Jae Rhim Lee
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Also, ich bin hier um zu erklären warum ich diesen Ninja-Pyjama anhabe. Und um das zu tun, würde ich gerne allem voran über umweltbelastende Giftstoffe in unseren Körpern sprechen. Einige von Ihnen wissen vielleicht über die Chemikalie Bisphenol A, BPA, Bescheid. Es ist ein Materialhärter und synthetisches Östrogen, das in der Abdichtung von Konserven und einigen Kunststoffen vorkommt. BPA ahmt also die körpereigenen Hormone nach und ruft neurologische und Fortpflanzungsprobleme hervor. Und es ist überall. Eine kürzliche Studie hat BPA in 93 Prozent aller Leute über dem Alter von 6 Jahren gefunden. Aber das ist nur eine Chemikalie. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde sagt, dass wir 219 giftige Schadstoffe in unseren Körpern tragen, darunter Konservierungsstoffe, Pestizide und Schwermetalle wie Blei und Quecksilber.

Für mich bedeutet das drei Dinge. Erstens, werden Sie nicht zum Kannibalen. Zweitens, wir sind sowohl verantwortlich für als auch die Opfer von unserer eigenen Verschmutzung. Und drittens, unsere Körper sind Filter und Speicher für umweltbelastende Giftstoffe. Was passiert also mit all diesen Giftstoffen, wenn wir sterben? Die kurze Antwort ist: Sie kehren auf dem einen oder anderen Weg in die Umwelt zurück und setzen den Zyklus der Giftbelastung fort. Aber unsere aktuellen Beerdigungspraktiken machen die Situation noch viel schlimmer. Falls Sie sich verbrennen lassen, werden all diese Giftstoffe, von denen ich gesprochen habe, in die Atmosphäre freigelassen. Und das beinhaltet über zwei Tonnen Quecksilber nur aus unseren Zahnfüllungen, jedes Jahr.

Und in einem traditionellen amerikanischen Begräbnis wird eine Leiche mit Füllmaterialien und Kosmetika eingedeckt, damit sie lebendig aussieht. Dann wird sie mit giftigem Formaldehyd aufgefüllt, um den Verwesungsprozess zu verlangsamen - eine Praktik, die Atmungsprobleme und Krebs beim Bestattungspersonal verursacht. Indem wir also versuchen, unsere toten Körper zu erhalten, leugnen wir den Tod, vergiften die Lebenden und fügen der Umwelt weiteren Schaden zu. Grüne oder natürliche Bestattungen, bei denen nicht einbalsamiert wird, sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie kümmern sich nicht um die existenten Gifte in unseren Körpern. Ich glaube, dass es eine bessere Lösung gibt.

Ich bin Künstlerin, also würde ich gerne einen bescheidenen Vorschlag an der Kreuzung zwischen Kunst, Wissenschaft und Kultur machen. Das "Infinity Burial Project", ein alternatives Beerdigungssystem, das Pilze verwendet, um Giftstoffe in Körpern zu zersetzen und zu säubern. Das "Infinity Burial Project" hat vor ein paar Jahren mit der Fantasie begonnen, den "Infinity Mushroom" (Unendlichkeitspilz) zu kreieren - einen neuen hybriden Pilz, der unsere Körper zersetzen, Giftstoffe reinigen, Pflanzenwurzeln mit Nährstoffen versorgen und nur sauberen Kompost hinterlassen würde. Aber ich habe gelernt, dass es fast unmöglich ist, einen neuen hybriden Pilz zu schaffen. Ich habe auch gelernt, dass einige unserer leckersten Pilze umweltbelastende Giftstoffe im Boden reinigen können. Also habe ich gedacht, vielleicht kann ich einer Armee von Giftstoff-reinigenden essbaren Pilzen beibringen, meinen Körper aufzuessen.

Heute also, sammle ich was ich abwerfe oder was sich von mir ablöst - meine Haare, Haut und Nägel - und ich füttere essbare Pilze damit. Während die Pilze wachsen, wähle ich die besten Esser aus, um Unendlichkeitspilze zu werden. Es ist eine Art Prozess von Einprägung und selektiver Zucht für das Leben nach dem Tod. Damit, wenn ich sterbe, der Unendlichkeitspilz meinen Körper erkennen und ihn essen kann. Okay, für einige von Ihnen klingt das wahrscheinlich sehr, sehr verrückt. (Gelächter) Nur ein bisschen.

Mir ist klar, das ist nicht die Art Beziehung, die wir gewöhnlich mit unserer Nahrung anstreben. Wir wollen sie essen, nicht von ihr gegessen werden. Aber wenn ich meine Pilze wachsen sehe und meinen Körper verdauen, stelle ich mir den Unendlichkeitspilz als ein Symbol einer neuen Betrachtungsweise des Todes vor und der Beziehung zwischen meinem Körper und der Umwelt. Sehen Sie, für mich ist die Zucht des Unendlichkeitspilzes mehr als ein wissenschaftliches Experiment oder Gärtnern oder das Großziehen enes Haustieres, es ist ein Schritt in Richtung der Akzeptanz der Tatsache, dass ich eines Tages sterben und verwesen werde. Es ist auch ein Schritt in Richtung des Übernehmens der Verantwortung für meine eigene Last auf unseren Planeten.

Einen Pilz zu züchten ist auch Teil einer größeren Praktik der Zucht von zersetzenden Organismen, die "decompiculture" (Kultur der Verwesung) heißt, ein Konzept, das von einem Entomologen entwickelt wurde, Timothy Myles. Der Unendlichkeitspilz ist ein Teil dieser Kultur der Verwesung, den ich Kultur der Körperverwesung und Giftstoffsanierung nenne - die Kultivierung von Organismen, die Körper zersetzen und Giftstoffe in ihnen reinigen.

Und jetzt zu meinem Ninja-Pyjama. Sobald er fertig ist, will ich den Unendlichkeitspilz in eine Anzahl von Objekten integrieren. Zuerst, ein Beerdigungsanzug, angereichert mit Pilzsporen, der "Mushroom Death Suit" (Totenpilzanzug). (Gelächter) Ich habe gerade den zweiten Prototyp dieses Beerdigungsanzuges an. Er ist mit einem gehäkelten Netz überzogen, in dem Pilzsporen eingebettet sind. Das blitzförmige Muster, das Sie sehen, imitiert das Wachstum von Pilzmyzelen, die Pflanzenwurzeln entsprechen.

Ich arbeite auch an einem Kit für Verwesungskultur, einem Cocktail aus Kapseln, die Sporen des Unendlichkeitspilzes und andere Elemente, die Verwesung und Giftstoffsanierung beschleunigen, enthalten. Diese Kapseln liegen in einem nahrstoffreichen Gel, einer Art zweiter Haut, das sich schnell zersetzt und zu Babybrei für die wachsenden Pilze wird Ich habe vor, den Pilz und den Kit für Verwesungskultur in den nächsten ein bis zwei Jahren fertigzustellen und dann würde ich gerne beginnen, sie zu testen, erst mit Fleisch vom Markt, dann mit menschlichen Testobjekten. Und ob Sie es glauben oder nicht, ein paar Leute haben angeboten, ihre Körper dem Projekt zu spenden, von Pilzen aufgegessen zu werden.

(Gelächter)

Was ich von den Gesprächen mit diesen Leuten gelernt habe, ist dass wir einen verbreiteten Wunsch gemeinsam haben, den Tod zu verstehen und zu akzeptieren und die Belastung durch unseren Tod auf die Umwelt zu verringern. Ich wollte diese Sichtweise kultivieren, genauso wie die Pilze, also habe ich die "Decompiculture Society" gegründet, eine Gruppe von Menschen, die sich "Decompinauten" nennen, die aktiv ihre postmortalen Möglichkeiten ausforschen, die den Tod zu akzeptieren suchen und zersetzende Organismen züchten, so wie den Unendlichkeitspilz. Die "Decompiculture Society" teilt eine Vision einer kulturellen Veränderung, von unserer momentanen Kultur der Leugnung des Todes und der Körperbewahrung zu einer der Kultur der Verwesung, einer radikalen Akzeptanz von Tod und Verwesung.

Den Tod zu akzeptieren bedeutet zu akzeptieren, dass wir materielle Wesen sind, die eng mit der Umwelt verbunden sind, wie die Forschung über umweltbelastende Giftstoffe zeigt. Und wie man so sagt, wir kommen aus dem Staub und werden in den Staub zurückkehren. Und wenn wir einmal verstanden haben, dass wir mit der Umwelt verbunden sind, werden wir sehen, dass das Überleben unserer Spezies vom Überleben des Planeten abhängt. Ich glaube daran, dass dies der Anfang von wahrer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt ist.

Ich danke Ihnen.

(Applaus)