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Ich verbrachte den größten Teil eines Jahrzehnts damit mir die amerikanischen Reaktionen auf massiv begangene Gräueltaten und Völkermord anzuschauen. Und ich würde gerne einen Moment mit Ihnen teilen, der für mich zusammenfasst, was es über die amerikanischen und demokratischen Reaktionen auf massiv begangene Gräueltaten zu wissen gibt.
Dieser Moment kam am 21. April 1994. Vor beinahe 14 Jahren, während des Völkermordes in Ruanda, bei dem 800 000 Menschen systematisch durch die Regierung von Ruanda und extremistische Milizen getötet wurden. Am 21. April berichtete die New York Times, dass bereits zwischen 200 und 300 000 Menschen während des Völkermordes getötet worden waren. Es war in der Zeitung - nicht auf der Titelseite. Es war nicht wie die Berichterstattung zum Holocaust, sondern in der Zeitung vergraben. Ruanda selbst wurde nicht als berichtenswert angesehen, und, erstaunlicherweise, wurde Völkermord selbst nicht als berichtenswert angesehen.
Aber am 21. April geschah ein wundervoll ehrlicher Moment. Und das als eine amerikanische Kongressabgeordnete, Patricia Schroeder aus Colorado, eine Gruppe von Journalisten traf. Einer der Journalisten fragte: "Was geschieht da?" "Was passiert in der US Regierung? Zwei bis 300 000 Menschen sind in den letzten paar Wochen in Ruanda umgebracht worden." Der Völkermord dauert bereits zwei Wochen, aber natürlich weiß man zu der Zeit nicht, wie lange es noch dauern wird. Und der Journalist fragt, warum Washington kaum darauf reagiert. Warum gibt es keine Anhörungen, keine Anklagen, warum wird niemand vor der Botschaft Ruandas verhaftet? Oder vor dem Weißen Haus? Was hat es damit auf sich? Sie sagte - sie war so ehrlich - "Das ist eine gute Frage. Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass in meinem Kongressbüro in Colorado und in meinem Büro in Washington hunderte und hunderte von Anrufen eingehen bezüglich der gefährdeten Affen- und Gorillapopulation in Ruanda. Aber niemand ruft wegen den Menschen an. Die Telefone klingeln einfach nicht wegen den Menschen."
Und warum ich Ihnen von diesem Moment erzähle, ist dass er eine tiefe Wahrheit in sich trägt. Und diese Wahrheit ist, oder war, im 20. Jahrhundert, dass während wir begannen eine Bewegung zum Schutz gefährdeter Arten zu entwickeln, gab es keine Bewegung zum Schutz gefährdeter Menschen. Wir wurden über den Holocaust in den Schulen informiert. Die meisten von uns sind nicht nur mit Bildern von nuklearen Katastrophen aufgewachsen, sondern auch mit Bildern und dem Wissen um den Holocaust. Es gibt ein Museum auf der Mall in Washington, gleich neben Lincoln und Jefferson Wir haben uns das "Niemals Wieder" interessanterweise kulturell wirklich angeeignet, Und trotzdem hat die Politisierung von "Niemals Wieder", hat die Operationalisierung von "Niemals Wieder" im 20. Jahrhundert nie stattgefunden.
Ich denke, dieser Moment mit Patricia Schroeder zeigt, dass wenn wir den weltweit schlimmsten Verbrechen Einhalt gebieten wollen, wir das herbeiführen müssen. Es muss eine Rolle geben - es müssen politischer Lärm und Kosten auf politischer Ebene hergestellt werden als Reaktion auf massive Verbrechen gegen die Menschlichkeit usw. Das war also das 20. Jahrhundert.
Jetzt und hier - das dürfte Sie hier an diesem Nachmittag erleichtern - gibt es gute, erstaunliche Nachrichten: im 21. Jahrhundert hat sich beinahe aus dem Nichts eine Anti-Völkermord-Bewegung gebildet, eine Anti-Völkermord-Wählerschaft, eine, die bestimmt scheint, dauerhaft zu sein. Sie entstand als Antwort auf die Gräueltaten in Darfur. Sie besteht aus Studenten. Es gibt ca. 300 Ortsgruppen gegen Völkermord auf den Hochschulgeländen im ganzen Land. Es ist größer als die Anti-Apartheid-Bewegung. Es gibt circa 500 Highschool-Ortsgruppen, die sich dem widmen, den Völkermord in Darfur zu beenden. Die Evangelikalen sind hinzugekommen, genauso wie Jüdische Verbände. Zuschauer von Hotel Rwanda sind hinzugekommen. Es ist eine kakophone Bewegung.
Es eine Bewegung zu nennen, wie bei allen Bewegungen, ist vielleicht etwas irreführend. Sie ist vielfältig und es gibt viele unterschiedliche Denkansätze. Sie beinhaltet all die Hochs und Tiefs von Bewegungen. Aber sie ist unglaublich erfolgreich in der Hinsicht, dass sie in die Bewegung für gefährdete Völker etwas eingebracht hat, das im 20. Jahrhundert gefehlt hatte. Sie sieht sich selbst so, dass sie den Eindruck entstehen lässt, dass es politische Kosten geben wird, dass politisch ein Preis zu zahlen sein wird, wenn man Völkermord zulässt, wenn man keine heroische Vorstellungskraft hat, wenn man sich dem nicht entgegenstellt, sondern Zuschauer bleibt.
Da es von Studenten geführt ist, gibt es einige erstaunliche Dinge, die die Bewegung gemacht hat. Sie haben eine Kapitalabzugskampagne angestossen, die 55 Universitäten in 22 Staaten davon überzeugt hat ihre Aktienbestände abzuziehen in Bezug auf Unternehmen, die im Sudan Geschäfte machen. Sie haben eine 1-800-GENOCIDE Nummer - das hört sich ziemlich kitschig an, aber für diejenigen unter Ihnen, die unpolitisch sind, aber daran interessiert etwas gegen Völkermord zu unternehmen: Sie wählen 1-800-GENOCIDE und geben Ihre Postleitzahl an, Sie müssen nicht mal wissen wer Ihr Kongressabgeordneter ist. Sie werden direkt zu Ihrem Kongresszuständigen weitergeleitet, zu Ihrem US Senator, zu Ihrem Gouvernour, wo die Gesetzgebung zum Kapitalabzug ansteht. Sie haben die Transaktionskosten für das Beenden von Völkermord gesenkt. Das Innovativste, das sie kürzlich eingeführt haben, sind Völkermord-Zensuren. Es brauchte wohl Studenten, um Völkermord-Zensuren einzuführen. Was nun während einer Kongresssitzung passiert, ist, dass Kongressabgeordnete diese 19- oder 24-jährigen anrufen und sagen: Mir wurde gesagt ich habe eine 4- in Völkermord; Was muss ich tun, um eine 3 zu bekommen, eine 3 genügt. Hilf mir. Und die Studenten und andere, die an dieser unglaublich aktiven Basis beteiligt sind, geben Antworten, denn es gibt immer etwas zu tun.
Diese Bewegung hat sich herausgelöst aus der Bush-Regierung, aus den USA zu einer Zeit massiver Überdehnung - militärisch, finanziell, diplomatisch - eine ganze Serie von Verpflichtungen gegenüber Darfur, die kein anderes Land gegeben hat. Beispielsweise, die Überweisung der Verbrechen in Darfur an den Internationalen Strafgerichtshof, etwas, dass der Bush-Regierung nicht gefällt. Die Auslage von 3 Mrd. Dollar an Flüchtlingslager, um die Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben wurden von der Sudanesischen Regierung, der sogenannten Janjaweed, der Miliz, um diese Menschen am Leben zu erhalten bis etwas Beständigeres erreicht werden kann. Vor Kurzem, nicht ganz so Kurzem, vor circa sechs Monaten für die Autorisierung einer Friedenstruppe von 26 000, die sich auf den Weg macht.
Das ist alles die Führung der Bush-Regierung, und alles durch diesen Druck von unten nach oben, und weil die Telefone nicht aufgehört haben zu klingeln seit dem Beginn dieser Krise. Die schlechte Nachricht zu der Frage ob das Böse die Oberhand erlangen wird, ist, dass das Böse weiterlebt. Die Menschen in diesen Lagern sind von allen Seiten umzingelt, von sogenannten Janjaweed, diesen Männern auf Pferden mit Speeren und Kalaschnikows. Frauen, die Feuerholz holen, um die humanitäre Hilfe aufzuwärmen, um ihre Familien zu ernähren - humanitäre Hilfe - das schmutzige Geheimnis ist, dass es erhitzt werden muss, um essbar zu sein, werden Vergewaltigungen ausgesetzt, was als ein Werkzeug des Genozids benutzt wird. Und die Friedenstruppe, die ich erwähnte, eine Truppe, die von beinahe keinem Land auf der Welt anerkannt wurde, ist seit der Autorisierung vorgetreten, um ihre Soldaten oder ihre Polizeikräfte der Gefahr entgegenzustellen.
Wir haben furchtbar viel erreicht im Vergleich zum 20. Jahrhundert, und dennoch viel zu wenig verglichen mit der Schwere der Verbrechen, die sich ereignen während wir hier sitzen, während wir sprechen. Warum gibt es diese Beschränkungen in der Bewegung? Warum war das, was bisher erreicht und getan wurde, nötig, aber nicht ausreichend gegen die Verbrechen? Ich denke es gibt einige, eigentlich viele Gründe, aber hier nur einige auf die wir uns kurz konzentrieren.
Der erste ist, dass diese Bewegung, wie sie ist, an den Amerikanischen Grenzen aufhört. Sie ist nicht global. Es gibt nicht viele Landsleute im Ausland, die selbst ihre Regierungen bitten mehr zu tun, um Völkermord zu beenden. Die Holocaust-Kultur, die wir in diesem Land haben, macht die Amerikaner geneigter, denke ich, das "Niemals Wieder" lebendig werden zu lassen. Die Schuld, welche die Clinton-Regierung ausdrückte, welche Bill Clinton Ruanda gegenüber zum Ausdruck brachte, machte Raum für einen Konsens in unserer Gesellschaft, dass Ruanda schlecht und falsch war und wir wünschten, dass wir mehr getan hätten, das ist etwas, wovon die Bewegung profitiert hat. Europäische Regierungen haben sich größtenteils nicht zur Verantwortung bekannt, und es gibt nichts wogegen man steuern und Druck ausüben könnte.
Wenn diese Bewegung langlebig und global werden soll, wird sie Grenzen überschreiten müssen, und werden sich andere Bürger in Demokratien nicht mehr auf der Annahme ausruhen können, dass ihre Regierung schon etwas gegen den Völkermord unternehmen wird, sondern sie wirklich dazu bringen, es zu tun. Regierungen werden nie auf natürliche oder begierige Weise von Verbrechen dieser Größenordnung angezogen. Wie wir gesehen haben, werden sie nicht einmal davon angezogen unsere Häfen zu schützen oder lose Atomsprengköpfe zu beherrschen. Warum sollten wir von einer Bürokratie erwarten, dass sie sich auf fernes Leiden ausrichtet? Also ein Grund, warum die Bewegung nicht global geworden ist.
Der zweite ist, dass wir gerade in dieser Zeit der amerikanischen Geschichte ein Problem mit unserer Glaubwürdigkeit haben, ein Problem der Legitimation bei internationalen Institutionen. Es ist strukturell sehr sehr schwer, wie die Bush-Regierung es tut, am Montag Völkermord zu verurteilen, um dann am Dienstag Wasserfolter als selbstverständlich zu beschreiben, und am Mittwoch aufzutauchen und sich nach Truppenzusagen umzusehen. Andere Länder haben ihrer eigenen Gründe, warum sie sich nicht beteiligen wollen. Lassen Sie mich deutlich werden. Auf eine gewisse Weise benutzen sie die Bush-Regierung als Alibi. Aber es ist unerlässlich für uns eine führende Kraft in diesem Bereich zu sein, um unser Ansehen und unsere Führungskraft in der Welt wiederherzustellen. Die Besserung wird ihre Zeit brauchen.
Wir müssen uns fragen: Was nun? Wie sollen wir weitergehen als Land und als Bürger in Bezug auf die schrecklichsten Orte der Welt, auf das schlimmste Leid der Welt, auf die Mörder, und die Art von Mördern, die sich irgendwann in der Zukunft rächen könnten. Ich wandte mich für die Antwort auf diese Fragen an einen Mann von dem viele von Ihnen vielleicht nie gehört haben, das ist der Brasilianer Sergio Vieira de Mello, der wie Chris sagte, 2003 in Irak bei einer Explosion umkam. Er war das Opfer der ersten Selbstmordbombe in Irak. Es ist schwer sich zu erinnern, aber es gab eine Zeit im Sommer 2003, sogar nach der US Invasion, als abgesehen von Plünderungen, Zivilisten relativ sicher in Irak waren.
Wer war Sergio? Sergio Vieira de Mello war sein Name. Außer, dass er Brasilianer war, wurde er mir, ehe ich ihn 1994 traf, als jemand beschrieben, der eine Mischung war aus James Bond einerseits und Bobby Kennedy andererseits. Bei der UN gibt es nicht viele Leute, die es tatsächlich schaffen, diese beide Eigenschaften miteinander zu vereinen. Er war wie James Bond, weil er raffiniert war. Er wurde von den Flammen angezogen, er jagte sie, er war wie eine Motte zum Licht, ein wenig ein Adrenalin-Junkie. Er hatte Erfolg bei Frauen. Er war wie Bobby Kennedy, weil man nie sagen konnte, ob er ein Realist war, der sich als Idealist ausgab oder ein Idealist, der sich als Realist ausgab, so wie viele sich das oft von Bobby Kennedy und John Kennedy fragten.
Er war ein Zehnkämpfer im Staatenbilden, im Lösen von Problemen, in der Fehlerbehebung an den weltweit schlimmsten Orten und an den weltweit kaputtesten Orten. In gescheiterten Staaten, völkermörderischen Staaten, unterregierten Staaten, genau an den Orten, wo die Gefahren für dieses Landes am Horizont auftauchen und genau die Orte, wo das meiste Leiden der Welt die Tendenz hat, sich zu verdichten. Das waren die Orte, die ihn anzogen. Er bewegte sich mit den Schlagzeilen. Er war 34 Jahre lang bei der UN. Er trat im Alter von 21 Jahren bei. Er begann als die Ursachen für die damaligen Kriege der 70er Kriege für Unabhängigkeit und Dekolonialisierung waren. Er war in Bangladesch und befasste sich mit der Abwanderung von Millionen von Flüchtlingen, dem größten Flüchtlingsstrom der Geschichte zur damaligen Zeit. Er war in Sudan als der Bürgerkrieg dort ausbrach. Er war in Zypern gleich nach der türkischen Invasion. Er war in Mosambik während des Unabhängigkeitskrieges. Er war im Libanon, als der UN-Stützpunkt benutzt wurde - Palästinenser starteten ihre Angriffe hinter dem UN-Stützpunkt. Israel drang dann in den UN-Stützpunkt ein und überlief ihn.
Sergio war in Beirut als die US-Botschaft getroffen wurde, bei dem ersten Selbstmordanschlag gegen die USA. Menschen datieren den Beginn dieser neuen Ära auf den 11. September, aber 1983, mit dem Angriff auf die US-Botschaft und die Marinekasernen, den Sergio miterlebte, das war wohl die Dämmerung einer Ära, in der wir uns heute befinden. Aus dem Libanon ging er in den 90ern nach Bosnien. Die Belange waren natürlich ethnische und religiöse Gewalt. Er war der Erste, der mit den Roten Khmer verhandelte. Wir sprachen von der Vorherrschaft des Bösen. Er war dort in dem Raum mit der Personifikation des Bösen in Kambodscha. Er verhandelt mit den Serben. Er dringt so weit in diesen Bereich ein, mit dem Bösen zu sprechen und zu versuchen es davon zu überzeugen, dass es nicht die Oberhand behalten muss, dass er einen Spitznamen bekommt, nicht Sergio sondern Serbio, während er auf dem Balkan lebt und diese Art der Verhandlungen leitet.
Dann geht er nach Ruanda und in den Kongo nach dem Völkermord, und er ist derjenige, der entscheiden soll: Ok, der Völkermord ist vorbei. 800 000 Menschen wurden getötet, die Verantwortlichen sind auf der Flucht in die Nachbarländer - in den Kongo, nach Tansania. Ich bin Sergio, ein Vertreter des Humanitätsgedankens, und ich will diese Menschen ernähren, na ja, nicht die Mörder, aber ich will die zwei Millionen Menschen ernähren, die um sie herum sind, also gehen wir es an, wir bauen Lager auf, stellen humanitäre Hilfe bereit. Aber, oh, die Mörder sind in den Lagern. Ich würde gerne die Wölfe von den Schafen trennen. Lass mich von Tür zu Tür bei der internationalen Gemeinschaft gehen und sehen, ob mir jemand Polizeikräfte oder Truppen für diese Aufteilung gibt. Und die Reaktion war: genausowenig wie wir den Genozid beenden und unsere Truppen einsetzen wollten, um dies zu tun, genausowenig wollen wir uns jetzt in den Weg stellen und die Mörder aus den Lagern herauspicken.
Also muss man hier eine Entscheidung treffen. Dreht man den internationalen Zapfhahn der Lebenserhaltung ab und riskiert die Leben von zwei Millionen Zivilisten? Oder ernährt man weiterhin die Zivilisten wissend, dass die Verbrecher in den Lagern sind und buchstäblich ihre Messer für den kommenden Kampf schärfen? Was tun man? Es geht um das kleinere Übel an diesen kaputten Orten.
Die späten 90er: Staatenbildung ist die Aufgabe der Zeit. Er ist dafür zuständig. Er ist der Paul Bremer oder Jerry Bremer von zunächst Kosovo, und dann Ost-Timor. Er verwaltet diese Orte. Er ist der Vizekönig. Er muss Entscheidungen über Steuern oder die Währung treffen, über Grenzschutz und Polizei. Er muss all diese Urteile fällen. Er ist ein Brasilianer an diesen Orten. Er spricht sieben Sprachen. Bis zu diesem Punkt war er bereits in 14 Kriegsgebieten, also ist er in der Lage bessere Urteile zu fällen als vielleicht Menschen, die noch nie diese Arbeit gemacht haben. Und trotzdem ist er die Schnittkante unseres Experimentierens damit Gutes zu vollbringen mit den wenigen Mitteln, die eingesetzt werden an diesen schlimmsten Orten der Welt.
Dann, nach Timor, nach dem 11. September, wird er Hoher Kommissar der UN für Menschenrechte, und er muss Freiheit gegen Sicherheit abwägen und herausfinden was zu tun ist, wenn das mächtigste Land in der UN aus der Genfer Konvention aussteigt, sich dem internationalen Recht entzieht. Verurteilt man das? Prangert man das an, geht man wohl nie wieder zurück in den Raum. Vielleicht hält man sich zurück. Vielleicht versucht man Präsident Bush zu schmeicheln - und das tat er. Und dadurch verschaffte er sich, leider, seinen letzten und tragischen Einsatz in Irak - der, der zu seinem Tod führte.
Eine Anmerkung zu seinem Tod, die so niederschmetternd ist: obwohl man den Irakkrieg auf einer Verbindung zwischen Saddam Hussein und dem Terrorismus des 11. September gründete, glauben Sie es oder nicht, hatte sich die Bush-Regierung oder die Invasoren sich nicht darauf eingestellt wie man auf Terrorismus reagieren sollte. Sergio also, gefüllt mit all dem Wissen über dem Umgang mit dem Bösen und dem Umgang mit der Zerrissenheit, lag dreieinhalb Stunden unter dem Schutt ohne Rettung. Staatenlos. Der Mann, der sein Arbeitsleben lang versucht hatte, Staatenlosen zu helfen. Wie ein Flüchtling, weil er die UN repräsentiert.
Wenn du jeden repräsentierst, repräsentierst du irgendwie auch niemanden. Du bist herrenlos. Was das amerikanische, das mächtigste Militär in der Geschichte der Menschheit für seine Rettung auftreiben konnte, waren diese zwei heldenhaften amerikanischen Soldaten, die in den Schacht stiegen. Das Gebäude schwankte. Einer von ihnen hatte den 11. September erlebt und hatte seine Kameraden verloren, trotzdem ging er hinein und riskierte sein Leben, um Sergio zu retten. Aber alles was sie hatten, war die Handtasche einer Frau, buchstäblich eine dieser Korbtaschen - und sie banden sie an ein Gardinenseil aus einem der Büros des UN Hauptquartiers, und machten daraus ein Flaschenzugsystem in diesen Schacht des schwankenden Gebäudes, um diese Person zu retten, die Person, an die wir uns jetzt am meisten wenden müssen, diesen Hirten, zu einer Zeit in der so viele von uns eine Führung brauchen.
Das war der Flaschenzug. Das war was wir für Sergio aufbringen konnten. Die gute Nachricht, wenn Sie mich fragen, ist, dass nachdem Sergio und 21 weitere an diesem Tag bei dem Anschlag auf die UN getötet wurden, berief das Militär eine Such- und Rettungseinheit ein, die das Schneidewerkzeug hatte, die Holzabstützungen, die Kräne, Dinge, die man für die Rettung gebraucht hätte. Aber für Sergio war es zu spät.
Ich komme zum Ende, aber ich möchte abschließen mit dem, was ich die vier Lektionen aus Sergios Leben nenne, auf die Frage wie wir das Böse davon abhalten können, die Oberhand zu gewinnen. So hätte ich die Frage formuliert. Hier ist dieser Mann, der einen Vorsprung von 34 Jahren hatte um über Fragen nachzudenken, mit denen wir uns als Land auseinandersetzen, mit denen wir jetzt als Bürger kämpfen. Was nehmen wir mit?
Zunächst denke ich, dass man etwas aus seiner Beziehung mit dem Bösen lernen kann. Natürlich veränderte er sich im Laufe seiner Karriere sehr. Er hatte viele Schwächen, aber er war sehr anpassungsfähig. Ich denke, das war seine beste Eigenschaft. Er begann als jemand, der Leidbringer verurteilte, er prangerte Menschen an, die internationales Recht verletzten. und er sagte: ihr verletzt das Recht, das ist die UN Charta. Seht ihr nicht, dass es inakzeptabel ist was ihr macht? Sie lachten ihn aus, weil sie wussten, dass er nicht die Macht eines Staates hatte, die Macht eines Militärs oder der Polizei. Er hatte nur die Regeln, die Normen, und versuchte sie zu nutzen. Und im Libanon, Süd-Libanon 1982 sagte er zu sich selbst und zu allen anderen, Ich werde nie wieder das Wort inakzeptabel benutzen. Ich werde es nie benutzen. Ich werde versuchen es zu erreichen, aber ich werde dieses Wort nie wieder nutzen. Aber er holte in die entgegengesetzte Richtung aus. Er begann, wie erwähnt, mit dem Bösen in einen Raum zu gehen, nicht anzuprangern, und wurde beinahe unterwürfig, wie als er den Spitznamen Serbio bekam, sogar als er mit den Roten Khmer verhandelte blendete er aus was passiert war, bevor er den Raum betrat.
Aber gegen Ende seines Lebens hatte er wohl einen Mittelweg gefunden, von dem wir als Land lernen können. Sei im Raum, habe keine Angst mit deinen Gegnern zu sprechen, aber klammer nicht aus, was passierte bevor du den Raum betratst. Blende die Geschichte nicht aus. Lass deine Prinzipien nicht an der Tür zurück. Ich denke, dass das Etwas ist, dass man im Raum sein muss, egal ob es Nixon ist, der nach China geht, oder Chruschtschow und Kennedy oder Reagan und Gorbatschow. All der große Fortschritt dieses Landes in Bezug auf unsere Gegner kam, weil wir in den Raum gingen. Es muss kein Zeichen von Schwäche sein. Man kann viel mehr tun, um eine internationale Koalition gegen Verbrecher und Schurken aufzubauen, indem man sich im Raum befindet und dem Rest der Welt zeigt, dass diese Person, dieses Regime, das Problem ist und dass du, die USA, nicht das Problem sind.
Das Zweite aus Sergios Leben zum Mitnehmen, Was ich mitnehme, und was irgendwie das Wichtigste ist, er unterstützte und zeigte eine Ehrerbietung für Würde, was sehr, sehr ungewöhnlich war. Auf der Mikroebene waren die Personen um ihn herum sichtbar. Er sah sie. Auf der Makroebene, dachte er, wissen Sie wir sprechen über die Förderung von Demokratie, aber wir tun es auf eine Weise, die beleidigend ist für die Würde anderer Menschen. Wir leisten humanitäre Hilfe für Menschen und geben damit an, weil wir 3 Mrd. ausgegeben haben. Es ist unglaublich wichtig, diese Menschen wären nicht mehr am Leben, wenn die USA dieses Geld, z.B. in Darfur, nicht ausgegeben hätten. Aber es ist keine Art zu leben. Wenn wir über Würde in unserem Benehmen als Bürger, als Einzelpersonen im Hinblick auf die Menschen um uns herum, nachdenken, und als Land, wenn wir Würde berücksichtigen würden in unserem Umgang mit anderen Ländern, es hätte etwas von einer Revolution.
Der dritte Punkt: Er sprach viel von der Freiheit von Furcht. Es gibt vieles wovor man sich fürchten kann. Es gibt so viele echte Bedrohungen auf der Welt. Aber was Sergio meinte, war, dass wir unsere Beziehung zu der Bedrohung justieren sollten. Lasst uns die Bedrohung nicht aufbauschen, sondern klar sehen. Wir sollten uns vor den schmelzenden Polkappen fürchten. Wir sollten uns fürchten, dass wir das lose nukleare Material in der ehemaligen Sowietunion nicht gesichert haben. Konzentrieren wir uns auf die berechtigten Herausforderungen und Bedrohungen, aber stürzen wir uns nicht in schlechte Entscheidungen aus Panik oder Angst. In Zeiten der Furcht, war eines der Dinge, die Sergio sagte, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Wir stürzen uns in die Extreme wenn wir nicht handeln und versuchen die Beziehung zu der Welt um uns herum zu justieren.
Der vierte und letzte Punkt: weil er an den schrecklichsten Orten der Welt arbeitete, hatte er natürlich eine Demut, ein Bewusstsein für die Komplexität der Welt um ihn herum. Er hatte ein genaues Bewusstsein dafür, wie schwierig es war. Was für eine Sisyphusarbeit das Instandsetzen war, und war sich dennoch der Komplexität bewusst, ihr gegenüber demütig, nicht paralisiert von ihr. Wir als Bürger, die wir diese Erfahrung durchmachen, diese Glaubenskrise, Kompetenzkrise, Legitimationskrise, es ist verführerisch sich von der Welt zurückzuziehen und zu sagen ah, Katrina, Irak - wir wissen nicht was wir tun. Wir können es uns nicht leisten uns von der Welt zurückzuziehen. Es geht darum, wie wir auf der Welt sein sollen.
Und ich denke, die Lektion der Anti-Völkermord-Bewegung, die ich erwähnt hatte, die ein teilweiser Erfolg ist, aber keineswegs erreicht hat, was es wollte - es könnte Jahrzehnte dauern, bevor es passiert - aber wenn wir Wandel sehen wollen, müssen wir der Wandel werden. Wir können uns nicht auf die Institutionen verlassen, dass sie selbst mit den Gegnern sprechen ohne dass wir den Raum dafür schaffen, dafür respektvoll mit Würde umzugehen, dafür diese Kombination von Demut und einem kühnen Sinn für Verantwortung in unseren Umgang mit dem Rest der Welt einzubringen. Wird das Böse die Oberhand behalten? Ist das die Frage? Ich denke die kurze Antwort ist: Nein, wenn wir es nicht zulassen.
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Samantha Power erzählt die Geschichte des komplizierten Helden Sergio Vieira de Mello. Der UN Diplomat bewegte sich moralisch auf dünnem Eis, indem er mit den schlimmsten Diktatoren der Welt verhandelte um ihrem Volk beim Überleben von Krisen zu helfen. Eine fesselnde und leidenschaftlich erzählte Geschichte.
Samantha Power studies US foreign policy, especially as it relates to war and human rights. Her books take on the world's worst problems: genocide, civil war and brutal dictatorships. Full bio »
Translated into German by Katarina Ratajczyk
Reviewed by Alex Boos
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If you represent everyone, in some ways you represent no one. You’re un-owned.” (Samantha Power)
23:16 Posted: Sep 2008
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18:18 Posted: Jul 2008
Views 134,351 | Comments 31
18:00 Posted: Jan 2008
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