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Hallo. Das ist "Hallo" in der Bauer Bodoni, für die Typographie-Verrückten unter uns. Eins der Dinge, die in den letzten Tagen immer wieder laut und deutlich angesprochen worden sind, ist die Notwendigkeit, das, was die Großen wollen – damit meine ich die Organisation, das System, den Staat – mit dem zu vereinbaren, was die Kleinen wollen – das Individuum, die Person. Wie bringt man diese zwei Dinge zusammen? Ich finde Charlie Ledbetter sprach gestern sehr deutlich über die Notwendigkeit, die Verbraucher, die Leute in den Schaffensprozess mit einzubinden. Und darüber möchte ich heute reden. Das Kleine einzusetzen, um das Große zu schaffen, ist, denke ich, etwas, woran wir glauben – woran wir glauben, und das wir ins Leben rufen mit dem, was wir bei Ideo machen.
Ich nenne dieses erste Kapitel – für die Briten hier im Raum – Der blendende Blick auf das verflucht Offensichtliche. Oft starren einem die guten Ideen so unmittelbar ins Gesicht, dass man sie übersieht. Ich glaube, oft ist alles, was wir tun, einfach unseren Klienten den Spiegel vorzuhalten und zu sagen: "Gucken Sie sich doch einfach an, was tatsächlich vor sich geht." Anstatt darüber zu theoretisieren, zeige ich Ihnen lieber ein Beispiel. Ein Gesundheitsunternehmen in Minnesota bat uns, ihnen die Erfahrung ihrer Patienten darzustellen. Ich glaube, sie erwarteten – sie hatten zuvor schon mit vielen Beratern gearbeitet – ich denke, sie haben irgendein grässliches Diagramm erwartet, mit tausenden von Blasen und systemischem Pipapo, all diesen Tabellenkram. Oder, schlimmer noch, eine Art Tod durch Powerpoint mit WowCharts und allen möglichen Variationen von Gott weiß was.
Das Erste, was wir ihnen tatsächlich zeigten, war das hier. Ich zeige es so lange, bis sich Ihre Augäpfel komplett aufgelöst haben. Das ist nach 59 Sekunden. Das ist eine Minute 59. Drei Minuten 19. Ich glaube, gleich passiert was. Vielleicht taucht gleich ein Kopf auf. Fünf Minuten zehn. Fünf Minuten 58. Sechs Minuten 20. Wir zeigten ihnen das ganze Video und sie wunderten sich: Was soll das? Der Punkt ist: Wenn man den ganzen Tag in einem Krankenhausbett liegt, sieht man immer nur die Decke, und das ist ein ziemlich beschissenes Erlebnis. Sich einfach selbst in die Lage des Patienten versetzen.
Das ist Christian, der mit uns bei Ideo arbeitet. Er lag einfach im Krankenhausbett und starrte sehr, sehr lange auf die Polystyrol-Kacheln an der Decke. So fühlt man sich als Patient in einem Krankenhaus. Und sie sahen sozusagen das verflucht Offensichtliche. Ach, du meine Güte. Sich die Situation also vom Standpunkt des Einzelnen heraus anzuschauen – anstatt wie üblicherweise von der Organisation nach innen hinein – war für diese Leute eine ziemliche Offenbarung. Es war eine Art Initialzündung für sie. Sie wurden auf einmal aktiv. Sie sagten: OK, es geht nicht darum, das System zu verändern. Es geht nicht um gigantische, lächerliche Dinge, die wir tun müssen. Es geht um winzige Dinge, die einen riesigen Unterschied machen können.
Wir fingen also an, Prototypen von wirklich kleinen Dingen zu machen, die einen riesigen Einfluss haben würden. Als Erstes nahmen wir einen kleinen Fahrradrückspiegel und klebten ihn an eine Trage, so dass man sich, wenn man von einem Pfleger oder einem Arzt durch die Gegend geschoben wird, mit ihnen tatsächlich unterhalten kann. Man sieht sie im Rückspiegel, es gibt also eine winzige zwischenmenschliche Interaktion. Ein kleines Beispiel dafür, was sie tun könnten. Interessanterweise wurden die Krankenpfleger selbst aktiv – sie sagten: OK, da machen wir mit. Was können wir tun? Als Erstes dekorierten sie die Decke. Ich dachte, das war wirklich – ich habe es neulich meiner Mutter gezeigt. Ich glaube, jetzt meint meine Mutter, ich sei so eine Art Innenarchitekt. Damit verdiene ich mein Geld, so wie Laurence Llewellyn-Bowen. Nicht wirklich das allerbeste Design für diejenigen unter uns, die wirklich Hardcore-Designer sind. Aber nichtsdestotrotz eine großartige, einfühlsame Lösung für Menschen. Es gab Dinge, die sie von selbst machten – wie etwa, den Bodenbelag in den Patientenzimmern zu wechseln, so dass er anzeigte: "Das ist mein Zimmer. Das ist mein Rückzugsraum" – das war eine sehr interessante Design-Lösung des Problems.
Man geht vom öffentlichen in einen privaten Raum. Und eine andere Idee, die wieder von einer der Krankenschwestern kam und die mir sehr gefällt, war es, klassische Weißwandtafeln zu besorgen, sie im Patientenzimmer aufzuhängen und diesen Sticker draufzukleben. Man konnte also in das Zimmer gehen und Botschaften für den Kranken hinterlassen, was toll ist. Winzige Lösungen haben also einen riesigen Einfluss. Ich glaube, das war ein wirklich schönes Beispiel.
Es gibt keine wirklich neue Idee, sondern es geht darum, in den Dingen um uns Gelegenheiten zu entdecken und daraus Lösungen zu entwickeln. Es gibt eine ganze Geschichte von Erfindungen, die darauf zurückgehen. Ich werde das vorlesen, damit ich mich nicht mit den Namen vertue. Joan Ganz Cooney sah ihre Tochter – kam eines Sonnabendmorgens die Treppe runter und sah, wie ihre Tochter auf das Testbild guckte und auf den morgendlichen Sendebeginn wartete; daraus entwickelte sich die Sesamstraße. Malcolm McLean zog in ein anderes Land und wunderte sich, warum es so lange dauerte, die Kartons auf das Schiff zu verladen. Er erfand den Schiffscontainer. George de Mestral – das sind keine Insekten auf der Sandale – ging mit seinem Hund durch ein Feld Gassi und war danach mit Kletten übersät, daher kommt der Klettverschluss.
Und schließlich was für die Briten: Percy Shaw – das ist eine großartige britische Erfindung – sah die Augen einer Katze am Straßenrand, als er eines Nachts nach Hause fuhr, und daher kommen die Katzenaugen. Es ist also eine ganze Abfolge von Momenten des Augenöffnens, um Dinge zum ersten Mal oder neu zu sehen und das als Gelegenheit für neue Möglichkeiten zu nutzen. Zweitens, ohne zu sehr nach Zen zu klingen, ein Zitat von Buddha: "Sich selbst an den Rändern zu befinden und die Dinge von außen zu betrachten, ist oft ein wirklich interessanter Ausgangspunkt." Scheuklappensicht neigt dazu, Scheuklappenlösungen zu produzieren. In die Breite zu schauen, das periphere Sichtfeld einzubeziehen ist eine wirklich interessante Weise, nach Gelegenheiten zu suchen.
Wieder mal ein Beispiel aus der Medizin. Wir wurden von einem Geräteentwickler gebeten – von uns ist der Palm Pilot und der Treo. Wir haben viele coole Geräte bei Ideo entwickelt – das haben sie gesehen und wollten auch so ein cooles Gerät für die Diagnostik. Es war ein Gerät, das die Pfleger während eines Eingriffs am Rückenmark benutzen. Die Pfleger müssen Daten eingeben. Sie stellten sich vor, dass die Krankenschwester auf diesem Aluminiumgerät herumtippt und dass das dann unglaublich futuristisch aussieht. Als wir uns einen solchen Eingriff tatsächlich ansahen – ich werde das gleich erklären – war es sehr offensichtlich, dass es da eine menschliche Komponente gab, die sie gar nicht beachtet hatten. Wenn einem eine 10-cm-Nadel ins Rückgrat gestochen wird – das war die Prozedur, bei der diese Daten gesammelt werden sollten – wird man örtlich betäubt. Man hat eine Scheißangst – man dreht durch. Praktisch alle Pfleger nahmen also als Erstes die Hand des Patienten, um ihn zu beruhigen. Eine menschliche Geste – die die tolle zweihändige Dateneingabe komplett verunmöglichte.
Also war das Gerät, das wir entwarfen, sehr viel uncooler, aber menschlicher und praktischer. Auch mit viel Phantasie kann man es nicht als Palm Pilot bezeichnen, aber man kann mit dem Daumen scrollen und so alles mit einer Hand machen. Also wieder einmal die Idee, dass eine winzige menschliche Geste das Design des Produktes diktiert. Ich glaube, das ist ist wirklich sehr wichtig. Also wieder die Idee des umsichtigen Arbeitens. Wir benutzen diesen Ausdruck des "umsichtigen Arbeitens" sehr oft, wenn wir uns sozusagen umsehen. Ich habe mich bei der TED umgesehen und mir all diese verschiedenen Dinge angeguckt, während ich hier war. Wie die Leute sich Lösungen zusammenzimmern – und die Dinge, die wir mit unserer Umwelt anstellen und die unbewusst ablaufen, aber ein großes Potenzial haben – das schauen wir uns sehr genau an.
Wir haben vor Kurzem ein Buch herausgebracht, ich glaube, Sie könnten es gesehen haben, mit dem Titel: "Thoughtless Acts?" Es geht darin um all die unüberlegten Dinge, die der Mensch so tut und in denen ein großes Potenzial steckt. Warum folgen wir der Linie auf der Straße? Das ist ein Foto aus einer japanischen U-Bahn. Leute folgen bewusst Dingen, obwohl wir nicht wissen, wieso. Warum stellen wir die eckigen Milchkartons auf das eckige Geländer? Weil wir das irgendwie müssen – wir sind dazu gezwungen. Wir wissen nicht, weshalb, aber wir tun's. Warum wickeln wir die Teebeutelschnur um den Henkel? Wieder einmal benutzen wir die Dinge um uns herum, um unsere eigenen Lösungen zu gestalten. Wir sagen unseren Kunden immer: "Sie sollten sich das anschauen. Das ist wirklich wichtig. Es ist wesentlich." Die Leute gestalten ihre eigenen Erfahrungen. Das kann man sich zunutze machen. Wir gehen irgendwie davon aus, dass wir, weil da ein Pfosten steht, diesen auch benutzen dürfen, also stellen wir den Einkaufswagen dort ab. Er existiert für unseren Gebrauch, in gewisser Weise.
Wieder bringen wir unsere Umwelt dazu, für uns die verschiedensten Dinge zu erledigen. Wir definieren andere Erfahrungen neu – wir nehmen einen Gegenstand und machen aus ihm einen anderen. Das ist mein Lieblingsbeispiel. Meine Mutter sagte immer zu mir: "Nur weil deine Schwester in den See springt, musst du das nicht auch tun." Aber wir machen das natürlich alle. Wir folgen einander jeden Tag. Jemand nimmt also an, dass die Tatsache, dass jemand anders etwas gemacht hat, die Erlaubnis beinhaltet, das gleiche zu tun. Überall gibt es diese Zeichenträger um uns herum. Ich meine, Einkaufstüte ist gleich "Parkuhr außer Betrieb". Heute können wir alle diese Zeichen irgendwie verstehen. Wir kommunizieren auf diese sehr visuelle Art miteinander, ohne zu bemerken, was wir tun. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Idee des Nicht-Wissens, damit, sich bewusst auf eine frühere Wissensstufe zu begeben. Ich spreche oft darüber, Situationen zu "entdenken". Eine Anfänger-Mentalität an den Tag zu legen, das Gehirn zu leeren und sich die Dinge von Neuem anzuschauen.
Einer meiner Freunde war Designer bei IKEA und wurde von seinem Chef gebeten, ein Ordnungssystem für Kinder zu entwickeln. Das ist das Billy-Regal – IKEAs meistverkaufter Artikel. Hämmern Sie es zusammen. Hämmern Sie es mit einem Schuh zusammen, so wie ich, denn sie sind unmöglich zusammenzubauen. Aber ein sehr erfolgreiches Bücherregal. Wie adaptieren wir es für Kinder? Wenn man tatsächlich Kinder beobachtet, stellt man fest, dass sie kein lineares Ordnungssystem haben. Kinder folgern Erlaubnis auf eine ganz andere Weise. Kindern leben auf Dingen. Sie leben unter Dingen. Sie leben um Dinge herum, so dass ihre Vorstellung von räumlichen Beziehungen und von Ordnung eine gänzlich andere ist. Das Erste, was man machen muss – das ist Graham, der Designer – ist, sich in ihre Lage zu versetzen. Also hat er sich unter den Tisch gesetzt. Was ist also dabei herausgekommen? Das ist das Ordnungssystem, das er entworfen hat. Was ist das, höre ich Sie alle fragen. Nein, tue ich nicht.
Das ist es, und ich halte es für eine besonders gelungene Lösung. Wissen Sie, es ist eine ganz andere Art, die Situation zu betrachten. Es ist eine vollkommen empathische Lösung – mal davon abgesehen, dass Teddy wahrscheinlich nicht so glücklich damit ist.
Aber es ist eine schöne Art, das Gewöhnliche neu zu betrachten, und ich glaube, das ist wichtig. Sich in die Lage des Betroffenen hineinversetzen, und das sehe ich als einen roten Faden, den ich auf dieser Konferenz immer wieder gehört habe: Wie versetzen wir uns in die Lage von anderen und fühlen, was sie fühlen? Und wie benutzen wir diese Informationen, um Lösungen zu befeuern? Ich denke, darum geht es hier besonders. Letzter Teil: das grüne Armband. Wir tragen es alle, darum geht es. Ich meine, man muss sich Schlachten aussuchen, die groß genug sind, um Einfluss zu haben, aber klein genug, um gewonnen werden zu können. Das ist wieder eines der Motive, die sich während dieser Konferenz klar und deutlich gezeigt haben: Wo fangen wir an? Wie fangen wir an? Was tun wir, um anzufangen? Wir wurden also wieder mal beauftragt, eine Wasserpumpe zu entwerfen, für eine kenianische Firma namens ApproTEC. Jetzt heißen sie KickStart.
Als Designer wollten wir natürlich den Gegenstand unglaublich schön machen und haben lange über die Form nachgedacht. Und das war völlig irrelevant. Wenn man sich in die Lage dieser Leute versetzt, sind Eigenschaften wie die, dass man es zusammenfalten und mit dem Fahrrad transportieren kann, viel wichtiger als die Form. Wie es produziert wird, es muss mit den örtlichen Herstellungsmethoden produziert werden und mit heimischen Materialien. Die Sache musste also ausschließlich unter dem Blickwinkel der Benutzer angegangen werden. Wir mussten uns ganz in ihre Welt begeben. Was wie ein schwerfälliges Produkt wirkt, ist tatsächlich unglaublich nützlich. Es wird so ähnlich wie ein Stairmaster betrieben – man pumpt hoch und runter. Kinder können es benutzen. Erwachsenen können es benutzen. Jeder kann es benutzen. Es macht diese Leute – wieder eins der Motive – zu Existenzgründern.
Diese Leute benutzen die Pumpe mit großem Erfolg. Auch für uns war es großartig, denn wir haben eine Menge Preise gewonnen. Es ist uns also gelungen, die Bedürfnisse der Designfirma mit dem Bedürfnis der Mitarbeiter, ein gutes Gefühl zum entwerfenden Produkt zu haben, und mit den Bedürfnissen derjenigen, die es benutzen, zu verbinden. Da steht sie und pumpt Wasser aus 10 Metern Tiefe. Als abschließende Geste haben wir heute morgen diese Armbänder an Sie alle verteilt. Wir haben in Ihrem Namen an KickStart gespendet, um ihr nächstes Projekt anzuschieben. Ich denke, wir sollten nicht nur darüber sprechen, sondern auch handeln. Wir halten das für eine wichtige Geste. Also haben wir die Armbänder verteilt. Klein ist das neue Groß. Ich hoffe, Sie tragen alle eins. Das war's. Danke.
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Indem er eine Reihe von inspirierenden, ungewöhnlichen und verspielten Produkten zeigt, erklärt der britische Marken- und Design-Guru Paul Bennett, dass es im Design nicht um die große Geste geht, sondern darum, kleine, universelle und vernachlässigte Probleme zu lösen.
As a creative director at Ideo, Paul Bennett reminds us that design need not invoke grand gestures or sweeping statements to be successful, but instead can focus on the little things in life, the obvious, the overlooked. Full bio »
Translated into German by Mareike Kaden
Reviewed by Alex Boos
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27:58 Posted: Nov 2008
Views 656,517 | Comments 96
17:43 Posted: May 2008
Views 370,758 | Comments 52
15:59 Posted: Sep 2007
Views 516,591 | Comments 67
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