Hallo, mein Name ist Thomas Heatherwick. Ich habe ein Atelier in London, das auf ungewöhnliche Weise Gebäude entwirft. Als ich aufwuchs, war ich von Herstellung und Handwerk und Materialien und Erfindungen im kleinen Stil umgeben. Und ich sah mir die größeren Gebäude an und fand, dass die Gebäude, die um mich herum waren, und die entworfen wurden, und die ich den Publikationen sah, sich seelenlos und kalt anfühlten. Und da in einem kleineren Format, in der Größe eines Ohrrings oder eines Keramiktopfs, oder eines Musikinstruments gab es eine Materialität und Lebensfreude. Und das beeinflusste mich. Das erste Gebäude habe ich vor 20 Jahren gebaut. Und seitdem habe ich in den letzten 20 Jahren ein Atelier in London aufgebaut. Entschuldigung, das war meine Mutter, in ihrem Perlenladen in London. Ich habe eine Menge Zeit damit verbracht, Perlen zu zählen und solche Sachen.
Ich werde jenen, die die Arbeit meines Ateliers nicht kennen, ein paar Projekte vorstellen, an denen wir gearbeitet haben. Dies ist ein Krankenhausgebäude. Dies ist ein Laden für einen Taschen-Hersteller. Dies sind Ateliers für Künstler. Dies ist eine Skulptur aus über 900.000 Metern Draht und 150.000 Glassperlen in der Größe eines Golfballs. Und dies ist eine Schaufensterdekoration. Und dies sind zwei Kühltürme für ein Umspannwerk neben St. Paul's Cathedral in London. Und dies ist ein Tempel in Japan für einen buddhistischen Mönch. Und dies ist ein Café am Meer in Großbritannien.
Und nur ganz schnell etwas, an dem wir in letzter Zeit gearbeitet haben, im Auftrag des Londoner Bürgermeisters: Der Entwurf eines neuen Busses, der den Passagieren ihre Freiheit wieder gegeben hat. Denn der originale Routemaster-Bus, den einige von Ihnen vielleicht kennen, hatte eine offene Plattform am Ende – tatsächlich denke ich, all unsere Routemaster sind jetzt eigentlich hier in Kalifornien. Aber sie sind nicht in London. Und so steckt man im Bus. Und wenn der Bus bald anhält, und er noch knapp drei Meter von der Haltestelle entfernt ist, ist man bloß ein Gefangener. Aber der Bürgermeister von London wollte wieder Busse mit offenen Plattformen einführen. So haben wir also mit "Transport for London" zusammen gearbeitet, und diese Organisation ist tatsächlich seit 50 Jahren nicht mehr als Kunde für einen neuen Bus verantwortlich gewesen. Wir bekamen diese Gelegenheit zur Arbeit also mit viel Glück. Kurz gesagt: Der Bus soll 40% weniger Energie verbrauchen. Also hat er einen Hybrid-Antrieb. Und wir haben daran gearbeitet, alles so gut es geht zu verbessern, alles vom Material über das Format und die Struktur bis hin zur Ästhetik.
Ich möchte Ihnen vier Hauptprojekte vorstellen. Und dies ist ein Brückenprojekt. Wir wurden also beauftragt, eine Klappbrücke zu entwerfen. Und das Öffnen scheint – wir alle mögen Klappbrücken, auch wenn es ein recht simples Ding ist. Ich denke, wir alle stehen da und schauen zu. Aber die Brücken, die wir sahen, die sich öffneten und schlossen – ich bin leicht empfindlich – doch einmal sah ich ein Foto von einem American Football-Spieler, der nach einem Ball tauchte. Und als er so tauchte, hat ihm jemand auf sein Knie getreten, und es ist so gebrochen. Wir schauten uns also all die Brücken an, und ich konnte mir einfach nicht helfen zu denken, dass das eine wunderschöne Sache ist, die zerbrochen ist.
Dies ist dann also Paddington in London. Wie Sie sehen, ist das eine ziemlich langweilige Brücke. Es ist nur Stahl und Holz. Aber anstatt auf das Aussehen konzentrierten wir uns auf die Funktionsweise. (Applaus) Wir mochten die Idee, dass sich die zwei Endteile am Ende küssen würden. (Applaus) Wir mussten übrigens das Tempo halbieren, denn jeder war so verängstigt, als wir es zum ersten Mal vorführten. Dies ist es also schneller.
Ein Projekt, an dem wir gerade eben gearbeitet haben, ist der Entwurd eines neuen Biomassen-Kraftwerks – also eines Kraftwerks, das Bio-Abfall verwendet. In den Nachrichten wird die Frage, woher in Zukunft unser Wasser und unsere Energie kommen werden, ständig diskutiert. Und wir waren mal ziemlich stolz auf die Methode, wie Energie erzeugt wurde. Doch in letzter Zeit hat kein Jahresbericht eines Energiekonzerns mehr ein Kraftwerk auf der Titelseite. Man sieht ein Kind durch ein Feld rennen, oder so etwas Ähnliches.
Als uns also ein Konsortium von Energieversorgern kontaktierte und nach einer Zusammenarbeit für ein Kraftwerk fragte, war unsere Bedingung, dass wir mit ihnen arbeiten würden, und dass, was immer wir machen würden, nicht bloß eine Dekoration für ein normales Kraftwerk sein würde. Statt dessen mussten wir lernen – wir zwangen sie buchstäbllich, uns zu unterrichten. Und so reisten wir mit ihnen und lernten über verschiedene Komponenten, und entdeckten, dass es sehr viel Ineffizienz gab, die nicht beachtet wurde. Dass bloß all diese Elemente auf ein Feld zu stückeln, nicht unbedingt der effizienteste Weg ist, wie so etwas funktionieren kann.
Wir schauten uns also an, wie man alle Elemente verbinden könnte -- statt sie einfach dahin zu stückeln, eine Komposition schaffen. Und wir fanden – diese Gegend ist eine der ärmsten Gegenden Großbritanniens. Sie wurde zum schlimmsten Ort gewählt, an dem man in Großbritannien leben kann. Es werden 2.000 neue Häuser gleich neben dem Kraftwerk gebaut. Wir hatten den Eindruck, es hat also eine soziale Dimension. Es hat eine symbolische Bedeutung. Und wir sollten darauf stolz sein, woher unsere Energie kommt, anstatt deswegen zwangsläufig beschämt zu sein.
Wir dachte also darüber nach, wie man ein Kraftwerk bauen könnte, dass, anstatt Leute fern zu halten mit einem hohen Zaun rund herum, ein Ort sein könnte, der anziehend wirkt. Und es muss – ich versuche, mein – 200 Fuß (61 Meter) hoch sein. Wir dachten also, dass wir versuchen sollten, einen Kraft-Park zu errichten und das ganze Gebiet einzuschließen, und indem man die zusätzliche Erde rund herum nutzt, könnten wir das Kraftwerk auch leise machen. Denn einfach nur die Erde kann die Akustik schon verändern. Wir entdeckten außerdem, dass wie eine effizientere Struktur und eine kostensparendere Weise durch diese Struktur bekommen würden.
Das fertige Projekt soll mehr sein als nur ein Kraftwerk. Es gibt einen Ort an der Spitze, an dem man eine Bar Mitzvah feiern kann. (Lachen) Und es ist ein Kraft-Park. Leute können also kommen und es tatsächlich erleben und in alle Richtungen hinaus schauen, und die Höhe nutzen, die wir für die Funktionalität brauchen.
In Shanghai wurden wir zum Bau eingeladen – nun, wir wurden nicht eingeladen, was rede ich. Wir haben den Wettbewerb gewonnen, und es war schwer, dorthin zu kommen. (Lachen) Wir haben also den Wettbewerb gewonnen, den britischen Pavillon zu bauen. Und eine Expo ist eine total verrückte Sache. Es gibt 250 Pavillons. Es ist die größte Expo aller Zeiten. Und es kommen bis zu 1 Millionen Menschen täglich. Und 250 Länder konkurrieren miteinander. Und die britische Regierung sagt: "Ihr müsst in den Top Five sein." Und so wurde dies die Zielvorgabe der Regierung – nämlich, wie kann man sich von diesem Chaos abheben, das eine EXPO voller Stimuli ist? Unser Gefühl war, dass wir eine Sache tun mussten, und nur eine einzige Sache, statt zu versuchen, alles zu haben. Und was wir auch wussten, war, dass egal was wir tun würden, wir keine dämliche Werbung für Großbritannien machen würden.
Aber was wirklich stimmte, war, dass die Expo die Zukunft der Städte thematisierte, und insbesondere die Viktorianer leisteten Pionierarbeit darin, die Natur in die Städte zu integrieren. Und der weltweit erste öffentliche Park der modernen Zeit war in Großbritannien. Und die weltweit erste bedeutende botanische Insitutition ist in London. Und sie haben dort ein außergewöhnliches Projekt, in dem sie 25 Prozent von weltweit allen Pflanzenarten gesammelt haben. Wir verstanden also plötzlich, dass das die Sache war. Und alle stimmen ja zu, dass Bäume wunderschön sind. Ja, ich habe noch nie jemanden getroffen, der sagt "Ich mag keine Bäume". Das gleiche gilt für Blumen. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sagt "Ich mag keine Blumen". Aber wir stellten fest, dass Samen – dieses wirklich wichtige Projekt findet ja eben statt – aber dass Samen – in den führenden Botanischen Gärten werden Samen nicht ausgestellt. Aber man braucht bloß in ein Gartencenter zu gehen, und dort sind sie in kleinen Papiertüten. Aber dieses phänomenale Projekt findet ja statt. Wir erkannten also, dass wir dieses Projekt machen mussten, mit Samen, eine Art Samen-Kathedrale.
Aber wir sollten wir diese klitzekleinen Dinge zeigen? Interessanterweise hat uns der Film "Jurassic Park" wirklich geholfen. Denn die DNA des Dinosauriers, die in Bernstein eingefangen war, gab uns eine Idee, dass diese kleinen Dinge eingefangen werden und somit wertvoll wirken könnten, anstatt wie Nüsse auszusehen. Die Herausforderung war also, wie man Licht erzeugen und diese Teilchen ausstellen könnte. Wir wollten kein separates Gebäude oder einen separaten Inhalt. Wir versuchten also zu ersinnen, wie wir die ganze Sache erleuchten könnten. Übrigens stand uns die Hälfte des Budgets von anderen westlichen Nationen zur Verfügung. Das gab es also auch noch zu beachten, mit einem Grundstück in der Größe eines Fußballsplatzes. Und dann gab es ein bestimmtes Spielzeug, das uns inspirierte.
(Video): Voice Over: Der neue Play-Doh Mop Top-Haarshop. Song: ♫ Wir haben den Mop Tops, den Play-Doh Mop Tops ♫ ♫ Dreh bloß den Stuhl und lass Play-Doh-Haare wachsen ♫ ♫ Sie sind die Mop Tops ♫
Thomas Heatherwick: Okay, Sie verstehen die Idee. Die Idee war also, diese 66.000 Samen zu nehmen, die sie uns bereit waren zu geben, und jeden Samen zu nehmen und einzufangen in diesem speziellen optischen Haar und das durch diese Box wachsen zu lassen, ein sehr simples Box-Element, und daraus ein Gebäude zu schaffen, das sich im Wind bewegen würde. Das ganze Ding kann sich sehr sanft bewegen, wenn der Wind weht. Und innen, das Tageslicht – jedes einzelne ist eine Optik und bringt Licht ins Zentrum. Und nachts, gibt es Kunstlicht in jedem einzelnen, strahlt es und kommt raus nach draußen. Um das Projekt bezahlbar zu machen, konzentrierten wir unsere Energie. Statt ein Gebäude so groß wie ein Fußballfeld zu bauen, konzentrierten wir uns auf dieses eine Element. Und die Regierung stimmte zu, das und nichts anderes zu machen und unsere Energie darauf zu konzentrieren. Der Rest des Geländes war öffentlicher Raum. Und mit einer Million Besucher pro Tag fühlte es sich an, als ob wir ein bisschen öffentlichen Raum anbieten.
Wir arbeiteten mit einem Kunstrasenhersteller, um eine Miniversion der Samen-Kathedrale zu entwickeln, damit, selbst wenn man sehbehindert ist, damit es irgendwie knusprig und weich war, das Stück Landschaft, das Sie hier sehen. Und dann, Sie wissen ja, wenn ein Haustier eine Operation hat und man ein bisschen Haut rasiert und das Fell entfernt – damit Sie in die Samen-Kathedrale gehen, haben wir sie im faktisch rasiert.
Und innen ist Nichts: Es gibt keine Stimme eines berühmten Schauspielers, es gibt keine Projektionen; es gibt keine Fernseher, keine Farbwechsel. Es gibt nur Stille und eine kühle Temperatur. Und wenn eine Wolke vorbei zieht, kann man eine Wolke an den Spitzen sehen, wo das Licht durchgelassen wird. Dies ist das einzige Projekt, das wir gemacht haben, bei dem das fertige Teil mehr wie ein Computergrafik aussah als unsere Computergrafik.
Ein wichtige Sache war, wie Leute interagieren würden. Ich meine, in gewisser Weise war es das ernsthafteste Ding, das man auf einer Expo hätte tun können. Und ich wollte Ihnen das zeigen. Die Regierung von Großbritannien – jede Regierung ist potentiell der schlimmste Kunde der Welt, den man sich bloß vorstellen kann. Und es gab viel Terror. Aber es gab eine grundlegende Unterstützung. Und so gab es den Moment, als plötzlich – eigentlich, die nächste Sache. Die ist der Chef von "U.K. Trade and Investment", der unser Kunde war, der mit chinesischen Kindern die Landschaft nutzt.
(Video) Kinder: Ein, zwei, drei, los!
TH: Entschudligen Sie meine blöde Stimme hier.
Also schließlich ist Textur wichtig. In den Projekten, an denen wir arbeiten, diese polierten Gebäude, die vielleicht eine schicke Form haben, aber deren Materialität sich gleich anfühlt, das ist etwas, das wir versucht haben wirklich zu untersuchen und Alternativen zu finden. Und das Projekt, das wir in Malaysia errichten, ist ein Apartmenthaus, für eine Immobilienfirma. Und es ist in einem Gebiet, es ist dieses Grundstück. Und der Bürgermeister von Kuala Lumpur sagte, dass wenn diese Immobilienfirma etwas geben würde, dass der Stadt etwas zurückgeben würde, bekämen sie mehr Brutto-Geschossfläche, bebaubar. So gab es einen Anreiz für die Immobilienfirma, wirklich zu versuchen, darüber nachzudenken, was für die Stadt besser wäre.
Und das konventionelle Ding mit Apartmenthäusern in diesem Teil der Welt ist, man hat einen Turm, und man quetscht ein paar Bäume um die Ecken, und man sieht parkende Autos. Es sind eigentlich bloß die ersten paar Geschosse, die man wahrnimmt, und der Rest ist nur für Postkarten. Den geringsten Wert hat interessanterweise der untere Teil von so einem Turm. Wenn wir den also wegschneiden könnten und dem Gebäude eine kleinere Grundfläche geben würden, könnten wir den Teil nehmen und oben auf die Spitze setzen, wo für die Immobilienfirma der größere wirtschaftliche Wert ist. Und indem wir dieses verbinden, könnten wir 90 Prozent des Geländes als Regenwald haben, anstatt nur 10 Prozent kümmerliche Bäume und ein paar Straßen ums Gebäude.
Wir bauen also diese Gebäude. Sie sind übrigens identisch, so dass es recht wirtschaftlich ist. Sie werden bloß an unterschiedlichen Stellen abgeschnitten. Aber das Wichtige ist, zu versuchen, ein außergewöhnliches Stück Landschaft zurückzugeben, anstatt es zu verschlingen. Und das ist meine letzte Folie.
June Cohen: Danke Ihnen. Danke, Thomas. Sie sind ein Genuss. Da wir ein paar Extraminuten haben, dachte ich, dass Sie uns ein bisschen mehr über diese Samen erzählen können, die vielleicht von dem rasierten Teil des Gebäudes stammen.
TH: Diese sind ein paar von den Tests, die wir machten. als wir die Struktur gebaut haben. Es gab also 66.000 davon. Die Optik war rund sieben Meter lang. Und so kam das Tageslicht einfach – es wurde eingefangen außerhalb der Box und kam hinunter, um jeden Samen zu erleuchten. Das Gebäude wasserdicht zu machen, war ein wenig verrückt. Denn es ist eh sehr schwer, ein Gebäude wasserdicht zu machen, aber wenn man sagt, man bohrt 66.000 Löcher hinein – wir hatten es ziemlich schwer. Es gab eine Person bei dem Bauunternehmen, die die richtige Größe hatte – und es war kein Kind – die dazwischen passte um abschließend zu prüfen, ob das Gebäude wasserdicht ist.
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Eine schönere Zukunft? Der Architekt Thomas Heatherwick präsentiert fünf Projekte neueren Datums mit geistreichem, bio-inspiriertem Design. Einige sind Kopien des Normalen: ein Bus, eine Brücke, ein Kraftwerk ... Und eins ist ein außergewöhnlicher Pavillon, die Samen-Kathedrale, eine Würdigung von Wachstum und Licht.
Thomas Heatherwick is the founder of Heatherwick Studio, an architecture and design firm that, among other projects, designed the astonishing "Seed Cathedral" for the UK Pavilion at Shanghai Expo 2010. Full bio »
Translated into German by Sandra Holtermann
Reviewed by Alex Boos
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06:34 Posted: May 2009
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