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Jeder von Ihnen besitzt das mächtigste, gefährlichste und subversivste Merkmal, das die natürliche Selektion je entwickelt hat. Es ist ein Stück neurale Audiotechnologie, mit der die Köpfe der anderen Menschen neu vernetzt werden. Ich rede natürlich von Ihrer Sprache, denn sie erlaubt es Ihnen, einen Gedanken aus Ihrem Kopf direkt in den eines anderen zu verpflanzen, und die anderen können das auch mit Ihnen versuchen, ohne dass einer von Ihnen sich einer Operation unterziehen muss. Denn wenn Sie sprechen, benutzen sie eine Art Telemetrie, die sich gar nicht so sehr von der Fernbedienung Ihres Fernsehers unterscheidet. Doch im Gegensatz zur Fernbedienung, die mit Impulsen aus Infrarotlicht arbeitet, braucht es für Ihre Sprache Impulse, unterschiedliche Impulse aus Schall.
Und genau wie Sie die Fernbedienung nutzen, um die Einstellungen Ihres Fernsehers so ändern, wie Sie es gerade mögen, benutzen Sie Ihre Sprache, um die Einstellungen im Gehirn eines anderen so zu ändern, wie es Ihren Interessen entspricht. Sprachen sind Gene, die sprechen, um zu bekommen, was sie wollen. Stellen Sie sich nur das Gefühl von Wunder in einem Baby vor, wenn es zum ersten Mal entdeckt, dass es Dinge von der anderen Seite des Raumes bewegen kann, und vielleicht sogar in seinen Mund hinein, nur indem es einen Ton von sich gibt, wie durch Zauberei.
Der subversiven Kraft der Sprache hat man durch alle Zeiten Rechnung getragen durch Zensur in Büchern, die man nicht lesen darf, Sätzen, die man nicht äußern darf, und Wörtern, die man nicht sagen darf. Die Geschichte des Turmbaus zu Babel in der Bibel ist in Wirklichkeit eine Fabel und eine Warnung vor der Macht der Sprache. Dieser Geschichte nach entwickelten die frühen Menschen die Arroganz zu glauben, dass sie durch Zusammenarbeit mittels ihrer Sprache einen Turm bauen könnten, der sie bis ganz hinauf in den Himmel führen würde. Und Gott hat, verärgert durch diesen Versuch, seine Macht an sich zu reißen, den Turm zerstört und dann, um sicher zu gehen, dass er nie wieder aufgebaut wird, spaltete er die Menschen, indem er ihnen verschiedene Sprachen gab – er verwirrte sie, indem er ihnen verschiedene Sprachen gab. Und damit sind wir bei der herrlichen Ironie angekommen, dass unsere Sprachen existieren, um uns vom Kommunizieren abzuhalten. Sogar heute sind wir uns bewusst, dass es Worte gibt, die man nicht benutzen darf, Sätze, die man nicht sagen darf, denn wenn wir es täten, könnten wir behelligt, eingesperrt oder sogar getötet werden. Und das alles nur wegen eines Lufthauchs, der unseren Mündern entströmt.
Dieser ganze Wirbel um ein einziges unserer Wesensmerkmale sagt uns, dass es einen Klärungsbedarf gibt. Wie und warum hat sich dieses bemerkenswerte Merkmal entwickelt und warum nur in unserer Gattung? Es mag ein wenig überraschen, dass wir uns für eine Antwort auf diese Frage, dem Werkzeuggebrauch der Schimpansen zuwenden müssen. Diese Schimpansen benutzen Werkzeuge und wir sehen das als Zeichen ihrer Intelligenz. Aber wenn sie wirklich intelligent wären, warum benutzen sie dann einen Stock, um Termiten aus dem Boden zu holen und keine Schaufel? Und wenn sie wirklich intelligent wären, warum knacken sie Nüsse mit einem Stein? Warum gehen sie nicht einfach in einen Laden und kaufen eine Tüte Nüsse, die jemand anderes schon für sie geknackt hat? Warum nicht? Ich meine, wir machen das doch so.
Nun, die Schimpansen tun das nicht, weil sie nicht über das verfügen, was Psychologen und Anthropologen soziales Lernen nennen. Sie scheinen nicht über die Fähigkeit zu verfügen, von anderen zu lernen, indem sie kopieren oder imitieren oder einfach nur beobachten. Als Folge davon können sie sich nicht durch die Ideen anderer verbessern oder von den Fehlern anderer lernen – vom Wissen anderer profitieren. Deshalb machen sie einfach das Gleiche immer und immer und immer wieder. Wir könnten für eine Million Jahre weggehen und dann zurückkommen; diese Schimpansen täten immer noch das Gleiche mit den gleichen Stöcken für die Termiten und den gleichen Steinen um die Nüsse zu knacken.
Das klingt vielleicht etwas arrogant oder gar sehr anmaßend. Woher wollen wir das wissen? Denn es ist genau das, was unsere Vorfahren der Gattung Homo erectus machten. Diese aufrecht gehenden Menschenaffen entwickelten sich vor etwa zwei Millionen Jahren in der afrikanischen Savanne. Sie fertigten diese vortrefflichen Beile, die wunderbar genau in Ihre Hand passen. Aber wenn wir uns die Fossilienfunde betrachten, sehen wir, dass sie das gleiche Beil immer und immer und immer wieder herstellten, eine Million Jahre lang. Man kann dem anhand der Dokumentation von Fossilienfunden folgen. Wenn wir schätzen, wie lange der Homo erectus lebte, wie lange ihre Generationszeit war, dann sind das etwa 40 000 Generationen von Eltern zu Nachkommen und anderen Einzelnen, die zuschauten, in denen dieses Beil sich nicht veränderte. Es ist nicht einmal klar, ob unsere sehr nahen genetischen Verwandten, die Neandertaler über soziales Lernen verfügten. Deren Werkzeuge waren sicherlich komplizierter als die des Homo erectus, aber auch sie zeigten sehr wenig Veränderung in den 300 000 Jahren oder so, in der diese Gattung, die Neandertaler, in Eurasien lebten.
Das sagt uns also, dass, im Gegensatz zu dem alten Spruch: "Der Affe sieht, der Affe macht", es wirklich überraschend ist, dass alle anderen Tiere das wirklich nicht können -- jedenfalls nicht sehr gut. Und sogar dieses Bild macht den verdächtigen Eindruck, zurechtgebastelt worden zu sein – wie etwas vom Barnum & Bailey Zirkus.
Aber durch Vergleich können wir lernen. Wir können lernen, indem wir andere Menschen beobachten und das kopieren oder imitieren, was sie tun können. Wir können uns dann aus einer Reihe von Möglichkeiten die beste aussuchen. Wir können von den Ideen anderer profitieren. Wir können auf deren Erfahrungsschatz aufbauen. Und als Folge davon akkumulieren unsere Ideen und unser technologischer Fortschritt. Diese kumulative kulturelle Adaption, wie die Anthropologen diese Akkumulation von Ideen nennen, ist verantwortlich für alles um Sie herum in Ihrem geschäftigen und turbulenten täglichen Leben. Ich meine, die Welt hat sich nur in den letzten 1000 oder 2000 Jahren so unverhältnismäßig stark verändert, dass wir sie kaum wieder erkennen. Und nur wegen der kumulativen kulturellen Adaption. Die Stühle, auf denen Sie sitzen, die Lichter hier im Saal, mein Mikrofon, die iPads und iPods, die Sie mit sich herum tragen, sind alle das Ergebnis kumulativer kultureller Adaption.
Für viele Kommentatoren ist es mit kumulativer kultureller Adaption oder sozialem Lernen getan, Ende der Geschichte. Unsere Gattung kann Dinge herstellen, deshalb konnten wir auf eine Art gedeihen wie keine andere. Wir können tatsächlich sogar den "Stoff des Lebens" machen – wie ich bereits sagte, das ganze Zeug um uns herum. Aber es ist doch so, dass irgendwann vor etwa 200 000 Jahren, als unsere Gattung erstmals auftauchte und sich soziales Lernen aneignete, war das eigentlich der Beginn unserer Geschichte und nicht das Ende. Denn indem wir uns soziales Lernen aneigneten, schufen wir ein soziales und evolutionäres Dilemma, dessen Lösung, kann man sagen, nicht nur den zukünftigen Verlauf unserer Psychologie bestimmte, sondern auch den zukünftigen Verlauf der ganzen Welt. Und daran ist besonders wichtig, dass es uns sagen wird, warum wir eine Sprache haben.
Der Grund für dieses Dilemma liegt darin, dass sich soziales Lernen als visueller Diebstahl herausstellt. Wenn ich etwas lernen kann, indem ich dich beobachte, kann ich deine besten Ideen stehlen und ich kann von deinen Bemühungen profitieren, ohne die Zeit und Energie investieren zu müssen, die du bei der Entwicklung hereingesteckt hast. Wenn ich beobachten kann, welchen Köder du benutzt, um einen Fisch zu fangen, oder wenn ich beobachten kann, wie du dein Beil zurecht haust, um es zu verbessern, oder wenn ich dir heimlich zu deinem Pilzfeld folge, kann ich von deinem Wissen, Erfahrungsschatz und Können profitieren und vielleicht sogar diesen Fisch noch vor dir fangen. Soziales Lernen ist in Wirklichkeit visueller Diebstahl. Und für jede Gattung, die sich das aneignet, kann ich nur dazu raten, Ihre besten Ideen zu verbergen, damit sie Ihnen niemand stiehlt.
Vor etwa 200 000 Jahren sah sich unsere Gattung also mit dieser Krise konfrontiert. Und wir hatten wirklich nur zwei Möglichkeiten, mit den Konflikten umzugehen, die visueller Diebstahl mit sich brachte. Eine dieser Möglichkeiten war, dass wir uns in kleine Familiengruppen hätten zurückziehen können. Denn dann wäre der Nutzen unserer Ideen und unseres Wissens nur unseren Verwandten zugute gekommen. Hätten wir irgendwann vor etwa 200 000 Jahren diese Möglichkeit gewählt, würden wir vermutlich immer noch wie die Neandertaler leben, als wir Europa vor 40 000 Jahren erstmals betraten. Denn in kleinen Gruppen gibt es weniger Ideen, es gibt weniger Innovationen. Und kleine Gruppen sind anfälliger für Unfälle und Unglück. Hätten wir also diesen Weg gewählt, hätte uns unser evolutionäre Weg in den Wald geführt – und es wäre auch ein kurzer Weg gewesen.
Die andere Möglichkeit, die wir wählen konnten, war ein Kommunikationssystem zu entwickeln, dass es uns erlauben würde, Ideen auszustauschen und mit anderen zu kooperieren. Sich für diese Möglichkeit zu entscheiden, hieße, dass jeder Einzelne auf einen wesentlich größeren Bestand an angesammeltem Wissen und Erfahrung zurückgreifen könnte, als es je innerhalb einer einzelnen Familie oder für eine Einzelperson möglich wäre. Nun, wir wählten die zweite Möglichkeit und Sprache ist das Ergebnis.
Sprache entwickelte sich, um die Krise des visuellen Diebstahls zu lösen. Sprache ist ein Stück sozialer Technologie, um den Nutzen von Kooperation zu erhöhen – um Vereinbarungen zu erzielen, Verträge auszuhandeln und um unsere Tätigkeiten zu koordinieren. Es ist offensichtlich, dass Sie in einer sich entwickelnden Gesellschaft, die eine Sprache zu erwerben begann, wie ein Vogel ohne Flügel wären, wenn Sie keine Sprache hätten. So wie Flügel den Luftraum eröffnen, den die Vögel nutzen können, eröffnete die Sprache einen Raum der Kooperation, den die Menschen nutzen können. Und wir nehmen das einfach als gegeben hin, denn wir sind eine Gattung, die in der Sprache sehr heimisch ist.
Doch Sie müssen erkennen, dass selbst die einfachsten Vorgänge des Austauschs, an denen wir teilnehmen, völlig von Sprache abhängen. Um zu verstehen warum, betrachten wir zwei Szenarien aus dem Frühstadium unserer Evolution. Stellen wir uns vor, dass Sie wirklich gut darin sind Pfeilspitzen herzustellen, aber es ist hoffnungslos, wenn Sie die befiederten Stiele aus Holz machen sollen. Zwei andere Personen, die Sie kennen, sind gut darin, die hölzernen Stiele zu machen, aber es ist hoffnungslos, wenn sie die Pfeilspitzen herstellen sollen. Was Sie also tun, ist – eine dieser Personen hat noch nicht wirklich sprechen gelernt. Und nehmen wir an, die andere Person hat gute Sprachfähigkeiten.
Sie werden also eines Tages einen Haufen Pfeilspitzen nehmen und zu der Person, die nicht sehr gut sprechen kann, gehen und die Pfeilspitzen vor ihn hin legen, in der Hoffnung, dass er versteht, dass Sie Ihre Pfeilspitzen für fertige Pfeile zum Tausch anbieten möchten. Aber er sieht sich den Haufen Pfeilspitzen an, denkt sie sind ein Geschenk, nimmt sie, lächelt und geht weg. Sie laufen dem Typ gestikulierend hinterher. Es kommt zu einem Handgemenge und Sie werden von einer Ihrer eigenen Pfeilspitzen erstochen. Okay, jetzt spielen wir die Szene zurück und Sie gehen zu der Person, die sprechen kann. Sie legen Ihre Pfeilspitzen hin und sagen: "Ich möchte diese Pfeilspitzen gegen fertige Pfeile tauschen. Wir teilen 50 zu 50." Der andere sagt: "Fein. Hört sich gut an. Machen wir es so." Und die Arbeit ist erledigt.
Sobald wir eine Sprache haben, können wir unsere Ideen zusammenbringen und kooperieren, um einen Wohlstand zu erreichen, den wir vorher nicht hätten haben können. Und deshalb war unsere Gattung in der ganzen Welt erfolgreich, während der Rest der Tiere im Zoos hinter Gittern sitzt und verkümmert. Deshalb bauen wir Space Shuttles und Kathedralen, während die restliche Welt mit Stöcken im Boden stochert, um Termiten herauszuholen. Also, wenn diese Sicht auf die Sprache und ihren Wert als Lösung für die Krise des visuellen Diebstahls stimmt, müsste jede Gattung, die Sprache erwirbt, einen explosionsartigen Ausbruch an Kreativität und Wohlstand zeigen. Und genau das zeigen die archäologischen Aufzeichnungen.
Wenn Sie sich unsere Vorfahren ansehen, die Neandertaler und den Homo erectus, unsere direkten Vorfahren, dann begrenzt sich ihr Lebensraum auf kleine Regionen in der Welt. Aber als unsere Gattung aufkam, vor etwa 200 000 Jahren, verließen wir Afrika schon kurz darauf und verteilten uns über die gesamte Welt, wobei wir fast jeden Lebensraum auf der Erde besetzten. Denn während andere Gattungen auf Orte begrenzt bleiben, denen sich ihre Gene angepasst haben, konnten wir durch soziales Lernen und Sprache die Umwelt so verändern, dass sie unseren Bedürfnissen entspricht. Und so gediehen wir auf eine Art, wie kein anderes Tier. Sprache ist wirklich das kraftvollste Wesensmerkmal, das sich je entwickelt hat. Es ist das wertvollste Merkmal, das wir haben, um neue Länder und Ressourcen für mehr Menschen und deren Gene nutzbar zu machen, als es die natürliche Selektion je hätte ersinnen können.
Sprache ist wirklich die Stimme unserer Gene. Doch als wir die Sprache entwickelten, taten wir etwas seltsames, sogar bizarres. Während wir uns über die Welt verteilten, entwickelten wir tausende verschiedener Sprachen. Derzeit werden auf der Erde etwa 7 000 oder 8 000 verschiedene Sprachen gesprochen. Sie sagen jetzt vielleicht: "Okay, das ist nur natürlich. Als wir auseinandergingen, entwickelten sich natürlich auch unsere Sprachen auseinander." Aber das eigentliche Rätsel und die Ironie ist, dass die größte Dichte verschiedener Sprachen auf der Erde dort gefunden wurde, wo die Menschen am engsten zusammenleben.
Wenn wir zur Insel Papua-Neuguinea gehen, können wir etwa 800 bis 1 000 eigenständige menschliche Sprachen finden, verschiedene menschliche Sprachen, die nur auf dieser Insel gesprochen werden. Es gibt Orte auf dieser Insel, wo sie alle drei oder vier Kilometer auf eine neue Sprache treffen können. Nun, so unglaublich das klingt, ich habe einmal einen Mann aus Papua gefragt, ob das wirklich wahr sein kann. Und er sagte mir: "Oh nein. Sie liegen weit dichter beisammen als das." Und es stimmt. Es gibt Orte auf dieser Insel, wo Sie jeden Kilometer auf eine neue Sprache treffen können. Das gilt auch für einige abgelegene ozeanische Inseln.
Es scheint also, dass wir unsere Sprache nicht nur zur Kooperation nutzen, sondern auch um unsere Kooperationsgruppen einzukreisen und um Identitäten zu etablieren und vielleicht um unser Wissen und unsere Erfahrungen und Fähigkeiten vor Lauschangriffen von außen zu schützen. Und wir wissen das, weil wir beim Studium verschiedener Sprachgruppen in Verbindung mit ihren Kulturen sehen, dass verschiedene Sprachen den Fluss von Ideen zwischen den Gruppen verlangsamen. Sie verlangsamen den Fluss von Technologien. Und sie verlangsamen sogar den Fluss von Genen. Ich kann nicht für Sie sprechen, aber es scheint der Fall zu sein, dass wir keinen Sex mit Menschen haben, mit denen wir nicht reden können. (Gelächter) Dem muss man aber entgegensetzen, dass wir, trotz der Belege, die wir gerade gehört haben, vermutlich ein paar recht geschmacklose genetische Affären mit den Neandertalern und den Denisova-Menschen gehabt haben.
Okay, diese Tendenz, die wir haben, diese scheinbar natürliche Tendenz, die wir haben, uns zu isolieren, unter unseresgleichen zu bleiben, bricht erst in unserer modernen Welt zusammen. Dieses bemerkenswerte Bild ist keine Weltkarte. Es ist eigentlich eine Karte von Freundschaftsverbindungen bei Facebook. Und wenn man diese Freundschaftsverbindungen grafisch anhand ihrer Längen- und Breitengrade darstellt, wird buchstäblich eine Weltkarte gezeichnet. Unsere moderne Welt kommuniziert mehr mit sich selbst und untereinander als sie dies in der Vergangenheit je zuvor und zu jeder Zeit getan hat. Und diese Kommunikation, diese weltweite Vernetzung, diese Globalisierung wird nun zur Last. Denn diese verschiedenen Sprachen errichten eine Barriere, wie wir gerade gesehen haben, die den Transfer von Gütern und Ideen und Technologien und Wissen erschwert. Und sie errichten eine Barriere gegen die Kooperation.
Und das können wir nirgendwo besser sehen als in der Europäischen Union, deren 27 Mitgliedsstaaten 23 offizielle Sprachen sprechen. Die Europäische Union gibt derzeit mehr als eine Milliarde Euro im Jahr aus für Übersetzungen ihrer 23 offiziellen Sprachen. Das entspricht in etwa 1,45 Milliarden US Dollar allein an Übersetzungskosten. Bedenken Sie nur die Absurdität dieser Situation. Wenn 27 Individuen aus diesen 27 Mitgliedsstaaten sich an einen Tisch setzten, ihre 23 Sprachen sprächen, dann sagt Ihnen eine einfach Rechnung, dass Sie eine Armee von 253 Übersetzern brauchen werden, um auf alle paarweisen Möglichkeiten vorbereitet zu sein. Die Europäische Union beschäftigt ungefähr 2 500 festangestellte Übersetzer. Und allein im Jahr 2007 -- und ich bin sicher, es gibt noch neuere Zahlen -- wurden in etwa 1,3 Millionen Seiten nur ins Englische übersetzt.
Wenn Sprache also wirklich die Lösung für die Krise des visuellen Diebstahls ist, wenn Sprache wirklich die Verbindungsleitung für unsere Kooperation ist, die Technologie, die unsere Gattung hervorbrachte, um in unserer modernen Welt einen freien Fluss und den Austausch von Ideen zu fördern, stellt uns das vor eine Frage. Und diese Frage lautet, ob wir es uns in dieser modernen, globalisierten Welt wirklich leisten können, diese ganzen verschiedenen Sprachen zu haben.
Wenn man es so betrachtet, kennt die Natur keine anderen Verhältnisse, in denen funktional ähnliche Charaktermerkmale koexistieren. Eines davon sorgt immer dafür, dass die anderen aussterben. Und das können wir anhand des unaufhaltsamen Marschs in Richtung Standardisierung beobachten. Es gibt sehr viele Wege, Dinge zu messen -- man wiegt sie und misst ihre Länge -- aber das metrische System gewinnt. Es gibt sehr viele Wege, die Zeit zu messen, aber ein sehr bizarres auf der 60 basierendes System, bekannt als Stunden und Minuten und Sekunden hat sich fast in der ganzen Welt durchgesetzt. Es gibt viele, viele Wege, CDs oder DVDs zu brennen, aber auch die sind alle standardisiert. Und es fallen Ihnen sicher viele, viele weitere Beispiele aus Ihrem täglichen Leben ein.
Unsere moderne Welt stellt uns jetzt also vor ein Dilemma. Es ist das Dilemma, dem sich dieser Chinese gegenübersieht, dessen Sprache von mehr Menschen in der Welt gesprochen wird, als jede andere Sprache. Und doch sitzt er an seiner Tafel und konvertiert chinesische Sätze in englische Sätze. Das wirft für uns die Möglichkeit auf, dass in einer Welt, in der wir Kooperation und Austausch fördern wollen, und in einer Welt, die vielleicht mehr denn je von Kooperation abhängig ist, um unseren erreichten Wohlstand zu erhalten und zu erhöhen, seine Tätigkeit darauf hindeutet, dass es unvermeidbar sein könnte, uns eines Tages mit der Idee auseinanderzusetzen, dass unser Schicksal darin liegt, eine Welt mit einer Sprache zu werden.
Matt Ridley: Eine Frage, Mark. Svante hat herausgefunden, dass das FOXP2-Gen, das im Zusammenhang mit Sprachfähigkeit zu stehen scheint, in der gleichen Form wie bei uns auch bei den Neandertalern vorkam. Gibt es eine Vorstellung davon, wie wir uns gegen die Neandertaler hätten durchsetzen können, wenn auch sie über Sprache verfügt hätten?
Mark Pagel: Das ist eine sehr gute Frage. Viele von Ihnen sind vielleicht vertraut mit der Idee, dass es dieses FOXP2 genannte Gen gibt, das auf eine Art Einfluss hat auf die Feinmotorik, die für Sprache benötigt wird. Der Grund, warum ich nicht glaube, dass dies bedeutet, dass die Neandertaler über Sprache verfügten, ist – hier ist eine einfache Analogie: Ferraris sind Autos, die einen Motor haben. Mein Auto hat einen Motor, aber es ist kein Ferrari. Die einfache Antwort darauf ist, dass Gene alleine, jedes für sich, nicht bestimmen, dass am Ende so sehr komplizerte Dinge wie Sprache herauskommen. Was wir über dieses FOXP2 und die Neandertaler wissen, ist, dass sie vielleicht über eine Feinmotorik ihrer Münder verfügten – wer weiß. Aber es sagt uns nicht, dass sie auch über Sprache verfügten.
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Der Biologe Mark Pagel stellt eine faszinierende Theorie vor, die erklären soll, warum die Menschen unser komplexes Sprachensystem entwickelten. Seiner Meinung nach ist Sprache Teil einer "sozialen Technologie", die den frühen menschlichen Stämmen ein neues, machtvolles Instrument zur Verfügung stellte: die Kooperation.
Using biological evolution as a template, Mark Pagel wonders how languages evolve. Full bio »
Translated into German by Katja Tongucer
Reviewed by Karin Friedli
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[Language allows you] to implant a thought from your mind directly into someone else’s mind, and they can attempt to do the same to you, without either of you having to perform surgery.” (Mark Pagel)
17:27 Posted: Sep 2007
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02:15 Posted: Jun 2008
Views 243,604 | Comments 57
19:52 Posted: Mar 2011
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