Follow TED
Be the first to know about new TEDTalks, TED news and other announcements.
Click on any phrase to play the video from that point.
Als ich ein Kind war und durchs Haus krabbelte – ich erinnere mich an diese türkischen Teppiche, auf denen diese Szenen waren, diese Schlachtszenen, diese Liebesszenen. Ich meine, sehen Sie: dieses Tier versucht, gegen diesen Speer anzukämpfen, der von diesem Krieger kommt. Meine Mutter hat das fotografiert, letzte Woche gerade, unsere Teppiche, und ich erinnere mich bis heute an sie. Es gab noch einen anderen Gegenstand, dieses hoch aufragende Möbelstück mit Kreaturen und Wasserspeiern und Nackten – ziemlich gruselige Sachen für ein kleines Kind.
Was ich heute noch davon weiß, ist, dass Gegenstände Geschichten erzählen, also hat das Erzählen von Geschichten einen sehr starken Einfluss auf meine Arbeit ausgeübt. Und dann gab es noch einen anderen Einfluss. Ich war ein Teenager und mit 15 oder 16 wollen wir, wie alle Teenager, nehme ich an, einfach nur das machen, was uns gefällt und woran wir glauben. Also habe ich die beiden Dinge, die mir am meisten gefielen, miteinander verschmolzen: Skifahren und Windsurfen. Das sind ziemlich gute Fluchtmöglichkeiten vom grauen Schweizer Wetter.
Ich baute also diese Kombination aus beidem: Ich nahm meine Skier und ich nahm ein Brett und ich befestigte darauf einen Mastfuß und ein paar Fußschlaufen und Spoiler, und da war ich – beim Heizen über zugefrorene Seen. Es war wirklich eine Todesfalle, ich meine, es war unglaublich, es funktionierte unglaublich gut, aber es war wirklich sehr gefährlich. Und dann wurde mir klar, dass ich Design studieren musste. (Gelächter) Ich meine, schauen Sie sich diese graphischen Elemente da an. (Gelächter)
Also studierte ich Design, und ich wurde in den frühen 90ern fertig und bemerkte, dass etwas Außergewöhnliches im Silicon Valley geschah, also wollte ich dort sein, und ich beobachtete, dass Computer in die Privathaushalte gelangten. Dass sie verändert werden mussten, um bei uns in unseren Häusern sein zu können. Also besorgte ich mir einen Job und arbeitete für eine Beratungsfirma, und wir gingen immer zu diesen Meetings, und diese Manager kamen rein und sagten: "Wissen Sie, was wir hier machen werden, ist wirklich wichtig." Und sie gaben ihren Projekten Codenamen, wissen Sie, meistens aus Star Wars: Sachen wie C3PO, Yoda, Luke. Ich war dieser erwartungsvolle junge Designer hinten im Raum und ich hob meine Hand und stellte Fragen. Im Nachhinein betrachtet, vermutlich dumme Fragen, wie: "Wozu ist diese Cap-Lock-Taste da?" oder "Wozu ist diese Num-Lock-Taste da?" – "Sehen Sie, dieses Ding da?" Benutzen die Leute sie tatsächlich? Brauchen Sie sie? Wollen sie sie bei sich zu Hause haben? (Gelächter)
Was mir da klar wurde, war, dass sie das Althergebrachte nicht wirklich ändern wollten; sie wollten das Innenleben nicht verändern. Sie brauchten uns, die Designer, nur, um die Außenhaut zu entwerfen, um ein paar Verzierungen außen an der Schachtel anzubringen. Ich wollte kein Illustrator sein. Das war nicht das, was ich machen wollte. Ich wollte nicht diese Art von Stylist sein. Und dann sah ich dieses Zitat: "Werbung ist der Preis, den Firmen für das Unoriginellsein bezahlen." (Gelächter)
Also musste ich auf eigene Faust anfangen. Ich zog also nach San Francisco und gründete eine kleine Firma, Fuseproject. Ich wollte an wichtigen Teilen arbeiten. Ich wollte nicht nur an der Haut arbeiten, sondern an der gesamten menschlichen Erfahrung. Die ersten Projekte waren bescheiden, aber sie nahmen Technologie und verwandelten sie vielleicht in Dinge, die die Menschen auf eine neue Art benutzen und dabei vielleicht eine neue Funktionalität finden würden.
Das hier ist eine Uhr, die wir für Mini Cooper gemacht haben, die Autofirma, gerade als sie zurück auf den Markt kamen, es ist die erste Uhr, die ein Sichtfeld hat, das von der Horizontalen in die Vertikale wechselt. Und das ermöglicht es mir, diskret auf die Uhr zu schauen, hier, ohne den Arm zu anzuwinkeln. Andere Projekte befassten sich mehr mit Transformation, damit, sich den menschlichen Bedürfnissen anzupassen. Das ist ein kleines Möbelstück für einen italienischen Hersteller, es kann völlig flach transportiert werden und dann faltet es sich auf zu einem Couchtisch, einem Hocker oder was auch immer. Und ein bisschen was Experimentelleres: das ist ein Leuchtkörper für Swarovski, er verändert seine Gestalt. Er wechselt vom Kreis zur Schlaufe, zum Quadrat, zur 8, und das nur, indem man auf eine kleine Computertafel zeichnet, der gesamte Leuchtkörper nimmt die Form an, die man haben will.
Und dann schließlich die Leaf-Lampe für Herman Miller. Das ist ein ziemlich aufwändiger Prozess; wir brauchten viereinhalb Jahre dafür. Aber ich habe wirklich versucht, eine einzigartige Lichterfahrung zu kreieren, eine neue Erfahrung von Licht. Also mussten wir die Lampe und die Glühbirne entwerfen. Und das ist eine einmalige Gelegenheit im Design, würde ich sagen. Und die neue Erfahrung, nach der ich suchte, war, die Entscheidung dem Benutzer zu überlassen, von einem warmen, glühenden Stimmungslicht auf ein helles Arbeitslicht zu wechseln. Es ist die Glühbirne, die dafür sorgt. Sie ermöglicht der Person, umzuschalten und diese zwei Färbungen zu vermischen. Und das kann man sehr einfach machen: man berührt nur den Fuß der Lampe, und an einer Seite kann man die Helligkeit einstellen und an der anderen die Lichtfarbe.
Alle diese Projekte haben einen gewissen Humanismus gemein und ich denke, dass wir Designer wirklich darüber nachdenken müssen, wie wir eine andere Beziehung schaffen können zwischen unserer Arbeit und der Welt, ob sie nun kommerziell ist oder, wie ich zeigen werde, sich mit humanitären Projekten befasst. Denn ich denke, jeder wird mir zustimmen, dass wir Designer der Wirtschaft Werte geben, den Benutzern Werte geben, aber ich denke, es sind die Werte, die wir in diese Projekte legen, die am Ende den Mehrwert erschaffen. Und die Werte, die wir mitbringen, können mit ökologischen Fragestellungen zu tun haben, mit Nachhaltigkeit, mit geringerem Energieverbrauch. Wissen Sie, sie können mit Funktion und Schönheit zu tun haben; sie können mit einer Geschäftsstrategie zu tun haben. Designer sind tatsächlich der Klebstoff, der diese Dinge zusammenbringt.
Jawbone ist ein Projekt, mit dem Sie vertraut sind, und es benutzt eine humanistische Technologie. Es berührt deine Haut; es sitzt auf deiner Haut und es bemerkt es, wenn du sprichst. Und wenn es merkt, dass du sprichst, blendet es die anderen Geräusche aus, die es wahrnimmt, die Umweltgeräusche.
Die andere Sache, die humanistisch ist an Jawbone, ist, dass wir beschlossen, die ganzen technischen Spielereien wegzulassen, dieses ganze Nerdzeug, und versuchten, es so schön wie möglich zu machen. Ich meine, überlegen Sie mal: die Sorgfalt, mit der wir Sonnenbrillen aussuchen oder Schmuck oder Accessoires, ist wirklich wichtig, also wenn es nicht schön ist, gehört es nicht in dein Gesicht. Und das ist, was wir hier verfolgen.
Aber die Weise, auf die wir an Jawbone gearbeitet haben, ist wirklich einzigartig. Ich möchte auf etwas hier links aufmerksam machen. Das ist die Schaltfläche, eines der Dinge, die nach innen gehören, die dafür sorgen, dass die Technik funktioniert. Das aber ist der Designprozess: da ist jemand, der die Schaltfläche verändert, er setzt Tracers darauf, verändert die Lage der ICs, während die Designer auf der anderen Seite ihre Arbeit machen. Es geht also nicht mehr darum, einer Technik eine Außenhaut zu verpassen. Es geht vielmehr darum, von innen nach außen zu gestalten. Und an der anderen Seite des Raumes nehmen die Designer kleine Veränderungen vor, indem sie per Hand zeichnen und das dann digitalisieren, und das bezeichne ich als durchdesignt. Wissen Sie, es gibt etwas Hauen und Stechen, doch das Design hilft wirklich dabei, den ganzen Prozess von innen heraus zu bestimmen.
Und das Design ist natürlich nie fertig. Das ist die andere neue Art, auf die unsere Arbeitsweise einmalig ist, denn die Arbeit ist nie zu Ende, man muss all diesen anderen Kram auch noch machen. Die Verpackung, die Website, und man muss den Kontakt zum Benutzer auf vielfältige Art und Weise aufrecht erhalten. Aber wie hält man jemanden bei der Stange, wenn man nie fertig wird? Hosain Rahman, der geschäftsführende Direktor von Aliph Jawbone, hat gesehen, dass man eine andere Struktur braucht. Auf gewisse Weise wird diese andere Struktur dadurch verwirklicht, dass wir Partner sind. Wir können weiter an diesem Projekt arbeiten und uns ihm widmen, und teilen uns dann die Gewinne.
Das hier ist ein anderes Projekt, eine weitere partnerschaftliche Herangehensweise. Es heißt Y Water, und es war dieser Typ aus Los Angeles, Thomas Arndt, ursprünglich aus Österreich, der an uns herantrat, und alles, was er wollte, war, ein gesundes Getränk zu entwickeln, ein ökologisches Getränk für seine Kinder, um damit die extrem zuckerhaltigen Brausen zu ersetzen, von denen er sie abzubringen versucht. Also arbeiteten wir an dieser Flasche, sie ist völlig symmetrisch, in jeder Dimension. So kann aus der Flasche ein Spiel werden. Die Flaschen können zusammengesteckt werden, und man kann damit verschiedene Strukturen, verschiedene Formen zusammenbauen. (Gelächter) (Applaus) Danke. (Applaus)
Während wir daran arbeiteten, erinnerte uns die Form der umgedrehten Flasche an ein Y, und wir dachten: Diese Wörter, "why" (warum) und "why not" (warum nicht), sind wahrscheinlich die wichtigsten Fragen, die Kinder stellen. Also nannten wir es Y Water. Das ist also ein weiteres Beispiel, bei dem alles zusammen in einem Raum passiert: das dreidimensionale Design, die Ideen, die Entwicklung der Marke, es ist alles eng miteinander verwoben. Ein anderer Aspekt dieses Projektes ist, dass wir geistiges Eigentum, einen Marketing-Ansatz, alle diese Sachen mitbringen, doch ich denke, dass wir schlussendlich diese Werte mitbringen, und diese Werte erschaffen eine Seele für die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und es ist eine besondere Belohnung, wenn aus deinem Design ein schöpferisches Unterfangen wird, wenn andere Menschen kreativ sein und mehr damit machen können.
Hier ist ein weiteres Projekt, das dem wirklich gerecht wird. Das ist das Ein-Laptop-pro-Kind (OLPC), das 100-Dollar-Laptop. Dieses Bild ist unglaublich. In Nigeria tragen die Menschen ihren wertvollsten Besitz auf dem Kopf. Dieses Mädchen geht zur Schule mit einem Laptop auf dem Kopf. Ich meine, das bedeutet so viel für mich. Doch als Nicholas Negroponte – und er hat oft über dieses Projekt gesprochen, er ist der Gründer von OLPC – zu uns kam vor etwa zweieinhalb Jahren, gab es einige klare Vorstellungen. Er wollte Bildung zur Verfügung stellen, er wollte Technologie zur Verfügung stellen, und das sind die Säulen seines Lebens, aber auch die Säulen der Ein-Laptop-pro-Kind-Mission. Doch die dritte Säule, über die er sprach, war Design. Damals arbeitete ich nicht an Computern. Ich wollte es eigentlich nicht, wegen des vorangegangenen Abenteuers. Aber was er sagte, war wirklich bedeutsam, dass nämlich das Design der Grund dafür sein würde, dass die Kinder dieses Produkt lieben würden. Wie wir es preiswert machen würden, robust, und er sagte, dass wir die Cap-Lock-Taste loswerden würden – (Gelächter) – genau wie die Num-Lock-Taste.
Er überzeugte mich. Wir entwarfen ein wiedererkennbares Design, es sollte anders aussehen, wie für Kinder gemacht, aber nicht wie ein Spielzeug. Und dann die Integration von all diesen großartigen technischen Errungenschaften, von denen Sie gehört haben, die WiFi-Antennen, die es den Kindern ermöglicht, sich miteinander zu verbinden; der Bildschirm, den man bei Sonneneinstrahlung lesen kann; die Tastatur, die aus Gummi ist und vor Umwelteinflüssen geschützt.
Wissen Sie, all diese technischen Neuerungen gab es vor allem wegen der Leidenschaft und der OLPC-Leute und der Ingenieure. Sie bekämpften die Zulieferer, sie bekämpften die Hersteller. Ich meine, sie kämpften wie die Tiere, damit es so bleiben konnte, wie es ist. Und in gewisser Weise ist es dieser Wille, der Projekte wie dieses möglich macht, er sorgt dafür, dass der Prozess nicht die ursprüngliche Idee zerstört. Und ich glaube, dass das wirklich wichtig ist.
Jetzt sieht man also diese Bilder – man steht morgens auf und sieht die Kinder in Nigeria und man sieht sie in Uruguay mit ihren Computern, und in der Mongolei. Wir wandten uns offensichtlich ab vom Beige – Ich meine, er ist bunt; es macht Spaß. Tatsächlich können Sie sehen, dass jedes Logo ein bisschen anders ist. Der Grund dafür ist, dass wir während des Herstellungsprozesses in der Lage waren, zwanzig Farben für das X und das O bereitzustellen, so heißt der Computer, und wenn man sie während der Herstellung vermischt, bekommt man zwanzig mal zwanzig; man bekommt 400 verschiedene Kombinationen. Was man von den Kindern, die sie in den Entwicklungsländern benutzen, lernen kann, ist unglaublich.
Das ist mein Neffe Anthony, in der Schweiz, er hatte den Laptop für einen Nachmittag, ich musste ihn wieder mit zurücknehmen. Das war schwer. (Gelächter) Es war ein Prototyp. Anderthalb Monate später kam ich zurück in die Schweiz, und da spielte er mit seiner eigenen Version. (Gelächter) Aus Papier – Papier und Pappe.
Ich möchte abschließen mit einem letzten Projekt, bei dem es mehr um ein Erwachsenenspiel geht. (Gelächter) Einige von Ihnen haben vielleicht vom New-York-City-Kondom gehört. Es ist tatsächlich gerade erst vorgestellt worden, am Valentinstag, am 14. Februar, vor etwa zehn Tagen. Die New Yorker Gesundheitsbehörde kam auf uns zu, sie brauchten eine Methode, 36 Millionen Kondome kostenlos an die Einwohner New Yorks zu verteilen. Ein ziemlich großes Unterfangen also, und wir arbeiteten an den Automaten; das sind die Automaten. Sie haben diese freundliche Form. Es ist ein bisschen, als ob man einen Hydranten entwirft, es muss einfach zu bedienen sein: man muss wissen, wo es ist und was seine Funktion ist. Wir haben auch die Kondome selbst entworfen.
Ich war gerade in New York bei der Vorstellung und bin an all die Orte gegangen, wo sie installiert sind. Das ist in einem puerto-ricanischen Tante-Emma-Laden, in einer Kneipe in der Christopher Street, in einer Billardkneipe. Sie werden überall in Obdachlosenheimen installiert. Natürlich auch in Clubs und Diskotheken. Und hier ist der Werbefilm für das Projekt. (Musik) (Gelächter) Besorg sie dir. (Applaus)
So kann Design tatsächlich ein Gespräch anstoßen. Ich war an diesen Orten, und die Leute holten sie sich gern. Sie waren begeistert. Es war ein Eisbrecher, es überwand ein Stigma, und ich denke, das ist auch etwas, das Design leisten kann. Ich wollte eigentlich ein paar Kondome und so ins Publikum werfen, aber ich weiß nicht, ob das nicht gegen die Etikette hier verstößt. (Gelächter) Ja, okay, in Ordnung. Ich habe nur ein paar. (Gelächter) (Applaus) Ich habe noch mehr, Sie können mich nachher noch darauf ansprechen. (Gelächter) Und wenn jemand fragt, weshalb Sie ein Kondom dabei haben, können Sie einfach sagen, Ihnen gefällt das Design. (Gelächter)
Ich möchte meinen Vortrag mit nur einem Gedanken abschließen: wenn wir alle beim Schaffen von Werten zusammenarbeiten, wenn wir die Werte hinter unserer Arbeit in Erinnerung behalten, können wir, denke ich, unsere Arbeit verändern. Wir können diese Werte verändern, die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten, und schließlich, gemeinsam, vielleicht die Welt. Danke. (Applaus)
Got an idea, question, or debate inspired by this talk? Start a TED Conversation, or join one of these:
Designer Yves Behar geht zurück zu seinen Wurzeln, um über einige seiner einflussreichsten Objekte zu sprechen (die Leaf-Lampe, das Jawbone-Headset). Dann wendet er sich den intelligenten, überraschenden und eleganten Objekten zu, an denen er gerade arbeitet – einschließlich dem "Hundert-Dollar-Laptop".
Yves Behar has produced some of the new millennium's most coveted objects, like the Leaf lamp, the Jawbone headset, and the XO laptop for One Laptop per Child. Full bio »
Translated into German by Mareike Kaden
Reviewed by Alex Boos
Comments? Please email the translators above.
19:30 Posted: Aug 2006
Views 446,554 | Comments 146
19:58 Posted: Jul 2006
Views 295,343 | Comments 40
20:04 Posted: Apr 2007
Views 225,977 | Comments 62
Just follow the guidelines outlined under our Creative Commons license.
This comment will be attributed to . Not ? Sign out.