Heute werde ich Sie in 18 Minuten einmal um die Welt führen. Meine Ausgangsbasis ist in den USA. Aber beginnen wir doch auf der anderen Seite der Karte, in Kyoto, Japan wo ich bei einer japanischen Familie gewohnt habe als ich dort vor 15 Jahren Forschung für Teile meiner Dissertation betrieb. Ich war mir damals bewußt, daß ich mit kulturellen Unterschieden und Mißverständnissen konfrontiert würde, aber sie tauchten dort auf, wo ich sie nicht erwartet hätte.
An meinem ersten Tag ging ich in ein Restaurant und bestellte eine Tasse grünen Tee mit Zucker. Nach einer Pause sagte der Kellner: "Man trinkt grünen Tee nicht mit Zucker." "Ich weiß," sagte ich. "Ich kenne diese Tradition. Aber ich trinke meinen Tee wirklich gerne süß." Als Antwort gab er mir eine noch höflichere Version der selben Erklärung. "Man trinkt grünen Tee nicht mit Zucker." "Ich verstehe," sagte ich, "daß die Japaner ihren grünen Tee nicht mit Zucker trinken. Aber ich würde gerne etwas Zucker in meinem grünen Tee haben." (Gelächter) Von meiner Beharrlichkeit überrascht beriet sich der Kellner mit seinem Vorgesetzten. Ziemlich schnell entwickelte sich eine längere Diskussion an deren Ende der Vorgesetzte zu mir kam und mir sagte: "Es tut mir sehr leid. Wir haben keinen Zucker." (Gelächter) Nun, weil ich meinen Tee nicht haben konnte wie ich ihn wollte, bestellte ich mir eine Tasse Kaffee, die der Kellner zügig servierte. Auf der Untertasse lagen zwei Tütchen Zucker.
Meine Unfähigkeit, eine Tasse süßen grünen Tee zu bestellen lag nicht an einem einfachen Mißverständnis. Hier gab es einen fundamentalen Unterschied in unseren Vorstellungen von Entscheidungsmöglichkeiten. Aus meiner amerikanischen Perspektive hat eine zahlende Kundin, wenn sie aufgrund ihrer Vorlieben einen vertretbaren Wunsch äußert, jedes Recht, diesen Wunsch erfüllt zu bekommen. Amerikaner haben es gerne auf ihre Art, um den Burger-King-Slogan zu zitieren: "have it your way". Denn, wie Starbucks sagt: "happiness is in your choices." (Gelächter) Doch aus der japanischen Perspektive ist es ihre Pflicht, die, die es nicht besser wissen zu schützen -- (Gelächter) in diesem Fall, die ignorante Ausländerin -- davor zu bewahren, die falsche Wahl zu treffen. Seien wir ehrlich: die Art, wie ich meinen Tee wollte war nach kulturellen Standards unpassend und sie taten ihr bestes, mein Gesicht zu bewahren.
Amerikaner neigen dazu zu glauben, daß sie in der Art, wie sie Entscheidungen treffen eine Art Perfektion erreicht haben. Sie denken, daß Auswahlmöglichkeiten, durch die amerikanische Linse betrachtet, am besten ein angeborenes und universelles Verlangen in allen Menschen stillen. Leider basiert dieser Glaube auf Annahmen, die sich in vielen Ländern, in vielen Kulturen nicht immer als zutreffend herausstellen. Manchmal treffen sie noch nicht einmal innerhalb der amerikanischen Grenzen zu. Ich würde gerne einige dieser Annahmen und die damit assoziierten Probleme ansprechen. Ich hoffe, daß dies Sie dazu anregt, über einige Ihrer eigenen Annahmen nachzudenken und darüber, wie sie von Ihrem Hintergrund beeinflußt wurden.
Erste Annahme: Wenn eine Entscheidung Sie betrifft, sollten Sie auch derjenige sein, der sie trifft. Dies ist der einzige Weg sicherzustellen, daß Ihre Vorlieben und Interessen bestmöglich eingebracht werden. Es ist ein Erfolgskriterium. In Amerika ist der primäre Sitz von Entscheidungen das Individuum. Menschen müssen für sich selbst entscheiden und auf eigene Faust agieren, egal was andere Menschen wollen oder raten. Man nennt es "sich selbst treu bleiben." Aber profitieren alle Individuen davon, Entscheidungen so entgegenzutreten? Mark Lipper und ich haben in einer Serie von Studien versucht, genau diese Frage zu beantworten. In einer Studie, die wir in Japantown, San Francisco, durchführten, haben wir sieben- bis neunjährige Kinder von Angloamerikanischer und Asiatischer Herkunft ins Labor geholt und sie in drei Gruppen aufgeteilt.
Die erste Gruppe kam herein, und wurde von Miss Smith begrüßt, die den Kindern sechs große Haufen von Anagrammpuzzles zeigte. Die Kinder durften sich aussuchen, welche Anagramme sie gerne machen wollten. Und sie durften sich sogar aussuchen, welchen Stift sie für ihre Antworten benutzen würden. Als die zweite Gruppe von Kindern hereinkam, wurden sie in denselben Raum gebracht und man zeigte ihnen dieselben Anagramme, doch diesmal sagte ihnen Miss Smith welche Anagramme sie bearbeiten sollten und mit welchen Stiften sie antworten sollten. Als die dritte Gruppe hereinkam, hat man ihnen gesagt, daß ihre Anagramme und ihre Stifte von ihren Müttern ausgewählt worden wären. (Gelächter) In Wahrheit haben die Kinder denen gesagt wurde, was zu tun war, egal ob von Miss Smith oder von ihren Müttern, die gleiche Aufgabe durchgeführt, die ihre Gegenstücke in der ersten Gruppe frei ausgewählt hatten.
So konnten wir sicherstellen, daß die Kinder in allen drei Gruppen die gleiche Aufgabe ausführten, was es für uns leichter machte, Leistungen zu vergleichen. Solch kleine Unterschiede in der Art, wie die Tätigkeit eingefädelt wurde, haben verblüffende Unterschiede zwischen Leistungen ergeben. Angloamerikaner haben zweieinhalb mal mehr Anagramme gelöst wenn sie sie selbst aussuchen durften als wenn die Anagramme von Miss Smith oder ihren Müttern für sie ausgewählt wurden. Es machte keinen Unterschied, wer die Entscheidung traf wenn die Aufgabe von jemand anders diktiert wurde, litt darunter ihre Leistung. Tatsächlich waren einige der Kinder peinlich berührt als man ihnen sagte, daß ihre Mütter konsultiert wurden. (Gelächter) Ein Mädchen namens Mary sagte: "Sie haben meine Mutter gefragt?"
Im Gegensatz dazu, haben Kinder asiatischer Herkunft die beste Leistung erbracht, wenn sie glaubten, daß ihre Mütter die Entscheidung getroffen hätten, die zweitbeste wenn sie selbst entscheiden durften, und die schlechteste wenn Miss Smith entschied. Ein Mädchen namens Natsumi ging sogar beim herausgehen auf Miss Smith zu, zupfte an ihrem Rock und bat: "Könnten Sie bitte meiner Mami sagen, daß ich es gemacht habe wie sie gesagt hat?" Die Kinder der ersten Generation waren noch stark davon beeinflußt, was ihre Eltern, Immigranten, von Entscheidungen hielten. Für sie war Entscheidung nicht nur eine Art, Individualität zu definieren und zu bekräftigen, sondern ein Weg, Gemeinschaftlichkeit und Harmonie zu erzeugen indem man den Entscheidungen von vertrauten und respektierten Leuten entsprach. Wenn sie ein Konzept davon hatten, sich selbst treu zu sein, so wurde dieses "Selbst" sehr wahrscheinlich nicht von einem Individuum dargestellt sondern von einem Kollektiv. Erfolg hing genauso sehr davon ab, Schlüsselfiguren zu imponieren wie davon, die eigenen Vorlieben zu befriedigen. Man könnte auch sagen, daß die Vorlieben des Individuums von denen gewisser anderer Individuen beeinflußt wurden.
Die Annahme, daß wir immer dann am besten sind wenn das Individuum selbst wählt trifft nur dann zu wenn dieses Individuum klar von anderen abgegrenzt ist. Wenn allerdings zwei oder mehr Individuen ihre Entscheidungen und deren Ergebnisse als eng miteinander verbunden erachten, so können sie ihren Erfolg gegenseitig verstärken indem sie Entscheidungsfindung in einen kollektiven Akt umwandeln. Darauf zu beharren, daß sie unabhängig voneinander entscheiden, kann tatsächlich sowohl ihre Leistung als auch ihre Beziehungen beschädigen. Dennoch ist es genau das, was das amerikanische Denkmuster verlangt. Es läßt wenig Raum für Wechselbeziehungen oder die Anerkennung individueller Fehleinschätzungen. Es setzt voraus, daß jeder Entscheidungen als private und selbstdefinierende Tat ansieht. Menschen, die in einem solchen Denkmuster aufgewachsen sind mögen das motivierend finden. Aber es ist ein Fehler anzunehmen, daß jeder unter dem Druck Entscheidungen alleine zu treffen aufblüht.
Die zweite Annahme, die die Amerikanische Sichtweise auf Entscheidungen prägt, lautet in etwa so: Je mehr Auswahlmöglichkeiten Sie haben, desto wahrscheinlicher werden Sie die beste Entscheidung treffen. Also immer her mit Walmart und 100.000 unterschiedlichen Produkten, Amazon mit 27 Millionen Büchern und Match.com mit -- wieviele sind es? -- jetzt 15 Millionen Partnermöglichkeiten. Sie werden sicher den perfekten Partner finden. Lassen Sie uns diese Annahme testen indem wir rüber nach Osteuropa reisen. Hier habe ich Menschen interviewt, die Bewohner der früheren kommunistischen Länder waren und die alle vor der Herausforderung standen sich in einer demokratischeren und kapitalistischen Gesellschaft zurecht zu finden. Eine der interessantesten Erkenntnis kam nicht von der Antwort zu einer Frage, sondern aus einer einfachen Geste der Gastfreundschaft. Als die Teilnehmer für ihr Interview eintrafen, bot ich Ihnen eine Reihe an Getränken an Coke, Diet Coke, Sprite -- sieben Stück um genau zu sein.
Während unserer allerersten Veranstaltung, die in Russland stattfand, machte einer der Teilnehmer eine Bemerkung, die mich vollkommen überrascht hat. "Oh, aber das macht keinen Unterschied. Es ist alles bloß Limonade. Das ist nur eine Auswahlmöglichkeit." (Raunen) Dieser Kommentar hat mich so beeindruckt, daß ich von da an angefangen habe, allen Teilnehmern diese sieben Getränke anzubieten. Und ich fragte sie, " Wieviele Auswahlmöglichkeiten sind hier?" Immer und immer wieder, haben sie diese sieben unterschiedlichen Getränke nicht als sieben Auswahlmöglichkeiten, sondern als eine wahrgenommen: Limonade oder keine Limonade. Als ich Saft und Wasser neben den sieben Getränken hingestellt habe haben sie jetzt nur drei Möglichkeiten gesehen. Saft, Wasser und Limonade. Vergleichen Sie dies zu der eingefleischten Vorliebe vieler Amerikaner nicht nur zu eine bestimmten Geschmacksrichtung von Limonade sondern sogar zu einer bestimmten Marke. Sie wissen, Nachforschungen haben wiederholt gezeigt, daß wir wirklichen nicht den Unterschied zwischen Coca Cola und Pepsi feststellen können. Natürlich wissen Sie und ich, daß Coca Cola die bessere Wahl ist.
Für moderne Amerikaner, die mehr Optionen und mehr Werbung zu diesen Optionen ausgesetzt sind, als irgendjemand sonst auf der Welt, ist die Möglichkeit der Entscheidung genauso darüber wer sie sind wie darüber welches Produkt es ist. Verbinden Sie dies mit der Annahme, daß mehr Auswahl immer besser ist, und sie haben eine Gruppe an Menschen für die kleine Unterschiede eine Bedeutung haben und bei denen dann jede Entscheidung Bedeutung hat. Aber für die Osteuropäer war die plötzliche Verfügbarkeit von all diesen Konsumprodukten auf dem Markt wie eine Sintflut. Sie wurden überflutet mit Auswahlmöglichkeiten bevor sie protestieren konnten, daß sie gar nicht schwimmen können. Als wir sie fragten, " Welche Worte und Bilder assoziieren Sie mit Auswahlmölichkeiten?" sagte Grzegorz aus Warschau, "Ah, für mich ist es Angst. Sehen Sie da sind einige Dilemmas. Ich bin es gewohnt keine Möglichkeiten zu haben." Bohdan aus Kiew sagte als Antwort darauf we er sich mit dem neuen Konsum Angebot fühlt, "Es ist zu viel. Wir brauchen nicht alles was da ist." Ein Soziologe der Warschauer Statistikbehörde erklärte, "Die ältere Generation hatte nichts und dann plötzlich Auswahlmöglichkeiten überall. Ihnen wurde nie die Chance gegeben zu lernen wie man darauf reagiert." Und Tomasz, ein junger polnischer Mann sagte, "Ich brauche nicht zwanzig Varianten von Kaugummi. Ich möche damit nicht sagen, daß ich keine Auswahl will aber einige der Auswahlmöglichkeiten sind ziemlich konstruiert."
In Wirklichkeit, sind viele Auswahlmöglichkeiten zwischen Dingen, die gar nicht so unterschiedlich sind. Der Wert von Auswahlmöglichkeiten hängt von unserer Fähigkeit Unterschiede zwischen den Optionen wahrzunehmen ab. Amerikaner trainieren hier ganzes Leben das Spiel "Finde den Unterschied". Sie üben dies von einem derart frühen Alter an, daß sie glauben mit dieser Fähigkeit müssen sie geboren sein. Tatsache ist, obwohl alle Menschen ein grundlegendes Bedürfnis und einen Wunsch nach Auswahl teilen, sehen wir nicht alle Auswahlmöglichkeiten bei den gleichen Dingen oder in dem selben Ausmaß. Wenn jemand nicht erkennen kann wie eine Alternative anders ist als eine andere oder wenn es zu viele Alternativen zum vergleichen oder abgrenzen gibt, kann der Prozess der Entscheidung verwirrend oder frustrierend sein. Anstelle des Treffens besserer Entscheidungen, werden wir von der Auswahl überwältigt manchmal macht sie uns sogar Angst. Auswahl bietet dann keine Gelegenheit mehr sondern legt Beschränkungen auf. Sie ist kein Hinweis auf Freiheit sondern auf Erstickung an unbedeutenden Details Mit anderen Worten, Auswahl kann sich in das genaue Gegenteil von allem was es in Amerika repräsentiert verwandeln, wenn es denen aufgedrückt wird, die unzureichend darauf vorbereitet sind. Aber es sind nicht nur die anderen Menschen an anderen Orten die dieses Gefühl von Druck durch immer mehr Auswahlmöglichkeiten empfinden. Die Amerikaner selbst entdecken, daß unbegrenzte Auswahlmöglichkeiten in der Theorie attraktiver scheinen als in der Praxis.
Wir alle haben körperliche, gedankliche und emotionale Limits, die es uns unmöglich machen jede einzelne Auswahlmöglichkeit zu verarbeiten, der wir begegnen. sogar im Supermarkt, ganz abgesehen im Verlauf unseres ganzen Lebens. Eine Reihe meiner Studien haben gezeigt, daß wenn man Menschen 10 oder mehr Alternativen gibt, wenn sie eine Auswahl treffen, dann treffen sie schlechtere Entscheidungen, unabhängig ob es sich um Gesundheitspflege, Geldanlage oder andere wichtige Bereiche handelt. Und doch, viele von uns glauben, daß wir alle unsere eigenen Entscheidungen treffen sollten und sogar nach noch mehr von ihnen suchen.
Dies führt mich zur dritten und vielleicht problematischsten Annahme: "Sie dürfen nie Nein zu einer Wahlmöglichkeit sagen." Um dies zu untersuchen, lassen Sie uns zurück in die USA gehen und dann über den großen Teich nach Frankreich hüpfen. Direkt außerhalb von Chicago, war ein junges Paar, Susan und Daniel Mitchell, kurz davor ihr erstes Baby zu bekommen. Sie hatten sich sogar schon einen Namen für sie ausgesucht, Barbara, nach ihrer Großmutter. Eines nachts, als Susan im siebten Monat war, begann sie Wehen zu fühlen und wurde in die Notaufnahme gefahren. Das Baby wurde durch einen Kaiserschnitt entbunden, aber Barbara litt unter zerebralen Anoxie, dem Verlust von Sauerstoff für das Gehirn. Unfähig selbständig zu atmen, wurde sie an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Zwei Tage später, stellten die Ärzte die Mitchells vor die Wahl. Sie konnten Barbara entweder von den lebenserhaltenden Systemen abnehmen, in welchem Fall sie innerhalb von Stunden sterben würde, oder sie könnten sie an den lebenserhaltenden System lassen, in welchem Fall sie vielleicht trotzdem innerhalb von ein paar Tagen sterben würde. Falls sie überleben würde, würde sie dauerhaft im Wachkoma bleiben, niemals in der Lage sein zu gehen, zu sprechen oder sich mit anderen auszutauschen. Was haben sie getan? Was würde jedes andere Elternteil tun?
In einer Studie, die ich mit Simona Botti und Kristina Orfalli durchführte, wurden amerikanische und französische Eltern befragt. Sie hatten alle die gleiche Tragödie durchlitten. In allen Fällen wurden die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet und die Kinder sind gestorben. Aber es gab einen großen Unterschied. In Frankreich entschieden die Ärzte ob und wann die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet würden während in den USA die endgültige Entscheidung bei den Eltern verblieb. Wir fragten uns: hat dies eine Auswirkung darauf wie die Eltern mit dem Verlust ihrer Lieben umgehen? Wir stellten fest, daß es das tat. Sogar bis zu einem Jahr danach war es wahrscheinlicher, daß amerikanische Eltern eher negative Gefühle ausdrückten als ihre französichen Entsprechungen. Französiche Eltern würden eher Dinge sagen wie, "Noah war nur für so kurze Zeit hier, aber er hat uns soviel gelehrt. Er gab uns eine neue Sichtweise auf das Leben."
Amerikanische Eltern würden eher Dinge sagen wie, "Was wäre wenn? Was wäre wenn?" Ein anderes Elternteil klagte, "Ich fühle mich als ob ich aus purer Absicht gefoltert wurde. Wie haben sie mich dazu gebracht das zu tun?" Und ein anderes Elternteil sagte, "Ich fühle mich als ob ich eine Rolle in einer Exekution gehabt hätte." Aber als amerikanische Eltern gefragt wurden, ob sie es lieber gehabt hätten, wenn die Ärzte die Entscheidung gefällt hätten, sagten sie alle, "Nein." Sie konnten sich nicht vorstellen die Entscheidung jemandem anders zu überlassen, obwohl das Fällen dieser Entscheidung ihnen das Gefühl gab in einer Falle zu sitzen und sie sich schuldig oder wütend fühlten. In einer Reihe von Fällen waren sie sogar klinisch depressiv. Diese Eltern konnten es nicht in Erwägung ziehen die Entscheidung abzugeben, weil es gegenteilig zu allem gewesen wäre was man ihnen beigebracht hatte und gegen alles was sie über Macht und den Sinn und Zweck von Wahlmöglichkeiten glaubten.
In ihrem Werk, "Das weiße Album", schreibt Joan Didion, "Wir erzählen uns selbst Geschichten um zu leben. Wir interpretieren was wir sehen wählen die funktionsfähigste aus den multiplen Auswahlmöglichkeiten. Wir leben gänzlich mit der Belastung einer erzählenden Zeitachse, basierend auf ungleichen Bildern mit der Vorstellung mit der wir gelernt haben die sich verändernden Trugbilder festzuhalten, die unsere eigentliche Erfahrung sind." Die Geschichte, die Amerikaner erzählen, die Geschichte auf der der amerikanische Traum basiert, ist die Geschichte unbegrenzter Auswahlmöglichkeiten. Die Geschichte verspricht so viel: Freiheit, Glück, Erfolg. Sie legt Ihnen die Welt zu Füßen und sagt, "Sie können alle jedes und alles haben." Es ist eine großartige Geschichte und es ist verständlich warum sie sich sträuben würden sie zu überarbeiten. Aber wenn Sie genauer hinsehen, dann beginnen Sie die Lücken zu sehen und Sie beginnen zu sehen, daß die Geschichte in vielen anderen Varianten erzählt werden kann.
Amerikaner haben so oft versucht ihre Idee von Auswahl zu verbreiten, in dem Glauben, daß sie mit offenen Herzen und Gedanken willkommen geheißen werden oder sollten. Aber die Geschichtsbücher und die täglichen Nachrichten sagen uns, daß es nicht immer in dieser Art funktioniert. Das Trugbild, die tatsächliche Erfahrung, die wir versuchen zu verstehen und durch unsere Erzählungen zu organisieren, variieren von Ort zu Ort. Keine einzelne Erzählung erfüllt die Bedürfnisse von allen an allen Orten. Darüberhinaus, könnten die Amerikaner selbst davon profitieren wenn sie neue Perspektiven in ihre eigene Erzählung einbeziehen, die so lange von den Auswahlmöglichkeiten bestimmt wurde.
Robert Frost sagte einmal folgendes, "Es ist Poesie, die beim Übersetzen verloren geht." Das legt nahe, daß was immer schön und bewegend ist, daß was immer uns eine neue Sichtweise vermittelt, nicht an die kommuniziert werden kann, die eine andere Sprache sprechen. Aber Joseph Brodsky sagte, "Es ist Poesie, die beim Übersetzen gewonnen wird." und legt nahe, daß Übersetzen ein kreativer gestaltender Akt sein kann. In Bezug auf Entscheidungen, haben wir bei Weitem mehr zu gewinnen als zu verlieren wenn wir uns bemühen die vielen Geschichten zu übersetzen. Anstatt eine Geschichte mit einer anderen zu ersetzen, können wir davon lernen und in den vielen Versionen, die existieren und den vielen die noch geschrieben werden müssen zu schwelgen. Egal wo wir herkommen und was unsere Geschichte ist, haben wir alle die Verantwortung uns weiteren Perspektiven bezüglich was Auswahlmöglichkeiten bedeuten und was sie repräsentieren zu öffnen. Und das führt nicht zu einem lähmendem moralischem Relativismus. Viel mehr, lehrt es uns wann und wie wir handeln. Es bringt uns viel näher zur Realisation des vollen Potenzial von Auswahl, zur Inspiration von Hoffnung und dem Erreichen von Freiheit das Auswahlmöglichkeiten versprechen aber nicht immer bieten. Wenn wir lernen miteinander zu reden, selbst durch Übersetzungen, dann können wir beginnen Auswahlmöglichkeiten in all ihrer Fremdartigkeit, Komplexität und überwältigenden Schönheit zu sehen.
Bruno Giussani: Vielen Dank. Sheena, es gibt da ein Detail in ihrem Lebenslauf über das wir im Programmheft nicht geschrieben haben. Aber das jetzt offensichtlich ist für jeden hier im Raum. Sie sind blind. Und ich vermute, dass eine der Frage, die in allen Köpfen ist, ist: Wie beeinflußt das Ihre Untersuchungen über das Auswählen, weil das eine Tätigkeit ist, die für die meisten Menschen verbunden ist mit visullen Eindrücken wie Ästhetik und Farbe und so weiter?
Sheena Iyengar: Nun, es ist lustig, daß Sie fragen, denn eins von den Dingen, die interessant sind, wenn man blind ist, ist das man tatsächlich eine unterschiedlichen Blickwinkel bekommt, wenn man beobachtet in welcher Weise sehende Menschen ihre Auswahl treffen. Und wie Sie gerade erwähnten, gibt es heutzutage eine ganze Menge von Auswahlmöglichkeiten, die sehr visuell sind. Ja, ich -- wie Sie erwarten würden -- bekomme ziemlich frustiert beim Auswählen wie z.B. welchen Nagellack ich auftragen soll, weil ich mich darauf verlassen muss, was andere Menschen vorschlagen. Und ich nicht entscheiden kann. Und so war ich einmal in einem Schönheitssalon und ich versuchte mich zwischen sehr leichten Nuancen von Pink zu entscheiden. Und eine hieß "Ballet Slippers". Und die andere hieß "Adorable". (Gelächter) Und so fragte ich die beiden Damen. Und die eine Dame sagte mir, "Nun, sie solleten definitiv "Ballet Slippers" tragen." "Nun, wie sieht es aus?" "Nun, es ist eine sehr elegante Nuance von pink." "Okay, super" Die andere Dame rät mir "Adorable" zu tragen. "Wie sieht es aus?" Es ist eine glamouröse Nuance von pink." Und so fragte ich sie, "Nun, wie kann ich sie auseinander halten?" Was ist der Unterschied zwischen ihnen?" Und sie sagten, "Nun, einer ist elegant und der andere glamourös." Okay, das hatten wir. Und das einzig andere bei dem sie sich einig waren: naja, wenn ich sie sehen könnte, würde natürlich in der Lage sein sie auseinander zu halten.
Und ich fragte mich ob sie von dem Namen oder dem Gehalt der Farbe beeinflusst wurden. Also entschied ich, ein kleines Experiment zu versuchen. So brachte ich die beiden Nagellackflaschen ins Labor und löste die Etiketten ab. Und ich lud Frauen ins Labor ein und fragte sie, "Welchen würden Sie nehmen?" 50 Prozent der Frauen beschuldigten mich sie auszutricken indem ich die gleiche Farbe Nagellack in beiden Flaschen füllte. (Gelächter) (Applaus) An diesem Punkt beginnen Sie sich zu fragen, wer wirklich ausgetrickst wird. Jetzt zu den Frauen, die sie unterscheiden konnten, wenn die Etiketten ab waren, entschieden sie sich für "Adorable," und wenn die Etiketten draufklebten, entschieden sie sich für "Ballet Slippers." So weit ich es also sagen kann, sieht eine Rose mit einem anderen Namen wahrscheinlich ander aus und vielleicht riecht sie auch anders.
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Sheena Iyengar erforscht wie wir Entscheidungen treffen - und was wir uns nach getroffener Entscheidungen fühlen. Bei TEDGlobal spricht sie sowohl über triviale Entscheidungen (Coca-Cola oder Pepsi) als auch über tiefgreifende und erzählt von ihren bahnbrechenden Forschungen, die einige überraschende Verhaltensweisen bei unseren Entscheidungen entdecken.
Sheena Iyengar studies how people choose (and what makes us think we're good at it). Full bio »
Translated into German by Anja Lehmann
Reviewed by Valentina Wellbrock
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17:30 Posted: Sep 2006
Views 2,565,421 | Comments 289
19:37 Posted: Sep 2006
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33:38 Posted: Dec 2008
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