Das, worüber ich gerne sprechen möchte, ist etwas, das Kahn sehr am Herzen lag: Wie entdecken wir die wirkliche Besonderheit an einem Projekt? Wie entdecken wir das Einzigartige an einem Projekt, das so einzigartig wie ein Mensch ist? Denn es scheint mir, dass das Entdecken dieser Einzigartikgkeit etwas mit dem Bewältigen der ganzen Wucht der Globalisierung zu tun hat, dass das Besondere wesentlich für das Entdecken der Einzigartigkeit eines Ortes und der Einzigartigkeit eines Programms in einem Gebäude ist.
Deshalb nehme ich Sie jetzt nach Wichita in Kansas mit, wo ich vor einigen Jahren gebeten wurde, ein Wissenschaftsmuseum auf einem Gelände am Fluss im Stadtzentrum zu planen. Und ich dachte mir, das Geheimnis dieses Geländes war, das Gebäude am Fluss zu einem Teil des Flusses zu machen. Leider war das Gelände aber vom Fluss durch den McLean-Boulevard abgeschnitten. Deshalb schlug ich vor, den McLean zu verlegen, und das rief sofort die "Freunde des McLean Boulevard" ins Leben. (Lachen) Es brauchte sechs Monate, ihn zu verlegen.
Das erste Bild, das ich der Baukommission zeigte, war dieses astronomische Observatorium in Jantar Mantar in Jaipur, weil ich davon sprach, was ein Gebäude zu einem Gebäude der Wissenschaft machte. Und mir schien, dass diese Struktur – komplex, reich und doch vollkommen rational: es ist ein Instrument – etwas mit Wissenschaft zu tun hatte, und ein Gebäude für die Wissenschaft sollte irgendwie anders und einzigartig sein, und das auch zeigen. Ich ging wieder und dachte bei meiner ersten Skizze deshalb "Gehen wir in den Kanal hinein, machen wir eine Insel und ein Gebäude auf der Insel." Und ich war ganz begeistert, und kam zurück, und sie schauten mich entsetzt an und sagten: "Eine Insel? "Das war früher einmal eine Insel – die Ackerman Insel – und wir haben den Kanal während der Depression zugeschüttet, um Arbeitsplätze zu schaffen." (Lachen)
Und so nahm alles seinen Anfang, und sie sagten, "Sie können nicht alles auf eine Insel bauen; ein Teil davon muss am Ufer bleiben, weil wir uns nicht von der Gemeinschaft abwenden möchten." Und da entstand ein Entwurf: Die Galerien bildeten eine Art Insel, und man konnte durch sie durch oder über das Dach gehen. Und es gab es viele aufregende Details: Man konnte durch die Gebäude am Ufer hereinkommen, und durch die Galerien auf Spielplätze im Grünen gehen. Wenn jemand sparen wollte, konnte er über eine Brücke zum Dach spazieren, durch die Fenster die Ausstellung erspähen und dazu verführt werden, wiederzukommen und die fünf Dollar für eine Eintrittskarte zu bezahlen. (Lachen) Und der Kunde war glücklich damit – naja, fast glücklich, weil wir das Budget um vier Millionen Dollar überzogen hatten, aber im Grunde war er glücklich damit.
Aber ich grübelte weiter, weil ich das Gefühl hatte, dass das Design irgendwie launenhaft aussah. Es war komplex, aber da war etwas Launenhaftes an seiner Komplexität. Ich fand, es war komplex in seiner Zusammensetzung; und ich hatte das Gefühl, wenn ich das erfüllen müsste, wovon ich sprach – ein Gebäude für die Wissenschaft – dann müsste es etwas Schöpferisches haben, eine Art schöpferische Geometrie. Und das führte zur Idee, eine ringförmige schöpferische Geometrie zu entwerfen, eine Ringform mit ihrer Mitte tief in der Erde für das Gebäude an Land, und eine Ringform mit ihrer Mitte im Himmel für das Gebäude auf der Insel. Für die, die es nicht wissen, eine Ringform – oder Toroid genannt – ist die Oberfläche eines Doughnuts, oder für einige von uns, eines Bagels. Aus dieser Idee entstanden viele, viele Arten von Variationen verschiedener Pläne und Möglichkeiten, und dann entwickelte sich der Plan selbst in Beziehung zu den Ausstellungsstücken, und Sie sehen den Querschnitt des Plans mit der ringförmigen Geometrie.
Und schließlich das Gebäude – das ist das Modell. Als es dann Klagen über das Budget gab, sagte ich, "Die Insel ist es wert gebaut zu werden, weil Sie für Ihr Geld das Doppelte bekommen: Spiegelungen." Und hier ist das Gebäude, als es eröffnet wurde, mit dem Kanal in Richtung Stadtzentrum, und von der Stadt aus gesehen. Der Radweg führt direkt durch das Gebäude, damit die, die am Fluss entlangfahren, die Ausstellung sehen und neugierig werden. Die ringförmige Geometrie machte das Gebäude sehr effizient: Jeder Balken darin hat denselben Radius und besteht aus laminiertem Holz. Jede Wand, jede Betonwand, trägt die Last und unterstützt das Gebäude. Jedes Stück des Gebäudes funktioniert. Das sind die Galerien mit dem Licht, das durch die Oberlichte hereinkommt; und hier nachts, und am Tag der Eröffnung.
Gehen wir zurück ins Jahr 1976. (Applaus) 1976 wurde ich gebeten, ein Gedenkmuseum für Kinder in einem Holocaustmuseum in Yad Vashem in Jerusalem zu entwerfen, von dem Sie hier das Gelände sehen. Ich wurde gebeten, ein Gebäude zu planen, und mir wurden die ganzen Kleidungsstücke und Zeichnungen gezeigt. Und das hat mich sehr belastet. Ich arbeitete monatelang daran und ich kam nicht damit zurecht, weil ich fühlte, dass Menschen, die aus dem Historischen Museum kamen, bereits mit Informationen voll beladen sind. Wenn sie dann noch ein Museum mit Informationen sehen, würden sie das nicht mehr verarbeiten können. Deshalb machte ich einen Gegenvorschlag:
Ich sagte: "Kein Gebäude. Es gibt eine Höhle auf dem Gelände; wir graben einen Tunnel in den Hügel, und steigen durch den Felsen abwärts in einen unterirdischen Raum. Da ist ein Vorzimmer mit Fotos von Kindern, die umgekommen sind, und dann kommen Sie in einen großen Raum. In der Mitte flackert eine einzelne Kerze; die ihr Licht durch eine Spiegelvorrichtung in alle Richtungen in die Ewigkeit hinein reflektiert. Sie gehen durch den Raum, eine Stimme liest die Namen, das Alter und den Geburtsort der Kinder. Diese Stimme wiederholt sich nur alle sechs Monate. Und dann gehen Sie hinunter ins Licht, nach Norden, und zurück ins Leben."
Sie antworteten: "Die Leute werden das nicht verstehen, sie werden denken, das ist eine Diskothek. Das können Sie nicht machen." Und sie legten das Projekt auf Eis. Das blieb es 10 Jahre lang, und dann kam eines Tages Abe Spiegel aus Los Angeles, der seinen zweijährigen Sohn in Auschwitz verloren hatte, er sah das Modell, stellte den Scheck aus, und 10 Jahre später wurde es gebaut.
1998, viele Jahre später, war ich gerade auf meiner monatlichen Reise nach Jerusalem, als ich einen Anruf vom Außenministerium bekam. Sie sagten: "Der Ministerpräsident aus dem Punjab ist hier. Er ist auf einem Staatsbesuch. Wir haben ihm Yad Vashem gezeigt, und das Gedenkmuseum für Kinder; das hat ihn sehr tief bewegt. Er möchte gerne den Architekten treffen. Können Sie herkommen und ihn in Tel Aviv treffen?" Ich fuhr hin, und Premierminister Badal sagte zu mir: Wir Sikhs haben viel gelitten, ihr Juden auch. Was ich heute gesehen habe, hat mich sehr berührt. Wir wollen unser Nationalmuseum bauen, um die Geschichte unseres Volkes zu zeigen; damit werden wir in Kürze beginnen. Ich möchte gerne, dass Sie es entwerfen."
Wissen Sie, das ist eines der Dinge, die man nicht ganz so ernst nimmt. Aber zwei Wochen später war ich in dieser kleinen Stadt, Anandpur Sahib, außerhalb von Chandigarh, der Hauptstadt des Punjabs, ich besuchte den Tempel und die Festung daneben, worin der letzte Guru der Sikhs, Guru Gobind, gestorben ist, als er die Khalsa, ihre heilige Schrift, schrieb. Und ich begann mit meiner Arbeit, und sie brachten mich an einen Ort, 9 km von der Stadt und dem Tempel entfernt, und sagten: "Diesen Ort haben wir dafür ausgesucht."
Und ich sagte: "Das ergibt doch gar keinen Sinn. Hunderttausende Pilger kommen hierher – die werden nicht Autos und Busse nehmen und dorthin fahren. Fahren wir zurück in die Stadt und gehen wir zum Gelände." Und ich schlug ihnen vor, es genau hier zu bauen, auf diesem Hügel, und eine Brücke zur Stadt zu bauen. Und weil die Dinge in Indien ein bisschen leichter sind, wurde das Gelände innerhalb einer Woche gekauft, und wir haben gearbeitet. (Lachen)
Und mein Vorschlag war, das Museum in zwei Teile zu teilen – die Dauerausstellung auf einer Seite, den Veranstaltungsraum, die Bibliothek, und wechselnde Ausstellungen auf der anderen Seite, eine Reihe von Wassergärten zu bauen, und alles mit der Festung und dem Stadtzentrum zu verbinden. Die Häuser wachsen aus den Sandfelsen empor – sie sind aus Beton und Sandstein; die Dächer aus rostfreiem Stahl – sie gehen nach Süden und reflektieren das Licht zum Tempel selbst, Fußgänger überqueren die Fläche auf dem Weg von einer Seite zur anderen. Wenn man von Norden kommt, wachsen die Mauern aus den Sandfelsen empor, wenn man vom Himalaya kommt, und erinnern an die Tradition der Festung.
Als ich wieder nach Hause flog, war die Grundsteinlegung geplant. Und siehe da, als ich 4 Monate später zurückkehrte, war das kleine Modell, das ich zurückgelassen hatte, auf dem Gelände in zehnfacher Größe nachgebaut und ausgestellt worden, und ... die Brücke war ... gebaut! (Lachen) Gemäß den Konstruktionszeichnungen! Eine halbe Million Menschen kamen zu den Feierlichkeiten; Sie können sie auf dem Gelände selbst sehen, als mit den Fundamenten begonnen wurde. Ich bekam einen neuen Namen, Safdie Singh. Und das sind Bilder vom Bau, 1.800 Arbeiter sind damit beschäftigt, und es wird in 2 Jahren fertig sein.
Gehen wir zurück nach Yad Vashem vor 3 Jahren. Nachdem alles begonnen hatte, beschloss Yad Vashem, das Historische Museum komplett umzubauen, denn nun war das Holocaustmuseum in Washington gebaut, und der Informationsgehalt der Ausstellung dort war viel umfangreicher. Und Yad Vashem hat derzeit 3 Millionen Besucher im Jahr. Sie sagten: "Bauen wir das Museum um." Bei den Sikhs bekommt man die Arbeit vielleicht auf einem Silbertablett, die Juden machen es natürlich schwieriger: Internationale Ausschreibung, Phase eins, Phase zwei, Phase drei. (Lachen)
Und ich fühlte mich wiederum unwohl bei dem Gedanken, dass ein Gebäude in der Größe des Museums in Washington – ca. 4.600 m² – auf diesem zarten Hügel stehen soll, und dass man in Galerien geht – Räume mit Türen eine Art vertrauter Räume – um die Geschichte des Holocaust zu erzählen. Und ich schlug vor, den Berg zu durchschneiden. Hier die erste Skizze. Brechen wir durch den Berg, sodass man von einer Seite des Berges hineingeht und auf der anderen wieder hinaus, und lassen wir Licht durch den Berg in die Räume fließen.
Hier sehen Sie das Modell: Ein Gebäude am Eingang und unterirdische Parkplätze. Man überquert eine Brücke, betritt diesen dreieckigen Raum, 18 m hoch, der direkt in den Hügel führt und sich in Richtung Norden ausdehnt. Und alles, die ganzen Galerien sind unterirdisch, und man sieht die Lichtöffnungen. Nachts scheint nur ein Licht durch den Berg hindurch, das ist ein Lichtdurchlass oben auf dem Dreieck. Während man durch die Galerien geht, befindet man sich unter der Erde. Dann gibt es in den Felsen gemeißelte Räume – Betonwände, Stein, natürlicher Fels wenn möglich – mit Lichtschächten. Das hier ist ein spanischer Steinbruch, der als Inspiration für die Räume diente, in denen sich die Galerien befinden sollten. Und dann, wenn man im Norden ankommt, öffnet sich alles: Ein Ausbruch aus dem Berg wieder hinein ins Licht, mit einem Blick auf die Stadt und auf die Hügel von Jerusalem.
Abschließend möchte ich ein Projekt zeigen, an dem ich seit 2 Monaten arbeite. Es ist die Zentrale des "US Institute of Peace" in Washington das US-Institut für Frieden. Das ausgewählte Gelände befindet sich gegenüber des Lincoln Memorial; hier sehen Sie es direkt an der National Mall. Es ist das letzte Gebäude auf der Mall, das von der Roosevelt Bridge aus Virginia erreicht werden kann. Auch das war eine Ausschreibung, und ich fange mit der Arbeit gerade erst an.
Aber man erkennt die Einzigartigkeit der Umgebung. Wenn es irgendwo in Washington stünde, wäre es ein Bürogebäude, ein Konferenzzentrum, ein Ort für Friedensverhandlungen etc. – all das, wozu das Gebäude auch wirklich dient – aber weil es an der Mall und in der Nähe des Lincoln Memorial sein soll, wird das ein Gebäude, das zum Friedenssymbol der Mall wird. Und mit dieser Herausforderung muss man erst einmal klarkommen.
Auf der ersten Skizze wird berücksichtigt, dass das Gebäude aus vielen Räumen besteht – Räumen für Forschung, Konferenzen, ein öffentlicher Raum, weil es ein Museum für Friedensstiftung sein wird – und das sind die Zeichnungen, die wir für die Ausschreibung eingereicht haben, die Pläne zeigen die Räume, wie sie vom Eingang nach außen ausstrahlen. Sie sehen das Gebäude, so wie es zusammen mit anderen Gebäuden an der Mall aussieht, sehr transparent, einladend und offen. Und hier, wenn man hineingeht und in alle Richtungen mit Blick auf die Stadt sieht. Ich hatte das Gefühl, dass es in Wahrheit ein Gebäude war, das mit der Leichtigkeit des Seins zu tun hat – um Kundera zu zitieren – dass es mit der Farbe Weiß zu tun hat, mit einer gewissen dynamischen Qualität und mit Optimismus. Und hier ist es, es entwickelt sich gerade.
Studien über die Dachstruktur, die vielleicht neue Materialien verlangen: damit man es weiß manchen kann, lichtdurchlässig, leuchtend, und nicht launenhaft. Hier sind dreidimensionale Studien, wie man, wiederum, eine Art Ordnung, Struktur herstellen kann; und nicht etwas, das man glaubt, einfach verändern zu können, weil man dann diesen speziellen Vorgang stoppt. So sieht es aus.
Ich möchte abschließend etwas sagen ... (Applaus) Ich möchte abschließend alles, was ich gesagt habe, mit dem Begriff "Schönheit" in Verbindung setzen. Und ich weiß, dieser Begriff ist heutzutage nicht besonders "in", und ganz sicher nicht "in" bei Diskussionen in den Architekturschulen, aber mir scheint, dass all dies, auf die eine oder andere Art, eine Suche nach Schönheit ist. Schönheit ist der tiefgründigste Aspekt von "passend". Ich habe hier ein Zitat eines Morphologen aus dem Jahre 1917, das mir gut gefällt, es ist von Theodore Cook, der in etwa sagte: "Schönheit impliziert Menschheit. Wir finden ein natürliches Objekt schön, weil wir sehen, dass seine Form Eignung ausdrückt, die perfekte Erfüllung der Funktion." Ich hätte eher gesagt, die perfekte Erfüllung des Zwecks. Trotzdem, Schönheit als eine Art "passend"; etwas, das uns sagt, dass alle Kräfte, die mit unserer natürlichen Umgebung zu tun haben, erfüllt worden sind – und auch mit unserer menschlichen Umgebung.
Vor 20 Jahren nahmen Richard und ich an einer Konferenz teil, und ich schrieb ein Gedicht, das für mich auch heute noch zu stimmen scheint. "Wer Wahrheit sucht, wird Schönheit finden. Wer Schönheit sucht, wird Eitelkeit finden. Wer Ordnung sucht, wird Befriedigung finden. Wer Befriedigung sucht, wird enttäuscht werden. Wer sich selbst als Diener seiner Mitmenschen sieht, wird die Freude des Selbstausdrucks finden. Wer Selbstausdruck sucht, wird in die Fallgrube des Hochmuts stürzen. Hochmut ist mit der Natur unvereinbar. Durch die Natur, die universelle Natur und die menschliche Natur, sollen wir Wahrheit suchen. Wenn wir Wahrheit suchen, werden wir Schönheit finden."
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Architekt Moshe Safdie blickt zurück auf seine lange Karriere und gewährt Einblicke in vier seiner Bauprojekte. Dabei erzählt er, wie hart er daran gearbeitet hat, jedes davon wirklich einzigartig für seine Umgebung und Benutzer zu machen.
Moshe Safdie's buildings -- from grand libraries to intimate apartment complexes -- explore the qualities of light and the nature of private and public space. Full bio »
Translated into German by Johanna Pichler
Reviewed by Judith Matz
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19:58 Posted: Jul 2006
Views 360,512 | Comments 41
20:40 Posted: Apr 2007
Views 245,569 | Comments 46
19:24 Posted: Oct 2008
Views 266,700 | Comments 52
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