So, jetzt geht's los: Ein Exkurs übers Spielen.
Das muss was Ernstes sein, wenn die New York Times einen Leitartikel über Spielen in ihrem Sonntagsmagazin vom 17. Februar bringt. Unten heißt es: "Es geht tiefer als Geschlechterunterschiede. Ernsthaftes, aber gefährliches Vergnügen. Und eine Spielwiese für neue Vorstellungen von Evolution." Nicht so schlecht, nur was fehlt, wenn man sich die Titelseite ansieht? Sehen Sie irgendwelche Erwachsenen?
Lassen Sie uns ins 15. Jahrhundert zurückgehen. Das hier ist ein Hof in Europa, und eine Mischung von 124 unterschiedlichen Arten von Spiel. Alle Altersstufen, Einzelspiele, Körperspiele, Partien, Neckisches. So ist das. Ich denke, so sah ein Hof damals typischerweise aus. Ich denke, wir könnten in unserer Kultur etwas verloren haben.
Ich führe Ihnen eine meiner Meinung nach bemerkenswerte Bildfolge vor. Nördlich von Churchill, Manitoba, gibt es im Oktober und November noch kein Eis auf der Hudson Bay. Und der Eisbär hier, dieses 600 kg schwere Männchen, ist wild und recht hungrig. Und Norbert Rosig, ein deutscher Photograph, befindet sich dort und macht eine Photoserie von diesen Huskies, die angebunden sind. Und von linksaußen kommt dieses wilde Eisbärmännchen, mit einem Raubtierblick. Jeder von Ihnen, der schonmal in Afrika war oder von einem Schrottplatzhund verfolgt wurde, wird wissen, dass es einen bestimmten Raubtierblick gibt, der Schwierigkeiten bedeutet. Aber auf der anderen Seite dieses Raubtierblicks ist dieses Huskyweibchen in Spiellaune, das mit dem Schwanz wedelt. Und jetzt passiert etwas sehr Ungewöhnliches. Und dieses unveränderliche Verhalten - was fest verkabelt und vorprogrammiert ist und normalerweise mit einer Mahlzeit endet -- das ändert sich. Und dieser Eisbär steht über dem Husky. Ohne die Krallen zu zücken und die Reißzähne zu zeigen. Und dann beginnen sie ein unglaubliches Ballett.
Ein Ballettspiel. Das ist in der Natur: Es setzt die Fleischfressernatur außer Kraft und auch das, was andernfalls ein kurzer Todeskampf geworden wäre. Wenn Sie sich den Husky nun etwas genauer ansehen wollen, der seine Kehle dem Eisbär zuwendet, und wenn Sie etwas näher schauen, sie sind in einem anderen Zustand. Sie sind ganz im Spiel. Und das erlaubt diesen beiden Kreaturen, auszuprobieren, was möglich ist. Sie fangen an, Sachen zu machen, die keiner von ihnen ohne Spielsignale gemacht hätte. Ein vorzügliches Beispiel, wie ein deutlicher Kraftunterschied durch einen natürlichen Vorgang überschrieben werden kann, der in uns allen ist.
Also, wie bin ich dahinein geraten? John hat erwähnt, dass ich mit Mördern gearbeitet habe, und das stimmt. Der Texasturmmörder hat mir rückblickend, als wir seinen tragische Massenmord untersucht haben, die Augen über die Wichtigkeit von Spiel geöffnet; insofern, als durch eingehende Untersuchungen herausgefunden wurde, dass dieser Mensch gravierenden Spielmangel hatte. Charles Whitman hieß der. Und unser Gremium, welches aus einer Menge harter Wissenschaftler bestand, hatte am Ende der Studie das Gefühl, dass die Abwesenheit von Spiel und eine progressive Unterdrückung normaler Spielentwicklung ihn bezüglich der Tragödie, die er verursacht hat, deutlich verwundbarer machte. Und dieser Befund hat sich bewährt - leider sogar bis kürzlich an der Virginia Tech.
Andere Untersuchungen über gefährdete Bevölkerungsschichten haben mich für die Wichtigkeit von Spiel sensibilisiert. Aber ich habe nie richtig verstanden, was es war. Es hat viele Jahre Untersuchungen von personenbezogenen Spielgeschichten gekostet, bevor ich wirklich anfing zu erkennen, dass ich es wirklich nicht vollständig verstanden hatte. Ich glaube nicht, dass irgendjemand von uns es irgendwie vollständig verstanden hat. Aber es gibt Betrachtungsweisen, die ich Ihnen - uns allen, glaube ich, nahebringen kann, die uns eine Systematik, eine Denkweise darüber vermitteln können.
Und dieses Bild ist, glaube ich, für Menschen der Startpunkt für Spiel. Wenn diese Mutter und das Kind sich in die Augen gucken und das Kind schon alt genug ist, ein Soziallächeln aufzusetzen, dann gibt es spontan einen Freudenausbruch der Mutter. Und sie fängt an, zu brabbeln und zu gurren und zu lächeln, und das Baby macht mit. Wenn man diese beiden mit einem EKG verdrahtet, sieht man, dass die rechten Gehirnhälften von beiden sich aufeinander einspielen, so dass wir die freudige Entwicklung dieser frühesten Spielmotive und der Physiologie davon langsam anfangen zu verstehen.
Und ich möchte, dass Sie glauben, dass jedes bisschen komplexeres Spiel auf dieser Grundlage für uns Menschen aufbaut. Also jetzt werde ich Ihnen gewissermaßen eine Sichtweise über Spiele vorstellen, aber das ist nie nur eine einzige Sache.
Wir werden uns Körperspiel anschauen, worunter man einen unwillkürlichen Wunsch versteht, sich der Schwerkraft zu entziehen. Das ist eine Gemse. Wenn Sie einen schlechten Tag haben, probieren Sie das mal: hüpfen Sie auf und ab, wackeln Sie herum - Sie werden sich sicher besser fühlen. Und Sie könnten sich fast wie dieser Kerl hier fühlen, der das auch nur für sich selbst macht. Das hat keinen besonderen Grund, und das ist es, was an Spielen so toll ist. Wenn der Grund wichtiger ist als die Tat selbst, ist es wahrscheinlich kein Spiel.
Es gibt noch eine ganz andere Art von Spielen, Objektspiele. Und dieser Schneeaffe hat einen Schneeball gebaut, den er jetzt den Hügel hinunterrollen wird. Und - sie bewerfen sich nicht, aber das ist unabdingbar fürs Spiel: Die menschliche Hand, während sie Sachen manipuliert, ist eine Hand, die ein Gehirn sucht. Das Gehirn sucht eine Hand, und Spiel ist das Medium, was die beiden aufs Beste verbindet.
JPL, wie wir heute morgen gehört haben - JPL ist unglaublich. Die haben zwei Berater gefunden, Frank Wilson und Nate Johnson. Diese beiden -- Frank Wilson ist ein Neurologe, Nate Johnson ist ein Mechaniker. Er hat in einer Schule in Long Beach Werken unterrichtet, und entdeckt, dass seine Schüler nicht mehr in der Lage waren, Probleme zu lösen. Er hat probiert, herauszufinden, warum. Und er kam eigenständig zu dem Schluss, dass seine Schüler, die keine Probleme wie Autoreparatur mehr lösen konnten, noch nie mit ihren Händen gearbeitet haben. Frank Wilson hat ein Buch mit dem Titel "The Hand" geschrieben. Und jetzt arbeiten sie zusammen - JPL hat sie eingestellt. Also JPL, NASA und Boeing, bevor die einen Forschungs- und Entwicklungsproblemlöser einstellen - selbst wenn sie summa cum laude von Harvard oder CalTech haben -- wenn sie noch nie Autos repariert oder früh Handarbeit gemacht haben, mit ihren Händen gespielt haben, dann werden sie auch keine Probleme lösen können. Also ist Spielen praktisch und sehr wichtig.
Nun ja, ein Merkmal von Spielen ist, dass es aus Neugier und Forschungsdrang entsteht (Lachen). Aber es muss sicher sein. Das war zufällig OK - er ist ein anatomisch interessierter kleiner Junge, und das hier ist seine Mutter. In anderen Situationen wäre das nicht ganz so gut. Aber Neugierde und Forschungsdrang sind Teil dieses Spielmotivs. Wenn man dazugehören will, braucht man soziales Spiel. Soziales Spiel ist ein Teil dessen, weswegen wir heute hier sind, und es ist ein Beiprodukt des Spielmotivs.
Raufen. Diese Löwinnen sehen von Weitem so aus, als würden sie kämpfen. Aber wenn Sie genau hinsehen, ähneln sie dem Eisbären und dem Husky: keine Krallen, flaches Fell, weiche Augen, offener Mund ohne Reißzähne, Ballettbewegungen, kurvenförmige Bewegungen - alles spielspezifisch. Und Raufen ist ein großartiges Lernmedium für uns alle. Vorschulkindern z.B. sollte man erlauben zu tauchen, schlagen, pfeifen schreien, chaotisch zu sein und sich durch diese emotionale Regulierung und andere soziale Nebeneffekte hindurch - kognitiver, emotionaler und physischer Art - zu entwickeln - die Teil dieses Raufens sind.
Zuschauerspiel, Ritualspiel - wir sind an manchen beteiligt. Wer von Ihnen aus Boston ist, weiß, dass das hier der -seltene- Augenblick war, als die Red Sox die World Series gewonnen haben. Aber schauen Sie sich die Gesichts- und Körpersprache von allen auf diesem undeutlichen Bild an, und Sie werden merken, dass alle spielen.
Ideenreiches Spiel. Ich mag dieses Bild, weil meine Tochter, die jetzt fast 40 ist, auf diesem Bild ist, aber es erinnert mich an ihre Geschichten und ihre Phantasie; ihre Fähigkeit, Geschichten zu erzählen in diesem Alter - Vorschule. Ein wirklich wichtiger Aspekt, wenn man Spieler ist, ist einfallsreiches Einzelspiel.
Und ich mag dieses, weil es auch auch darum geht, was wir sind. Wir haben alle eine innere Erzählung, die unsere eigene innere Geschichte ist. Die Sektion für Sprechverständlichkeit in den meisten unserer Gehirne ist die Geschichte. Ich erzähle Ihnen heute eine Geschichte übers Spielen. Naja, ich denke, dieser Buschmann erzählt von dem Fisch, der ihm entkommen ist, der sooo lang war, aber das ist ein grundlegender Teil des Spielmotivs.
Also was macht nun das Spielen für das Gehirn? Nun... viel.
Wir wissen nicht soviel darüber, was es fürs menschliche Gehirn tut, weil nicht gerade viel Geld für Spielforschung bereitgestellt wird. Ich bin mal zu Carnegie gelaufen und hab nach einer Förderung gefragt. Sie hatten mir eine große Beihilfe gegeben, als ich noch Akademiemitglied zur Untersuchung von Fahrern unter Alkoholeinfluss war, und ich malte mir gute Chancen aus. Und als ich dann eine halbe Stunde mit Reden über Spiele verbracht hatte, war es klar, dass sie nicht das Gefühl hatten, dass Spielen etwas Ernstes sei. Ich glaube, dass - das ist ein paar Jahre her - ich denke, diese Welle ist vorbei, und die Spielwelle baut sich auf, weil dort gute Wissenschaft betrieben wird.
Nichts erhellt das Gehirn wie Spielen. 3D-Spiel befeuert das Kleinhirn, sendet viele Impulse in den Stirnlappen -- den ausführenden Teil - hilft die Kontexterinnerung zu entwickeln, und ... und, und, und.
Also ist es - für mich ist es ein ungemein bereicherndes Lernabenteuer, mir die Neuologie, die mit Spielen zu tun hat, anzusehen und Leute zusammenzubringen, die in ihren eigenen Disziplinen darüber nie nachgedacht haben. Darum geht es zum Teil bei dem staatlichen Institut für Spiel. Und so kann man u.a. Spielen untersuchen -- indem man ein 256-Leitungs-EEG aufnimmt. Tut mir leid, dass ich keinen spielerisch aussehenden Probanden habe, aber es, erlaubt Mobilität, was bisher die tatsächliche Spieluntersuchung behindert hat. Und wir haben einen Mutter-Kind-Spielplan, den wir hoffentlich bald abschließen können.
Der Grund, weswegen ich das hier aufgebracht habe, ist, u.a. einige Gedanken darüber anzustellen, wie man verdinglichen könnte, was Spielen an sich tut. Die Tierwelt hat es verdinglicht. In der Tierwelt, wenn man da Ratten nimmt, die veranlagt sind, in einer bestimmten Phase ihrer Jugend zu spielen, und man unterdrückt Spiele - sie piepsen, sie rangeln, sie halten sich fest, das gehört zu ihrem Spiel dazu. Wenn man dieses Verhalten in einer Gruppe, mit der man experimentiert, aufhält, und es in einer anderen Gruppe erlaubt, mit der man experimentiert, und dann diesen Ratten einen Katzenduftkragen präsentiert, sind sie veranlagt zu flüchten und sich zu verstecken. Sehr schlau - sie möchten halt nicht von einer Katze gefressen werden. Aber was passiert? Beide verstecken sich. Die Nichtspieler kommen nie wieder raus - die sterben. Die Spieler erforschen ihre Umwelt langsam, und fangen wieder an, Sachen auszuprobieren. Das sagt mir, dass zumindest bei Ratten -- und ich glaube, dass sie die gleichen Neurotransmitter haben wie wir und einen ähnlichen Gehirnaufbau -- dass Spielen recht wichtig für unser Überleben sein könnte.
Und, und, und -- es gibt viel mehr Tieruntersuchungen, über die ich reden könnte.
Das ist eine Folge von Spielentzug. (Lachen) Das hat echt lange gedauert -- ich musste Homer runterkriegen und ihn durchs fMRI und SPECT durchbekommen und mehrfache EEGs, aber als Stubenhocker hat er ein Schrumpfhirn. Und wir wissen, dass in Haustieren und anderen, wenn die Spielentzug haben, dann -- auch Ratten -- dann entwickeln die kein Gehirn, das normal ist.
Nun ja, das Programm besagt, dass das Gegenteil von Spielen nicht Arbeit ist, sondern Depression. Und wenn Sie mal über ein Leben ohne Spiel nachdenken -- ohne Humor, ohne Flirt, ohne Filme, ohne Spiele, ohne Phantasie -- und, und, und. Versuchen Sie, sich eine Kultur oder ein Leben vorzustellen, erwachsen oder nicht, ohne Spiel. Und die Sache, die so einzigartig an unserer Spezies ist, ist, dass wir wirklich gebaut sind, unser ganzes Leben zu spielen.
Und wir alle haben die Fähigkeit, Spiellust anzuzeigen. Jeder versteht diesen Hund, den ich an Carmel Beach vor ein paar Wochen aufgenommen habe. Was aus diesem Verhalten hervorgeht, ist Spielen. Vertrauen Sie mir: Die Grundlage menschlichen Vertrauens wird durch Spielsignale aufgebaut. Wir beginnen, diese Signale, kulturell oder anders, als Erwachsene zu verlieren. Das ist eine Schande. Ich glaube, wir müssen noch viel lernen.
Nun, Jane Goodall hat, wie auch ihr Lieblingsschimpanse, hier ein Spielgesicht. Ein Teil des Spielsignalsystems hat also mit Stimme, Mimik, Körpersprache und Gestik zu tun. Sie wissen das, Sie können ein Lied davon singen -- und ich glaube, dass es in Gruppenspielen für eine Gruppe sehr wichtig ist, ein Gefühl der Sicherheit zu bekommen, indem sie Spielsignale austauschen.
Sie könnten dieses Wort vielleicht nicht kennen. Aber es sollte Ihr biologischer Vor- und Zuname sein. Weil Neotenie bedeutet, dass unerwachsene Fähigkeiten bis ins Erwachsenenalter bewahrt werden. Und wir sind, nach physischen Anthropologen, nach vielen, vielen Studien, die neotenischsten, die jugendlichsten, die flexibelsten, die plastischsten aller Wesen. Und mithin die spielerischsten. Und das verschafft uns einen Vorsprung in Anpassungsfähigkeit.
Gut, es gibt auch eine Sichtweise auf Spielen, die ich hier auch vorstellen möchte, es handelt sich um Spielgeschichte. Ihre eigene persönliche Spielgeschichte ist einzigartig und oft nichts, worüber wir besonders nachdenken.
Dieses Buch wurde geschrieben von einem perfekten Spieler der Kevin Carroll heißt. Kevin Carroll kam aus einem sozial extrem benachteiligtem Umfeld: Alkoholikermutter, abwesender Vater, Philadelphia-Innenstadt, schwarz, musste auf einen jüngeren Bruder aufpassen. Er fand heraus, dass er, wenn er den Spielplatz aus dem Fenster betrachtete, hinter das er gesperrt war, etwas anderes fühlte. Also ist er dem gefolgt. Und sein Leben - seine Lebensverwandlung von sozialer Benachteiligung und was man so erwarten würde - vielleicht Gefängnis oder Tod - zu seiner Tätigkeit als Linguist, als Trainer für die 76er und jetzt als Motivationsredner. Und er sagt, Spielen sei die Verwandlungskraft seines ganzen Lebens gewesen.
Es gibt noch eine andere Spielgeschichte, die ich als unfertig bezeichnen würde. Diejenigen von Ihnen, die sich an Al Gore während seiner ersten Amtszeit und während seiner erfolgreichen aber ungewählten Präsidentschaftskandidatur erinnern, werden ihn als hölzern und nicht ganz bei sich selbst in Erinnerung haben. Zumindest in der Öffentlichkeit. Und wenn man sich seine Geschichte ansieht, die in der Presse ausgebreitet ist, dann scheint es zumindest mir von meiner Seelenklempnerwarte aus so, als wäre vieles in seinem Leben vorprogrammiert. Im Sommer hieß es, harte Arbeit im heißen Tennesseesommer zu verrichten. Es galt die Erwartungen seines Vaters, der Senator war, und die von Washington, D.C. zu erfüllen. Und obwohl ich denke, dass er sicher die Fähigkeit zu spielen hatte -- weil ich etwas darüber weiß -- war er nicht so dazu in der Lage, denke ich, wie er heute ist, indem er auf seine eigenen Wünsche und seinen eigenen inneren Antrieb geachtet hat. Das, denke ich, hat seine Grundlage in allen von uns in unserer Spielgeschichte.
Ich würde jeden einzelnen dazu ermuntern, sich so weit wie möglich zurückzuerinnern an das klarste, fröhlichste, spielerischste Bild, was man hat. Ob das nun mit einem Spielzeug, an einem Geburtstag oder während der Ferien ist. Und anzufangen, von diesem Gefühl ausgehend, in das jetzige Leben eine Brücke zu schlagen. Sie werden feststellen, dass Sie eventuell den Beruf wechseln -- das ist mit einigen Leuten passiert, mit denen ich das gemacht habe, um sie zu mehr Spielen zu animieren. Vielleicht wird es auch Ihr Leben bereichern, indem Sie dann besser Prioritäten setzen und mehr darauf achten.
Die meisten von uns arbeiten mit Gruppen, und das sage ich, weil die d.school, die Designschule von Stanford, dank David Kelley und einigen anderen die weitsichtig mit dieser Einrichtung umgegangen sind, uns gestattet hat, eine Gruppe von uns zusammenkommen zu lassen, und einen Kurs einzurichten, der sich "Von Spiel zu Innovation" nennt. Sie werden sehen, dass dieser Kurs den menschlichen Spielzustand erforscht, der so ähnlich ist, wie dieser Eisbär-Husky-Zustand, und auch den Einfluss dieses Zustandes auf schöpferisches Denken. Spielverhalten wird erforscht werden, seine Entwicklung und biologische Grundlage. Die Prinzipien werden auf Designideen angewandt, um Innovationen in der Firmenwelt zu fördern. Und die Studenten werden mit Vertretern der freien Wirtschaft an Designprojekten mit breiten Anwendungsmöglichkeiten zusammenarbeiten.
Das ist hier unsere Jungfernfahrt. Wir sind jetzt zweieinhalb, drei Monate dabei und es hat echt Spaß gemacht. Das hier ist unserer Ausnahmeschüler, dieser Labrador, der uns eine Menge darüber beigebracht hat, was ein Spielzustand ist, und ein ausnehmend greiser und altersschwacher amtierender Professor ist. Und Brendan Boyle, Rich Crandall -- und ganz rechts ist eine Person, von der ich glaube, dass sie mit George Smoot beim Nobelpreis unter einer Decke stecken wird -- Stuart Thompson, für Neurowissenschaft. Wir hatten Brendan von IDEO bei uns, und der Rest von uns saß dabei und hat sich diese Studenten angesehen, während sie im Klassenzimmer Spielprinzipien praktisch angewandt haben. Eines ihrer Projekte war, zu schauen, was Besprechungen langweilig macht, und daran etwas zu ändern. Was jetzt folgt, ist ein Studentenfilm darüber.
Erzähler: Man nennt einen Geisteszustand Fluss, wenn die Person ganz in das, was sie tut, eingetaucht ist. Er ist charakterisiert durch ein Gefühl von energetischer Fokussierung, völlige Vereinnahmung und Erfolg beim Tun.
Eine Schlüsselerkenntnis, die wir über Besprechungen gewonnen haben ist, dass man sie gern nacheinander packt, so dass sie den Tagesablauf stören. Besprechungsteilnehmer wissen nicht, wann sie ihre Arbeit, die sie vorher stehengelassen haben, wiederaufnehmen können. Aber das muss nicht so sein.
Einige weise und wiederholt kratzbürstige Mönche an dieser sogenannten d.school haben eine Besprechung entworfen, aus der man wörtlich einfach rausgehen kann, wenn sie vorbei ist. Zieh die Besprechung aus und habe die ruhige Gewissheit, dass du zu mir zurückkehren kannst. Weil, wenn du es wieder brauchst, hängt die Besprechung, wörtlich, an deiner Garderobe.
Die tragbare Besprechung. Weil du sofort alles hast, was du brauchst, wenn du sie anziehst. Alles, um eine angenehme und produktive und nützliche Besprechung zu haben. Aber wenn man sie auszieht, passiert das wirklich Wichtige.
Stuart Brown: Also, ich würde alle ermutigen, mitzumachen nicht beim Wechsel zwischen Arbeit und Spiel, wo man Zeit schafft um zu spielen -- sondern so, dass Ihr Leben Minute für Minute, Stunde für Stunde, mit Körper-, Objekt-, Gesellschafts-, Phantasie-, Transformationsspiel angefüllt wird. Ich denke, dass Sie ein besseres und kraftvolleres Leben haben werden. Vielen Dank.
John Hockenberry: Für mich hörte sich das so an, dass Sie sagen, dass es eine gewisse Versuchung geben könnte, sich Ihre Arbeit anzusehen und zu sagen -- Ich glaube, ich mit meinem laienpsychologischen Spielverständnis habe schonmal gehört, dass irgendwie die Art, wie Tiere und Menschen spielen, dass die irgendwie das Erwachsenenleben erproben soll. Ihre Arbeit scheint nahezulegen, dass das ganz verkehrt ist.
SB: Jawohl, ich glaube nicht, dass das richtig ist und ich glaube das, weil Tiere uns das gezeigt haben. Wenn man eine Katze am Spielen hindert -- was man tun kann, und wir haben ja gesehen, wie Katzen Zeug herumschmeißen -- dann sind sie genauso gute Jäger wie wenn sie nicht gespielt hätten. Und wenn man sich ein Kind vorstellt, was King Kong spielt oder Rennfahrer oder Feuerwehrmann, sie werden noch lange nicht alle Rennfahrer oder Feuerwehrmänner. Wissen Sie, es gibt eine klare Trennung zwischen Zukunftsvorbereitung -- wofür die meisten Spielen gerne halten -- und dem Konzept von Spiel als separate biologische Größe.
Hier hat meine Tierjagd seit vier, fünf Jahren meine Sichtweise wirklich von einem Kliniker zu dem, was ich heute bin, geändert. Und zwar, dass Spielen eine biologische Rechtfertigung hat, wie Schlafen und Träumen auch. Und wenn man sich biologisch Schlafen und Träumen ansieht, Tiere schlafen und träumen, und sie spielen alles nochmal durch und machen andere Sachen, die der Erinnerung helfen und die ein wichtiger Teil von Schlafen und Träumen sind.
Der nächste Evolutionsschritt bei Säugetieren und Wesen mit göttlich überflüssigen Neuronen wird sein, zu spielen. Und die Tatsache, dass der Eisbär und der Husky oder Elster und Bär und Sie und ich und unsere Hunde diese Erfahrung gemeinsam haben können, macht Spielen zu etwas ganz besonderem. Es ist unfassbar wichtig für Lernen und Gehirnausbildung. Also ist es nichts, was man nach Feierabend macht.
JH: Wie behalten Sie -- und ich weiß, dass Sie Teil der Wissenschaftsgemeinde sind, und Sie müssen sich wie jeder andere auch für Gelder und Projekte rechtfertigen -- wie verhindern Sie -- denn ein paar Ihrer Daten, die gute Wissenschaft, über die Sie gespochen haben, sind ein heißes Eisen. Wie verhindern Sie, dass die Medien Ihre Arbeit interpretieren oder die Wissenschaft interpretiert, was Ihre Arbeit nun impliziert, etwa wie die Mozartmetapher, etwa so: "Oh, die MRTs zeigen … dass Spielen die Intelligenz steigert. Naja, dann stellt die Kinder in einer Reihe auf, zäunt sie ein und laßt sie halt für ein paar Monate spielen. Sie werden alle Genies und nach Harvard gehen." Wie verhindern Sie, dass man so etwas mit Ihren Resultaten tut?
SB: Naja, ich denke ich weiß nur einen Weg, damit klarzukommen und zwar, eine Menge Berater zu haben: Fachleute, die -- durch improvisiertes Spielen oder Clownspielen oder sowas -- einen Spielzustand erzeugen können. Dadurch kann man sehen, dass es das tatsächlich gibt. Und dann nimmt man einen fMRT-Spezialisten und Frank Wilson, und ein paar mehr harte Wissenschaflter einschließlich Neuroendokrinologen. Und aus denen macht man eine Gruppe, die sich mit Spielen beschäftigt, und dann wird es sehr schwer, die nicht ernstzunehmen.
Leider wurde das für die NSF, das NIMH oder jeden anderen, der sich das -- ernsthaft -- ansieht, nicht ausreichend gemacht. Ich meine, man hört nichts, was Krebs oder Herzkrankheiten nahe kommt, was mit Spielen zu tun hat. Und trotzdem sehe ich darin etwas, was -- langfristig -- genauso lebensnotwendig ist wie grundlegende Dinge übers Gesundheitswesen.
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Stuart Brown, ein Wegbereiter der Spieleforschung, sagt, Humor, Spiele, Raufen, Flirten und Phantasie seien mehr als Spaß. Ein Mehr an Spielen in der Kindheit erzeugt glückliche, gewitzte Erwachsene - und Spiele können uns in jedem Alter klüger machen.
Stuart Brown's research shows play is not just joyful and energizing -- it's deeply involved with human development and intelligence. Through the National Institute for Play, he's working to better understand its significance. Full bio »
Translated into German by Ulf Hensen
Reviewed by Judith Matz
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09:18 Posted: Dec 2007
Views 1,859,441 | Comments 306
18:55 Posted: Oct 2008
Views 1,116,909 | Comments 165
27:58 Posted: Nov 2008
Views 892,133 | Comments 98
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