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Diese seltsam aussehende Pflanze heißt Llareta. Sie sieht aus wie Moos, das Felsen bedeckt, ist in Wirklichkeit jedoch ein Gebüsch aus tausenden von Zweigen, jeder mit Haufen winziger grüner Blätter am Ende, so dicht zusammengepackt, dass man tatsächlich darauf stehen könnte. Dieses Individuum lebt in der Atacamawüste in Chile, ist zufällig 3000 Jahre alt und ist auch zufällig ein Verwandter der Petersilie.
In den letzten fünf Jahren war ich am Forschen, arbeite mit Biologen und bin dabei durch die ganze Welt gereist auf der Suche nach dauerhaft lebenden Organismen, die mindestens 2.000 Jahre alt sind. Das Projekt ist teils Kunst, teils Wissenschaft und hat auch eine umweltmäßige Komponente. Ich suche auch nach einem Mittel zur Überwindung unserer alltäglichen Erfahrung von Zeit, damit wir ein Gefühl für tiefergehende Maßstäbe gewinnen. Als Mindestalter habe ich 2000 Jahre gewählt, weil ich mit dem, was wir als Jahr 0 ansehen, anfangen und mich von dort nach hinten arbeiten wollte.
Hier sehen Sie einen Baum namens Jomon Sugi, der auf der abgelegenen Insel Yakushima lebt. Teilweise ist dieser Baum Auslöser dieses Projektes. Ich reiste durch Japan, ohne etwas anderes im Sinn als Fotografieren. Dann hörte ich von diesem Baum, der 2.180 Jahre alt ist, und ich musste ihn mir anschauen. Erst später, als ich schon wieder daheim in New York war, kam mir die Idee zu diesem Projekt. Der Groschen brauchte seine Zeit zum Fallen. Wahrscheinlich war es mein lang anhaltender Wunsch, meine Neigungen für Kunst, Wissenschaft und Philosophie zu vereinen, der mich bereit sein ließ, als mir das sprichwörtliche Licht aufging. Ich recherchierte und stellte überrascht fest, dass dieses Projekt bisher nicht in Kunst oder Wissenschaft durchgeführt worden war. Vielleicht war ich da naiv, ich war überrascht, dass es kein wissenschaftliches Feld gibt, das sich mit der Langlebigkeit der Arten befasst.
Hier sehen Sie Rhizocarpon geographicum, oder Landkartenflechte, mit einem Alter von etwa 3000 Jahren, die in Grönland lebt. Ein weiter Weg für einige Flechten. Der Besuch in Grönland war eher eine Reise in die Vergangenheit als einfach eine Reise nach Norden. Es war ursprünglich und abgelegener als alles, was ich bisher erlebt hatte. Dieser Eindruck verstärkte sich durch einige besondere Erlebnisse. Einmal brachte mich ein Boot zu einem entlegenen Fjord, und ich bemerkte, dass die Archäologen, die ich treffen sollte, nicht aufzufinden waren. Man kann nicht einfach mal eben eine SMS oder eine E-Mail schreiben, so war ich vollkommen auf mich allein gestellt. Glücklicherweise funktionierte das, wie Sie sehen. Aber dieses Gefühl des Nichtverbundenseins war eine ehrfuchtgebietende Erfahrung. Nach ein paar Tagen konnten wir in einem Gletscherfluss bei unserem Lager fischen; dort gab es so viele Fische, dass man einfach mit bloßen Händen eine dreißig Zentimeter lange Forelle greifen konnte. Es war so, als besuchte man eine unschuldigere Zeit auf diesem Planeten. Dann gibt es da natürlich die Flechten. Diese Flechten wachsen einen Zentimeter pro Jahrhundert. Das wirft wohl ein anderes Licht auf die menschliche Lebensspanne.
Hier sehen Sie eine Luftaufnahme aus Ostoregon. Der Titel "Auf der Suche nach den Todesringen des Armillaria" klingt unheilsschwanger, oder? Armillaria, oder Hallimasch, ist ein Raubpilz, der bestimmte Baumarten im Wald tötet. Er ist auch unter dem milderen Namen Honigpilz oder Riesenpilz bekannt, weil er zufällig einer der größten Organismen der Welt ist. Mit Hilfe einiger Biologen, die diesen Pilz untersuchen, bekam ich Landkarten und GPS-Koordinaten, mietete ein Flugzeug und machte mich auf die Suche nach den Todesringen, den Kreismustern, in denen der Pilz Bäume tötet. Ich weiß nicht, ob auf diesem Foto welche sind, aber ich weiß, dass der Pilz dort unten ist. Hier sind wir wieder auf der Erde und Sie sehen, wie der Pilz diesen Baum befällt. Das weiße Gewebe, das Sie zwischen der Rinde und dem Holz sehen, ist das Myzel des Pilzes; es erwürgt den Baum langsam, indem es die Zufuhr von Wasser und Nährstoffen verhindert. Diese Strategie hat dem Pilz gute Dienste erwiesen. Er ist 2.400 Jahre alt. Doch nun vom Untergrund zum Grundwasser.
Hier sehen wir eine Hirnkoralle, die etwa 2000 Jahre alt ist. Um sie zu finden, musste ich meine Angst vor tiefem Wasser überwinden. Das sind etwa 60 Fuß oder 18 Meter tief. Sie sehen, dass die Oberfläche der Koralle leicht beschädigt ist. Das wurde von einem Schwarm Papageifische verursacht, der angefangen hatte, die Koralle zu verspeisen. Glücklicherweise verloren sie rechtzeitig das Interesse. Auch konnte anscheinend die jüngste Ölpest ihr nichts anhaben. Aber genauso einfach hätten wir eines der ältesten Lebewesen auf diesem Planeten verlieren können. Die gesamte Ausmaß dieser Katastrophe muss sich noch zeigen.
Ich glaube, das hier ist eines der stillsten und robustesten Dinge auf dem Planeten. Hier ist eine Klonkolonie von amerikanischen Zitterpappeln in Utah, die buchstäblich 80.000 Jahre alt ist. Was aussieht wie ein Wald, ist tatsächlich ein einziger Baum. Stellen Sie sich ein gigantisches Wurzelsystem vor, in dem jeder Baum ein Ableger dieses Systems ist. Wir haben also ein riesiges, miteinander verbundenes, genetisch identisches Individuum, das seit 80.000 Jahren lebt. Zufällig ist es männlich und theoretisch unsterblich.
Auch hier ist eine Klonkolonie. Hier ist die Fichte Gran Picea, die 9.550 Jahre alt ist, ein kleines Bäumchen im Wald. Der Standort dieses Baumes wird zu seinem Schutz geheim gehalten. Ich sprach mit seinem Entdecker, einem Biologen. Er erzählte mir, dass das dürre Wachstum hier in der Mitte sehr wahrscheinlich vom Klimawandel herrührt. Als es auf dem Berggipfel wärmer wurde, änderte sich die Vegetationszone. Wir brauchen also nicht einmal direkten Kontakt mit diesen Organismen, um fühlbare Auswirkung auf sie zu haben.
Hier ist die Fortingall-Eibe. Kleiner Scherz. Hier ist die Fortingall-Eibe. (Lachen) Ich habe dieses Bild hier gezeigt, weil ich oft gefragt werde, ob in dem Projekt auch Tiere vorkommen. Abgesehen von der Koralle ist die Antwort nein. Weiß jemand wie alt die älteste Schildkröte ist? Will jemand schätzen? (Publikum: 300.) Rachel Sussman: 300? Nein, die älteste lebende Schildkröte ist 175, also nicht mal annähernd 2.000. Und dann haben Sie vielleicht von dieser riesigen Muschel an der Küste von Nordisland gehört, die 405 Jahre alt geworden ist. Als sie jedoch im Labor ihr Alter bestimmten, ging sie ein. Die interessanteste Entdeckung, die kürzlich gemacht wurde, ist die sogenannte unsterbliche Qualle, die im Labor dabei beobachtet wurde, dass sie sich in den Polypenzustand zurückversetzen kann, nachdem sie ganz ausgewachsen ist. Man muss hier aber berücksichtigen, dass ein Qualle in der Wildnis wahrscheinlich nicht so lange überleben könnte. Also zurück zur Eibe. Sie sehen, dass sie sich auf einem Friedhof befindet. In Schottland. Hinter einer Schutzmauer. Es gibt zahlreiche uralte Eiben auf Friedhöfen überall in Großbritannien. Wenn Sie einmal nachrechnen, wird Ihnen auffallen, dass die Eiben vor den Kirchen da waren.
Jetzt wollen wir einen anderen Erdteil besuchen. Ich hatte Gelegenheit zu einer Reise zur Limpopo-Provinz in Südafrika mit einem Fachmann für Baobab-Bäume. Wir schauten uns einige davon an, wahrscheinlich den ältesten. Er ist etwa 2000 Jahre alt und heißt Sagole Baobab. Ich betrachte all diese Organismen als Palimpseste. Sie enthalten Jahrtausende ihrer eigenen Geschichte und auch Hinweise auf Geschehnisse von Natur und Menschen. Baobabs sind besonders gute Beispiele dafür. Sie sehen, dass im Stamm dieses Baumes Namen eingraviert wurden. Es wurden aber auch naturgeschichtliche Ereignisse aufgenommen. Im Laufe ihres Lebens werden die Baobas innerlich matschig und hohl. Das kann wunderbare natürliche Schutzräume für Tiere schaffen. Sie fanden aber auch für einige zwielichtige menschliche Unternehmungen Verwendung, etwa als Bar, Gefängnis und sogar als Toilette in einem Baum.
Damit zu einem anderen meiner Lieblinge -- Ich glaube, weil er so ungewöhnlich ist. Diese Pflanze heißt Welwitschia, und kommt nur an Teilen der Küste von Namibia und Angola vor, wo sie sich auf das Sammeln von Feuchtigkeit aus Seenebel spezialisiert hat. Dazu kommt, dass sie tatsächlich ein Baum ist, ein primitives Nadelgehölz. Sie merken hier, dass er in der Mitte Zapfen hat. Was wie zwei große Haufen Blätter aussieht, sind tatsächlich zwei einzelne Blätter, die im Laufe der Zeit durch die unwirtlichen Wüstenbedingungen zerpflückt wurden. Diese Blätter werden nie abgeworfen. Damit tritt als Merkmal hinzu, dass er die längsten Blätter im Pflanzenreich hat. Ich unterhielt mich mit einem Biologen von Kirstenbosch, dem botanischen Garten in Kapstadt und fragte, wo diese bemerkenswerte Pflanze seiner Meinung nach herkommen. Er nahm an, dass man bei einer Reise durch Namibia jede Menge versteinerte Wälder sieht, die Scheite sind alle riesige -- von riesigen Nadelbäume, und doch gibt es keinen Hinweis auf ihre Herkunft. Also nahm er an, dass Überflutungen in Nordafrika diese Nadelhölzer vor zehntausenden von Jahren in den Süden brachten. Im Ergebnis passten sie sich auf bemerkenswerte Weise den einzigartigen Bedingungen der Wüste an.
Hier ist das meiner Meinung nach poetischste der am längsten lebenden Dinge. Man bezeichnet dies als Untergrundwald. Ich sprach mit einem Biologen im Botanischen Garten von Pretoria der erklärte, dass bestimmte Baumarten sich an diese Region angepasst hatten. Es ist eine Buschregion, die trocken und anfällig für Feuer ist. Diese Bäume sind also wenn man sich vorstellt, dass das die Baumkrone ist und hier der Grund, insgesamt als ganzer Baum in den Untergrund gewandert; und hier schauen einfach die Blätter an der Oberfläche heraus. Wenn eine Feuersbrunst wütet, ist es so als würde man sich die Augenbrauen versenken. Der Baum kann sich schnell erholen. Sie neigen auch zu einem klonischen Wachstum. Der älteste Klon ist 13000 Jahre alt.
Zurück in den USA gibt es ein paar ähnlich alte Pflanzen. Hier ist der klonische Creosotebusch, der etwa 12000 Jahre alt ist. Wer im amerikanischen Westen war, kennt den Creosotebusch als ziemlich omnipräsent aber trotzdem hat man hier diese einzigartige Kreisform. Der Busch breitet sich langsam aus dieser ursprünglichen Form aus. Wieder einmal schafft das miteinander verbundene Wurzelsystem, ein einziges genetisch identisches Individuum. Es hat einen Freund zum Nachbar. Zumindest glaube ich, dass sie Freunde sind. Hier ist die klonische Mojave Yuccapalme, etwa eine Meile entfernt. Sie ist ein wenig älter als 12.000 Jahre. Sie sehen auch hier eine ähnliche Kreisform. Und die Landschaft im Hintergrund ist mit jüngeren Klonen gesprenkelt. Beide, die Yuccapalme und der Creosote Busch, leben auf vom Bureau of Landmangement verwalteten Land. Das ist ein großer Unterschied zum Schutz in einem Nationalpark. Dieses Land ist tatsächlich zur Benutzung für Freizeitfahrzeuge aller Art bestimmt.
Und jetzt möchte ich Ihnen die wahrscheinlich ältesten Lebewesen auf diesem Planeten zeigen. Hier sind die sibirische Actinobakterien die zwischen 400.000 und 600.000 Jahre alt sind. Diese Bakterie wurde vor einigen Jahren von einem Team planetarischer Biologen entdeckt, die nach Leben auf anderen Planeten suchten, in dem sie sich die schwierigsten Bedingungen auf unserem anschauten. Bei der Forschung im Permafrost fanden sie diese Bakterien. Das Einzigartige daran ist, dass sich ihre DNA unter dem Gefrierpunkt repariert. Und das bedeutet, dass sie nicht schlafen. Sie leben und wachsen seit einer halben Million Jahren. Wahrscheinlich ist es auch das verletzlichste der ältesten Lebewesen der Welt, denn es überlebt nicht, wenn der Permafrost taut.
Hier ist eine Landkarte der ältesten Lebewesen, damit man ein Bidl dafür bekommt, wo sie sich befinden; sie sind überall. Die blauen Fahnen sind Dinge, die ich schon fotografiert habe; die roten sind Orte, die ich noch besuchen möchte. Hier sehen Sie eine Fahne in der Antarktis. Da will ich hin, um 5000 Jahre altes Moos zu finden, das auf der Antarktischen Halbinsel lebt.
Wahrscheinlich bleiben mir bei diesem Projekt noch zwei Jahre, oder bei dieser Phase des Projektes. Nach fünf Jahren glaube ich, dass ich das Herz dieser Arbeit kenne. Die ältesten Lebewesen dieser Welt sind gleichzeitig Aufnahme und Feier der Vergangenheit, Aufruf zum Handeln in der Gegenwart und Barometer für die Zukunft. Sie haben Jahrtausende überlebt, in der Wüste, im Permaforst auf Berggipfeln, und am Meeresgrund. Sie haben nie gehörten Gefahren der Natur und Eingriffen des Menschen widerstanden. Doch einige von ihnen sind in Gefahr, und sie können nicht einfach aufstehen und weggehen. Ich hoffe, dass ich, indem ich diese Organismen finde, helfen kann, auf ihre bemerkenswerte Robustheit aufmerksam zu machen, und meinen Teil zum Schutz ihrer fortdauernden Langlebigkeit in naher Zukunft beitragen kann.
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Rachel Sussman zeigt Fotos der ältesten dauerhaft lebenden Organismen -- von einem 2.000 Jahre alten Korallenriff vor der Küste Tobagos bis zu einem "unterirdischen Wald" in Südafrika, der bereits vor dem Anfang des Ackerbaus b.esteht.
Rachel Sussman is on a quest to celebrate the resilience of life by identifying and photographing continuous-living organisms that are 2,000 years or older, all around the world. Full bio »
Translated into German by Myriam Bastian
Reviewed by Alex Boos
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14:53 Posted: Aug 2008
Views 453,342 | Comments 50
34:25 Posted: Oct 2006
Views 300,915 | Comments 38
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