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Lassen Sie mich Ihnen einige Bilder davon zeigen, was ich als die Städte von morgen betrachte. Also, das ist Kibera, die größte Elendsviertel-Gemeinschaft in Nairobi. Das ist die Elendsviertel-Gemeinschaft im Sanjay Gandhi Nationalpark In Bombay, Indien, das heutzutage Mumbai genannt wird. Das ist Hosinia, die größte und am meisten urbanisierte Favela In Rio de Janeiro. Und das hier ist Sultanbelyi, das eine der größten Elendsviertel-Gemeinschaften in Istanbul ist. Sie sind was ich als die Städte von morgen betrachte, die neue urbane Welt.
Warum aber sage ich das? Um Ihnen das zu erzählen, muss ich von diesem Kollegen hier sprechen, sein Name ist Julius. Und ich habe Julius in der letzten Woche getroffen, in der ich in Kibera gelebt habe. Ich war dort also fast drei Monate lang gewesen und ich besichtigte die Stadt, betrat verschiedene Elendsviertel-Gebiete und Julius kam mit und er glotzte und an einigen Punkten, an denen wir spazieren gingen, ergriff er meine Hand zur Unterstützung, was etwas ist, das zu tun die meisten Kenianer niemals in Betracht ziehen würden. Sie sind sehr höflich und sie sind nicht so vorschnell. Und ich habe später herausgefunden, dass das Julius‘ erster Tag in Nairobi war und da ist er einer von vielen.
Also, bis zu 200.000 Menschen am Tag migrieren von den ländlichen zu den städtischen Gegenden. Das sind insgesamt – und ich werde fair sein zu den Statistikern, die heute Morgen gesprochen haben – nicht beinahe 1,5 Millionen Menschen pro Woche, sondern fast 1,4 Millionen Menschen pro Woche, aber ich bin ein Journalist und wir übertreiben, also fast 1,5 Millionen Menschen pro Woche, fast 70 Millionen Menschen pro Jahr. Und wenn Sie das ausrechnen, dann sind das 130 Menschen pro Minute. Das sind dann also, in den 18 Minuten, die mir gewährt wurden, um hier zu sprechen, zwischen zwei- und dreitausend Menschen, die in die Städte gereist sein werden. Und hier sind die Statistiken. Heute – eine Milliarde in Elendsvierteln, einer von sechs Menschen auf dem Planeten. 2030 – zwei Milliarden in Elendsvierteln, einer von vier Menschen auf dem Planeten. Und laut der Schätzung werden es in 2050 drei Milliarden in Elendsvierteln sein, mehr als einer von drei Menschen auf der Erde. Das sind also die Städte der Zukunft und wir müssen sie mit einbeziehen.
Und ich dachte diesen Morgen an das gute Leben und bevor ich Ihnen den Rest meiner Präsentation zeige, werde ich die TED-Regeln hier verletzen und ich werde Ihnen, so schnell ich kann, etwas aus meinem Buch vorlesen. Weil ich denke, dass es etwas darüber aussagt, unsere Vorstellung zu überdenken, davon, was wir als ein gutes Leben betrachten.
Also – „Die Hütte bestand aus geriffeltem Metall, erbaut auf einem Betonsockel. Sie war eine 10-auf-10-Fuß-Zelle. Armstrong O’Brian, Jr. teilte sie mit drei anderen Männern. Armstrong und seine Freunde hatten kein Wasser – sie kauften es von einem nahe gelegenen Wasserhahn-Besitzer – keine Toilette – die Familien in diesem Verbund teilten sich eine einzige Latrine – und weder eine Kanalisation, noch sanitäre Anlagen. Sie verfügten über Elektrizität, aber das war ein illegaler Service, der von jemand anderes Kabeln abgezapft wurde und nur eine einzige schwache Birne antreiben konnte. Das war in Southland, einer kleinen Baracken-Gemeinschaft auf der westlichen Seite von Nairobi, Kenia. Aber es hätte überall in der Stadt sein können, denn mehr als die Hälfte der Stadt Nairobi lebt so. 1,5 Millionen Menschen, die in Lehm- oder Metallhütten gedrängt sind ohne Services, ohne Toiletten, ohne Rechte.
„Armstrong erklärte die grausame Realität ihrer Situation: Sie zahlten 1.500 Schilling an Miete, ungefähr 20 Dollar pro Monat, ein relativ hoher Preis für eine kenianische Barackenstadt und sie konnten es sich nicht leisten, mit dem Geld spät dran zu sein. ‚Wenn man ihm einen Monat schuldet, dann kommt der Vermieter mit seinen Handlangern und wirft einen raus. Er wird deine Sachen konfiszieren.‘, sagte Armstrong. ‚Nicht einen Monat, einen Tag‘, warf sein Mitbewohner Hilary Kibagendi Onsomu, der Ugali kochte, das schwammige weiße Maismehl-Mischmasch, welches das Hauptnahrungsmittel in diesem Land ist, in die Konversation ein. Sie nannten ihren Vermieter einen Wabenzi, das heißt, dass er jemand ist, der genug Geld hat, um einen Mercedes-Benz zu fahren. Hilary servierte das Ugali mit gebratenem Fleisch und Tomaten; die Sonne brannte herunter auf das dünne Stahldach; und wir schwitzten, als wir aßen.
„Nachdem wir fertig waren, rückte Armstrong seine Krawatte zurecht, legte ein wollenes Sportjackett an und wir gingen hinaus in das blendende Licht. Draußen formte ein Hügel aus Müll die Grenze zwischen Southland und der daran grenzenden, rechtmäßigen Nachbarschaft Langata. Er war vielleicht acht Fuß hoch, 40 Fuß lang und 10 Fuß breit. Und er befand sich in einem großflächigeren wässrigen Schlamm. Als wir daran vorbeigingen, kletterten zwei Jungs auf den kenianischen Müllberg. Sie konnten nicht viel älter als fünf oder sechs Jahre gewesen sein. Sie waren barfuß und mit jedem Schritt sanken ihre Zehen in den Dreck, was dazu führte, dass hunderte von Fliegen von dem verrottenden Haufen aufstoben. Ich dachte, dass sie vielleicht King of the Hill spielen, aber da lag ich falsch. Sobald er auf der Spitze angekommen war, ließ einer der Jungs seine Hosen herunter, hockte sich hin und verrichtete seine Notdurft. Die Fliegen flogen hungrig um seine Beine herum. Wenn 20 Familien – 100 Menschen oder so – sich eine einzige Latrine teilen, dann ist ein Junge, der auf einen Müllhaufen macht vielleicht keine große Sache. Aber es stand in misstönendem Kontrast zu etwas, das Armstrong gesagt hatte, als wir gegessen hatten – dass er die Lebensqualität in seiner Nachbarschaft schätzte.
„Für Armstrong war Southland nicht aufgrund der materiellen Gegebenheiten begrenzt. Stattdessen strahlte das menschliche Temperament ab von den Metallwänden und den Müllhalden, um etwas anzubieten, das keine rechtmäßige Nachbarschaft bieten konnte: Freiheit. ‚Dieser Ort macht ziemlich süchtig‘, hatte er gesagt. ‚Es ist ein einfaches Leben, aber niemand schränkt dich ein. Niemand kontrolliert, was du machst. Wenn du einmal hier geblieben bist, kannst du nicht mehr zurückgehen.‘ Mit zurück meinte er auf die andere Seite dieses Müllberges, zurück in die rechtmäßige Stadt, mit rechtmäßigen Gebäuden, mit rechtmäßigen Mieten und gesetzlichen Rechten. ‚Wenn du einmal hier geblieben bist‘, sagte er, ‚dann kannst du hier für den Rest deines Lebens bleiben.‘“
Er hat also Hoffnung, und das ist der Punkt, an dem sich solche Gemeinschaften bilden.
Das ist die vielleicht primitivste Hütte, die man in Kibera finden kann, wenig mehr als eine Stock-und-Schlamm-Hütte neben einer Müllhalde. Hier bereitet man sich auf den Monsun vor in Bombay, Indien. Das ist Heimwerken: Plastik-Zeltplanen auf das eigene Dach zu packen.
Das ist in Rio de Janeiro und das sieht schon ein bisschen besser aus, oder? Wir sehen hier angeschnittene Terrakotta-Kacheln und kleine Teile von Schildern und Mörtel über dem Ziegel, etws Farbe und das ist Sulay Montakayas Haus in Sultanbelyi und das sieht sogar noch besser aus. Er hat einen Zaun; er hat eine Tür zurechtgeschliffen; er hat neue Ziegel auf dem Dach.
Und dann kommt man nach Rocinha und man kann sehen, dass es sogar noch besser wird. Die Gebäude hier haben mehrere Stockwerke. Sie entwickeln sich – man kann das weit rechts sehen, das eine, bei dem sie sich scheinbar einfach auf einander aufschichten, Raum über Raum über Raum. Und was die Leuten tun, ist sie bauen ihr Heim auf einem oder zwei Stockwerken und verkaufen ihre Loggia- oder Dach-Rechte und jemand anderes baut obendrauf auf ihr Gebäude und dann verkauft diese Person die Dach-Rechte und jemand anderes baut obendrauf auf ihr Gebäude. All diese Gebäude sind aus verstärktem Beton und Mauerziegel gemacht.
Und dann kommt man nach Sultanbelyi in der Türkei, wo das Bauen sogar ein höheres Design-Level erreicht hat. Der Dreck im Vordergrund ist Matratzenfüllung und das sieht man überall in der Türkei. Die Leute trocknen oder lüften ihre Matratzenfüllungen auf den Dächern. Aber das grüne Gebäude im Hintergrund, man kann sehen, dass das oberste Stockwerk noch nicht belegt ist, also bauen die Leute auf die Möglichkeit der Expansion hin. Und der Design-Standard ist ziemlich hoch.
Und dann sieht man letztendlich Elendsviertel-Häuser wie dieses hier, das nach dem Vorstadt-Modell gebaut ist. Hey, das ist ein Einfamilienhaus in der Elendsviertel-Gemeinschaft. Das ist auch in Istanbul in der Türkei. Das sind ziemlich vitale Orte, diese Gemeinschaften.
Das hier ist die größte Vertiefund von Rocinha, die Estrada de Gavea und es gibt eine Busroute, die hindurchführt, viele Leute draußen auf der Straße. Diese Gemeinschaften in diesen Städten sind in der Tat vitaler als die illegalen Gemeinschaften. Es passiert viel mehr in ihnen.
Das ist ein typischer Pfad in Rocinha, so etwas wird „Beco“ genannt – mittels dieser Pfade kommt man in der Gemeinschaft herum. Sie befindet sich auf ziemlich abschüssigem Grund. Sie werden auf den Hügeln erbaut, im Inland der Strände von Rio und man kann sehen, dass die Häuser freitragend sind über den natürlichen Hindernissen. Also, das ist einfach ein Felsen an enem Berghang. Und diese Becos sind normalerweise ziemlich überfüllt und die Leute hieven Möbel hinauf, oder Kühlschränke, alle Arten von Gegenständen. Bier wird auf den Schultern hingetragen. Bier ist eine sehr wichtige Sache in Brasilien.
Das ist Handel in Kenia, direkt entlang der Zuggleise, so nah an den Zuggleisen, dass die Händler ihre Waren manchmal aus dem Weg räumen müssen. Das hier ist ein Marktplatz, ebenfalls in Kenia, namens Toi Market, viele Händler, mit fast allem was man so kaufen möchte. Diese grünen Dinger im Vordergrund sind Mangos.
Das ist eine Einkaufsstraße in Kibera und wie man sehen kann, gibt es hier einen Limonadenhändler, eine Kurklinik, zwei Schönheitssalons, eine Bar, zwei Lebensmittelläden und eine Kirche und mehr. Das ist eine typische Downtown-Straße, nur zufällig selbst aufgebaut. Das hier, auf der rechten Seite, wird – wenn man sich das Kleingedruckte unter dem Vordach ansieht – ein Hotel genannt. Und in Kenia und Indien ist mit Hotel ein Speiselokal gemeint. Das ist also ein Restaurant.
Die Leute stehlen Elektrizität – das ist in Rio. Die Leute zapfen sie an und es gibt Diebe, die „Grillos“ oder „Heuschrecken“ genannt werden und diese stehlen die Elektrizität und verkabeln die Nachbarschaft. Die Leute verbrennen ihre Abfälle, um den Müll loszuwerden und sie graben ihre eigene Kanalisation. Wir sprechen von mehr Plastiktüten als Plankton. Und manchmal haben sie natürliche Abfallbeseitigung. Und wenn sie mehr Geld haben, dann betonieren sie ihre Straßen und sie konstruieren eine Kanalisatioon und gute Wasserpumpen und solche Dinge. Das ist Wasser, welches nach Rio fließt. Die Leute betreiben ihre Wasserpumpen überall in der Gegend und diese kleine Hütte genau hier besitzt eine Pumpe und das ist, was die Leute machen: Sie stehlen Elektrizität, sie installieren eine Pumpe und sie zapfen die Wasserversorgung an und pumpen Wasser herauf für ihre eigenen Häuser.
Also, die Frage ist, wie kommt man vom Schlammhütten-Dorf zu einer weiterenwickelten Stadt, zum sogar sehr weit entwickelten Sultanbelyi? Ich sage, dass es zwei Faktoren gibt. Einer ist, dass die Leute die Versicherung brauchen, dass sie nicht hinausgeworfen werden. Das bedeutet nicht zwingenderweise Eigentumsrechte und ich stimme Hernando de Soto in dieser Frage nicht zu, denn Eigentumsrechte bringen viele Komplikationen mit sich. Sie werden in den meisten Fällen an die Leute verkauft und die Leute sind am Ende dann verschuldet und müssen die Schulden zurückzahlen und müssen manchmal ihren Besitz verkaufen, um die Schulden zurückzuzahlen. Es gibt eine ganze Vielzahl an anderen Gründen, warum Eigentumsrecht in diesen Fällen manchmal nicht funktioniert, aber sie brauchen die Sicherheit eines Pachtverhältnisses. Und sie brauchen Zugang zur Politik und das kann zwei Dinge bedeuten. Das kann bedeuten, dass sich eine Gemeinschaft von unten organisiert, aber es kann auch bedeuten, dass von oben Möglichkeiten bestehen. Und ich sage das, weil das System in der Türkei bemerkenswert ist.
Die Türkei hat zwei große Gesetze, die Elendsviertel beschützen. Das eine besagt, dass – es wird „Gecekondu“ auf Türkisch genannt, was „über Nacht gebaut“ bedeutet und wenn man sein Haus über Nacht baut in der Türkei, dann kann man ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren nicht hinausgeworfen werden, wenn man nicht in der Nacht ertappt wird. Und der zweite Aspekt ist, dass sobald man 2.000 Menschen hat in der Gemeinschaft, dass man die Regierung dann ersuchen kannn, als legaler Unter-Stadtbezirk anerkannt zu werden. Und wenn man ein legaler Unter-Stadtbezirk ist, dann hat man auf einmal politische Aktivitäten. Man darf eine gewählte Regierung haben, Steuern einsammeln, städtische Dienstleitungen anbieten und das ist genau das, was sie tun.
Das sind also die bürgerlichen Anführer der Zukunft. Die Frau in der Mitte ist Geeta Jiwa. Sie lebt in einem dieser Zelte auf dem Fernstraßen-Mittelstreifen in Mumbai. Das hier ist Sureka Guni; sie lebt ebenso mit ihrer Familie in dem Zeltlager entlang des selben Fernstraßen-Mittelstreifens. Sie sind sehr offen. Sie sind sehr aktiv. Sie können eine Gemeinschaft anführen. Diese Frau ist Nine, was „Großmutter“ auf Türkisch heißt. Und es gab drei alte Damen, die hier gelebt haben – das ist ihr selbst gebautes Haus hinter ihr – und sie haben dort 30 oder 40 Jahre lang gewohnt und sie sind das Rückgrat der dortigen Gemeinschaft.
Das ist Richard Muthama Peter und er ist ein umherziehender Straßenphotograph in Kibera. Er verdient sein Geld, indem er Fotos von der Nachbarschaft schießt und von den Menschen in der Nachbarschaft und er ist eine wichtige Instanz in der Gemeinschaft.
Und zuletzt mein Favorit für die Bürgermeister-Kandidatur in Rio, das ist Cezinio, der Fruchthändler, hier mit seinen beiden Kindern und ich kenne keinen ehrlicheren und großzügigeren und fürsorglicheren Mann.
Die Zukunft dieser Gemeinschaften liegt in ihren Menschen und in unserer Fähigkeit, mit diesen Menschen zu arbeiten. Ich denke also, dass die Nachricht, die ich mitnehme von dem, was ich in dem Buch gelesen habe, von dem, was Armstrong sagte und von all diesen Menschen diejenige ist, dass das Nachbarschaften sind. Das Problem ist nicht städtische Armut. Das Problem ist nicht das größere, allumfassende Ganze. Das Problem ist, dass wir anerkennen müssen, dass das Nachbarschaften sind – dass dies eine legitime Art der städtischen Entwicklung ist – und dass die Städte diese Bewohner mit einbeziehen müssen, denn sie bauen die Städte der Zukunft.
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Robert Neuwirth, der Autor von „Shadow Cities“ (Schattenstädte) findet, dass die Elendsviertel dieser Welt – die eine Billion Menschen mittlerweile ihre Heimat nennen – florierende Zentren von Einfallsreichtum und Innovation sind. Er nimmt uns auf eine Reise mit.
To research his new book, "Stealth of Nations," Robert Neuwirth spent four years among street vendors, smugglers and “informal” import/export firms. Full bio »
Translated into German by Simone Lackerbauer
Reviewed by Alex Boos
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The human spirit radiated out from the metal walls and garbage heaps to offer something no legal neighborhood could: freedom.” (Robert Neuwirth)
03:05 Posted: May 2007
Views 294,215 | Comments 65
15:43 Posted: Feb 2008
Views 298,338 | Comments 47
18:01 Posted: Feb 2010
Views 255,907 | Comments 130
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