Follow TED
Be the first to know about new TEDTalks, TED news and other announcements.
Click on any phrase to play the video from that point.
Das ist das erste von zwei außergewöhnlichen Fotos, die ich Ihnen heute zeigen werde. Es wurde vor 18 Jahren aufgenommen. ich war damals 19 Jahre alt. Ich kam gerade von einem der tiefsten Tauchgänge, die ich damals je gemacht hatte, – ein wenig mehr als 60 Meter – und hatte diesen kleinen Fisch hier gefangen. Tatsächlich das erste Exemplar, das je lebend gefangen wurde. Ich bin nicht nur ein Fischkundler, ich bin ein waschechter Fisch-Fan. Und für einen Fisch-Fan ist das ganz schön aufregend. Und noch aufregender war, dass der Fotograf ein Typ namens Jack Randall war, der größte lebende Fischkundler der Welt, der Großmogul der Fisch-Fans sozusagen. Und so war dieser Moment für mich wirklich aufregend, und hat damals den Kurs für den Rest meines Lebens gesetzt.
Aber das bedeutsamste, das tiefsinnigste an diesem Bild ist, dass ich zwei Tage nach dieser Aufnahme, vom Hals abwärts vollständig gelähmt war. Ich hatte einen wirklich dummen Fehler begangen, wie die meisten 19-jährigen, die sich für unsterblich halten, und litt an einem schweren Fall der Taucherkrankheit, war gelähmt und musste zur Behandlung ausgeflogen werden. An diesem Tag lernte ich zwei wirklich wichtige Dinge. Erstens – na ja, ich bin sterblich, das war 'ne ziemliche Lektion. Und zweitens wurde mir bewusst, dass ich, mit absoluter Sicherheit, von nun an genau wusste, was ich im Rest meines Lebens tun würde. Ich musste all meine Energie darauf konzentrieren, neue Spezies zu finden, die tief unten in den Korallenriffs leben.
Wenn man an ein Korallenriff denkt, stellen sich die meisten Leute dies vor: all diese großen, harten, kunstvollen Korallen und viele bunte Fischlein und so. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Schauen Sie sich dieses Diagramm eines Korallenriffs an. Wir wissen eine Menge über den oberen Teil, und der Grund dafür ist der, dass er für Sporttaucher sehr leicht zu erreichen ist.
Sporttauchen bringt aber ein Problem mit sich, es schränkt nämlich die mögliche Tauchtiefe ein, und diese Tiefe liegt bei ungefähr 60 Metern. Ich erkläre auch gleich, wieso das so ist. Entscheidend ist, dass Sporttaucher meist weniger als 30 Meter tauchen und sehr selten viel tiefer, wenigstens wenn sie bei Verstand sind. Um also tiefer zu gelangen, helfen sich die meisten Biologen mit Tauchbooten. Tauchboote sind großartige Erfindungen, aber wenn man pro Tag 30.000 Dollar für so ein Ding ausgibt und damit 600 Meter tief kommt, dann verschwendet man doch keine Zeit auf hundert Metern, nein, dann geht man ganz, ganz, ganz nach unten. Also die Quintessenz ist, dass fast alle Forschung mit Tauchbooten weit unter 150 Metern stattfindet.
Jetzt zeichnet sich schon ziemlich deutlich diese Zone in der Mitte ab, und in dieser Zone manifestiert sich mein eigenes Streben nach Glück. Ich möchte herausfinden, was es in dieser Zone gibt. Wir wissen kaum etwas darüber. Sporttaucher kommen dort nicht hin, U-Boote fahren einfach vorbei.
Es dauerte ein Jahr, bis ich nach meinem Tauchunfall in Palau wieder laufen konnte, und während dieses Jahres lernte ich eine Menge über die Physik und Physiologie des Tauchens, und versuchte herauszufinden, wie man die Einschränkungen überwinden kann. Ich erkläre Ihnen jetzt also das Grundkonzept. Wir alle atmen gerade Luft. Luft ist ein Mix aus Sauerstoff und Stickstoff, in unseren Lungen sind etwa 20 % Sauerstoff, etwa 80 % Stickstoff. Ein Phänomen namens Henry-Gesetz beschreibt, dass Gase sich proportional zum Partialdruck, dem sie ausgesetzt sind, in einer Flüssigkeit lösen. Das Gas löst sich also in unserem Körper. Der Stoffwechsel bindet den Sauerstoff, um Energie zu gewinnen. Der Stickstoff schwebt so ein bisschen im Blut und den Geweben herum, das ist auch okay so, so sind wir gebaut. Das Problem tritt dann auf, wenn man unter Wasser geht.
Je tiefer wir unter Wasser gehen, desto höher ist der Druck. Wenn wir zum Beispiel auf etwa 40 Meter gehen, also die empfohlene Tauchgrenze für die meisten Sporttaucher, gibt es diesen Einfluss des Drucks, nämlich eine erhöhte Dichte der Gasmoleküle, die man mit jedem Atemzug einatmet. Diese Gasmoleküle lösen sich mit der Zeit im Blut und den Geweben, und reichern sich darin an. Wenn man jetzt zum Beispiel auf 90 Meter absteigt, hat man nicht fünfmal so viele Gasmoleküle in der Lunge – sondern man hat zehnmal so viele Gasmoleküle in der Lunge. Und natürlich lösen die sich auch im Blut und in den Geweben. Und wenn man jetzt tiefer geht, bis der Faktor fünfzehn ist – je tiefer man also geht, umso gravierender wird dieses Problem. Und das Problem, die Einschränkung beim Tauchen mit Luft, sind all diese Punkte in unserem Körper, der ganze Stickstoff und Sauerstoff.
Tauchen mit Druckluft schränkt uns auf drei Arten ein. Die erste Einschränkung ist der Sauerstoff – uns droht eine Sauerstoffvergiftung. Wir kennen alle das Lied "Love is like Oxygen": "Liebe ist wie Sauerstoff, / kriegst du zu viel, wirst du zu high./ Kriegst du nicht genug, stirbst du." Und wenn man beim Tauchen zu viel davon bekommt, stirbt man auch. Man stirbt auch, weil die Sauerstoffvergiftung einen Krampf auslösen kann – man krampft unter Wasser, so was sollte unter Wasser nicht passieren. Das passiert, wenn die Sauerstoffkonzentration im Körper zu hoch ist.
Mit Stickstoff gibt es zwei Probleme. Eines von denen ist das, was Jacques Cousteau "Tiefenrausch" nannte. Stickstoffnarkose. Die lässt einen Taucher durchdrehen. Je tiefer man geht, desto mehr dreht man durch. Das ist wie betrunken Auto fahren, also ein wirkliches Problem. Und natürlich das dritte Problem, das ich so hautnah in Palau kennenlernte, die Taucherkrankheit. Ich hab noch vergessen zu erwähnen, dass man das Problem mit dem Tiefenrausch umgehen kann – also die ganzen blauen Punkte im Körper – indem man den Stickstoff entfernt und ihn durch Helium ersetzt. Also Helium ist ein Gas, das in vieler Hinsicht günstig ist, es ist ein klitzekleines Molekül, reaktionsträge, und hat keinen Rauscheffekt. Das ist also unser Grundkonzept. Aber die Theorie ist recht einfach. Das Schwierige ist die Umsetzung.
Ich fing also vor circa 15 Jahren so an. Ich gebe zu, dass das vielleicht nicht der beste Anfang ist, aber man muss ja irgendwie anfangen, oder? Damals war ich nicht der einzige, der nicht wusste, was er tat – das wusste damals kaum jemand. Und diese Ausrüstung haben wir für einen 90-m-Tauchgang verwendet. Mit der Zeit wurden wir ein bisschen besser, und wir dachten uns diesen futuristischen Aufbau aus, mit vier Flaschen und fünf Druckminderern, genau den richtigen Gasmischungen und dem ganzen Pipapo. Und das war auch super, damit konnten wir runtergehen und neue Arten finden. Dieses Bild entstand bei 90 Meter beim Einfangen neuer Fischarten. Aber das Problem war, dass wir damit nicht viel Zeit hatten. Obwohl es so klobig war, gab es uns höchstens um die 15 Minuten in solchen Tiefen. Wir brauchten mehr Zeit. Es musste doch eine bessere Lösung geben. Und es gab wirklich eine bessere Lösung.
1994 hatte ich das große Glück, einen Prototyp dieses Kreislauftauchgeräts in die Finger zu bekommen. Ok, was unterscheidet ein Kreislauftauchgerät von der gängigen Druckluftkonfiguration, und wieso ist es besser? Kreislauftauchgeräte bieten drei große Vorteile: Erstens sind sie leise, machen also keine Geräusche. Zweitens kann man damit länger unter Wasser bleiben. Drittens, man kann tiefer runter. Und wie ist das möglich? Nun, um zu verstehen, wie das möglich ist, muss man die Verschalung abnehmen und einen Blick ins Innere werfen.
Es gibt drei Grundsysteme eines Kreislauftauchgeräts. Das Wichtigste davon ist der Atemkreislauf. Es ist ein Atemkreislauf, weil man ihn zum Atmen verwendet, da es ein Kreislauf ist, atmet man immer wieder dasselbe Gas. Hier ist das Mundstück, das man in den Mund nimmt, und es gibt auch eine Gegenlunge, oder in diesem Fall sogar zwei Gegenlungen. Diese Gegenlungen sind nicht high-tech, es sind einfach flexible Beutel. Mit ihnen kann man mechanisch atmen, oder mechanisch lüften. Beim Ausatmen geht die Luft in die Ausatemlunge, beim Einatmen kommt die Luft aus der Einatemlunge. Das ist reine Mechanik, mit der die Luft den Kreislauf durchläuft. Und die andere Komponente in dem Atemkreislauf ist der Atemkalkbehälter zur Bindung des Kohlendioxid. Beim Atmen produzieren wir ja Kohlendioxid, und dieses Kohlendioxid muss aus dem System gefiltert werden. Darin befindet sich ein chemischer Filter, der das Kohlendioxid aus dem Atemgas zieht – so dass es, wenn es wieder zum Einatmen zurückkommt, sicher zu atmen ist. So funktioniert der Atemkreislauf im Großen und Ganzen.
Der zweite Hauptbestandteil eines Kreislauftauchgeräts ist das Gassystem. Der Hauptzweck des Gassystems ist Sauerstoffversorgung, um den verbrauchten Sauerstoff im Körper zu ersetzen. Also die Hauptflasche, das ausschlaggebende Teil ist diese Sauerstoffflasche hier. Aber wenn wir nur eine Sauerstoffflasche hätten, könnten wir nicht sehr tief runter, denn wir würden sehr schnell Opfer der Sauerstoffvergiftung werden. Also brauchen wir noch ein Gas, mit dem wir den Sauerstoff mischen können. Passenderweise nennt man das Mischgasquelle. Wir füllen diese Mischgasquelle meistens mit Luft, da das eine billige und leicht verfügbare Stickstoffquelle ist. Dort beziehen wir also unseren Stickstoff. Aber wenn wir noch tiefer gehen wollen, brauchen wir noch eine Gasquelle. Wir brauchen Helium, und nur mit Helium kommen wir wirklich tief runter. Und normalerweise haben wir noch eine etwas größere Druckluftflasche die außen am Kreislauftauchgerät angebracht ist, so hier. Und damit mischen wir den Gasvorrat bei unseren Tieftauchgängen. Wir haben auch noch eine weitere Sauerstoffflasche, als Reserve, damit wir weiteratmen können, falls es ein Problem mit der ersten Sauerstoffquelle gibt. Und um all diese unterschiedlichen Gase und Gasquellen zu kontrollieren, gibt es hier vorn diese hochmoderne Armatur, wo man sie leicht erreichen kann. Da sind die ganzen Ventile und Regler und Schalter, mit denen man die richtigen Gase zum richtigen Zeitpunkt dazuschalten kann.
Normalerweise muss man das nicht tun, der Vorgang ist automatisch mittels der Elektronik, dem dritten Grundelement des Kreislauftauchgeräts. Der wichtigste Teil des Kreislauftauchgeräts sind die Sauerstoffsensoren. Man braucht drei davon, damit man im Falle einer Fehlfunktion herausfinden kann, welcher kaputt ist. Man braucht Fehlertoleranz. Wir haben hier also drei Mikroprozessoren. Jeder dieser Computer kann das gesamte System betreiben, also wenn zwei davon aussteigen, gibt es noch Reserven. Und natürlich gibt es mehrere Displays, damit der Taucher die Lage überblicken kann. Das sind die High-Tech-Spielereien, mit denen wir auf solchen tiefen Tauchgängen unsere Arbeit erledigen können. Und ich könnte den ganzen Tag darüber reden – fragen Sie meine Frau – aber ich möchte zu etwas anderem kommen, das irgendwie noch interessanter ist.
Ich werde Sie auf einen Tieftauchgang mitnehmen. Ich werde Ihnen zeigen, wie es ist, wenn man bei so einem Tauchgang dabei ist. Wir fangen hier oben auf dem Boot an, trotz aller hochmodernen, teuren Ausrüstung ist das immer noch der beste Einstieg – platsch! – einfach rüber über die Bordwand. Wie in dem Diagramm vorhin gezeigt, die von uns betauchten Riffe fangen kurz unter der Oberfläche an und gehen fast senkrecht runter, absolut gerade. Also fallen wir ins Wasser und gehen quasi über die Kante und von da an fallen wir nur noch, wir fallen und fallen. Ich wurde schon gefragt, "Das dauert doch bestimmt ewig?" Nein, es sind nur ein paar Minuten, bis man auf neunzig oder oder 120m runter ist, wo wir ja hinwollen. Es ist so wie Skydiving in Zeitlupe. Es ist wirklich ziemlich interessant – Haben Sie mal "Abyss - Abgrund des Todes" gesehen, wo Ed Harris, na ja, er geht so an der Seite der Wand runter? So ungefähr fühlt es sich an. Es ist echt beeindruckend.
Und unten stellen Sie dann fest, dass das Wasser superklar ist. Es ist extrem klares Wasser, weil es kaum Plankton gibt. Aber dann schalten Sie das Licht an und schauen in die Höhlen da unten, und sind plötzlich mit dieser unbeschreiblichen Vielfalt konfrontiert, die so viel größer ist, als man vorher glaubte. Nicht alles davon sind neue Spezies – zum Beispiel der Fisch dort mit dem weißen Streifen, die Art ist schon bekannt. Aber wenn man vorsichtig in die Ritzen und Löcher schaut, sieht man diese kleinen Dinge umherflitzen. Es ist einfach eine unglaubliche Vielfalt. Und nicht nur Fisch. Es gibt Crinoiden, Schwämme, schwarze Korallen. Dort sind noch mehr Fische. Und diese Fische da gerade im Bild sind neue Spezies. Immer noch übrigens – denn auf dem Tauchgang hatte ich die Videokamera statt eines Netzes bei mir. Also warten sie immer noch darauf, von jemandem gefunden zu werden. Aber so sieht es aus, und dieses Biotop erstreckt sich immer weiter, über viele Meilen. Das hier ist Papua, Neu-Guinea.
Kleine Fischchen und Wirbellose sind nicht das Einzige dort unten. Wir sehen auch Haie, viel mehr Haie als ich erwartet hätte. Und wir wissen nicht so recht warum. Stellen Sie sich jetzt bitte vor, Sie wären 120 Meter unter Wasser, mit dieser High-Tech-Ausrüstung auf dem Rücken, an einem abgelegenen Riff vor Papua, Neu-Guinea, tausende von Kilometern entfernt von der nächsten Druckkammer, und überall um Sie herum sind Haie.
Video: Guck dir die mal an... Oh-oh... oh-oh! Ich glaub, die haben uns gesehen. (Lachen)
Richard Pyle: Wenn man wie Donald Duck spricht, gibt es keine Lage auf der Welt, die angespannt erscheinen könnte.
Wir sind also da unten, hier sind es 120 Meter – das ist übrigens der Blick nach oben, um einen Eindruck zu bekommen, wie weit weg die Oberfläche ist. Und wenn man Biologe ist und sich mit Haien auskennt, und man herausfinden will, wie groß das Sicherheitsrisiko gerade ist, gibt es eine Frage, die einem sofort ins Bewusstsein springt, und die lautet --
Taucher 1 (Video): Was für Haie?
Taucher 2: Ähm, Silberspitzenhaie.
RP: Silberspitzenhaie – eigentlich sind hier drei Haiarten zu sehen. Die Silberspitzen sind die mit den weißen Kanten an den Flossen. Dann sieht man noch graue Riffhaie und im Hintergrund ein paar Hammerhaie. Und ja, das reißt schon ein bisschen an den Nerven.
Taucher 2 (Video): Huuu! Was für ein munterer kleiner Kerl! (Lachen)
Sie haben sicherlich schon viele solcher Videos im Fernsehen gesehen. Das schüchtert sehr ein, und gibt die falsche Vorstellung von Haien, finde ich. Haie sind eigentlich keine sehr gefährlichen Tiere und daher waren wir auch nicht sehr besorgt und haben Späße gemacht. Mehr Menschen werden von Schweinen getötet, oder von Blitzen, und mehr Menschen werden auf Fußballspielen in England getötet. Es gibt eine Menge anderer Arten zu sterben. Und ich denk mir das nicht aus. Kokosnüsse! Es ist wahrscheinlicher, durch eine Kokosnuss zu sterben, als durch einen Hai. Haie sind also nicht ganz so gefährlich, wie die meisten Leute sie darstellen.
Ich weiß ja nicht, ob Sie "US News and World Report" lesen – ich habe die aktuelle Ausgabe. Die Titelstory dreht sich um die großen zeitgenössischen Forscher. Der letzte Artikel ist mit "Keine neuen Grenzen" übertitelt. Er stellt die Frage, ob es noch wahre neue Grenzen gibt, ob noch wahrhaftige, bahnbrechende Entdeckungen zu machen sind. Und das hier ist meine liebste Zeile aus dem Artikel. Als Fisch-Fan muss ich lachen, uns nennt man ja nicht umsonst so – wir sind superaufgeregt, wenn wir einen Guppy mit einem neuen Rückenwirbel finden. Aber da gibt es noch so viel mehr. Und ich möchte Ihnen ein paar Guppies zeigen, die wir über die Jahre gefunden haben.
Dieser hier – na Sie sehen ja, wie hässlich er ist. Selbst wenn man den wissenschaftlichen Wert dieses Fisches ignoriert, denken Sie mal über den Geldwert nach. Ein paar davon wurden durch den Aquaristikhandel nach Japan verkauft, wo sie für 15.000 Dollar pro Stück verkauft wurden. Das ist eine halbe Million Dollar pro Pfund.
Hier ist ein neuer Kaiserfisch, den wir entdeckt haben. Den entdeckten wir eigentlich zuerst in den schlechten, alten Pressluftzeiten, wie wir gerne sagen, also als wir noch mit Pressluft tauchten. Wir waren auf 110 Meter. Und ich kann mich noch erinnern, wie ich von einem dieser Tauchgänge hochkam, und alles war vernebelt, denn der Tiefenrausch verfliegt erst nach einer Weile, das ist wie ausnüchtern. Und ich hatte diese verwaschene Erinnerung an gelbe Fische mit einem schwarzen Punkt und dachte mir, "Mist, hätte ich mal einen mitgebracht. Ich glaube, das ist eine neue Spezies." Und nach einer Weile schaute ich in mein Eimerchen – und hatte doch tatsächlich einen gefangen und es total vergessen. (Lachen) Wir beschlossen also, ihm den Namen Centropyge Narcosis zu geben. Das ist also sein offizieller wissenschaftlicher Name, und erinnert an die Tiefen, in denen er vorkommt.
Hier ist noch ein toller. Als wir ihn fanden, waren wir zunächst nicht einmal sicher, zu welcher Familie er gehört, also nannten wir ihn Dr.-Seuss-Fisch [nach dem Kinderbuchautor], weil er so aussah, als käme er aus einem seiner Bücher.
Und der hier ist interessant. Wenn Sie nach Papua, Neu-Guinea gehen und circa 90m runter, sehen Sie riesige Hügel da unten. Das ist vielleicht schwer zu erkennen, aber sie sind ungefähr – na ja, ein paar Meter groß. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie hier einen kleinen weiß-grauer Fisch, der sich in der Nähe aufhält. Stellt sich doch heraus, dass dieser weiße Fisch die Hügel baut, ein Steinchen aufs andere. So ein Fund ist außerordentlich. Es sind nicht nur neue Spezies, sondern neue Verhaltensweisen, eine neue Ökologie, alles ist neu.
Also möchte ich Ihnen jetzt noch ganz schnell ein paar der neuen Spezies zeigen die wir gefunden haben. Erstaunlich ist nicht nur die schiere Anzahl der gefundenen Spezies – obwohl die auch verblüffend ist, wie Sie sehen – das ist etwa die Hälfte unserer Funde – erstaunlich ist, wie schnell wir sie finden. Wir sind nun bei sieben neuen Arten pro Stunde, die wir da unten verbringen. Wenn Sie nun im Amazonasdschungel einen Baum begasen, kriegen Sie vielleicht viele Käfer, aber für Fische gibt's keinen anderen Ort auf der Welt, wo man pro Stunde sieben neue Arten findet. Wir haben ein paar Bierdeckelrechnungen gemacht, und aufgrund derer können wir zwischen 2.000 und 2.500 neue Spezies allein im Indisch-Pazifischen Ozean vorhersagen. Es gibt zur Zeit nur fünf- bis sechstausend bekannte Arten. Ein riesiger Anteil von allem Existierenden ist also unbekannt. Wir dachten, wir hätten die Fischvielfalt überschaut – offensichtlich nicht.
Ich schließe mit einem ziemlich düsteren Kommentar. Am Anfang erwähnte ich, dass ich Ihnen zwei außergewöhnliche Fotos zeigen würde. Dies hier ist das zweite außergewöhnliche Foto, das ich Ihnen zeige. Es wurde zu genau dem Zeitpunkt aufgenommen, als ich unten die Haie filme. Es wurde genau 90m über meinem Kopf gemacht. Das Foto ist aus folgendem Grund außergewöhnlich: es zeigt einen Augenblick der allerletzten Minute im Leben eines Menschen. Weniger als 60 Sekunden nach diesem Bild war dieser Mensch tot. Als wir seinen Körper geborgen hatten, wurde uns klar, was passiert war. Er hatte einen sehr einfachen Fehler gemacht. Er hatte beim Füllen der Flasche am falschen Ventil gedreht und hatte 80 % Sauerstoff in der Flasche, wo 40 % hätten sein sollen. Die Sauerstoffvergiftung verursachte einen Krampf und er ertrank.
Ich zeige Ihnen dieses Bild nicht, weil ich Ihnen einen Dämpfer verpassen will, sondern um Ihnen meine Lebensphilosophie deutlich zu machen, und zwar, dass wir alle zwei Ziele haben. Das erste Ziel teilen wir mit jedem lebenden Wesen auf dem Planeten. Wir wollen überleben. Ich nenne es Bewahrung: Das Überleben der Art und das Überleben unserer selbst, denn es geht bei beidem um die Bewahrung des Genoms. Und das zweite Ziel, für diejenigen unter uns, die Ziel 1 unter Kontrolle haben, ist, na ja, man kann es spirituelle Erfüllung nennen oder finanziellen Erfolg, man kann es alles Mögliche nennen. Ich nenne es die Suche nach Freude – das Streben nach Glück [Grundsatz der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung]. Ich denke, meine Auffassung ist, dass dieser Kerl sein Leben voll auslebte, bis zum absolut Vollsten. Man muss die beiden Ziele ausbalancieren. Wenn man sein Leben in Angst verbringt – ich meine, Leben ist eine Geschlechtskrankheit mit einer Sterbequote von 100 %. Also kann man sein Leben doch nicht in Angst verbringen.
Das ist doch eigentlich ein alter Witz.
Aber zugleich sollte man nicht so sehr auf Regel Nummer zwei versessen sein – oder Ziel Nummer zwei – dass man Ziel Nummer eins vernachlässigt. Denn nachdem Sie einmal tot sind, können Sie keine Freude mehr empfinden. Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei, dieses Gleichgewicht bei Ihren zukünftigen Bestrebungen zu wahren. Danke.
Got an idea, question, or debate inspired by this talk? Start a TED Conversation.
Richard Pyle zeigt uns in seinem aufschlussreichen Vortrag das blühende Leben in den Steilwänden der Korallenriffe, zu deren Erforschung er als einer der ersten bahnbrechende Tauchtechnologien angewendet hat. Er und sein Team riskieren alles, um die Geheimnisse unentdeckter Arten zu enthüllen.
Ichthyologist Richard Pyle is a fish nerd. In his quest to discover and document new species of fish, he has also become a trailblazing exploratory diver and a pioneer of database technology. Full bio »
Translated into German by Judith Matz
Reviewed by Alex Boos
Comments? Please email the translators above.
Coconuts! You can get killed by a coconut more likely than killed by a shark.” (Richard Pyle)
17:43 Posted: Jun 2007
Views 595,030 | Comments 181
18:16 Posted: Feb 2009
Views 366,808 | Comments 129
13:20 Posted: Sep 2008
Views 354,547 | Comments 47
Just follow the guidelines outlined under our Creative Commons license.
This comment will be attributed to . Not ? Sign out.