Philip Zimbardo
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Heute möchte ich also mit Ihnen gemeinsam über den Untergang der Kerle nachdenken. Jungen versagen akademisch; in sozialer Hinsicht bei den Mädchen und in sexueller bei den Frauen. Abgesehen davon läuft es ganz gut. Was sagen die Zahlen? Zu Schulabbrüchen sind die Zahlen beeindruckend. Jungen brechen die Schule 30 Prozent häufiger ab als Mädchen. In Kanada kommen fünf männliche Abbrecher auf je drei weibliche. Mädchen übertreffen Jungen heute auf jeder Ebene, von der Grundschule bis zur Graduiertenschule. Der Unterschied beträgt 10 Prozent zwischen Bachelor-Abschlüssen und Graduiertenprogrammen, wobei die Jungen hinter den Mädchen liegen. Zwei Drittel der Schüler an Sonderschulen sind Jungen. Und bekannterweise wird bei Jungen fünfmal so häufig ADS diagnostiziert wie bei Mädchen — weswegen wir sie mit Ritalin behandeln.

Was sind die Hinweise auf das Verschwinden? Zunächst ist da eine neue Furcht vor Intimität. Intimität bedeutet physische und emotionale Verbindung mit jemand anderem — besonders mit einer Person des anderen Geschlechts, die mehrdeutige, widersprüchliche, phosphoreszierende Signale sendet. (Lachen) Und jährlich gibt es Studien zu selbsterklärter Schüchternheit unter College-Studenten. Wir beobachten eine kontinuierliche Zunahme bei den Männern. Es gibt zwei Arten. Es ist eine soziale Unbeholfenheit. Die alte Schüchternheit war eine Angst vor Zurückweisung. Es ist eine soziale Unbeholfenheit, wie wenn man als Fremder im Ausland ist. Sie wissen nicht, was sie sagen sollen, sie wissen nicht, was sie tun sollen, besonders, wenn sie mit dem anderen Geschlecht allein sind. Sie kennen nicht die Sprache des Sichtkontaktes, die non-verbalen und verbalen Regeln, die es ermöglichen, ungezwungen mit jemand anderem zu reden, jemand anderem zuzuhören.

Ich entwickle etwas, das ich Soziales Intensitätssyndrom nenne, das erklären soll, warum Männer wirklich lieber Männerfreundschaften schließen als sich mit Frauen zu paaren. Es zeigt sich, dass von frühester Kindheit an, Jungen, und später Männer, die Gesellschaft von Männern vorziehen — körperliche Gesellschaft. Und hier sehen wir nun eine kortikale Erregung weil Männer mit Männern zusammen waren, in Mannschaften, in Vereinen, in Banden, Bruderschaften, besonders im Militär, und dann in Kneipen. Und das erreicht seinen Höhepunkt am Super Bowl Sonntag, wenn die Männer lieber mit Fremden in einer Kneipe stehen und einem viel zu schick angezogenen Aaron Rodgers der Green Bay Packers zusehen, als die splitternackte Jennifer Lopez im Schlafzimmer zu haben. Das Problem ist, dass sie die asynchrone Welt des Internet der spontanen Interaktion sozialer Beziehungen vorziehen.

Was sind die Gründe? Nun, es ist eine unbeabsichtigte Folge. Ich glaube, es ist exzessive Internetnutzung im Allgemeinen, exzessives Videospiel, exzessiver neuer Zugang zu Pornographie. Das Problem ist, dies sind Erregungs-Abhängigkeiten. Bei Drogenabhängigkeit will man einfach mehr. Bei Erregungs-Abhängigkeit will man Anderes. Bei Drogen will man mehr desselben — Anderes. Man braucht also die Neuartigkeit, damit die Erregung fortbesteht.

Das Problem ist, dass die Industrie die Sucht bedient. Jane McGonigal erzählte uns letztes Jahr, dass, wenn ein Junge 21 wird, er bereits zehntausend Stunden Videospiele gespielt hat, die meisten davon in Isolation. Sie erinnern sich, Cindy Gallop sagte, Männer kennen den Unterschied zwischen Beischlaf und Pornographie nicht. Ein durchschnittlicher Junge sieht 50 Pornoszenen pro Woche. Und offensichtlich gibt es auch einen, der hundert sieht. (Lachen) Dabei wächst in Amerika keine Industrie schneller als die Pornoindustrie — 15 Milliarden jährlich. Auf je 400 Hollywood-Filme kommen 11.000 Pornovideos.

So kommt es sehr schnell zu einer neuen Art von Erregung. Die Gehirne der Jungen werden digital vollkommen neu orientiert: auf Veränderung, Neuartigkeit, Aufregung und fortwährende Erregung. Das bedeutet, sie sind vollkommen aus der Spur im Hinblick auf traditionelle Kategorien, die analog, statisch und interaktiv passiv sind. Sie sind auch vollkomen aus dem Gleichklang in romatischen Beziehungen, die graduell und subtil wachsen.

Was ist also die Lösung? Das ist nicht meine Aufgabe. Ich bin hier, um zu alarmieren. Es ist Ihre Aufgabe, eine Lösung vorzuschlagen.

(Lachen)

(Applaus)

Aber wen sollte das interessieren? Die einzigen, die das interessieren sollte, sind Eltern von Jungen und Mädchen, Erzieher, Spieler, Filmemacher und Frauen, die einen richtigen Mann möchten, mit dem sie reden können, der tanzen kann, der ein sanfter Liebhaber sein kann, und zu den evolutionären Dringlichkeiten beiträgen kann, damit unsere Art oberhalb der Bananenschnecke bleibt. Das geht nicht gegen Besitzer von Bananenschnecken. Vielen Dank.

(Applaus)