Okay, ich werde Ihnen wieder etwas über unsere Ernährung zeigen. Und ich würde gerne wissen, was für ein das Publikum ist. Also, wer von Ihnen hat jemals Insekten gegessen? Das sind ziemlich viele. (Gelächter) Dennoch repräsentieren Sie nicht die gesamte Weltbevölkerung. (Gelächter) Weil es 80 Prozent da draussen gibt, die wirklich Insekten essen. Aber das ist ziemlich gut.
Warum nicht Insekten essen? Also zuerst einmal, was sind Insekten? Insekten sind Tiere, die auf sechs Beinen herumlaufen. Und hier sehen Sie nur eine Auswahl. Es gibt sechs Millionen Insektenarten auf diesem Planeten, sechs Millionen Arten. Es gibt ein paar hundert Säugetierarten -- sechs Millionen Insektenarten. Genau genommen, falls wir alle einzelnen Organismen zählten, würden wir zu viel höheren Zahlen kommen. Genau genommen, von allen Tieren auf der Erde, von allen Tierarten, laufen 80 Prozent auf sechs Beinen. Aber wenn wir alle einzeln zählen könnten, und wir ein Durchschnittsgewicht von ihnen nehmen würden, würde es in etwa 200 bis 2000 kg betragen, für jeden von Ihnen und mich auf der Erde. Das bedeutet, dass bezogen auf die Biomasse, Insekten viel häufiger als wir sind. Und wir sind nicht auf einem Planet des Menschen, sondern auf einem Planet von Insekten. Insekten sind nicht nur in der Natur vorhanden, sondern auch in in unsere Wirtschaft involviert, häufig ohne dass wir es wissen.
Es gab eine Schätzung, eine vorsichtige Schätzung vor ein paar Jahren, dass die US-amerikanische Wirtschaft von 57 Milliarden Dollar pro Jahr profitierte. Es ist eine Nummer --eine sehr große-- ein kostenloser Beitrag zur Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Also schaute ich nach, was die Wirtschaft im selben Jahr für den Irakkrieg bezahlte. Das waren 80 Milliarden U.S. Dollar. Also, wir wissen, dass das kein billiger Krieg war. Also tragen Insekten kostenlos in der selben Größenordnung zur Wirtschaft der Vereinigten Staaten bei, ohne dass es jeder weiß. Und das nicht nur in den Staaten, sondern in jedem Land, in jeder Wirtschaft.
Was machen sie? Sie beseitigen Dung, sie bestäuben unsere Nutzpflanzen. Ein Drittel aller Früchte, die wir essen sind ein Ergebnis von Insekten, die sich um die Reproduktion unserer Früchte kümmern. Sie regulieren Schädlinge. Und sie sind Futter für Tiere. Sie stehen am Anfang von Nahrungsketten. Kleine Tiere essen Insekten. Gerade so größere Tiere essen Insekten. Aber die kleinen Tiere, die Insekten essen, werden von größeren Tieren gefressen, noch größeren Tieren. Und am Ende der Nahrungskette essen wir sie auch. Es gibt ziemlich viele Menschen, die Insekten essen. Und hier sieht man mich in einer kleinen, provinziellen Stadt in China, Lijiang -- sie hat ungefähr zwei Millionen Einwohner. Wenn Sie zum Abendessen ausgehen, können Sie, wie in einem Fischrestaurant, wo man Fisch auswählen kann, auswählen, welche Insekten Sie essen wollen. Und die werden dort wundervoll zubereitet. Hier sehen Sie mich, wie ich eine Mahlzeit mit Raupen, Heuschrecken, Bienen, also Delikatessen genieße. Und man kann jeden Tag etwas Neues essen. Es gibt mehr als 1000 Insektenarten, die weltweit verzehrt werden. Das ist schon ein bisschen mehr als die paar Säugetiere, die wir essen, wie eine Kuh oder ein Schwein oder ein Schaf. Mehr als 1000 Arten -- eine enorme Vielfalt. Und jetzt denken Sie vielleicht, okay, in dieser kleinen chinesischen Stadt machen die das, aber nicht wir.
Nun ja, wir haben ja schon gesehen, dass schon ein paar von Ihnen, vielleicht gelegentlich, Insekten gegessen haben. Aber ich kann Ihnen sagen, dass jeder von Ihnen Insekten isst, ohne jede Ausnahme. Sie essen mindestens 500 Gramm pro Jahr. Was essen Sie? Tomatensuppe, Erdnussbutter, Schokolade, Nudeln -- jedes verarbeitete Lebensmittel, das Sie essen, beinhaltet Insekten, weil Insekten überall um uns herum existieren, und wenn sie draußen in der Natur sind, sind sie auch in unseren Nutzpflanzen. Manche Früchte nehmen Schaden an Insekten. Das sind die Früchte, falls es Tomaten sind, die in unsere Tomatensuppe gehen. Falls sie ohne Schäden sind, gehen sie ins Lebensmittelgeschäft. Und das ist, was Sie von einer Tomate sehen. Aber es gibt Tomaten, die in einer Suppe enden. Und solange sie die Voraussetzungen der Lebensmittelbehörden erfüllen, können da alle möglichen Dinge drin sein, kein Problem. Warum tun wir eigentlich überhaupt diese Bälle in die Suppe, es ist doch sowieso schon Fleisch drin? (Gelächter) Tatsächlich enthalten alle unsere verarbeiteten Lebensmittel mehr Proteine als wir uns bewusst sind. Also ist alles sowieso schon eine Protein Quelle.
Jetzt mögen Sie sagen, „Okay, also essen wir durch Zufall 500 Gramm.“ Wir tun es sogar absichtlich in vielen Lebensmitteln, die wir zu uns nehmen. Ich habe hier nur zwei Lebensmittel auf der Folie -- pinke Kekse oder Surimistäbchen, oder meinetwegen Campari. Eine Menge unserer roten Lebensmittel sind mit einem natürlichen Farbstoff gefärbt. Die Surimistäbchen sind Krabbenfleisch, oder werden als Krabbenfleisch verkauft, sind aber weißer Fisch, der mit Cochenille gefärbt wurde. Cochenille ist das Produkt eines Insekts, dass sich von Kakteen ernährt. Es wird in großen Mengen produziert, 150 bis 180 Metertonnen pro Jahr, auf den Kanaren, in Peru, und es ist ein großes Geschäft. Ein Gramm Cochenille kostet ungefähr 30 Euro. Ein Gramm Gold kostet 30 Euro. Also ist es eine sehr wertvolle Sache, mit der wir unsere Lebensmittel färben.
Nun wird sich allerdings die Situation auf der Welt verändern, für Sie und mich, für jeden auf dieser Erde. Die Menschheit wächst sehr schnell und exponentiell. Während wir im Moment ungefähr zwischen sechs und sieben Milliarden Menschen sind, werden wir auf ungefähr neun Milliarden im Jahr 2050 wachsen. Das heißt, dass wir eine Menge Mäuler mehr zu füttern haben. Und das ist etwas, dass mehr und mehr Menschen beunruhigt. Es gab eine FAO Konferenz letzten Oktober, die dem komplett gewidmet war. Wie werden wir diese Welt ernähren? Und wenn Sie die Zahlen da oben anschauen, sehen Sie, dass wir ein Drittel mehr Münder füttern müssen, aber wir die landwirtschaftliche Produktion um 70 Prozent erhöhen müssen. Und das vor allem, weil diese Weltbevölkerung wächst, und sie wächst, nicht nur in Zahlen, sondern wir sind außerdem reicher, und jeder, der reicher ist, beginnt mehr zu essen und beginnt außerdem mehr Fleisch zu essen. Und Fleisch ist eigentlich etwas, das uns eine Menge unserer landwirtschaftlichen Produktion kostet.
Unsere Ernährung besteht zu manchen Teilen aus tierischen Proteinen, und im Moment kriegen sie die meisten von uns hier von Vieh, aus Fischen, von Wild. Und wir essen ganz schön viel davon. In der entwickelten Welt sind es durchschnittlich 80 kg pro Person, pro Jahr, was bis zu 120 kg in den USA beträgt und ein bisschen weniger in manchen anderen Ländern, aber durchschnittlich 80 kg pro Person, pro Jahr. In den Entwicklungsländern ist es viel weniger. Es beträgt 25 kg pro Person, pro Jahr. Aber es steigt immens. In den letzten 20 Jahren in China ist es von 20 kg auf 50 kg gestiegen und es steigt immer noch. Also, falls ein Drittel der Weltbevölkerung seinen Fleischbedarf von 25 kg auf 80 kg durchschnittlich erhöht, und ein Drittel der Weltbevölkerung in China und Indien lebt, haben wir eine ungeheure Nachfrage nach Fleisch. Und natürlich können wir nicht sagen, es ist nur für uns, und nicht für sie. Die haben den selben Anteil wie wir.
Um nun anzufangen, sollte ich sagen, dass wir bei weitem zu viel Fleisch in der westlichen Welt essen. Wir könnten mit viel, viel weniger auskommen -- und ich weiß das, weil ich ein nun schon seit langer Zeit Vegetarier bin. Und man kann mühelos ohne jegliches Fleisch auskommen. Man kriegt Proteine sowieso aus jeder Art von Lebensmitteln. Und dann gibt es eine Menge Probleme, die mit der Fleischproduktion zusammenhängen und wir stehen ihnen immer häufiger gegenüber. Das erste Problem, vor dem wir stehen, ist die Gesundheit des Menschen. Schweine sind fast so, wie wir. Sie sind sogar Modelle in der Medizin. Und wir können sogar Organe eines Schweins zu einem Menschen transplantieren. Das heißt, dass Schweine auch Krankheiten mit uns teilen. Und eine Schweinekrankheit, ein Schweinevirus, und ein menschlicher Virus kann sich unter beiden ausbreiten. Und wegen ihrer Art von Reproduktion können sie sich kombinieren und einen neuen Virus hervorbringen. Das ist in den 1990ern in den Niederlanden passiert während die klassische Schweinepest ausbrach. Man erhält eine neue Krankheit, die tödlich sein kann. Wir essen Insekten -- die sind so entfernt mit uns verwandt, dass dies nicht passiert. Das ist also ein Punkt für Insekten.
Außerdem gibt es den Faktor der Umwandlung. Nimmt man 10 kg Futter, kann man ein Kilogramm Rindfleisch kriegen, aber man kann neun Kilogramm Heuschreckenfleisch kriegen. Wären Sie also ein Unternehmer, was würden Sie tun? Mit 10 kg Einsatz kann man entweder ein oder neun Kilogramm Ertrag kriegen. Bis jetzt entscheiden wir uns für das eine, oder bis zu fünf Kilogramm Ertrag. Wir nehmen noch nicht den Bonus. Wir nehmen noch nicht die neun Kilogramm Ertrag. Das sind also zwei Punkte für Insekten.
Und da wäre die Umwelt. Falls wir 10 kg Futter nehmen -- (Gelächter) und ein Kilogramm Rindfleisch herauskommen, sind die anderen neun Kilogramm Verschwendung, und eine Menge davon ist Dung. Falls man Insekten produziert, hat man weniger Dung pro Kilogramm Fleisch, das man produziert. Also weniger Verschwendung. Darüber hinaus hat man pro Kilogramm Dung viel weniger Amoniak und weniger Treibhausgase wenn man Insektendung hat und nicht Kuhdung. Also verschwendet man weniger, und das, was man verschwendet, ist nicht so schädlich für die Umwelt wie Kuhdung es ist. Das sind also drei Punkte für Insekten.
Natürlich ist das Wort "ob" entscheidend, und zwar ob Insektenfleisch qualitativ gut ist. Nun ja, es gab alle möglichen Arten der Analyse und bezogen auf Proteine, oder Fett, oder Vitamine, ist es sehr gut. Tatsächlich ist es mit allem vergleichbar, was wir im Moment essen. Und sogar in puncto Kalorien ist es sehr gut. Ein Kilogramm Heuschrecken hat die selbe Menge Kalorien wie 10 Hotdogs oder sechs Big Macs. Das sind also vier Punkte für Insekten.
Ich kann weitermachen und ich könnte noch viele weitere Punkte für Insekten erringen, aber die Zeit ermöglicht es mir nicht. Die Frage ist also, warum essen wir keine Insekten? Ich habe Ihnen mindestens vier Argumente dafür gegeben. Wir werden es müssen. Selbst wenn Sie es nicht mögen, Sie werden sich daran gewöhnen müssen. Denn im Moment werden 70 Prozent unserer landwirtschaftlichen Fläche für die Viehhaltung benutzt. Das ist nicht nur Fäche wo sich das Vieh bewegt und gefüttert wird sondern das sind auch andere Orte, wo das Futter produziert und transportiert wird. Wir können sie ein bisschen auf Kosten von Regenwäldern erhöhen, aber es wird schon bald eine Begrenzung geben. Und falls Sie sich erinnern, dass wir unsere landwirtschaftliche Produktion um 70 Prozent erhöhen müssen, werden wir es auf diese Weise nicht schaffen. Wir könnten es viel besser, von Fleisch, von Rindfleisch zu Insekten. Und außerdem essen 80 Prozent der Welt schon Insekten, also sind wir nur eine Minderheit -- in einem Land wie dem Vereinigten Königreich, den USA, den Niederlanden, überall. Auf der linken Seite sehen Sie einen Markt in Laos wo man alle möglichen Insektensorten, die man fürs Abendessen auswählt, in reichem Maße präsentiert. Auf der rechten Seite sehen Sie eine Heuschrecke. Menschen essen sie also nicht nur weil sie hungrig sind, sondern weil sie denken, dass sie eine Delikatesse sind. Es ist einfach sehr gute Nahrung. Man kann enorm variieren. Es hat viele Vorteile.
Eigentlich haben wir Delikatessen, die dieser Heuschrecke sehr ähnlich sind: Garnelen, eine Delikatesse, die zu hohen Preisen verkauft wird. Wer würde nicht auch gerne eine Garnele essen? Es gibt nur wenige Menschen, die keine Garnelen mögen, aber Garnelen, Krabben, oder Krebse sind sehr nah verwandt. Sie sind Delikatessen. Eigentlich ist eine Heuschrecke eine Garnele zu Land und sie würde sehr gut in unsere Ernährung passen. Also warum essen wir Insekten noch nicht? Nun ja, das ist nur eine Frage der Einstellung. Wir sind nicht daran gewöhnt und wir sehen Insekten als diese Lebewesen, die sich so sehr von uns unterscheiden. Das ist der Grund, warum wir die Auffassung von Insekten ändern. Und ich arbeite sehr hart, zusammen mit meinem Kollegen, Arnold van Huis, indem ich Menschen erzähle, was Insekten sind, was für großartige Dinger sie sind, was für hervorragende Arbeit sie in der Natur verrichten. Und tatsächlich, ohne Insekten wären wir nicht hier in diesem Raum. Denn falls die Insekten aussterben, werden wir auch bald aussterben. Falls wir aussterben, werden die Insekten fröhlich weiterbestehen.
Also müssen wir uns an den Gedanken gewöhen, Insekten zu essen. Und man mag denken, naja die sind noch gar nicht erhältlich. Nun ja, sind sind es. Es gibt Unternehmer in den Niederlanden, die sie herstellen und einer von denen ist hier unter den Zuschauern, Marian Peeters, die auf dem Bild ist. Ich prophezeie, dass Sie sie noch dieses Jahr im Supermarkt bekommen -- nicht sichtbar, aber als tierisches Protein in der Nahrung. Und 2020 werden Sie sie vielleicht mit dem Wissen kaufen, dass das ein Insekt ist, das Sie da essen werden. Und sie werden auf wunderbarste Weise zubereitet. Ein niederländischer Chocolatier. (Musik) (Applaus) Da ist sogar viel Design dabei.
Also in den Niederlanden haben wir eine innovativen Landwirtschaftsministerin und sie setzt die Insekten auf die Speisekarte in ihrem Restaurant, in ihrem Ministerium. Und als alle Landwirtschaftsminister der EU neulich in Den Haag waren, gingen sie zu einem hochklassigen Restaurant und aßen alle zusammen Insekten. Es ist nicht eines meiner Hobbys. Es ist wirklich aus dem Nichts gekommen. Also, warum nicht Insekten essen? Sie sollten es selbst probieren. Vor ein paar Jahren kamen 1750 Menschen auf einem Platz in Wageningen zusammen und sie alle aßen Insekten im selben Moment, was noch eine große Neuigkeit war. Ich denke, dass es bald keine große Neuigkeit mehr sein wird, wenn wir alle Insekten essen, weil es einfach eine normale Art und Weise ist.
Sie können es heute also selber probieren und ich wünsche guten Appetit. Und ich präsentiere Bruno ein paar erste Kostproben, und er kann den ersten Bissen haben.
Bruno Giussani: Schau sie dir erst an. Schau sie dir erst an.
BG: Das ist tatsächlich exakt das gleiche, das Sie in dem Video gesehen haben. Und es sieht köstlich aus. Die bereiten es mit Nüssen oder sowas zu.
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Marcel Dicke liefert appetitanregende Argumente, Insekten zu jedermanns Ernährung hinzuzufügen. Seine Nachricht an penible Chefköche und Feinschmecker: Delikatessen, wie Heuschrecken und Raupen, können sich mit Fleisch in puncto Geschmack, ausgewogener Ernährung und Umweltfreundlichkeit messen.
Marcel Dicke wants us to reconsider our relationship with insects, promoting bugs as a tasty -- and ecologically sound -- alternative to meat in an increasingly hungry world. Full bio »
Translated into German by Tilman Imm
Reviewed by Alex Boos
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19:02 Posted: Mar 2010
Views 819,167 | Comments 260
13:50 Posted: Oct 2010
Views 459,087 | Comments 921
16:25 Posted: Apr 2007
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