Es ist großartig hier zu sein. Wir haben viel gehört über die Möglichkeiten von Technologie, und ihre Tücken. Ich bin an beidem sehr interessiert. Wenn wir 0,03 Prozent des Sonnenlichts, das auf die Erde trifft, in Energie umwandeln könnten, könnten wir unseren projizierten Bedarf von 2030 decken. Wir schaffen das heutzutage nicht, weil Solarmodule schwer, teuer und ineffizient sind. Es gibt Nanotechnologie-Entwicklungen, die zumindest theoretisch belegen, das sie potentiell sehr leicht, sehr günstig und sehr effizient sein können, und wir könnten in der Lage sein, unseren Energiebedarf auf diese erneuerbare Art zu decken. Nano-entwickelte Energiezellen könnten die Energie dort zur Verfügung stellen, wo sie gebraucht wird. Das ist eine wichtige Entwicklungstendenz, nämlich die Dezentralisierung, weg von zentralisierten Atomkraftwerken und Flüssiggas-Tankschiffen, zu dezentralen Rohstoffen, die umweltfreundlicher, sehr viel effizienter und unanfällig und sicher gegen Unterbrechungen sind.
Bono hat sehr eloquent beschrieben, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte in der Lage sind, uns uralten Problemen wie Krankheit und Armut zuzuwenden. Die meisten Regionen der Welt bewegen sich in diese Richtung. Im Jahr 1990 lebten in Ostasien und in der Pazifikregion 500 Millionen Menschen in Armut – diese Zahl ist jetzt unter 200 Millionen. Die Weltbank projiziert, dass es bis 2011 unter 20 Millionen sein werden, was ein Rückgang von 95 Prozent ist. Mir hat Bonos Kommentar gefallen, in dem er das Haight-Ashbury Viertel mit dem Silicon-Valley verbindet. Da ich selbst aus der High-Tech-Gemeinde von Massachusetts stamme, weise ich darauf hin, dass auch wir in den 1960ern Hippies waren, obwohl wir am Harvard Square rumhingen. Doch wir haben das Potenzial, Krankheit und Armut zu bezwingen, und ich werde über diese Aspekte sprechen, falls wir den Willen dazu haben.
Kevin Kelly hat über die Beschleunigung der Technologie gesprochen. Dies ist ein großes Interessensgebiet von mir, und ein Thema, das ich über etwa 30 Jahre entwickelt habe. Ich erkannte, dass meine Technologien sinnvoll sein mussten, wenn ich ein Projekt beendet hatte. Dass die Welt ausnahmslos verändert war, nachdem ich eine Technologie eingeführt hatte. Und dass die meisten Innovationen nicht scheitern, weil die Entwicklungsabteilungen sie nicht zum Laufen bekommen – wenn man die meisten Geschäftspläne betrachtet, sind sie erfolgreich, soweit sie die Chance haben das herzustellen, was sie geplant hatten – und 90 Prozent oder mehr dieser Projekte scheitern, weil die zeitliche Planung schlecht war – da nicht alle Erfolgsfaktoren im richtigen Moment zur Verfügung standen.
So wurde ich ein begeisterter Student von Technologietrends und verfolge, wo Technologie sich an verschiedenen Punkten der Zeit befindet, und begann die mathematischen Modelle dazu zu entwickeln. Das hat sich irgendwie verselbstständigt. Ich habe ein Gruppe von 10 Personen, die mit mir Daten über Schlüsselmaßnahmen von Entwicklungen aus verschiedenen Bereichen sammeln, und wir entwickeln Modelle. Leute sagen, nun, man kann die Zukunft nicht vorhersagen. Und wenn ich gefragt werde, wird der Preis der Google-Aktie in drei Jahren höher oder niedriger sein als heute, dann ist das recht schwer zu sagen. Wird "WiMax CDMA G3" in drei Jahren der Standard zur kabellosen Datenübertragung sein? Das ist schwer zu sagen. Aber wenn man mich fragt, was werden 2010 die Kosten von einer MIPS (Millionen Befehle pro Sekunde) an Berechnungen sein, oder 2012 die Kosten der Sequenzierung eines Basenpaars von DNA, oder 2014 die Kosten eines Megabytes an Daten kabellos zu versenden, stellt sich heraus, dass all dies sehr vorhersagbar ist.
Es sind bemerkenswert geschmeidige Exponentialkurven, welche die Preis-Performanz, Kapazität und Bandbreite lenken. Und ich werde Ihnen ein kleines Beispiel dazu geben. Aber es gibt tatsächlich eine theoretische Begründung dafür, warum Technologie sich in exponenzieller Weise entwickelt. Die meisten Menschen stellen sich die Zukunft als etwas Lineares vor. Sie glauben, sie führen die Entwicklung eines Problems oder die Lösung des Problems mit heutigen Werkzeugen fort, mit der heutigen Geschwindigkeit, und ziehen dieses exponentielle Wachstum nicht in Betracht.
Das Menschliche Genom Projekt war 1990 kontrovers. Wir hatten die besten Doktoranden, die fortschrittlichste Ausrüstung der Welt, wir hatten ein Zehntausendstel des Projekts fertiggestellt, und wie sollten wir das in 15 Jahren schaffen? Als das Projekt 10 Jahre fortgeschritten war, waren die Skeptiker weiterhin verbreitet und sagten, "Ihr steckt 2/3 im Projekt, aber ihr habt bisher nur eine kleine Prozentzahl des gesamten Genoms sequenziert." Aber es ist die Eigenart von exponentiellem Wachstum, das es förmlich explodiert, wenn die Kurve einmal ansteigt. Der Großteil des Projekts wurde in den letzten wenigen Jahren erreicht. Es hat 15 Jahre gedauert, um HIV zu sequenzieren. Wir haben SARS in 31 Tagen sequenziert. Wir erreichen also das Potential, diese Probleme zu überwinden.
Ich werde Ihnen an ein paar Beispielen zeigen, wie überzeugend dieses Phänomen ist. Der tatsächliche Paradigmen-Wechsel, die Rate neue Ideen zu adaptieren, verdoppelt sich jedes Jahrzent. Das zeigen unsere Modelle. Dies sind alles logarithmische Graphen, das heißt, auf jeder Stufe multiplizieren sich die repräsentierten Werte mit dem Faktor 10 oder 100. Wir brauchten ein halbes Jahrhundert, um das Telefon anzunehmen, die erste virtuelle Realitätstechnologie. Mobiltelefone waren in etwa acht Jahren angenommen. Wenn Sie verschiedene Kommunikations-Technologien auf diesem logarithmischen Graphen darstellen, sieht man, dass Fernsehen, Radio und Telefon in Jahrzehnten angenommen wurden. Aktuelle Technologien – wie der PC, das Internet, Mobiltelefone – lagen unter einem Jahrzehnt. Dies ist eine interessante Grafik, und sie verdeutlicht wirklich den fundamentalen Grund, warum sich ein evolutionärer Prozess – und Biologie und Technologie sind beides evolutionäre Prozesse – beschleunigt. Sie verstärken sich durch Wechselwirkung – sie erzeugen eine Fähigkeit, die dann genutzt wird, um die nächste Innovationsstufe hervorzubringen.
Der erste Schritt der biologischen Evolution, die Evolution der DNA – tatsächlich kam die RNA zuerst – brauchte Milliarden von Jahren, aber dann nutzte die Evolution dieses informationsverarbeitende Rückgrat, um die nächste Stufe hervorzubringen. Die Kambrische Explosion, in der sich alle Körperpläne der Tiere entwickelten, brauchte nur 10 Millionen Jahre. Das war 200 mal schneller. Und dann nutzte die Evolution diese Körperpläne, um höhere kognitive Fähigkeiten zu entwickeln, und die biologische Evolution beschleunigte sich weiter. Es ist die inhärente Natur eines evolutionären Prozesses. Der Homo Sapiens, die erste Technologie erschaffende Spezies, war die Spezies, die kognitive Fähigkeit mit opponierbaren Gliedmaßen kombinierte – übrigens hat der Schimpanse nicht wirklich einen opponierbaren Daumen – wir konnten tatsächlich unsere Umwelt mit einem kraftvollen Griff und Feinmotorik manipulieren, und mit unseren mentalen Modellen konnten wir die Welt verändern und Technologie hervorbringen.
Nun, die Evolution unserer Spezies brauchte hunderttausende von Jahren, und wegen dieser Wechselwirkung nutzte die Evolution im Grunde die Technologie erschaffende Spezies, um die nächste Stufe hervorzubringen, was der erste Schritt in der technologischen Evolution war. Dieser erste Schritt brauchte zehntausend Jahre – Steinwerkzeuge, Feuer, das Rad – es beschleunigte sich weiter. Wir nutzten immer die zu dem Zeitpunkt neuste Generation von Technologie, um die nächste Generation zu erschaffen. Die Buchdruckerei brauchte ein Jahrhundert, um sich zu verbreiten; die ersten Computer wurden am Reißbrett entwickelt – heute benutzen wir dazu Computer. Und wir hatten eine kontinuierliche Beschleunigung dieses Prozesses.
Wenn man sich das auf einem linearen Graphen anschaut, sieht es so aus, als ob alles erst kürzlich passiert ist, aber einige Beobachter sagen, "Nun, Kurzweil platziert nur Punkte auf diesen Graphen, die auf eine gerade Linie fallen." Also nahm ich 15 verschiedene Listen von wichtigen Denkern, wie die Encyclopedia Britannica, das Naturhistorische Museum, Carl Sagans Kosmischen Kalender, und diese Leute wollten ja nicht mein Argument unterstützen, dies sind nur Listen von Referenzarbeiten, und das ist, was sie als Schlüsselmomente in biologischer und technologischer Evolution sehen. Und wie vorher bildet sich die gleiche gerade Linie. Es gibt eine kleine Verdickung der Linie, weil Leute Meinungsverschiedenheiten darüber haben, was diese Schlüsselmomente sind, es gibt unterschiedliche Auffassungen, wann die Landwirtschaft begann oder wie lange die Kambrische Explosion dauerte. Aber man sieht einen klaren Trend. Es gibt eine grundlegende, profunde Beschleunigung des evolutionären Prozesses. Informationstechnologien verdoppeln Kapazität, Preis-Performanz und Bandbreite jedes Jahr. Und das ist eine sehr tiefgreifende Explosion von exponentiellem Wachstum. Eine persönliche Erfahrung, als ich am MIT war – Computer waren fast so groß wie dieser Raum hier und weniger leistungstark als Ihr Mobiltelefon. Moores Gesetz, das oft stellvertretend für exponentielles Wachstum angesehen wird, ist auch nur ein Beispiel von vielen, da es im Prinzip eine Eigenschaft des evolutionären Prozesses von Technologie darstellt.
Ich habe 49 berühmte Computer in diesen logarithmischen Graphen eingetragen – und nochmal, eine gerade Linie im logarithmischen Graphen bedeutet exponentielles Wachstum – dies ist ein weiterer exponentieller Verlauf. Wir brauchten drei Jahre, um die Preis-Performanz der Rechenleistung am Anfang des 20. Jahrhunderts zu verdoppeln, in der Mitte zwei Jahre, und nun verdoppeln wir sie jedes Jahr. Und dies zeigt exponentielles Wachstum durch fünf verschiedene Paradigmen. Moores Gesetz stellt nur das letzte Stück dar, in dem wir Transistoren auf einem integrierten Schaltkreis verkleinern, aber es gab elektro-mechanische Rechenmaschinen, relaisbasierte Computer, die den deutschen Enigma Code knackten, Vakuumdioden in den 50er Jahren prognostizierten die Wahl von Eisenhower, einzeln verbaute Transistoren wurden in den ersten Weltraumflügen benutzt, und schließlich Moores Gesetz. Jedesmal, wenn einem Paradigma die Luft ausgeht, kam ein anderes Paradigma aus dem Nichts, um das exponentielle Wachstum fortzuführen. Die Vakuumdioden wurden immer weiter verkleinert. Dann stieß man an die Grenze. Sie konnten nicht weiter verkleinert werden und das Vakuum beibehalten. Ein komplett neues Modell, Transistoren, erschien auf der Bildfläche. In der Tat, wenn wir das Ende der Linie für ein bestimmtes Modell sehen, erzeugt dies den Forschungsdruck um das neue Paradigma zu erschaffen. Und wir können das Ende von Moores Gesetz seit einiger Zeit vorhersagen – die ersten Vorhersagen lauteten 2002, aktuell sagen sie 2022. Aber ab den 2010er Jahren werden die Ausmaße von Transistoren nur noch wenige Atome breit sein, und wir werden nicht mehr in der Lage sein, sie weiter zu verkleinern. Das wird das Ende von Moores Gesetz sein, aber es wird nicht das Ende des exponentiellen Wachstums von Rechenleistung darstellen, da Chips flach sind. Wir leben in einer dreidimensionalen Welt; wir können also gut die dritte Dimension ausnutzen. Wir werden die dritte Dimension einbeziehen, und damit gab es schon allein in den letzten Jahren enormen Erfolg, um dreidimensionale, selbst-organisierende Molekular-Chips in Betrieb zu nehmen. Wir werden diese fertig haben, lange bevor Moores Gesetz die Luft ausgeht. Supercomputer, genau das gleiche. Die Prozessorleistung von Intel-Chips, der Durchschnittspreis eines Transistors – im Jahr 1968 konnte man einen Transistor für einen Dollar kaufen. Im Jahr 2002 konnte man dafür 10 Millionen kaufen.
Es ist wirklich bemerkenswert, was für ein glatter exponentieller Prozess das ist. Man könnte denken, das ist das Ergebnis eines Laborversuchs, aber dies ist das Ergebnis von weltweitem, chaotischem Verhalten – Länder beschuldigen sich gegenseitig der Produkt-Subventionierung, Börsengänge, Insolvenzen, Marketingprogramme. Man könnte annehmen, dies sei ein sehr unsteter Prozess, aber man bekommt ein sehr geschmeidiges Resultat aus diesem chaotischen Prozess. So wie wir nicht vorhersagen können, was ein einzelnes Molekül in einem Gas tun wird – es ist hoffnungslos ein einzelnes Molekül exakt zu bestimmen – können wir trotzdem die Eigenschaften das ganzen Gases mit Hilfe der Thermodynamik sehr akkurat vorhersagen. Hier ist es dasselbe. Wir können nicht ein bestimmtes Projekt bestimmen, aber das Resultat dieser ganzen, weltweiten, chaotischen, unvorhersehbaren Aktivität des Wettbewerbs und des evolutionären Prozesses von Technologie ist sehr vorhersehbar. Und wir können diesen Trend weit in die Zukunft hinein vorhersagen. Im Gegensatz zu Gertrude Steins Rosen ist es nicht der Fall: ein Transistor ist ein Transistor. Wenn wir sie kleiner und günstiger machen, müssen die Elektronen kürzere Strecken zurücklegen. Das macht sie schneller, und man erreicht das exponentielle Wachstum der Geschwindigkeit der Transistoren. Die Kosten für einen Zyklus eines Transistors halbieren sich mit einer Rate von 1,1 Jahren. Fügt man weitere Arten von Innovation und Prozessordesign hinzu, erreicht man jedes Jahr eine Verdopplung der Preis-Performanz der Rechenleistung.
Und das ist im Grunde Deflation – 50% Deflation. Und das gilt nicht nur für Computer. Es gilt auch für die DNA-Sequenzierung. Es gilt auch für Gehirnscans. Und für das Internet. Für alles was wir quantifizieren können, mit hunderten verschiedenen Messwerten, verschiedenen informationsbedingten Messwerten – Kapazität, Annahmeraten – diese verdoppeln sich im Grunde alle 12, 13, 15 Monate, abhängig davon, was man genau betrachtet. Was die Preis-Performanz betrifft, gibt es eine Deflationsrate von 40% bis 50%. Und Volkswirtschaftler haben tatsächlich angefangen, sich darüber zu sorgen. Wir hatten Deflation während der Wirtschaftskrise, die wirklich ein Kollaps der Geldversorgung war, und einen Kollaps des Verbrauchervertrauens, was ein komplett anderes Phänomen darstellt. Dies ist aufgrund einer höheren Produktivität, und der Volkswirt sagt, "Aber es ist unmöglich, damit mithalten zu können. Wenn man 50% Deflation hat, können die Menschen ihr Volumen 30%, 40% erhöhen, aber sie können nicht mithalten." Aber was wir tatsächlich sehen, ist, dass wir sogar mehr als nur mithalten. Über die letzten 50 Jahre hatten wir in der Informations-Technologie pro Jahr 28% zusammengefasstes Wachstum in Dollar. Die Leute haben ja vor 10 Jahren nicht iPods für 10.000 Dollar gebaut. Wenn die Preis-Performanz neue Anwendungen erlaubt, kommen neue Anwendungen auf den Markt. Und das ist ein weit verbreitetes Phänomen. Magnetische Datenspeicherung – das ist nicht das Mooresche Gesetz – verkleinert die magnetischen Datenpunkte. Verscheidene Entwickler, verschiedene Firmen, aber der gleiche exponentielle Prozess.
Eine wichige Revulotion ist, dass wir anfangen, unsere eigene Biologie in Bezug auf die Informationen zu verstehen. Wir verstehen die Software-Programme, die unsere Körper steuern. Diese entwickelten sich zu einer sehr verschiedenen Zeit – wir würden diese Programme eigentlich gern ändern können. Eines dieser kleinen Software-Programme, das Fett-Insulin-Rezeptor-Gen, besagt im Grunde, "Lass uns jede Kalorie behalten, weil die nächste Jagdsaison nicht so gut ausfallen könnte." Das war vor zehntausenden von Jahren zum Vorteil der Spezies. Nun würden wir das Programm gerne abschalten. Es wurde in Tierversuchen erprobt, und die Mäuse aßen gefräßig und blieben doch schlank und hatten die gesundheitlichen Vorteile des Schlankseins. Sie entwickelten keine Diabetes, bekamen keine Herzkrankheiten, sie lebten 20% länger, sie hatten die gesundheitlichen Vorteile einer kalorischen Begrenzung ohne die Einschränkungen. Vier oder fünf Pharmakonzerne sind darauf aufmerksam geworden und sind der Meinung, dass dies ein interessantes Medikament für den menschlichen Markt sei, und das ist nur eins der 30.000 Gene, die unsere Biochemie beeinflussen.
Wir entwickelten uns in einer Ära, in der es nicht zum Vorteil war, dass die Menschen – etwa im gleichen Alter wie die meisten Teilnehmer dieser Konferenz, so wie ich – viel länger lebten, da wir die wertvollen Ressourcen verbrauchten, statt sie besser den Kindern zur Verfügung zu stellen, und denjenigen, die sich um sie kümmern. Eine Lebenszeit – lange Lebenszeit – von deutlich mehr als 30 Jahren – wurde nicht selektiert, aber wir lernen tatsächlich, diese Software-Programme zu manipulieren und zu verändern durch die biotechnologische Revolution. Zum Beispiel können wir jetzt Gene durch RNA-Interferenz blockieren. Es gibt spannende neue Formen der Gen-Therapie, die das Problem überwinden, das genetische Material an die richtige Stelle im Chromosom zu platzieren. Und zum allerersten Mal geht etwas in den menschlichen Versuch, das tatsächlich Lungenhochdruck, eine tödliche Krankheit, durch Gen-Therapie heilt. Wir werden also nicht nur Designer-Babys bekommen, sondern auch Designer-Baby-Boomer. Und diese Technologie beschleunigt sich genauso. Es kostete im Jahr 1990 10 Dollar pro Basenpaar, dann, im Jahr 2000, einen Cent. Und zur Zeit kostet es unter einem Zehntel Cent. Die Masse an genetischen Daten – im Grunde zeigt dies das geschmeidige exponentielle Wachstum – verdoppelt sich jedes Jahr und hat damit ermöglicht, das Genom-Projekt abzuschließen.
Eine weitere große Revolution ist die Kommunikations-Revolution. Die Preis-Performanz, Bandbreite und Kapazität von Kommunikation wird auf vielen verschiedenen Arten gemessen; leitungsgebunde und drahtlose wachsen exponentiell. Das Internet hat sein Ausmaß bereits verdoppelt und führt dies fort, gemessen mit verschiedenen Methoden. Dies basiert auf der Anzahl der Anbieter.
Miniaturisierung – wir verkleinern die Größe der Technologie mit einer exponentiellen Rate, jeweils leitungsgebunden und drahtlos. Dies sind einige Designs aus Eric Drexlers Buch – wir zeigen gerade, dass sie machbar sind, mit Super-Computer-Simulationen, es gibt tatsächlich Forscher, die molekülgroße Robotor angefertigt haben. Einer von diesen geht sogar in menschen-ähnlicher Gangart, erbaut aus Molekülen. Es gibt kleine Maschinen, die etwas auf einer experimentellen Stufe erledigen. Die aufregendste Möglichkeit ist, wirklich in den menschlichen Körper hinein zu gehen und therapeutische und diagnostische Dienste auszuführen. Und dies ist weniger futuristisch als es sich anhört. Diese Dinge sind schon an Tieren durchgeführt worden.
Es gibt einen nano-entwickelten Apparat, der Typ-1 Diabetes heilt. Er ist so groß wie eine Blutzelle. Sie fügten zehntausende von denen zum Blut hinzu – ein Versuch an Ratten – und sie geben Insulin in kontrollierter Weise ab, und das heilt tatsächlich Typ-1 Diabetes. Was Sie hier sehen, ist ein Design einer roten Roboter-Blutzelle, und es verdeutlicht die Tatsache, dass unsere Biologie eigentlich recht suboptimal ist, obwohl ihre Komplexität bemerkenswert ist. Wenn wir einmal die Prinzipien der Abläufe verstanden haben, und die Geschwindigkeit, mit der wir Biologie rückadaptieren, beschleunigt sich, können wir wirklich diese Dinge entwickeln, so dass sie tausendfach leistungsfähiger werden. Diese von Rob Freitas entworfenen Respirozyten ermöglichen es, wenn man 10% des Blutes mit dieser künstlichen Version ersetzt, einen olympischen Sprint für 15 Minuten zu laufen, ohne Luft zu holen. Sie können für 4 Stunden am Grund Ihres Schwimmbads sitzen – und das "Schatz, ich bin im Pool." wird eine ganz neue Bedeutung haben. Es wird interessant zu sehen sein, was wir mit den Olympischen Probeläufen machen. Wahrscheinlich dürften Sie nicht antreten, aber dann haben wir das Schreckgespenst, dass Jugendliche in den Schul-Turnhallen regelmäßig die Olympioniken schlagen werden. Freitas hat auch ein Design für eine weiße Roboter-Blutzelle. Dies sind etwa 2020er Szenarios, aber sie sind nicht so futuristisch wie es klingt. Es gibt vier wichtige Konferenzen über den Bau Blutzellen-großer Apparate; es gibt viele Experimente an Tieren. Und es gibt bereits einen, der in den menschlichen Feldversuch geht. Das ist also machbare Technologie.
Um auf unser exponentielles Wachstum von Rechenleistung zurückzukommen: 1.000 Dollar an Rechenleistung entsprechen zur Zeit etwa dem Gehirn eines Insekts oder dem einer Maus. Dies wird sich mit der Kapazität der menschlichen Intelligenz etwa in den 2020ern überschneiden. Aber das betrachtet nur die Hardware dieser Gleichung. Woher bekommen wir die Software? Nun, es stellt sich heraus, dass wir in das menschliche Hirn schauen können, und wenig überraschend ist die Tatsache, dass sich die örtliche und zeitliche Auflösung der Hirnabtastung jedes Jahr verdoppelt. Und mit der neuen Generation von Abtast-Geräten können wir zum ersten Mal wirklich einzelne inter-neurale Fasern sehen und in Echtzeit betrachten wie sie verarbeiten und signalisieren – aber dann stellt sich die Frage, OK, wir können diese Daten heute erfassen, aber können wir sie verstehen? Doug Hofstadter fragt sich, nun, vielleicht ist unsere Intelligenz einfach nicht groß genug, um unsere Intelligenz zu verstehen, und wenn wir klüger wären, dann wäre unser Gehirn noch komplizierter, und wir könnten nie mithalten. Es stellt sich heraus, dass wir es verstehen können.
Dies ist ein Blockdiagramm eines Modells und einer Simulation des menschlichen auditiven Kortex, das wirklich sehr gute Resultate liefert, wenn man psychoakustische Tests anwendet und mit der menschlichen auditiven Wahrnehmung vergleicht. Hier ist eine weitere Simulation des Kleinhirns – es besteht aus der Hälfte der Nervenzellen des Gehirns – und auch dort funktioniert es sehr ähnlich wie bei der Fähigkeitsentwicklung des Menschen. Wir sind an einem frühen Punkt, aber man kann zeigen, dass mit dem exponentiellen Wachstum der Masse an Informationen über das Gehirn und der exponentiellen Verbesserungen in der Auflösung der Hirnabtastung, wir das menschliche Gehirn bis zu den 2020ern erfolgreich nachgebaut haben werden. Wir haben schon sehr gute Modelle und Simulationen von 15 von den mehreren hundert Regionen.
All dies treibt den wirtschaftlichen Fortschritt exponentiell voran. Unsere Produktivität stieg von 30 Dollar auf 150 Dollar pro Arbeitsstunde in den letzten 50 Jahren. Der elektronische Handel wächst exponentiell. Er umfasst zur Zeit eine Billion Dollar. Sie mögen sich wundern, aber war da nicht ein Boom und eine geplatzte Blase? Das war ein reines Phänomen des Kapitalmarkts. Die Wall-Street merkte, dass es eine revolutionäre Technologie war, denn das war es, aber nach sechs Monaten, nachdem es nicht alle Geschäftsmodelle revolutioniert hatte, dachten sie sich, nun, da ist etwas falsch, und dann hatten wir die geplatzte Blase.
Also gut, das ist eine Technologie, die wir aus anderen Technologien, in die wir involviert sind, zusammengesetzt haben. Dies wird ein Standardmerkmal in einem Mobiltelefon. Es wird in der Lage sein, von einer Sprache in eine andere zu übersetzen.
Lassen Sie mich einfach mit ein paar Szenarien enden. Bis 2010 werden Computer verschwinden. Sie werden so klein sein, dass sie in unsere Kleidung und unser Umfeld eingebettet sind. Bilder werden direkt auf unsere Retina projiziert werden, was voll-immersive, virtuelle Realitäten erlaubt, überlagerte, reale Realität. Wir werden mit virtuellen Personen interagieren.
Und im Jahr 2029 werden wir die volle Reife dieser Trends erreichen, und Sie müssen würdigen, wie oft sich die Schraube in der Form von Technologie gedreht hat – schneller und schneller, wenn wir an diesen Punkt gelangen. Wir werden zwei hoch 25 größere Preis-Performanz, Kapazität und Bandbreite dieser Technologien haben. Das ist wirklich phänomenal. Sie werden Millionen Male leistungsfähiger sein als sie heute sind. Wir werden das menschliche Gehirn vollständig nachgebildet haben, 1.000 Dollar an Rechenleistung werden weit leistungsfähiger sein als das menschliche Gehirn, was die reine Kapazität betrifft. Dann vereinen Computer die scharfsinnige Fähigkeit der Muster-Erkennung der menschlichen Intelligenz mit den Bereichen, in denen die Maschinen uns bereits überlegen sind, was das analytische Denken betrifft und die Fähigkeit sich Milliarden von Fakten akkurat zu merken. Maschinen können ihr Wissen sehr schnell miteinander teilen. Aber das ist nicht einfach eine Invasion von außerirdischen, intelligenten Maschinen. Wir werden mit dieser Technologie verschmelzen.
Die Nano-Roboter, die ich erwähnte, werden erst für medizinische und gesundheitliche Anwendungen genutzt werden: Säuberung der Umwelt, Bereitstellung leistungsstarker Energiezellen und weit verbreitete und dezentralisierte Solarmodule in der Umgebung. Aber sie werden auch in unser Gehirn eindringen und mit unseren biologischen Neuronen interagieren. Wir haben die Kernprinzipien aufgezeigt, die dies zu ermöglichen. Zum Beispiel die vollständige immersive, virtuelle Realität von innerhalb unseres Nervensystems, die Nano-Roboter, die die Signale Ihrer wahren Sinne blockieren, und mit den Signalen ersetzen, die Ihr Gehirn empfangen würde, wenn Sie in einer virtuellen Umgebung wären. Und dann fühlt es sich so an, als ob Sie in der virtuellen Umgebung sind. Sie können da mit anderen Personen hinein gehen, jede Art von Erfahrung erleben, mit jeder möglichen Person und allen betroffenen Sinnen. "Erfahrungs-Strahler", so nenne ich sie, werden den gesamten Fluss von Sinnes-Erfahrungen der neurologischen Abbilder von diesen Emotionen ins Internet stellen. Sie können sich einklinken und erfahren wie es ist, jemand anderes zu sein. Aber am wichtigsten wird die ernome Vergrößerung an menschlicher Intelligenz durch diese direkte Vereinigung mit unserer Technologie sein, was wir im gewissen Maße jetzt schon machen. Routinemäßig erreichen wir intellektuelle Meisterleistungen, die ohne unsere Technologie unmöglich wären. Die menschliche Lebenserwartung verlängert sich. Sie betrug im Jahr 1800 37 Jahre, und mit dieser Art von Biotechnologie, nano-technologischen Revolutionen, wird sie in den kommenden Jahren rapide ansteigen.
Meine Hauptbotschaft ist, dass der Fortschritt von Technologie exponentiell ist, nicht linear. Viele – sogar Wissenschaftler – unterstellen ein lineares Modell, und sie sagen: "Oh, das wird hunderte von Jahren dauern bevor wir selbst-reproduzierende, nano-technologische Bauteile oder künstliche Intelligenz haben werden." Wenn Sie wirklich die Leistungsfähigkeit von exponentiellem Wachstum betrachten, dann sehen Sie, dass diese Dinge recht bald zur Verfügung stehen werden. Und Informations-Technologie wird vermehrt unser gesamtes Leben umfassen, von unserer Musik, unseren Produktionsstätten, unserer Biologie und unserer Energie bis zu Materialien.
Wir werden in den 2020ern mit Hilfe der Nano-Technologie in der Lage sein, fast alles, was wir brauchen, aus Informationen und sehr günstigen Rohstoffen herzustellen. Dies sind sehr mächtige Technologien. Sie können Segen und Tücken mit sich bringen. Wir müssen also den Willen haben, sie auf die richtigen Probleme anzuwenden.
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Erfinder, Unternehmer und Visionär Ray Kurzweil erklärt ausgiebig und mit fundierten Details, warum wir in den 2020ern das menschliche Gehirn entschlüsselt haben werden und unser Bewusstsein von Nanorobotern gesteuert sein wird.
Ray Kurzweil is an engineer who has radically advanced the fields of speech, text, and audio technology. He's also one of our finest thinkers, revered for his dizzying -- yet convincing -- writing on the advance of technology, the limits of biology, and the future of the human species. Full bio »
Translated into German by Tomas Neumann
Reviewed by Nina Meinzer
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20:00 Posted: Nov 2006
Views 593,342 | Comments 127
07:30 Posted: May 2007
Views 3,297,329 | Comments 236
13:33 Posted: Sep 2008
Views 256,805 | Comments 37
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