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Ich führe ein Design-Studio in New York. Alle sieben Jahre schließe ich es für ein Jahr, um einige kleine Experimente zu verfolgen; Dinge, die während des normalen Arbeitsjahres immer schwierig umzusetzen sind. In diesem Jahr sind wir für keinen unserer Kunden verfügbar. Das Studio ist vollständig geschlossen. Und wie Sie sich sicher vorstellen können, ist das eine wunderbare und sehr energiegeladene Zeit.
Ursprünglich habe ich das Studio in New York eröffnet, um meine beiden Leidenschaften zu verbinden: Musik und Design. Wir haben Videos und Verpackungskonzepte für zahlreiche Musiker kreiert, die Sie kennen Und für viele mehr, von denen Sie noch nie etwas gehört haben. Ich habe festgestellt, wie bei vielen anderen Dingen in meinem Leben die ich eigentlich liebe, dass ich mich ihnen anpasse. Mit der Zeit beginnen sie, mich zu langweilen. In unserem Fall hieß das tatsächlich, dass unsere Arbeit über die Zeit begann, stets gleich auszusehen. Hier sehen Sie ein Glasauge im ausgestanzten Teil eines Buches. Hier eine sehr ähnliche Idee für eine Parfumverpackung im ausgestanzten Teil eines Buches. Also entschloss ich mich, für ein Jahr zu schließen.
Dies geschah auch im Wissen, dass wir ungefähr die ersten 25 Jahre unseres Lebens mit Lernen verbringen. Darauf folgen weitere 40 Jahre die fürs Arbeiten vorgesehen sind. Und dann, am Ende angehängt, warten noch ungefähr 15 Jahre Ruhestand. Ich dachte, es könnte hilfreich sein, fünf von diesen Jahren vom Ruhestand abzuzweigen und sie zwischen den Arbeitsjahren wieder einzusetzen. (Applaus) Das ist deutlich angenehmer für mich. Aber wahrscheinlich noch wichtiger ist, dass die Arbeit, die in diesen Jahren entsteht, wieder zurück in das Unternehmen fliesst und der Gesellschaft nutzt anstelle von nur einem oder zwei Enkelkindern.
Es gibt da einen anderen TEDster, der hier vor zwei Jahren sprach, Jonathan Haidt, der seine Arbeit in drei verschiedene Ebenen definierte. Das hörte sich für mich sehr richtig an. Ich kann meine Arbeit als einen Job sehen, ich mache es für Geld. Wahrscheinlich freue ich mich dann schon donnerstags aufs Wochenende. Und ich brauche dann wohl ein Hobby zum Ausgleich. In einer Karriere bin ich mit Sicherheit engagierter. Aber zugleich wird es Zeiten geben, wo ich mich frage, ob all diese harte Arbeit es am Ende wirklich wert ist. Auf der dritten Ebene, der Berufung ist es sehr wahrscheinlich, dass ich meine Arbeit auch dann tun würde, wenn ich dafür nicht finanziell entschädigt würde.
Ich bin selber kein religiöser Mensch, aber ich suchte die Natur. Meine erste Auszeit verbrachte ich in New York City. Dann suchte ich etwas anderes für die zweite. Europa und die USA schienen mir nicht so verlockend, weil ich beide zu gut kannte. Also wurde es Asien. Die schönsten Landschaften, die ich in Asien gesehen hatte, waren in Sri Lanka und Bali. In Sri Lanka war immer noch Bürgerkrieg, also wählte ich Bali. Es ist eine wunderbare, sehr handwerklich orientierte Gesellschaft.
Ich kam im September 2008 dort an und begann mehr oder weniger sofort zu arbeiten. Das Gebiet selber ist wirklich sehr inspirierend. Doch das erste, was ich brauchte, war eine mückenabweisende Typografie, denn es gab wirklich wahnsinnig viele Mücken dort. Und dann brauchte ich eine Strategie, etwas mit all diesen wilden Hunden zu machen, die um mein Haus streunten und mich während meiner Morgenspaziergänge angriffen. Also haben wir diese Serie gemacht mit 99 Portraits auf T-Shirts. Jeder einzelne Hund auf einem T-Shirt. Und als kleine Rache mit einer nur ganz leicht bedrohlichen Nachricht (Gelächter) auf der Rückseite des Shirts. ('So viele Hunde, so wenig Rezepte') (Gelächter)
Kurz bevor ich New York verließ, entschied ich mich, mein Studio zu renovieren und einfach alles dort zu lassen. Ich musste gar nichts dazu tun. Also sah ich mich nach Möbeln um. Es stellte sich heraus, dass ich mir die Dinge nicht leisten konnte, die ich mochte, und alles, was ich mir leisten konnte, mochte ich nicht. Eines der ersten Dinge, die wir in Bali verfolgt haben, war die Suche nach Möbelstücken. Dieses hier ist immer noch von den wilden Hunden inspiriert. Es ist noch nicht ganz fertig. Und ich denke, spätestens mit dieser Lampe hier (Gelächter) hatte ich wohl endlich meinen Frieden mit diesen Hunden geschlossen. (Gelächter)
Dann war da ein Couchtisch, ich habe auch einen Couchtisch gemacht. Er heisst «Be Here Now». Darin sind 330 Kompasse eingebaut. Und wir liessen uns eigene Espressotassen anfertigen mit einem versteckten Magneten im Inneren, die diese Kompasse in Bewegung brachten. indem sie ständig auf sie zeigen. Dann war da noch dieser ziemlich gesprächige, wortreiche Sessel. In Bali habe ich auch zum ersten Mal in meinem Leben meditiert. Gleichzeitig bin ich mir sehr bewusst darüber, wie langweilig es ist, über die Seligkeit von anderen Leuten zu hören, also werde ich da nicht sehr ins Detail gehen.
Viele von Ihnen kennen diesen TEDster, Danny Gilbert, dessen Buch ich tatsächlich über den TED Buchclub erhalten habe. Ich glaube, ich brauchte vier Jahre um es endlich zu lesen, während einer meiner Auszeiten. Und ich war erfreut zu sehen, dass er das Buch tatsächlich auch während einer Auszeit geschrieben hatte. Ich werde Ihnen jetzt einige Leute zeigen, die mit Sabbaticals gute Resultate erzielt haben.
Das ist Ferran Adria. Viele Leute denken, dass er mit seinem Restaurant nördlich von Barcelona, elBulli, momentan der beste Küchenchef der Welt ist. Sein Restaurant ist sieben Monate im Jahr geöffnet. Während fünf Monaten schliesst er, um mit einer kompletten Küchenmannschaft zu experimentieren. Seine aktuelle Statistik ist ziemlich beeindruckend. Übers Jahr kann er ungefähr 8000 Plätze im Restaurant besetzen. Und er hat 2,2 Millionen Anfragen für Reservierungen.
Wenn ich mir meinen Turnus anschaue: sieben Jahre, ein Jahr Auszeit, dann entspricht das 12,5 Prozent meiner Zeit. Und dann sehe ich Unternehmen, die tatsächlich erfolgreicher sind als meins. 3M gibt seit den dreissiger Jahren all seinen Ingenieuren 15 Prozent ihrer Zeit, um zu verfolgen, was immer sie wollen. Da gibt es einige gute Erfolge. Tesafilm stammt aus diesem Programm und Art Fry entwickelte Haftnotizen während dieser projektfreien Zeit für 3M. Google ist sehr berühmt dafür, seinen Softwäre-Ingenieuren 20 Prozent Zeit zu geben, um ihre eigenen persönlichen Projekte zu verfolgen.
Hat jemand hier tatsächlich jemals ein Sabbatical genommen? Das sind etwa fünf Prozent aller Anwesenden. Ich weiss nicht, ob Sie ihren Nachbarn haben die Hand heben sehen. Falls ja, sprechen Sie mit ihm darüber, ob es erfolgreich war oder nicht. Ich habe festgestellt, dass ich am besten heraus finde, was mir in Zukunft gefallen könnte, wenn ich mit Menschen spreche, die das tatsächlich getan haben. Das funktioniert viel besser als mein eigenes Vorstellungsvermögen.
Als ich die Idee eines Sabbaticals hatte, traf ich die Entscheidung und schrieb es in meinen Tagesplaner. Und dann erzählte ich so vielen Leuten wie möglich davon, so dass es keine Möglichkeit gab, später noch zu kneifen. (Gelächter)
Am Anfang, im ersten Sabbatical, lief es ziemlich schrecklich. Ich hatte mir gedacht, dass ich das ohne Plan tun sollte und dass dieses Zeitvaakuum irgendwie wundervoll und verlockend sein würde für meine Ideenfindung. Das war es aber gar nicht. Ohne einen Plan reagierte ich einfach auf kleine Anfragen, nicht Arbeitsaufträge, die lehnte ich alle ab, aber andere kleine Aufgaben. Post an japanische Design-Magazine zu senden und solche Dinge. Ich wurde quasi mein eigener Praktikant. (Gelächter)
Und sehr schnell legte ich eine Liste der Dinge an, die mich interessierten, brachte sie in eine Hierarchie, teilte sie in Zeitabschnitte auf und machte einen Plan, so ziemlich wie in der Grundschule. Was sehen wir hier? Montag acht bis neun Uhr: Geschichte schreiben. Neun bis zehn Uhr: Über die Zukunft nachdenken. Das war nicht sehr erfolgreich. Und so weiter und so fort. Und das wiederum, besonders als Ausgangspunkt für die erste Auszeit, funktionierte wirklich gut für mich. Was kam dabei heraus? Ich näherte mich wirklich wieder an Design an. Ich hatte Spaß. Finanziell gesehen, war es langfristig gesehen erfolgreich, denn durch die höhere Qualität, konnten wir auch höhere Preise verlangen.
Und wahrscheinlich am wichtigsten ist, dass im Grunde alles, was wir in den sieben Jahren nach der ersten Auszeit taten aus den Gedanken an dieses einzige Jahr heraus entstand. Ich zeige Ihnen einige Projekte aus den sieben Jahren nach diesem Sabbatical. Einer meiner Gedankenstränge, die mich beschäftigten war, dass Gleichheit so unglaublich überbewertet wird. Diese ganze Idee, dass alles genau gleich sein muss, funktioniert für einen sehr, sehr kleinen Teil von Unternehmen, aber nicht für alle anderen.
Wir wurden gebeten, eine visuelle Identität für Casa De Musica zu entwickeln, das Musikzentrum in Porto, Portugal, gebaut von Rem Koolhaas. Und obwohl ich mir wünschte, eine Identität zu schaffen, die nicht die Architektur verwendet, scheiterte ich daran. Vor allem, weil Rem Koolhaas an einer Präsentation für die Stadt Porto über die Verschmelzung aus verschiedenen Schichten von Bedeutung sprach. Nachdem ich das aus der Architektursprache in normales Englisch übersetzt hatte, verstand ich es grundsätzlich als die Entstehung eines Logos. Und ich verstand, dass das Gebäude selber ein Logo war.
Danach wurde es eigentlich ganz einfach. Wir setzten eine Maske auf die Abbildung des Gebäudes und sahen es uns aus dem Boden heraus an, von allen Seiten, Westen, Norden, Süden, Osten, von oben und von unten. Wir colorierten die Formen in einer speziellen Weise, indem wir einen Freund von mir eine Software entwickeln liessen, den Casa de Musica Logo Generator. Dieser hängt mit einem Scanner zusammen. Man legt irgend ein Bild hinein, wie dieses Bild von Beethoven. Und in einer Sekunde gibt die Software ein Casa de Musica Beethoven Logo aus. Wenn Sie jetzt tatsächlich ein Beethoven Plakat gestalten müssen, ist das praktisch, weil die visuelle Information des Logos und des tatsächlichen Plakats genau die gleiche ist.
Also passt es konzeptionell immer zusammen. Wenn Zappa's Musik gespielt wird, kriegt sie ihr eigenes Logo. Oder Philip Glass oder Lou Reed oder die Chemical Brothers, die alle dort gespielt haben, sie alle hatten ihr eigenes Casa de Musica Logo. Es funktioniert genau gleich mit dem Präsidenten oder dem musikalischen Leiter, deren Casa de Musica Porträts auf ihre Visitenkarten gedruckt werden. Es gibt ein komplettes Orchester im Gebäude, dieses hat eine transparentere Identität. Hier der LKW, mit dem sie auf Tour gehen. Oder es gibt dieses kleinere, zeitgenössische Orchester mit 12 Personen, das seinen eigenen Titel remixt.
Eines der praktischen Dinge mit diesem System war, dass man die Art des Logos nehmen und Werbung damit kreieren kann. Wie dieses Donna Toney Plakat, oder Chopin, oder Mozart, oder La Monte Young. Man kann die Form nehmen und Schrift daraus gestalten. Man kann die Form unter der Haut wachsen lassen. Man kann ein Plakat für den Familienanlass vor dem Haus machen oder für den Rave unter dem Haus oder ein wöchentliches Programm, ebenso wie Bildungsangebote.
Die zweite Erkenntnis: Bis dahin hatte ich die Sprache des Designs zumeist für Werbezwecke verwendet oder war daran beteiligt, was ich auch in Ordnung fand. Ich habe eigentlich nichts gegen das Verkaufen. Meine Eltern sind beide Verkäufer. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich soviel Zeit für das Erlernen dieser Sprache investierte, warum konnte ich damit nur verkaufen? Da musste es noch etwas anderes geben. Daraus entstand eine ganze Reihe von Arbeiten. Einige von Ihnen haben sie vielleicht schon gesehen. Ich habe manches bei früheren TED Konferenzen gezeigt unter dem Titel «Dinge, die ich bisher in meinem Leben gelernt habe». Ich zeige jetzt nur zwei davon.
Das ist eine ganze Wand voller Bananen mit unterschiedlichen Reifegraden, am Eröffnungstag dieser Galerie in New York. Es heisst: «Selbstvertrauen erzeugt gute Ergebnisse.» Das hier ist eine Woche später. Nach zwei Wochen, drei Wochen, vier Wochen, fünf Wochen. Sie können sehen, das Selbstbewusstsein kommt beinahe zurück, aber nicht ganz. Das sind einige Bilder, die Besucher mir geschickt haben. (Gelächter)
Die Stadt Amsterdam stellte uns einen öffentlichen Platz zur Verfügung und bat uns, etwas damit zu tun. Wir benutzten die Steinplatten als Raster für unser Kunstwerk. Von der Zentralbank hatten wir 250 000 Münzen bekommen mit unterschiedlichen Färbungen. Wir hatten also ganz neue, glänzende, mittlere und sehr alte, dunkle Stücke. Mit der Hilfe von 100 Freiwilligen erschufen wir in einer Woche diesen ziemlich blumigen Schriftzug, der sagte: «Besessenheit machen mein Leben schlechter und meine Arbeit besser.»
Natürlich war die Idee dahinter, die Schrift so wertvoll zu machen, dass man als Publikum hin und her gerissen wäre zwischen: «Soll ich soviel Geld mitnehmen, wie ich kann? Oder sollte ich das Kunstwerk unversehrt lassen wie es ist?» Während wir das aufbauten in dieser Woche, mit den hundert Freiwilligen, kamen ihm viele der Nachbarn rund um den Platz sehr nah und sie mochten es sehr gerne. Als die Arbeit dann abgeschlossen war, und in der ersten Nacht ein Kerl mit grossen Platiktaschen auftauchte, um soviele Münzen aufzusammeln, wie er tragen konnte, rief einer der Nachbarn die Polizei.
Die Amsterdamer Polizei kam an in all ihrer Weisheit, kam, sah, und wollte das Kunstwerk beschützen. Uns so fegten sie alles zusammen und nahmen es in Gewahrsam im Polizeipräsidium. (Gelächter) Ich glaube, Sie können sie hier fegen sehen. Genau hier sieht man sie. Das ist die Polizei, die alles zusammen sammelt. Nach acht Stunden war das so ziemlich alles, von der ganzen Sache übrig war. (Gelächter)
Wir arbeiten auch auf den Beginn eines grösseren Projektes in Bali hin. Es ist ein Film über das Glück und wir fragten einige Schweine aus der Gegend, ob uns den Filmtitel gestalten könnten. Das war uns nicht ganz raffiniert genug, also baten wir eine Gans um einen zweiten Versuch und hofften, sie würde es irgendwie eleganter oder hübscher machen. Ich glaube, sie hat es übertrieben. Ein kleines bisschen zu gemustert. Mein Studio ist sehr nah am Affenwald. Und die Affen da im Wald sahen tatsächlich ziemlich glücklich aus. Also baten wir sie, es nochmals zu machen und sie haben einen ganz guten Job gemacht, aber es gab Probleme mit der Lesbarkeit. Was man also nicht wirklich selber macht, wird einfach nicht richtig erledigt.
An diesem Film werden wir die kommenden zwei Jahre arbeiten. Es wird also eine Weile dauern. Und Sie können jetzt natürlich denken, dass ein Film über das Glück vielleicht nicht wirklich sinnvoll ist. Dann können Sie immer noch hingehen und diesen Mann hier treffen:
Video: (Lachen) Und ich bin so froh, dass ich lebe. Ich bin froh, dass ich lebe. Ich bin froh, dass ich lebe.
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Alle sieben Jahre schließt der Designer Stefan Sagmeister sein Studio in New York für ein ein Jahr, um die kreativen Perspektiven zu regenerieren und aufzufrischen. Er erläutert den oft unterschätzten Wert einer Auszeit und zeigt innovative Projekte, die von seiner Zeit in Bali inspiriert wurden.
Renowned for album covers, posters and his recent book of life lessons, designer Stefan Sagmeister invariably has a slightly different way of looking at things. Full bio »
Translated into German by Karin Friedli
Reviewed by Alex Boos
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04:45 Posted: Sep 2008
Views 357,539 | Comments 36
15:30 Posted: Apr 2007
Views 629,543 | Comments 62
18:55 Posted: Oct 2008
Views 680,745 | Comments 108
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