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So sind wir im Jahre 1900 gereist. Dies ist eine offene Pferdekutsche. Sie hat keine Heizung, keine Klimaanlage. Das Pferd zieht sie hinter sich her, mit 1 % der Schallgeschwindigkeit, und der ausgefahrene Feldweg verwandelt sich jedes Mal, sobald es regnet, in einen Sumpf. Dies ist eine Boeing 707. Gerade einmal 60 Jahre später fliegt sie mit 80 % der Schallgeschwindigkeit. Wir reisen heutzutage auch nicht schneller, da sich gewerbliche Überschallflüge als Flop herausgestellt haben. da sich gewerbliche Überschallflüge als Flop herausgestellt haben.

Also habe ich anfangen nachzudenken: kann es sein, dass die besten Jahre des amerikanischen Wirtschaftswachstums bereits hinter uns liegen? Dies führte mich zu der Frage: Hat das Wirtschaftswachstum vielleicht schon sein Ende erreicht? Einige Gründe dafür sind nicht sonderlich umstritten. Vier Gegenwinden ist die amerikanische Gesellschaft heute ausgesetzt: Diese sind Demografie, Bildung, Verschuldung und Ungleichheit. Sie sind stark genug um das Wachstum zu halbieren. Also brauchen wir viel Innovation, um den Rückgang auszugleichen. Mein Gedanke ist folgender: Solange die Innovation weiterhin so stark bleibt wie in den letzten 150 Jahren, wird sich das Wachstum aufgrund der Gegenwinde halbieren. Wenn aber Innovation weniger stark ist und weniger großartige und wunderbare Dinge erfunden werden, wird das Wachstum sogar niedriger sein als in der Hälfte der Geschichte.

Hier sieht man das Wirtschaftswachstum über acht Jahrhunderte. Die vertikale Achse zeigt das Wachstum pro Jahr an, 0 Prozent pro Jahr, 1 Prozent pro Jahr, 2 Prozent pro Jahr. Die weiße Linie ist für Großbritannien, und dann aber überholen die USA als führende Nation im Jahre 1900, da, wo die Linie zu rot wechselt. Sie sehen, dass es kaum Wachstum in den ersten vier Jahrhunderten gab. Gerade einmal 0,2 Prozent. Dann steigt es nach und nach. In den 30ern, 40ern und 50ern erreicht es seinen Höhepunkt und beginnt dann langsamer zu werden. Hier ein Hinweis: Die letzte nach unten schauende Kerbe auf der roten Linie basiert auf keinen eigentlichen Daten. Das ist eine Prognose, die ich vor sechs Jahren gemacht habe, die besagt, dass sich das Wachstum auf 1,3 Prozent verlangsamen wird. Wissen Sie aber, was die eigentlichen Daten sind? Wissen Sie, wie hoch das Pro-Kopf-Einkommenswachstum in den USA in den letzten sechs Jahren war? Negativ.

Dies hat mich auf eine verrückte Idee gebracht: was wäre, wenn ich versuche, eine Kurve in diese Daten einzufügen? Ich kann die Kurve da enden lassen, wo ich möchte, aber ich habe mich entschieden, sie bei 0,2 Prozent enden zu lassen, an der selben Stelle, an der das britische Wachstum nach den ersten vier Jahrhunderten endet. Tatsächlich aber haben wir ein Wachstum von 2,0 Prozent pro Jahr erreicht, über den gesamten Zeitraum von 1891 bis 2007, und denken Sie daran, dass wir seit 2007 etwas ins Negative gegangen sind. Wenn sich das Wachstum nun verlangsamt und unser Lebensstandard sich nicht mehr pro Generation verdoppelt, so können wir in Zukunft nicht damit rechnen, dass es uns doppelt so gut gehen wird wie unseren Eltern, oder gar ein Viertel so gut wie unseren Eltern. Nun wechseln wir und schauen uns das Pro-Kopf-Einkommensniveau an. Die vertikale Achse zeigt die Tausende von Dollar in heutigen Preisen an. Sie sehen ganz links, dass wir 1891 bei etwa 5 000 Dollar waren. Heute sind wir bei etwa 44 000 Dollar Pro-Kopf-Gesamtleistung. Was wäre nun, wenn wir das historische 2-prozentige Wachstum für die nächsten 70 Jahre erreichen könnten? Nun ja, das ist eine Frage der Rechenkunst. 2 Prozent Wachstum vervierfacht unseren Lebensstandard in 70 Jahren. Das bedeutet, wir würden von 44 000 auf 180 000 Dollar kommen. Das wird uns aber nicht passieren, und der Grund dafür sind die Gegenwinde.

Der erste Gegenwind ist Demografie. Es ist eine allbekannte Wahrheit, dass der Lebensstandard schneller als die Produktivität steigt, schneller als die Leistung pro Stunde, wenn die Stunden pro Person zunehmen würden. Wir haben diese Gabe in den 70er und 80er Jahren zurück bekommen, als Frauen ins Erwerbsleben eingetreten sind. Heute hat sich das aber gedreht. Heute sinken die Personenstunden erstens, weil die Baby-Boomer in Rente gehen, zweitens, weil die Anzahl männlicher Erwachsener, die aus dem Erwerbsleben ausscheiden und zur unteren Hälfte der Bildungsverteilung gehören, erheblich gestiegen ist.

Der nächste Gegenwind ist die Bildung. Wir haben in unserem gesamten Bildungssystem Probleme, trotz des „Race to the Top“-Programms. Die Kosteninflation in unserem Hochschul- und Universitätssystem lässt die Inflationsrate der medizinischen Versorgung klein aussehen. Die Studienschulden in unserem Hochschulwesen betragen 1 Billion Dollar, während die Abschlussquote 15 Prozent unterhalb der kanadischen Quote liegt. Unser Schuldenberg ist groß. Unsere Wirtschaft ist von 2000 bis 2007 gewachsen, dank der massiven Schuldenaufnahme der Konsumenten. Die Tatsache, dass die Konsumenten ihre Schulden gerade zurückzahlen, ist einer der Hauptgründe für den schleppenden Wirtschaftsaufschwung. Und jeder weiß natürlich, dass die Staatsverschuldung in Relation zum BIP rasant wächst und das Einzige, was dies stoppen kann, ist die Kombination aus einer rasanteren Erhöhung der Steuern, oder einem schwächeren Wachstum der Sozialleistungen, auch als Transferleistungen bekannt. Dies bringt uns von den 1,5 Prozent, die wir durch die Bildung erreicht haben, runter auf 1,3.

Dann haben wir noch die Ungleichheit. In den 15 Jahren vor der Finanzkrise war die Wachstumsrate der Einkommensverteilung der unteren 99 Prozent um einen halben Punkt langsamer als die Durchschnittsraten, die wir vorher besprochen haben. Der ganze Rest ging zum obersten 1 Prozent der Einkommensbezieher. Dies bringt uns also runter auf 0,8 Prozent. Und diese 0,8 sind eine große Herausforderung. Wird es ein Wachstum bei 0,8 Prozent geben? Falls ja, werden unsere Erfindungen so bedeutend sein müssen wie die, die in den letzten 150 Jahren gemacht wurden. Nun schauen wir uns mal ein paar von diesen Erfindungen an.

Wer im Jahre 1875 abends lesen wollte, benötigte eine Öl- oder Gaslampe. Diese waren umweltschädlich, haben einen Geruch hinterlassen, waren schwer zu kontrollieren, haben trübes Licht erzeugt und waren brandgefährlich. Um 1929 herum gab es überall elektrisches Licht. Mit der Erfindung des Fahrstuhls wurden vertikale Städte gebaut. Die Innenstadt von Manhattan war nun realisierbar. Darüber hinaus wurden gleichzeitig Handwerkzeuge durch massive Elektrowerkzeuge sowie elektrische Handwerkzeuge ersetzt. All das wurde durch Elektrizität erreicht.

Elektrizität war auch bei der Emanzipation der Frauen hilfreich. Frauen mussten, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, zwei Tage pro Woche mit Wäschewaschen verbringen. Sie mussten ein Waschbrett benutzen, die Wäsche draußen zum Trocknen aufhängen und wieder ins Haus zurück bringen. Das ganze nahm zwei von den sieben Tagen in der Woche weg. Dann gab es die elektrische Waschmaschine. Gegen 1950 gab es sie überall. Frauen mussten immer noch jeden Tag einkaufen gehen. Nein, eben nicht, da dank Elektrizität der elektrische Kühlschrank erfunden wurde.

Die einzige Heizquelle, die es gegen Ende des 19. Jahrhundert gab, war ein großer Kamin, der in der Küche stand und zum Kochen und Heizen verwendet wurde. Die Schlafzimmer blieben kalt. Sie wurden ja nicht beheizt. Aber gegen 1929 und spätestens 1950 gab es überall Zentralheizung.

Wie sieht es mit der Verbrennungsmaschine aus, die 1879 erfunden wurde? Bevor es das Kraftfahrzeug in Amerika gab, waren wir vom städtischen Pferd für den Transport abhängig, welches hemmungslos pro Tag 10 bis 20 Kilo Dünger auf die Straßen fallen ließ, zusammen mit dreieinhalb Liter Urin. Pro Tag ergibt das fünf bis zehn Tonnen pro Quadratmeile in den Städten. Diese Pferde haben ein Viertel des amerikanischen Agrarlandes komplett aufgefressen. Dies ist der Anteil an amerikanischem Agrarland, das für Pferdefutter gebraucht wurde. Als dann das Kraftfahrzeug erfunden wurde, wurde es klar und gegen 1929 allgegenwärtig, dass das Agrarland für den menschlichen Verbrauch genutzt werden kann, oder als Exportgut. Und hier ein interessantes Zahlenverhältnis: Angefangen 1900 und gerade einmal 30 Jahre später, ist der Anteil der Kraftfahrzeuge pro Haushalt in den USA von 0 auf 90 Prozent gestiegen.

Vor der Jahrhundertwende hatten Frauen ein weiteres Problem. Das ganze Wasser, das zum Kochen, Putzen und Baden gebraucht wurde, musste in Eimern von draußen reingebracht werden. Es ist eine historische Tatsache, dass 1885 die Durchschnittsfrau in North Carolina 238 Kilometer pro Jahr gelaufen ist und 35 Tonnen Wasser getragen hat. Gegen 1929 mussten dann aber im ganzen Land unterirdische Wasserleitungen in den Städten verlegt werden. Es mussten unterirdische Kanalisationsrohre verlegt werden, was dazu geführt hat, dass die großen Epidemien des 19. Jahrhunderts, durch Wasser übertragene Krankheiten wie Cholera, zu verschwinden begannen. Eine erstaunliche Tatsache für Technologie-Optimisten ist, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Verbesserung der Lebenserwartung drei Mal so schnell gestiegen ist wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Eine Platitüde besagt, dass Dinge nicht mehr als 100 Prozent von sich sein können. Hier ein Beispiel dafür: Wir haben es geschafft, von 1 % auf 90 % der Schallgeschwindigkeit zu klettern. Die Elektrifizierung, die Zentralheizung und das Aneignen von Kraftfahrzeugen stieg von 0 auf 100 Prozent. Menschen, die in der Stadt leben, sind produktiver als die auf dem Bauernhof. Urbane Gebiete waren gegen Anfang der Nachkriegszeit von 25 auf 75 Prozent gestiegen.

Wie sah es mit der elektronischen Revolution aus? Hier sehen wir einen der ersten Computer. Es ist erstaunlich, dass der Hauptrechner bereits 1942 erfunden wurde. Gegen 1960 hatten wir schon Telefonrechnungen und Kontoauszüge, die elektronisch erstellt wurden. Die ersten Mobiltelefone und ersten PCs wurden 1970 erfunden. Die 80er Jahre brachten uns Bill Gates, DOS, Geldautomaten, die die Bankkassierer ersetzten, sowie das Scannen von Barcodes, um die Arbeitskraft im Einzelhandel zu reduzieren. Spulen wir nun die 90er Jahre durch, hatten wir die Online-Revolution und einen kurzzeitigen Aufstieg des Produktivitätswachstums.

Machen wir aber mal ein Experiment: Sie müssen sich entweder für Option A oder B entscheiden. (Gelächter) Die Option A ist: Sie dürfen alles behalten, was noch bis vor 10 Jahren erfunden wurde. Also Sie behalten Google und Amazon, Wikipedia, sowie fließendes Wasser und Innentoiletten. Oder Sie behalten alles, was noch bis gestern erfunden wurde, inklusive Facebook und Ihr iPhone. was Sie aber ablegen müssen, um nach draußen zum Plumpsklo zu gehen, und einen Eimer Wasser ins Haus zu tragen. Wirbelsturm "Sandy" hat vielen Menschen das 20. Jahrhundert weggenommen. Manche mussten ein paar Tage, andere über eine Woche ohne Elektrizität, fließendes Wasser, Heizung, Benzin und Auflademöglichkeit für das iPhone leben.

Wir stehen vor dem Problem, dass wir diesen großartigen Erfindungen in Zukunft gleichkommen müssen. Und meine Vorhersage, dass wir dies nicht schaffen werden, bringt uns runter vom ursprünglichen 2-prozentigen Wachstum auf die 0,2 %, die ich Ihnen zu Anfang mit meiner fantasievollen Kurve gezeigt habe.

Hier wären wir also wieder beim Pferd mit Pferdekutsche. Ich würde gerne einen Oscar an die Erfinder des 20. Jahrhunderts verleihen. An alle Menschen, von Alexander Graham Bell, zu Thomas Edison, bis hin zu den Gebrüdern Wright. Ich würde sie gerne alle hierher auf die Bühne rufen. Die werden sich wiederum an Sie richten, mit der Herausforderung: "Könnt ihr das erreichen, was wir geschafft haben?"

Danke.

(Beifall)