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Meine Reise, die mich zu einem Spezialisten für die Polarregionen gemacht hat, als Fotograf, der sich auf die Polargebiete spezialisiert hat, begann, als ich vier Jahre alt war. Damals zog meine Familie von Südkanada zur nördlichen Baffininsel, oben bei Grönland. Dort lebten wir mit den Inuit zusammen. In der kleinen, 200-köpfigen Inuit-Gemeinde waren wir eine von drei Familien, die keine Inuit sind. In dieser Gemeinde gab es kein Fernsehen; es gab natürlich keine Computer, kein Radio. Wir hatten nicht einmal ein Telefon. Ich verbrachte meine gesamte Zeit draußen, spielte mit den Inuit. Schnee und Eis waren mein Sandkasten, die Inuit waren meine Lehrer. Und damals begann meine wirkliche Besessenheit für dieses Polarreich. Und ich wusste, dass ich eines Tages etwas tun würde, das mit dem Versuch, es bekannt zu machen und zu beschützen zu tun hat.
Ich möchte mit Ihnen, nur für zwei Minuten, einige Bilder teilen, einen Querschnitt meiner Arbeit, zur wunderschönen Musik von Brandi Carlile, "Have You Ever". Ich weiß nicht, warum National Geographic das tut, das haben sie noch nie zuvor getan, aber sie erlauben mir, Ihnen einige Bilder zu zeigen von einer noch unveröffentlichten Reportage, die ich gerade fertig gestellt habe. National Geographic macht so etwas nicht. Ich freue mich also sehr, dass ich das mit Ihnen teilen darf.
Und diese Bilder sind -- Sie werden sie zu Beginn der Slide-Show sehen -- es sind nur vier Bilder -- aber auf ihnen ist ein kleiner Bär zu sehen, der im Regenwald des Großen Bären (Kanada) lebt. Er ist ganz weiß, aber es ist kein Eisbär. Es ist ein Geisterbär oder ein Kermodebär. Es gibt nur noch 200 von dieser Art. Sie sind seltener als der Panda.
Ich saß dort zwei Monate lang am Fluss, ohne einen zu sehen. Ich dachte, meine Karriere sei vorbei. Ich hatte National Geographic diese blöde Story vorgeschlagen. Was hatte ich mir dabei nur gedacht? Ich hatte also zwei Monate lang dort gesessen und versucht, mir verschiedene Möglichkeiten für mein nächstes Leben auszumalen, für nach meinem Leben als Fotograf, denn sie würden mich sicher feuern. Denn National Geographic ist eine Zeitschrift; daran erinnern sie uns immer wieder, sie veröffentlichen Fotos, keine Entschuldigungen.
Und nach zwei Monaten, die ich dort gesessen hatte -- ich dachte alles sei vorbei, kam eines Tages dieses unglaubliche, große, weiße Männchen heran, genau neben mich, einen knappen Meter von mir entfernt, und er ging hinunter zum Fluss, schnappte sich einen Fisch. lief zurück zum Wald und aß ihn auf. Und dann lebte ich den ganzen Tag lang meinen Kindheitstraum, in dem ich mit einem Bären durch den Wald spaziere. Er lief durch diesen alten, gewachsenen Wald und setze sich neben diesen 400 Jahre alten, veredelten Baum und schlief. Und ich schlief wirklich keinen Meter von ihm entfernt, mitten im Wald, und fotografierte ihn.
Ich bin also sehr aufgeregt, dass ich Ihnen diese Bilder zeigen kann und einen Querschnitt meiner Arbeit, die ich in den Polargegenden gemacht habe. Genießen Sie es!
Brandi Carlile: ♫ Bist du jemals alleine durch den Wald gewandert? ♫ ♫ Und alles dort fühlt sich genau so an wie es sollte ♫ ♫ Du bist Teil des Lebens dort ♫ ♫ Du bist Teil von etwas Gutem ♫ ♫ Wenn du jemals alleine durch den Wald gewandert bist ♫ ♫ Ooh, ooh, ooh, ooh ♫ ♫ Wenn du jemals alleine durch den Wald gewandert bist ♫ ♫ Hast du jemals einen sternenklaren Himmel betrachtet? ♫ ♫ Auf deinem Rücken liegend fragst du dich, warum ♫ ♫ Was ist die Bestimmung? ♫ ♫ Ich frage mich, wer bin ich? ♫ ♫ Wenn du jemals einen sternenklaren Himmel betrachtet hast ♫ ♫ Ooh, ooh, ooh, ooh ♫ ♫ Aah, ah, aah ♫ ♫ Ah, oh, oh, ah, ah, oh, oh ♫ ♫ Hast du jemals einen sternenklaren Himmel betrachtet? ♫ ♫ Bist du jemals draußen im Schnee herumgelaufen? ♫ ♫ Hast versucht, dahin zurückzugehen, wo du vorher warst ♫ ♫ Es endet immer damit ♫ ♫ dass du nicht weißt, wohin du gehen sollst ♫ ♫ Wenn du jemals draußen im Schnee herumgelaufen bist ♫ ♫ Ooh, ooh, ooh, ooh ♫ ♫ Aah, ah, aah, ah, aah ♫ ♫ Ah, ah, oh, ah, ah, oh, ah ♫ ♫ Oh, ah, ah, ah ♫ ♫ Ah, ah, oh, ah, ah, oh, oh ♫ ♫ Wenn du jemals draußen herumgelaufen wärst, dann wüsstest du es ♫
Paul Nicklen: Vielen Dank. Die Vorstellung ist noch nicht vorbei. Meine Uhr tickt. Okay, hören Sie bitte auf. Vielen Dank. Ich weiß das zu schätzen.
Wir werden immerzu mit Nachrichten überschwemmt, dass das Meereis verschwindet und dass es seinen niedrigsten Stand erreicht hat. Und die Wissenschaftler sagten tatsächlich genau das, dass das Meereis in den nächsten hundert Jahren verschwinden wird, dann sagten sie in 50 Jahren. Jetzt sagen sie, das arktische Meereis, die Ausdehnung im Sommer, wird in den nächsten 4 bis 10 Jahren verschwunden sein. Was bedeutet das? Wenn man diese Nachrichten eine Weile gelesen hat, sind es nur noch Nachrichten. Man liest darüber hinweg. Und ich versuche mit meiner Arbeit, den Nachrichten ein Gesicht zu geben. Und ich möchte, dass die Menschen verstehen und einen Begriff davon bekommen, dass wir, wenn wir das Eis verlieren, ein ganzes Ökosystem verlieren werden. Die Prognosen besagen, dass die Eisbären aussterben könnten, und zwar in den nächsten 50 bis 100 Jahren.
Und es gibt keine bessere, spannendere, schönere, charismatischere Spezies der Megafauna für mich, um meine Kampagne zu führen. Eisbären sind erstaunliche Jäger. Dies hier ist ein Bär, bei dem ich eine Weile auf den Felsen saß. Es gab ringsum kein Eis, aber ein Gletscher versank ins Wasser und eine Robbe saß darauf. Und dieser Bär schwamm zu dieser Robbe hin -- eine 350 Kilo schwere, bärtige Robbe -- schnappte sie, schwamm zurück und aß sie. Und er war so voll, er war so glücklich und so fett, als er diese Robbe aß, dass er, als ich mich ihm näherte -- ungefähr 6 Meter entfernt -- um dieses Foto zu machen, als einzige Verteidigung immer weiter und mehr aß. Und als er aß, er war so voll -- er hatte vermutlich ungefähr 90 Kilo Fleisch im Magen -- und als er mit der einen Seite des Mauls aß, erbrach er gleichzeitig aus der anderen Seite seines Mauls.
Wenn diese Bären also nur ein bisschen Eis haben, werden sie überleben, aber das Eis verschwindet. Wir finden immer mehr tote Bären in der Arktis. Als ich als Biologe vor zwanzig Jahren mit Eisbären arbeitete, fanden wir niemals tote Bären. Und während der letzten vier oder fünf Jahren finden wir plötzlich überall tote Bären. Wir sehen sie in der Beaufortsee, sie treiben im offenen Meer, dort wo das Eis weggeschmolzen ist. Ich fand ein paar letztes Jahr in Norwegen. Sie liegen auf dem Eis. Diese Bären zeigen schon Anzeichen für den Stress durch das verschwindende Eis.
Hier ist eine Mutter mit ihrem zweijährigen Jungen. Wir waren auf einem Schiff 160 Kilometer von der Küste entfernt im Niemandsland. Und die beiden befanden sich auf diesem großen Stück Gletschereis, was gut ist; dort sind sie erstmal sicher. Sie werden nicht an Überhitzung sterben. Sie werden das Land erreichen. Doch leider ziehen sich 95 Prozent der arktischen Gletscher derzeit ebenfalls zurück bis zu dem Punkt, an dem das Eis das Festland erreicht hat und kein weiteres Eis zurück ins Ökosystem zurückführt.
Diese Ringelrobben sind sowas wie die "Kalorienbomben" der Arktis. Diese kleinen, fetten Knödel, 70-Kilo-Pakete voller Speck sind die Hauptnahrung der Eisbären. Und sie sind nicht wie die Hafenrobben, die man hier sieht. Diese Ringelrobben leben ebenfalls ihren gesamten Lebenszyklus in enger Verbindung zum Meereis. Sie gebären im Eis und sie verfüttern den arktischen Kabeljau, der unter dem Eis lebt. Dieses Bild zeigt das kranke Eis. Das ist ein Stück von mehrjährigem Eis, es ist 12 Jahre alt. Die Wissenschaftler haben nicht vorhergesehen, dass das Eis, wenn es schmilzt, diese großen Taschen mit schwarzem Wasser ausbildet, die die Sonnenenergie aufnehmen und damit den Schmelzprozess noch beschleunigen.
Hier tauchen wir in der Beaufortsee. Die Sicht beträgt 180 Meter, wir hängen an Sicherheitsleinen, das Eis ist überall in Bewegung. Ich würde Ihnen gerne eine halbe Stunde lang berichten, wie wir bei diesem Tauchgang fast gestorben sind. Aber an diesem Bild ist wichtig, dass man ein Stück mehrjähriges Eis sieht, der große Eisbrocken da oben in der Ecke. In diesem einen Stück Eis leben 300 Arten von Mikroorganismen. Und im Frühjahr, wenn die Sonne zum Eis zurückkommt, entsteht daraus das Phytoplankton, es wächst unter dem Eis; und dann bekommt man größere Lagen von Meeresalgen; und dann entsteht das Zooplankton, das das ganze Leben dort ernährt. Das Eis hat in Wirklichkeit die Funktion eines Gartens. Es hat die Funktion wie die Erde in einem Garten. Es ist ein umgedrehter Garten. Dieses Eis zu verlieren wäre das Gleiche wie der Verlust des Erdbodens im Garten.
Hier bin ich in meinem Büro. Ich hoffe, Sie wissen Ihres zu schätzen. Das Bild entstand nach einer Stunde unter dem Eis. Ich kann meine Lippen nicht fühlen; mein Gesicht ist gefroren; ich habe kein Gefühl in den Händen und den Füßen. Ich tauche nach oben und ich will einfach nur aus dem Wasser raus. Nach einer Stunde in diesen Bedingungen, das ist so extrem, dass ich, wenn ich runtertauche, fast immer in meinen Atemregler erbrechen muss, weil mein Körper mit dem Stress der Kälte an meinem Kopf nicht umgehen kann. Und ich bin einfach nur froh, dass der Tauchgang vorbei ist. Ich schaffe es, meinem Assistenten meine Kamera zu geben und ich sehe zu ihm hoch und sage: "Wuu. Wuu. Wuu." Das bedeutet: "Nimm meine Kamera." Und er denkt, ich sage: "Mach ein Foto." Wir hatten also ein kleines Kommunikationsproblem. (Lachen) Aber das ist es wert.
Ich werde Ihnen heute Bilder von Belugawalen, Grönlandwalen und Narwalen und Eisbären und Seeleoparden zeigen, aber dieses Bild hier bedeutet mir mehr als jedes andere, das ich je gemacht habe. Ich ließ mich in dieses Eisloch fallen, das Sie gerade gesehen haben, und dann schaute ich von unter dem Eis nach oben und mir wurde schwindlig. Ich dachte, ich hätte einen Schwindelanfall. Ich wurde sehr nervös -- es gab kein Seil, keine Sicherheitsleine, die ganze Welt bewegte sich um mich herum -- und ich dachte: "Ich bin in Schwierigkeiten." Aber es war nur so, dass die gesamte Unterseite voll mit diesen Milliarden Amphipoden und Ruderfußkrebsen war, die herumschwammen und die sich von der Unterseite des Eises ernährten, ihre Nachkommen gebaren und ihren gesamten Lebenszyklus dort verbrachten. Das ist die Grundlage der gesamten Nahrungskette der Arktis, genau hier. Und wenn es eine geringe Produktion an Eis gibt, dann gibt es auch weniger Krebse.
Das ist ein Grönlandwal. Die Wissenschaftler vermuten, dass das das älteste lebende Tier der Erde ist. Dieser Wal hier könnte älter als 250 Jahre sein. Dieser Wal wurde vielleicht zu Beginn der Industriellen Revolution geboren. Er könnte 150 Jahre Walfang überlebt haben. Und jetzt besteht seine größte Bedrohung im schwindenden Eis im Norden, das wegen unserer Lebensweise im Süden wegschmilzt.
Narwale, diese majestätischen Narwale mit ihren 2,5 Meter langen Elfenbeinzähnen müssen nicht dort sein; sie könnten sich auch im offenen Meer aufhalten. Aber sie zwingen sich dazu, in diesen winzigen Eislöchern aufzutauchen, wo sie atmen können, einen Atemzug nehmen, denn genau unter diesem Eis sind die Kabeljauschwärme. Und der Kabeljau ist dort, denn er ernährt sich von den Ruderfußkrebsen und den Amphipoden.
Okay, jetzt kommt mein liebster Teil. Wenn ich auf dem Sterbebett liege, werde ich mich an eine Geschichte mehr als an jede andere erinnern. Auch wenn dieses Erlebnis mit dem Geisterbären beeindruckend war, glaube ich nicht, dass ich jemals wieder eine solche Erfahrung machen werde, wie mit diesen Seeleoparden. Seeleoparden hatten seit der Zeit von Shackleton einen schlechten Ruf. Sie haben dieses schiefe Lächeln um ihren Mund. Sie haben schwarze, unheimliche Augen und diese Flecken auf ihrem Körper. Sie sehen absolut prähistorisch und ein wenig beängstigend aus. Tragischerweise wurde im Jahr 2004 eine Wissenschaftlerin heruntergezogen, sie ertrank und wurde von einem Seeleoparden gefressen. Die Leute sagten gleich: "Wir wussten, dass sie bösartig sind. Wir wussten es." Und so bilden sich die Leute gerne ihre Meinung. Da hatte ich eine Idee für eine Story: Ich möchte in die Antarktis reisen, ins Wasser gehen mit so vielen Seeleoparden wir irgend möglich und ihnen eine faire Chance geben -- herausfinden, ob sie wirklich so bösartig sind oder ob sie missverstanden werden. Und das hier ist die Geschichte. Oh, und zufällig essen sie auch Happy Feet.
Als Spezie, als Menschen, sagen wir gerne, dass Pinguine wirklich süß sind, und weil die Seeleoparden sie essen, sind Seeleoparden fies und böse. Aber so funktioniert das nicht. Denn Pinguine wissen nicht, dass sie süß sind. Und Seeleoparden wissen nicht, dass sie irgendwie riesig und monströs sind. Hier offenbart sich einfach die Nahrungskette. Sie sind auch riesig. Sie sind nicht wie diese kleinen Hafenrobben. Sie sind 3,5 Meter lang und wiegen über 450 Kilo. Und sie sind auch neugierig aggressiv. Stecken Sie 12 Touristen in ein Schlauchboot, lassen Sie es in diesem Eismeer zu Wasser, dann taucht ein Seeleopard auf und zerbeißt den Ponton. Das Boot beginnt zu sinken, sie rasen zum Schiff zurück und erzählen nach ihrer Heimkehr die Geschichte, wie sie angegriffen wurden. Dabei hat der Seeleopard -- einfach nur in einen Ballon gebissen. Er sieht nur diesen großen Ballon im Meer -- er hat keine Hände -- er beißt ein wenig zu, das Boot platzt auf und schon ist es passiert.
Nachdem wir also fünf Tage lang die Drake Passage durchquert hatten -- ist das nicht wunderschön. Nach fünf Tagen durch die Drake Passage erreichten wir schließlich die Antarktis. Ich war mit meinem schwedischen Assistenten und Führer unterwegs. Sein Name ist Goran Ehlme aus Schweden -- Goran. Er hat viel Erfahrung mit Seeleoparden. Ich hatte noch nie einen gesehen. Wir fuhren also in unserem kleinen Schlauchboot durch die Bucht und da war dieser monströse Seeleopard. Und er sagte mit seiner Stimme: "Das ist eine ziemlich große Robbe, ja." (Lachen) Und diese Robbe nahm den Pinguin beim Kopf und schüttelte ihn hin und her. Er versuchte, den Pinguin von innen nach außen zu stülpen, damit er das Fleisch von den Knochen knabbern kann. Und dann verschwand sie und schnappte sich einen anderen.
Dieser Seeleopard schnappte sich also einen anderen Pinguin, schwamm unter das Boot, das Schlauchboot, begann an den Schiffsrumpf zu stoßen. Und wir versuchten, nicht ins Wasser zu fallen. Wir setzten uns hin und da sagte Goran zu mir: "Das ist eine gute Robbe, ja. Es ist Zeit für dich ins Wasser zu gehen." (Lachen) Und ich sah Goran an und sagte: "Vergiss es." Aber ich glaube, ich habe wohl ein anderes Wort benutzt, das mit F anfängt. Aber er hatte Recht. Er schimpfte mich aus und sagte: "Deshalb bist du doch hier. Und du hast diese doofe Story National Geographic angeboten. Und jetzt musst du liefern. Und du kannst keine Entschuldigungen veröffentlichen."
Ich hatte einen so trockenen Mund -- vermutlich nicht so schlimm wie jetzt -- aber ich hatte einen so, so trockenen Mund. Meine Beine zitterten nur noch. Ich spürte meine Beine nicht mehr. Ich zog meine Flossen an. Ich konnte meinen Mund kaum öffnen. Ich nahm meinen Schnorchel in den Mund und rollte über die Seite des Schlauchboots ins Wasser. Und das war ihre erste Reaktion. Sie kam auf mich zugeschossen, verschlang fast meine Kamera -- und ihre Zähne waren hier oben und hier unten -- aber Goran hatte mir, bevor ich ins Wasser stieg, einen großartigen Rat gegeben. Er sagte: "Wenn du Angst bekommst, mach deine Augen zu, ja, und dann geht sie weg."
An diesem Punkt war das also meine einzige Hilfe. Aber ich fing einfach an, diese Bilder zu machen. Sie zeigte ein paar Minuten lang diese Drohgebärden und dann geschah etwas Unglaubliches -- sie entspannte total. Sie schwamm weg, fing einen Pinguin. Sie hielt 3 Meter von mir entfernt inne und sie saß da mit diesem Pinguin, der Pinguin flatterte und sie ließ ihn los. Der Pinguin schwamm auf mich zu, haute ab. Sie schnappte sich einen anderen. Tat das immer und immer wieder. Und dann dämmerte es mir, dass sie versuchte, mich mit einem Pinguin zu füttern. Warum sonst sollte sie diese Pinguine für mich freilassen? Und nachdem sie das vier oder fünf Mal getan hatte, schwamm sie zu mir hin mit diesem niedergeschlagenen Gesichtsausdruck. Ich sollte nicht zu sehr vermenschlichen, aber ich schwöre, sie sah mich an als wolle sie sagen: "Dieser unfähige Jäger wird in meinem Ozean verhungern."
Als sie realisierte, dass ich keine schwimmenden Pinguine fangen konnte, fing sie andere Pinguine und brachte sie langsam in meine Richtung, bewegte sie so auf und ab und ließ sie dann los. Es klappte nicht. Ich musste so sehr lachen und war so gerührt, dass meine Tauchmaske überflutet wurde, denn ich weinte unter Wasser, einfach nur, weil das so verblüffend war. Das klappte also auch nicht. Sie fing noch einen Pinguin und versuchte so eine balletmäßige, verführerische Geste, indem sie den Eisberg so herunterrutschte. Und sie brachte sie irgendwie zu mir hin und bot sie mir an. Das ging vier Tage lang so weiter. Es passierte nicht nur ein paar Mal. Als sie schließlich verstand, dass ich keine lebenden fangen konnte, brachte sie mir tote Pinguine. (Lachen) Da schwammen nun vier oder fünf Pinguine um meinen Kopf herum und ich tat immer noch nichts anderes als fotografieren. Und sie hielt immer wieder an und hatte diesen niedergeschlagenen Gesichtsausdruck wie: "Bist du echt?" Denn sie konnte nicht glauben, dass ich diesen Pinguin nicht essen kann. Denn in ihrer Welt, brütet man entweder, oder man isst -- und ich brüte nicht.
Aber das reichte noch nicht; sie fing an, mir Pinguine an den Kopf zu werfen. Sie versuchte, mich zwangszuernähren. Sie schubste mich herum. Sie versuchte, meine Kamera zwangszuernähren, was der Traum eines jeden Fotografen ist. Und sie wurde immer frustrierter, sie bließ Blasen in mein Gesicht. Ich glaube, sie wollte mich wissen lassen, dass ich verhungern würde. Und sie hörte immer noch nicht auf. Sie versuchte immer weiter, mich mit Pinguinen zu füttern.
Und am letzten Tag mit diesem Weibchen, als ich dachte, ich hätte es zu weit mit ihr getrieben, wurde ich nervös, denn sie kam auf mich zu, rollte sich auf ihren Rücken und gab diese tiefen, gutturalen Presslufthammertöne von sich, dieses gokgokgokgok. Ich dachte, sie würde mich gleich beißen. Sie wollte mich wissen lassen, dass sie sich so über mich ärgert. Aber es war etwas anderes, eine andere Robbe hatte sich hinter mich geschlichen und sie machte das als Drohgebärde. Sie verjagte diese große Robbe, schwamm weg, schnappte einen Pinguin und brachte ihn mir.
Das war nicht der einzige Seeleopard, mit dem ich im Wasser war. Ich schwamm mit 30 anderen Seeleoparden im Wasser und hatte keine einzige gefährliche Situation. Es sind die erstaunlichsten Tiere, mit denen ich je gearbeitet habe, genau wie die Eisbären. Und genau wie die Eisbären sind diese Tiere auf eine Umgebung aus Eis angewiesen. Das berührt mich sehr. Entschuldigung.
Diese Geschichte bleibt tief in meinem Herzen und ich bin stolz, dass ich sie mit Ihnen teilen darf. Es liegt mir wirklich am Herzen. Möchte jemand mit mir in die Antarktis kommen, oder die Arktis, ich nehme Sie mit, auf geht's. Wir müssen die Geschichte jetzt an die Öffentlichkeit bringen. Vielen Dank.
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Beim Tauchen unter dem Eis der Antarktis wollte der Fotograf Paul Nicklen dem viel gefürchteten Seeleoparden nahe kommen und fand dabei einen außergewöhnlichen neuen Freund. Hören Sie seine wunderbaren, leidenschaftlichen Geschichten aus dem polaren Wunderland, illustriert von herrlichen Bildern der Tiere, die auf und unter dem Eis leben.
Paul Nicklen photographs the creatures of the Arctic and Antarctic, generating global awareness about wildlife in these isolated and endangered environments. Full bio »
Translated into German by Katja Tongucer
Reviewed by Alex Boos
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16:17 Posted: Apr 2007
Views 447,132 | Comments 109
14:53 Posted: Aug 2008
Views 453,342 | Comments 50
25:07 Posted: Jul 2008
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