Ich stehe heute vor Ihnen, in aller Bescheidenheit, und ich möchte mit Ihnen etwas teilen, nämlich meine Reise der letzten sechs Jahre im Bereich von Dienstleistung und Bildung. Ich bin keine ausgebildete Akademikerin. Auch bin ich keine verdiente Sozialarbeiterin. Ich war 26 Jahre in der Wirtschaft tätig und versuchte dort, Organisationen profitabel zu machen. Und dann, im Jahr 2003 startete ich die "Parikrma Humanity Foundation" an meinem Küchentisch.
Das erste, was wir taten, war, durch die Slums zu laufen. Wissen Sie übrigens, es gibt zwei Millionen Menschen in Bangalore, die in 800 Slums wohnen. Wir konnten nicht in alle Slums gehen, aber wir versuchten, so viele wie möglich aufzusuchen. Wir liefen durch diese Slums, und suchten Haushalte, deren Kinder niemals zur Schule gehen würden. Wir sprachen mit den Eltern, versuchten sie zu überzeugen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Wir spielten mit den Kindern, und kamen ziemlich müde nach Hause, erschöpft, aber mit Bildern von intelligenten Gesichtern, blitzenden Augen, und gingen schlafen.
Wir waren allesamt aufgeregt, zu beginnen. Aber dann trafen uns die Zahlen wie ein Schlag. 200 Millionen Kinder zwischen vier und 14 sollten zur Schule gehen, gehen aber nicht. 100 Millionen Kinder die zur Schule gehen, aber nicht lesen können, 125 Millionen, die die Grundrechenarten nicht beherrschen. Wir hörten auch, dass 250 Milliarden Rupien für staatliche Schulausbildung bestimmt waren. 90 Prozent davon wurden für Lehrergehälter verwendet und für Verwaltungsgehälter. Und trotzdem hat Indien fast die höchsten Fehlzeiten bei Lehrern weltweit, wobei jeder vierte Lehrer ein ganzes akademisches Jahr nicht zur Schule geht.
Diese Zahlen waren absolut verblüffend, überwältigend, und man fragte uns permanent: "Wann fängst du an? Wie viele Schulen wirst du eröffnen? Wie viele Kinder wirst du bekommen? Welchen Maßstab wirst Du anlegen? Wie wirst du es vergrößern?" Es war sehr schwer, keine Angst zu bekommen, nicht eingeschüchtert zu werden. Aber wir waren stur, und sagten: "Wir spielen nicht das Zahlenspiel." Wir wollen ein Kind nach dem anderen nehmen und dieses Kind durch die Schule bringen, zur Universität schicken und sie vorbereiten auf ein besseres Leben, eine hochwertige Arbeit.
Also, wir begannen Parikrma, die erste Parikrma-Schule begann in einem Slum wo 70.000 Menschen unterhalb der Armutsgrenze lebten. Wir begannen, unsere erste Schule war auf dem Dach eines Hauses inmitten des Slums, ein zweigeschossiges Gebäude, das einzige zweigeschossige Gebäude inmitten des Slums. Und das Hausdach selbst hatte kein Dach, nur ein halbes Blechdach. Das war unsere erste Schule. 165 Kinder. Das akademische Jahr in Indien beginnt im Juni. Nun, im Juni regnet es, und so drängten wir uns alle oft unter diesem Blechdach zusammen, und warteten darauf, dass der Regen endet. Meine Güte, was für eine Übung in Sachen Bindungen! Und alle von uns, die unter dem Dach waren, sind heute noch zusammen hier. Dann kam die zweite Schule, die dritte Schule, die vierte Schule, und ein Junior College. Nach sechs Jahren haben wir jetzt vier Schulen, ein Junior College, 1.100 Kinder aus 28 Slums und vier Waisenhäusern. (Applaus)
Unser Traum ist sehr einfach: jedes dieser Kind auf den Weg zu bringen, sie vorbereiten zu leben, ausgebildet zu werden, aber auch ein friedliches Leben zu führen, glücklich in dieser konfliktbeladenen chaotischen globalisierten Welt. Nun, wenn Sie von global sprechen, müssen Sie Englisch sprechen. Und so sind alle unsere Schulen englischsprachige Schulen. Aber sie wissen, es gibt diesen Mythos, dass Kinder aus den Slums nicht gut Englisch sprechen können. Keiner in ihren Familien hat je Englisch gesprochen Keiner aus ihrer Generation hat je Englisch gesprochen Aber wie falsch ist das!
Video: Mädchen: Ich mag Abenteuerbücher, und eines meiner Lieblings- Ich mag Alfred Hitchcock und [undeutlich] und Hardy Boys. Die drei sind alle gleich, obwohl sie alle gleich sind in unterschiedlichem Kontext, eines ist magisch, die anderen beiden sind wie Ermittlungen Ich mag diese Bücher weil sie etwas sehr Spezielles an sich haben, das Vokabular, das in jenen Büchern verwendet wird, und die Art, der Schreibstil. Ich meine, also wenn ich einmal ein Buch anfange kann ich es nicht weglegen und lese das Buch in einem durch. Selbst wenn es mich viereinhalb Stunden kostet, oder dreieinhalb Stunden um das Buch zu beenden, ich mach's.
Junge: Ich habe gut recherchiert und ich erhielt die Information die schnellsten Autos der Welt. Ich mag die Ducati ZZ 143 weil es das schnellste ist, das schnellste Motorrad der Welt. Und ich mag die Passat 220 GTSI weil es das schnellste Motorrad Indiens ist.
Nun, das Mädchen, das Sie sahen, ihr Vater verkauft Blumen am Straßenrand. Und dieser kleine Junge kommt nun schon seit fünf Jahren zur Schule. Aber ist es nicht seltsam, dass kleine Jungen überall auf der Welt schnelle Motorräder lieben? Er hat nie eins gesehen. Er ist natürlich nie mit einem gefahren, aber er hat intensiv durch Google recherchiert. Wissen Sie, als wir mit unseren englischsprachigen Schulen begannen, entschieden wir uns auch für die Übernahme des bestmöglichen Curriculums, des ICSE Curriculums. Und wiederum gab es Leute, die mich auslachten und sagten: "Bist du verrückt, so ein schweres Curriculum für diese Schüler zu wählen? Sie werden es niemals bewältigen." Nicht nur bewältigen es unsere Kinder sehr gut, sie sind darin herausragend. Sie sollten vorbeikommen und sehen wie gut unsere Kinder sind.
Es gibt da auch diesen Mythos, Eltern aus den Slums seien nicht daran interessiert, dass ihre Kinder in die Schule gehen, sie würden sie eher arbeiten schicken. Das ist absoluter Quatsch. Alle Eltern auf dieser Welt wollen, dass ihre Kinder ein besseres Leben führen als sie selbst. Aber sie müssen daran glauben, dass Veränderung möglich ist.
Shukla Bose: Wir haben eine Anwesenheitsquote von 80 Prozent bei all unseren Eltern-Lehrer-Treffen. Manchmal sind es sogar 100 Prozent, viel mehr als in vielen priviligierten Schulen. Väter haben begonnen zu kommen. Es ist sehr interessant. Als wir unsere Schule begannen, registrierten die Eltern sich in der Anwesenheitsliste mit einem Daumenabdruck. Jetzt haben sie begonnen, ihre Unterschrift zu schreiben. Die Kinder haben es ihnen beigebracht. Es ist fantastisch, wie viel Kinder beibringen können.
Wir haben vor ein paar Monaten, eher gesagt Ende letzten Jahres, hatten wir ein paar Mütter, die zu uns kamen und sagten, "Weisst du was, wir wollen Lesen und Schreiben lernen. Kannst du uns unterrichten?" Und so starteten wir eine Nachmittagsschule für unsere Eltern, für unsere Mütter. Wir hatten 25 Mütter, die regelmäßig kamen, nach der Schule, um zu lernen. Wir wollen mit diesem Programm fortfahren und es auf all unsere Schulen ausweiten.
98 Prozent unserer Väter sind Alkoholiker. So können Sie sich vorstellen, wie traumatisiert und wie dysfunktional die Elternhäuser der Kinder sind. Wir müssen die Väter in den Entzug schicken und wenn sie wiederkommen, meistens nüchtern, müssen wir für sie einen Job finden, so dass sie nicht rückfällig werden. Wir haben ungefähr drei Väter, die zum Koch ausgebildet wurden. Wir haben ihnen Ernährung, Hygiene beigebracht. Wir haben ihnen geholfen, eine Küche einzurichten, und jetzt bereiten sie das Essen für all unsere Kinder zu. Sie alle arbeiten sehr gut, weil ihre Kinder ihre Sepisen essen, aber am wichtigsten ist, dass dies das erste Mal ist, dass sie Respekt erfahren, und dass sie merken, etwas Sinnvolles zu tun.
Mehr als 90 Prozent unserer Angstellten, die nicht unterrichten sind Eltern und Anverwandte. Wir haben viele Programme begonnen, nur um sicherzustellen, dass das Kind zur Schule kommt. Ausbildungsprogramm für ältere Geschwister, so dass die jüngeren nicht davon abgehalten werden, zur Schule zu kommen.
Es gibt dann noch den Mythos, dass Kinder aus den Slums sich nicht anpassen können an den Mainstream. Schauen Sie sich das kleine Mädchen an, das eins von den 28 Kindern von allen priviligierten Schulen war, den besten Schulen des Landes, das ausgewählt wurde für das Duke University Talent-Identifikationsprogramm und zum IIM Amedabad geschickt wurde.
Video: Mädchen: [undeutlich] Wann immer wir sehen [undeutlich] es war solch eine Ehre für uns, an dem Camp teilzunehmen. Und wir fuhren dorthin. Alle waren sehr freundlich, besonders ich fand viele Freunde. Und ich merkte, dass sich mein Englisch extrem verbesserte da zu sein und mit Freunden zu quatschen und all das. Dort haben Sie Kinder getroffen mit einem anderen Standard und all das, einer anderen Denkweise, eine vollkommen andere Gesellschaft. Ich komme mit fast jedem in Kontakt. Sie waren sehr freundlich. Ich hatte dort sehr gute Freunde, die aus Delhi sind, die aus Mumbai sind. Selbst jetzt stehen wir in Kontakt durch Facebook.
Nach dieser Amedabadreise habe ich mich sehr verändert im Umgang mit Menschen und all das. Davor, denke ich, war ich nicht so. Ich habe keinen Kontakt aufgenommen oder bald mit jemandem gesprochen. Mein Akzent im Englischen hat sich sehr verbessert. und ich habe gelernt Fußball und Volleyball zu spielen, Frisbee, viele Spiele. Und ich wollte nicht nach Bangalore gehen. Lasst mich hier bleiben. Solch köstliches Essen. Ich habe es genossen. Es war so schön. Ich genoss, Speisen zu essen wie [undeutlich] kam und fragte mich, "Ja, meine Dame, was möchten Sie gerne?" Das war toll zu hören.
Dieses Mädchen hat als Dienstmädchen gearbeitet bevor sie zur Schule kam. Und heute möchte sie Neurologin werden.
Unsere Kinder sind brilliant im Sport. Sie sind wirklich ausgezeichnet. Es gibt einen Sportwettkampf zwischen Schulen, der jedes Jahr in Bangalore stattfindet, an dem 5.000 Kinder aus den 140 besten Schulen der Stadt teilnehmen. Wir haben drei Jahre in Folge die Auszeichnung als beste Schule erhalten. Und unsere Kinder gehen nach Hause mit einer Tasche voller Medallien, mit vielen Bewunderern und Freunden. Letztes Jahr gab es ein paar Kinder von Eliteschulen - die kamen und baten um Zulassung zu unserer Schule. Wir haben auch unser eigenes DreamTeam.
Warum passiert das? Woher kommt dieses Vertrauen? Ist es der Einfluss? Wir haben Professoren vom MIT, aus Berkeley, Stanford, vom Indischen Wissenschaftsinstitut, die kommen und unseren Kinder viele wissenschaftliche Formeln beibringen, Experimente, die weit über normalen Unterricht hinausgehen. Kunst, Musik werden angesehen als Therapie und Ausdrucksmöglichkeiten. Wir glauben auch, dass der Inhalt wichtiger ist. Es ist nicht die Infrastruktur, nicht die Toiletten, nicht die Bibliotheken, es ist vielmehr das, was tatsächlich in dieser Schule passiert, das wichtiger ist. Eine Lernumgebung zu schaffen, des Erkundens, des Entdeckens, das ist wahre Ausbildung.
Als wir Parikrma begannen, hatten wir keine Ahnung, welchen Weg wir einschlugen. Wir engagierten nicht McKinsey, um einen Geschäftsplan aufzustellen. Doch wir wussten ganz genau, dass was wir heute tun wollen ist, ein Kind nach dem anderen zu nehmen sich nicht in Zahlen zu verlieren, und tatsächlich das Kind den Lebenszyklus abschließen zu sehen uns sein komplettes Potential freizusetzen. Wir glauben nicht an Menge, denn wir glauben an Qualität, und Menge und Zahlen werden automatisch entstehen. Wir haben Firmen, die uns unterstützten, und wir sind jetzt in der Lage, neue Schulen zu eröffnen. Aber wir begannen mit der Idee, ein Kind nach dem anderen.
Dies ist der fünfjährige Parusharam. Er bettelte vor ein paar Jahren an einer Bushaltestelle, wurde aufgegriffen und lebt jetzt in einem Waisenhaus, und kommt sein viereinhalb Monaten zur Schule. Er geht in den Kindergarten. Er hat gelernt, Englisch zu sprechen. Wir haben ein Programm, wodurch Kinder Englisch sprechen und Englisch verstehen in drei Monaten. Er kann uns Geschichten erzählen, auf Englisch, von der durstigen Kuh, vom Krokodil, und von der Giraffe. Und wenn Sie ihn fragen, was er gerne macht, wird er sagen "Ich schlafe gerne. Ich esse gerne. Ich spiele gerne." Und wenn Sie ihn fragen, was er gerne machen möchte, wird er sagen, "Ich möchte gerne herumalbern" Ja, herumalbern ist auf einen Ritt auf einem Pferd warten. Also, Parusharam besucht mich jeden Tag im Büro. Er kommt, um den Bauch gerieben zu bekommen, denn er glaubt, das wird mir Glück bringen.
Als ich Parikrma begonnen habe, startete ich mit einer großen Portion Arroganz die ganze Welt zu verändern. Doch heute bin ich selbst verändert. Ich wurde durch meine Kinder verändert. Ich habe von ihnen so viel gelernt, Liebe, Mitgefühl, Phantasie, und solch eine Kreativität. Parusharam ist Parikrma, mit einem einfachen Anfang, aber einem weiten Weg vor sich. Ich verspreche Ihnen, Parusharam wird in ein paar Jahren bei einer TED-Konfrenz sprechen. Danke schön. (Applaus)
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Die Armen auszubilden ist mehr als nur ein Zahlenspiel, sagt Shukla Bose. Sie erzählt die Geschichte ihrer bahnbrechenden Parikrma Humanity Foundation, die Hoffnung in die Slums Indiens trägt, indem sie hinter die entmutigenden Statistiken blickt und jedes Kind als Individuum behandelt.
Shukla Bose is the founder and head of the Parikrma Humanity Foundation, a nonprofit that runs four extraordinary schools for poor children. Full bio »
Translated into German by Sandra Holtermann
Reviewed by Martina Panzer
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09:32 Posted: Jan 2010
Views 754,398 | Comments 247
12:29 Posted: May 2009
Views 435,762 | Comments 306
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