Andrew McAfee
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Die Schriftstellerin George Eliot mahnte uns, dass von allen Arten von Fehlern Wahrsagerei der überflüssigste ist. Die Person, die wir alle als ihr Gegenstück aus dem 20. Jahrhundert kennen, Yogi Berra, stimmte zu. Er sagte, "Es ist schwer, Vorhersagen zu treffen, besonders über die Zukunft."

Ich werde ihre Warnungen ignorieren und eine sehr spezifische Vorhersage machen. In der Welt, die wir sehr schnell erschaffen, werden wir immer mehr Dinge sehen, die nach Science Fiction aussehen, und immer weniger Dinge, die wie Arbeit aussehen. Unsere Autos werden sich sehr bald selbst steuern, also werden wir weniger LKW-Fahrer brauchen. Wir werden Siri mit Watson verbinden und verwenden, um viele Aufgaben zu automatisieren, die momentan vom Kundendienst erledigt werden, oder von Problemlösern und Diagnose-Stellern, wir verwenden ja jetzt schon R2D2, malen ihn orange an, und lassen ihn arbeiten. Er trägt Regale durchs Kaufhaus, deswegen brauchen wir viel weniger Menschen, die die Gänge auf und ab gehen.

Über 200 Jahre lang haben die Menschen genau das gesagt, was ich Ihnen jetzt sage – das Zeitalter der technologischen Arbeitslosigkeit steht bevor – es begann mit den Technikfeinden, die vor ca. 200 Jahren in Großbritannien Webstühle zerschlugen. Und sie lagen falsch. Die Volkswirtschaften der Industrieländer kamen der Vollbeschäftigung ganz nah.

Das bringt mich zur Schlüsselfrage: Warum ist es dieses Mal anders, falls es das ist? Es ist anders, weil allein in den letzten paar Jahren unsere Maschinen begannen, Fähigkeiten zu zeigen, die sie vorher nie hatten: verstehen, sprechen, hören, sehen, antworten, schreiben, und sie erlernen immer neue Fähigkeiten. Mobile menschenähnliche Roboter sind unglaublich primitiv, aber die Forschungsabteilung des Verteidigungsministeriums rief gerade einen Wettbewerb aus, um sie derartige Dinge tun zu lassen. Wenn die bisherige Erfolgsgeschichte etwas verspricht, dann, dass der Wettbewerb ein Erfolg sein wird. Wenn ich mich so umschaue, glaube ich, dass es nicht mehr lange dauert, bis wir Androiden haben, die uns einige Arbeit abnehmen. Und wir erschaffen eine Welt, in der es immer mehr Technologie und immer weniger Jobs geben wird. Es ist eine Welt, die Erik Brynjolfsson und ich "das neue Maschinenzeitalter" nennen.

Man darf nicht vergessen, dass dies absolut großartige Neuigkeiten sind. Die besten Nachrichten der momentanen Wirtschaft. Es gibt schließlich nicht viel Konkurrenz, oder? Es gibt zwei Gründe, warum es momentan die beste Nachricht für die Wirtschaft ist. Erstens ermöglicht uns technologischer Fortschritt, unser wunderbares Rennen weiterzuführen, bei dem die Leistung mit der Zeit steigt, gleichzeitig die Preise sinken, und Umsatz und Qualität einfach weiter hochschnellen. Einige Menschen sprechen dabei von oberflächlichem Materialismus, das ist aber die falsche Sichtweise. Es ist Überfluss, genau das, was wir von unserem Wirtschaftssystem erwarten. Zweitens ist das neue Maschinenzeitalter eine so gute Nachricht, weil, sobald die Androiden Arbeit übernehmen, wir diese nicht mehr erledigen müssen und das erspart uns Plackerei und Schufterei.

Wenn ich mit meinen Freunden in Cambridge und im Sillicon Valley darüber spreche, sagen sie: "Fantastisch, keine Plackerei mehr, keine Schufterei. Das ermöglicht uns die Vorstellung einer völlig anderen Art der Gesellschaft, in der die Erschaffer und Entdecker, die Macher und Innovatoren mit ihren Förderern und Geldgebern gemeinsam über Themen sprechen, unterhalten, aufklären, und sich gegenseitig provozieren." EIgentlich eine Gesellschaft, die der TED-Konferenz ähnelt. Und darin liegt tatsächlich viel Wahrheit. Wir beobachten gerade ein erstaunliches Aufblühen. Eine Welt, in der es gleich einfach ist, ein Objekt herzustellen und ein Dokument zu drucken, bietet uns erstaunliche neue Möglichkeiten. Die Handwerker und Bastler der Vergangenheit sind heute Macher, die verantwortlich sind für eine enorme Menge an Innovation. Künstler, die in der Form eingeschränkt sind, können heute Dinge tun, die ihnen zuvor nie möglich waren. Eine große Blütezeit also, und ich glaube immer mehr dass dieses Zitat des Physikers Freeman Dyson keineswegs übertrieben ist. Es nennt lediglich Fakten. ["Technologie ist ein Geschenk Gottes. Nach dem Geschenk des Lebens vielleicht die größte seiner Gaben. Sie ist die Mutter der Zivilisationen, der Künste und der Wissenschaften."— Dyson]

Eine erstaunliche Phase.

Das bringt mich zu einer weiteren großen Frage: Was könnte in diesem neuen Maschinenzeitalter schief gehen? Stimmt's? Großartig, aufhören, florieren, heimgehen. Auf uns kommen zwei wirklich heikle Herausforderungen zu, während wir tiefer in die von uns erschaffene Zukunft steuern.

Die ersten sind wirtschaftliche, wirklich schön zusammengefasst in einer zweifelhaften Geschichte über ein Hin und Her zwischen Henry Ford II und Walter Reuther, dem damaligen Vorsitzenden der Auto-Gewerkschaft. Sie gehen durch eine neue, moderne Fabrik und Ford sagt scherzhaft zu Reuther: "Hey Walter, wie bringst du diese Roboter dazu, Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen?" Und Reuther schießt zurück: "Hey Henry, wie bringst du sie dazu, Autos zu kaufen?"

Reuthers Problem in dieser Anekdote ist, dass es schwer ist, seine Arbeitskraft einer Wirtschaft voller Maschinen anzubieten, das beweisen uns die Statistiken. Schaut man sich die Kapitalerträge der letzten Jahrzehnte an – mit anderen Worten, Unternehmensgewinne – sieht man sie steigen und wir sehen sie momentan auf einem Allzeithoch. Betrachten wir die Arbeitserträge, mit anderen Worten Gesamtlöhne, die in der Wirtschaft ausgezahlt werden, sehen wir sie am absoluten Tiefstand und sehr schnell in die andere Richtung steuernd.

Das sind eindeutig schlechte Nachrichten für Reuther. Es sieht nach tollen Neuigkeiten für Ford aus, aber eigentlich sind es keine. Um den Menschen riesige Mengen an etwas teuren Gütern zu verkaufen, braucht man eine große, stabile und wohlhabende Mittelschicht. Wir hatten so eine in Amerika für fast die ganze Nachkriegszeit. Aber die Mittelschicht ist jetzt eindeutig stark bedroht. Wir alle kennen viele Statistiken, ich möchte nur eine nennen, und zwar, dass das amerikanische Durchschnittseinkommen in den letzten 15 Jahren gesunken ist und wir Gefahr laufen, in einen Teufelskreis zu geraten, mit steigender Ungleichheit und Polarisierung.

Die gesellschaftlichen Herausforderungen aufgrund dieser Ungleichheit sollten beachtet werden. Es gibt eine Reihe gesellschaftlicher Herausforderungen, die mir eigentlich keine Sorgen machen und die durch derartige Bilder erfasst werden. Dies ist nicht die Art gesellschaftlicher Probleme, die mir Sorgen machen. Es mangelt nicht an Schreckensvisionen darüber, was passiert, wenn unsere Maschinen Bewusstsein erlangen sich erheben und Angriffe gegen uns koordinieren. Darüber werde ich mich erst sorgen, wenn mein Computer meinen Drucker erkennt.

(Gelächter) (Beifall)

Dies sind also keine wirklich Besorgnis erregenden Herausforderungen. Zur Erklärung der gesellschaftlichen Herausforderungen, die im neuen Maschinenzeitalter aufkommen werden, erzähle ich die Geschichte von zwei typischen amerikanischen Arbeitern. Um sie wirklich zum Stereotyp zu machen, sagen wir, sie sind beide weiße Männer. Und der erste hat einen College-Abschluss, eine professionelle und kreative Art, ist Manager, Ingenieur, Arzt, Anwalt, diese Art Arbeitnehmer. Nennen wir ihn "Ted". Er ist am oberen Ende der amerikanischen Mittelschicht. Sein Gegenstück war nicht auf dem College und arbeitet als ein Arbeiter, Angestellter, verrichtet niedere Büro- oder Fabrikarbeiten in der Wirtschaft. Nennen wir ihn "Bill".

Vor ungefähr 50 Jahren führten Bill und Ted ein bemerkenswert ähnliches Leben. Beispielsweise hatten 1960 sehr wahrscheinlich beide eine Vollzeitstelle mit mindestens 40 Wochenstunden Aber der Sozialforscher Charles Murray dokumentierte, dass, als wir anfingen, die Wirtschaft zu automatisieren, und 1960 war genau die Zeit der ersten Computer in den Unternehmen, als wir anfingen, schrittweise Technologie, Automatisierung und digitales Zeug in die Wirtschaft zu injizieren, bewegten sich die Schicksale von Bill und Ted stark auseinander. In diesem Zeitrahmen behielt Ted seinen Vollzeit-Job. Bill nicht. In vielen Fällen ist Bill überhaupt nicht mehr in der Wirtschaft. Ted hingegen meistens. Über die Jahre führte Ted eine ziemlich glückliche Ehe. Bill nicht. Und Teds Kinder sind mit zwei Elternteilen aufgewachsen, Bills Kinder hingegen mit der Zeit nicht. Andere Möglichkeiten, warum Bill aus der Gesellschaft fällt? Er nahm immer seltener an den Präsidentschaftswahlen teil und musste wesentlich öfter ins Gefängnis. Also kann ich keine fröhliche Geschichte über diese Gesellschaftstrends erzählen, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie sich selbst rückgängig machen. Sie treffen auch auf alle ethnischen oder demografischen Gruppen zu, und die Trends werden so ernst, dass sie Gefahr laufen, selbst unseren erstaunlichen Fortschritt aus der Bürgerrechtsbewegung zu bezwingen.

Und was meine Freunde im Silicon Valley und in Cambridge übersehen, ist, dass sie Ted sind. Sie leben diese unglaublich geschäftigen, produktiven Leben, und sie haben alle daraus entstehenden Vorteile, während Bill ein ganz anderes Leben führt. Beide geben Voltaire recht, als er über die Vorteile von Arbeit sprach, und dass sie uns gleich vor drei Übeln rettet. ["Die Arbeit hält drei große Übel fern: die Langeweile, das Laster und die Not."

— Voltaire]

Wie gehen wir jetzt also mit diesen Herausforderungen um?

Die wirtschaftlichen Spielregeln sind überraschend klar, und überraschend unkompliziert, besonders auf kurze Sicht. Die Roboter werden nicht alle unsere Jobs in den nächsten ein, zwei Jahren übernehmen, und so wird die klassische Spielregel aus "Einführung in die Ökonomie" gut funktionieren: Förderung unternehmerischer Tätigkeiten, Verdoppelung der Infrastruktur und sicherstellen, dass wir Menschen die entsprechenden Fähigkeiten aus unserem Bildungssystem mitnehmen.

Aber längerfristig, wenn wir zu einer Wirtschaft werden, die über viel Technologie und wenig Arbeitskraft verfügt, was wir gerade tun, dann müssen wir uns ein paar radikalere Eingriffe überlegen, zum Beispiel so etwas wie ein garantierter Mindestlohn. Das ist wahrscheinlich unangenehm für einige Leute hier weil diese Idee mit der extremen Linken und eher radikalen Ansichten zur Umverteilung von Vermögen in Verbindung gebracht wird. Ich habe ein wenig Forschung dazu betrieben und es könnte einige Leute beruhigen, dass die Idee eines garantierten Netto-Mindestlohns von diesen vor Wut schäumenden Sozialisten Friedrich August von Hayek, Richard Nixon und Milton Friedman verfochten wird. Und wenn Sie befürchten, dass so etwas wie ein garantiertes Einkommen unseren Erfolgskurs im Keim ersticken wird und uns irgendwie selbstgefällig werden lässt, könnte es Sie interessieren, dass die soziale Mobilität, eines der Dinge, auf die wir in den USA wirklich stolz sind, jetzt niedriger ist als in den nordeuropäischen Ländern, die diese sehr großzügigen sozialen Sicherheitsnetze haben. Die wirtschaftlichen Spielregeln sind also eigentlich ganz simpel.

Die gesellschaftlichen sind viel schwieriger. Ich kenne nicht die Anleitung dafür, dass Bill Arbeit findet und sein Leben lang behält.

Ich weiß aber, dass Bildung eine große Rolle darin spielt. Ich erlebte das am eigenen Leib. Ich war in den ersten Bildungsjahren ein Montessori-Kind, und diese Erziehung lehrte mich, dass die Welt ein interessanter Ort ist und es meine Aufgabe ist, sie zu erkunden. Die Schule ging nur bis zur dritten Klasse, danach kam ich ins öffentliche Schulsystem, und fühlte sich an, als wäre ich ins Gulag geschickt worden. Rückblickend weiß ich, dass es darum ging, mich auf das Leben als Angestellter oder Arbeiter vorzubereiten, aber damals dachte ich, es ginge darum, mich zu langweilen, bis ich mich dem unterordnete, was um mich herum geschah. Wir müssen es besser machen. Wir können nicht mehr Bills erschaffen.

Wir sehen erste Anzeichen dafür, dass die Dinge besser werden. Wir sehen, dass Technologie die Bildung stark beeinflusst und Menschen beschäftigt, von den jüngsten Lernern bis zu unseren ältesten. Sehr prominente Unternehmerstimmen fordern uns auf, einige der Dinge zu überdenken, die wir lange wertgeschätzt haben. Und wir sehen sehr ernste, dauerhafte und datengesteuerte Bemühungen, um zu verstehen, wie man in einigen unserer notleidendsten Gebiete intervenieren kann.

Die ersten Anzeichen sind also da. Ich will keineswegs so tun, als reiche aus, was wir haben. Uns stehen sehr große Herausforderungen bevor. Um nur ein Beispiel zu nennen: ca. 5 Millionen Amerikaner sind seit mindestens sechs Monaten arbeitslos. Wir werden ihre Probleme nicht lösen, indem wir sie wieder auf Montessori-Schulen schicken. Und meine größte Sorge ist, dass wir eine Welt erschaffen, mit schillernden Technologien, eingebettet in eine etwas schäbige Gesellschaft und gestützt durch eine Wirtschaft, die Ungleichheit statt Möglichkeiten fördert.

Aber ich glaube eigentlich nicht, dass wir das tun werden. Ich denke, dass wir etwas viel besseres tun werden, aus einem ganz einfachen Grund: Die Fakten verbreiten sich. Die Realität dieses neuen Maschinenzeitalters und der wirtschaftliche Wandel werden immer bekannter. Wollten wir diesen Prozess beschleunigen, könnten wir beispielsweise unsere besten Ökonomen und Politiker "Jeopardy!" gegen Watson spielen lassen. Wir könnten die Regierung mit einem selbstfahrenden Auto auf Reisen schicken. Und wenn wir genug solche Dinge tun, wird allen bewusst, dass die Dinge sich ändern werden. Und dann gibt es ein Wettrennen, weil ich nicht im Geringsten glaube, dass wir verlernt haben, schwierige Herausforderungen zu überwinden, oder dass wir zu apathisch oder hartherzig sind, um es zu versuchen.

Ich begann meinen Vortrag mit Zitaten von Wortschöpfern, zwischen denen ein Ozean und ein Jahrhundert lagen. Abschließen möchte ich mit Worten von Politikern, die ebenso weit auseinander lagen.

1949 kam Winston Churchill zu meiner Heimat, dem MIT, und sagte: "Wenn wir die breiten Massen der Menschen jeden Landes an den Gabentisch bringen möchten, müssen wir unermüdlich all unsere technischen Produktionsmethoden verbessern."

Abraham Lincoln erkannte eine weitere Zutat. Er sagte: "Ich glaube fest an die Menschen. Gibt man ihnen die Wahrheit, kann man sich darauf verlassen, dass sie jede nationale Krise überwinden. Wichtig ist, ihnen die reinen Fakten zu geben."

Das Optimistische, Tolle, was ich Ihnen mitgeben möchte, ist, dass die klaren Fakten des Maschinenzeitalters sichtbar werden und ich bin vollkommen überzeugt, dass wir sie einsetzen werden, um einen guten Weg zu weisen für die anspruchsvolle, üppige Wirtschaft, die wir gerade erschaffen.

Vielen Dank.

(Beifall)