Stephanie Busari
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Ich möchte Ihnen die Geschichte von einem Mädchen erzählen. Aber ich kann Ihnen ihren Namen nicht sagen. Also nennen wir sie einfach Hadiza.

Hadiza ist 20 Jahre alt. Sie ist schüchtern, aber sie hat ein wunderschönes Lächeln, das ihr Gesicht erhellt. Aber sie hat ständig Schmerzen. Sie wird vermutlich ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen müssen.

Wollen Sie wissen, warum? Hadiza kommt aus Chibok und am 14. April 2014 wurde sie von Boko-Haram- Terroristen entführt. Jedoch gelang ihr die Flucht, indem sie vom LKW sprang, der die Mädchen transportierte. Aber bei der Landung brach sie sich beide Beine und musste auf ihrem Bauch hinter die Büsche kriechen, um sich zu verstecken. Sie erzählte mir, sie hatte Angst, Boko Haram würde wegen ihr zurückkommen. Sie war eines von 57 Mädchen, die an diesem Tag vom LKW sprangen.

Diese Geschichte hat aus gutem Recht auf der ganzen Welt Wellen geschlagen. Menschen wie Michelle Obama, Malala und andere haben ihrem Unmut Ausdruck verliehen, und ungefähr zurselben Zeit — Ich lebte gerade in London — wurde ich nach Abuja geschickt, um über das Weltwirtschaftsforum zu berichten, das Nigeria zum allerersten Mal abhielt. Aber als wir ankamen, wurde klar, dass es nur eine Geschichte zu berichten gab. Wir setzten die Regierung unter Druck. Wir haben schwierige Fragen über ihr Handeln gestellt, um die Mädchen zurückzubringen. Verständlicherweise waren sie über unsere Fragen nicht sehr glücklich, und sagen wir mal so, wir bekamen unseren Anteil an "alternativen Fakten".

(Lachen)

Einflussreiche Nigerianer erzählten uns, wir seien naiv, dass wir die politische Situation in Nigeria nicht verstehen würden. Aber sie erzählten uns auch, dass die Geschichte der Mädchen aus Chibok eine Falschmeldung wäre. Traurigerweise hatte diese Falschmeldung Bestand und bis heute gibt es Menschen in Nigeria, die glauben, dass die Mädchen aus Chibok nie entführt wurden. Trotzdem sprach ich mit Menschen wie diesen — verzweifelte Eltern, die uns erzählten, dass an dem Tag, als Boko Haram ihre Töchter mitnahm, sie den LKWs mit ihren Töchtern bis in den Sambisa-Wald nachliefen. Sie waren mit Macheten bewaffnet, aber dennoch gezwungen umzukehren, denn Boko Haram hatte Gewehre.

Das Nachrichtenprogramm lief unweigerlich zwei Jahre lang weiter, Zwei Jahre lang haben wir nicht viel über die Mädchen aus Chibok gehört. Jeder nahm an, sie wären tot. Aber im April letztes Jahres kam ich an dieses Video. Dies ist ein Standbild aus dem Video, das Boko Haram als Lebensbeweis filmte, und, über eine Quelle, gelang ich an das Video. Aber bevor ich es publik machen konnte, musste ich in den Nordosten von Nigeria reisen um mit den Eltern zu sprechen und es gegenzuprüfen. Ich musste nicht lange auf die Bestätigung warten. Eine der Mütter sagte mir, als sie das Video sah: Wenn sie in den Laptop hinein greifen und ihr Kind herausziehen könnte, hätte sie es getan. Für die von Ihnen, die wie ich Eltern sind, können sich den Schmerz nur vorstellen, den diese Mutter gefühlt hat.

Dieses Video sollte die Verhandlungen mit Boko Haram ankurbeln. Ein nigerianischer Senator erzählte mir, dass sie wegen diesem Video begannen, mit Boko Haram zu sprechen, denn sie hatten lange angenommen, dass die Mädchen aus Chibok tot seien. 21 Mädchen wurden im Oktober letztes Jahres befreit. Traurigerweise werden noch immer fast 200 von ihnen vermisst.

Ich muss zugeben, dass ich kein objektiver Beobachter war, als ich an der Geschichte arbeitete. Ich werde wütend, wenn ich an die vergeudeten Möglichkeiten denke, diese Mädchen zu retten. Ich werde wütend, wenn ich an die Eltern denke, die mir sagten: Wenn diese Mädchen reiche und mächtige Eltern hätten, wären sie viel früher gefunden worden. Und ich werde wütend, dass die Falschmeldung, wie ich stark annehme, eine Verspätung zur Folge hatte; es war Teil des Grundes für ihre verspätete Rettung.

Dies verdeutlicht die Gefahr von Falschmeldungen. Also was können wir dagegen tun? Es gibt sehr clevere Leute, clevere Techniker bei Google und Facebook, die versuchen Technik einzusetzen, um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen. Aber darüber hinaus, ich denke jeder hier — Sie und ich —, wir haben einen Beitrag zu leisten. Denn wir teilen die Inhalte. Wir teilen die Geschichten online. Heutzutage sind wir alle Herausgeber, und wir haben eine Verantwortung.

In meinem Beruf als Journalistin überprüfe und verifiziere ich. Ich vertraue auf mein Bauchgefühl, stelle aber schwierige Fragen. Warum erzählt mir diese Person diese Geschichte? Was hat sie davon, mir diese Geschichte zu erzählen? Hat sie verborgene Absichten? Ich denke, wir müssen alle anfangen, schwierigere Fragen zu stellen, zu den Informationen, die es online gibt.

Die Forschung zeigt, dass einige von uns nicht mal über den Titel hinaus lesen, bevor wir die Geschichten teilen. Wer hier hat das schon gemacht? Ich weiß, dass ich es getan habe. Aber was, wenn wir aufhören, jede Information für bare Münze zu halten? Was, wenn wir aufhören, über die Folgen nachzudenken, die die Informationen haben, die wir weitergeben, und ihr Potenzial Gewalt und Hass auszulösen? Was, wenn wir aufhören, über die Folgen im richtigen Leben nachzudenken, von den Informationen, die wir teilen?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Applaus)