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Stellt euch vor, zwei Amerikaner reisen zusammen durch Italien. Sie gehen sich den "David" von Michelangelo ansehen und als sie schließlich vor der Statue stehen sind sie wie versteinert. Der Erste - lasst ihn uns Adam nennen - ist gefangen von der Schönheit der makellosen menschlichen Form. Der Zweite - nennen wir ihn Bill - ist gelähmt von der Peinlichkeit, sich dieses Ding da in der Mitte ansehen zu müssen. Hier ist meine Frage an Sie: welcher dieser beiden hat wohl eher George W. Bush gewählt welcher Al Gore?

Ich brauche keine Handzeichen denn wir haben alle die selben politischen Stereotypen. Wir alle wissen dass es Bill ist. Und in diesem Fall entspricht das Stereotyp der Realität. Es stimmt wirklich dass bei Linksliberalen, im Gegensatz zu Konservativen, eine wichtige Charaktereigenschaft namens 'Offenheit für Erfahrung', weit mehr ausgeprägt ist. Leute die sehr 'offen für Erfahrung' sind lechzen nach Neuem, Abwechslung, Vielfalt, neuen Ideen, Reisen. Leute die nicht sehr 'offen' sind mögen Dinge die sie kennen, die sicher und verlässlich sind.

Wenn einem diese Charaktereigenschaft bekannt ist kann man viele Rätsel des menschlichen Verhaltens verstehen. Man versteht, warum sich Künstler so sehr von Buchhaltern unterscheiden. Man kann sogar prognostizieren welche Art von Literatur sie gerne lesen, wo sie gerne Urlaub machen, und was sie gerne essen. Wenn man mal diese Eigenschaft verstanden hat, wird einem klar warum manche Leute gerne im Wirtshaus essen gehen, aber niemand den du persönlich kennst. (Gelächter) Diese Eigenschaft verrät uns auch viel über Politik. Der wichtigste Forscher, der diese Eigenschaft untersucht, Robert McCrae, sagt dass "'Offene Individuen besitzen eine Affinität für liberale, linksgerichtete, 'fortschrittliche' politische Ansichten" — sie wollen eine Gesellschaft die offen ist und die sich weiterentwickelt — "wohingegen 'geschlossene' Individuen eher konservative und traditionelle Ansichten vorziehen."

Diese Eigenschaft sagt auch viel darüber aus welchen Gruppen Leute beitreten. Hier ist die Beschreibung einer Gruppe, die ich im Internet gefunden habe. Welche Leute würden einer globalen Gemeinschaft beitreten welche Menschen aus jeder Disziplin und Kultur willkommen heisst, die nach einem tieferen Verständnis der Welt streben, und deren Hoffnung es ist dieses Verständnis in eine bessere Zukunft für uns alle zu verwandeln? Das ist von einem Typen namens TED. (Gelächter) Okay - wenn also 'Offenheit' Rückschlüsse darüber gibt wer ein Linksliberaler wird, und 'Offenheit' Rückschlüsse darüber gibt wer ein TEDster wird ... heisst das wir können sagen dass die meisten TEDster linksliberal sind? Mal sehen! Ich würde Sie bitten Handzeichen zu geben, ob sie linksliberal, links oder eher in der Mitte anzuordnen sind — primär im Bezug auf gesellschaftliche Probleme, die wir ansprechen werden — oder ob Sie eher konservativ sind, und ich werde Ihnen auch eine dritte Möglichkeit liefern, da ich weiss dass es im Publikum auch einige Liberale [vgl. FDP] gibt. Also, bitte heben Sie alle Ihre Hände — unten in den Senderäumen auch, lassen wir alle sehen wer hier ist. Bitte melden Sie sich jetzt wenn Sie sich als linksliberal oder links oder Mitte einschätzen. Bitte melden Sie sich jetzt. Okay. Bitte melden sich jetzt alle die sich als Liberale einschätzen. Okay, ungefähr - zwei Dutzend. Und jetzt melden sich bitte alle die sich als Mitte-rechts oder konservativ sehen. 1, 2, 3, 4, 5 — ungefähr acht oder zehn.

Ok. Das ist ein Problem. Denn wenn es unser Ziel ist, die Welt zu verstehen, nach einem tieferen Verständnis der Welt zu streben, dann wird das Fehlen moralischer Vielfalt hier das erschweren. Denn wenn Menschen die gleichen Werte haben, wenn Menschen die gleiche Moral haben, werden sie zu einem Team, und wenn dann die Teampsychologie mal aktiviert ist macht sie vorurteilsloses Denken unmöglich. Wenn das linksliberale Team verliert, so wie 2004, oder wie es fast im Jahr 2000 verlor - dann trösten wir uns. (Gelächter) Wir versuchen zu erklären warum halb Amerika für das andere Team gestimmt hat. Unsere Annahme ist dass es blind vor Religion, oder schlicht Dummheit gewesen sein musste. (Gelächter) (Applaus) Wenn man also annimmt dass halb Amerika die Republikaner wählt weil sie auf eine oder andere Art blind sind, dann ist meine Nachricht an euch dass ihr in einer Moralmatrix gefangen seid, in einer besonderen Moralmatrix. Und wenn ich 'Matrix' sage meine ich buchstäblich die Matrix aus dem Film "Matrix".

Doch heute stelle ich Sie vor eine Entscheidung: Sie können entweder die blaue Pille nehmen und bei Ihren beruhigenden Einbildungen bleiben, oder Sie nehmen die rote Pille, und lernen Moralpsychologie und verlassen die Moralmatrix. Nun, da ich weiß — (Applaus) Ok, ich nehme an das beantwortet meine Frage. Ich wollte fragen für welche Sie sich entschieden hatten, aber egal. Sie sind alle sehr 'offen für Erfahrung', und davon mal abgesehen sieht sie auch ganz appetitlich aus, und Sie sind ja alle Feinschmecker. Wie auch immer, die rote Pille also. Lernen wir etwas Moralpsychologie und schauen wir wohin uns das führt.

Fangen wir von vorne an. Was ist Moral und woher stammt sie? Die schlimmste Idee der Psychologie ist die Idee dass der Geist bei der Geburt ein unbeschriebenes Blatt ist. Die Entwicklungspsychologie hat gezeigt dass Kinder in diese Welt kommen und schon viel wissen über die physischen und sozialen Welten; schon programmiert dafür sind manche Dinge rascher zu lernen als andere. Die beste Definition von 'Angeborensein' die ich kenne — sie erklärt so viel — kommt von Hirnforscher Gary Marcus. Er sagt, "Die anfängliche Organisation des Gehirns hängt nicht sonderlich von Erfahrung ab. Die Natur liefert einen ersten Entwurf, den die Erfahrung dann verbessert. 'integriert' heisst nicht 'unveränderlich'; es heisst 'organisiert bevor Erfahrung'." Ok, also was ist drin in diesem ersten Entwurf des moralischen Geistes? Um das herauszufinden sind mein Kollege Craig Joseph und ich Literatur über Anthropologie über kulturelle Unterschiede in Moralität und über evolutionäre Psychologie durchgegangen, auf der Suche nach Übereinstimmungen. Was sind die Dinge über die Leute aus allen Disziplinen reden, die man über verschiedene Kulturen hinweg findet, und sogar über verschiedene Arten hinweg? Wir haben fünf gefunden - die fünf besten Übereinstimmungen, wir nennen sie die 'fünf Grundpfeiler der Moral'.

Der erste ist 'harm-care'. Wir sind alle Säugetiere, wir sind alle in unseren Nerven und durch unsere Hormone so programmiert dass wir mit anderen eine Verbindung eingehen, uns andere wichtig sind (care), wir für andere Mitgefühl empfinden, besonders die Schwachen und Verletzlichen. Diese Programmierung gibt uns sehr starke Emotionen gegenüber denen die Leid (harm) verursachen. Dieser moralische Grundpfeiler findet sich in circa 70% der moralischen Äußerungen die ich hier bei TED zu hören bekommen habe.

Der zweite Grundpfeiler ist 'Fairness-Gegenseitigkeit'. Das Beweismaterial ist vieldeutig im Bezug auf 'Gegenseitigkeit' in anderen Tieren, doch das Beweismaterial für Menschen könnte eindeutiger nicht sein. Dieses Norman Rockwell Gemälde heisst "The Golden Rule" ["Die Goldene Regel"], und wir haben davon schon von Karen Armstrong gehört, als dem Grundpfeiler so vieler Religionen. Dieser zweite Grundpfeiler stützt die anderen 30% der moralischen Äußerungen die ich hier bei TED gehört habe.

Der dritte Grundpfeiler ist 'Loyalität innerhalb der Gruppe'. Man findet 'Gruppen' im Tierreich — man findet 'Gruppen' die zusammenarbeiten — doch diese Gruppen sind entweder sehr klein oder sie sind alle verwandt. Nur unter Menschen findet man sehr große Gruppen von Leuten, welche in der Lage sind zusammenzuarbeiten, sich in Gruppen zusammenzutun — aber in diesem Fall, in Gruppen die sich zusammentun um andere Gruppen zu bekämpfen. Das kommt wohl von unserer langen Geschichte von Leben in Stämmen, von Stammespsychologie. Und diese Stammespsychologie ist so angenehm dass selbst wenn wir keine Stämme haben, wir sie einfach erfinden weil es Spaß macht. (Gelächter) Sport ist für den Krieg was Pornographie für Sex ist. Er lässt uns sehr, sehr alte Triebe ausleben.

Der vierte Grundpfeiler ist 'Autorität-Respekt'. Hier sehen Sie unterwürfige Gesten von zwei Mitgliedern zweier nah verwandten Arten — doch beim Menschen ist Autorität nicht so sehr auf Kraft und Brutalität beruhend, wie bei anderen Primaten. Sie beruht auf mehr freiwilliger Ehrerbietung, und manchmal sogar Elementen von Liebe.

Der fünfte Grundpfeiler ist 'Reinheit-Heiligkeit'. Dieses Gemälde heisst "The Allegory of Chastity" ["Allegorie der Keuschheit"], doch Reinheit hat nicht nur etwas mit dem Unterdrücken weiblicher Sexualität zu tun. Hier geht es um jedwede Ideologie, jedwede Idee die einem sagt dass man Tugendhaftigkeit dadurch erlangen kann, indem man kontrolliert was man mit seinem Körper anstellt, indem man kontrolliert was man in ihn hineinsteckt. Und während die politisch Konservativen vielleicht viel mehr über Sex moralisieren, macht die politische Linke das gleiche mit der Ernährung. Die Ernährung wird heutzutage zu einem extrem moralischen Thema, und viel davon hat mit Vorstellungen von Reinheit zu tun, damit was du freiwillig berührst oder in deinen Körper steckst.

Meiner Meinung nach sind dies die fünf besten Kandidaten für das, was der erste Entwurf des moralischen Geistes enthält. Ich denke dass wir damit beginnen, wenigstens mit einer Bereitschaft all dies zu lernen. Aber wenn nun mein Sohn Max in einer linksliberalen Universitätsstadt aufwächst, wie wird dieser ursprüngliche Entwurf verändert werden? Und wie wird er sich unterscheiden von dem eines Kindes, das 60 Meilen südlich von uns geboren wurde, in Lynchburg, Virginia? Um uns 'kultureller Variation' anzunähern sollten wir eine andere Metapher ausprobieren. Wenn wirklich fünf Systeme in unserem Geist arbeiten — fünf Quellen von Intuition und Emotion — dann können wir uns den moralischen Geist vorsellen als ein Audioequalizer der fünf Kanäle hat wo man auf jedem Kanal eine andere Einstellung haben kann. Meine Kollegen, Brian Nosek und Jesse Graham, und ich haben einen Fragebogen erstellt den wir auf www.YourMorals.org hochgeladen haben. Bisher haben 30.000 Leute diesen Fragebogen ausgefüllt (sie können auch). Hier die Ergebnisse. Das sind die Resultate von ungefähr 23.000 Amerikanern. Links sind die Werte für die Linksliberalen, rechts die der Konservativen, in der Mitte die der Moderaten. Die blaue Linie zeigt die Antworten der Leute, im Durchschnitt, auf alle 'harm'-Fragen.

Sie können also sehen dass den Leuten 'harm' und 'care' Probleme wichtig sind. Es gibt große Zustimmung zu diesen Arten von Aussagen, aber man kann auch sehen, dass sie Linksliberalen etwas wichtiger sind als Konservativen, die Linie sinkt ab. Das gleiche bei 'Fairness'. Aber sehen Sie sich die anderen drei Linien an bei Linksliberalen sind die Werte sehr niedrig. Die Aussage der Linksliberalen ist, im Grunde genommen: "Nein, es hat nichts mit Moralität zu tun. Autorität innerhalb der Gruppe, Reinheit — das hat nichts mit Moral zu tun. Ich lehne das ab." Doch umso konservativer die Leute werden, umso mehr steigen die Werte. Wir könnten sagen dass Linksliberale eine Art — Zweikanal haben, oder eine Moralität mit zwei Grundpfeilern. Konservative haben eher 5-Grundpfeiler, oder 5-kanalige Moralität.

Dies gilt für jedes Land das wir untersuchen. Hier sind die Daten von 1.100 Kanadiern. Ich gehe noch schnell durch ein paar andere Slides. Großbritannien, Australien, Neuseeland, Westeuropa, Osteuropa, Lateinamerika, der Mittlere Osten, Ostasien und Südasien. Beachten Sie dass in all diesen Graphen das Gefälle steiler ist bei dem 'Inneren der Gruppe', 'Autorität', 'Reinheit'. Das zeigt dass in jedem beliebigen Land keine Unstimmigkeit existiert im Bezug auf 'harm' und 'Fairness'. Jeder — ich meine, wir debattieren darüber 'was fair ist' — jeder stimmt zu dass 'harm' und Fairness von Bedeutung sind. Bei moralischen Streits innerhalb von Kulturen geht es besonders über das 'Innere der Gruppe', 'Autorität', 'Reinheit'.

Dieser Effekt ist so stark dass wir ihn immer antreffen, egal wie wir die Frage stellen. In einer aktuellen Studie baten wir Leute sich vorstellen sie wären davor sich einen Hund anzuschaffen. Sie haben sich eine bestimmte Züchtung ausgesucht, sie haben sich ein paar neue Informationen über diese Zucht angeeignet. Dann lernten sie dass diese bestimmte Züchtung eigenständig denken kann, und die Beziehung zu ihrem Besitzer als die von Freund und Gleichgestelltem sieht. Als Linksliberaler sagt man jetzt: "Hey, das ist doch super!" Weil sie gerne "Hol Stöckchen - bitte" sagen. (Gelächter) Doch wenn man konservativ ist, erscheint das nicht so verlockend. Wenn man konservativ ist und herausfindet dass ein Hund sehr loyal ist seinem Heim und seiner Familie gegenüber, und dass er sich nur schwer an Fremde gewöhnt, für Konservative — nun, Loyalität ist gut! — müssen Hunde loyal sein. Doch für einen Linksliberalen klingt es so als ob dieser Hund sich um eine Kandidatur für die Republikaner bewirbt. (Gelächter)

Sie könnten also sagen, ok, hier haben wir diese Unterschiede zwischen Linksliberalen und Konservativen, aber was macht die anderen drei Grundpfeiler moralisch? Sind das nicht einfach die Grundpfeiler von Fremdenfeindlichkeit und Autoritarismus und Puritanismus? Was macht sie moralisch? Meiner Meinung nach liegt die Antwort dazu in diesem unglaublichen Triptychon von Hieronymus Bosch, "The Garden of Earthly Delights" ["Der Garten der Irdischen Freuden"]. Auf der ersten Tafel sehen wir den Augenblick der Schöpfung. Alles ist ordentlich, alles ist schon, Menschen und Tiere tun was sie tun sollen, wo sie sein sollen. Doch dann, aufgrund der Art wie die Welt nunmal ist, ändert sich alles. Jeder treibt nur noch was er will, mit jeder "Öffnung" von jedem anderen Mensch und jedem anderen Tier. Vielleicht erkennen manche von Ihnen darin die 60er wieder. (Gelächter) Doch auf die 60er folgen unweigerlich die 70er, wo die Schneiden der "Öffnungen" ein bisschen schmerzhafter sind. Natürlich bezeichnete Bosch das als Hölle.

Dieses Triptychon also, diese drei Tafeln, stellen die ewige Wahrheit dar dass Ordnung dazu neigt zu zerbrechen. Die Wahrheit sozialer Entropie. Damit Sie nicht denken dass dies nur Teil von christlicher Vorstellungskraft ist, wo Christen dieses komische Problem mit Vergnügen haben, gibt es hier die gleiche Geschichte noch einmal, dieselbe Entwicklung, in einer wissenschaftlichen Arbeit die in "Nature" vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde, in welcher Ernst Fehr und Simon Gachter Leute eine Allmendesituation durchspielen. Das ist ein Spiel in dem man Leuten Geld gibt, und dann, in jeder Runde, können sie Geld in einen Gemeinschaftstopf tun, woraufhin der Experimentator den Betrag darin verdoppelt, dann wird alles unter den Spielern aufgeteilt. Das ist eine sehr gute Analogie für eine Reihe von Umweltproblemen, wo wir Leute um ein Opfer bitten, und sie selber gar nicht wirklich etwas von diesem Opfer haben. Aber du willst dass wirklich jeder andere etwas aufgibt, während jeder dazu versucht ist die anderen auszunutzen. Was nun geschieht ist das Leute am Anfang noch ganz gut kooperieren — das Spiel verläuft unter Anonymität — in der ersten Runde geben Leute ungefähr die Hälfte des Geldes das sie geben können. Aber ihnen wird schnell klar, "Hm, die anderen geben nicht so viel. Ich lass mich doch nicht ausnutzen. Ich werde nicht kooperieren." Und somit verfällt Kooperation schnell, von 'ganz gut' bis 'so gut wie gar nicht'.

Aber dann — und das ist der Clou! — Fehr und Gachter sagten in der siebten Runde den Leuten "Wisst ihr was? Neue Regel. Falls ihr etwas von eurem Geld dafür geben wollt andere Leute zu bestrafen die nichts geben, könnt ihr das tun." Und sobald Leute von diesem Bestrafungsding hörten schoss Kooperation nach oben. Sie ging steil aufwärts und immer weiter. Eine Menge Forschung beweist dass dies als Lösung für das Kooperationsproblem wirklich hilft. Es reicht nicht nur an die guten Motive der Leute zu appellieren, es hilft wirklich auch eine Art Bestrafung bereit zu haben. Selbst wenn es nur Scham oder Peinlichkeit oder Getratsche ist, man braucht eine Form von Bestrafung um Leute dazu zu bringen - in großen Gruppen - zu kooperieren. Aktuelle Forschungsergebnisse suggerieren sogar dass Religion — indem sie Gott in den Vordergrund stellt, Leute dazu bringt über Gott nachzudenken — oft, in manchen Situationen zu kooperativerem, sozialerem Verhalten führt.

Manche denken dass Religion eine Art 'Angleichung' ist, die sich aus sowohl kultureller als auch biologischer Evolution heraus entwickelt hat, um Gruppenzusammenhalt zu schaffen, teils damit sich Leute gegenseitig vertrauen, und dann effektiver darin sind sich mit anderen Gruppen zu messen. Das ist wahrscheinlich korrekt, auch wenn es ein kontroverses Thema ist. Ich bin jedoch sehr interessiert an Religion, und den Ursprung von Religion, und was es uns antut und für uns tut. Denn meiner Meinung nach ist der Grand Canyon nicht das größte Wunder der Welt. Der Grand Canyon ist recht simpel. Eine Menge Fels, und dann noch eine Menge Wasser und Wind, und viel Zeit, und dann hat man den Grand Canyon. Das ist nicht so kompliziert. Was wirklich kompliziert ist, ist dass Leute in Orten wie dem Grand Canyon gelebt haben, in Kooperation miteinander, oder in der afrikanischen Savanne, oder an den gefrorenen Küsten Alaskas, und dass dann ein paar dieser Dörfer zu mächtigen Städten wie Babylon, und Rom, und Tenochtitlan geworden sind. Wie ist das passiert? Es ist ein absolutes Wunder, viel schwerer zu erklären als der Grand Canyon.

Meiner Meinung nach liegt die Antwort darin dass sie alles benutzt hatten was ihnen zur Verfügung stand. Es hat all unsere Moralpsychologie gebraucht um diese kooperativen Gruppen zu schaffen. Ja, man muss sich Gedanken über 'harm' machen, man braucht eine Psychologie der Gerechtigkeit. Doch es hilft sehr eine Gruppe zu organisieren wenn man Untergruppen haben kann, und wenn diese Untergruppen eine interne Struktur besitzen, und wenn man eine Ideologie hat die den Leuten vorschreibt ihre Fleischlichkeit zu unterdrücken, um höhere, edlere Ziele zu verfolgen. Und jetzt kommen wir zum Kern der Unstimmigkeit zwischen Linksliberalen und Konservativen. Denn Linksliberale lehnen drei dieser 'Grundpfeiler' ab. Sie sagen "Nein, lasst uns Vielfalt feiern, nicht die gemeinsame Mitgliedschaft in einer Gruppe." Sie sagen, "Lasst uns Autorität in Frage stellen." Und sie sagen, "Haltet eure Gesetze von meinem Körper fern."

Linksliberale haben sehr edle Motive dafür dass sie dies tun. Traditionelle Autorität, traditionelle Moral, können sehr repressiv sein, und einschränkend für die ganz unten, für Frauen, für Menschen die nicht 'hineinpassen'. Linksliberale sprechen also für die Schwachen und Unterdrückten. Sie wollen Veränderung und Gerechtigkeit, sogar unter Risiko von Chaos. Das T-Shirt dieses Typen sagt, "Hör auf zu jammern, beginne eine Revolution." Wenn man sehr 'offen für Erfahrung' ist, dann ist Revolution gut, sie bedeutet Veränderung, sie macht Spaß. Konservative, auf der anderen Seite, stehen für Institutionen und Traditionen. Sie wollen Ordnung, auch zu Kosten derer die sich ganz unten befinden. Die große konservative Erkenntnis ist, dass Ordnung schwer zu erreichen ist. Sie ist sehr kostbar, und schnell verloren. Wie Edmund Burke sagte, "Was Menschen zurückhält, genauso wie ihre Freiheiten, muss man zu ihren Rechten zählen." Das war nach dem Chaos der französischen Revolution. Wenn man das mal verstanden hat — wenn man verstanden hat dass sowohl Linksliberale als auch Konservative etwas beizusteuern haben, dass sie eine Balance von Veränderung gegen Stabilität formen — dann ist, meiner Meinung nach, der Weg frei die Moralmatrix zu verlassen.

Das ist die große Erkenntnis zu der die asiatischen Religionen gelangt sind. Denken Sie an Yin und Yang. Yin und Yang sind keine Feinde. Yin und Yang hassen sich nicht. Man braucht sowohl Yin als auch Yang, wie die Nacht und den Tag, damit die Welt funktionieren kann. Dasselbe findet man im Hinduismus. Es gibt so viele hohe Götter im Hinduismus. Zwei davon sind Vishnu, der Erhalter, und Shiva, der Zerstörer. Dieses Bild zeigt beide Götter im selben Körper. Man hat die Zeichen von Vishnu zur Linken, man könnte sich Vishnu als den konservativen Gott denken. Und wir haben die Zeichen von Shiva zur Rechten, Shiva ist der linksliberale Gott — und beide arbeiten zusammen. Dasselbe findet sich im Buddhismus. Diese beiden Strophen beinhalten, meiner Meinung nach, die tiefste Erkenntnis die jemals in der Moralpsychologie erreicht wurde. Von Zenmeister Seng-ts'an: "Wenn du willst dass die Wahrheit klar vor dir steht, sei niemals dafür oder dagegen, der Kampf zwischen dem dafür und dem dagegen ist die schlimmste Krankheit des Geistes." Unglücklicherweise ist es eine Krankheit die von vielen führenden Politikern weltweit aufgeschnappt wurde. Doch bevor Sie sich George W. Bush überlegen fühlen, bevor Sie einen Stein werfen, fragen Sie sich: Akzeptieren Sie dies? Akzeptieren Sie es die Schlacht von Gut und Böse zu verlassen? Können Sie weder für etwas noch gegen etwas sein?

Was soll es dann? Was soll man tun? Naja, wenn man nun die wichtigsten Erkenntnisse von uralten asiatischen Philosophien und Religionen nimmt, und sie mit der neuesten Moralpsychologieforschung kombiniert, kommt man, denke ich, zu folgenden Schlussfolgerungen: Dass unsere rechtschaffenen Geister von der Evolution dafür gemacht wurden uns in Teams zu vereinigen, uns gegen andere Teams abzutrennen und um uns dann für die Wahrheit blind zu machen. Was also soll man machen? Rate ich Ihnen es gar nicht erst zu versuchen? Rate ich ihnen Seng-ts'an zu akzeptieren und aufzuhören, mit diesem Kampf des dafür und des dagegen aufzuhören? Nein, auf keinen Fall. Das sage ich nicht. Dies hier ist eine tolle Gruppe von Menschen die so viel tun, so viel ihres Talents, ihrer Brillianz, ihrer Energie, ihres Geld dafür aufwenden diese Welt zu einem besseren Ort zu machen, um zu kämpfen — um das Schlechte zu bekämpfen, um Probleme zu lösen.

Doch wie wir gelernt haben von Samantha Power und ihrer Geschichte über Sergio Vieira de Mello - man kann nicht einfach loslegen und sagen, "Du hast unrecht, und ich habe recht." Denn, wie wir gerade gehört haben, jeder denkt dass er recht hat. Viele der Probleme die wir lösen müssen sind Probleme die es erfordern dass wir andere Menschen verändern. Und wenn man andere Menschen verändern will, ist es am besten erst einmal zu verstehen wer wir sind — unsere Moralpsychologie zu verstehen, zu verstehen dass wir alle denken dass wir recht haben — und uns dann auszuschalten — sei es auch nur für einen Augenblick, sich auszuschalten — und mit Seng-ts'an in Verbindung zu treten. Die Moralmatrix zu verlassen, nur um es als Kampf zu sehen in dem wirklich jeder denkt er habe recht, und jeder wenigstens ein paar Gründe dafür hat — auch wenn man ihm nicht zustimmt — jeder hat Gründe für was er tut. Tretet heraus. Und wenn Sie das tun, war das der entscheidende Schritt dafür, moralische Demut zu kultivieren, diese Selbstgerechtigkeit hinter sich zu lassen, welche der menschliche Normalzustand ist. Denken Sie an den Dalai Lama. Denken Sie an die riesige moralische Autorität des Dalai Lama — sie kommt aus moralischer Demut.

Ich denke das, was ich sagen will — die Aussage meines Vortrags, und, ich denke, der Sinn — der Sinn von TED, ist, dass dies eine Gruppe ist die sich mit Eifer dafür einsetzt diese Welt zu einer besseren zu machen. Diese Leute setzen sich mit Eifer dafür ein diese Welt einen besseren Ort zu machen. Doch es gibt auch eine leidenschaftliche Hingabe zur Wahrheit. Und somit ist die Antwort, meiner Meinung nach, diese leidenschaftliche Hingabe zur Wahrheit zu benutzen und versuchen sie in eine bessere Zukunft für uns alle zu verwandeln. Danke sehr. (Applaus)