Ich bin Prozessingenieur. Ich weiß alles über Boiler und Verbrennungsöfen, Materialfilter, Zyklone und so weiter, aber ich habe auch das Marfan-Syndrom. Das ist eine Erbkrankheit. 1992 nahm ich an einer Genetikstudie teil. Zu meinem Entsetzen erfuhr ich, dass, wie Sie hier sehen, meine Aorta ascendens nicht im Normalbereich war, die grüne Linie hier unten. Alle hier im Raum werden bei 3,2 und 3,6 cm liegen. Ich war bereits bei 4,4. Wie Sie sehen können, erweiterte sich meine Aorta zunehmend und allmählich geriet ich an den Punkt, dass eine Operation nötig sein würde.
Die angebotene Operation war ziemlich gruselig – Anästhesie, Öffnen des Brustkorbs, man hängt Sie an eine künstliche Herzlungenmaschine, lässt Ihre Körpertemperatur auf etwa 18 Grad fallen, hält Ihr Herz an, schneidet die Aorta raus, ersetzt sie mit einer Klappe und Aorta aus Plastik, und, am wichtigsten, verdonnert Sie lebenslang zu Antikoagulationstherapie, normalerweise mit Warfarin. Der Gedanke an diese Operation war nicht gerade ansprechend. Der Gedanke an Warfarin war geradezu beängstigend.
So sagte ich mir: Ich bin Ingenieur, arbeite in Forschung und Entwicklung das ist ganz einfach eine Sache für den Klempner. Ich kann das. Ich kann das ändern. Also machte ich mich daran, die gesamte Behandlung für Aortaerweiterung zu ändern. Das Ziel des Projekts ist ganz einfach. Das einzige wirkliche Problem mit der Aorta ascendens bei Menschen mit dem Marfan-Syndrom ist, dass etwas Spannkraft fehlt. Also besteht die Möglichkeit, die Röhre einfach von außen zu umwickeln. Sie würde stabil bleiben und fröhlich funktionieren. Wenn sich Ihr Hochdruckschlauch oder Ihre Hydraulikleitung ein wenig ausbeult, umwickeln Sie die Außenseite einfach mit Isolierband. Das Konzept ist ganz einfach, die Ausführung allerdings nicht. Der große Vorteil dieser Stütze von außen war, dass ich alle meine eigenen Stücke behalten dürfte, alle meine Endothel und Klappen, und keine Antikoagulationstherapie brauchen würde.
Wo sollen wir also anfangen? Hier ist ein sagittaler Schnitt durch meinen Körper. In der Mitte können Sie diese Vorrichtung, diesen kleinen hervorquellenden Aufbau sehen. Das ist ein linkes Ventrikel, das Blut durch die Aortenklappe pumpt – hier können Sie zwei Segel der Aortenklappe bei der Arbeit sehen – hoch in die Aorta ascendens. Das da, die aufsteigende Aorta, ist der Teil, der sich erweitert und letzten Endes platzt, was natürlich tödlich ist. Wir fingen mit der Bildbeschaffung von Magnet-Resonanz-Tomographie- und CT-Bildgebungsmaschinen an, aus denen wir ein Modell der Aorta des Patienten anfertigen wollten.
Hier ist das Modell meiner Aorta. Ich habe ein echtes in meiner Tasche, falls es jemand anschauen und damit spielen will. Sie sehen, dass die Struktur ziemlich komplex ist. Unten hat es eine seltsame dreilappige Form mit der Aortenklappe. Dann kommt sie in einer runden Form zurück, verjüngt sicht und krümmt dann ab. Also lässt sich diese Struktur schwierig herstellen. Wie gesagt, das ist ein CAD-Modell von mir, und das ist ein späteres CAD-Modell. Wir wiederholten den Prozess und stellten immer bessere Modelle her. Als wir dieses Modell herstellten, wandelten wir es in ein solides Plastikmodell wie Sie sehen können, mit einer schnellen Prototyptechnik, eine weitere Ingenieurtechnik. Dann benutzen wir das vorherige Modell, um ein völlig maßschneidertes poröses Textilnetz herzustellen, das dann die Form des früheren Modells annimmt und in die Aorta perfekt hineinpasst. Das ist völlig personalisierte Medizin in Topform. Jeder Patient, den wir behandeln, hat ein passgenaues Implantat.
Einmal fertiggestellt, ist die Installation ganz einfach. John Pepper, sein Herz sei gesegnet, Professor für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie – hatte das nie vorher getan – er setzte die erste ein, sie gefiel ihm nicht, nahm sie raus und setzte die zweite ein. Glücklich ging ich nach Hause. Viereinhalb Stunden auf dem Operationstisch und die Sache war erledigt. Somit war die chirurgische Implantierung eigentlich der einfache Teil.
Beim Vergleich unserer neuen Behandlung mit der bestehenden Alternative, dem sogenannten Composite-Aortenwurzeltransplantat, gibt es einen von zwei erstaunlichen Vergleichen, der sicherlich deutlich genug ist. Zwei Stunden zur Installation eines unserer Geräte im Vergleich zu sechs Stunden für die bestehende Behandlung. Wie gesagt, benötigt die bestehende Behandlung eine Herz-Lungen-Bypass-Maschine und eine komplette Kühlung des Körpers. Wir brauchen das nicht; wir arbeiten am schlagenden Herzen. Er öffnet Sie, geht zur Aorta, während Ihr Herz schlägt, alles bei der richtigen Temperatur. Kein Einbruch in Ihre Blutzirkulation. Das ist wirklich großartig.
Meiner Meinung nach ist das Allerbeste, dass keine Antikoagulationstherapie benötigt wird. Ich nehme überhaupt keine Drogen außer solche zur Erholung, die ich mir aussuche. (Lachen) Wenn Sie einmal mit Leuten sprechen, die für lange Zeit auf Warfarin sind, schränkt das ihre Lebensqualität beträchtlich ein. Und noch schlimmer, es wird zwangsläufig Ihr Leben verkürzen. Genauso ist es mit einer künstlichen Klappe, dann sind Sie auf Antibiotika angewiesen, egal welchen medizinischen Eingriff Sie haben. Selbst bei Zahnarztbesuchen brauchen Sie sie, falls Sie eine interne Infektion an der Klappe bekommen. Auch so was habe ich nicht, ich bin völlig frei. Meine Aorta ist geflickt, ich muss mir keine Sorgen machen, was für mich wie eine Wiedergeburt ist.
Doch zurück zum Thema der Präsentation: Wie zum Himmel kommt in der multidisziplinären Forschung ein Prozessingenieur, der normalerweise mit Boilern arbeitet, dazu, ein medizinisches Gerät herzustellen, das sein eigenes Leben ändert? Nun die Antwort ist ein multidisziplinäres Team. Hier ist eine Liste des Kernteams. Wie Sie sehen können, machen da nicht nur zwei technische Hauptdisziplinen mit, Medizin und Ingenieurwesen, sondern auch verschiedene Spezialisten innerhalb dieser zwei Disziplinen. John Pepper hier war der Herzchirurg, der eigentlich an mir arbeitete, aber alle anderen trugen auch auf die eine oder andere Weise dazu bei. Raad Mohiaddin, medizinischer Radiologe: Wir brauchten Bilder von guter Qualität, um davon das CAD-Modell herzustellen. Warren Thornton, der noch immer alle CAD-Modelle für uns anfertigt, musste ein maßgeschneidertes Stück CAD-Code schreiben, um dieses Modell aus diesen ziemlich schwierigen Eingabedaten zu produzieren.
Es gibt hier aber Schranken. Es gibt hier Probleme. Eines davon ist der Jargon. Ich glaube nicht, dass in diesem Raum jemand diese vier Jargonpunkte versteht. Die Ingenieure unter Ihnen werden Rapid-Prototyping und CAD verstehen. Die Mediziner unter Ihnen, falls welche da sind, werden die ersten beiden erkennen. Aber in diesem Raum wird es keinen geben, der alle vier Worte versteht. Es war wichtig, dass wir den Jargon herausnahmen, damit alle im Team genau verstehen konnten, was gemeint war, wenn ein bestimmter Ausdruck aufkam.
Disziplinäre Konventionen waren auch komisch Wir nahmen eine Menge Scheibenbilder von mir auf, produzierten die Scheiben und benutzten sie dann für das CAD-Modell. Als die Chirurgen mit unserem ersten CAD-Modell aus Plastik spielten, kamen sie nicht damit zurecht. Dann wurde uns klar, dass wir tatsächlich ein spiegelverkehrtes Bild angefertigt hatten. Und es war spiegelverkehrt, weil wir im echten Leben immer auf Pläne, von Häusern, Straßen oder Karten, runterschauen. In der Welt der Medizin schaut man auf die Pläne herauf. Also waren die horizontalen Bilder alle umgekehrt. Mit disziplinären Konventionen muss man aufpassen. Jeder muss verstehen, was vorausgesetzt wird und was nicht.
Institutionelle Schranken sorgten ebenfalls für Kopfzerbrechen im Projekt. Die Imperial College School of Medicine hatte das Brompton Hospital übernommen, und diese beiden Organisationen haben einige ausgesprochen schlechte Beziehungsprobleme. Ich arbeite mit der Imperial und dem Brompton, was einige ernsthafte Probleme bei dem Projekt verursachte, Probleme, die es nicht hätte geben sollen.
Forschungs- und Ethikkomitee: Wenn man in der Chirurgie etwas Neues will, braucht man eine Lizenz vom örtlichen Forschungs- und Ethikkomitee. Ich glaube, in Polen ist das genauso. Es wird ein Gegenstück dazu geben, das neue Chirurgietypen lizenziert. Wir hatten nicht nur bürokratische Probleme damit, wir hatten auch professionelle Eifersüchteleien. Da waren Leute im Komitee, die nicht schon wieder sehen wollten, dass John Pepper Erfolg hatte, weil er ohnehin schon erfolgreich ist. Und die schufen Extraprobleme für uns.
Bürokratische Probleme: Letztlich braucht jede neue Behandlung eine Leitlinie, die an alle Krankenhäuser im Land herausgeht. In Großbritannien gibt es das National Institute for Clinical Excellence, NICE. Ohne Zweifel gibt es so etwas auch in Polen. Wir mussten das NICE-Problem überwinden. Jetzt haben wir einen großartigen klinischen Leitfaden im Netz. So können alle interessierten Krankenhäuser vorbeischauen, den NICE-Bericht lesen, uns kontaktieren und es dann selbst tun.
Finanzierungsprobleme: Ein weiteres großes Feld zur Sorge. Ein großes Problem beim Verständnis dieser Perspektiven: Als wir erstmals eine der großen Stiftungen in Großbritannien ansprachen, die solche Sachen finanzieren, legten wir ihnen im Grunde genommen ein technisches Angebot vor. Sie verstanden es nicht; sie waren Ärzte, sie waren Gott am nächsten. Es kann nur Quatsch sein. Sie warfen den Entwurf weg. Zu guter Letzt ging ich zu privaten Investoren. und gab diesen Weg einfach auf. Aber die meiste Forschung und Entwicklung wird von Institutionen unterstützt, von der polnischen Akademie der Wissenschaften oder dem Rat für Technik und Physikalische Forschung oder was auch immer, und an diesen Leuten muss man vorbei.
Jargon ist ein großes Problem, wenn man über Disziplinen hinweg arbeitet, denn in der Welt der Technik verstehen wir alle CAD und R.P. – aber nicht in der medizinischen. Ich glaube, dass sich die Finanzierungsbürokraten wirklich zusammenreißen müssen. Sie müssen anfangen, miteinander zu reden, und sie müssen ihre Fantasie anwenden, wenn das nicht zu viel verlangt ist – was wahrscheinlich der Fall ist.
Ich habe den Begriff "obstruktiver Konservatismus" geprägt. In der Medizin gibt es so viele Leute, die keinen Wandel wollen, erst recht nicht, wenn ein dahergelaufener Ingenieur die Antwort parat hat. Sie wollen sich nicht ändern. Sie wollen einfach tun, was sie schon immer getan haben. Das sage ich Ihnen, in Großbritannien gibt es immer noch viele Chirurgen, die nur darauf warten, dass einer unserer Patienten einen Vorfall hat, damit sie sagen können: "Ich habe euch doch gesagt, dass es nicht läuft." Wir haben 30 Patienten. Ich bin bei siebeneinhalb Jahren. Zusammengerechnet haben wir 90 postoperative Patienten-Jahre und wir haben keine Probleme. Aber immer noch sagen in Großbritannien Leute: "Ja, sicher, die externe Aortenwurzel, sie wird niemals funktionieren."
Das ist ein echtes Problem. Das ist ein echtes Problem. Ich bin überzeugt, dass jeder hier im Saal bereits der Arroganz von Medizinern, Ärzten und Chirurgen begegnet ist. Der Knackpunkt ist einfach die Art, wie Ärzte sich schützen. "Klar, natürlich kümmere ich mich um meinen Patienten." Ich finde das nicht gut, aber so ist es nun mal.
Egos sind natürlich ein Riesenproblem. Wenn man in einem multidisziplinären Team arbeitet, muss man auch mal fünfe gerade sein lassen. Man muss ihnen seine Unterstützung ausdrücken. Tom Treasure, Professor für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie: Ein unglaublicher Kerl. Ihn muss man ganz einfach respektieren. Respektiert er mich? Das ist was anderes. Das sind die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht ist, dass die Vorteile irre sind. Übersetzen Sie das. Ich wette das können sie nicht.
Wenn Sie eine Gruppe von Menschen mit unterschiedlicher Berufsausbildung und -erfahrung haben, haben Sie nicht nur ein anderes Grundwissen, Sie haben auch unterschiedliche Perspektiven zu allem. Und wenn Sie diese Leute zusammen bringen, und sie dazu bringen, dass sie einander verstehen, kann Spektakuläres dabei herauskommen. Sie können wirklich neuartige Lösungen finden, die bisher nicht gesehen worden waren, und das ganz schnell und einfach. Sie können riesige Arbeitsmengen einfach abkürzen, indem Sie das erweiterte Grundwissen benutzen. Und als Ergebnis, ist es eine ganz andere Verwendung von Technik und Wissen, mit denen Sie umgeben sind.
Das Ergebnis von all dem ist, dass Sie unglaublich schnelle Fortschritte mit unglaublich kleinen Budgets machen können. Mir ist richtig peinlich, wie billig der Weg von meiner Idee zu meinem Implantat war, dass ich Ihnen nicht sagen werde, was es gekostet hat. Ich glaube nämlich, dass es chirurgische Standardbehandlungen gibt, wahrscheinlich in den USA, die mehr Kosten für einen Patienten verursachen als unsere Kosten für die Umsetzung meines Traums in meine Realität.
Das ist alles, was ich sagen möchte, aber ich habe noch drei Minuten Zeit. Heather wird mich mögen. Wenn Sie noch Fragen haben, können wir gern später darüber sprechen. Ich würde sehr gern mit Ihnen sprechen. Vielen Dank.
You can share this video by copying this HTML to your clipboard and pasting into your blog or web page. This video will play with subtitles.
You either have JavaScript turned off or have an old version of the Adobe Flash Player. To view this rating widget you
need to get the latest Flash player.
If your browser allows only "trusted sites" to execute Javascript, you should add the "googleapis.com" domain to your whitelist to allow our Flash detection to work properly.
Got an idea, question, or debate inspired by this talk? Start a TED Conversation.
Tal Golesworthy ist Ingenieur für Boiler – mit Rohrverlegen und Klempnern kennt er sich aus. Als er eine Operation zur Behandlung lebensgefährlicher Probleme mit seiner Aorta benötigte, verschmolz er seine Fähigkeiten als Ingenieur mit den medizinischen Fähigkeiten seines Arztes, um eine bessere Reparaturmöglichkeit zu entwickeln.
Tal Golesworthy is an engineer and entrepreneur, working in research and development of combustion and air pollution control -- until he decided to innovate in his own health. Full bio »
Translated into German by Myriam Bastian
Reviewed by Zachary Mühlenweg
Comments? Please email the translators above.
16:31 Posted: Jun 2011
Views 445,741 | Comments 188
04:14 Posted: Jul 2009
Views 322,566 | Comments 73
09:39 Posted: Jan 2012
Views 223,219 | Comments 38
Just follow the guidelines outlined under our Creative Commons license.
This comment will be attributed to . Not ? Sign Out.