Andy Puddicombe
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Wir leben in einer unglaublich geschäftigen Welt. Die Geschwindigkeit des Alltags ist oft hektisch, unser Geist immer beschäftigt, und wir machen immer irgendetwas.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf möchte ich Sie bitten, kurz darüber nachzudenken, wann Sie sich das letzte Mal Zeit zum Nichtstun genommen haben? Nur 10 ungestörte Minuten? Und mit "Nichts" meine ich auch "Nichts". Also keine E-Mails, keine SMS, kein Internet, kein Fernsehen, keine Gespräche, kein Essen, kein Lesen, noch nicht einmal ein Schwelgen in Erinnerungen oder das Schmieden von Zukunftsplänen. Einfach nichts tun. Ich sehe eine Menge ausdrucksloser Mienen. (Lachen) Sie müssten bestimmt sehr weit zurückdenken.

Das ist doch außergewöhnlich, oder? Wir reden hier über unseren Geist. Der Geist, unsere nützlichste und kostbarste Quelle, durch den wir jeden einzelnen Moment unseres Lebens wahrnehmen, der Geist, auf den wir uns verlassen, um als Individuen glücklich, zufrieden und emotional stabil zu sein, zugleich aber auch freundlich und bedacht und rücksichtsvoll in unseren Beziehungen zu anderen. Derselbe Geist hilft uns konzentriert, kreativ, spontan zu sein, und bei allem, was wir tun, das absolut Beste zu geben. Und doch nehmen wir uns keine Auszeit, uns um ihn zu kümmern. Wir verbringen mehr Zeit damit, uns um unsere Autos, unsere Kleidung und unser Haar zu kümmern – gut, vielleicht nicht unser Haar, aber Sie wissen, was ich meine.

Und in der Folge sind wir natürlich gestresst. Sie wissen schon: Der Geist ist am Rotieren, er dreht sich im Kreis, so viele schwierige, verwirrende Gefühle, und wir wissen nicht genau, wie wir damit umgehen sollen und sind dadurch leider so abgelenkt, dass wir nicht mehr in der Welt, in der wir leben, präsent sind. Wir verpassen die Dinge, die uns am wichtigsten sind, und das Verrückte ist, dass jeder annimmt, tja, so ist das Leben, also machen wir eben so weiter. Aber so muss es nicht sein.

Ich war ungefähr 11, als ich zu meinem ersten Meditationskurs ging. Glauben Sie mir, er bestätigte alle erdenklichen Klischees: im Lotussitz auf dem Fußboden sitzen, Räucherstäbchen, Kräutertee, Vegetarier – das ganze Programm, aber meine Mutter ging hin und ich war neugierig und ging mit. Ich hatte auch ein paar Kung-Fu-Filme gesehen und dachte heimlich, dass ich vielleicht Fliegen lernen kann, aber ich war damals sehr jung. Wie viele Leute, dachte ich mir, als ich da saß, dass das Aspirin für den Geist ist. Man hat Stress, man meditiert ein bisschen. Ich hatte nie darüber nachgedacht, dass es auch präventiv sein kann, bis ich etwa 20 war und in meinem Leben Schlag auf Schlag eine Reihe von Dingen passierte, wirklich gravierende Dinge, die mein Leben auf den Kopf stellten, und plötzlich hatte ich den Kopf voller Gedanken, voller komplizierter Gefühle, mit denen ich nicht umzugehen wusste. Immer, wenn ich eins unterdrückte, kam ein anderes einfach wieder hoch. Diese Zeit war sehr stressig.

Ich vermute, wir gehen mit Stress alle unterschiedlich um. Einige Leute vergraben sich in ihrer Arbeit, dankbar für die Ablenkung. Andere wenden sich an ihre Freunde oder Familie mit der Bitte um Unterstützung. Einige greifen zur Flasche oder nehmen Medikamente. Meine Art, damit umzugehen, war ein Mönch zu werden. Also brach ich mein Studium ab und reiste in den Himalaya. Ich wurde ein Mönch und fing an, das Meditieren zu erlernen.

Ich werde oft gefragt, was ich damals gelernt habe. Na ja, es hat die Dinge natürlich verändert. Seien wir ehrlich, als Mönch im Zölibat zu leben verändert schon ein paar Dinge. Aber es ging weit darüber hinaus. Es lehrte mich – es verlieh mir eine höhere Wertschätzung und Verständnis für den gegenwärtigen Augenblick. Ich meine damit, sich nicht in Gedanken zu verlieren, nicht abgelenkt zu werden, nicht von schwierigen Gefühlen überwältigt zu werden, sondern stattdessen zu lernen, im Hier und Jetzt zu sein, sich seiner bewusst zu sein, präsent zu sein.

Der gegenwärtige Augenblick wird so unterschätzt. Es klingt so normal, jedoch verbringen wir so wenig Zeit im gegenwärtigen Augenblick, dass es alles andere als normal ist. Einer kürzlich erschienenen Harvard-Studie zufolge verliert sich unser Geist durchschnittlich fast 47 % der Zeit in Gedanken. 47 Prozent. Zugleich ist dieses ständige Gedankenkreisen auch eine direkte Ursache fürs Unglücklichsein. Nun, wir haben eine begrenzte Zeit auf der Erde, und dann auch noch das halbe Leben in Gedanken versunken und möglicherweise ziemlich unglücklich zu sein, keine Ahnung, das ist doch eigentlich ziemlich tragisch, besonders, wenn man etwas dagegen tun kann, wenn es eine positive, angewandte, ausführbare und wissenschaftlich erwiesene Methode gibt, die es unserem Geist erlaubt, gesünder, achtsamer und weniger abgelenkt zu sein. Und das Schöne daran ist: Obwohl man dafür nur ungefähr 10 Minuten pro Tag braucht, beeinflusst es unser ganzes Leben. Aber zuerst müssen wir wissen, wie es geht. Wir brauchen eine Übung. Rahmenbedingungen, um zu lernen, wie man achtsamer wird. Das, im Wesentlichen, ist Meditation. Wir machen uns mit dem Augenblick bekannt. Aber wir müssen auch wissen, wie wir es richtig angehen, um das Beste herauszuholen. Dafür gibt es diese hier, falls Sie sich schon gefragt haben, denn die meisten Leute nehmen an, dass es beim Meditieren darum geht, Gedanken anzuhalten, Gefühle loszuwerden, den Geist zu kontrollieren, aber eigentlich ist es ganz anders. Es geht vielmehr darum, einen Schritt zurück zu machen, die Gedanken klarer wahrzunehmen, ihr Kommen und Gehen zu erleben, das Kommen und Gehen von Gefühlen, ohne sie zu beurteilen, aber mit einem entspannten, konzentrierten Geist.

Wenn ich mich beispielsweise jetzt zu sehr auf die Bälle konzentriere, kann ich mich nicht entspannen und zugleich mit Ihnen reden. Entspanne ich mich gleichermaßen zu sehr beim Gespräch, kann ich mich nicht auf die Bälle konzentrieren und lasse sie fallen. Nun gibt es im Leben und in der Meditation Zeiten, wenn der Fokus etwas zu intensiv wird und das Leben sich ungefähr so anfühlt. Eine sehr unangenehme Art, sein Leben zu führen, wenn man sich so verspannt und gestresst fühlt. Zu anderen Zeiten nehmen wir vielleicht den Fuß etwas zu sehr vom Gas und alles fühlt sich eher ein bisschen so an. In der Meditation – (Schnarchen) – schlafen wir dann natürlich ein. Also suchen wir nach Gleichgewicht, konzentrierter Entspannung, bei der wir die Gedanken kommen und gehen lassen können, ohne darin verwickelt zu werden.

Nun, wenn wir lernen, achtsam zu sein, werden wir normalerweise von einem Gedanken abgelenkt. Angenommen, das ist ein beunruhigender Gedanke. Alles läuft gut und plötzlich sehen wir diesen beunruhigenden Gedanken und denken: "Oh, wusste gar nicht, dass mich das beunruhigt." Man kommt auf ihm zurück, wiederholt ihn. "Oh, beunruhigend. Ich bin wirklich beunruhigt. Mensch, so viele Sorgen." Und ehe man sich's versieht, machen wir uns Sorgen, dass wir uns Sorgen machen. Das ist doch verrückt. Das tun wir ständig, selbst im Alltag. Erinnern Sie sich mal daran, als Sie das letzte Mal einen wackligen Zahn hatten. Sie wissen, er wackelt, und Sie wissen, er tut weh. Und was machen Sie alle 20-30 Sekunden? (Murmelt) Er tut wirklich weh. Wir verstärken es nur noch, oder? Wir sagen es uns immer wieder und tun es die ganze Zeit. Nur wenn wir lernen, den Geist auf diese Art zu beobachten, können wir gleichzeitig diese Geschichten und Gedankenmuster loslassen. Wenn Sie sich aber hinsetzen und den Geist so beobachten, sehen Sie vielleicht viele verschiedene Muster. Sie treffen vielleicht auf einen Geist, der ruhelos ist – die ganze Zeit. Seien Sie nicht überrascht, falls Sie Aufregung verspüren, wenn Sie sich zum Nichtstun hinsetzen und Ihr Geist sich so anfühlt. Vielleicht finden Sie einen sehr abgestumpften, langweiligen, fast mechanischen Geist vor und es scheint so, als ob Sie aufstehen, arbeiten gehen, essen, schlafen, aufstehen, arbeiten. Oder es ist ein winziger Gedanke, der an Ihnen nagt, der immerzu im Kopf seine Kreise dreht. Was es auch ist, Meditation bietet die Gelegenheit, die Möglichkeit, zurückzutreten und eine andere Perspektive einzunehmen, um zu sehen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Wir können nicht jede Einzelheit ändern, die uns im Leben widerfährt, aber wir können die Art und Weise ändern, wie wir sie erleben. Das ist das Potenzial von Meditation, von Achtsamkeit. Es bedarf keiner Räucherstäbchen und man muss auch nicht auf dem Fußboden sitzen. Man braucht einfach nur zehn Minuten am Tag, in denen man einen Schritt zurück tritt und sich dem Augenblick widmet, um so eine bessere Wahrnehmung der Konzentration, Ruhe und Klarheit im Leben zu bekommen.

Vielen Dank. (Applaus)