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Translated by Philipp Markl
Reviewed by Judith Matz

0:11 Ich habe mein Leben lang an Nachhaltigkeit gearbeitet, habe eine Klimawandel-NGO aufgebaut, "The Climate Group". Ich habe mit dem WWF an forstwirtschaftlichen Problemen gearbeitet. Ich habe an Bildungs- und Agrarfragen innerhalb der UN gearbeitet. Insgesamt über 25 Jahre. Vor 3 Jahren dann verhandelte ich mit dem IKEA-Chef über eine Kollaboration. Wie viele andere hier auch will ich meinen persönlichen Einfluss auf die Welt maximieren, also werde ich diese Entscheidung erklären.

0:43 Aber schauen wir uns zuerst drei Zahlen an.

0:46 Die erste Zahl ist drei: drei Milliarden Menschen. Dies ist die Zahl derer, die bis zum Jahre 2030 der globalen Mittelklasse angehören werden, aus der Armut kommend. Für sie und ihre Familien ist es fantastisch, allerdings haben wir bereits heute 2 Milliarden Menschen in der globalen Mittelklasse, und das lässt diese Zahl zu einer fünf anschwellen, eine große Herausforderung, da heute Ressourcenknappheit herrscht.

1:05 Die zweite Zahl ist sechs: sechs Grad Celsius, auf die wir uns zubewegen, hinsichtlich der Erderwärmung. Wir bewegen uns nicht auf ein oder drei Grad zu, oder auf vier Grad. Sondern sechs. Und wenn Sie einmal darüber nachdenken, über das seltsame Wetter, das wir die letzten Jahre hatten, dann war dies wegen bloß einem Grad Erwärmung. Und wir werden den Spitzenwert der weltweiten CO2-Emissionen am Ende dieses Jahrzehnts erleben. Erst dann werden sie sinken. Dies ist nicht zwangsläufig so, aber wir müssen entschieden handeln.

1:34 Die dritte Zahl ist zwölf: Dies ist die Zahl der Städte der Welt mit einer Einwohnerzahl von 1 Million oder mehr im Geburtsjahr meiner Großmutter. Sie können meine Großmutter hier sehen, das war zu Beginn des letzten Jahrhunderts. 12 Städte. Sie wurde in Manchester, England, geboren, der damals neuntgrößten Stadt der Welt. Jetzt gibt es beinahe 500 Städte, die eine Million oder mehr Einwohner haben. Und wenn wir uns die Zeit von 1950 bis 2050 anschauen, dann ist das ein Jahrhundert, in dem alle Städte der Welt gebaut werden, das Jahrhundert, in dem wir gerade leben. Jedes andere Jahrhundert war quasi zur Übung, und das schafft einen Entwurf für unser Leben.

2:10 Denken Sie einmal darüber nach. Wir bauen Städte wie nie zuvor, holen Menschen aus der Armut wie nie zuvor und bekämpfen das Klima wie nie zuvor. Nachhaltigkeit hat sich von einem netten Extra zu einem Muss entwickelt. Es geht darum, was wir genau hier, genau jetzt, für den Rest unseres Arbeitslebens tun.

2:31 Ich werde ein wenig darüber reden, was die Wirtschaft tun kann, und was ein Unternehmen wie IKEA tun kann. Wir nennen unsere Nachhaltigkeitsstrategie "people and planet positive", [Positiv zu Planet und Mensch] um unserem Unternehmen zu zeigen, wie wir einen positiven Einfluss auf die Welt haben können. Warum sollten wir einen positiven Einfluss auf die Welt haben wollen, auf die Welt, als ein Unternehmen? Andere Unternehmen haben auch Nachhaltigkeitsstrategien. Ich werde auch auf einige von ihnen Bezug nehmen, und ich werde nur ein paar unserer Absichten beispielhaft erwähnen.

2:58 Aber denken wir zuerst an den Kunden. Wir wissen aus Befragungen von China bis zur USA, dass der größte Teil der Menschen Nachhaltigkeit als wichtig erachtet, gleich nach den alltäglichen Problemen und Fragen wie: "Wie bekomme ich meine Kinder zur Schule?", "Kann ich meine Rechnungen am Ende des Monats bezahlen?" Danach denken sie an große Probleme wie den Klimawandel. Aber sie wollen, dass es einfach ist, bezahlbar und attraktiv, und sie erwarten, dass die Wirtschaft hilft. Und sie sind heute ein bisschen enttäuscht.

3:26 Rufen Sie sich einmal die ersten nachhaltigen Produkte ins Gedächtnis. Wir hatten Reinigungsmittel, die weiße Wäsche grauer waschen. Wir hatten schon frühzeitig energieeffiziente Glühbirnen, die fünf Minuten zum Aufwärmen brauchten. Und dann war alles in einem kränklichen Licht erleuchtet. Und wir hatten dieses raue, recycelte Toilettenpapier. So wurden wir jedes Mal, wenn wir ein T-Shirt anzogen, oder das Licht anmachten, oder aufs Klo gingen, oder manchmal auch alles zusammen, daran erinnert, dass Nachhaltigkeit etwas mit Kompromissen zu tun hat. Das war kein guter Start.

3:59 Heute haben wir die Wahl. Wir können Dinge herstellen, die schön sind oder hässlich, nachhaltig oder nicht nachhaltig, bezahlbar oder teuer, funktional oder nutzlos. Stellen wir also schöne, funktionale, bezahlbare nachhaltige Produkte her.

4:16 Nehmen wir die LED. Nur Tageslicht ist besser als LEDs. Die althergebrachten Glühbirnen, Ich werde nicht danach fragen, wie viele von Ihnen noch welche zu Hause haben, Energieverschwendung, jedes Mal, wenn man sie anmacht – am besten heute noch austauschen – oder ob wir sie auf dieser TED-Bühne haben oder nicht – aber diese alten Glühbirnen hätten als Heizgeräte verkauft werden sollen. Sie wurden über hundert Jahre fehlverkauft. Sie haben Wärme produziert und ganz nebenbei etwas Licht. Jetzt haben wir Lampen, die Licht produzieren und ganz nebenbei ein bisschen Wärme. Sie sparen 85 % Strom mit einer LED, den Sie mit einer alten Glühbirne verbraucht hätten. Und das beste ist, Sie werden für über 20 Jahre halten. Denken Sie darüber nach. Sie wechseln Ihr Smartphone sieben oder acht Mal, vielleicht auch öfter, wenn Sie in diesem Publikum sitzen. Sie wechseln Ihr Auto, wenn Sie eines haben, drei oder vier Mal. Ihre Kinder könnten zur Schule gehen, aufs College, weggehen und selbst Kinder haben, zurückkommen, ihre Enkel mitbringen, und Sie hätten immer noch dieselbe stromsparende Birne. LEDs sind fantastisch. Wir entschieden uns nicht dazu, ganz nebenbei teuer LEDs zu verkaufen und weiterhin die alten Birnen, Halogenlampen und Energiesparlampen zu verticken. Wir haben entschieden, in den nächsten zwei Jahren alle Halogen- und Energiesparlampen zu verbannen. Wir setzen alles. Und das muss Wirtschaft tun: alles einsetzen, 100 Prozent geben, denn sobald man nicht mehr in das Alte investiert, investiert man in das Neue. Das senkt die Kosten, nutzt die Lieferkette und Kreativität und senkt die Preise, so dass sich ein jeder die besten Lampen leisten kann, damit sie Energie sparen können.

5:51 (Applaus)

5:56 Es geht nicht nur um Haushaltsprodukte. Wir müssen die Rohstoffe bedenken, aus denen unsere Produkte bestehen. Natürlich gibt es fantastische Möglichkeiten mit recycelten Materialien, und wir könnten und wollen in Richtung "null Müll" gehen. Und es gibt Möglichkeiten in einer kreisförmigen Ökonomie. Aber wir setzen immer noch auf natürliche Rohstoffe. Als Beispiel Baumwolle. Baumwolle ist brillant. Wahrscheinlich tragen viele Leute heute Abend Baumwolle. Ein fantastischer Stoff. Aber seine Produktion ist sehr schmutzig. Sie verbraucht einen Haufen Pestizide, Dünger und Wasser. Also haben wir mit anderen gearbeitet, anderen Unternehmen und NGOs, an einer "Initiative Bessere Baumwolle". Sie führt direkt zur Farm zurück, wo man die nötige Wassermenge halbieren kann, wie auch die chemischen Zusätze, die Gewinne steigen, und 60 Prozent der Kosten des Betriebs vieler solcher Farmen, die von geringverdienenden Farmern betrieben werden, sind chemische Importe. Die Gewinne steigen und die Einsatzkosten halbieren sich. Farmer kommen aus der Armut heraus. Sie lieben es. Hunderte und tausende von Farmern wurden bereits erreicht, und wir haben nun 60 % bessere Baumwolle in unserem Unternehmen. Wieder setzen wir alles. Bis 2015 werden wir 100 % bessere Baumwolle haben.

7:01 Nehmen wir das Thema 100-Prozent-Ziele. Manchmal denken Menschen, dass 100 % ziemlich schwer sein werden, und wir hatten dieses Gespräch im Unternehmen. Aber wir haben herausgefunden, dass 100 % einfacher zu erreichen sind als 90 oder 50 %. Bei einem 90-Prozent-Ziel findet jeder im Unternehmen einen Grund, in den 10 Prozent zu sein. Bei 100 Prozent ist es ziemlich klar, und Geschäftsleute mögen Klarheit, denn so erledigt man einfach seinen Job.

7:26 Also, Holz. Bei Forstwirtschaft haben wir die Wahl. Es gibt illegale Abholzung und Entwaldung in einem wirklich großen Ausmaß, oder es gibt fantastische, verantwortungsbewusste Forstwirtschaft, auf die wir stolz sein können. Eine einfache Entscheidung, also haben wir viele Jahre mit dem Verwaltungsgremium der Wälder zusammengearbeitet, mit buchstäblich hundert anderen Organisationen, und es liegt ein Sinn in dieser Zusammenarbeit. Hundert andere NGOs, Forstarbeitergemeinschaften und Unternehmen haben geholfen, das Verwaltungsgremium der Wälder aufzubauen, das die Standards für Abholzung festlegt und dann das Wohl des Waldes kontrolliert. Zusammen, durch unsere Versorgungskette, mit Partnern, haben wir es geschafft, 35 Millionen Hektar Wald zu zertifizieren. Das ist ungefähr die Größe Deutschlands. Und wir haben entschieden, dass wir in den nächsten drei Jahren das Volumen des zertifizierten Materials verdoppeln werden, das wir durch unser Unternehmen führen. Diese Probleme brauchen also Entschlossenheit. Die Versorgungskette sollte gute Taten hervorbringen.

8:18 Und dann kommt es zum Betrieb. Manche Dinge sind sicher, denke ich. Wir wissen, dass wir Strom noch in 20 oder 30 Jahren verwenden werden. Wir wissen, dass die Sonne irgendwo scheinen wird, und der Wind in 20 oder 30 Jahren noch wehen wird. Also warum sollten wir nicht unsere Energie aus der Sonne und dem Wind gewinnen? Und warum sollten wir das nicht selbst in die Hand nehmen? Also werden wir 100 Prozent erneuerbar. Bis 2020 werden wir mehr erneuerbare Energie produzieren, als die Energie, die wir als Unternehmen verbrauchen. Für alle unsere Läden, unsere eigenen Fabriken, und unsere Vertriebszentren haben wir bisher 300,000 Solarpaneele installiert, und uns gehören bisher 14 Windfarmen in sechs Ländern, und wir sind noch nicht fertig. Stellen Sie sich ein Solarpaneel vor. Ein Solarpaneel bezahlt sich selbst in sieben oder acht Jahren. Die Energie ist kostenlos. Jedes Mal, wenn die Sonne danach herauskommt, ist der Strom kostenlos. Das ist eine gute Sache für den CFO, nicht nur den Nachhaltigkeits-Typen. Jedes Unternehmen kann solche Dinge tun.

9:12 Aber dafür müssen wir hinter unsere Tätigkeiten schauen, und ich denke, jeder würde zustimmen, dass Unternehmen die volle Verantwortung tragen müssen, für den Einfluss ihrer Versorgungskette. Glücklicherweise haben viele Unternehmen einen Kodex, um ihre Versorgungskette zu leiten und zu kontrollieren, aber nicht jedes Unternehmen. Bei weitem nicht. Und dies passierte IKEA in den 90er Jahren. Wir fanden heraus, dass da ein Risiko bestand, dass es Kinderarbeit innerhalb der Lieferkette gibt, und die Leute im Unternehmen waren schockiert. Es war ganz klar inakzeptabel, und dann muss man handeln. Also wurde ein Leitkodex entwickelt, und wir haben nun 80 Rechnungsprüfer weltweit, die jeden Tag sicherstellen, dass all unsere Fabriken gute Arbeitsbedingungen sicherstellen, die Menschenrechte achten und sicherstellen, dass es keine Kinderarbeit gibt.

9:53 Aber es ist nicht so einfach, wie nur festzustellen, dass es keine Kinderarbeit gibt. Das ist heutzutage noch nicht genug. Ich denke, wir alle sind uns einig, dass Kinder die wichtigsten Menschen der Welt sind und die verletzlichsten. Was kann ein Unternehmen heute unternehmen, um entlang der gesamten Wertkette eine bessere Lebensqualität zu garantieren und die Rechte von Kindern zu schützen? Wir haben mit UNICEF und Save the Children zusammengearbeitet, um neue Geschäftsprinzipien zu entwickeln, die Kinderrechte berücksichtigen. Immer mehr Unternehmen übernehmen diese Prinzipien, aber eine Studie stellt fest, dass viele Geschäftsführer gar nicht denken, dass ihr Unternehmen etwas mit Kindern am Hut hat. Wir entschieden uns also dazu, uns selbst die schwierigen Fragen zu stellen, zusammen mit Partnern, die mehr wissen als wir: Was können wir über unser Unternehmen hinaus tun, um das Leben von Kindern zu verbessern? Wir haben außerdem eine Stiftung, die mit Partnern arbeitet und dabei hilft, die Leben von 100 Millionen Kindern bis 2015 zu verbessern und ihre Rechte zu schützen.

10:49 Kennen Sie den Satz: "Du kannst das steuern, was du misst"? Nun, Sie sollten messen, was Ihnen wichtig ist. Wenn Sie etwas nicht messen, dann ist es Ihnen nicht egal und Sie wissen nichts darüber. Nehmen wir ein Beispiel für das Messen von Dingen, die in unserem Unternehmen wichtig sind. Ist es nicht Zeit, dass Unternehmen von gleich vielen Frauen und Männern geleitet werden?

11:13 (Applaus)

11:16 Von unseren 17.000 Managern in ganz IKEA sind heute 47 Prozent Frauen, aber das ist nicht genug und wir wollen diese Lücke schließen und diesem Weg bis ins hohe Management folgen. Und wir wollen keine weiteren hundert Jahre warten. Also haben wir diese Woche in IKEA ein offenes Frauennetzwerk gestartet, und wir werden alles uns mögliche tun, um den Wandel zu leiten. Die Botschaft hier ist: "Miss, was dir wichtig ist führe den Wandel an und warte keine hundert Jahre."

11:45 Nachhaltigkeit hat sich von einem netten Extra zu einem Muss entwickelt. Sie muss sein. Es ist immer noch nett, nachhaltig zu sein, aber es muss sein. Und jeder einzelne kann etwas dafür tun. Ein anspruchsvoller Verbraucher sein. Mit dem Geldbeutel wählen. Nach den Unternehmen suchen, die sich aktiv einsetzen. Aber es gibt auch andere Unternehmen, die bereits handeln. Ich habe erneuerbare Energien genannt. Google oder Lego setzen auch zu 100 % auf erneuerbare Energien, genau, wie wir es tun. Einen wirklich guten Nachhaltigkeitsplan haben auch Unternehmen wie Nike, Patagonia, Timberland, Marks & Spencer. Aber keines dieser Unternehmen würde sagen, dass sie perfekt sind. Wir würden es nicht. Wir machen Fehler in diesem Prozess, aber es geht darum, einen klaren Kurs zu setzen, transparent zu sein, Dialoge mit den richtigen Partnern zu führen, und sich dazu entscheiden, bei wirklich wichtigen Themen eine führende Rolle zu spielen.

12:45 Wenn Sie als Geschäftsführer Nachhaltigkeit noch nicht direkt ins Herz Ihres Unternehmensmodells verweben, dann dränge ich Sie dazu. Und zusammen können wir helfen, eine nachhaltige Welt zu schaffen, und wenn wir es richtig anstellen, dann können wir Nachhaltigkeit für viele Menschen bezahlbar machen, nicht als Luxus für einige wenige.

13:06 Vielen Dank.

13:07 (Applaus)