Ich habe die letzten 20 Jahre lang Rätsel entworfen und bin heute hier, um Ihnen einen kleinen Überblick über diese Zeit zu geben – von meinem ersten Puzzle bis zu meiner gegenwärtigen Arbeit. Ich habe Rätsel für Bücher designt; für gedruckte Medien. Ich bin Rätselkolumnist beim Discover Magazine. Das mache ich schon seit etwa 10 Jahren. Ich habe einen monatlichen Rätselkalender. Ich mache auch Spiele; meine Hauptarbeit gilt Computerspielen. Ich habe Rätsel für "Bejeweled" gemacht. (Applaus) Ich habe "Bejeweled" nicht erfunden; damit kann ich mich nicht rühmen.
Also, zu meinem ersten Rätsel. In der sechsten Klasse sagte mein Lehrer: "Mal sehen, dieser Junge hat Spaß daran Dinge herzustellen, also lasse ich ihn für die Tafel Buchstaben aus Bastelpapier ausschneiden." Ich fand die Aufgabe toll. Und das ist dabei rausgekommen. Ich habe ein bisschen damit rumgespielt ... und bin auf diesen Buchstaben gekommen. Das hier ist ein Buchstabe, der nur einmal gefaltet wurde. Aber welcher Buchstabe ist es denn, wenn man ihn entfaltet? Kleiner Tipp: es ist kein "L." (Gelächter) Es hätte aber auch wirklich ein "L" sein können. Aber was könnte es sonst sein? Ja, viele von Ihnen haben es raus. Genau! Ziemlich schlau.
Das war mein erstes Rätsel. Ich war süchtig. Ich hatte etwas Neues erschaffen und war sehr aufgeregt, weil, naja, ich hatte schon Kreuzworträtsel gemacht, aber da füllt man ja nur jemandes anderen Matrix aus. Das hier war etwas völlig Neues. Ich war süchtig. Ich las Martin Gardners Kolumnen im "Scientific American", und das ging immer weiter, bis ich mich entschieden habe, es in Vollzeit zu tun.
Ich sollte kurz innehalten und erklären, was ich mit "Rätsel" überhaupt meine. Ein Rätsel ist ein Problem, das zu lösen Spaß macht und das eine richtige Antwort hat. Es muss Spaß machen, anders als alltägliche Probleme, die ehrlich gesagt keine besonders gut designten Rätsel sind. Naja, sie könnten eventuell eine Lösung haben. Könnte eine Weile dauern. Niemand hat genaue Regeln dazu verfasst. Wer hat das designt? Es ist als ob das Leben, naja, eine schlecht geschriebene Geschichte sei und wir deshalb Autoren brauchen, die Filme machen.
Ich nehme alltägliche Probleme und mache Rätsel daraus. Was Lösungen angeht, natürlich könnte es mehr als eine geben; viele Rätsel haben mehr als eine Lösung. Aber anders als einige andere Arten des Spiels, Spielzeugen und Spielen – mit Spielzeugen meine ich etwas, womit man spielt und das kein genaues Ziel hat. Mit Legos kann man sich eines setzen. Aber man kann alles machen, was man will. Oder Wettkampfspiele wie Schach, bei denen man keine echte Lösung suchen muss ... Man kann ein Schachrätsel machen, aber das eigentliche Ziel ist es, den Gegenspieler zu schlagen.
Ich sehe Rätsel als eine Kunstform an. Und Rätsel gibt es schon ewig, seit den Anfängen der Geschichtsschreibung. Sehr klein, wie ein Witz, wie ein Gedicht, ein Zaubertrick oder ein Lied; sehr kompakt. Im schlechtesten Fall sind sie Wegwerfprodukte, nur zum Zeitvertreib, aber im besten Fall können sie etwas Höheres berühren und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. In meiner Karriere konzentriere ich mich immer mehr darauf, Rätsel zu machen, die einen bleibenden Eindruck hervorrufen.
Etwas, das ich früh gelernt habe als ich anfing, mich mit Computerspielen zu beschäftigen, ist, wie man wahrnehmungsverändernde Rätsel macht. Ich zeige es Ihnen. Das hier ist bekannt. Es sind zwei schwarze Profile oder eine weiße Vase in der Mitte. Das nennt man eine Figur-Grund-Illusion. M.C. Escher hat das in einigen seiner wundervollen Drucke ausgenutzt. Das hier sind Tag und Nacht. So habe ich mit der Figur-Grund-Beziehung gespielt. Hier ist eine schwarze Figur. Hier eine weiße Figur. Alles Teil desselben Musters. Das eine ist der Hintergrund des anderen. Ursprünglich wollte ich die englischen Wörter "figure" und "ground" benutzen. Aber das wollte nicht klappen, da habe ich das Problem geändert. Jetzt ist es nur noch Figur. (Gelächter)
Noch ein paar andere. Das hier ist mein Name. Und wird zum Titel meines ersten Buchs, "Inversions". Solche Designs nennt man mittlerweile "Ambigramme". Noch ein paar. Das hier sind die Zahlen von eins bis zehn, beziehungsweise die Ziffern von null bis neun. Jeder Buchstabe ist eine der Zahlen. Kein wirkliches Ambigramm im eigentlichen Sinne. Ich lote gerne aus, was man alles unter Ambigrammen verstehen kann.
Das ist das englische Wort "mirror" (Spiegel). Nein, es ist nicht dasselbe auf dem Kopf – aber so herum. John Maeda ist ein toller Typ vom MIT Media Lab, der gerade zum Chef der Rhode Island School of Design ernannt worden ist. Also habe ich ihm das hier gemacht. So etwas wie ein visueller Kanon. (Gelächter) Neulich habe ich für das Magazin "Magic" eine Handvoll Ambigramme mit Namen von Bühnenmagiern gemacht. Das hier sind Penn & Teller, und gleich noch mal auf dem Kopf. Das ist auch in meinem Rätselkalender. OK, zurück zu den Dias. Vielen Dank.
Das alles ist schön anzusehen, aber wie könnte man es interaktiv gestalten? Ich war eine Zeitlang Schnittstellendesigner, und denke seitdem viel über Interaktion nach. Zuerst sollten wir die Vasenillusion etwas vereinfachen, dann kriegen wir das hier rechts. Wenn man jetzt die schwarze Vase aufhebt, bekommen wir die Figur oben. Wenn man das weiße Areal aufnimmt, bekäme man die Figur unten. Man kann das vielleicht nicht physisch machen, aber auf einem Computer geht es. Rüber zum PC,
und hier haben wir es, Figur-Grund. Das Ziel ist es, Teile von links zu nehmen und sie so zusammenzulegen, dass sie die Form rechts annehmen. Das folgt alles den Regeln von eben, und man kann jedes schwarze Gebiet, das von weiß umgeben ist, aufnehmen. Dasselbe gilt aber auch für weiße Gebiete. Also kann man das weiße Stück hier in der Mitte einfach aufheben. Noch einen Schritt weiter. Hier haben wir ein paar Stücke. Wenn man sie zusammenschiebt, bekommen wir so ein aktives Stück. Man kann wirklich in jemandes Wahrnehmung eintauchen und sie etwas erleben lassen. Es ist wie die alte Maxime, nach der man jemandem etwas erzählen oder zeigen kann, jeder aber viel besser lernt, wenn man es ihn wirklich machen lässt.
Noch etwas, was man tun kann. Es gibt da ein Spiel namens "Rush Hour", eins der wirklichen Meisterwerke des Rätseldesigns, neben dem Zauberwürfel. Wir haben hier einen vollen Parkplatz, kreuz und quer mit Autos zugeparkt. Es ist ein Schiebepuzzle, dessen Ziel es ist, das rote Auto herauszubekommen. Es wird von einer Firma namens Think Fun hergestellt und ist sehr gut gemacht. Ich liebe es.
Spielen wir mal eins. Das hier ist sehr einfach. Naja, das ist zu einfach, fügen wir noch ein Auto dazu. Wie würden Sie das jetzt lösen? Naja, den Blauen wegschieben. Machen wir es noch ein bisschen schwieriger. Immer noch ziemlich leicht. Noch mal ein bisschen schwieriger. Das hier ist schon etwas komplizierter. Was machen wir jetzt? Was muss der erste Zug sein? Erst den Blauen hochbewegen, damit der Violette rechts frei wird. Man kann so auch Rätsel machen, die unlösbar sind. Diese vier sind wie ein Windrädchen, das feststeckt und man bekommt sie nicht auseinander.
Ich wollte eine Fortsetzung machen. Die ursprüngliche Idee war zwar nicht meine, aber so geht es auch: Als Erfinder mache ich einfach eine Fortsetzung. Und das kam dabei raus. "Railroad Rush Hour." Dieselbe Grundidee, aber es gibt ein neues Stück, ein quadratisches, das sowohl horizontal als auch vertikal fahren kann. Im anderen Spiel können sie nur jeweils das eine oder das andere. Ich habe eine ganze Menge Levels dafür gebaut und mache es jetzt für Schulen erhältlich. Es enthält Übungen, die einem nicht nur zeigen, wie man diese Rätsel löst, sondern auch, wie man die Prinzipien herausfindet, anhand derer man mathematische Rätsel oder wissenschaftliche Probleme lösen kann.
Ich möchte Ihnen beibringen, wie Sie ihre eigenen Rätsel machen können, und nicht nur meine eigenen machen. Gary Trudeau nennt sich einen investigativen Cartoonzeichner. Und es stimmt, er recherchiert viel, bevor er einen Cartoon anfängt. Beim Discover Magazine bin ich ein investigativer Rätselmacher. Ich habe mich in Gensequenzierung eingelesen und fragte mich, wie man die Sequenz der Basenpaare in der DNA herausfindet. Man schneidet die DNA auseinander, sequenziert einzelne Schnipsel und sucht dann nach Überlappungen. Im Endeffekt klebt man die Stücke an den Enden zusammen. Das ist fast wie bei einem Puzzle, bei dem sich die Stücke überlappen.
Das hier habe ich für das Discover Magazine gemacht, und es ist tatsächlich im Magazin lösbar. Man muss nicht etwa erst die Stücke ausschneiden und umherbewegen. Es gibt neun Stücke, die in dieses Gitter eingefügt werden müssen. Damit das funktioniert, muss man Stücke suchen, die einander an den Kanten überlappen. Es gibt nur eine Lösung. Es ist nicht allzu schwierig, man braucht aber ein wenig Geduld. Am Ende kommt dieses Muster heraus, und wenn Sie die Augen ein wenig zusammenkneifen, können sie das Wort "helix" lesen. Die Form des Rätsels ergab sich aus seinem Inhalt, anstatt umgekehrt.
Noch ein paar mehr. Dieses Rätsel ist physikbasiert. In welche Richtung werden die hier wohl fallen? Eins wiegt 50 Pfund, eines 30 Pfund und eines 10. Die Fallrichtung hängt davon ab, welcher wie viel wiegt. Dieses Rätsel basiert auf Farbsynthese. Ich habe dieses Bild in Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz aufgeteilt, die klassischen Druckfarben, habe die Teile zusammengemischt und diese seltsamen Bilder erhalten. Welche Teilfarben wurden hier zusammengemischt? Lässt einen über Farben nachdenken.
Und das hier mache ich momentan. ShuffleBrain.com, eine Website, die ich mit meiner Frau Amy-Jo Kim gestartet habe. Sie könnte genauso gut hier oben stehen und über ihre Arbeit sprechen. Wir machen intelligente Spiele für Soziale Medien. Ich erkläre das einmal. Wir interessieren uns für drei Trends. Was gerade in der Spieleindustrie passiert, ist das: Eine lange Zeit waren Computerspiele gleichbedeutend mit Dingen wie "Doom", bei denen man rumläuft und rumschießt, sehr gewalttätige und schnelle Spiele. Nur was für jugendliche Jungs, stimmts? Wer spielt denn sonst am Computer.
Aber wissen Sie was? Das ändert sich gerade. "Bejeweled" war ein riesiger Hit und hat das, was wir heute Casual Games oder Gelegenheitsspiele nennen, erst richtig definiert. Und die meisten Spieler sind Frauen über 35. Auch "Rock Band" ist ein großer Hit geworden, ein Spiel, das man zu mehreren spielt und das sehr körperbetont ist; es erinnert nur entfernt an ein klassisches Spiel. Solche Dinge werden den Computerspielemarkt in Zukunft dominieren.
Außerdem gibt es gerade eine sehr interessante Bewegung, einen Trend für Spiele, die tatsächlich gut für einen sind. Wieso? Naja, unsere Generation wird langsam alt, wir Baby Boomer essen gesundes Essen und trainieren. Aber was ist mit unserem Geist? Oh nein, unsere Eltern bekommen Alzheimer. Dagegen sollten wir was tun! Wie sich herausstellt, können Kreuzworträtsel einige der Symptome von Alzheimer abwehren. Also gibt es Spiele wie "Brain Age" für die Nintendo DS, ein Riesenhit. Viele Leute lösen Sudokus. Es gibt ein paar Ärzte, die es sogar verschreiben.
Und dann gibt es da noch die Sozialen Medien und alles, was im Internet so passiert. Heutzutage versteht sich jeder als Mitautor, nicht nur als Zuschauer. Was hat das alles zu bedeuten? Wir sehen Folgendes passieren: Spiele, die sich in eine gesunde Lebensweise einfügen. Sie sind Teil unseres Lebens, nicht nötigerweise etwas Separates. Und sie sind beides: sie sind gut für einen und machen Spaß. Ich bin ein Rätselmacher. Meine Frau ist eine Expertin für Soziale Medien. Jetzt haben wir gemeinsame Sache gemacht:
Unser erstes Spiel heißt "Photo Grab"; das Spiel dauert etwa eine Minute und 20 Sekunden. Okay. Das ist das erste Mal, dass Sie mein Spiel spielen. Mal sehen, wie gut wir sind. Hier sind drei Bilder, und wir haben jeweils 24 Sekunden. Wo ist das? Ich spiele, so schnell ich kann. Aber wenn Sie es sehen, rufen Sie einfach die Lösung. Dann bekommt man mehr – Unten, okay. Ja, wo ist das denn? Oh ja, dort. Okay, J-O und – ich schätze, das ist der Teil hier. Wir haben den Bogen. Der Bogen hilft. Das sind seine Haare. Man hat jede Menge Figur-Grund-Rätsel hier. Das hier ist leicht. Okay. So, ahhh! Okay, weiter zum nächsten. Okay, das ist die Linse. Wer weiß es? Sieht aus wie eine schwarze Figur. Wo ist das? Das ist die Ecke des Bildes. Ich habe dieses Bild schon mal gespielt, aber selbst wenn ich meine eigenen Rätsel mache – Und Sie können Ihre eigenen Bilder hier reinstellen. Und Leute von überall auf der Welt tun das schon.
Na also. Besuchen Sie ShuffleBrain.com, wenn Sie es gerne selbst einmal probieren würden. Vielen Dank. (Applaus)
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Der bekannte Rätseldesigner Scott Kim macht auf der EG-Konferenz 2008 anschaulich, was im Kopf eines Rätselmachers vorgeht. Anhand einer Auswahl seiner Arbeiten zeigt uns Kim die beliebtesten Rätselarten und erzählt über sie.
Scott Kim designs puzzles in the spirit of MC Escher's art and Tetris -- visually stimulating, thought provoking and suffused with broad appeal. Full bio »
Translated into German by Alex Catapano
Reviewed by Mareike Kaden
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16:37 Posted: Jul 2007
Views 735,306 | Comments 111
21:06 Posted: Oct 2008
Views 651,288 | Comments 156
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