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Translated by P Hakenberg
Reviewed by Rasmus Nissen

0:11 Einem Mann namens Captain William Swenson ... ... wurde kürzlich die Ehrenmedaille für seinen Einsatz am 8. September 2009 verliehen. An jenem Tag war eine Einheit amerikanischer und afghanischer Truppen auf dem Weg durch einen Teil von Afghanistan, um eine Gruppe von Regierungsvertretern zu beschützen; afghanische Beamte, die unterwegs zu einem Treffen mit einigen Dorfältesten waren. Die Einheit geriet in einen Hinterhalt und war von drei Seiten umzingelt. Neben vielen anderen Dingen wurde Captain Swenson dafür gewürdigt, dass er unter Beschuss los lief, um Verwundete zu retten und Tote zu bergen. Unter den Geretteten war ein Sergeant, den er mit einem Kameraden zu einem Rettungshubschrauber brachte. Das Bemerkenswerte an jenem Tag war, dass einer der Rettungsärzte ganz zufällig eine Helmkamera hatte und die ganze Szene filmte. Der Film zeigt, wie Captain Swenson und sein Kamerad diesen verwundeten Soldaten, der einen Schuss in den Hals bekommen hatte, herbeibringen. Sie heben ihn in den Hubschrauber, und dann sieht man, wie Captain Swenson sich über ihn beugt und ihm einen Kuss gibt, bevor er sich umdreht, um andere zu retten. Als ich das sah, fragte ich mich: Wo kommen solche Leute her? Was ist das? Das müssen sehr tiefe Gefühle sein, wenn man bereit ist, so etwas zu tun. Da ist Liebe im Spiel. Ich wollte wissen, warum ich nicht mit solchen Menschen zusammenarbeite. Im Militär ehrt man Menschen, die bereit sind, sich zum Wohle anderer aufzuopfern. In der Wirtschaft belohnen wir Menschen, die bereit sind, andere zu opfern damit wir gewinnen. Wir machen es also umgekehrt. Ich fragte mich: Woher kommen solche Leute? Zunächst vermutete ich, dass es einfach bessere Menschen sind. Deshalb zieht es sie zum Militär. Diese besseren Menschen werden von dieser Art Dienst angezogen. Aber das ist völlig falsch. Ich erkannte, dass es vom Umfeld abhängt. Wenn man sich im richtigen Umfeld bewegt, kann jeder einzelne von uns solche besonderen Dinge tun, und noch wichtiger: Andere haben diese Fähigkeit auch. Ich hatte die große Ehre, einige derer zu treffen, die man wohl als Helden bezeichnen würde, die ihr Leben riskiert haben, um andere zu retten. Ich fragte sie: "Warum würde man so etwas tun? Warum haben Sie das getan?" Sie alle gaben die gleiche Antwort: "Weil sie es auch für mich getan hätten." Es ist dieses tiefe Gefühl von Vertrauen und Kooperation. Vertrauen und Kooperation sind hierbei sehr wichtig. Das Problem mit Begriffen wie "Vertrauen" und "Kooperation" ist: Es sind Empfindungen und keine Anweisungen. Ich kann nicht sagen: "Vertraue mir", und du vertraust mir. Ich kann nicht zwei Leute anweisen, zu kooperieren und sie tun es. So funktioniert das nicht. Es ist ein Gefühl. Woher kommt dieses Gefühl? Wenn wir 50 000 Jahre zurückgehen, in das Paläolithikum, in die frühen Tage des Homo Sapiens, dann sehen wir eine Welt voller Gefahren. All diese Kräfte setzten alles daran, uns zu töten. Das war nichts Persönliches. Ob es das Wetter, der Mangel an Ressourcen, oder ein Säbelzahntiger war, all diese Dinge arbeiteten an der Verkürzung unserer Lebensdauer. So entwickelten wir uns zu einem sozialen Tier, indem wir zusammenlebten und -arbeiteten in einem sicheren Kreis, wie ich es nenne, in einem Stamm, dem wir uns zugehörig fühlten. Und wenn wir uns unter unseres gleichen sicher fühlten, war Vertrauen und Kooperation die natürliche Reaktion. Das birgt Vorteile. Es bedeutet, dass ich nachts schlafen und darauf vertrauen kann, dass jemand aus meinem Stamm Wache hält. Wenn ich dir nicht vertrauen kann, dass du auf die Gefahren achtest, ist das ein schlechtes Überlebenssystem. Heutzutage ist es genau so. Die Welt ist voller Gefahren: Dinge, die uns zu frustrieren oder unsere Erfolgschancen zu mindern suchen. Es könnte das Auf und Ab der Wirtschaft sein; die Unsicherheit der Börse oder eine neue Technologie, die dein Geschäftsmodell obsolet macht. Es könnten Konkurrenten sein, die manchmal versuchen, dich zu tilgen, aus dem Geschäft zu drängen, aber zumindest hart daran arbeiten, dein Wachstum zu verhindern und dir dein Geschäft zu stehlen. Wir haben keine Kontrolle über diese Kräfte. Sie sind eine Konstante und werden nicht verschwinden. Das einzig Variable sind die Bedingungen innerhalb einer Organisation und dabei spielt Führung eine große Rolle, weil der Anführer den Ton angibt. Wenn ein Anführer entscheidet, die Sicherheit und das Leben der Menschen innerhalb der Organisation vor das eigene Wohlergehen und die konkreten Ergebnisse zu stellen, so dass die Menschen bleiben wollen, und sich sicher und zugehörig fühlen, passieren bemerkenswerte Dinge. Während einer Flugreise bekam ich einen Vorfall mit, bei dem ein Passagier versuchte, an Bord zu gehen, bevor seine Nummer aufgerufen wurde. Ich sah, wie die Sicherheitsangestellte den Mann behandelte, als hätte er wie ein Verbrecher das Gesetz gebrochen. Der Mann wurde angeschrien, weil er sich nicht an die Reihenfolge hielt. Also sagte ich etwas: "Warum behandeln Sie uns wie Vieh? Warum behandeln Sie uns nicht wie menschliche Wesen?" Ihre Antwort war diese: "Wenn ich mich nicht an die Regeln halte, könnte ich Schwierigkeiten bekommen oder meinen Job verlieren." Damit sagte sie also, dass sie sich nicht sicher fühlt. Sie sagte damit, dass sie ihren Anführern nicht vertraut. Der Grund, dass wir gerne mit Southwest Airlines fliegen, ist nicht unbedingt, dass sie bessere Leute einstellen, sondern, weil sie dort ihre Anführer nicht fürchten. Wenn die Bedingungen nicht stimmen, müssen wir unsere Zeit und Energie aufwenden, um uns voreinander zu schützen und das schwächt automatisch die Organisation. Ein sicheres Gefühl in der Organisation lässt uns ganz automatisch unsere Talente und Stärken unermüdlich dafür einsetzen, den äußeren Gefahren zu begegnen und Gelegenheiten beim Schopf zu packen. Die beste Analogie dafür, was ein guter Anführer ist, sind für mich die Eltern. Was wünscht man sich von guten Eltern? Was macht sie aus? Dem Kind Möglichkeiten, Bildung und, wenn nötig, Disziplin zu geben, sodass es aufwächst und mehr erreicht, als wir es für uns gekonnt haben. Große Anführer wollen genau das: Ihren Leuten Möglichkeiten, Bildung und ggf. Disziplin geben; ihr Selbstvertrauen stärken, Versuche und Fehlschläge erlauben, sodass sie mehr erreichen können, als wir es für uns selbst je hätten vorstellen können. Charlie Kim, der Leiter einer Firma namens Next Jump, einem Technik-Unternehmen in New York City, argumentiert wie folgt: "Wenn es in ihrer Familie hoch her ging, haben Sie jemals erwogen, ihr Kind zu entlassen?" Das würde man nie tun. Warum denken wir dann in unseren Firmen über Entlassungen nach? Charlie entwickelte ein Konzept zur lebenslangen Beschäftigung. Wer bei Next Jump arbeitet, wird nicht wegen Leistungsproblemen gefeuert. Vielmehr wird jemand, der Probleme hat, betreut und bekommt Unterstützung, wie wir es für unser Kind tun, wenn es mit einer Drei aus der Schule kommt. Es ist das Gegenteil. Deshalb haben so viele Menschen eine solche Wut im Bauch, auf einige dieser Bankenchefs mit ihren unverhältnismäßigen Gehältern und Boni. Es liegt nicht an den Zahlen, sondern daran, dass grundlegende Führungsprinzipien, verletzt wurden sowie dieser tief sitzende Gesellschaftsvertrag. Zu wissen, dass sie bereitwillig ihre Leute geopfert oder gar ihr Volk geopfert haben, um ihre Interessen zu schützen, das ist so beleidigend. Nicht die Zahlen. Wäre jemand beleidigt, wenn man Ghandi einen 150 Mio. Dollar Bonus gäbe? Wie wäre es mit einem 250-Mio.-Dollar-Bonus für Mutter Teresa? Hätte man damit ein Problem? Ganz und gar nicht. Große Anführer würden nie Menschen wegen der Zahlen opfern. Eher würden sie die Zahlen opfern, um die Menschen zu retten. Bob Chapman, der ein großes Produktionsunternehmen namens Barry-Wehmiller im Mittleren Westen besitzt, war 2008 sehr stark von der Rezession betroffen. Sie verloren über Nacht 30 Prozent ihrer Aufträge. Für ein solches Unternehmen ist das eine große Sache. Sie konnten sich ihre Arbeitskräfte nicht mehr leisten. Es galt 10 Mio. Dollar einzusparen. Wie bei vielen Unternehmen heutzutage kam der Vorstand zusammen und diskutierte über Entlassungen. Aber Bob lehnte ab, denn Bobs Maßstab ist nicht die Belegschaftsgröße, Bobs Maßstab ist die Herzensgröße und es ist viel schwieriger Herzensgröße weg zu rationalisieren. Also haben sie ein Urlaubsprogramm entworfen. Alle Mitarbeiter, vom Sekretär bis zum Chef, mussten vier Wochen unbezahlten Urlaub nehmen. Sie konnten ihn nehmen, wann sie wollten und sie mussten ihn nicht an einem Stück nehmen. Aber die Weise, in der Bob diese Idee vorstellte, war entscheidend. Er sagte: Besser, wir alle leiden ein wenig, als dass irgendeiner von uns viel leiden muss. Und die Moral stieg. Sie sparten 20 Millionen Dollar und vor allem ergab sich erwartungsgemäß, da die Menschen sich durch die Führung sicher und geschützt fühlten, als natürliche Reaktion Vertrauen und Kooperation. Und ganz spontan und unerwartet handelten die Menschen untereinander. Wer sich mehr leisten konnte, tauschte mit dem, der sich weniger leisten konnte. Manche nahmen fünf Wochen, damit jemand anderes nur drei zu nehmen brauchte. Führung ist eine Entscheidung, kein Rang. Ich kenne viele Leute in Chefetagen von Organisationen, die keine richtigen Anführer sind. Sie sind Herrscher und wir tun, was sie sagen, weil ihnen die Autorität über uns gegeben ist, aber wir würden ihnen nicht folgen. Und ich kenne viele Leute an der Basis ihrer Firma, die keine Macht haben und dennoch echte Anführer sind. Weil sie sich entschieden haben, sowohl auf die Person zu ihrer Linken als auch auf die Person zu ihrer Rechten zu achten. Das macht eine Führungsperson aus. Ich habe mal die Geschichte einiger Marinesoldaten gehört, die ausgegangen sind. Und wie bei der Marine üblich, aß der Offizier als letzter. Er ließ seine Männer zuerst essen und als sie fertig waren, war kein Essen mehr für ihn übrig. Als sie wieder auf dem Feld waren, brachten ihm seine Männer etwas von ihrer Essensration, damit er essen kann. Genau das passiert in solche Fällen. Wir nennen sie Anführer, weil sie voran gehen; weil sie die ersten sind, die das Risiko auf sich nehmen. Wir nennen sie Anführer, weil sie bereit sind für die Sicherheit und das Wohl ihrer Leute, Opfer zu bringen. Die natürliche Reaktion darauf ist, dass die eigenen Leute auch für einen selbst Opfer bringen. Sie geben ihr Blut, ihren Schweiß und ihre Tränen, um die Vision ihrer Anführer zu verwirklichen und wenn man sie fragt: "Warum sollte man das tun? Warum sollte man Blut, Schweiß und Tränen für diese Person opfern? ", ist die Antwort stets die gleiche: "Weil sie es auch für mich getan hätten." Wäre das nicht eine Organisation, in der wir alle gerne arbeiten würden? Vielen Dank. (Beifall) Danke. (Beifall) Danke. (Beifall)