Leben wir nun in einer Welt ohne Grenzen? Bevor Sie antworten, werfen Sie einen Blick auf diese Karte. Unsere heutige Weltkarte zeigt uns über 200 Länder auf der Welt. Das ist wahrscheinlich mehr als jemals in den Jahrhunderten zuvor. Jetzt werden manche von Ihnen wohl wiedersprechen. Für Sie wäre das wohl eine zweckmäßigere Karte. Nennen wir es doch TEDistan. Im TEDistan gibt es keine Grenzen, nur verbundene und nicht verbundene Orte. Die Meisten von Ihnen leben wahrscheinlich in einem dieser 40 Punkte auf dieser Karte, die insgesamt 90% der Weltwirtschaft repräsentieren.
Sprechen wir aber über die 90% der Weltbevölkerung, die niemals den Ort verlassen werden, an dem sie geboren sind. Für sie spielen Nationen, Länder, Grenzen noch eine große Rolle, oftmals eine gewalttätige. Bei TED lösen wir einige der größten Rätsel der Wissenschaft und Geheimnisse des Universums. Nun, hier ist ein fundamentales Problem, dass wir nicht gelöst haben: Unsere grundlegende politische Geographie. Wie verteilen wir uns über den Globus hinweg?
Nun, dies ist wichtig, weil Grenzkonflikte einen sehr großen Teil der globalen Militärindustrie rechtfertigen. Grenzkonflikte können einen Großteil des Fortschrittes aufhalten, den wir zu erreichen hoffen. Ich glaube deshalb, dass wir ein besseres Verständnis brauchen, wie Menschen, Geld, Macht, Religion, Kultur, Technologie ineinander spielen und die Weltkarte verändern. Und wir können versuchen, diese Veränderungen vorherzusehen und sie in eine konstruktivere Richtung lenken.
Wir sehen nun einige Karten der Vergangenheit, der Gegenwart sowie einige Karten, die sie noch nie gesehen haben, damit wir einen Eindruck bekommen, wohin sich die Dinge entwickeln. Lassen Sie uns mit der Welt im Jahr 1945 anfangen. 1945 gab es lediglich 100 Länder auf der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa am Boden, hatte aber noch große Überseekolonien Französisch Westafrika, Britisch Ostafrika, Südasien und so weiter. Dann gab es in den späten 40er, 50er, 60er, 70er und 80er Jahren Wellen der Entkolonisierung. Es entstanden mehr als 50 neue Länder. Sie sehen, dass Afrika fragmentiert wurde. Indien, Pakistan, Bangladesch, südostasiatische Länder entstanden. Dann kam das Ende des Kalten Krieges. Das Ende des Kalten Krieges und der Zerfall der Sowjetunion. Es entstanden neue Staaten in Osteuropa, der früheren jugoslawischen Republik und des Balkans, sowie die -stans in Zentralasien.
Heute gibt es 200 Länder auf der Welt. Der ganze Planet ist von souveränen, unabhängigen Nationalstaaten bedeckt. Heisst das, wenn einer gewinnt, verliert ein anderer? Fokussieren wir uns auf eine der strategisch wichtigsten Regionen der Welt, das östliche Eurasien. Wie sie auf dieser Karte sehen können, ist Russland immer noch das größte Land der Erde. Wie sie wissen, ist China das bevölkerungsreichste. Die beiden teilen sich eine ziemlich lange Grenze.
Was sie auf dieser Karte nicht erkennen können, ist, dass die meisten der 150 Million Einwohner Rußlands in den westlichen Provinzen und den Gebieten nahe an Europa leben. Lediglich 30 Million Menschen leben in den östlichen Gebieten. Tatsächlich prognostiziert die Weltbank, dass die russische Bevölkerung bis auf 120 Millionen Einwohner schrumpfen wird.
Und es gibt noch eine andere Sache, die sie auf dieser Karte nicht sehen können. Stalin, Chruschtschow und andere sowjetische Führer vertrieben Russen in den entlegenen Osten, in die Gulags, Arbeitslager, Nuklear-Städte, was auch immer. Aber als die Ölpreise stiegen, haben russische Regierungen in die Infrastruktur investiert um das Land, Osten und Westen, zu vereinen. Nichts hat aber die demographische Verteilung in Russland so pervers beeinflusst, weil die Menschen im Osten, die dort von Anfang an nicht sein wollten, nutzten diese Züge und Straßen, um zurück in den Westen zu gehen. Das Ergebnis ist, dass heute im Osten von Russland, das zweimal so groß ist wie Indien, genau sechs Millionen Russen leben.
Nun, lassen Sie uns untersuchen, was in diesem Teil der Welt passiert. Wir können mit der Mongolei anfangen, manche sagen, Minen-golia. Warum wird es so genannt? Weil chinesische Firmen in Minen-golia operieren und die meisten Minen besitzen – Kupfer, Zink, Gold – und sie transportieren die Rohstoffe südlich und östlich nach China. Chinesen erobern die Mongolei nicht. Sie kaufen es. Einst wurden Kolonien erobert. Heute werden sie gekauft.
Lassen Sie uns nun dieses Prinzip auf Sibirien anwenden. Die Meisten von ihnen glauben wohl, dass Sibirien ein kalter, desolater und nicht lebenswerter Ort ist. Tatsächlich aber, im Zuge der globalen Erwärmung und steigender Temperaturen, gibt es plötzlich riesige Weizenfelder, sowie Agrarindustrie und Getreide-Produktion in Sibirien. Aber wen ernährt dies? Nun, direkt auf der anderen Seite des Amur Flußes in den chinesischen Provinzen Heilongjiang und Harbin leben über 100 Millionen Menschen. Das sind mehr als die ganze Bevölkerung Russlands.
Jedes Jahr, seit mindestens einem Jahrzehnt, haben [60.000] von ihnen mit ihren Füßen abgestimmt, auf dem Weg nach Norden Grenzen überquert und dieses trostlose Land besiedelt. Sie richten ihre eigenen Märkte und Krankenhäuser ein. Sie haben die Holzindustrie übernommen und das Holz Richtung Osten nach China transportiert. Nochmals, wie im Fall der Mongolei, China erobert Russland nicht. Es least es. Das nenne ich Globalisierung nach chinesischer Art.
Vielleicht sieht ja die Karte der Region in zehn bis zwanzig Jahren so aus. Aber Moment mal. Diese Karte ist 700 Jahre alt. Das ist die Karte der Yuan-Dynastie, regiert von Kublai Khan, dem Enkel von Dschingis Khan. Geschichte wiederholt sich also nicht zwangsläufig, aber sie reimt sich.
Dies sind nur Beispiele was sich in diesem Teil der Welt abspielt. Und wieder, Globalisierung nach chinesischer Art. Globalisierung eröffnet uns alle möglichen Wege, unsere Meinungen über die politische Geographie zu hinterfragen und zu ändern. Und tatsächlich, in der Geschichte von Ostasien denken die Menschen nicht an Nationen oder Grenzen. Sie denken eher an Empire und Hierarchien, normalerweise chinesische oder japanische.
Und wieder geht es um China. Lassen Sie uns einmal untersuchen wie China diese Hierarchie in Fernen Osten verändert. Es beginnt mit den globalen Drehkreuzen. Sie erinnern sich, die 40 Punkte auf der nächtlichen Karte, die die Drehkreuze der Globalen Wirtschaft zeigen? In Ostasien befinden sich heute mehr dieser globalen Drehkreuze als irgendwo sonst auf der Welt. Tokio, Seoul, Peking, Shanghai, Hong Kong, Singapur und Sidney. Dies sind die Filter und Trichter des globalen Kapitals. Billionen Dollar fließen pro Jahr in diese Region, und sehr viel davon wird in China investiert.
Und dann ist da der Handel. Diese Vektoren und Pfeile zeigen die immer stärker werdenden Handelsbeziehungen, die China mit jedem Land in der Region pflegt. Ganz besonders fokussiert es sich auf Japan, Korea und Australien, Länder, die enge Verbündete der USA sind. Australien ist zum Beispiel sehr stark abhängig von seinen Eisenerz und Erdgas Exporten nach China. Für ärmere Länder reduziert China seine Zölle, so dass Laos und Kambodscha ihre Waren billiger verkaufen können und von Exporten nach China abhängig werden.
Und nun haben viele von ihnen in den Nachrichten gelesen wie die Welt nach China blickt, um den Wiederaufschwung, die wirtschaftliche Erholung, nicht nur in Asien, sondern gar in der ganzen Welt anzuführen. Die asiatische Freihandelszone, beinahe Freihandelszone, die gerade entsteht, hat mittlerweile ein größeres Handelsvolumen als der Handel über den Pazifik. China wird also zum Anker der Wirtschaft in der Region.
Eine weitere Säule dieser Strategie ist die Diplomatie. China hat mit vielen Ländern der Region militärische Abkommen geschlossen. Es hat sich zum Drehkreuz der diplomatischen Institutionen entwickelt, wie zum Beispiel die East Asian Community. Einige dieser Organisationen haben nicht einmal die USA als Mitglied. Es gibt einen Nichtangriffspakt zwischen Ländern. Wenn es also zu einem Konflikt zwischen China und den USA käme, wären die meisten Länder verpflichtet, nicht einzugreifen, einschließlich amerikanische Verbündete wie Korea und Australien.
Eine weitere Säule der Strategie, ähnlich der von Russland, ist demographisch. China exportiert Geschäftsleute, Kindermädchen, Studenten, Lehrer, um in der Region Chinesisch zu unterrichten, sich durch Heirat zu vermischen und um immer höhere entscheidende Positionen in der Wirtschaft zu besetzen. Jetzt schon sind ethnische Chinesen in Malaysia, Thailand und Indonesien die wirklichen Schlüsselfaktoren und Entscheider in diesen Volkswirtschaften. Überall in der Region resultiert Chinesischer Stolz im Ergebnis. Singapur zum Beispiel hat früher chinesischen Sprachunterricht verboten. Heute wird er gefördert.
Wenn wir das alles betrachten, was resultiert am Ende? Nun, wenn sie sich an die Zeit vor dem 2. Weltkrieg erinnern, da hatte Japan eine Vision über eine große japanische Co-Wohlstandssphäre. Was heute entsteht, könnte man eine große chinesische Co-Wohlstandssphäre nennen. Was auch immer die Linien auf der Karte ihnen sagen in Bezug auf Nationen und Grenzen, was wirklich entsteht im Fernen Osten sind nationale Kulturen, aber in einer weit mehr fließenden, imperialen Zone. All dies passiert ohne einen einzigen Schuss.
Das ist ganz bestimmt nicht der Fall im Mittleren Osten, wo sich die Länder immer noch sehr unwohl fühlen in den Grenzen, die ihnen die europäischen Kolonialisten hinterlassen haben. Wie können wir also anfangen, über die Grenzen in dieser Gegend der Welt anders zu denken? Auf welche Linien der Karte sollen wir uns konzentrieren? Was ich ihnen hier vorstellen will, nenne ich Staatenbildung, Tag um Tag.
Beginnen wir mit dem Irak. Sechs Jahres nach dem US Einmarsch in den Irak existiert dieses Land immer noch eher auf der Karte als in der Realität. Erdöl war die Kraft, die dieses Land zusammenhielt; heute ist es der bedeutendste Grund für die Desintegration des Landes. Der Grund ist Kurdistan. Seit 3000 Jahren führen die Kurden einen Kampf für ihre Unabhängigkeit und heute haben sie endlich die Chance sie zu erreichen. Dies sind Pipeline Routen, die aus Kurdistan kommen, eine ölreiche Region.
Und heute, wenn sie nach Kurdistan gehen, sehen sie kurdische Peshmerga Guerillas, die mit der sunnitischen irakischen Armee aufeinanderstossen. Was verteidigen sie? Ist es wirklich eine Grenze auf der Karte? Nein. Es sind die Pipelines. Wenn die Kurden ihre Pipelines kontrollieren können, dann können sie die Regeln für ihre Eigenstaatlichkeit festlegen. Sollte uns das nun beunruhigen, die potentielle Desintegration des Iraks? Ich glaube nicht. Irak wird der zweitgrößte Ölproduzent der Welt bleiben, nach Saudi Arabien. Und wir haben die Gelegenheit einen 3000 Jahre alten Streit zu beenden. Vergessen sie nicht, dass Kurdistan von Land umgeben ist. Es hat keine andere Wahl, als sich zu benehmen. Wenn es einen Nutzen aus seinem Erdöl ziehen will, muss es das Erdöl durch die Türkei oder Syrien, und weitere Länder, ja selbst durch den Irak exportieren. Und deswegen braucht es freundschaftliche Beziehungen zu ihnen.
Betrachten wir nun einen ewigen Konflikt in dieser Region. Das ist natürlich Palästina. Palästina ist etwas von einer kartographischen Anomalie weil es zwei Teile Palästina und ein Teil Israel ist. 30 Jahre lang Rosengarten Diplomatie haben uns keinen Frieden in diesem Konflikt gebracht. Was würde es? Ich glaube, dass Infrastruktur das Problem lösen könnte. Heute werden dafür Milliarden Dollar gespendet. Diese zwei Pfeile bilden einen Bogen, einen Bogen von Pendelzügen und anderer Infrastruktur, die die West Bank mit dem Gaza Streifen verbindet.
Sobald der Gaza Streifen einen funktionierenden Hafen hat und mit der West Bank verbunden wird, gibt es einen überlebensfähigen palästinensischen Staat, palästinensische Wirtschaft. Das, so glaube ich, wird diesem bestimmten Konflikt Frieden bringen. Die Lehre aus Kurdistan und Palästina ist, dass Unabhängigkeit alleine, ohne Infrastruktur, nutzlos ist.
Wie würde wohl die ganze Region aussehen, wenn wir neben Grenzen andere Linien auf der Karte betrachten, wenn die Unsicherheiten nachlassen würden? Das letzte Mal war das der Fall vor einem Jahrhundert, während des Osmanen-Reichs. Das ist die Hedschas Eisenbahn. Die Hedschas Eisenbahn verlief von Istanbul nach Medina über Damaskus. Es gab sogar eine Abzweigstrecke nach Haifa im heutigen Israel, am Mittelmeer. Heute ist die Hedschas Eisenbahn zerstört, eine Ruine. Wenn wir uns darauf konzentrieren würden, diese kurvigen Linien auf der Karte wiederherzustellen, Infrastruktur, die die geraden Linien, die Grenzen, durchkreuzt, dann glaube ich, könnte der Mittlere Osten ein weit friedvollerer Ort sein.
Nun zu einem anderen Teil der Welt: die früheren sowjetischen Republiken Zentralasiens, die -stans. Die Grenzen dieser Länder haben ihren Ursprung in Stalins Erlassen. Es war seine Absicht, dass diese Länder keinen Sinn machen. Er wollte, dass sich Ethnien vermischen und zwar in einer Weise, des es ihm erlaubte zu teilen und zu regieren. Ihr Glück, dass die meisten Erdöl- und Gasvorkommen erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entdeckt wurden.
Ja, ich weiß, einige von ihnen werden denken, "Öl, Öl, Öl. Warum spricht er nur über Öl? " Nun, es gibt einen großen Unterschied wie wir früher über Erdöl gesprochen haben und wie wir es heute tun. Früher hieß es, wie kontrollieren wir ihr Erdöl? Heute ist es ihr Erdöl für ihre eigenen Zwecke. Und ich kann ihnen versichern, es ist ihnen ebenso wichtig wie es Kolonialisten und Imperialisten wichtig gewesen wäre. Hier sehen wir nur einige der geplanten Pipelines sowie Möglichkeiten und Szenarien und Routen die für die nächsten Jahrzehnte geplant werden. Ein Großteil von ihnen.
Für einige Länder in diesem Teil der Welt sind Pipelines das Eintrittsticket für die Teilnahme an der globalen Wirtschaft und um eine gewisse Bedeutung zu erlangen, abgesehen von den Grenzen denen sie ihrerseits nicht treu sind. Nehmen sie zum Beispiel Aserbaidschan. Aserbaidschan war ein vergessener Winkel im Kaukasus, aber heute, mit der Baku-Tiflis-Ceyhan Pipeline in die Türkei, hat es sich als die Grenze des Westens neu erfunden.
Dann gibt es Turkmenistan, von dem die meisten Leute denken, das sei ein hoffnungsloser Fall. Heute aber liefert es Erdgas über das Kaspische Meer um Europa zu beliefern und vielleicht sogar auch eine turkmenisch- afghanisch-pakistanisch-indische Pipeline.
Dann gibt es da Kasachstan, das hatte vorher nicht einmal einen Namen. Während der Sowjetunion wurde es eher als Süd-Sibirien betrachtet. Heute nehmen die meisten Leute Kasachstan als einen aufstrebenden geopolitischen Akteur wahr. Warum? Weil es in geschickter Weise Pipelines gebaut hat, die über das Kaspische Meer führen, nördlich nach Russland und sogar nach Osten Richtung China. Mehr Pipelines bedeuten mehr Seidenstraßen, anstelle des Großen Spiels. Das Große Spiel bedeutet Herrschaft des Einen über den Anderen. Seidenstraßen bedeuten Unabhängigkeit und gegenseitiges Vertrauen. Je mehr Pipelines es gibt, desto mehr Seidenstraßen werden wir haben und desto weniger dominant wird der Wettbewerb des Großen Spiels im 21. Jahrhundert sein.
Schauen wir auf den einzigen Teil der Welt, der wirklich seine Grenzen abgeschafft hat, und wie dies seine Stärken verbessert hat. Und das ist natürlich Europa. Die Europäische Union begann als Kohle- und Stahlunion zwischen 6 Ländern und ihr Hauptzweck war im Grunde den Wiederaufbau Deutschlands in einer friedlichen Weise zu gewährleisten. Aber schließlich wuchs sie auf 12 Länder, und dies sind die 12 Sterne auf der Europäischen Flagge. Die EU wurde auch zu einem Währungsraum und ist heute der stärkste Handelsblock der Welt. Im Schnitt ist die EU um ein Land pro Jahr gewachsen seit dem Ende des Kalten Krieges. Tatsächlich passierte das meiste davon an nur einem Tag. Im Jahr 2005, traten 15 neue Länder der EU bei und nun haben sie was die meisten Leute als eine Friedenszone über 27 Länder hinweg betrachten und 450 Millionen Menschen.
Was kommt also als nächstes? Wie sieht die Zukunft der Europäischen Union aus? Nun, in hellblau sehen sie die Zonen oder Regionen, die zu mindestens zwei Drittel oder mehr von der Europäischen Union in Bezug auf Handel und Investitionen abhängig sind. Was bedeutet das? Handel und Investitionen sagen uns, dass Europas Geld dorthin fließt, wo sein Mund ist. Selbst wenn diese Regionen nicht Teil der EU sind, werden sie doch Teil ihrer Einflußzone. Nehmen sie den Balkan. Kroatien, Serbien, Bosnien, sie sind noch nicht Mitglied in der EU. Aber sie können in einen deutschen ICE Zug einsteigen und fast bis Albanien kommen. In Bosnien benutzt man den Euro bereits und das ist die einzige Währung, die sie wahrscheinlich jemals haben werden.
Schauen wir nun auf andere Gebiete der europäischen Peripherie, zum Beispiel Nordafrika. Im Schnitt, jedes Jahr oder jedes zweite, wird eine neue Öl- oder Gaspipeline durch das Mittelmeer in Betrieb genommen, die Nordafrika mit Europa verbindet. Das hilft nicht nur Europa, seine Abhängigkeit von Energie aus Russland zu reduzieren. Wenn sie aber heute nach Nordafrika reisen, hören sie mehr und mehr Menschen sagen, dass sie sich eigentlich nicht zum Mittleren Osten zählen. In anderen Worten, ich glaube, dass der französische Präsident Sarkozy recht hat, wenn er über eine Mittelmeer Union spricht.
Betrachten wir nun die Türkei und den Kaukasus: Ich habe Aserbaidschan zuvor erwähnt. Dieser Korridor durch die Türkei und den Kaukasus ist zum Träger für 20 Prozent der europäischen Energieversorgung geworden. Muss also die Türkei wirklich Mitglied der Europäischen Union werden? Ich glaube nicht. Ich glaube, sie ist bereits Teil einer Euro-Türkischen Supermacht.
Und was kommt als Nächstes? Wo werden wir sich verändernde Grenzen und neugeborene Staaten sehen? Nun, Süd-Zentralasien, Süd-West-Asien ist ein guter Startpunkt. Acht Jahre nachdem die USA in Afghanistan einmarschierten gibt es immer noch eine sehr große Instabilität. Pakistan und Afghanistan sind immer noch derart fragil, dass keiner der beiden in konstruktiver Weise das Problem des Paschtunischen Nationalismus angegangen ist. Das ist die Flagge, die in den Köpfen von 20 Millionen Paschtunen weht und auf beiden Seiten der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan leben.
Wir dürfen auch die Aufstände direkt südlich nicht vergessen, Belutschistan. Vor zwei Wochen griffen belutschische Rebellen eine pakistanische Militärgarnison an und das war die Flagge, die sie dort gehisst haben. Die post-koloniale Entropie die rund um den Globus vor sich geht, beschleunigt sich und ich erwarte mehr solcher Veränderungen auf der Karte sobald Staaten auseinanderfallen.
Natürlich sollten wir Afrika nicht vergessen. 53 Länder und bei weitem die meisten der verdächtigen geraden Linien auf der Karte. Wenn wir auf das gesamte Afrika schauen würden, könnten wir sicherlich weit mehr Teilungen zwischen Stämmen und so weiter feststellen. Nun zum Sudan, dem zweitgrößten Land Afrikas: Dorf passieren gerade drei Bürgerkriege, der Völkermord in Darfour, der ihnen allen bekannt ist, der Bürgerkrieg im Osten des Landes, und Süd-Sudan. Im Süd-Sudan wird es 2011 eine Volksabstimmung geben, bei der man ziemlich sicher für die Unabhängigkeit stimmen wird.
Gehen wir nun nach oben zum arktischen Kreis: Da läuft ein großes Rennen um die Energiereserven unter dem arktischen Meeresboden. Wer wird gewinnen? Kanada? Russland? Die Vereinigten Staaten? Tatsächlich ist es Grönland. Vor einigen Wochen stimmten die [60000] Einwohner Grönlands für Unabhängigkeitsrechte von Dänemark. Dänemark wird also sehr viel kleiner werden.
Welche Lehren ziehen wir aus all dem? Geopolitik ist eine sehr unsentimentale Angelegenheit. Sie verwandelt und verändert ständig die Welt, wie der Klimawandel. Und wie in unserer Beziehung zum Ökosystem suchen wir ständig nach einer Balance wie wir uns über den Globus aufteilen. Heute fürchten wir uns vor Veränderungen auf der Landkarte. Wir haben Angst vor Bürgerkriegen, der Zahl der Toten, die Namen neuer Länder lernen zu müssen. Ich glaube aber, dass die Unbeweglichkeit der heute existierenden Grenzen weit schlechter und weit gewalttätiger ist.
Die Frage ist, wie wir diese Grenzen ändern, und auf welche Linien wir uns konzentrieren? Ich glaube, wir konzentrieren uns auf die Linien, die Grenzen überschreiten, die Infrastuktur-Linien. Dann bekommen wir die Welt, die wir wollen, eine ohne Grenzen. Ich danke ihnen. (Applaus)
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Viele Menschen meinen, dass die Grenzen heute keine Rolle mehr spielen. Parag Khanna sagt, dass sie es doch tun. Mit Karten von heute und damals erklärt Khanna die Hauptursachen der weltweiten Grenzkonflikte und bietet für jeden einzelnen eine einfache und doch intelligente Lösung an.
Geopolitical expert Parag Khanna foresees a future where American influence is waning, and the new powerhouses (and threats) may not be the players you'd expect. Full bio »
Translated into German by Jürgen Mahler
Reviewed by Alex Boos
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16:43 Posted: Jul 2009
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23:43 Posted: Jun 2007
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18:29 Posted: Aug 2009
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