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Ich beginne meinen Vortrag mit einem Gedicht. Oh, geliebter Zahnarzt, Deine begummihandschuhten Finger in meinem Mund... deine Stimme so leise und gedämpft... Lass die Maske runter, lieber Zahnarzt, Lass die Maske runter.
In meiner Präsentation werde ich Ihre rechte Gehirnhälfte durch ein wirklich anstrengendes Trainingsprogramm führen. Sie werden viele Abbildungen sehen, die nicht immer in Verbindung stehen mit dem, was ich gerade erzähle. So müssen Sie ihr Gehirn halbieren, lassen Sie die Abbildungen über die eine Seite laufen, und hören Sie mir mit der anderen zu. Ich bin eine von den Personen mit einer persönlichen Entwicklungsgeschichte. Vor sechs Jahren, nach 20 Jahren Grafik-Design und Typographie, habe ich meine Arbeitsweise, und die der meisten anderen Grafikdesigner, zu einer viel persönlicheren Arbeitsweise geändert, ausgehend von dem einfachen Versuch, einfach mein Auskommen zu finden mit einer Arbeit, die ich liebe. Aber etwas Ungewöhnliches geschah. Ich wurde unerwartet populär. Meine gegenwärtige Arbeit scheint eine Resonanz in Menschen zu finden. Das hat mich irgendwie total überrascht dass ich mich manchmal immer noch frage, was da eigentlich los ist... Und langsame verstehe ich, dass die Beliebtheit meiner Arbeit mit meiner Arbeitsmotivation zu tun hat.
Heutzutage nenne ich mich Kunst-Grafikerin. In der Vergangenheit folgte meine Arbeit als Grafikerin einer Strategie. Jetzt folgt sie meinem Herzen und meinen Interessen unter der Führung meines Egos, um eine Arbeit zu schaffen, die gleichzeitig mir und meinem Klienten dient. Nun, das ist Ketzerei In der Designwelt. Das Ego sollte nicht am Grafikdesign beteiligt sein. Aber ich habe eines herausgefunden: Für mich gilt ohne Ausnahme, je mehr ich die Arbeit als etwas zu mir Gehörendes ansehe, als etwas Persönliches, umso erfolgreicher ist sie, als etwas Unwiderstehliches, Interessantes und Nachhaltiges. So exustiere ich etwas außerhalb des Mainstreams des Designdenkens. Wenn andere mehr auf messbare Resultate achten, neige ich mehr dazu, innere Qualitäten zu beachten. Zum Beispiel: Macht es Spaß? Ermöglicht es das Erfahren von Wunder? Macht es neugierig?
Dies nun ist ein wissenschaftliches Diagramm Ich habe jetzt nicht die Zeit, es zu erklären, aber es hat mit DNA und RNA zu tun. Ich habe eine ganz bestimmte fantasievolle Herangehensweise zu visueller Arbeit. Was mich am meisten bei der Arbeit interessiert, sind visuelle Strukturen, Überraschungen, und alles, was ein Rätsel darstellt. Aus diesem Grund bin ich besonders an Systemen und Anordungen interessiert. Ich gebe Ihnen jetzt ein paar Beispiele dafür, wie mein Gehirn arbeitet.
Diese Arbeit habe ich für dn Guardian in Großbritannien gemacht. Es gibt dort ein Magazin namens G2. Und das eine Arbeit für ihr Spezialpuzzle im Jahr 2007. Und es ist nennt sich mit Recht Puzzle. Ich begann mit einer Serie von Modulen. Und diese Module wurden speziell dafür geschaffen, dass sie Teile von Buchstabenformen enthalten, sodass ich diese zusammenfügen konnte, um Buchstaben und Wörter innerhalb eines abstrakten Musters zu formen. Aber gleichzeitig konnte ich sie auch umdrehen, rotieren, und sie auf unterschiedliche Weisen miteinander kombinieren, um entweder ein regelmäßiges oder ein abstraktes Muster zu erschaffen. Hier ist das Wordpuzzle wieder. Und hier ist es in einer abstrakten Umgebung. Und wie deutlich wird, ist es sehr schwierig zu lesen. Aber alles, was nötig ist, ist, bestimmte Gebiete dieser Buchstabenformen auszufüllen und so kann ich die Wörter Dem Hintergrund deutlich machen. Aber vielleicht ist das etwas zu offensichtlich. Anschließend bringe ich Farbe in den Hintergrund ein und gleichzeitig färbe ich die Wörter selbst noch mal ein. Auf diese Weise, in Zusammenarbeit mit dem Art Director, war ich fähig, es genau zu dem Punkt zu bringen dass es eine Herausforderung für die Leser darstellt -- es ist herauszufinden, dass es hier etwas zu lesen gibt, es ist schwierig, aber nicht unmöglich.
Ich arbeite auch gerne mit ungewöhnlichen Materialien. Oder mit gewöhnlichen Materialien auf ungewöhnliche Arten. Ich muss herausfinden, wie ich das beste aus den zugrundeliegenden Eigenschaften der Materialien herausholen kann und wie ich sie nach meinen Vorstellungen formen kann. Mein eigentliches Ziel ist es, etwas Unerwartetes zu schaffen. Als Beispiel hierfür begann ich mit Zucker zu arbeiten, für Stefan Sagmeister, dreimaliger TED-Referent. Und dieses Projekt begann im Grunde auf meinem Küchentisch. Ich esse schon immer Müesli zum Frühstück - mein ganzes Leben. Und genauso lange schütte ich schon Zucker auf den Tisch und spiele mit meinen Fingern darin herum. Und irgendwann habe ich diese Technik benutzt, um ein Kunstwerk herzustellen. Und dann habe ich die Technik eingesetzt, um sechs Arbeiten für Stefans’s Buch zu fertigen: "Things in My Life I've Learned So Far." Und diese wurden ganz ohne Entwürfe, freihändig, geschaffen, indem ich den Zucker auf eine weiße Fläche schüttete und ihn solange hin- und herbewegte, bis die Wörter und Designs entstanden. Kürzlich habe ich einige ziemlich anspruchsvolle barocke Bordüren aus anspruchslosen Nudeln geschaffen. Und das hier ist für ein Kapitel in einem Buch, und das ist das Kapitel über Ehre. Es ist ein bisschen ungewöhnlich, aber auf eine Art bezieht es sich auf die Maccaroni-Kunst, die Kinder für ihre Eltern machen, oder die sie in der Schule machen und ihren Eltern geben, was auch ein Ausdruck von Ehre ist. Das kann man mit einfacher Küchenalufolie machen Okay, das kann ich mit Küchenalufolie machen.
Ich interessiere mich sehr für Wunder, ich sehe Design als einen Anstoß, Fragen zu stellen. Wenn man sagt "Ich frage mich", sagt man auch "Ich frage". Und wenn man sich Fragen stellt, erfährt man Ehrfurcht. Im Moment arbeite ich also an einem Buch, das mit beiden Bedeutungen des Wortes arbeitet während ich so einigen meiner Ideen und Fragen nachforsche. in einer visuellen Darstellung von eher Pfauen-ähnlicher Pracht. Die Welt ist voller Wunder und Fragen, aber die Welt des Grafikdesigns zum größten Teil nicht. Also verwende ich meine eigenen Aufzeichnungen als eine Art Testboden für ein Buch, das eine Wechselbeziehung zwischen Wort und Abbild als eine Art verführerische Kraft herstellt. Ich denke, dass eine Sache, die Religionen richtig hinbekommen haben, die Anwendung des visuellen Wunders war, um eine Botschaft zu verkünden. Ich glaube die echte Verbindung zwischen Kunst und Information wird in der Erwachsenenliteratur beklagenswert wenig eingesetzt. Und ich bin verwundert darüber, warum der visuelle Reichtum nicht mehr benutzt wird, um den intellektuellen Reichtum aufzuwerten. Wenn wir uns Werke wie dieses ansehen, tendieren wir dazu es mit Kinderliteratur zu assozieren. Es gibt eine Schlussfolgerung, dass Schmuckgrafik von der Ernsthaftigkeit des Inhaltes ablenkt. Aber ich hoffe, ich habe die Gelegenheit, diese Auffassung zu verändern. Dieses Buch braucht eine lange Zeit Aber ich bin fast fertig.
Irgendwie dachte ich, es wäre eine gute Idee eine Pause in meinen Vortrag einzulegen. Und jetzt ist es soweit - lassen Sie sich und mir einen Moment Zeit um Luft zu holen.
Ich mache also diese Valentinskarten. Ich versende seit 2005 in größerem Umfang Valentinskarten. Dies sind meine Valentinskarten aus den Jahren 2005 und 2006. Und ich fing an mit einem einzelnen Bild wie dieses hier, und schickte sie zu jeder einzelnen Person. Aber 2007 Hatte ich die verrückte Idee, eine hand-gezeichnete Karte für jeden in meinem Adressbuch zu machen. Ich reduzierte die Empfänger auf 150 Leute. Und ich zeichnete für jede Person ihre eigene besondere Karte und schrieb ihren Namen darauf, nummerierte sie und verschickte sie. Sie können mir glauben oder nicht, ursprünglich wollte ich damit Zeit sparen. Ich war sehr beschäftigt am Anfang des Jahres und wusste nicht, wie ich die Zeit finden könnte, auch nur eine einzige Karte zu entwerfen und zu verschicken. Und ich dachte mir, so ich könne das Stück-für-Stück machen während ich unterwegs war. Ganz so hat es dann doch nicht geklappt. Da gibt es noch eine längere Geschichte dazu aber ich habe sie alle rechtzeitig fertig bekommen. Und sie waren alle heiß begehrt. Ich hatte eine fast 100% Antwortrate. Gelächter Und die mir nicht antworteten werden auch niemals wieder etwas von mir bekommen.
Letztes Jahr entschied ich mich für eine eher konzeptionelle Herangehensweise. Ich hatte diese Idee, eine Art mysteriösen Liebesbrief zu verschicken. Wie eine Fragment, das sie in ihrem Briefkasten finden. Es sollte etwas sein, was nicht an sie adressiert war, oder von mir unterschrieben, etwas, das sie nachdenklich machen würde, was in aller Welt das denn sei. Und ich habe darauf geachtet, vier Seiten zu verfassen, die nicht miteinander in Verbindung standen. Es gab vier verschiedene Versionen davon. Und ich schrieb sie so, dass sie in der Mitte eines Satzes anfingen, und in der Mitte eines Satzes aufhörten. Und sie sind auf der einen Seite universell: ich vermeide präzise Namen und Orte, aber auf der anderen Seite sind sie auch sehr persönlich. Ich wollte, dass die Menschen wirklich den Eindruck hatten, dass sie etwas bekamen, was ein Liebesbrief an sie hätte sein können. Und ich werde Ihnen jetzt einen davon vorlesen:
"…du warst dir niemals sicher, aber ich kann dir versichern, dass deine Marotte, wegen der du immer so unsicher warst, äußerst liebenswert ist. Bitte nimm es an, dieser Teil von dir verflüchtigt sich mit deinem Lächeln. Und die von uns, die es sehen, sind froh, es mitzubekommen. Die Zeit mit dir ist wie kleinen Vögeln nachzujagen und zu fangen, aber ohne die Kratzer und die Vogelscheiße." Gelächter. Mit anderen Worten deine Gedanken fliegen hierhin und dorthin, manchmal beunruhigend unverständlich, aber wenn man doch versteht und näher betrachtet -- oh, welch ein Wunder. Welch köstliche Belohnung. Die Zeit scheint still zu stehen mit dir, sie ist nur Sammeln -- das Sammeln der Momente mit der Hoffnung auf Bewahrung, und gleichzeitig das Loslassen. Unmöglich? Ich glaube nicht. Ich weiß, das beschämt dich jetzt. Ich bin mir sicher, ich kann sehen, wie du errötest. Aber ich musste es dir einfach sagen, manchmal höre ich deine Selbstzweifel, und es ist so schrecklich zu denken, dass du vielleicht nicht weißt, wie wunderbar du tatsächlich bist. wie inspirierend und entzückend, und wirklich, ehrlich die vollkommenste…"
Also, der Valentinstag... kommt in einigen Tagen wieder. Und die Karten landen in Briefkästen auf der ganzen Welt. Dieses Jahr werde ich, und ich muss einfach sagen, es ist eine brillante Idee, Laserschnittkarten, ich werde also Laserschnittkarten herstellen, aus gebrauchten Weihnachtskarten. Ich bat also Freunde, mir ihre gebrauchten Weihnachtskarten zu schicken. Und ich machte 500 davon. Jede ist ein Unikat, Ich bin selbst ganz begeistert davon. Ich habe nicht viel mehr zu sagen, außer dass sie wirklich Klasse geworden sind.
Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Arbeit und eines der Dinge, die mich in letzter Zeit beschäftigen, Ist die Frage, was mir wirklich wichtig ist. Womit will ich meine Zeit, womit mein Leben verbringen? Beim Arbeiten in der Werbebranche bin ich oft mit dieser Fragestellung konfrontiert. Und ja, manchmal ist das Geld ein Einfluss. Aber am Ende ist das nicht, was ich als wertvoll erachte. Was etwas wertvoll für mich macht, sind die Menschen, mit denen und für die ich arbeite, die Bedingungen, unter denen ich arbeite, und die Zielgruppen, die ich erreichen kann. Also frage ich mich: Für wen das alles? Was sagt es aus? Was bewirkt es?
Wissen Sie, es ist wirklich schwer für jemanden wie mich, hier auf dieser Konferenz mit diesen unglaublich brillanten Köpfen auf der Bühne zu stehen, die immer das große Ganze sehen, in weltverändernden, lebensverändernden Ideen und Technologien denken. Und es ist sehr, sehr verbreitet für Designer und Menschen in der visuellen Kunst, zu denken, dass wir nicht genug beitragen. Oder schlimmer noch, dass alles, was wir tun, die Mülldeponien füllt. Hier bin ich, und ich zeige Ihnen schöne Bilder, und ich rede über Ästhetik. Aber ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass wirklich fantasievolle Kunst äußerst wichtig ist für die gesamte Gesellschaft.
So wie ich inspiriert bin, von Büchern und Zeitschriften aller Art, von Gesprächen, ich führe und Filmen, so denke ich auch, wenn ich visuelle Arbeiten in die Massenmedien einspeise, interessante, ungewöhnliche, verblüffende Arbeiten, Arbeiten die vielleicht dieses Gespür wecken können einen wachen Verstand zu haben. Ich säe Samen in die Vorstellungskraft der Menschen. Und man weiß nie, wer etwas davon mitnehmen kann, und es in etwas anderes verwandelt. Weil sich Inspiration gegenseitig befruchtet. So kann eine Arbeit von mir vielleicht einen Dramatiker inspirieren, einen Schriftsteller oder Wissenschaftler, und dies wiederum kann der Samen der Inspiration für einen Arzt, einen Philanthropen, oder einen Babysitter sein. Und das ist nicht etwas Quantifizierbares, Etwas nachweis- oder messbares. Was nicht messbar ist in unserer Gesellschaft, wird gering geschätzt.
Aber ich bin davon überzeugt, dass eine voll funktionsfähige, reiche Gesellschaft diese Samen aus allen Richtungen und allen Disziplinen braucht, um das Getriebe der Inspiration in Gang und die Vorstellungskraft im Fluss und am Wachsen zu halten. Dies ist der Grund, warum ich tue, was ich tue. und warum ich so viel Zeit und Mühe darauf verwende, und warum ich in der Geschäftswelt und im öffentlichen Sektor arbeite, und nicht in der isolierten, privaten Welt der Kunst. Ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich meine Arbeit sehen, sie wahrnehmen, von ihr angezogen werden und etwas davon mitnehmen können. Und ich bin davon überzeugt, dass es ersterbenswert ist, meine wertvolle und begrenzte Lebenszeit auf dieser Erde genau damit zuzubringen. Und danke, dass ich Ihnen das zeigen durfte.
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Seine Individualität in ein graphischen Design-Projekt einzubringen kommt Ketzerei gleich, sagt Marian Bantjes. Aber gerade dadurch hat sie ihre Karriere aufgebaut, indem sie ihre Signatur von filigraner Illustration auf die Schaufenster der Geschäftswelt, auf Valentinskarten und sogar auf ein Gen-Diagramm brachte.
At the intersection of word and form, Marian Bantjes makes her art. Full bio »
Translated into German by Jutta Pflugmacher
Reviewed by Judith Matz
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15:30 Posted: Apr 2007
Views 629,533 | Comments 62
12:41 Posted: Mar 2009
Views 462,136 | Comments 31
18:09 Posted: Dec 2008
Views 229,952 | Comments 48
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