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Vor ungefähr 15 Jahren besuchte ich einen Freund in Hongkong. Zu dieser Zeit war ich sehr abergläubisch. Also, als wir landeten -- das war noch im alten Flughafen von Hongkong Kai Tak, der genau in die Mitte der Stadt geklatscht worden war -- -- dachte ich: Wenn ich was Gutes sehe, dann werde ich hier eine großartige Zeit haben in meinen zwei Wochen. Und wenn ich was Negatives sehe, werde ich eine wirklich miese Zeit haben.
Das Flugzeug landete also zwischen den Gebäuden und kam vor dieser kleinen Plakatwand zum halten. (Gelächter) Und ich ging los, um einige der Designfirmen zu besuchen während meines Aufenthalts in Hongkong. Und es stellte sich heraus, dass -- ich ging einfach hin, um zu sehen, naja, was sie in Hongkong so machten.
Aber dann bekam ich sogar ein tolles Jobangebot. Und ich bin nach Österreich zurückgeflogen und habe meine Sachen gepackt. Und noch eine Woche später war ich wieder auf dem Weg nach Hongkong. Ich war immer noch abergläubisch und dachte: Also, wenn das "Gewinner" Plakat noch an der Plakatwand hängt, werde ich eine gute Zeit während meiner Arbeit hier haben. (Gelächter) Aber wenn es weg ist, wird es wirklich furchtbar und stressig. Dann stellte sich heraus, dass das Plakat nicht nur immer noch hing sondern, dass man auch noch dieses daneben gehängt hatte. (Gelächter) Andererseits hat es mir auch beigebracht, wohin mich Aberglaube bringt, weil ich eine wirklich schreckliche Zeit in Hongkong hatte. (Gelächter)
Wie dem auch sei, ich hatte eine Anzahl echter Glücksmomente in meinem Leben -- -- welche, naja, ich denke, welche die Konferenzbroschüre als atemberaubende Momente bezeichnet. Und da ich ein großer Listenmacher bin, habe ich sie tatsächlich alle aufgelistet. (Gelächter) Nun, Sie müssen sich nicht die Mühe machen, sie alle zu lesen und ich werde sie Ihnen auch nicht vorlesen. Ich weiß, dass es unwahrscheinlich langweilig ist, etwas über das Glück anderer Leute zu hören. (Gelächter)
Was ich aber getan habe ist, ich habe sie mir wirklich von einem Designstandpunkt aus angesehen und habe die gestrichen, die nichts mit Design zu tun hatten. Und überraschenderweise haben mehr als die Hälfte tatsächlich etwas mit Design zu tun.
Also da gibt es, natürlich, zwei verschiedene Möglichkeiten. Die eine ist von dem Standpunkt des Konsumenten -- -- bei der ich glücklich war als ich Design erlebt habe. Und ich werde Ihnen mal ein Beispiel geben. Ich hatte meinen ersten Walkman bekommen. Es ist 1983. Mein Bruder hat dieses großartige Yamaha Motorrad. und er war freigebig bereit, es mir zu leihen. Und von "The Police" war "Synchronicity" gerade auf Kassette herausgekommen. und in meiner Heimatstadt Bregenz gab es kein Gesetz, das Helmpflicht vorschrieb. Also konnte ich in die Berge hochfahren und "The Police" so laut ich wollte auf dem neuen Sony Walkman hören. (Gelächter) Und ich erinnere mich daran als einen Moment wirklichen Glücks. Natürlich hängt der Moment mit dieser Kombination von Gegebenheiten zusammen, und mindestens zwei davon sind, naja, Designobjekte. Und, wissen Sie, es gibt eine Glücklichkeitsskala wenn man über Design spricht aber das Motorraderlebnis wäre definitiv, naja, hier irgendwo angesiedelt -- genau zwischen Freude und Glückseligkeit.
Nun, es gibt noch die andere Seite, die von dem Standpunkt des Designers -- -- wenn man glücklich bist während man es tatsächlich tut. Und ein Weg, zu sehen wie glücklich Designer sind während sie designen könnte doch sein, sich die Autorenfotos auf ihren Monografien anzusehen? (Gelächter) Also, laut diesen hier, sind die Australier und Japaner sowie die Mexikaner sehr glücklich. (Gelächter) Während es den Spaniern irgendwie ...und besonders den Schweizer, denke ich, (Gelächter) nicht besonders gut dabei geht. (Gelächter)
Letzten November öffnete ein Museum in Tokio, das Mori Museum heißt, in einem Hochhaus, oben im 56sten Stockwerk. Und ihre Eröffnungsausstellung hieß "Glück". Und ich ging sehr neugierig hin, um sie mir anzusehen, weil -- Auch, nun, mit einem Auge auf diese Konferenz. Und interessanterweise hatten sie die Ausstellung in vier verschiedene Bereiche aufgeteilt. Im Bereich "Arcadia" zeigten sie Dinge wie diese, aus der Edo Epoche -- -- hundert Arten, das Wort "Glück" in verschiedenen Formen zu schreiben. Oder sie hatten diesen Apfel von Yoko Ono -- der natürlich später, wie Sie wissen, zum Label der Beatles wurde.
Im "Nirvana" zeigten sie dieses Gemälde eines Polizisten. Und da war eine kleine -- eine interessante Theorie über Abstraktion. Dies ist ein blaues Feld -- es ist tatsächlich ein Yves Kline Gemälde. Und die Theorie war, dass, wenn man ein Bild abstrahiert, man wirklich so viel Raum für das Unrepräsentierbare öffnet -- -- und es damit, naja, möglich macht, den Betrachter stärker zu involvieren.
Dann, unter "Verlangen", zeigten sie diese Shunsho Gemälde -- -- auch aus der Edo Periode -- Tinte auf Seide. Und als letztes unter "Harmonie" hatten Sie dieses Mandala aus Tibet aus dem 13. Jahrhundert.
Nun, was ich aus der Ausstellung mitgenommen habe war, dass, vielleicht mit der Ausnahme des Mandalas, die meisten Ausstellungsstücke in Wirklichkeit die Visualisierung von Glück zeigten, und nicht Glück selbst. Und ich fühlte mich ein bisschen hereingelegt, weil die Visualisierung -- -- das ist wirklich einfach umzusetzen. Und, wissen Sie, mein Studio -- das haben wir ständig gemacht. Das ist, naja, ein Buch. Ein glücklicher Hund -- und wenn Sie es herausnehmen ist es ein aggressiver Hund. Hier sind ein glücklicher David Byrne und ein wütender David Byrne. Oder ein Jazz Poster mit einem glücklichen Gesicht und einem aggressiveren Gesicht. Wissen Sie, das ist kein schwer zu erreichendes Ziel.
Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem, naja, innerhalb der Werbung oder innerhalb der Filmindustrie "glücklich" einen so schlechten Ruf bekommen hat, dass, wenn man wirklich etwas mit diesem Thema machen will und dabei immer noch authentisch wirken möchte, man es fast von einem zynischen Standpunkt aus machen muss. Dies ist ein Filmplakat. Wir haben vor ein paar Wochen ein Boxset für "The Talking Heads" entworfen bei dem das Glück, das auf der Vorderseite visualisiert worden ist, definitiv eine dunkle Seite vorweist.
Viel, viel schwieriger ist es, wenn das Design selbst Glück hervorrufen soll und ich zeige Ihnen nur mal drei, die das tatsächlich bei mir geschafft haben. Diese Kampagne ist von einem jungen Künstler in New York umgesetzt worden, der sich "True" nennt. Jeder der schon mal mit der New Yorker U-Bahn gefahren ist wird diese Schilder kennen? True hat seine eigene Version dieser Schilder gedruckt. Hat sich jeden Mittwoch an einer Haltestelle mit 20 seiner Freunde getroffen. Sie haben sich auf verschiedene U-Bahn Linien aufgeteilt und ihre eigene Version hinzugefügt. (Gelächter) Also dies ist eine. (Gelächter)
Nun, die Art wie dies im System funktioniert ist, dass niemand jemals diese Schilder ansieht. Also man (Gelächter) man ist wirklich gelangweilt in der U-Bahn und man starrt irgendwohin. Und es wird eine Zeit dauern, bevor man tatsächlich -- Man bemerkt, dass dieses etwas komplett anderes sagt als normalerweise. (Gelächter) Ich meine, das war es wenigstens, wie es mich glücklich gemacht hat. (Gelächter)
Nun, True ist ein echter Humanist. Er wollte nicht, dass einer seiner Freunde verhaftet wird. Also hat er jeden mit diesem falschen Freiwilligenausweis ausgestattet. (Gelächter) Und er gab außerdem jedem diesen falschen Brief von der MTA -- sozusagen vorgebend, es sei ein Kunstprojekt, das von der New Yorker U-Bahn Gesellschaft (MTA) finanziert wurde. (Gelächter)
Ein anderes New York Projekt. Das ist in P.S. 1 -- eine Skulptur, die im Grunde ein Quadratischer Raum ist, von James Turrell, das ein Schiebedach hat. Öffnet jeden Tag bei Sonnenaufgang und bei Sonnenuntergang. Den Horizont sieht man nicht. Man ist nur darin und sieht diese unglaubliche, subtile Änderung der Himmelsfarbe. Und diesen Raum muss man wirklich mal gesehen haben. Das Verhalten der Menschen ändert sich wenn sie da rein gehen. Und sicherlich habe ich den Himmel nicht mehr in der gleichen Weise gesehen nachdem ich eine Stunde da drin verbracht habe.
Es gibt natürlich mehr als diese drei Projekte, die ich hier zeige. Ich würde definitiv sagen, dass das Betrachten von Vik Muniz "Wolke" vor ein paar Jahren in Manhatten, mich sicherlich ebenfalls glücklich gemacht hat. Aber mein letztes Projekt ist, wieder, von einem jungen Designer aus New York. Eigentlich kommt er aus Korea. Und er nahm es auf sich, 55,000 Sprechblasen zu drucken -- -- leere Sprechblasenaufkleber, große und kleine. Und dann geht er durch New York und klebt sie einfach, leer wie sie sind, auf Poster. (Gelächter) Und andere Menschen gehen hin und füllen sie aus. (Gelächter)
Auf diesem hier steht: Bitte lass mich in Frieden sterben. (Gelächter) Ich denke es war -- Die größte Überraschung für mich war, dass das Geschriebene tatsächlich so gut war. Diese ist auf einem Musikerposter, darauf steht: Ich mache mir Sorgen, dass meine CD weniger als 200.000 mal verkauft wird. Und dass mir, als Resultat, meine verrechenbare Vorrauszahlung von meiner Produktionsfirma wieder weggenommen wird. Wonach mein Vertrag aufgelöst wird und ich zurück nach Bleecker Street gehen muss, um dort Journey Covers zu machen. (Gelächter)
Ich denke, der Grund warum dies so gut funktioniert ist, dass jeder, der beteiligt ist, gewinnt. Jee bekommt sein Projekt, die Öffentlichkeit bekommt ein schöneres Umfeld und eine andere Art von Öffentlichkeit bekommt ein Ort, um sich auszudrücken und die Werber bekommen endlich Leute, die sich ihre Anzeigen ansehen. (Gelächter)
Nun, es gab da natürlich eine Frage, die mir eine zeitlang im Kopf herumging: Naja, kann ich mehr von den Dingen tun, die ich gerne im Design tue, und weniger von denen, die ich nicht so gerne tue? Was mich zurück gebracht hat zum Listenmachen -- -- wissen Sie, nur um zu sehen was mir tatsächlich an meinem Job gefällt.
Naja, eins ist: nur arbeiten, ohne Druck. Dann: konzentriert arbeiten, ohne genervt zu werden. Oder, wie Nancy schon gesagt hat, sich wirklich vertiefen. Versuchen, nicht immer mit den gleichen Sachen stecken zu bleiben -- -- oder versuchen, nicht den ganzen Tag hinter dem Computer zu hocken. Das ist, naja, verbunden damit: mehr aus dem Studio rauskommen. Dann, natürlich, versuchen, naja, an Dingen zu arbeiten, deren Inhalt wirklich wichtig für mich ist. Und mich über das Endresultat freuen können.
Und dann habe ich eine andere Liste in einem meiner Tagebücher gefunden, die tatsächlich alle Dinge beinhalten die ich bisher in meinem Leben gelernt habe. Und, ungefähr zu dieser Zeit, hat ein österreichisches Magazin angerufen und gefragt ob wir sechs Seiten machen -- sechs Seiten entwerfen, die wie Trennseiten zwischen den verschiedenen Kapiteln eines Magazins funktionieren? Und alles ergab plötzlich ein Ganzes. Also nahm ich einfach eines der Dinge, von denen ich denke, dass ich sie gelernt habe-- -- in diesem Fall "Alles was ich tue kommt immer zu mir zurück" -- -- und wir machten diese Seiten genau daraus. Also hieß es: Alles was ich tue kommt immer zu mir zurück.
Vor ein paar Wochen (Gelächter) bat uns eine französische Firma, fünf Plakatwandposter für sie zu machen. Wieder konnten wir denn Inhalt dafür liefern. Also suchte ich ein weiteres aus. Und dieses war vor zwei Wochen. Wir flogen nach Arizona -- der Designer, der mit mir arbeitet, und ich selbst -- -- und fotografierten dieses hier. Es heißt: Versuchen gut auszusehen grenzt mein Leben ein.
Und wir haben noch eins davon gemacht. Das sind wieder Trennseiten für ein Magazin. Es heißt: Mut -- Das ist dasselbe -- -- es ist bloß von der Seite fotografiert. Und hier ist es von vorne drauf. Und dann steht da: haben Wieder ist es dasselbe Ding -- "haben" ist genau der gleiche Raum, umgestellt. Dann kommt: funktioniert immer Dann kommt "bei", mit dem Licht an (Gelächter) und dann kommt "mir".
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Grafikdesigner Stefan Sagmeister nimmt das Publikum mit auf eine wunderbare Reise durch Momente seines Lebens die ihn glücklich gemacht haben -- und bemerkt wie viele dieser Momente mit gutem Design zu tun haben.
Renowned for album covers, posters and his recent book of life lessons, designer Stefan Sagmeister invariably has a slightly different way of looking at things. Full bio »
Translated into German by Anna Reissert
Reviewed by Philipp Böing
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04:45 Posted: Sep 2008
Views 357,539 | Comments 36
17:30 Posted: Oct 2007
Views 225,686 | Comments 30
15:59 Posted: Sep 2007
Views 516,603 | Comments 67
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