert nie. Er ist bei jeder Nahrungsaufnahme mit seinem Werkzeug erfolgreich. Zurzeit wird die Aufgabe in einer schön stereotypen Weise ausgeführt: sehr schön regulierte und häufig wiederholte Versuche. Wir können in das Gehirn des Affen blicken. Und da sehen wir eine Verzerrung. Wir können diese Änderungen verfolgen und haben das über die Zeit für solche Verhaltensweisen auch getan. Und hier sehen wir die Verzerrung auf der Hautoberfläche der Hand des Affen. Diese Karte hier zeigt die Oberfläche des Gehirns, in der wir in einem aufwendigen Experiment die Reaktionen rekonstruiert haben, Position für Position, in einer sehr detaillierten Kartierung der Reaktionen der Neuronen. Wir sehen hier eine Rekonstruktion davon, wie die Hand im Gehirn repräsentiert ist. Wir haben die Karte durch diese Übung tatsächlich verzerrt. Das ist in Pink dargestellt. Ein paar Fingerkuppen-Oberflächen sind größer. Diese Oberflächen nutzt der Affe, um das Werkzeug zu handhaben. Schauen wir uns die Selektivität der Reaktionen im Kortex des Affen an, sehen wir, dass der Affe sogar die Filtermerkmale geändert hat, die den Haut-Input der beteiligten Fingerspitzen darstellen. Es gibt also immer noch eine einzige, einfache Repräsentation der Fingerspitzen in diesem am besten organisierten kortikalen Bereich von der Hautoberfläche des Körpers. Beim Affen ist das wie bei uns. Und jetzt wird es in einer wesentlich feineren Körnung repräsentiert. Der Affe erhält von diesen Oberflächen detailliertere Informationen. Und das ist ein unbekannter — vielleicht auch unerwarteter — Teil des Erwerbs der Fähigkeit oder Fertigkeit. Wir haben uns unterschiedliche Bereiche des Kortex angesehen, während der Affe diese Aufgabe erfüllt. Jeder davon ändert sich auf eine Weise, die spezifisch ist für die Kenntnis oder Fähigkeit. So können wir etwa den Großhirnbereich betrachten, der den Input darstellt, der die Haltung des Affen kontrolliert. Wir betrachten die Großhirnbereiche, die spezifische Bewegungen kontrollieren, die bei einem Verhalten benötigten Bewegungsabläufe, usw. Alle sind umgestaltet und spezialisieren sich auf die vorliegende Aufgabe. Es gibt 15 oder 20 Großhirnbereiche, die sich ausdrücklich ändern, wenn man solch eine einfache Fertigkeit erlernt. Und das stellt sich in Ihrem Gehirn als starke Veränderung dar. Es repräsentiert zuverlässig die Veränderung der vielen Millionen von Reaktionen von Neuronen in Ihrem Gehirn. Es stellt die Veränderungen von Hundertmillionen oder Milliarden synaptischer Verbindungen in Ihrem Gehirn dar. Das entsteht durch physische Veränderung. Und das Ausmaß der Konstruktion ist enorm. Denken Sie an die Änderungen, die im Gehirn eines Kindes stattfinden, im allgemeinen Verlauf des Erwerbs des Bewegungsverhaltens. Oder beim Erwerb muttersprachlicher Fähigkeiten. Die Änderungen sind massiv. Es geht vor allem um die selektiven Repräsentationen von Dingen, die für das Gehirn wichtig sind. Zumeist wird dies im Leben des Gehirns vom Verhaltenskontext kontrolliert. Diesem schenkt man Aufmerksamkeit. Dadurch wird man belohnt. Das ist, was das Gehirn selbst als positiv und wichtig für einen erachtet. Es geht um kortikale Verarbeitung und Spezialisierung des Vorderhirns. Und das unterliegt Ihrer Spezialisierung. Deshalb sind Sie in Ihren vielen Kenntnissen und Fähigkeiten ein einzigartiger Spezialist: Ein Spezialist, dessen physisches Gehirn im Einzelnen ganz anders ist als das Gehirn einer Person vor 1000 Jahren; im Einzelnen überaus anders geartet als ein durchschnittliches Individuum vor 1000 Jahren. Eine der Eigenschaften dieses Änderungsprozesses besteht darin, dass die Information immer auf einen anderen Input oder Information bezogen ist, die zeitlich unmittelbar im Kontext auftreten. Denn das Gehirn konstruiert die Repräsentationen von Dingen, die sich in kurzen Augenblicken bedingen und sich in kurzen Sequenzen aufeinander beziehen. Das Gehirn zeichnet alle Information auf und treibt die Veränderung in einem zeitlichen Kontext voran. Der überwiegend stärkste Kontext, der in Ihrem Gehirn auftritt, sind Sie. Milliarden von Ereignissen haben sich in Ihrer Geschichte ereignet, die sich in der Zeit auf Sie beziehen als dem Empfänger, oder als Akteur, Ihnen selbst als Denker, Ihnen als treibender Kraft. Milliardenfach kommen Sinneseindrücke stückchenweise von der Oberfläche Ihres Körpers, die immer mit Ihnen als Empfänger verbunden sind, und die in Ihnen als Verkörperung münden. Sie werden konstruiert, Ihr Selbst wird aus Millionen von Ereignissen konstruiert. Es wird konstruiert. Es wird im Gehirn erschaffen. Und es wird im Gehirn durch physikalische Änderung erschaffen. Das ist eine wunderbar konstruierte Sache, die zu einer individuellen Form führt, denn jeder von uns hat erheblich unterschiedliche Geschichten und Erfahrungen, die in uns diese fabelhafte Differenzierung des Selbst, von Persönlichkeit, antreiben. Wir haben diese Forschung genutzt, um zu verstehen, wie sich eine normale Person entwickelt und ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten verfeinert, aber auch um die Ursprünge von Störungen zu verstehen, und die Entstehungen von Unterschieden oder Variationen, die die Leistungen eines Kindes oder Erwachsenen begrenzen könnten. Ich rede über die Nutzung dieser Strategien, um den auf Gehirnplastizität basierenden Ansatz zum Korrekturantrieb im Mechanismus eines Kindes zu gestalten, der die Kompetenz des Kindes als Sprachempfänger und -nutzer erhöht, und anschließend als Leser. Und ich werde über Experimente sprechen, die diese Neurowissenschaft tatsächlich anwenden, hauptsächlich um zu verstehen, wie das zum Funktionsverlust beim Altern beiträgt. Und indem wir dies in einem zielgerichteten Ansatz anwenden, versuchen wir, den Mechanismus zu differenzieren, um im Alter Funktionen wiederherzustellen. Mein erstes Beispiel bezieht sich auf Kinder mit Lernschwächen. Wir haben jetzt einen ganz großen Fundus an Literatur, der das fundamentale Problem zeigt, das bei den meisten Kindern mit frühen Sprachschwächen auftritt und die damit kämpfen, Lesen zu lernen: Ihre Sprachverarbeitung entwickelt sich nur defekt. Und der Grund für diese defekte Entstehung ist ein Rauschen im Mechanismus im frühen Leben des Babygehirns. So einfach ist das. Es ist ein Signal-Rausch-Problem. Verstanden? Viele Dinge tragen dazu bei. Es gibt zahlreiche ererbte Defekte, die ein Rauschen in den Mechanismusprozess einführen. Ich könnte nun sagen, das Rauschproblem könnte auch aufgrund von Information auftauchen, die den Ohren von der Welt geliefert werden. Die Älteren unter Ihnen im Publikum werden es wissen: Als ich ein Kind war, war klar: Ein mit einer Gaumenspalte geborenes Kind wurde mit einer geistigen Unterentwicklung geboren. Wir wussten, dass es kognitiv langsam sein und damit kämpfen würde, normale Sprachfähigkeiten zu erlernen; wir wussten, dass es damit kämpfen würde, Lesen zu lernen. Die meisten wären intellektuelle und akademische Fehlschläge. Diese Ansicht tritt nicht länger auf. Diese ererbte Schwäche, dieser ererbte Zustand, hat sich verflüchtigt. Davon hört man nichts mehr. Wo ist das hin? Ein niederländischer Chirurgen verstand vor etwa 35 Jahren, dass man das Problem einfach früh genug lösen kann, nämlich in der anfänglichen plastischen Phase des Gehirns. In dieser anfänglichen Installationszeit in der kritischen Phase stellt das Gehirn den Mechanismus einfach angemessen ein und nichts davon passiert. Wie korrigiert man eine Gaumenspalte durch Operation? Man öffnet im Grunde die Kanäle, die Flüssigkeit aus dem Mittelohr abtransportieren, die waren nämlich ziemlich voll. Jedes unkorrigierte Geräusch, das das Kind hört, ist gedämpft. Es ist reduziert. Die Muttersprache des Kindes ist in diesem Fall nicht Englisch. Sie ist nicht Japanisch. Es ist gedämpftes Englisch oder reduziertes Japanisch. Es ist Mist. Und das Gehirn spezialisiert sich darauf. Es erstellt eine Repräsentation von Sprach-Mist. Und dann bleibt das Kind darauf sitzen. Der Mist passiert aber nicht nur im Ohr. Er kann auch im Gehirn passieren. Das Gehirn selbst kann rauschen. Es rauscht normalerweise sehr stark. Es gibt viele ererbte Defekte, die zu mehr Rauschen führen. Und die Muttersprache eines Kindes mit so einem Gehirn wird reduziert. Es ist kein Englisch, sondern rauschendes Englisch. Und das führt zu fehlerhaften Repräsentationen von Wortklängen — nicht den normalen — einer anderen Strategie, von einer Maschine mit einer unterschiedlichen Zeit- und Raumkonstante. Und man kann im Gehirn so eines Kindes diese Zeitkonstanten aufzeichnen. Sie sind eine Größenordnung länger, durchschnittlich etwa 11 Mal länger als bei einem normalen Kind. Raumkonstanten sind etwa 3 Mal größer. So ein Kind wird Defizite in der Kognition und Merkfähigkeit in diesem Bereich haben. Natürlich haben sie das. Denn als Empfänger einer Sprache empfangen sie sie und bilden sie ab, und als Information bilden sie Mist ab. Und sie werden eine mangelnde Lesefähigkeit haben. Denn Lesen hängt von der Übertragung von Wortklängen in diese orthografische oder visuelle Darstellungsform ab. Wenn man keine Gehirn-Repräsentation von Wortklängen hat, macht diese Übertragung keinen Sinn. Und ist die Neurologie entsprechend abnormal. Dann haben diese Kinder zunehmend, in einer Bewertung nach der anderen, in deren Sprach- und Lesehandhabung — dort lässt sich diese abnormale Neurologie belegen. Es geht darum, dass man dies dem Gehirn abtrainieren kann. Eine Herangehensweise ist, dass man tatsächlich die Verarbeitungsfähigkeit des Mechanismus verfeinern kann, indem man ihn verändert. Ihn bis ins Detail verändert. Das dauert durchschnittlich 30 Stunden. Und wir haben das bisher bei ca. 430 000 Kindern erreicht. Tatsächlich werden rund 15 000 Kinder geschult, während wir sprechen. Und diese Auswirkungen sind beträchtlich. Hier schauen wir uns also die Normalverteilung an. Am meisten interessieren uns die Kinder auf der linken Seite der Verteilung. Das sind etwa 3000 Kinder. Sie sehen, dass die meisten Kinder auf der linken Seite der Verteilung sich in die Mitte oder nach rechts bewegen. Das ist eine umfassende Bewertung von ihren Sprachfähigkeiten. Das ist wie ein IQ-Test für Sprache. Die Auswirkung auf die Verteilung, wenn man jedes Kind in den USA trainieren würde, wäre eine komplette Verschiebung der Verteilung nach rechts und eine Einengung der Verteilung. Das ist ein erheblicher Einfluss. Denken Sie an eine Klasse von Kindern in Sprachkunst. Denken Sie an die Kinder am langsamen Ende der Klasse. Wir haben das Potential, die meisten dieser Kinder zur Mitte oder rechten Seite hin zu bewegen. Neben sorgfältigem Sprachtraining verbessert es auch Gedächtnis, Wahrnehmung, Sprechflüssigkeit und Sprachproduktion. Eine wichtige sprachabhängige Fähigkeit wird durch dieses Training aktiviert — nämlich das Lesen. Und das Gehirn wird weitgehend in Ordnung gebracht. Man kann in das Gehirn eines Kindes schauen, bei verschiedensten Aufgaben, wie das Forscher in Stanford, MIT, UCSF und UCLA und einigen anderen Institutionen getan haben. Und bei Kindern, die in verschieden Sprachverhalten oder in verschiedenen Leseverhalten agieren, sieht man zum großen Teil, für die meisten Kinder, deren neuronale Reaktionen, die zu Beginn sehr abnormal sind, und die sich durch Training normalisieren. Man kann nun die gleiche Methode nehmen, um Probleme beim Altern anzugehen. Wo sich der Mechanismus wieder verschlechtert vom kompetenten Mechanismus. Es geht bergab. Das Rauschen im Gehirn nimmt zu. Und das Erlernen von Modulation und Kontrolle verschlechtern sich. Und man kann in das Gehirn eines solchen Individuums schauen und die Veränderung in den Zeit- und Raumkonstanten bezeugen, mit denen z. B. das Gehirn die Sprache wieder abbildet. So wie das Gehirn zu Beginn aus dem Chaos kam, geht es am Ende wieder ins Chaos über. Daraus ergibt sich eine Schwächung von Gedächtnis, Kognition, Haltungsfähigkeit und Beweglichkeit. Es zeigt sich, dass man das Gehirn eines solchen Menschens — das ist eine so kleine Bevölkerungsgruppe — genauso intensiv für ca. 30 Stunden trainieren kann. Das sind 80- bis 90-Jährige. Wir sehen deutliche Verbesserungen ihrer unmittelbaren Erinnerung, ihrer Fähigkeit, Dinge mit Verzögerung zu erinnern, ihrer Fähigkeit, ihre Aufmerksamkeit zu kontrollieren, ihrer Sprachfähigkeiten und visuell-räumlichen Fähigkeiten. Der neuropsychologische Gesamtindex dieser geschulten Individuen in der Bevölkerung betrifft zwei Standardabweichungen. Wenn Sie also auf der linken Seite der Verteilung sitzen, und ich Ihre neuropsychologischen Fähigkeiten betrachte, ist der Durchschnittsmensch in die Mitte oder auf die rechte Seite der Verteilung gerückt. Es bedeutet, dass Menschen mit einem Risiko für Senilität, mehr oder weniger sofort, sich jetzt in einer geschützten Lage befinden. Mein Anliegen ist es, zu versuchen, ältere Mitbürger beinahe vollständig und in großen Zahlen zu retten, denn das kann auf diesem Gebiet im großen Umfang getan werden — und das Gleiche trifft auf Kinder zu. Vor allem möchte ich diese Wissenschaft auf andere Krankheiten ausweiten. Ich bin besonders an Dingen wie Autismus interessiert, und Zerebralparese, diesen großen Kindheitskatastrophen. Und bei Altersbedingungen wie Parkinsonismus, und bei anderen erworbenen Beeinträchtigungen wie Schizophrenie. Ihre Hauptfrage hier geht darum, wie Sie Ihren eigenen hochfunktionstüchtigen Lernmechanismus aufrechterhalten. Und natürlich ist der Schlüssel ein wohlgeordnetes Leben, in dem Lernen ständiger Bestandteil ist. Aber in Zukunft gehört Gehirn-Aerobic dazu. Machen Sie sich dafür bereit. Es wird für alle Teil des Lebens, in nicht allzu ferner Zukunft, genauso wie Leibesübungen Teil eines gutorganisierten, zeitgemäßen Lebens sind. Die andere Art, wie wir diese Literatur und Wissenschaft letztlich betrachten werden, die für Sie wichtig ist, ist unter Berücksichtigung dessen, wie man sich selbst unterstützen kann. Jetzt da Sie wissen, dass die Wissenschaft uns mitteilt, dass Sie verantwortlich sind, dass Sie es unter Kontrolle haben, dass Ihr Glück, Ihr Wohlbefinden, Ihre Fähigkeiten und Kapazitäten sich ständig verändern und verbessern können, und Sie der verantwortliche Akteur sind. Natürlich werden viele diesen Ratschlag ignorieren. Es wird lange dauern, bis sie es wirklich verstehen. (Gelächter) Das ist ein anderes Problem und nicht meine Schuld. Okay. Danke. (Applaus)