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Sie verstehen bestimmt nichts bei meinem Englisch. Das ist gut für Sie, denn Sie können sich jetzt von all diesen fantastischen Leuten erholen. Ich muss Ihnen sagen, dass ich so bin, ich fühle mich nicht sehr wohl, denn normalerweise finde ich, dass meine Arbeit total unnütz ist. Ich meine, ich fühle mich unnütz. Jetzt, nach Carolyn und all den anderen, fühle ich mich scheiße. Und ich weiß bestimmt nicht, warum ich hier bin, aber – Sie kennen vielleicht den Albtraum, ein Hochstapler zu sein, man erreicht das Opernhaus und dann schubsen sie einen: "Du musst singen!" Ich weiß nicht.
Also, weil ich nichts zu zeigen und nichts zu sagen habe, werden wir versuchen, über etwas anderes zu sprechen. Wenn Sie wollen, können wir damit anfangen, nachzuvollziehen – nur zu Anfang, es ist nicht sehr interessant – wie ich arbeite. Wenn jemand auf mich zukommt und fragt, wofür ich bekannt bin, sage ich, ja, Zitronenpresse, Klobürste, Zahnstocher, schöne Toilettensitze und, warum nicht, eine Zahnbürste. Ich versuche nicht, die Zahnbürste zu designen. Ich versuche nicht, zu sagen: "Oh, das wird ein schönes Objekt", oder so was. Das interessiert mich nicht.
Denn es gibt verschiedene Arten von Design. Die eine können wir zynisches Design nennen, d.h. das Design, das von Raymond Loewy in den 50ern entwickelt wurde, der sagte, was hässlich ist, verkauft sich schlecht, le laideur se vend mal, was furchtbar ist. Es bedeutet, dass Design nur eine Waffe des Marketings zu sein hat, der Produzent macht das Produkt sexier und verkauft so mehr, das ist Scheiße, das ist obsolet und lächerlich. Das nenne ich zynisches Design.
Dann gibt es das narzisstische Design: ein großartiger Designer, der nur für andere großartige Designer entwirft. Dann gibt es Leute wie mich, die sich um ihre Existenzberechtigung bemühen und denen ihr nutzloser Job peinlich ist, die etwas anderes probieren. Sie versuchen, ich versuche, ein Objekt nicht um seiner selbst willen, sondern für das Ergebnis zu machen, für den Vorteil des Menschen, der Person, die es benutzen wird. Wenn wir die Zahnbürste nehmen – ich denke nicht an die Zahnbürste. Ich denke: "Welchen Effekt wird die Bürste im Mund erzielen?" Um zu verstehen, welche Wirkung die Zahnbürste im Mund hat, muss ich mir vorstellen: Wem gehört dieser Mund? Wie sieht das Leben des Besitzers dieses Mundes aus? In was für einer Gesellschaft lebt er? Was für eine Zivilisation erschafft diese Gesellschaft? Was für eine Tierart erschafft diese Gesellschaft? Wenn ich ankomme – und ich brauche ein bisschen, denn ich bin nicht so schlau – wenn ich auf der Ebene der Tierart ankomme, wird es sehr interessant.
Ich selbst habe bestimmt nicht die Macht, irgendetwas zu ändern. Aber wenn ich zurückgehe, verstehe ich, warum ich es nicht tun soll, denn heute ist etwas nicht zu tun besser als es zu tun, egal, auf welche Weise. Aber wenn man zurückgeht zur Ebene der Tierart, gibt es Dinge zu entdecken. Es gibt Sachen zu sehen, da ist die große Herausforderung. Die große Herausforderung für uns. Denn es gibt kein menschliches Erzeugnis, das außerhalb dessen, was ich das "große Bild" nenne, existiert. Das große Bild ist unsere Geschichte, unsere Poesie, unser Romantizismus. Unsere Poesie ist unsere Mutation, unser Leben. Wir erinnern uns und können das in jedem Buch meines zehnjährigen Sohnes nachschlagen, dass Leben vor vier Milliarden Jahren entstand – vier Milliarden Komma zwei?
Stimme im Publikum: Vier Komma fünf.
Ja, Komma fünf. OK, OK, OK! Ich bin Designer, das ist alles, ich entwerfe Weihnachtsgeschenke. Und davor gab es diese Suppe namens "soupe primordiale", diese erste Suppe – blubb blubb blubb – eine Art schmutziger Schlamm, kein Leben, nichts. Dann also – pschu-schu – Blitz – pschu – schlägt ein – pschu-schu – gebiert Leben – blubb blubb – und das stirbt. Ein paar Jahrmillionen später – pschu-schu, blubb-blubb – aah, aufwachen! Zuletzt schließlich gelingt es und Leben entsteht. Wir waren so dumm. Die dümmsten Bakterien. Wir kopieren sogar die Art, uns zu reproduzieren, Sie wissen, was ich meine, und etwas von – nein, vergessen Sie das.
Danach werden wir zum Fisch, danach zum Frosch, danach werden wir zum Affen, danach werden wir, was wir heute sind: ein Super-Affe, und das Lustige ist, dass unser heutiger Zustand als Super-Affe nur die halbe Geschichte ist. Können Sie sich das vorstellen? Von diesem dummen Bakterium zu uns, mit einem Mikro, einem Computer, einem iPod – vier Milliarden Jahre. Und wir, besonders Carolyn, wissen, dass, wenn die Sonne implodiert, die Erde verbrennen wird, explodieren, was weiß ich, und das ist geplant für in vier Milliarden Jahren? Ja, sagt sie, so in etwa. OK, d. h. wir sind bei der Hälfte der Geschichte. Fantastisch! Das ist Schönheit! Können Sie sich das vorstellen? Es ist sehr symbolisch. Denn die Bakterien, die wir damals waren, hatten keine Ahnung davon, was wir heute sind. Und heute haben wir keine Ahnung, was wir in vier Milliarden Jahren sein werden. Dieses Gebiet ist fantastisch.
Das ist unsere Poesie. Das ist unsere wunderbare Geschichte. Es ist unser Romantizismus. Mu-ta-tion. Wir sind Mutanten. Und wenn wir das nicht richtig verstehen, wenn wir unser Mutantentum nicht integrieren, verpassen wir vollkommen die Geschichte. Denn jede Generation glaubt, sie sei die letzte. Das ist unsere Betrachtungsweise der Erde, wissen Sie: "Ich bin der Mensch. Der letzte Mensch. Wissen Sie, wir sind über vier Milliarden Jahre lang mutiert, aber jetzt, da es mich gibt, hört das auf. Fin. Für das Ende, für die Ewigkeit, ist der mit der roten Jacke." So ähnlich, ich bin nicht ganz sicher. Denn das ist unser Wissen über Mutation und ähnliche Dinge. Es gibt so viele Dinge zu tun, es ist so neu.
Und noch etwas: Niemand ist verpflichtet, ein Genie zu sein, aber jeder ist verpflichtet, teilzunehmen. Teilzunehmen bedeutet für einen Mutanten ein Minimum einer Anstrengung, von Sport. Das können wir sagen. Die erste Pflicht, wenn Sie so wollen – es gibt so viele – aber eine recht einfach zu bewerkstelligende ist die Pflicht zu sehen. Ich kann das erklären. Ich werde es versuchen. Wenn Sie so gehen, ist das OK, es ist OK, Sie können gehen, aber vielleicht können Sie nicht sehen, wenn Sie so mit den Augen gehen, oh, da ist ein Loch. Und Sie werden reinfallen und sterben. Gefährlich.
Deshalb werden Sie es vielleicht mit diesem Blickwinkel versuchen. OK, ich kann sehen, ich habe etwas gefunden, hoch, hoch und weiter nach oben, oben, oben. Ich hebe den Blickwinkel, aber es ist immer noch sehr – egoistisch, egoiste – ja, egoistisch. Man, man überlebt. Es ist in Ordnung. Wenn man den Blickwinkel noch mehr hebt, sagt man: "Ich sehe euch, oh mein Gott, da seid ihr, wie geht's, kann ich euch helfen, ich kann euch eine neue Zahnbürste entwerfen, eine neue Klobürste", so in der Art. Ich lebe in einer Gesellschaft, ich lebe in einer Gemeinschaft. Das ist OK. Man begibt sich auf das Gebiet von Intelligenz, kann man sagen. Je weiter man auf diesem Level seinen Blickwinkel anhebt, desto wichtiger wird man für die Gesellschaft. Je höher man kommt, desto wichtiger wird man für die Zivilisation. Je höher man kommt, um weit und hoch zu blicken, so, desto wichtiger wird man für die Geschichte unserer Mutation. Das heißt, intelligente Leute haben diesen Winkel. Das ist Intelligenz. Von hier bis hier ist ein Genie. Ptolemäus, Eratosthenes, Einstein, so Leute. Niemand ist verpflichtet, ein Genie zu sein. Es ist besser, aber keiner.
Achten Sie bei diesem Training darauf, ein guter Mutant zu sein. Es gibt Gefahren, es gibt Fallen. Eine Falle: die Senkrechte. Denn direkt über uns, wenn man so guckt: "Ah! Mein Gott, da ist Gott. Ah! Gott!" Gott ist eine Falle. Gott ist die Antwort, wenn wir die Antwort nicht kennen. Das heißt, wenn dein Gehirn nicht groß genug ist, wenn du was nicht verstehst, sagst du: "Ah, es ist Gott, es ist Gott." Das ist lächerlich. Deswegen – springen, so? Nein, nicht springen. Kommt zurück. Denn dann gibt es noch eine Falle. Wenn man so guckt, schaut man in die Vergangenheit oder in sich selbst hinein, wenn man sehr beweglich ist. Das nennt man Schizophrenie, und man ist auch tot.
Deshalb hebt man, weil man ein guter Mutant ist, jeden Morgen seinen Blickwinkel. Mehr in die Horizontale. Man ist intelligent. Nicht vergessen – so, so. Das ist sehr, sehr wichtig. Was können wir noch darüber sagen? Warum tut man das? Weil wir – wenn man es von weiter weg anschaut, sieht man unseren Evolutionsverlauf. Dieser Evolutionsverlauf ist eindeutig positiv. Von Weitem sieht diese Linie sehr glatt aus, so. Aber wenn man eine Lupe nimmt, so, ist diese Linie ack, ack, ack, ack, ack. So. Sie besteht aus Licht und Schatten. Man kann sagen, Licht ist Zivilisation, Schatten ist Barbarei. Und es ist sehr wichtig zu erkennen, wo wir stehen. Denn in einem Kreislauf gibt es einen Punkt, und man hat nicht dieselbe Verpflichtung in anderen Teilen des Kreislaufs.
Das heißt, wir können uns vorstellen – ich meine nicht, dass es fantastisch war, aber in den 80ern gab es nicht allzu viele Kriege, es war – man kann sich vorstellen, dass die Zivilisation zivilisierter wird. In diesem Fall sind Leute wie ich akzeptabel. Man kann sagen: "Es ist eine Zeit des Luxus." Man hat Zeit nachzudenken, man hat Zeit sonst was zu tun, über Kunst zu sprechen und solche Dinge. Das ist OK. Wir sind im Licht. Aber manchmal, so wie heute, fallen wir so, so schnell in den Schatten, in die Barbarei. In viele, viele, viele, viele Arten der Barbarei. Denn die Barbarei, die es heute gibt, ist vielleicht nicht die, für die wir sie halten. Es gibt eine andere Art der Barbarei. Deshalb müssen wir uns anpassen. Das heißt, wenn die Barbarei zurück ist, vergesst die schönen Stühle, vergesst das schöne Hotel, vergesst Design, vergesst sogar – leider muss ich das sagen – vergesst die Kunst. Vergesst all das. Es gibt eine Priorität, eine Dringlichkeit. Man muss zurück zur Politik, man muss zurück zur Radikalisierung, tut mir leid, wenn das nicht sehr englisch ist. Man muss zurück zum Kampf, in die Schlacht.
Deshalb schäme ich mich heute für meinen Beruf. Deshalb bin ich hier, um zu versuchen, das Beste zu erreichen. Aber ich weiß, dass selbst, wenn ich das Bestmögliche mache – deshalb bin ich der Beste – das nichts bringt. Denn es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Deswegen sage ich das. Ich sage das, weil, ich wiederhole, nichts existiert, wenn nicht aus einem guten Grund, der Grund unseres schönen Traums, unserer Zivilisation. Und weil wir alle daran arbeiten müssen, diese Geschichte zu Ende zu bringen. Denn das Szenario dieser Zivilisation – von Liebe, Fortschritt usw. – das ist OK, aber es gibt so viele andere Szenarien, Szenarien anderer Zivilisationen. Dieses Szenario unserer Zivilisation handelte davon, mächtig zu werden, intelligent, wie diese Idee, die uns eingefallen ist, dieses Konzept von Gott. Wir sind jetzt Gott. Wirklich. Es ist fast geschafft. Wir müssen nur die Geschichte zu Ende bringen. Das ist sehr, sehr wichtig. Und wenn man nicht versteht, was passiert ist, kann man nicht kämpfen, arbeiten, bauen und solche Dinge. Man geht in die Zukunft zurück, zurück, zurück, zurück, so. Man kann dabei fallen und es ist sehr gefährlich. Nein, Sie müssen das wirklich begreifen.
Denn wir sind fast am Ziel, ich wiederhole das noch mal. Und das Schöne daran ist, dass wir in vielleicht 50, 60 Jahren diese Zivilisation zu Ende bringen und unseren Kindern die Möglichkeit bieten können, eine neue Geschichte zu erfinden, eine neue Poesie, einen neuen Romantizismus. Wegen der Milliarden von Menschen, die vor uns geboren wurden, gelebt haben und gestorben sind, wegen dieser Leute, die so hart gearbeitet haben, haben wir jetzt schöne Dinge, schöne Geschenke, wissen wir so viel. Wir können unseren Kindern sagen: OK, fertig, das war unsere Geschichte. Das ist vorbei. Jetzt habt ihr eine neue Aufgabe: Erfindet eine neue Geschichte. Erfindet eine neue Poesie. Die einzige Regel ist, dass wir keine Ahnung von der nächsten Geschichte haben dürfen. Wir geben euch leere Blätter. Erfindet. Wir geben euch die besten Werkzeuge, die besten Werkzeuge, und jetzt tut es. Deshalb arbeite ich weiter, auch wenn es für eine Klobürste ist.
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Designer Philippe Starck -- with no pretty slides to show -- spends 18 minutes reaching for the very roots of the question "Why design?" Listen carefully for one perfect mantra for all of us, genius or not.
Philippe Starck designs deluxe objects and posh condos and hotels around the world. Always witty and engaged, he takes special delight in rethinking everyday objects. Full bio »
Translated into German by Mareike Kaden
Reviewed by Alex Boos
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In perhaps 50 years, 60 years, we can finish completely this civilization, and offer to our children the possibility to invent a new story, a new poetry, a new romanticism.” (Philippe Starck)
15:30 Posted: Apr 2007
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19:30 Posted: Aug 2006
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14:16 Posted: Nov 2008
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