Vor kurzem wurde ich gefragt, ob ich bei diesen Film mit dem Titel "Elizabeth" Regie führen wolle. Und wir alle sprechen über diese großartige englische Ikone und sagen: "Sie ist eine großartige Frau. Sie tut einfach alles." "Wie werden wir sie vorstellen?" Also haben wir uns mit dem Studio, den Produzenten und dem Drehbuchautoren an einen Tisch gesetzt und sie fragten mich: "Shekhar, was denkst du?"
Und ich sagte: " Ich denke, sie tanzt."
Alle sahen mich an und jemand sagte: "Bollywood."
Ein anderer sagte: "Wie viel werden wir ihm bezahlen?"
Und ein Dritter sagte: "Suchen wir uns einen anderen Regisseur."
Ich dachte, ich hätte bessere Chancen. Also hatten wir eine große Diskussion darüber, wie wir Elisabeth vorstellen würden, und ich sagte, okay, vielleicht steckt zu viel Bollywood in mir. Vielleicht tanzt Elisabeth? Diese große Ikone? Was erzählst du da? Also überdachte ich das Ganze noch einmal und wir kamen alle überein. Und hier nun die Vorstellung dieser großen britischen Ikone Elisabeth I.
Leicester: Darf ich Euch Gesellschaft leisten, Mylady?
Elisabeth: Wenn's Euch beliebt, mein Herr. (Musik)
Shekhar Kapur: Sie tanzte also. Und wieviele Menschen, die den Film sahen, haben nicht verstanden, dass hier eine Frau verliebt und vollkommen unschuldig war und dass sie das Leben genoss und sehr jugendlich war? Und wie viele von Ihnen haben das nicht verstanden? Das ist die Kraft des visuellen Geschichtenerzählens. Das ist die Kraft des Tanzes. Das ist die Kraft der Musik. Die Kraft des Nicht-Wissens.
Wenn ich bei einem Film Regie führe, bereiten wir uns jeden Tag viel zu sehr vor. Wir denken zu viel. Das Wissen hat zu viel Einfluss auf die Lebenserfahrung. Einfache Worte verlieren sich im Treibsand der Erfahrung. Also komme ich ans Set und sage: "Was werde ich heute tun?" Ich werde nicht das tun, was ich geplant hatte, und ich versetze mich selbst in absolute Panik. Das ist meine Methode, meinen Verstand auszuschalten, mein Verstand, der mir sagt: "Hey, du weißt, was du machst. Du weißt genau, was du da machst. Du bist Regisseur und hast das schon jahrelang gemacht." Ich muss mich also soweit bringen, dass ich mich selbst in völlige Panik versetze. Es ist vielmehr eine symbolische Geste. Ich zerreiße das Drehbuch. Ich versetze mich immer mehr selbst in Panik. Ich bekomme Angst. Ich mache es jetzt gerade. Sie können es sehen. Ich werde nervös. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich weiß nicht, was ich tue. Soweit will ich gar nicht denken.
Und wenn ich es doch tue, fragt mein Assistent natürlich: "Sie wissen, was sie tun werden, Sir?" Ich sage: "Natürlich weiß ich es."
Die Leiter des Studios würde sagen: "Hey, schaut euch mal Shekhar an. Er ist wirklich vorbereitet." Und innerlich lausche ich Nusrat Fateh Ali Khan, weil er chaotisch ist. Ich erlaube, dass über mir Chaos hereinbricht, weil ich mir von diesem Chaos erhoffe, dass einige Momente der Wahrheit entstehen werden. Vorbereitung ist zwar gut und schön, aber ich weiß ja gar nicht, ob sie ehrlich oder gar wahrhaftig ist. Die ganze Wahrheit kommt in dem einen Moment zum Vorschein, wird lebendig, und wenn man fünf großartige Momente von dieser Lebendigkeit in die Geschichte einbauen kann, werden die Filmzuschauer es verstehen. Ich suche nach solchen Momenten, und dann stehe ich da und sage: "Ich weiß noch nicht, wie wir es machen werden."
Letztendlich schauen mich alle an, und ich spreche von 200 Leuten um 07:00 Uhr morgens, die um 06:45 Uhr kommen, und ich komme dann um 07:00 Uhr, und jeder sagt: "Was machen wir als erstes? Was wird als nächstes passieren?" Sie versetzen sich selbst in einen Panikzustand, in dem Sie nicht wisse – Sie wissen es also nicht und weil Sie es nicht wissen, beten Sie zum Universum. Sie beten also zum Universum, dass etwa – Ich versuche es auf die Weise wie Einstein – sage ein Gebet – auf seine Gleichungen kam – die gleiche Quelle. Ich suche nach der gleichen Quelle, weil Kreativität immer von der gleichen Quelle kommt, nämlich wenn Sie außerhalb sich selbst meditieren, außerhalb des Universums. Sie suchen nach etwas, das kommt und Sie wie ein Blitz trifft. Aber bis dahin rühren Sie keinen Finger. Also was machen Sie dann?
Kate sagt: "Shekhar, was soll ich tun?"
Und ich sage: "Kate, was willst du tun?" (Gelächter) "Du bist eine großartige Schauspielerin und ich möchte meinen Darstellern die Möglichkeit geben, es selbst herauszufinden. Warum zeigst du mir nicht, was du tun möchtest?" (Schallendes Gelächter) Was mach‘ ich also? Ich versuche, Zeit zu schinden. Ich versuche, Zeit zu schinden.
Das Erste, dass ich über das Geschichtenerzählen gelernt habe und das ich seitdem verfolge, ist Panik. Mit Panik hat man einen großartigen Zugang zu Kreativität, weil dies der einzige Weg ist, den Verstand auszuschalten. Schalten Sie den Verstand einfach aus. Schalten Sie ihn aus, einfach aus. Lassen Sie uns hinaus in das Universum gehen, weil es da draußen etwas gibt, dass wahrhaftiger ist als unser Verstand und wahrhaftiger als unser Universum. [unklar], das haben Sie gestern gesagt. Ich wiederhole es nur, denn das ist es, was ich unentwegt verfolge, irgendwo Shunyata zu finden, die Leere. Aus der Leere heraus kommt ein Moment kreativer Inspiration. Das ist es, was ich mache.
Als ich ein Kind war – so ungefähr acht Jahre alt. Sie erinnern sich bestimmt, wie es damals in Indien war. Es gab keine Luftverschmutzung. Wir wohnten in Dehli – wir nannten es eine chata oder die khota, was jetzt zu einem Schimpfwort geworden ist. Es bedeutet Terrasse – und in der Nacht schliefen wir draußen. Als ich in der Schule das Fach Physik gerade dazu bekam, wurde mir beigebracht, wenn es etwas gibt, das existiert, dann ist es messbar. Wenn es nicht messbar ist, dann existiert es nicht. Nachts lag ich unter unverschmutztem Himmel, so wie es in Delhi damals war, als ich ein Kind war, und ich starrte in das Universum und fragte mich: "Wie weit reicht das Universum?"
Mein Vater war Arzt und ich fragte ihn: "Papa, wie weit reicht das Universum?"
Und er sagte: "Sohn, es ist unendlich."
Also sagte ich: "Bitte miss unendlich, weil in der Schule haben sie mir gesagt, dass etwas nicht existiert, wenn ich es nicht messen kann. Ich kann mir die Größe des Universums einfach nicht vorstellen." Also, wie groß ist die Unendlichkeit? Was bedeutet eigentlich unendlich? Und so weinte ich in der Nacht, weil meine Vorstellungskraft die Kreativität nicht erreichen konnte.
Was habe ich also gemacht? Damals, im zarten Alter von sieben Jahren, erfand ich eine Geschichte. Was war das für eine Geschichte? Ich weiß nicht warum, aber ich erinnere mich immer noch an diese Geschichte. Da ist ein Holzfäller, der seine Axt in die Hand nimmt und ein Holzstück auseinander hackt, und die gesamte Galaxie ist ein Atom in dieser Axt. Wenn die Axt das Holzstück trifft, dann wird alles zerstört und es kommt wieder zum Urknall. Aber davor hat es auch einen Holzfäller gegeben. Und wenn die Geschichte zu Ende war, dann stellte ich mir vor, dass des Holzfällers Universum ein Atom in der Axt eines anderen Holzfällers ist. Also konnte ich die Geschichte immer wieder von Neuem erzählen und überwand dieses Problem, und so überwand ich das eigentliche Problem.
Wie habe ich es also gemacht? Eine Geschichte erzählt. Was ist eine Geschichte? Eine Geschichte ist unser – das sind wir alle. Wir sind die Geschichten, die wir uns erzählen. In diesem Universum, und dieser Existenz, in dem bzw. in der wir leben mit dieser Dualität, ob wir existieren oder nicht und wer wir sind, definieren die Geschichten, die wir uns erzählen, die Möglichkeiten unserer Existenz. Wir sind die Geschichten, die wir uns erzählen. Und auf diese Art und Weise sehen wir die Geschichten. Eine Geschichte ist die Beziehung, die man entwickelt zwischen dem, der man ist oder dem, der man sein könnte, und der weiten Welt, und das ist unsere Mythologie.
Wir erzählen unsere Geschichten, und einen Menschen ohne eine Geschichte gibt es nicht. Einstein erzählte eine Geschichte, verfolgte seine Geschichten und kam auf Theorien. Er kam auf Theorien und dann auf seine Gleichungen. Alexander kannte eine Geschichte, die ihm seine Mutter erzählte, und er ging hinaus, um die Welt zu erobern. Wir alle, jeder von uns hat eine Geschichte, der er folgt. Wir erzählen uns selbst Geschichten. Und ich gehe sogar noch weiter und sage: "Ich erzähle eine Geschichte, also bin ich." Ich existiere, weil es Geschichten gibt. Gäbe es keine Geschichten, würde es uns nicht geben. Wir erfinden Geschichten, um uns unsere Existenz zu erklären. Wenn wir das nicht machen würden, würden wir wahrscheinlich verrückt. Ich weiß nicht. Ich bin nicht sicher, aber das habe ich schon die ganze Zeit getan.
Und im Film? Ein Film erzählt eine Geschichte. Ich frage mich oft, wenn ich ein Film mache – ich denke darüber nach, ein Film über Buddha zu machen – und dann frage ich mich: Was wäre, wenn Budhha all die Dinge gehabt hätte, die einem Regisseur gegeben sind, nämlich Musik, visuelle Umsetzungsmöglichkeiten und eine Videokamera. Wäre der Buddhismus dann besser geworden? Das legt mir jedoch eine Art Bürde auf. Ich muss eine Geschichte auf eine komplexere Art und Weise erzählen, aber ich habe auch die Möglichkeit dazu: den Subtext. Als ich das erste Mal nach Hollywood kam, sagten sie – Ich sprach immer über den Subtext und mein Agent kam zu mir und sagte: "Würdest du bitte nicht über den Subtext reden?" Ich fragte: "Warum?" Und er sagte: "Weil dir niemand einen Job gibt, wenn du über Subtext redest. Erzähl einfach nur etwas über den Plot und sage, wie großartig der Film werden wird und wie die Bilder aussehen werden."
Wenn ich die Geschichte eines Films betrachte suchen wir nach folgenden Dingen: Wir suchen in der Geschichte die Handlungsebene, wir suchen in der Geschichte die psychologische Ebene, dann suchen wir in der Geschichte die politische Ebene und wir suchen in der Geschichte die mythologische Ebene. Und ich versuche Geschichten auf allen Ebenen zu sehen. Es ist nicht notwendig, dass diese Geschichten miteinander übereinstimmen. Das ist ja das Wundervolle, denn oft stehen die Geschichten im Widerspruch zueinander. Wenn ich mit dem großartigen Musiker A. R. Rahman zusammenarbeite, sage ich ihm oft: "Folge nicht dem, was schon im Drehbuch steht. Finde das, was nicht darin steht. Finde die Wahrheit für dich selbst und wenn du sie für dich gefunden hast, dann wird es die Wahrheit sein, auch wenn sie der Handlung widerspricht, aber mach dir keine Sorgen."
Das Sequel zu "Elizabeth" ist "Elizabeth – Das goldene Königreich". Als ich das Sequel gemacht habe, war dies die Geschichte des Drehbuchautors: Eine Frau, die von Philip II. bedroht wurde und in den Krieg zog, verliebte sich in Walter Raleigh. Weil sie sich in Walter Raleigh verliebte, vergaß sie, dass sie Königin war. Dann verliebte sich Walter Raleigh in ihre Zofe und sie musste sich entscheiden, ob sie Königin war, die in den Krieg zog, oder ob sie …
Nun die Geschichte, die ich erzählte. Da waren die Götter und da waren zwei Menschen: Philip II., der göttlich war, weil er immer betete, und Elisabeth, die göttlich war, es aber auch nicht war, weil sie dachte, sie wäre göttlich, jedoch floss menschliches Blut in ihr. Aber einer der beiden göttlichen war ungerecht und so sagten sich die Götter: "Wir müssen dem Gerechten helfen." Also halfen Sie dem Gerechten. Also was taten sie? Sie schickten ihr Walter Raleigh, um ihren menschlichen Teil von ihrem göttlichen Teil zu trennen. Der menschliche Teil war die Frau, die Walter Raleigh geschickt wurde, und allmählich trennte er sie. Nun war sie frei, um göttlich zu sein. Also bekämpften sich die Göttlichen und die Götter waren selbstverständlich auf der Seite des Göttlichen.
Natürlich war die ganze englische Presse bestürzt. Sie sagten: "Wir haben die Armada gewonnen."
Aber ich entgegnete: "Der Sturm hat die Armada gewonnen. Die Götter haben ihn geschickt."
Was habe ich also gemacht? Ich habe versucht, den mythischen Grund zu finden, um den Film zu machen. Als ich Kate Blanchett fragte: "Worüber handelt der Film?", sagte sie wie selbstverständlich: "Der Film handelt über eine Frau, die sich mit dem Älterwerden auseinandersetzt." Die psychologische Ebene. Der Drehbuchautor sagte, dass es um die Geschichte gehe, die Handlungsebene. Und ich sage, es handelt von den Göttern, die mythologische Ebene.
Lassen sie mich Ihnen nun einen Film zeigen – einen Filmausschnitt – und auch wie die Kamera – das ist die Szene, in der sie meiner Meinung nach am Abgrund des menschlichen Daseins ist. Ihr wurde nun bewusst, was Menschsein wirklich bedeutet, und wenn sie am Abgrund des menschlichen Daseins ist, was eigentlich passiert. Ihr wurden auch die Gefahren des menschlichen Daseins bewusst und dass sie sich deshalb vom menschlichen Dasein lossagen muss. Denken Sie daran, im Film sind Elisabeth und ihre Zofe für mich Teil ein und desselben Körpers, die eine ist der menschliche Teil und die andere der göttliche.
Können wir den zweiten Ausschnitt sehen?
Elisabeth: Bess? Bess? Bess Throckmorton?
Elisabeth: Sag mir, ist es wahr? Erwartest du ein Kind? Erwartest du ein Kind?
Elisabeth: Du Verräterin. Du wagst es, mir etwas zu verheimlichen? Du hast mich um Erlaubnis zu bitten, bevor du läufig wirst! Bevor du dich fortpflanzt! Meine Hündinnen tragen meine Halsbänder. Hast du verstanden? Hast du verstanden?
Walsingham: Majestät! Bitte! Haltung. Mitleid.
Elisabeth: Ein schlechter Zeitpunkt für Mitleid, Walsingham! Geht Ihr zu Eurem verräterischen Bruder und überlasst das mir. Ist es seins? Sag es mir. Nun sag schon! Ist es sein Kind? Ist es seins?
Bess: Ja. Mylady. Es ist meines Gemahls Kind. Elisabeth: Du Hure! (Weint)
Raleigh: Majestät! Dies ist nicht die Königin, die ich liebe und der ich diene.
Elisabeth: Dieser Mann hat ein Mündel der Königin verführt. Und sie hat sich ohne königliche Erlaubnis vermählt. Diese Vergehen stehen unter Strafe! Ergreift ihn! Los! Du stehst nicht länger unter dem Schutz der Königin.
Bess: Wie Ihr wünscht, Majestät.
Elisabeth: Scher dich raus! Scher dich raus! Scher dich raus! Scher dich raus.
Shekhar Kapur: Was versuche ich hier also zu tun? Elisabeth wird langsam alles bewusst, und sie wird konfrontiert mit ihrer eigenen Eifersucht, mit ihrem Dasein als Mensch. Und was ist mit der Architektur? Auch die Architektur erzählt eine Geschichte. Sie erzählt, dass, obwohl Elisabeth die mächtigste Frau der Welt zu dieser Zeit ist, es etwas Mächtigeres gibt: die Architektur. Die Steine sind mächtiger als sie, weil sie zur unbelebten Natur zählen. Sie werden sie überleben. Das sagt Ihnen und auch mir, dass Steine ein Teil ihres Schicksals sind. Nicht nur das – warum blickt die Kamera von oben auf sie herunter? Sie blickt auf sie herunter, weil sie in der Tiefe ist. Sie ist ganz in der Tiefe ihres menschlichen Daseins. An dieser Stelle muss sie sich selbst aus der Tiefe des menschlichen Daseins hochziehen, ankommen und ihren Geist freisetzen. Meiner Meinung nach sind Elisabeth und Bess in diesem Moment ein und dieselbe Person. Aber in diesem Moment beseitigt sie selbst wie bei einer Operation ihre andere Hälfte. Der Film bedient sich in dieser Szene vieler verschiedener Ebenen. Es ist die Art und Weise, wie wir Geschichten mit Bildern, Musik und Schauspielern erzählen, und auf jeder Ebene ergibt sich ein anderer Sinn und manchmal stehen sie im Widerspruch zueinander. Aber wie fängt das alles an? Was ist der Prozess des Geschichtenerzählens?
Vor ungefähr zehn Jahren hörte ich etwas von einem Politiker, der in Indien nicht so gut angesehen war. Aber er sagte, dass die Menschen in den Städten mit einem Mal so viel Wasser verbräuchten, so viel wie die Menschen in den ländlichen Gegenden in zwei Tagen nicht bekämen. Da hatte er einen Nerv getroffen, aber ich sagte: "Er hat recht." Ich ging einen Freund von mir besuchen und er ließ mich warten in seinem Appartment in Malabar Hill in der 20. Etage, eine wirklich sehr reiche Gegend in Mumbai. Er nahm eine 20-minütige Dusche. Mir wurde langweilig, also ging ich, und als ich den reichen Stadtteil verließ und an den Slums von Mumbai vorbeifuhr, was man immer muss, sah ich Frauen und Kinder mit Wassereimern, die in der heißen Mittagssonne in langen Schlangen warteten, bis der Wassertank kam und sie Wasser bekamen. Eine Idee begann sich in meinem Kopf zu entwickeln. Und wie wird daraus nun eine Geschichte? Plötzlich wurde mir bewusst, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern.
Mein nächster Film heißt "Paani", was Wasser bedeutet. Und jetzt beginne ich, aus der Mythologie heraus eine Welt zu schaffen. Welche Art Welt schaffe ich und woher kommt die Idee für den Entwurf? Ich stelle mir vor, dass sie in der Zukunft damit beginnen, Straßenüberführungen zu bauen. Verstehen Sie, was ich damit meine? Ja? Sie beginnen damit, Straßenüberführungen zu bauen, um schneller von A nach B zu kommen, aber eigentlich gehen sie von einer reichen Gegend zur nächsten reichen Gegend. Und dann schaffen sie eine Stadt, die sich oberhalb der Straßenüberführungen befindet. Die reichen Leute ziehen in die "obere" Stadt und lassen die armen Leute in der "unteren" Stadt zurück. Ungefähr zehn bis zwölf Prozent der Menschen ziehen in die "obere" Stadt.
Aber woher kommt die Idee von der "oberen" und der "unteren" Stadt? Es gibt eine mythische Überlieferung in Indien über – die besagt – ich sage es in Hindi [Hindi] Aber was bedeudet das? Es bedeutet, dass die Reichen immer auf den Schultern sitzen und auf den Schultern der Armen überleben. Und von dieser Überlieferung kam die Idee von der "oberen" und der "unteren" Stadt. Nun ist der Entwurf eine Geschichte.
Aber bald reißen die Einwohner der "oberen" Stadt das ganze Wasser an sich. Erinnern Sie sich daran, dass ich das Wort "an sich reißen" benutzt habe. Sie reißen das ganze Wasser an sich, behalten es für sich und lassen nur wenige Tropfen hinab. Und wenn es irgendeinen Aufstand gibt, dann drehen sie den Wasserhahn zu. Und weil die Demokratie immer noch existiert, gibt es eine demokratische Lösung, die wie folgt aussieht: Wenn ihr uns gebt, was [wir wollen], dann geben wir euch Wasser.
Okay, meine Zeit ist um. Ich kann noch viel mehr darüber erzählen, wie wir Geschichten entstehen lassen, und wie Geschichten im Grunde das sind, was und wer wir sind und wie diese in verschiedene Disziplinen, wie z. B. Film, mein Tätigkeitsbereich, übertragen werden. Zuletzt noch: Was ist eigentlich eine Geschichte? Sie ist ein Widerspruch. Alles ist ein Widerspruch. Das Universum ist ein Widerspruch. Jeder von uns sucht ständig nach Harmonie. Wenn Sie aufstehen, ist Nacht und Tag ein Widerspruch. Aber Sie stehen um vier Uhr morgens auf und das erste Anzeichen von blau ist der Moment, in dem Nacht und Tag versuchen, miteinander zu harmonieren. Harmonie ist wie die Noten, die Mozart uns nicht gegeben hat, aber irgendwie suggeriert der Widerspruch der Noten, die er uns gegeben hat, diese Harmonie. Alle Widersprüche seiner Noten suggerieren Harmonie. Es ist die Art und Weise, im Widerspruch nach Harmonie zu suchen, die im Kopf des Dichters existiert. Ein Widerspruch, den es im Kopf des Geschichtenerzählers gibt. Im Kopf des Geschichtenerzählers existiert ein Widerspruch der Moralitäten; in dem des Dichters ein Konflikt der Wörter; im Universum ein Widerspruch zwischen Tag und Nacht. In den Köpfen eines Mannes und einer Frau sehen wir immer nur den Unterschied zwischen männlich und weiblich. Aber eigentlich suchen wir nach gegenseitiger Harmonie.
Die eigentliche Idee des Widerspruches ist, wenn man ihn akzeptiert, eine Geschichte zu erzählen und nicht den Widerspruch aufzulösen. Das Problem mit den Geschichten in Hollywoodfilmen und anderen Filmen ist, das versucht wird, den Widerspruch aufzulösen. Harmonie bedeutet nicht Auflösung. Harmonie ist etwas, das viel größer als Auflösung ist. Harmonie ist etwas, dass allumfassend und universell ist und von Ewigkeit ist sowie vom Moment. Auflösung ist etwas, das sehr beschränkt ist. Sie ist endlich. Harmonie ist unendlich. Geschichtenerzählen sucht wie alle anderen Widersprüche im Universum nach Harmonie und Unendlichkeit in moralischen Auflösungen; einen auflösen, um einen anderen zu beseitigen, einen anderen zu beseitigen und eine Frage aufzubringen, die von eigentlicher Bedeutung ist.
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Woher kommt kreative Inspiration? Bei TEDIndia erzählt Hollywood und Bollywood Regisseur Shekhar Kapur („Elizabeth“, „Mr. India“) ausführlich von der Quelle seiner kreativen Inspiration: völlige, absolute Panik. Er zeigt, wie man auf beeindruckende Art und Weise den Geschichtenerzähler in sich hervorholt.
Shekhar Kapur is a visionary filmmaker and storyteller who works at the intersection of art, myth and activism. Full bio »
Translated into German by Nadine Hennig
Reviewed by Valentina Wellbrock
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19:28 Posted: Feb 2009
Views 5,333,108 | Comments 1182
27:58 Posted: Nov 2008
Views 909,808 | Comments 99
14:16 Posted: Nov 2008
Views 286,821 | Comments 65
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