Manche haben diese Geschichte schon einmal gehört, aber eine bestimmte Person im Publikum hat diese Geschichte noch nicht gehört. Daher bin ich ein bisschen nervöser als sonst. Für viele Jahre war ich Fotograf. Ich habe 1978 für das "Time Magazine" gearbeitet, und mir wurde ein 3-Tages-Auftrag übergeben, amerikanisch-asiatische Kinder zu fotografieren. Kinder in Südostasien, die von amerikanischen Soldaten gezeugt und dann verlassen worden sind. Insgesamt über 40.000 Kinder. Ich hatte das Wort "Amerasisch" noch nie zuvor gehört. Ich habe für ein paar Tage Kinder in verschiedenen Ländern fotografiert und wie die meisten Fotografen und Journalisten auch, hoffe ich, dass meine Bilder eine Auswirkung auf die Situation haben, wenn sie erst einmal veröffentlicht werden, und nicht nur als bloße Dokumentation dienen.
Was ich gesehen habe, hat mich gestört und ich war nicht zufrieden mit dem Artikel, der dabei rauskam. Also entschied ich, eine 6 monatige Auszeit zu nehmen. Ich war 28 Jahre alt und habe beschlossen, 6 Kinder in verschiedenen Ländern zu finden, und mit ihnen Zeit zu verbringen, um ihre Geschichte ein wenig besser zu erzählen, als ich es für das "Time Magazine" getan hatte. Als ich die Story vorbereitet habe, suchte ich nach Kindern, die ich vorher noch nicht fotografiert hatte. Dann sagte die "Pearl Buck Foundation" in Korea, dass sie mit vielen Amerikanern arbeite, die Geld spenden, um den Kindern dort zu helfen. Und ein Mann, der diese Organisation in Korea leitete, erzählte mir, dass es dort ein 11 jähriges Mädchen gab, das von ihrer Oma erzogen wird. Diese Großfmutter hatte nie zugelassen, dass Westliche ihrer Enkelin nahekommen. Und jedes Mal, wenn Westliche ins Dorf kamen, versteckte sie das Mädchen. Natürlich war ich davon sofort fasziniert. Ich habe ein paar Fotos von ihr gesehen und wollte dorthin fliegen. Doch dieser Mann sagte mir: "Das ist unmöglich. Sie wird das Treffen niemals zulassen."
Doch zusammen mit einer Dolmetscherin ging ich in dieses Dorf, fand die Großfmutter und setzte mich mit ihr zusammen. Und zu meiner Überraschung erlaubte sie es doch, ihre Enkelin zu fotografieren. Ich bezahlte aus eigener Kasse, deshalb fragte ich die Großmutter, ob es okay wäre, wenn ich für eine Woche bei ihr bliebe. Ich hatte einen Schlafsack dabei. Da die Familie einen kleinen Schuppen neben dem Haus hatte, fragte ich sie, ob ich dort übernachten könnte. Das Mädchen, das Hyun Sook Lee hieß, sprach kein Wort Englisch, obwohl sie amerikanisch aussah. Deshalb ließ ich ihr mitteilen, dass sie nur ihre Hand heben und "Stopp" sagen bräuchte, und ich würde sofort auhören sie zu fotografieren. Danach verließ mich meine Dolmetscherin. Da war ich also. Ohne ein Wort Koreanisch zu sprechen. An diesem Abend traf ich zum 1. Mal Hyun Sook. Zu diesem Zeitpunkt lebte ihr Mutter noch, aber nicht sie, sondern die Großmutter zog sie auf. Was mich sofort beeindruckt hat, war, wie sehr sich die beiden liebten. Die Großmutter war hin und weg von ihrem kleinen Mädchen. In der Nacht schliefen die beiden auf dem Boden. In Korea heizen die Menschen ihre Häuser, indem sie Ziegelsteine unter die Fußböden legen, wodurch die Hitze dann direkt vom Boden aufsteigt. Hyun Sook war 11 Jahre alt.
Ich hatte schon eine Menge Kinder fotografiert. Hyun Sook war sogar schon das 5. Kind, das ich gefunden hatte. Und wie fast überall auf der Welt unter Kindern, waren diese psychisch geschädigt durch Hänseleien, Drangsalieren und Ablehnung. Und ich fand, dass Korea der Ort auf der Welt war, der für diese Kinder am schlimmsten ist. Als ich Hyon Sook das 1. Mal traf, war ich tief beeindruckt, wie selbstbewusst sie erschien, so glücklich mit sich selbst. Merken Sie sich dieses Bild, denn ich werde Ihnen ein anderes Bild später zeigen. Hier sehen Sie, wie sehr sie ihrer Großmutter ähnelt, obwohl sie gleichzeitig auch so westlich aussieht. Ich ging mit ihr zur Schule. Das ist der erste Morgen, an dem ich bei ihr war. Das ist auf dem Weg zur Schule. Die Morgenversammlung vor der Schule Ich habe bemerkt, dass sie immer am Rumkaspern war. Wenn die Lehrer Fragen stellten, war sie die erste, die ihre Hand hob. Also wirklich überhaupt nicht schüchtern oder zurückgezogen, oder in irgendeiner Weise vergleichbar mit den anderen Kindern, die ich schon fotografiert hatte. Sie war die erste die zur Tafel ging, um Fragen zu beantworten. Sie bekam Ärger, weil sie während des Unterrichts ihrer Nachbarin etwas zugeflüstert hatte. Über die Dolmetscherin sagte ich zu ihr, dass sie mich gar nicht beachten solle. Und so hat sie mich die meiste Zeit komplett ignoriert. Sie war das Mädchen, das in den Pausen die anderen für ihr Team aussuchte. Von Anfang an war es offensichtlich, dass sie eine Anführerin ist. Das ist auf dem Nachhauseweg. Und das ist Nordkorea auf einem Berg entlang. Hier laufen wir an der entmilitarisierten Zone entlang. Sie verhängen nachts ihre Fenster, damit kein Licht sichtbar ist, weil die südkoreanische Regierung seit Jahren sagt, dass die Nordkoreaner jederzeit einfallen könnten. Je näher man an Nordkorea war, desto angsterregender wurde es.
In der Schule machte ich oft Fotos, und während sie etwas ihren Freundinnen zuflüsterte, schaute sie mich an und sagte "Stopp". Darauf stand ich kerzengerade. Die Mädchen haben sich nur kaputtgelacht. Sie machten sich damit einen Spaß. (Gelächter) Am Ende dieser Woche kam meine Dolmetscherin zurück, weil ich sie dazu gebeten hatte, um mich förmlich bei der Oma und Hyon Sook zu verabschieden. Im Laufe des Gesprächs zwischen der Oma und der Dolmetscherin fing die Oma an zu weinen. Und ich fragte meine Dolmetscherin, was los sei, und sie sprach einen Moment lang mit der Großmutter, und dann kamen auch ihr Tränen in die Augen. Und ich sagte: "Was habe ich getan, warum weint hier jeder?" Und die Dolmetscherin sagte zu mir, dass die Großmutter denkt, sie würde bald sterben. Und sie möchte wissen, ob du Hyon Sook mit dir nach Amerika nehmen könntest. Und ich sagte: "Ich bin 28 Jahre alt, ich lebe in Hotels und ich bin nicht verheiratet". Ich meine, ich habe mich sozusagen in das Mädchen verliebt, aber ich war emotional gesehen vielleicht 12 Jahre alt. Wenn Sie Fotografen kennen, wissen Sie, dass sie die unreifsten Menschen überhaupt sind. "Sorry, ich habe einen Auftrag zu erfüllen, aber ich komme zurück" Und dann kommen sie doch nicht.
Deshalb fragte ich die Dolmetscherin, warum die Oma denkt, sie würde sterben. Kann ich sie in ein Krankenhaus bringen? Oder für einen Arzt zahlen? Doch sie lehnte jegliche Hilfe ab. Als ich dann rausging, gab ich der Dolmetscherin Geld und sagte: "Bitte gehen Sie zurück und schauen Sie, ob Sie irgendwas machen können" Und ich gab der Oma meine Visitenkarte und ich sagte zu ihr: "Wenn Sie es ernst meinen, werde ich versuchen eine Familie für sie zu finden". Und gleich darauf schrieb ich einen Brief an meine besten Freunde in Atlanta, Georgia, die einen 11 jährigen Sohn hatten. Mein bester Freund hatte eines Tages nebenbei erwähnt, dass er sich noch ein Kind wünsche. Meine Freunde Gene und Gail, die schon seit 1 Jahr nichts mehr von mir gehört hatten, kriegen plötzlich einen Anruf von mir: "Ich bin in Korea, und ich habe dieses außergewöhnliche Mädchen getroffen. Ihre Oma denkt sie sei krank, aber ich denke, wir müssten sie ebenfalls mit rüberbringen" Und ich sagte: "Ich bezahle die..." - Ich hatte dieses ganze Bild im Kopf. Auf jeden Fall bin ich dann gegangen und meine Freunde meinten tatsächlich sie wären interessiert sie zu adoptieren. Ich sagte: "Ich werde die Oma zu Tode erschrecken, wenn ich ihr wirklich mitteile, dass ihr bereit wärt, sie zu adoptieren. Ich gehe lieber zurück und spreche mit ihr" Aber ich hatte einen anderen Auftrag. Deshalb wollte ich ein paar Wochen später dorthin fahren und mit der Großmutter sprechen.
Am 1. Weihnachtsfeiertag war ich mit einer Gruppe Fotografen in Bangkok und habe ein Telegramm vom "Time Magazine" erhalten - damals gab es noch Telegramme - , das sagte, jemand sei in Korea gestorben und überließe mir laut Testament ihr Kind. Und ob ich denn irgendwas davon wüsste. Ich hatte denen nichts gesagt, weil ich von der Story, die sie herausgebracht hatten, so enttäuscht war. Also ging in zurück nach Korea, in das Dorf von Hyun Sook, doch sie war weg. Das Haus, in dem mit ihnen gewohnt hatte, war leer und unglaublich kalt. Keiner im Dorf wollte mir sagen, wo Hyun Sook war, weil ihre Oma sie immer vor Westliche geschützt hat. Sie wussten nichts von ihrem letzten Willen. Irgendwann fand ich dann Myung Sung, ihre beste Freundin, mit der sie jeden Tag nach der Schule gespielt hat. Myung Sung gab uns dann, nachdem wir ihr Druck machten, eine Adresse von außerhalb Seouls. Ich ging dorthin und klopfte an die Tür und ein Mann öffnete sie. Es war nicht gerade ein schöner Bezirk von Seoul, die Straßen waren schlammig. Und ich klopfte bei Hyun Sook an die Tür und als sie aufmachte, sah sie mich mit blutunterlaufenen Augen an, aber sie schien in Schock zu sein und mich nicht zu erkennen. Dann kam der Mann zur Tür und bellte mich auf Koreanisch an. "Was hat er gesagt?", fragte ich die Dolmetscherin Er wolle wissen, wer ich sei. Ich sagte: "Okay, sagen Sie ihm, dass ich Fotograf bin" Und ich beginn zu erklären, wer ich bin, aber er unterbrach mich. Sie übersetzte: "Er sagt, er weiß wer Sie sind. Was wollen Sie?" "Sagen Sie ihm, dass mich die Oma des Mädchens gebeten hat, eine Familie für sie zu finden." Er sagte: "Ich bin ihr Onkel, ihr geht's gut und Sie können jetzt wieder gehen"
Da stand ich nun - die Tür wurde mir vor der Nase zugeschlagen, es war unglaublich kalt und ich dachte mir: "Was würde jetzt ein Filmheld machen, wenn ich das Drehbuch schrieb?" Ich sagte: "Es ist wirklich kalt, die Reise hierher war lang, dürfte ich wenigstens für eine Minute reinkommen? Ich erfriere hier" Zögernd ließ er uns rein und wir setzten unsauf den Boden. Als wir dann angefingen uns zu unterhalten, brüllte er irgendwas und Hyon Sook kam und brachte uns Essen. Plötzlich hatte ich dieses Bild von Aschenputtel im Kopf, dass dieses unglaublich wundervolles, kluges, fröhliches kleines Kind, dass jetzt sehr zurückhalten wirkt, von dieser Familie versklavt wird. Ich war so entsetzt und wusste nicht, was ich tun sollte. Umso mehr ich mit ihm reden wollte, desto unfreundlicher wurde er. Ich sagte "Schauen Sie " - das alles ging über die Dolmetscherin, ich spreche ja kein Wort Koreanisch - "ich bin wirklich froh, dass Hyon Sook eine Familie hat, bei der sie leben kann. Ich habe mir Sorgen um sie gemacht. Ich habe ihrer Oma versprchen eine Familie für sie zu finden, und ich finde es wirklich toll, dass Sie sich um sie kümmern. Aber wissen Sie, ich habe ein Flugticket gekauft und ich sitze hier für eine Woche fest. Ich wohne in einem Hotel im Stadtzentrum. Hätten Sie Lust morgen Mittag dorthin zu kommen? Sie könnten dann Ihr Englisch üben" - das hatte er mir erzählt - Ich versuchte ihm Fragen über ihn selbst zu stellen. Zurück im Hotel traf ich zwei ältere Amerasians. Ein Mädchen, dessen Mutter Prostituierte war und das selbst auch eine war, und einen Jungen, der mal im Gefängnis saß. Ich sagte zu denen: "Passt auf, es gibt es Mädchen, das eine winzige Chance hätte hier rauszukommen und nach Amerika zu gehen. Ich weiß nicht ob es die richtige Entscheidung ist oder nicht, aber es wäre toll, wenn ihr morgen zum Mittagessen kämt und dem Onkel sagt, wie es ist, hier die Straße runterzugehen, was die Leute zu euch sagen und womit ihr euer Brot verdient. Ich will, dass er einfach versteht, was passiert, wenn sie hierbleibt. Ich könnte mich auch irren, ich weiß es nicht, aber ich wünsche mir, dass ihr morgen kommt.
Die zwei kamen also zum Mittagessen, und wir wurden aus dem Restaurant geworfen. Sie brüllten ihn an. Es wurde wirklich ausfallend. Und wir gingen raus, er war fuchsteufelswild. Ich wusste, ich hatte das total versaut. Ich versuchte rauszufinden, was zu tun ist. Er begann mich anzuschreien, und ich sagte zur Dolmetscherin: "OK, sagen Sie ihm er soll sich beruhigen. Was sagt er?" Sie sagte: "Also, er sagt: "Wer sind Sie, dass Sie einfach in mein Haus platzen, irgendein reicher Amerikaner mit Kameras um den Hals, und mich beschuldigen, meine Nichte zu versklaven? Das ist meine Nichte, ich liebe sie, sie ist die Tochter meiner Schwester. Wer zum Teufel sind Sie um mich wegen so etwas zu beschuldigen?" Und ich sagte: "Okay, Sie haben absolut Recht, Ich gebe nicht vor zu verstehen, was hier abläuft. Alles, was ich weiß, ist, dass ich viele solcher Kinder fotografiert habe. Und ich habe mich in ihre Nichte verliebt, ich glaube, sie ist ein ganz besonderes Kind. Ich werde meine Freunde aus den USA herfliegen lassen, um zu sehen, ob Sie mit ihnen einverstanden sind. Ich glaube einfach nur - von dem bisschen, was ich über die Situation weiß -, dass sie eine kleine Chance hat, das Leben zu leben, dass Sie ihr wahrscheinlich wünschen."
Hinterher hat mir jeder gesagt, dass das wieder einmal das Dümmste war, das ich je hätte machen können, denn wer ist schon gut genug für deinen Verwandten? Aber er lud mich ein, zu einer Zeremonie, die sie für ihre Großmutter an diesem Tag hatten. Bei dieser nehmen sie Kleidungsstücke und Fotos und verbrennen sie als Teil des Rituals. Sie können sehen, wie sehr sie sich in nur 3 Monaten verändert hat. Dieses Bild ist von Anfang Februar. Und die Bilder davor wurden im September gemacht. Es gab einen amerikanischen Priester, den ich während dieser Zeit kennengelernt hatte. In seinem Haus lebten 75 Kinder. Er hatte 3 Frauen, die ihm geholfen haben. Deshalb habe ich dem Onkel vorgeschlagen, dass wir dorthin gehen und Pater Keene besuchen, um herauszufinden, wie eine Adoption funktioniert. Denn ich wollte, dass er das Gefühl hat, dass das alles sehr ehrlich abläuft.
Das ist auf dem Weg zum Waisenheim. Das ist Pater Keene. Er ist einfach wunderbar. Er hatte Kinder aus ganz Korea bei sich leben, und er fand Familien für sie. Hier wird Hyon Sook von einer Sozialarbeiterin interviewt. Ich hatte immer gedacht, dass sie von der ganzen Sache total unberührt ist, denn ihre Oma wirkte auf mich wie eine Weise, zu der jeder hinging. Den ganzen Tag über kamen Leute um ihre Großmutter aufzusuchen. Und ich hatte immer vor Augen, dass, obwohl sie eine der ärmeren Familien im Dorf gewesen sein mögen, sie dennoch eine der am meisten respektierten Familien des Dorfes waren. Ich fand, die Großmutter erwartete und bestand in gewisser Weise darauf, dass die Dorfbewohner Hyon Sook den gleichen Respekt gebühren wie ihr. Hyon Sook blieb bei Pater Keene und ihr Onkel stimmte zu, sie dortzulassen bis die Adoption durch ist. Er hatte also wirklich der Adoption zugestimmt.
Ich hatte einen Auftrag, aber eine Woche später kehrte ich zurück und Pater Keene sagte: "Ich muss Sie wegen Hyon Sook sprechen" Und ich sagte "Oh Gott, was kommt jetzt?" Und dann nimmt er mich mit in seinen Raum, schließt die Tür und sagt: "Hier leben 75 Kinder. Es ist ein riesen Durcheinander. So viele Sachen, so viele Kinder, und nur 3 Erwachsene - Sie können es sich vorstellen" Und er sagte: "Am 2. Tag, an dem sie hier war, stellte sie eine Liste auf mit allen Namen der älteren und der jüngeren Kinder. Und sie teilte jedem älteren eines der jüngeren Kinder zu. Und dann hat sie einen Arbeitsplan aufgestellt, wer an welchem Tag das Waisenhaus zu putzen hat. Sie sagte mir, ich sei unordentlich und soll mein Zimmer aufräumen. Ich weiß nicht, wer sie großgezogen hat, aber", fuhr er fort, "sie leitet das Haus und sie ist gerade mal seit 3 Tagen hier" (Gelächter)
Das war ein Filmabend, den sie organisiert hat, zu dem alle Kinder kamen. Viele der Kinder, die adoptiert worden sind, schrieben den anderen Briefe, in denen sie über ihr Leben bei den neuen Familien berichten. Es war eine große Sache, wenn solche Briefe ankamen. Das ist eine Frau, die jetzt im Waisenhaus arbeitet und deren Sohn adoptiert ist. Gene und Gail fingen sofort an Koreanisch zu lernen, als sie meinen ersten Brief erhalten hatten. Sie wollten Hyun Sook in ihrer Familie willkommen heißen. Pater Keene erzählte mir auch noch, als ich von von einem dieser Trips zurückkam, dass Hyun Sook den Namen Natasha ausgewählt hatte, was ich nachvollziehen konnte, weil sie einen "Rocky&Bullwinkle" Cartoon auf der American Air Force Station gesehen hatte. Das ist eine Sache, die wir gleich noch aufzuklären haben.
Also mein Freund Gene ist dann mit seinem Sohn Tim rübergeflogen. Gail konnte nicht kommen. Sie haben viel Zeit über dem Wörterbuch gekauert. Gene, wie er dem Onkel zeigt, wo seine Heimatstadt Atlanta liegt. Das ist der Onkel beim Unterschreiben der Adoptionsunterlagen. Hier, wie wir den Abend ausgingen um zu feiern. Der Onkel kehrte zu seiner Familie zurück und Natasha, Tim, Gene und ichgingen abends essen. Hier zeigt Gene Natasha, wie man mit Messer und Gabel isst, und danach gab Natasha auch Besteckunterricht. Wir gingen zurück in unser Hotelzimmer und Gene zeigte auch Natasha, wo sich Atlanta befindet. Das ist die 3. Nacht, in der wir in Korea waren. In der 1. Nacht waren die Kinder im Zimmer neben uns,
in meinem Zimmer war ich schon seit etwa 3 Monaten. es war ein kleines 15-stöckiges koreanisches Hotel. In der 2. Nacht hatten wir aber das Nebenzimmer nicht, weil wir bei den Kindern im Waisenhaus übernachteten. Als wir in der 3. Nacht gerade vom Essen kamen, von dem Sie die Bilder gesehen haben, sagte der Rezeptionist zu uns: "Es gibt keine freien Zimmer mehr auf Ihrer Etage, aber 5 Etagen tiefer ist noch eins frei, wenn Sie möchten" Gene und ich haben uns nur angeguckt und gesagt: "Nein, wir wollen zwei 11-Jährige nicht 5 Etagen unter uns haben." Der Sohn sagte: "Ich habe einen Schlafsack, ich schlafe auf dem Boden" Und ich sagte: "Ja, ich habe auch einen" Tim und ich schliefen dann also auf dem Boden, Natasha hatte ein Bett und Gene das andere. Die Kids schliefen sofort, die letzten 3 Tagen waren ja anstrengend.
Wir liegen im Bett und Gene und ich sprachen darüber, wie cool wir doch sind. Wir sagten: "Das war so großartig, wir haben das Leben dieses Mädchens gerettet" Wir waren einfach, Sie wissen schon, einfach eingenommen von uns selbst. Und wir schliefen ein - und, wissen Sie, ich war in diesem Zimmer schon für ein paar Monate. Und in Korea überhitzen sie die Hotels schrecklich, weshalb ich während des Tages das Fenster offenließ. Und um Mitternacht herum stellen sie die Heizung im Hotel ab, sodass 1 Uhr der ganze Raum so um die 20 Grad minus hat. Ich stand dann immer auf, jede Nacht, seit meiner Ankunft. Um eins ist der Raum wirklich durchgekühlt, und ich stehe auf, um das Fenster zu schließen, und ich höre Schreie. Ich dachte mir, die Bars schließen gerade. Und ich spreche kein Koreanisch, aber als ich diese Stimmen hörte, hörte ich keinen Zorn, sondern Schrecken. Ich öffne also das das Fenster, schaue raus, und sehe, wie Flammen von der Seite des Hotels in die Höhe schießen. Das Hotel brennt. Ich renne also rüber zu Gene, wecke ihn, und sage: "Gene, bleib jetzt ganz ruhig; Ich denke das Hotel brennt" Und dann erreicht der Rauch und die Flammen unsere Fenster. Wir sind in der 11. Etage. Und wir voller Panik: "Oh mein Gott, oh mein Gott" Wir versuchen, Natasha wachzukriegen, aber wir können nicht mit ihr reden. Sie wissen sicher, wie Kinder sind, wenn sie geweckt werden, es ist, als ob sie 5 Pillen Valium genommen hätten, total durcheinander. Und wir können einfach nicht mit ihr reden. Ich erinnere mich, dass sein Sohn diese L.L.Bean Schnürsenkel hatte, und wir versuchten sie zuzuschnüren. Wir rennen zur Tür, öffnen sie und es ist, als ob man in einen Hochofen geht. Leute schreien, Glas zerbricht, ein komisches Pochen. Und das ganze ZImmer füllte sich mit Rauch innerhalb von 2 Sekunden. Und Gene dreht sich rum und sagt: "Wir werden es nicht überleben" Und er schließt die Tür, der ganze Raum ist nun rauchig, wir ersticken fast. Rauch kommt durch die Lüftungsschlitze, unter den Türen durch und Leute schreien. Ich erinnere mich noch an dieses unglaubliche, absolute Chaos, wie ich am Bett saß und ich war einfach so - Ich hatte zwei überwältigende Gefühle. Absolute Angst, ich dachte: "Oh, bitte lieber Gott, ich will nur aufwachen, das muss ein Alptraum sein, das passiert nicht wirklich, bitte, ich will einfach aufwachen, lass es ein Alptraum sein" Und das andere ist unglaubliches Schuldgefühl. Ich habe Gott gespielt, mit den Leben meiner Freunde, mit dem von Tim, mit dem von Natasha, und alles, was du erreichst, wenn du versuchst Gott zu spielen, ist Menschen zu verletzen. Ich erinnere mich noch genau, wie angsterfüllt und erschreckt ich war. Und Gene, der auf dem Boden liegt, sagt: "Mann, wir müssen Handtücher nass machen." Ich sagte: "Was?" Er sagte: "Wir müssen sie nass machen. Wir sterben sonst durch den Rauch" Also rannten wir ins Bad, nahmen Handtücher und hielten sie vor unsere Gesichter und die der Kinder. Dann sagte er: "Hast du Klebeband?" - "Was?" - "Hast du Klebeband?" "Ja, irgendwo in meinem Halliburton [Koffer]" "Wir müssen den Rauch stoppen", sagte er, "Das ist alles, was wir tun können" Gene, Gott sei Dank gab es Gene. Also steckten wir die Zimmerservice-Karten auf die Lüftungsschlitze in der Wand, legten Decken an die Türschlitze und setzten die Kinder auf's Fensterbrett wegen der Luft. Es gab ein Gebäude, das gerade im Bau war, direkt gegenüber von unserem Hotel. Und dort in diesem Gebäude waren Fotografen, die darauf warteten, dass Leute aus dem Fenster springen. 11 starben im Feuer, 5 sind gesprungen und starben, andere wurden durch den Rauch vergiftet. Nach etwa 45 min hörte man ein lautes Pochen an der Tür und Leute, die auf Koreanisch rufen. Ich erinnere mich - Natasha wollte nicht, dass wir die Tür aufmachten - , ich habe versucht nicht die Tür zu öffnen, weil wir solange gebraucht hatten, uns zu verbarrikadieren. Ich wusste nicht, wer es war, ich wusste nicht, was sie wollten, doch Natasha sagte, es seien Feuerwehrmänner, die uns rausholen wollen. Ich erinnere mich an ein kleines Gerangel an der Tür, um sie aufzukriegen. Jedenfalls haben sie uns in die Hotelhalle gesetzt. Gene hat am Ende noch eine Bar mit ummantelter Faust aufgebrochen. Leute lagen auf dem Boden. Es war einfach eine der schlimmsten Nächste überhaupt.
Und dann 12 Stunden später, haben wir ein Auto gemietet, so wie es geplant war, und fuhren zurück in Natashas Dorf. Und wir hörten nicht auf zusagen: "Vor knapp 8 Stunden wären wir fast durch einen Brand gestorben!" Es ist merkwürdig wie das Leben einfach weitergeht. Natasha wollte ihren Bruder und Vater allen Dorfbewohnern vorstellen und an dem Tag, an dem wir auftauchten, war der Geburtstag eines 60 Jährigen. So wurde es also zu einer 2fachen Feier, denn Natasha war die Erste aus diesem Dorf, die jemals in die USA gehen würde. Das sind die Gewächshauszelte. Hier bringen die Älteren Gene ihre Tänze bei. Wir dranken eine Menge Reiswein, wir waren beide so betrunken, ich konnte es nicht fassen.
Das ist das letzte Bild vor der Rückreise von Gene und Tim. Die Verantwortlichen für die Adoption sagten, es würde ein Jahr dauern, bis die Adoption durch ist. Ein Jahr! Was braucht da so lange? Ich fand dann den Namen jedes Beamten von der korean. und amerik. Seite heraus und ich fotografierte sie und sagte ihnen, wie berühmt sie sein werden, wenn dieses Buch fertig ist. Und 4 Monate später kamen die Adoptionspapiere an. Hier verabschieden sie sich alle im Waisenhaus. Das ist Pater Keene mit Natasha an der Bushaltestelle. Ihre Großtante am Flughafen. Ich hatte für viele Jahre einen tollen Deal mit Cathay Pacific Airlines: Ich erhielt kostenlose Flugtickets bei all ihren Fluglinien als Gegenleistung für Fotografien. Es war ein super Sache . Den Piloten kannte ich sogar, weil er mir immer erlaubte, im Notsitz zu sitzen, um Ihnen eine Vorstellung zu geben, wie lange das schon her war. Das ist ein Tri-Star, und sie haben Natasha wirklich im Notsitz sitzen lassen. Und der Pilot, Jeff Cowley, ging nach dem Treffen mit Natasha nach Korea und adoptierte eines der anderen Waisenkinder.
Das ist 28 Stunden später in Atlanta. Es war ein sehr langer Flug. Um die Geschichte noch ein wenig verrückter zu machen, Gail, Natashas neue Mutter, war 3 Tage vor der Geburt ihrer eigenen Tochter. Wenn Sie das als Drehbuch schreiben müssten, würden Sie sagen: "Nein, wir müssten das anders schreiben" Der erste Abend, an dem sich Natashas neue Cousins, Onkel und Tanten vorstellten. Gene und Gail kennen jeden in Atlanta, sie sind das geselligste Paar überhaupt vorstellbar. Zu diesem Zeitpunkt spricht Natasha kein Wort Englisch, abgesehen von dem Bisschen, das Pater Keene ihr beigebracht hatte. Das rechts ist Kylie, ihre Schwester, die nun Ärztin ist. Das war eine Vereinbarung mit Natasha; Sie dürfte meinen Bart abschneiden, wenn wir in Atlanta sind. Sie hat ihn nie wirklich gemocht.
Sie lernte Englisch in 3 Monaten. Sie ging in die 7. Klasse mit Gleichaltrigen. Hier das erste Mal beim Treueschwur. Das ist ihre Kochlehrerin. Natasha sagte mir, viele Kinder dachten, sie wäre hochnäsig, weil sie nicht antwortete, wenn sie angesprochen wurde. Doch sie begriffen nicht, dass sie kaum Englisch konnte. Was ich bemerkte, wieder als Beobachter, war, dass sie wieder aussuchte, wer in ihrem Team sein darf. In kürzester Zeit war sie wieder sehr beliebt. Erinnern Sie sich an das Bild vom Anfang, wo sie ihrer Oma so ähnelte? Nun sagten die Leute, wie sehr sie doch ihrer Mutter Gail ähnelte. Das ist ein spannender Moment des ersten Footballspiels. Und Kylie war für sie fast ihr eigenes Kind. Bei der Taufe. Viele Menschen, wenn sie adoptieren, wollen die Geschichte ihrer Kinder total auslöschen. Gail und Gene hingegen haben vielmehr das Gegenteil gemacht. Sie lernten Koreanisch, kauften koreanische Kleider. Gene hat sogar in der Küche Fliesen gelegt, die eine Geschichte erzählen: es war einmal ein schönes Mädchen, das von den Hügeln Koreas kam, um für immer glücklich in Atlanta zu leben.
Sie hasst dieses Foto - bei ihrem ersten Job. Sie kaufte einen knallroten Karmann Ghia mit dem Geld, das sie sich bei Burger King verdiente. Als Kapitän der Cheerleaders. Beim Schöhnheitswettbewerb. Sie machte jedes Jahr die Weihnachtskarte. Gene restauriert dieses Auto schon seit Ewigkeiten.
Kodak stellte Natasha als Übersetzerin bei den Olympischen Spielen in Korea an. Ihr zukünftiger Ehemann, Jeff, der für Canon arbeitete, und Natasha im Olympischen Dorf traf. Das ist ihr erster Trip zurück nach Korea; Hier mit ihrem Onkel. Das ist ihre Halbschwester. Sie ging zurück zum Dorf. Hier die Mutter ihrer besten Freundin. Ich fand immer, sie kleidete sich swie Annie Hall. Es war einfach interessant, das so zu beobachten. Dort ist ihre Mutter im Hintergrund. Das ist Nataschas Hochzeitstag. Gene etwas älter. Das ist Sydney, der in ein paar Tagen 3 Jahre alt wird, und das ist Evan.
Natasha, könntest du kurz hochkommen, um vielleicht ein paar Worte zu sagen? (Applaus) Natasha hat übrigens nie gehört, wie ich die Geschichte erzähle. Wir haben immer nur die Bilder zusammen angeguckt.
Natasha: "Ich habe diese Bilder 100 Mal gesehen, aber heute war es das 1. Mal, dass ich seine ganze Präsentation sehe. Und ich musste weinen."
Rick Smolan: "Ich bin sicher, es gibt ungefähr 40 Sachen, die sie mir sagen wird: 'Das stimmte so nicht; das war nicht das, was du gesagt hattest' " Natasha: "Später, das mache ich später." (Gelächter)
Rick Smolan: "Vielen Dank an Mike und Richard, die uns die Geschichte haben erzählen lassen. Vielen Dank an euch alle." (Applaus)
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Fotograf Rick Smolan erzählt die unvergessliche Geschichte eines jungen amerasischen Mädchens, eines schicksalhaften Fotos und einer Adoption mit überraschenden Wende.
Rick Smolan is the co-founder of the America 24/7 and Day in the Life photography series -- and a natural storyteller in many media. His latest books are America at Home and Blue Planet Run. Full bio »
Translated into German by Carolin Siegert
Reviewed by Christian Siegert
Comments? Please email the translators above.
18:35 Posted: Jan 2007
Views 267,259 | Comments 53
11:14 Posted: Jun 2008
Views 866,085 | Comments 199
14:53 Posted: Aug 2008
Views 607,518 | Comments 62
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