Mein Name ist Ursus Wehrli, und ich möchte Ihnen heute Morgen gerne von meinem Projekt, Kunst Aufräumen, erzählen. Zunächst - irgendwelche Fragen bis jetzt? Zunächst muss ich Ihnen sagen, dass ich nicht von hier bin. Ich komme aus einer komplett anderen Kultur-Gegend, vielleicht haben Sie das bemerkt? Ich meine, erstens, trage ich eine Kravatte. Und zweitens bin ich etwas nervös weil ich in einer anderen Sprache sprechen muss und ich will mich im Voraus für jegliche Fehler, die ich womöglich machen werde, entschuldigen, denn ich komme aus der Schweiz, und ich hoffe einfach, dass sie nicht denken, dass ich jetzt gerade Schweizerdeutsch spreche. Dies ist einfach wie es tönt wenn wir Schweizer versuchen Amerikanisch zu sprechen. Aber keine Sorge - ich habe kein Problem mit Englisch als solches. Ich meine, es ist nicht mein Problem, es ist letztendlich Ihre Sprache. (Gelächter) Ich bin fein raus. Nach dieser Präsentation hier bei TED kann ich einfach wieder zurück in die Schweiz gehen und Sie müssen weiterhin so reden. (Gelächter)
Die Organisatoren haben mich gebeten aus meinem Buch vorzulesen. Es heißt Kunst Aufräumen, und es ist, wie sie sehen können, mehr oder weniger ein Bilderbuch. Also wäre das Vorlesen ziemlich schnell vorbei. Aber da ich hier bei TED bin, dachte ich mir, ich könnte meine Präsentation etwas moderner gestalten, im Sinne von TED hier, und ich habe ein paar Dias für Sie organisiert. Ich würde sie gerne herumreichen, also könnten sie einfach - (Gelächter) Aber ehrlich, ich habe es geschaft einige Vergrösserungen vorzubereiten - noch besser.
Also, Kunst Aufräumen, ich meine, ich muss zugeben, das ist ein relativ neuer Begriff. Der Begriff wird Ihnen nicht geläufig sein. Ich meine, es ist ein Hobby, dem ich mich in den letzten paar Jahren gewidmet habe und es begann alles mit diesem Gemälde des amerikanischen Künstlers Donald Baechler. Es hing bei mir zu Hause. Ich musste es jeden Tag ansehen und nach einer Weile konnte ich das Durcheinander, das sich dieser Mann den ganzen Tag ansehen musste, einfach nicht mehr aushalten. Ja, er tat mir leid. Und es schien mir, dass es sogar ihm wirklich schlecht dabei ging, sich jeden Tag diese unorganisierten roten Quadrate anzusehen. Also entschied ich, ihm zu helfen und brachte Ordnung hinein, indem ich die Klötze ordentlich übereinander stapelte. (Gelächter) Ja. Und ich denke er wirkt jetzt weniger unglücklich. Und das war großartig. Mit diesem Erlebnis fing ich an, moderne Kunst genauer zu studieren. Dann realisierte ich, dass, wissen Sie, die Welt der modernen Kunst ganz besonders durcheinander ist.
Und ich kann Ihnen ein sehr gutes Beispiel zeigen. Es ist eigentlich ein sehr einfaches, aber es ist gut für den Anfang. Es ist ein Gemälde von Paul Klee. Und wir können hier sehr deutlich sehen, es ist ein Durcheinander von Farbe. (Gelächter) Ja. Der Künstler scheint nicht so richtig zu wissen wo er die verschiedenen Farben hinmalen soll. Die verschiedenen Bilder hier der verschiedenen Elemente des Gemäldes - das ganze Ding ist unstrukturiert. Wir wissen nicht, ob Herr Klee vielleicht in Eile war, ich meine - (Gelächter) -- vielleicht musste er einen Flug kriegen, oder so. Wir können hier sehen, er fing mit Orange an, und dann ging ihm auch schon das Orange aus, und hier können wir sehen, dass er für ein Quadrat eine Pause eingelegt hat. Und ich würde Ihnen gerne meine aufgeräumte Version von diesem Gemälde zeigen. (Gelächter) Wir können jetzt sehen was man im Orginal kaum erkennen konnte: 17 roten und orangefarbenen Quadraten sind nur zwei grüne Quadrate gegenübergestellt. Ja, das ist großartig. Also ich meine, das ist nur Aufräumen für Anfänger. Ich würde Ihnen gerne ein etwas fortgeschritteneres Gemälde zeigen. (Gelächter)
Was kann man sagen? Was für ein Durcheinander. Ich meine, sehen sie, alles wirkt wahllos im Raum verstreut. Falls mein Zimmer zuhause so ausgesehen hätte, meine Mutter hätte mich zu drei Tagen Hausarrest verdonnert Also ich würde gerne -- ich würde gerne wieder Struktur ins Gemälde bringen. Und dies ist wirklich fortgeschrittenes Aufräumen. (Applaus) Ja, sie haben Recht. Manchmal klatschen Leute an dieser Stelle, aber eigentlich mehr in der Schweiz. (Gelächter) Wir Schweizer sind berühmt für Schokolade und Käse. Unsere Züge sind pünktlich. Wir sind nur glücklich, wenn Dinge in Ordnung sind.
Um fortzufahren, das hier ist ein sehr gutes Beispiel. Dies ist ein Gemälde von Joan Miro. Und ja, wir können sehen, dass der Künstler ein paar Linien und Formen gezeichnet hat und sie querbeet auf einem gelben Untergrund verteilt hat. Und ja, das ist etwas, was man beim Telefonieren vor sich hin kritzelt. (Gelächter) Und das ist mein -- (Gelächter) -- Sie können sehen, dass das Ganze viel weniger Platz einnimmt. Es ist ökonomischer und auch viel effizienter. Mit dieser Methode hätte Herr Miro Leinwand für ein anderes Gemälde einsparen können.
Aber ich kann in Ihren Gesichtern sehen, dass Sie immer noch ein bisschen skeptisch sind. Damit Sie einsehen, wie ernst ich all das nehme, habe ich die Patente mitgebracht, die Patentschriften für einige dieser Werke, denn ich habe meine Arbeitsmethoden bei dem Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum in Bern, Schweiz, patentieren lassen. (Gelächter) Ich zitiere aus der Patentschrift. "Laut den Kunstprüfer Dr. Albrecht --" Es ist noch nicht zu Ende. "Laut den Kunstprüfer Dr. Albrecht Götz von Ohlenhusen wird die Verfahrensweise rechtlich geschützt, welche die Kunst durch spezifisch aufgeräumte Regelmässigkeiten des allgemeinen Formenschatzes neue Wirkungen zu erzielen möglich wird."
Ja, ich hätte Ihnen das übersetzen können, aber Sie hätten es trotzdem nicht verstanden. Ich bin selbst nicht sicher was es bedeutet, aber es tönt trotzdem gut. Ich habe eben gemerkt, dass es wichtig ist, wie man Leuten neue Ideen vorstellt. Deshalb sind Patente manchmal notwendig. Ich würde mit Ihnen gerne einen kurzen Test durchführen. Jeder sitzt heute Morgen sehr ordentlich da Also möchte ich Sie alle auffordern Ihre rechte Hand zu heben. Ja. Die rechte Hand ist diejenige, mit der Sie schreiben, Linkshänder ausgenommen. Und jetzt zähle ich bis drei. Ich meine, es sieht immernoch sehr ordentlich aus. Jetzt zähle ich bis drei, und bei drei hätte ich gerne, dass Sie der Person hinter Ihnen die Hand schütteln. OK? Eins, zwei, drei. (Gelächter)
Wie Sie jetzt sehen können, das ist ein gutes Beispiel: sogar wenn man sich organisiert und systematisch benimmt, kann es manchmal zu komplettem Chaos führen. Das können wir auch in diesem nächsten Bild sehr klar sehen. Dies ist ein Gemälde von Niki de Saint Phalle. Und ich meine, im Orginal ist es für mich komplett unverständlich, was dieses Gewirr von Farbe und Formen darstellen soll. Aber in der aufgeräumten Version kann man deutlich erkennen, dass es eine sonnengebräunte Frau beim Volleyball spielen ist. (Gelächter) Ja, es ist eine -- dieses hier ist viel besser. Das ist ein Gemälde von Keith Haring. (Gelächter) Ich denke nicht, dass es wichtig ist. Also, ich meine, das Bild hat nicht einmal einen richtigen Titel. Es heisst "Unbenannt" und ich denke, das ist angebracht.
Also, in der aufgeräumten Version haben wir eine Art Keith Haring Ersatzteillager. (Gelächter) Das ist Keith Haring statistisch gesehen. Man kann hier sehr deutlich sehen, wir haben 25 hellgrüne Elemente, von denen eins ein Kreis ist. Oder hier, zum Beispiel, haben wir 27 pink-farbene Quadrate mit nur einer pinkfarbenen Kurve. Ich meine, das ist interessant. Man könnte diese statistische Analyse auch auf alle anderen Werke von Herrn Haring ausweiten, um festzustellen, in welcher Periode der Künstler hellgrüne Kreise oder pinkfarbene Quadrate bevorzugt hat. Diese Aufgliederungsprozedur könnte auch dem Künstler zugute kommen, in dem er sie für die Einschätzung nutzt, wie viele Farbtöpfe er wahrscheinlich in der Zukunft brauchen wird. (Gelächter)
Man kann offensichtlich auch Kombinationen kreieren. Zum Beispiel mit Keith Harings Kreisen und Kandinskys Punkten. Man kann sie zu den Quadraten von Paul Klee hinzufügen. Am Ende hat man eine Liste, die man dann anordnen kann. Dann kann man sie kategorisieren, dann archivieren und diese Akte in einem Aktenordner abheften, diesen in Ihr Büro stellen und Sie können damit Ihren Lebensunterhalt bestreiten. (Gelächter) Ja, von meiner eigenen Erfahrung. Also ich bin -- (Gelächter) Ich meine, wir haben ja eigentlich Künstler, die etwas mehr strukturiert sind. Es ist nicht allzu schlimm. Das ist Jasper Johns. Wir können hier sehen, dass er mit seinem Lineal geübt hat. (Gelächter)
Aber ich denke, er könnte immer noch mehr Disziplin gebrauchen. Und ich denke das Ganze passt viel besser zusammen, wenn Sie es so machen. (Gelächter) Und hier, das ist eins meiner Lieblinge. Rene Magritte aufräumen -- das macht wirklich Spaß. Sie wissen, da ist ein -- (Gelächter) Man hat mich gefragt, was mich dazu bewegt hat Kunst aufzuräumen. Es fing an als ich sehr oft in Hotels geschlafen habe. Ich hatte einmal die Gelegenheit, in einem sehr eleganten, fünf Sterne Hotel zu übernachten. Und wissen Sie, dort gab es ein kleines Schild -- Ich hängte dieses Schild jeden Morgen an meine Tür. Darauf stand: "Bitte aufräumen." Ich weiss nicht, ob Sie das auch hier drüben haben. Und tatsächlich, mein Zimmer dort wurde nicht nur einmal am Tag aufgeräumt, sondern dreimal. Nach einer Weile entschied ich mich etwas Spass zu haben, und bevor ich das Zimmer morgens verließ, verstreute ich ein paar Dinge im Zimmer. Bücher, Kleidungstücke, Zahnbürste, etc. Und es war grossartig. Als ich wieder zurück ins Zimmer kam, war alles wieder an seinen Platz geräumt. Aber eines Morgens hing ich das selbe kleine Schild an das Gemälde von Vincent van Gogh. (Gelächter) Und man muss sagen, dass das Zimmer schon seit 1888 nicht aufgeräumt worden ist. Und als ich wiederkam, sah es so aus. (Gelächter) Ja, es ist jetzt wenigstens möglich im Zimmer Staub zu saugen. (Gelächter)
OK, ich meine, ich weiß, dass es immer Leute gibt, die gerne erwidern, dass das eine oder andere Bild nicht richtig aufgeräumt wurde. Also können wir einen kurzen Test mit Ihnen durchführen. Das ist ein Bild bei Rene Magritte, und ich möchte Sie alle bitten innerlich -- also in Ihrem Kopf -- das Bild aufzuräumen. Es ist möglich, dass einige von Ihnen es so machen würden. (Gelächter) Ja? Ich würde es eigentlich so bevorzugen. Einige würden Apfelkuchen daraus machen. Aber es ist ein sehr gutes Beispiel um zu verstehen, dass das ganze Werk eher eine angestrengete Bastelei war, die darin bestand, sehr zeitaufwändig die verschiedenen Elemente auszuschneiden und sie in verschiedenen neuen Arrangements wieder auf die Leinwand zu kleben. Und das wurde nicht, wie viele vermuten, mit einem Computer gemacht. Sonst würde es so aussehen. (Gelächter)
Ich habe es inzwischen geschafft Bilder aufzuräumen, die ich schon lange aufräumen wollte. Hier ist ein sehr gutes Beispiel. Jackson Pollock, zum Beispiel. Es ist -- oh nein, es ist -- das ist wirklich schwierig. Aber nach einer Weile entschied ich mich einfach ganz zurück zu gehen und die Farbe wieder in die Dosen zu packen (Applaus) Oder man könnte auch mit dreidimensionaler Kunst arbeiten. Hier haben wir den fellbezogenen Becher von Meret Oppenheim. Hier habe ich ihn wieder in seine orginale Form zurückgebracht. (Gelächter) Aber ja, und es ist grossartig, man kann sogar, wissen Sie -- Oder wir haben diese pointillistische Bewegung für diejenigen unter Ihnen, die sich für Kunst interessieren. Pointillismus sind die Art Gemälde, wo alles in Punkte und Pixel heruntergebrochen ist Und dann -- diese Art der Kunst ist ideal zum Aufräumen. (Gelächter)
Ich habe mich also über die Werke des Erfinders dieser Methode, Georges Seurat, hergemacht und habe all seine Punkte zusammengesammelt. Und jetzt sind sie alle hier drin. (Gelächter) Wenn Sie wollen, können Sie sie hinterher gerne zählen. Sehen Sie, das ist das Wunderbare an der Kunst-Aufräum-Idee: Es ist neu. Deshalb gibt es darin keine existierende Tradition. Es gibt keine Leitfäden, ich meine, bis jetzt zumindest nicht. Ich meine, es ist "die Zukunft, die wir kreieren." (Gelächter) Zum Abschluss würde ich Ihnen gerne noch eins zeigen. Das ist der Dorfplatz von Pieter Bruegel. Und so sieht er aus, wenn man alle nach Hause schickt. (Gelächter) Ja, vielleicht fragen Sie sich jetzt, wo die ganzen Leute vom Alten Bruegel hin sind? Natürlich sind sie nicht alle weg. Sie sind alle hier. (Gelächter) Ich habe sie einfach aufgestapelt. (Gelächter)
Ich bin also -- ja, ich bin eigentlich jetzt fertig. Und für diejenigen, die mehr sehen wollen, mein Buch gibt es unten im Buchladen. Und ich werde es auch gerne für Sie mit dem Namen eines Künstlers Ihrer Wahl signieren. (Gelächter) Aber bevor ich gehe, würde ich Ihnen noch gerne zeigen, woran ich jetzt arbeite -- in einem ähnlich Feld meiner Aufräum-Methode. Ich arbeite jetzt in einem ähnlichen Feld. Und ich fing an mehr Ordnung in einige Flaggen zu bringen. Hier -- das ist mein neuer Vorschlag für den Union Jack. (Gelächter) Und dann, bevor ich Sie verlasse ... ja, ich glaube, wenn Sie das sehen, muss ich so oder so gehen. (Gelächter) Ja, das war eine schwierige Aufgabe. Ich wusste nicht so recht wie man das aufräumen sollte, also entschied mich ich einfach dafür, es ein wenig simpler zu gestalten. (Gelächter) Vielen Dank. (Applaus)
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Ursus Wehrli teilt seine Vision für eine sauberere, organisiertere, ordentlichere Kunstform - indem er die Gemälde moderner Künstler in ihre Einzelteile zerlegt und nach Farbe und Grösse ordnet.
Comedian and cabaret artist Ursus Wehrli is on a crusade to tidy up art. Full bio »
Translated into German by Nora Strecker
Reviewed by Katja Tongucer
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18:56 Posted: Aug 2006
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11:14 Posted: Jun 2008
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17:30 Posted: Oct 2007
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