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Während meiner Zeit als Student hier in Oxford in den 1970ern, sah die Zukunft der Welt trübe aus. Die Bevölkerungsexplosion war nicht aufzuhalten. Eine globale Hungersnot war unvermeidlich. Eine Krebsepidemie, verursacht durch Chemikalien in der Umwelt, sollte unsere Leben verkürzen. Der saure Regen fiel auf unsere Wälder. Die Wüste dehnte sich eine Meile oder zwei pro Jahr aus. Das Öl wurde knapp. Und ein nuklearer Winter sollte uns den Rest geben. Nichts davon wurde wahr. (Gelächter) Und erstaunlicherweise, hat sich, betrachtet man, was tatsächlich im Laufe meines Lebens passierte, das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen einer durchschnittlichen Person auf diesem Planeten rein rechnerisch, inflationsbereinigt, verdreifacht. Die Lebenserwartung hat sich während meines Lebens um 30 Prozent erhöht. Die Kindersterblichkeit ist um zwei Drittel gesunken. Die Pro-Kopf-Nahrungsmittelproduktion ist um ein Drittel gestiegen. Und das alles zu einer Zeit, in der sich die Bevölkerung verdoppelt hat.
Wie haben wir das erreicht -- ob Sie nun denken, dass es gut oder schlecht ist -- Wie haben wir das erreicht? Wie sind wir zur einzigen Spezie geworden, die wohlhabender wird, während sie zahlreicher wird? Die Größes des Kleckses in dieser Darstellung repräsentiert die Bevölkerungszahl. Und das Niveau der Kurve stellt das Pro-Kopf-BIP dar. Ich denke, um diese Frage zu beantworten, muss man verstehen, wie Menschen ihre Gehirne zusammenbringen und ihren Ideen ermöglichen, sich zu vermengen und wieder zu vermengen, sich zu begegnen und sich, in der Tat, zu begatten. Mit anderen Worten, man muss verstehen, wie Ideen Sex haben.
Ich möchte, dass Sie sich vorstellen, wie wir uns entwickelt haben, um zunächst solche Gegenstände zu machen, und dann Gegenstände wie diese herzustellen. Beides sind reale Gegenstände. Das eine ist ein 500 000 Jahre alter Faustkeil des Acheuléen, wie ihn der Homo Erectus herstellte. Das andere ist offensichtlich eine Computermaus. Beide haben auf frappierende Weise exakt die gleiche Größe und Form. Ich habe versucht herauszufinden, welcher der größere Gegenstand ist, aber das ist fast unmöglich. Und zwar weil beide so gestaltet wurden, dass sie in die menschliche Hand passen. Beides sind technische Geräte. Letztlich ist ihre Ähnlichkeit gar nicht so interessant. Es zeigt nur, dass beide passend für die menschliche Hand gestaltet wurden. Mich interessieren eher die Unterschiede. Denn der linke Gegenstand wurde ungefähr eine Million Jahre lang in unveränderlicher Form hergestellt -- von vor eineinhalb Millionen Jahren bis vor einer halben Million Jahren. Der Homo erectus stellte das gleiche Werkzeug über 30 000 Generationen hinweg her. Natürlich gab es ein paar Anpassungen, aber damals änderten sich Werkzeuge langsamer als das Skelett. Es gab keinen Fortschritt, keine Innovation. Es ist ein außergewöhnliches Phänomen, aber es stimmt. Wohingegen der Gegenstand rechts schon nach fünf Jahren überholt ist. Ein weiterer Unterschied ist auch, dass das Objekt links aus einer einzigen Substanz gefertigt wurde. Der Gegenstand rechts wurde aus einer Mischung unterschiedlicher Materialien hergestellt, aus Silikon und Metall und Plastik und so weiter. Darüberhinaus wurde er aus einer Mischung unterschiedlicher Ideen geschaffen. Der Idee der Plastikherstellung, der Idee der Lasertechnologie, der Idee des Transistors. Sie alle wurden in dieser Technologie zusammengeführt.
Und genau diese Kombination, diese kumulative Technologie, fasziniert mich. Denn ich glaube, dass darin das Geheimnis liegt, wenn man verstehen möchte, was in der Welt vor sich geht. Mein Körper ist ebenfalls eine Ansammlung von Ideen: der Idee der Hautzellen, der Idee der Gehirnzellen, der Idee der Leberzellen. Sie haben sich vereinigt. Wie schafft die Evolution diese Kumulation, diese Kombination von Dingen? Nun, sie bedient sich der sexuellen Reproduktion. Wenn man zwei unterschiedliche Mutationen bei unterschiedlichen Kreaturen einer asexuellen Spezies hat, eine grüne und eine rote, dann muss eine besser sein als die andere. Eine wird aussterben, damit die andere überleben kann. Bei sexuellen Spezien aber ist es einem Individuum möglich, beide Mutationen von unterschiedlichen Erblinien zu ererben. Sex ermöglicht es dem Individuum aus den genetischen Neuerungen der gesamten Spezie zu schöpfen. Es ist nicht auf seine eigene Erblinie beschränkt.
Wie heißt nun der Prozess, der den selben Effekt auf die kulturelle Evolution hat wie Sex auf die biologische Evolution? Ich denke, die Antwort heißt Austausch, die Gewohnheit, eine Sache für eine andere auszutauschen. Es ist eine einzigartige, menschliche Eigenschaft. Kein anderes Tier tut das. Man kann ihnen im Labor beibringen, ein wenig Tauschhandel zu üben. Und es gibt in der Tat auch eine Reziprozität bei anderen Tieren. Aber der Austausch eines Objekts gegen ein anderes passiert niemals. Wie Adam Smith sagte: "Niemand hat jemals einen Hund gesehen, der auf faire Weise seinen Knochen mit einem anderen Hund tauscht." (Gelächter) Man kann eine Kultur ohne Austausch pflegen. So als wäre es eine asexuelle Kultur. Schimpansen, Killerwale, Kreaturen dieser Art haben eine Kultur. Sie lehren einander ihre Traditionen, die von den Eltern an die Nachkommen weitergereicht werden. In diesem Fall bringen sich die Schimpansen einander bei, wie man mit Steinen Nüsse knackt. Der Unterschied liegt aber darin, dass diese Kulturen niemals expandieren, niemals wachsen, nichts ansammeln, niemals kombinatorisch zusammenwirken. Und der Grund dafür ist, dass es gewissermaßen keinen Sex gibt, es gibt keinen Austausch von Ideen. Schimpansengruppen haben in verschiedenen Gruppen verschiedene Kulturen. Es gibt keinen Austausch von Ideen zwischen ihnen.
Und warum erhöht Austausch den Lebensstandard? Nun, die Antwort darauf kam von David Ricardo im Jahr 1817. Ich erzähle nun die Steinzeitversion seiner Geschichte, obwohl seine sich auf den Handel zwischen Ländern bezog. Adam braucht 4 Stunden, um einen Speer zu machen, und drei für einen Faustkeil. Oz benötigt eine Stunde, um einen Speer herzustellen, und zwei für einen Faustkeil. Oz ist also besser darin, Speere als auch Faustkeile herzustellen, als Adam. Er braucht Adam nicht. Er kann seine eigenen Speere und Faustkeile machen. Aber nein, denn man kann es auch so sehen: wenn Oz zwei Speere herstellt und Adam zwei Faustkeile, und sie dann tauschen, dann hat jeder von ihnen eine Stunde Arbeit gespart. Und je mehr sie das tun, umso mehr wird es sich lohnen. Denn je öfter sie das tun, desto besser wird Adam darin, Faustkeile herzustellen, und desto besser wird Oz darin, Speere zu machen. Der Gewinn aus dem Tausch wird nur größer werden. Und darin liegt eine der schönen Seiten des Austauschs, nämlich tatsächlich den Impuls für mehr Spezialisierung zu geben, die wiederum den Impuls für mehr Austausch gibt, und so weiter. Adam und Oz sparten beide eine Stunde Zeit. Darin liegt der Wohlstand; bei der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, Zeit zu sparen.
Fragen Sie sich selbst, wie lange Sie dafür arbeiten müssten, wenn Sie sich selbst mit einer Stunde Licht beliefern müssten, um heute Abend ein Buch lesen zu können. Angenommen, Sie beginnen ganz am Anfang. Sagen wir, sie gehen raus aufs Land. Sie finden ein Schaf. Sie töten es. Sie gewinnen das Fett daraus. Sie lassen es aus. Sie machen eine Kerze daraus, etc., etc.. Wie lange würden Sie dafür brauchen? Eine ziemlich lange Zeit. Wie lange müssen Sie tatsächlich arbeiten, um eine Stunde Leselicht zu verdienen, wenn Sie so viel verdienen wie ein Brite heute im Durchschnitt verdient? Die Antwort lautet: ungefähr eine halbe Sekunde. Früher, im Jahr 1950, musste man acht Sekunden arbeiten, um im Durchschnitt das zu verdienen, wofür man so viel Licht erhielt. Damit haben Sie siebeneinhalb Sekunden Wohlstand erzielt; Seit 1950 sozusagen. Denn in diesen siebeneinhalb Sekunden können Sie etwas anderes tun. Oder Sie können eine andere Ware oder Dienstleistung erwerben. Und früher, im Jahr 1880, hätten Sie 15 Minuten arbeiten müssen, um diese Menge an Licht von einem Durchschnittslohn zu erwerben. Früher, im Jahr 1800, hätten Sie sechs Stunden arbeiten müssen, um eine Kerze kaufen zu können, die eine Stunde lang brennt. Mit anderen Worten, eine Durchschnittsperson mit einem Durchschnittslohn konnte sich im Jahr 1800 keine Kerze leisten.
Denken Sie zurück an das Bild von dem Faustkeil und der Maus und fragen Sie sich: "Wer hat sie hergestellt und für wen?" Der Faustkeil wurde von jemanden für sich selbst gemacht. Es war Selbstversorgung. Heutzutage nennen wir das Armut. Aber das Objekt rechts wurde für mich hergestellt von anderen Menschen. Wie vielen anderen Menschen? Zehn? Hunderten? Tausenden? Wissen Sie, ich glaube, es waren vermutlich Millionen. Denn man muss auch den Mann einschließen, der den Kaffee anbaut, der für den Mann auf der Ölplattform gebraut wurde, der nach dem Öl bohrte, aus dem das Plastik hergestellt wurde, etc. Sie alle arbeiteten für mich, um für mich eine Maus herzustellen. Und so funktionieren Gesellschaften. Das haben wir als Spezie erreicht.
In früheren Tagen, wenn Sie reich waren, besaßen Sie buchstäblich Menschen, die für Sie arbeiteten. Damit wurden Sie reich; Sie beschäftigten sie. Ludwig XIV. besaß eine Menge Menschen, die für ihn arbeiteten. Sie stellten seine albernen Outfits her, wie dieses hier. (Gelächter) Und sie machten seine albernen Frisuren oder was auch immer. Er beschäftigte 498 Menschen, um jeden Abend sein Abendessen zu bereiten. Doch ein neuzeitlicher Tourist, der im Palast von Versailles umherspaziert und sich die Bilder von Ludwig XIV. betrachtet, beschäftigt auch 498 Menschen, um am Abend sein Essen zu bereiten. Sie arbeiten in Bistros und Cafes und Restaurants und Geschäften in ganz Paris. Und alle sind bereit, Ihnen binnen einer Stunde ein vorzügliches Mal zu servieren, das vermutlich von besserer Qualität ist, als es Ludwig XIV. jemals genossen hat. Und das haben wir erreicht, weil wir alle für einander arbeiten. Wir können uns spezialisieren und austauschen, um unseren Lebensstandard gegenseitig zu erhöhen.
Nun, man kann auch andere Tiere finden, die füreinander arbeiten. Ameisen sind ein klassisches Beispiel; Arbeiter arbeiten für Königinnen und diese für die Arbeiter. Aber es gibt einen großen Unterschied, denn das alles geschieht innerhalb einer Kolonie. Sie arbeiten nicht über Kolonien hinweg füreinander. Der Grund dafür ist, dass es eine reproduktive Arbeitsteilung gibt. Das heißt, sie spezialisieren sich mit Hinblick auf Fortpflanzung. Die Königin allein ist dafür zuständig. In unserer Spezie mögen wir so etwas nicht. Die Fortpflanzung ist etwas, worauf wir bestehen, es selbst tun zu dürfen. (Gelächter) Sogar in England überlassen wir die Fortpflanzung nicht der Königin.
Seit wann gibt es also diese Gepflogenheit? Und wie lange geht das schon so? Und was bedeutet das? Nun, ich glaube, die vermutlich älteste Version hiervon ist wohl die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Aber dafür gibt es keine Beweise. Es sieht einfach danach aus, dass wir als allererstes Arbeit von Männern für Frauen und von Frauen für Männer schufen. In allen Gesellschaften von Jägern und Sammlern heute, kann man eine Arbeitsteilung bei der Nahrungssuche beobachten, im Großen und Ganzen zwischen jagenden Männern und sammelnden Frauen. Es ist nicht immer so einfach. Aber man kann unterscheiden zwischen spezialisierten Rollen von Männern und Frauen. Und das Schöne an diesem System ist, dass beide Seiten davon profitieren. Die Frau weiß, dass, wie hier bei den Hadzas -- wo Frauen Wurzeln ausgraben und sie mit Männern teilen im Tausch für Fleisch -- sie weiß, dass sie, wenn sie Zugang zu Protein haben möchte, ein paar Wurzeln zusätzlich ausgraben und für Fleisch eintauschen muss. Dafür muss sie dann nicht auf eine anstrengende Jagd gehen und versuchen ein Warzenschwein zu töten. Und der Mann weiß, dass er nicht nach Wurzeln graben muss. Er muss nur dafür sorgen, dass er, wenn er ein Warzenschwein tötet, eines erwischt, das groß genug zum teilen ist. Und so erhöhen beide Seiten durch geschlechtsspezifische Arbeitsteilung gegenseitig ihre Lebensstandards.
Wann ist es dazu gekommen? Wir wissen es nicht, aber es ist möglich, dass die Neandertaler das nicht taten. Sie waren eine höchst kooperative Spezie. Sie waren eine höchste intelligente Spezie. Ihre Gehirne waren letztendlich im Durchschnitt größer als Ihres und meines heute hier in diesem Saal. Sie waren erfinderisch. Sie beerdigten ihre Toten. Vermutlich hatten sie auch eine Sprache, denn wir wissen, dass sie, genau wie wir, das FOXP2-Gen besaßen, das hier in Oxford entdeckt wurde. Und es sieht so aus, als hätten sie linguistische Fähigkeiten besessen. Es waren großartige Menschen. Ich möchte die Neandertaler nicht beleidigen. Aber es gibt keinen Hinweis auf eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Es gibt keine Hinweise, dass die Frauen Sammler waren. Es sieht so aus, als ob die Frauen den Männern als Jägerinnen zur Seite standen. Und außerdem gibt es auch keinen Hinweis darauf, dass es einen Austausch unter Gruppen gab. Denn die Objekte, die man bei den Überresten der Neandertaler findet, die Werkzeuge, die sie herstellten, sind alle aus Materialien der Region gemacht. Im Kaukasus zum Beispiel, gibt es einen Ort, wo man Werkzeuge der dortigen Neandertaler findet. Sie wurden alle aus Feuerstein der Region hergestellt. Im gleichen Tal, gibt es Überreste des modernen Menschen aus ungefähr der gleichen Zeit, von vor 30 000 Jahren. Und einige dieser Objekte sind aus lokalem Feuerstein gemacht, aber nicht nur das -- viele davon bestehen aus Obsidian, das aus einer weit entfernten Gegend stammt. Und als die Menschen damit begannen, Objekte wie dieses weit herumzureichen, war das ein Hinweis darauf, dass ein Austausch zwischen Gruppen existierte.
Handel ist 10mal älter als Landwirtschaft. Die Menschen vergessen das. Sie denken an Handel als moderne Erscheinung. Austausch zwischen Gruppen findet schon seit hundertausend Jahren statt. Der früheste Hinweis dafür tauchte irgendwann vor 80 bis 120 000 Jahren in Afrika auf, wo man beobachten kann, dass Obsidian und Jaspis und andere Dinge weite Entfernungen innerhalb Äthiopiens zurücklegten. Man findet auch Muscheln, -- wie ein Team hier in Oxford herausfand -- über 200 Meilen von der Küste entfernt, die aus dem Mittelmeer bei Algerien stammen. Und das weist darauf hin, dass die Menschen mit dem Austausch unter Gruppen begonnen hatten. Und das wird zu Spezialisierung geführt haben.
Woher weiß man, dass die Bewegung über weite Entfernungen wegen Handel und nicht wegen Migration stattfand? Nun, sehen Sie sich moderne Jäger und Sammler wie die Aborigines an, die das Material für Steinbeile an einem Ort namens Mount Isa abbauten, in einem Steinbruch, der dem Stamm der Kalkadoon gehörte. Sie betrieben Handel damit mit ihren Nachbarn gegen Dinge wie die Stachel von Rochen. Als Folge davon findet man Steinbeile in weiten Teilen Australiens. Legen Werkzeuge große Entfernungen zurück, ist das ein Zeichen für Handel, nicht für Migration.
Was passiert, wenn man Menschen vom Ausstausch ausschließt, von der Möglichkeit sich auszutauschen und zu spezialisieren? Und die Antwort lautet, dass der technologische Fortschritt nicht nur verlangsamt wird, er macht sogar eine Kehrtwende. Ein Beispiel dafür ist Tasmanien. Als der Meeresspiegel vor 10 000 Jahren anstieg und Tasmanien eine Insel wurde, erfuhren die Menschen nicht nur einen langsameren Fortschritt als die Menschen auf dem Festland, sie erfuhren sogar einen Rückschritt. Sie gaben ihre Fähigkeit auf, Werkzeuge [aus Knochen] und Angelgerät und Kleidung herzustellen, denn die Bevölkerung von ungefähr 4 000 Menschen war einfach nicht zahlreich genug, um diese spezialisierten Fähigkeiten zu bewahren, die nötig waren, um die Technologie, die sie hatten, zu behalten. Dasselbe passierte, wenn die Leute hier im Saal auf einer einsamen Insel ausgesetzt würden. Wie viele Dinge, die sich in Ihren Taschen befinden, könnten wir nach 10 000 Jahren noch herstellen? In Feuerland war es aber anders -- ähnliche Insel, ähnliche Menschen. Der Grund dafür ist, dass Feuerland von Südamerika durch eine viel engere Meeresstraße abgetrennt ist. Über diese Meeresstraße bestand ein Handelskontakt über 10 000 Jahre hinweg. Die Tasmanen waren aber isoliert.
Zurück zu diesem Bild. Fragen Sie sich nicht nur, wer es hergestellt hat und für wen, sondern auch, wer weiß, wie es gemacht wird. Im Fall des Faustkeils wusste der Mann, der ihn gemacht hat, wie er gemacht wird. Aber wer weiß, wie man eine Computermaus herstellt? Niemand. Wirklich niemand. Niemand auf diesem Planeten weiß, wie man eine Computermaus herstellt. Ich meine das wirklich ernst. Der Präsident der Computermausfirma weiß es nicht. Er weiß nur, wie man eine Firma führt. Die Person am Fließband weiß es nicht, denn sie weiß nicht, wie man nach einer Ölquelle bohrt, um das Öl zu gewinnen, aus dem Plastik gemacht wird, und so weiter. Wir alle wissen ein wenig darüber, aber niemand von uns weiß alles.
Jetzt muss ich natürlich aus einem berühmten Aufsatz von Leonard Read, dem Wirtschaftswissenschaftler der 1950er, zitieren. Er heißt: "Ich, der Bleistift", in dem er beschrieb, wie es dazu kam, dass ein Bleistift hergestellt wurde, und dass sogar niemand weiß, wie man einen Bleistift macht, denn die Menschen, die ihn zusammenbauen, wissen nicht, wie man Graphit schürft. Und sie wissen nicht, wie man Bäume fällt und all diese Dinge. In der menschlichen Gesellschaft haben wir durch Austausch und Spezialisierung die Möglichkeit geschaffen, Dinge zu tun, die wir nicht einmal verstehen. Sprache ist nicht dasselbe. Mittels Sprache müssen wir Ideen vermitteln, damit wir uns untereindander verstehen. Aber mit Technologie können wir sogar Dinge jenseits unserer Fähigkeiten tun.
Wir sind zu einem außergewöhnlichen Grad über die Fähigkeiten des menschlichen Geistes herausgewachsen. Und das ist übrigens einer der Gründe, warum ich nicht an der Diskussion um IQs interessiert bin; darum ob manche Gruppen einen höheren IQ haben als andere Gruppen. Es ist völlig irrelevant. Relevant für eine Gesellschaft ist, wie gut die Menschen ihre Ideen kommunizieren und wie gut sie zusammenarbeiten, nicht, wie schlau ihre Individuen sind. Wir haben also so etwas wie ein kollektives Gehirn geschaffen. Wir sind nur die Knoten im Netzwerk. Wir sind die Neuronen in diesem Gehirn. Es ist der Austausch von Ideen, das Begegnen und Begatten von Ideen untereinander, darin liegt technologischer Fortschritt begründet, schrittweise. Stück für Stück. Aber auch schlechte Dinge passieren. Und in der Zukunft, wenn wir so weitermachen, werden wir natürlich auch schreckliche Dinge erleben. Es wird Kriege geben; es wird Wirtschaftskrisen geben; es wird Naturkatastrophen geben. Furchtbare Dinge werden in diesem Jahrhundert geschehen. Da bin ich sehr sicher. Aber das bin ich auch wegen der Verbindungen, die Menschen eingehen, und der so noch nie da gewesenen Möglichkeit der Ideen, sich zu begegnen und zu begatten. Ich bin auch sicher, dass die Technologie weiter fortschreitet und sich deshalb die Lebensstandards weiter verbessern werden. Denn mit der Cloud, durch Schwarmauslagerung, durch die von uns geschaffene Welt, die auf dem Kopf steht, wo nicht nur die Eliten, sondern jedermann Ideen haben kann und diese sich begegnen und begatten lassen kann, werden wir sicherlich die Innovationsrate beschleunigen.
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Der Autor Matt Ridley beschreibt bei der TEDGlobal Konferenz 2010, wie der Antrieb menschlichen Fortschritts im Laufe der Geschichte aus dem Begegnen und Begatten von Ideen bestand, mit dem Ziel neue Ideen zu erschaffen. Es ist nicht wichtig, wie schlau die Individuen sind, sagt er. Entscheidend ist, wie klug das kollektive Gehirn ist.
Matt Ridley argues that, through history, the engine of human progress and prosperity has been, and is, "ideas having sex with each other." Full bio »
Translated into German by Katja Tongucer
Reviewed by Anja Lehmann
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You need to understand how human beings bring together their brains and enable their ideas to combine and recombine, to meet and, indeed, to mate. In other words, you need to understand how ideas have sex.” (Matt Ridley)
19:01 Posted: Jan 2007
Views 473,632 | Comments 79
17:52 Posted: Apr 2008
Views 339,932 | Comments 71
19:11 Posted: Jan 2007
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