Ich habe gerade etwas getan, was ich noch nie zuvor getan habe. Ich verbrachte ein Woche auf einem Forschungsschiff auf dem Meer. Nun bin ich keine Wissenschaftlerin, aber ich begleitete ein herausragendes Team von Wissenschaftler/inne/n von der Universität von Süd-Florida, das die Ausbreitung von BPs Öl im Golf von Mexiko verfolgte. Dies ist übrigens das Boot, auf dem wir waren. Die Wissenschaftler/innen, die ich begleitete, untersuchten nicht die Auswirkungen des Öls und des Detergens auf die großen Dinge -- auf die Vögel, die Schildkröten, die Delphine, das aufregende Zeug. Sie schauten auf die richtig kleinen Dinge, die von den etwas weniger kleinen Dingen gefressen werden, die schließlich von den größeren Dingen gefressen werden. Und sie fanden heraus, dass selbst Spuren von Öl und Detergens für das Phytoplankton hochgiftig sein können, was sehr schlechte Neuigkeiten sind, weil soviel Leben davon abhängt. Im Gegensatz zu dem, was wir vor ein paar Monaten hörten, darüber wie 75 Prozent dieses Öls auf magische Art verschwindet, und wir uns deswegen nicht sorgen müssten, ist die Katastrophe noch immer dabei sich auszubreiten. Sie arbeitet sich noch immer die Nahrungsmittelkette empor. Nun sollte uns das nicht überraschen. Rachel Carson – die Patin des modernen Umweltschutzes – warnte uns bereits 1962 gerade davor. Sie wies darauf hin, dass die Kontrollmänner – wie sie sie nannte – die Städte und Felder nahtlos mit giftigen Insektiziden wie DDT bombadierten, lediglich versuchten, die kleinen Dinger zu töten, die Insekten, nicht die Vögel. Aber sie vergaßen dies: die Tatsache, dass Vögel sich von Larven ernähren, dass Rotkehlchen viele Würmer fressen, die nun voll DDT sind. Und so wurden die Eier der Rotkehlchen nicht ausgebrütet, Singvögel starben in Massen, Städte wurden still. Daher der Titel „Stiller Frühling“. Ich habe versucht herauszufinden, was mich immer wieder zum Golf von Mexiko zurückbringt, denn ich bin Kanadierin, und meine Herkunft verbindet mich nicht damit. Und ich denke, es liegt daran, dass ich nicht glaube, dass wir die Bedeutung dieser Katastrophe voll verstanden haben, daran, was es bedeutete zu beobachten, wie ein Loch in unsere Welt gerissen wurde, daran, was es bedeutete 24 Stunden am Tag über Monate im Live TV zu beobachten, wie das Innere der Erde herausquoll. Nachdem wir uns so lange versichert hatten, dass unsere Werkzeuge und unsere Technologie die Natur kontrollieren können, standen wir plötzlich unseren Schwächen gegenüber, unserem Mangel an Kontrolle, als das Öl jeden Versuch, es einzudämmen, zunichte machte – Top Hats, Top Kills und unvergesslich der „Junk Shot“ – die geniale Idee alte Reifen und Golfbälle in das Loch in der Welt zu schießen. Aber noch bemerkenswerter als die wilde Kraft, die aus der Quelle ausströmte, war die Rücksichtslosigkeit mit der diese Kraft freigesetzt wurde – die Gleichgültigkeit, der Mangel an Planung, der die Operation von der Bohrung bis zu den Aufräumarbeiten ausgezeichnet hat. Wenn es eine Sache gibt, die BPs wässriger Verbesserungsversuch klar machte, ist es, dass wir als Kultur viel zu bereitwillig geworden sind, Dinge aufs Spiel zu setzen, die kostbar und unersetzlich sind – und dass wir das ohne Notfallplan, ohne Ausstiegsstrategien machen. Und BP war diesbezüglich während der letzten Jahre kaum unsere erste Erfahrung. Unsere Anführer stürzen sich in Kriege, erzählen sich freudige Geschichten von Kinderspiel und Willkommensparaden, und dann sind es Jahre todbringender Schadensbegrenzung, die Frankensteins der Belagerungen und Vorstöße und Aufstandsbekämpfung, und erneut, keine Ausstiegsstrategie. Unsere Finanzgenies werden regelmäßig Opfer eines ähnlich übersteigerten Selbstvertrauens, wenn sie sich einreden, dass die jüngste Blase eine neue Art Markt darstellt – die Art, die nie zusammenbricht. Und wenn es unvermeidlicherweise doch geschieht, greifen die Besten und Hellsten nach dem finanziellen Pendat zur Müllspritze – in diesem Fall befördern sie ungeheure Mengen dringend benötigter öffentlicher Gelder in ein ganz anderes Loch. Wie bei BP wird das Loch gestopft, zumindestens vorübergehend, aber nicht ohne einen enormen Preis zu verlangen. Wir müssen herausfinden, warum wir immer wieder zulassen, dass das geschieht, denn wir befinden uns inmitten eines Spiels, das dasjenige mit den höchsten Einsätzen von allen sein könnte: Darüber zu entscheiden, was wegen des Klimawandels zu tun oder nicht zu tun ist. Nun, wie Sie wissen, wird in diesem Land und auf der ganzen Welt beträchtliche Zeit auf die Klimadebatte verwendet. Auf die Frage „Was ist, wenn die IPC Wissenschaftler alle falsch liegen?“ Aber eine weit relevantere Frage – wie sie die MIT Physikerin Evelyn Fox Keller stellt – ist, „Was ist, wenn diese Wissenschaftler recht haben?“ Angesichts des Einsatzes, mahnt uns die Klimakrise eindeutig dazu, nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln – diese Theorie, die besagt, dass, wenn die Gesundheit der Menschen und der Umwelt offensichtlich auf dem Spiel stehen, und wenn der potentielle Schaden irreversibel ist, wir nicht auf die absolute wissenschaftliche Gewissheit warten können. Es ist besser sich bei der Vorsicht zu irren. Noch offenkundiger ist, dass die Bürde, die Sicherheit einer Methode zu beweisen, nicht der Allgemeinheit angelastet werden sollte, die dadurch Schaden erleiden würde, sondern der Industrie, die davon profitieren würde. Aber die Klimapolitik in der reichen Welt – soweit es eine gibt – basiert nicht auf Vorsicht, sondern auf Kosten-Nutzen-Analysen – um die Vorgehensweise zu finden, von der die Ökonomen glauben, dass sie die geringste Auswirkung auf unser BIP haben wird. Anstatt also zu fragen, so wie es die Vorsicht verlangen würde, was wir so schnell als möglich tun könnten um potentielle Katastrophen zu vermeiden, stellen wir bizzare Fragen wie diese: „Was ist der letztmögliche Moment, den wir abwarten können, bis wir ernsthaft beginnen, unsere Emissionen zu reduzieren? Können wir es bis 2020, 2030, 2050 aufschieben?“ Oder wir fragen, „Um wieviel können wir den Planeten wärmer werden lassen, und noch überleben?“ Können wir bis zu 2 Grad, 3 Grad , oder – woran wir uns derzeit annähern – 4 Gad Celsius gehen?“ Und übrigens, die Annahme, dass wir das ehrfurchtgebietend komplexe Klimasystem der Erde sicher kontrollieren können, als hätte es einen Thermostaten, den Planeten nicht zu heiß, nicht zu kalt werden lassen, eben gerade richtig – eine Art habitable Zone eben – das ist reine Fanatasie, und die stammt nicht von den Klima-Wissenschaftler/inne/n; sie kommt von den Ökonomen, die den Wissenschaften ihr mechanistisches Denken überstülpen. Tatsache ist, wir wissen ganz einfach nicht, wann die Erwärmung, die wir hervorrufen, durch Rückkopplungsschleifen vollkommen Überhand nehmen wird. Also noch einmal, warum gehen wir diese verrückten Risiken bei etwas ein, dass so kostbar ist? Eine Reihe von Erklärungen könnte Ihnen inzwischen durch den Kopf schießen, wie Gier. Das ist eine populäre Erklärung, und es steckt sehr viel Wahrheit darin. Weil große Risiken auf sich zu nehmen, kann, wie wir alle wissen, sehr viel Geld einbringen. Eine andere Erklärung für Rücksichtslosigkeit, die man oft hört, ist Überheblichkeit. Und Gier und Überheblichkeit sind eng miteinander verknüpft, wenn es um Rücksichtslosigkeit geht. Zum Beispiel, wenn Sie ein 35 Jahre alter Banker sind, und 100 Mal mehr nach Hause bringen als eine Gehirnchirurgin, dann brauchen Sie einen Plot, Sie brauchen eine Geschichte, die dieses Missverhältnis rechtfertigt. Und es gibt tatsächlich nicht viele Möglichkeiten. Sie sind entweder ein unglaublich guter Betrüger, und kommen damit davon – Sie haben das System ausgetrickst – oder Sie sind eine Art Wunderknabe, von einer Art, die die Welt noch nicht gesehen hat. Nun macht jede dieser Varianten – der Wunderknabe und der Betrüger – ungeheuer vermessen, und daher anfällig dafür, in Zukunft noch größere Risiken einzugehen. Übrigens, Tony Hayward, der frühere CEO von BP, hatte ein Schild auf seinem Schreibtisch, das diesen inspirierenden Spruch trug: „Was würde Sie wagen, wenn Sie wüßten, dass Sie nicht scheitern können?“ Nun ist das eine sehr beliebtes Schild, und dies ist ein Haufen Streber. Daher wette ich, dass einige von Ihnen dieses Schild besitzen. Schämen Sie sich nicht deswegen. Die Angst vor dem Versagen aus unserem Geist zu verbannen, kann etwas sehr gutes sein, wenn Sie sich für einen Triathlon vorbereiten, oder darauf, einen TED Vortrag zu halten, aber persönlich denke ich, dass Personen mit der Macht unsere Ökonomie zu sprengen und unsere Ökologie zu verwüsten, besser daran täten, ein Bild von Ikarus an der Wand hängen zu haben, weil – nicht unbedingt dieses hier – aber ich möchte, dass sie die ganze Zeit an die Möglichkeit des Scheiterns denken. Also haben wir Gier, wir haben Selbstüberschätzung/Überheblichkeit, aber da wir hier bei TEDWomen sind, betrachten wir einen weiteren Faktor, der zu einem geringen Grad zur gesellschaftlichen Rücksichtslosigkeit beitragen könnte. Ich möchte jetzt nicht auf diesem Punkt herumreiten, aber Studien zeigen, dass Frauen als Investorinnen viel weniger dazu neigen rücksichtslose Risken einzugehen als Männer, gerade weil Frauen, wir wir bereits gehört haben, nicht so wie Männer dazu neigen, unter Selbstüberschätzung zu leiden. Es stellt sich also heraus, dass weniger bezahlt und weniger gelobt zu werden, etwas Positives hat – zumindestens für die Gesellschaft. Die andere Seite ist, dass wenn man permanent gesagt bekommt, man sei begabt, auserwählt und zum Herrschen geboren, dies eindeutige Nachteile für die Gesellschaft hat. Und dieses Problem – nennen wir es, die Gefahren der Privilegiertheit – bringt uns meiner Ansicht nach näher an die Wurzeln unserer kollektiven Rücksichtslosigkeit. Weil niemand von uns – zumindestens im nördlichem Teil der Welt – weder Männer noch Frauen, von dieser Botschaft völlig ausgenommen ist. Ich meine Folgendes. Ob wir aktiv an sie glauben, oder sie bewusst zurückweisen, unsere Kultur wird bestimmt durch bestimmte archetypische Geschichten von unserer Überlegenheit über andere und über die Natur. Die Erzählung über die neu entdeckte Grenze und die erobernden Pioniere, die Erzählung über die Manifest Destiny (offenkundige Bestimmung), die Erzählung von Apokalypse und Erlösung. Und gerade wenn man denkt, dass diese Erzählungen Geschichte werden, und wir darüber hinweg sind, tauchen sie an den seltsamsten Plätzen wieder auf. Ich bin zum Beispiel über diese Werbung vor der Damentoilette auf dem Flughafen in Kansas City gestolpert. Sie ist für das neue Motorola Outdoor Handy, und ja, es heißt wirklich, „Gib Mutter Nature eine Ohrfeige.“ Und ich zeige dies nicht nur, um auf Motorola herumzuhacken – das ist nur die Draufgabe. Ich zeige es, weil – sie sind kein Sponsor, oder? – weil, auf seine Art ist das eine krasse Version unserer Gründergeschichte. Wir prügelten mit Mutter Natur herum und haben gewonnen. Und wir gewinnen immer, weil es unser Schicksal ist, die Natur zu beherrschen. Aber das ist nicht das einzige Märchen, das wir uns über die Natur erzählen. Es gibt noch eines, das genauso wichtig ist, darüber, wie die gleiche Mutter Natur so nährend ist, und so widerstandsfähig, dass wir nicht einen Kratzer in ihre Üppigkeit machen können. Hören wir noch einmal Tony Hayward: „Der Golf von Mexiko ist ein großer Ozean. Die Menge Öl und Detergens, die wir dort freisetzen, ist winzig im Verhältnis zum Gesamtvolumen des Wasser." Anders gesagt: der Ozean ist groß. Er hält es aus. Es ist diese zugrundeliegende Annahme von Unbegrenztheit, die es möglich macht, dass wir derart rücksichstslose Risiken eingehen. Denn das ist unsere wirkliche Meistererzählung: Egal, wie sehr wir es vermasseln, es wird immer mehr geben – mehr Wasser, mehr Land, mehr unerschlossene Ressourcen. Eine neue Blase wird die Alte ersetzen. Eine neue Technologie wird auftauchen, um den Schlamassel zu beheben, den wir durch die letzte verursacht haben. In gewisser Hinsicht ist dies die Geschichte der Besiedelung der amerikanischen Kontinente, das angeblich unendliche Neuland, in das die Europäer flüchteten. Und es ist auch die Geschichte des modernen Kapitalismus. Weil es der Reichtum dieses Landes war, der unser ökonomisches System hervorbrachte, ein System, das ohne stetiges Wachstum und endlosen Nachschub von Neuland nicht überleben kann. Das Problem ist nun, dass diese Geschichte immer eine Lüge war. Die Erde hatte immer Grenzen, sie waren nur außerhalb unserer Sichtweite. Und nun stoßen wir an vielen Punkten an diese Grenzen. Ich glaube, wir wissen das, und doch sind wir in einer Art Erzählschleife gefangen. Wir fahren nicht nur fort, die immergleichen lahmen Geschichten zu erzählen, sondern tun dies nun mit einem Wahnsinn und einer Raserei, die offen gesagt ans Theatralische grenzen. Wie ließe sich sonst der kulturelle Raum erklären, den Sarah Palin einnimmt. Auf der einen Seite ermuntert sie uns „Bohre, Schätzchen, bohre“, weil Gott diese Ressourcen in die Erde gelegt hat, damit wir sie ausbeuten, auf der anderen Seite verherrlicht sie die Wildnis von Alaskas unberührter Natur in ihrer erfolgreichen Reality TV Show. Die Doppelbotschaft ist so tröstlich wie verrückt. Ignoriere diese schleichenden Ängste, dass wir schließlich das Ende erreicht haben. Es gibt noch immer keine Grenzen. Es wird immer ein weiteres Neuland geben. Mach dir keine Sorgen mehr, gehe weiter einkaufen. Wenn es doch bloss Sarah Palin und ihre Reality TV Show betreffen würde. In ökologisch denkenden Kreisen hören wir oft, dass wir weitermachen wie bisher, anstatt zu erneuerbaren Energien umzuschwenken. Diese Einschätzung ist unglücklicherweise viel zu optimistisch. Die Wahrheit ist, dass wir bereits soviel der leicht zugänglichen fossilen Brennstoffe aufgebraucht haben, dass wir bereits in eine viel riskantere Geschäftsära eingetreten sind, der Ära der extremen Energie. Das bedeutet, Erdölbohrungen in den tiefsten Gewässern, inklusive der eisigen arktischen Meere, wo eine Aufräumaktion schlicht unmöglich sein würde. Es bedeutet Hydraulic-Fracturing-Tiefenbohrung nach Gas im großen Maßstab, und massive Kohleförderung im Tagebau, wie wir es noch nie zuvor gesehen haben. Und es bedeutet Teersande, was am umstrittensten ist. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig die Leute außerhalb von Kanada über den Ölsand in Alberta wissen, der dieses Jahr als Hauptquelle für das von den USA importiere Öl geplant wurde. Es lohnt sich, einen Moment darauf zu verwenden, dieses Verfahren zu verstehen, weil ich glaube, dass es wie wenig anderes die Rücksichtslosigkeit und den Weg aufzeigt, auf dem wir uns befinden. Da also liegt das Vorkommen des Ölsands, unter einem der letzten prächtigen nördlichen Nadelwälder. Das Öl ist nicht flüssig; man kann nicht einfach ein Loch bohren und es herauspumpen. Das Öl im Ölsand ist fest, vermischt mit dem Erdreich. Um daran zu kommen, muss man zuerst die Bäume loswerden. Dann entfernt man die oberste Erdschicht, und kommt zum ölhaltigen Sand. Der Vorgang benötigt eine große Menge Wasser, das anschließend in gewaltige Giftauffangbecken gepumpt wird. Das sind sehr schlechte Nachrichten für die indigene Bevölkerung vor Ort, die flussabwärts lebt, und alamierend hohe Krebsraten aufweist. Wenn man nun diese Bilder betrachtet, ist es schwer das Ausmaß dieses Unternehmens zu erfassen, das bereits vom Weltraum zu sehen ist, und bis auf die Größe Englands anwachsen könnte. Ich finde es wirklich hilfreich, die Kipplastwagen anzusehen, die die Erde bewegen, die größten, die je gebaut wurden. Das hier unten bei dem Rad ist ein Mensch. Meiner Meinung nach handelt es sich hier nicht um Ölbohrung, es ist nicht einmal Bergbau. Das ist ein Abhäuten der Erde. Weite, lebendige Landschaften werden vernichtet, und einfarbig grau zurückgelassen. Nun muss ich gestehen, dass dies für mich auch dann ein Greuel wäre, wenn es nicht ein Teilchen Kohlenstoff abgäbe. Aber die Wahrheit ist, dass, um diese Schmiere in Rohöl zu verwandeln, durchschnittlich drei Mal mehr an Treibhausgasen produziert wird als in der herkömmlichen Ölproduktion in Kanada. Wie könnte man das anders beschreiben, als eine Form kollektiven Wahnsinns? Gerade wenn wir erkennen, dass wir lernen müssen, auf der Oberfläche dieses Planetens zu leben, von Sonnen-, Wind und Wasserenergie, graben wir wie wahnsinnig nach dem schmutzigsten, verschmutzendsten Stoff, den man sich vorstellen kann. Dahin hat uns die Geschichte vom unbegrenzten Wachstum gebracht, zu diesem schwarzen Loch inmitten meines Landes – einem Ort so großer planetarischer Qual, gleich der sprudelnden BP Ölquelle, den man nicht lange anzusehen erträgt. Wie Jared Diamond und andere uns gezeigt haben, begehen Zivilisationen so Selbstmord; indem sie in genau in dem Moment das Gaspedal durchtreten, in dem sie auf die Bremse steigen sollten. Das Problem ist, dass unsere Meistererzählung auch dafür eine Antwort parat hat. In letzter Minute werden wir gerettet werden, so wie in jedem Hollywoodfilm, so wie durch die Entrückung. Aber natürlich ist unsere weltliche Religion die Technologie. Nun haben Sie vielleicht immer mehr Schlagzeilen wie diese bemerkt. Die Idee hinter dieser Art von Geo-Engineering, wie es genannt wird, ist die, dass wir, wenn sich die Erde aufheizt, Sulfat- und Aluminiumpartikel in die Stratosphäre schießen könnten, um einen Teil der Sonnenstrahlen ins All zurück zu reflektieren, und so den Planeten abzukühlen. Der verrückteste Plan – und ich habe das nicht erfunden – würde etwas, das im wesentlichen ein Gartenschlauch ist, in 30 Kilometer Höhe bringen, von Ballons getragen, um Schwefeloxid auszustoßen. Also, das Problem der Verschmutzung durch weitere Verschmutzung lösen. Sie können es als ultimativen Junk Shot sehen. Die seriösen Wissenschaftler/innen, die an diesem Projekt beteiligt sind, betonen alle, dass diese Techniken völlig unerprobt sind. Sie wissen nicht, ob sie funktionieren, und sie haben keine Ahnung, welche schrecklichen Nebenwirkungen sie auslösen könnten. Trotzdem, die bloße Erwähnung von Geo-Engineering wird in manchen Kreise begrüßt – speziell in Medienkreisen – mit Erleichterung gepaart mit Euphorie. Ein Notausgang wurde erreicht. Ein weiteres Neuland ist gefunden. Am wichtigsten ist, wir müssen unseren Lebensstil doch nicht verändern. Bei manchen Leuten sieht man, dass ihr Retter ein Mann mit wallender Robe ist. Für andere Leute ist es ein Typ mit einem Gartenschlauch. Wir brauchen dringend neue Geschichten. Wir brauchen Geschichten mit einer anderen Art von Held/inn/en, die andere Arten von Risiken auf sich nehmen wollen – Risiken, die Rücksichtslosigkeit direkt angreifen, die das Vorsichtsprinzip in die Tat umsetzen, selbst wenn das direktes Handeln bedeutet – so wie hunderte junge Leute, die dafür verhaftet werden, dass sie verschmutzende Kraftwerke blockierten, oder gegen das Abtragen von Bergspitzen im Kohlebau kämpfen. Wir brauchen Geschichten, die die lineare Erzählung von endlosem Wachstum durch zirkuläre Erzählungen ersetzen, die uns daran erinnern, dass man erntet, was man säht. Dies ist unser einziges Zuhause; Es gibt keinen Notausstieg. Nennen Sie es Karma, nennen Sie es Physik, Aktion und Reaktion, nennen Sie es Vorkehrung: das Prinzip, das uns daran erinnert, dass das Leben zu kostbar ist, um es für egal welchen Profit aufs Spiel zu setzen. Vielen Dank. (Applaus)
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Ein paar Tage vor diesem Vortrag befand sich Naomi Klein auf einem Boot im Golf von Mexiko, um die katastrophalen Ergebnisse von BPs risikoreicher Suche nach Öl zu begutachten. Unsere Gesellschaften sind bei der Suche nach neuer Energie, neuen finanziellen Instrumentarien und anderem nach extremen Risiken süchtig geworden. ... und zu oft bleibt es uns überlassen, das Chaos wieder aufzuräumen. Kleins Frage ist: Was ist der Notfallsplan?
In her latest work, Naomi Klein wonders: What makes our culture so prone to the reckless high-stakes gamble, and why are women so frequently called upon to clean up the mess? Full bio »
Translated into German by Sabrina Gründlinger
Reviewed by Sandra Holtermann
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19:55 Posted: Jul 2010
Views 283,220 | Comments 321
16:23 Posted: Mar 2009
Views 1,247,592 | Comments 222
20:06 Posted: Mar 2010
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