John Doerr
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Wir befinden uns an einem kritischen Punkt. Unsere Führungskräfte, einige unserer größten Institutionen, lassen uns im Stich. Warum? Manchmal sind sie böse oder unethisch, aber oft haben sie uns an die falschen Ziele gebracht. Und das ist inakzeptabel. Das muss aufhören. Wie können wir diese Fehler korrigieren? Wie werden wir den richtigen Weg wählen? Es wird nicht leicht sein.

Viele Jahre lang habe ich mit begabten Teams gearbeitet, und sie haben die richtigen und die falschen Ziele gewählt. Viele hatten Erfolg, manche haben versagt. Heute werde ich Ihnen erzählen, was wirklich den Unterschied ausmacht. Dass der ausschlaggebende Punkt ist, wie und warum sie sich bedeutsame und gewagte Ziele gesetzt haben, die richtigen Ziele aus den richtigen Gründen.

Gehen wir zurück ins Jahr 1975. Ja, das bin ich. Ich habe viel zu lernen, ich bin EDV-Techniker. Ich habe lange Haare, aber ich arbeite unter Andy Grove, der als der beste Manager seiner oder jeder anderen Ära bezeichnet wird. Andy war ein großartiger Anführer und ein großartiger Lehrer. Er sagte zu mir: "John, was du weißt, spielt fast keine Rolle. Am meisten zählt die Ausführung." Also erfand Andy ein System, "Objectives and Key Results" (Ziele und Schlüsselergebnisse). Geht einem leicht über die Lippen, nicht? Hierbei geht es ausschließlich um exzellente Ausführung. Das hier ist ein klassisches Video aus den 1970ern von Professor Andy Grove.

(Video) Andy Grove: Die zwei Schlüsselphrasen im Management von zielorientierten Systemen sind die Ziele und die Schlüsselergebnisse. Sie decken beide Zwecke ab. Das Ziel ist die Richtung. Die Schlüsselergebnisse muss man messen. Am Ende können Sie zweifelsfrei sagen: "Habe ich das getan oder nicht?" Ja. Nein. Einfach.

John Doerr: Das ist Andy. Ja. Nein. Einfach. "Objectives and Key Results", oder auch OKRs, bilden ein einfaches System zur Zielsetzung. Es eignet sich für Unternehmen, für Teams und sogar für den Einzelnen. Die Ziele sind, was man erreichen möchte. Die Schlüsselergebnisse sind, wie ich das hinbekomme. Ziele. Schlüsselergebnisse. Was und wie. Aber die Wahrheit ist: Viele von uns setzen sich die falschen Ziele. Und die meisten von uns setzen sich überhaupt keine Ziele. Viele Organisationen setzen sich Ziele und erreichen sie auch. Sie liefern ihre Verkäufe aus, sie stellen neue Produkte vor, sie schaffen ihre Zahlen, aber ihnen fehlt ein Sinn, um ihr Team zu inspirieren.

Wie setzt man also die richtigen Ziele? Zuerst muss man die Frage nach dem "Warum" beantworten. Warum? Denn Teams, die wirklich etwas verändern, kombinieren ihren Ehrgeiz mit ihrer Leidenschaft und ihrem Sinn, und sie entwickeln eine klare und überzeugende Vorstellung vom Warum.

Ich möchte Ihnen eine Geschichte erzählen. Ich arbeite mit einer bemerkenswerten Unternehmerin zusammen: Jini Kim. Sie leitet das Unternehmen "Nuna". Nuna ist ein Daten-Unternehmen im Gesundheitswesen. Als Nuna gegründet wurde, nutzten sie Daten, um die Gesundheitsbedürfnisse von Arbeitern in Großunternehmen zu versorgen. Und dann, nach zwei Jahren, schlug die Bundesregierung vor, die erste Cloud-basierte Datenbank für Medicaid zu gründen. Sie erinnern sich, Medicaid ist das Programm, das 70 Millionen Amerikaner versorgt, unsere Armen, unsere Kinder und Menschen mit Behinderung. Nuna bestand zu diesem Zeitpunkt aus nur 15 Leuten und die Datenbank sollte in einem Jahr fertig sein. Sie hatten eine ganze Reihe von Verpflichtungen einzuhalten. Und, ehrlich gesagt, würden sie an dem Projekt nicht viel verdienen. Das war ein Alles-oder-Nichts Moment. Aber Jini sagte zu. Sie ergriff die Gelegenheit. Sie schreckte nicht zurück. Warum? Es ist ein persönliches "Warum". Jinis jüngerer Bruder Kimong ist Autist. Als er sieben war, hatte er seinen ersten Epilepsie-Anfall in Disneyland. Er fiel zu Boden. Er hörte auf zu atmen. Jinis Eltern sind Immigranten aus Korea. Sie kamen mit beschränkten Mitteln ins Land, sprachen kaum Englisch. Also war es Jinis Aufgabe ihre Familie bei Medicaid anzumelden. Sie war neun Jahre alt. Dieser Moment bestimmte ihre Mission und diese Mission wurde ihr Unternehmen. Dieses Unternehmen bot, gewann und führte den Auftrag aus. Hier sehen wir Jini, die uns sagt warum:

(Video) Jini Kim: Medicaid hat meine Familie vor dem Bankrott gerettet und heute sorgt es für Kimongs Gesundheit und die von Millionen anderen. Nuna ist mein Liebesbrief an Medicaid. Jeder Datensatz ist ein Leben, dessen Geschichte es verdient, mit Würde erzählt zu werden.

JD: Jinis Geschichte zeigt uns, dass ein überzeugendes Sinngefühl die Startrampe für unsere Ziele sein kann. Denken Sie daran, das ist das, was wir erreichen wollen. Und Ziele sind bedeutsam, sie sind handlungsorientiert, sie sind inspirierend, und sie sind so was wie die Impfung gegen verschwommenes Denken. Man meint, ein Rockstar wäre ein ungewöhnlicher Nutzer von Zielen und Schlüsselergebnissen. Aber Bono hat jahrelang OKRs benutzt, um einen globalen Krieg gegen Armut und Krankheit zu führen. Seine Organisation "One" hat sich auf zwei wirklich großartige und gewagte Ziele konzentriert. Das erste ist Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt. Das zweite ist allgemeiner Zugang zu Anti-HIV-Medikamenten. Warum sind das jetzt gute Ziele? Gehen wir zurück zu unserer Checkliste. Bedeutsam? Ja. Konkret? Ja. Handlungsorientiert? Ja. Inspirierend? Hören wir Bono doch zu.

(Video) Bono: Du bist leidenschaftlich? Wie leidenschaftlich? Zu welchen Handlungen treibt dich deine Leidenschaft? Wenn Herz und Kopf nicht zusammenfinden, dann bedeutet deine Leidenschaft nichts. Der OKR-Rahmen veredelt die Verrücktheit, die Chemie in ihr. Er gibt uns einen Spielraum für Risiko, für Vertrauen, in der Versagen kein Kündigungsgrund ist. Wenn man so eine Struktur und so einen Spielraum hat, und die richtigen Leute, dann wird der Zauber entfacht.

JD: Ich liebe das. OKRs veredeln die Verrücktheit und dann wird der Zauber entfacht. Das ist perfekt.

Mit Jini haben wir das "Warum" abgedeckt, mit Bono das "Was" für Zielsetzung. Wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun dem "Wie" zu. Denken Sie daran, das "Wie" sind die Schlüsselergebnisse, also wie wir unsere Ziele erreichen. Gute Ergebnisse sind spezifisch und zeitgebunden. Sie sind aggressiv, aber realistisch. Sie sind messbar und sie sind überprüfbar. Das sind gute Schlüsselergebnisse.

1999 habe ich die OKRs den Mitbegründern von Google gezeigt, Larry und Sergey. Hier sehen wir sie, mit 24 in ihrer Garage. Sergey sagte ganz begeistert, er würde sie anwenden. Na ja, nicht ganz. In Wirklichkeit sagte er: "Wir haben keinen anderen Weg, um diese Firma zu leiten, also probieren wir das."

(Gelächter)

Ich nahm das als eine Art Bestätigung auf. Aber seitdem schreibt jedes Vierteljahr jeder Google-Mitarbeiter seine Ziele und Schlüsselergebnisse auf. Sie haben diese bewertet, und sie haben sie veröffentlicht, damit jeder sie sehen kann. Die werden nicht für Boni oder Beförderungen benutzt. Sie werden zur Seite gelegt. Sie dienen einem höheren Ziel, und zwar um kollektive Hingabe herzustellen, Ziele wirklich auszuweiten.

2008 setzte sich Google-Mitarbeiter Sundar Pichai das Ziel, die nächste Generation von Kundenplattformen für die Zukunft der Web- Anwendungen zu entwickeln, in anderen Worten, den besten Browser aller Zeiten zu entwickeln. Er dachte viel darüber nach, welche Schlüsselergebnisse er wählen sollte. Wie misst man den besten Browser? Es könnten Ad Clicks oder Verbindungen sein. Nein. Er sagte: Die Zahl der Nutzer, weil die Nutzer entscheiden werden, ob Chrome ein toller Browser ist oder nicht. Also hatte er ein dreijähriges Ziel: Den besten Browser entwickeln. Er blieb jedes Jahr bei denselben Schlüsselergebnissen, Anzahl der Nutzer, aber er erhöhte den Einsatz. Im ersten Jahr war sein Ziel 20 Millionen Nutzer und er erreichte es nicht, es waren nicht mal 10. Im zweiten Jahr setzte er die Latte auf 50 Millionen. Er bekam 37 Millionen Nutzer. Ein bisschen besser. Im dritten Jahr legte er noch mal einen drauf, 100 Millionen Nutzer. Er startete eine aggressive Marketing-Kampagne, weitere Verbreitung, er verbesserte die Technik und Kaboom! Er bekam 111 Millionen Nutzer.

Ich mag diese Geschichte, nicht so sehr wegen des Happy Ends, aber sie zeigt jemanden, der sorgfältig das richtige Ziel wählt und dann daran festhält, Jahr für Jahr. Es ist eine perfekte Geschichte für einen Nerd wie mich.

Ich stelle mir OKRs wie durchsichtige Behälter vor, die aus dem Was und Wie unseres Ehrgeizes gemacht sind. Es zählt das "Warum", das wir in diese Behälter schütten. Also warum wir unsere Arbeit machen. OKRs sind keine Wunderwaffe. Sie werden kein Ersatz für eine starke Kultur werden oder für eine starke Führung. Aber wenn diese Grundlagen gelegt sind, können sie einen an die Spitze bringen.

Ich möchte, dass Sie für einen Moment über Ihr Leben nachdenken. Haben Sie die richtigen Maße? Nehmen Sie sich Zeit, um Ihre Werte aufzuschreiben, Ihre Ziele und Ihre Schlüsselergebnisse. Tun Sie es heute. Möchten Sie eine Rückmeldung dazu, können Sie sie mir schicken. An john@whatmatters.com.

Wenn wir über die weltverändernden Ziele von Intel, Nuna, Bono und Google nachdenken, sind sie erstaunlich: allgegenwärtige Datenverarbeitung, bezahlbare Gesundheitspflege, hohe Qualität für jeden, globale Armut beenden, Zugang zu allen Informationen der Welt. Das ist der Deal: Jedes dieser Ziele wird heute von OKRs angetrieben.

Ich werde als der Hans Apfelkern der OKRs bezeichnet, weil ich das Evangelium nach Andy Grove verbreite. Ich möchte, dass Sie dieser Bewegung beitreten. Kämpfen wir für das, was wirklich wichtig ist, denn wir können OKRs über unser Geschäft hinaus anwenden. Wir können sie in unsere Familien bringen, in unsere Schulen, sogar in unsere Regierungen. Wir können Regierungen zur Verantwortung ziehen. Wir können diese Informationen verändern. Wir können zurück auf den rechten Weg kommen, wenn wir das messen, was wirklich zählt.

Danke.

(Applaus)