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Es ist schon ein bisschen komisch, auf einer Konferenz zu sein, die "unsichtbaren" Dingen gewidmet ist, und meinen Vorschlag vorzustellen, eine 6.000 km lange Mauer quer durch den gesamten Afrikanischen Kontinent zu bauen. Mit einer Größe von der chinesischen Mauer wäre das nicht gerade ein unsichtbares Gebilde. Dennoch besteht es aus Teilen, die unsichtbar bzw. für das bloße Auge beinahe unsichtbar sind: Bakterien und Sandkörner.
Als Architekten werden wir ausgebildet, um Probleme zu lösen. Ich glaube aber eigentlich nicht an architektonische Probleme; ich glaube nur an Möglichkeiten. Was ich Ihnen zeigen werde, ist eine Bedrohung und die architektonische Antwort darauf. Die Bedrohung heißt Wüstenbildung. Meine Antwort darauf ist eine sandsteinerne Mauer aus durch Bakterien verhärtetem Sand, die sich durch die Wüste erstreckt.
Sand ist ein magisches Material voll schöner Widersprüche. Es ist einfach und komplex. Es ist friedlich und gewalttätig. Es ist immer das Gleiche, niemals das Selbe, endlos faszinierend. Jede Sekunde entstehen eine Milliarde Sandkörner. Das ist ein zyklischer Prozess. Wenn Felsen und Berge sterben, werden Sandkörner geboren. Manche dieser Körner verfestigen sich auf natürliche Weise zu Sandstein. Wenn der Sandstein verwittert, werden neue Körner freigesetzt. Manche dieser Körner sammeln sich dann möglicherweise in großer Zahl zu einer Sanddüne.
In gewisser Weise wird der statische, steinerne Berg, zu einem sich bewegenden Berg aus Sand. Sich bewegende Berge können aber gefährlich sein. Lassen Sie mich erklären, warum das so ist. Trockene Gebiete bedecken mehr als ein Drittel der Erdoberfläche. Manche sind bereits Wüsten; andere veröden durch den Sand ganz erheblich. Direkt südlich der Sahara befindet sich die Sahelzone. Der Name bedeutet "Rand der Wüste." Diese Region wird am häufigsten mit Wüstenbildung in Verbindung gebracht. In den späten 60ern und frühen 70ern, brachten hier größere Dürren drei Millionen Menschen, in die Abhängigkeit von Notfall-Hungerhilfe. Bis zu 250.000 Menschen starben.
Diese Katastrophe wird wieder passieren. Und es ist eine, die wenig Aufmerksamkeit bekommt. In unserer beschleunigten Mediengesellschaft, ist die Wüstenbildung einfach zu langsam, um in die Schlagzeilen zu kommen. Es ist nicht wie ein Tsunami oder Katrina: Zu wenige weinende Kinder und zerstörte Häuser. Trotzdem ist Wüstenbildung auf allen Kontinenten eine große Gefahr. Sie betrifft etwa 110 Länder und etwa 70 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Trockengebiete.
Sie bedroht ernsthaft die Existenzgrundlage von Millionen von Menschen, vor allem in Afrika und China. Es ist ein Problem, das wir hauptsächlich selbst verursacht haben, durch den verantwortungslosen Verbrauch knapper Rohstoffe. Wir bekommen also den Klimawandel. Wir bekommen Dürren, zunehmende Wüstenbildung, zusammenbrechende Ernährungssysteme, Wasserknappheit, Hungersnöte, erzwungene Migration, politische Instabilität, Krieg, Krisen. All das kann passieren, wenn wir das Problem nicht ernst nehmen. Aber wie ernst ist es eigentlich?
Ich war in Sokoto, im Norden Nigerias, um herauszufinden, wie ernst es ist. Die Dünen bewegen sich hier südwärts mit einer Geschwindigkeit von 600 Metern im Jahr. Das bedeutet, die Sahara verschlingt beinahe einen Meter urbaren Landes pro Tag, und vertreibt Menschen aus ihren Häusern. Hier bin ich, der zweite von links, (Lachen) mit den Ältesten in Gidan-Kara, einem kleinen Dorf außerhalb von Sokoto.
Sie mussten das Dorf 1987 verlegen, da eine riesige Düne es zu verschlucken drohte. Sie verlegten also das gesamte Dorf, Hütte um Hütte. Da war früher das Dorf. Es dauerte etwa 10 Minuten, um auf die Spitze der Düne zu klettern. Das zeigt, warum sie an einen sichereren Ort ziehen mussten. Das ist die Art von erzwungener Migration, zu der Wüstenbildung führen kann. Wenn Sie zufällig nahe der Wüste leben, können sie ziemlich genau ausrechnen, wie lange es dauern wird bis Sie Ihre Kinder wegtragen, Ihre Heimat und das Leben wie sie es kannten, verlassen müssen.
Sanddünen bedecken derzeit nur ein Fünftel unserer Wüsten. Trotzdem ist diese extreme Umgebung ein sehr guter Ort, wenn wir den sich bewegenden Sand stoppen wollen. Vor vier Jahren kamen 23 afrikanische Länder zusammen, um die Große Grüne Mauer in der Sahara zu schaffen. Ein fantastisches Projekt. Der ursprüngliche Plan sah vor, einen Gürtel von Bäumen zu pflanzen. Quer durch den afrikanischen Kontinent. Von Mauretanien im Westen bis nach Djibouti im Osten. Wenn sie eine Düne daran hindern wollen, sich zu bewegen, müssen sie dafür sorgen, dass sich die Sandkörner nicht weiter über den Gipfel wälzen können. Eine gute, die effizienteste, Art das zu machen, ist eine Art Sandfänger zu nutzen. Bäume oder Kakteen sind dafür gut geeignet. Ein Problem mit dem Pflanzen von Bäumen ist, dass die Menschen in dieser Region so arm sind, dass sie Bäume abholzen, um sie als Feuerholz zu verwenden.
Es gibt eine Alternative dazu, einfach Bäume zu pflanzen und zu hoffen, dass sie nicht abgeholzt werden. Die Sandsteinmauer, die ich vorschlage tut im Wesentlichen drei Dinge. Sie erhärtet die Oberfläche einer Düne, erhärtet die Textur der Dünenoberfläche, indem sie die Sandkörner bindet. Sie bietet den Bäumen eine stützende Struktur, und es schafft Räume, bewohnbare Räume innerhalb der Sanddüne. Wenn Menschen innerhalb des grünen Gürtels leben, können sie helfen, die Bäume vor Menschen und Naturgewalten zu schützen. In der Düne findet man Schatten. Man kann Kondenswasser sammeln und die Wüste von Innen begrünen.
Sanddünen sind gewissermaßen Fertighäuser. Wir müssen nur die losen Teile verfestigen, den Sand ausheben und schon haben wir unsere Architektur. Wir können entweder von Hand graben, oder wir können den Wind für uns graben lassen. Der Wind trägt den Sand auf die Markierung und dann den übrigen Sand für uns davon.
Aber nun werden Sie wahrscheinlich fragen, wie ich eine Sanddüne befestigen will? Wie kleben wir diese Sandkörner zusammen? Vielleicht können wir ein paar von diesen Exemplaren benutzen: Bacillus pasteurii, ein Mikroorganismus der in Feuchtgebieten und Mooren zu finden ist, tut nämlich genau das. Er nimmt einen Haufen losen Sands und macht daraus Sandstein. Diese Bilder von der Amerikanischen Gesellschaft für Mikrobiologie zeigen uns den Prozess.
Man schüttet Bacillus pasteurii auf einen Sandhaufen, und es beginnt, die Zwischenräume zwischen den Körnern auszufüllen. In einem chemischen Prozess entsteht Calcit, eine Art natürlicher Zement, der die Körner zusammenklebt. Der gesamte Zementierungsprozess dauert etwa 24 Stunden. Ich habe davon von Jason DeJong, Professor an der U.C. Davis, gehört. Er schaffte es in nur 1.400 Minuten. Hier stehe ich also und spiele den verrückten Wissenschaftler, arbeite mit den Bazillen an der UCL in London und versuche sie zu verhärten.
Wie viel würde das kosten? Ich bin alles andere als ein Ökonom, aber ich machte, ziemlich buchstäblich, eine Briefumschlag-Kalkulation – (Lachen) – und es scheint so, dass wir für einen Kubikmeter Beton etwa 90 Dollar bezahlen müssten. Und, nach den einmaligen Kosten von 60 Dollar für die Bakterien, die man niemals wieder bezahlen müsste, würde ein Kubikmeter Bakteriensand etwa 11 Dollar kosten.
Wie baut man so etwas? Ich werde Ihnen kurz zwei Möglichkeiten zeigen. Die erste ist, eine Art Ballonstruktur zu erzeugen, diese mit Bakterien zu füllen, um dann den Sand über den Ballon wandern zu lassen den Ballon zum Platzen bringen, die Bakterien im Sand zu verteilen und diesen dann zu verhärten. Dann, ein paar Jahre später, begrünen wir diesen Teil der Wüste durch Nutzung von Permakulturen.
Die zweite Möglichkeit wäre, Injektions-Pfähle zu nutzen. Wir pressen die Pfähle also durch die Düne nach unten, und schaffen eine bakterielle Anfangsoberfläche. Dann ziehen wir die Pfähle wieder durch die Düne nach oben. Wir können so beinahe jede denkbare Form innerhalb des Sandes erzeugen, mit dem Sand als Gussform. Wir haben also einen Weg, Sand in Sandstein zu verwandeln um somit bewohnbare Räume in der Wüstendüne zu schaffen.
Aber wie sollen die aussehen? Ich wurde für die architektonische Form von Tafoni inspiriert, die in etwa so aussehen. Das ist ein Modell. Das sind poröse Felsformationen, die ich in Sokoto fand. Ich verstand, dass sie, wenn ich den Maßstab vergrößerte, gute räumliche Qualitäten für Belüftung, thermischen Komfort und andere Dinge böten. Ein Teil der formalen Kontrolle über diese Struktur würde offensichtlich an die Natur verloren gehen, weil es ja eigentlich die Bakterien sind, die die Arbeit verrichten. Ich denke, dadurch entsteht eine Art unbegrenzter Schönheit. Ich denke das ist Ausdruck von etwas recht Schönem. Wir sehen das Ergebnis, die Spuren, wenn sie so wollen, der Nutzung des Bacillus pasteurii, um die Wüste zu dieser bewohnbaren Umgebung zu formen.
Manche Leute glaube, dass sich das unkontrolliert verbreiten würde und die Bakterien alles in ihrem Weg töteten. Das ist völlig falsch. Es ist ein natürlicher Prozess. Es passiert bereits in der Natur, und die Bakterien sterben, sobald wir aufhören sie zu füttern. Hier sind also – architektonische Anti-Wüstenbildungs-Strukturen, gebaut aus der Wüste selbst. Sand-stoppende Werkzeuge aus Sand. Die Welt wird am Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich ein Drittel ihres urbaren Landes verloren haben. In einer Zeit beispiellosen Bevölkerungswachstums und zunehmendem Nahrungsbedarf könnte sich das als desaströs erweisen. Und offen gestanden: Wir stecken unsere Köpfe in den Sand.
Mit diesem Entwurf möchte ich zumindest eine Diskussion anstoßen. Aber, wenn ich so etwas wie einen TED-Wunsch hätte, würde ich mir wünschen, den Bau auch auszuführen, den Bau dieser bewohnbaren Mauer beginnen, dieser sehr, sehr langen, aber schmalen Stadt in der Wüste, in der Dünenlandschaft selbst zu bauen. Es ist nicht nur etwas, dass Bäume unterstützt, sondern etwas, das Menschen und Länder verbindet. Ich möchte schließen, indem ich eine Animation des Gebildes zeige und Ihnen einen Satz von Jorge Luis Borges mitgebe.
Borges sagt, "Nichts ist auf Stein gebaut sondern alles ist auf Sand gebaut. Aber wir müssen so bauen als ob Sand Stein wäre."
Es sind noch viele Details dieser Idee genauer zu betrachten, politische, praktische, ethische, finanzielle. Mein Entwurf ist – es geht jetzt runter in den Kaninchenbau – in der wirklichen Welt mit vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten befrachtet. Aber es ist ein Anfang, eine Vision. Wie Borges gesagt hätte: Es ist der Sand. Und ich glaube, dass es jetzt wirklich an der Zeit ist ihn in Stein zu verwandeln. Ich danke Ihnen. (Applaus)
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Architekturstudent Magnus Larsson beschreibt seinen kühnen Plan, die Sahara zu bezwingen; mit Hilfe von Bakterien und einem überraschenden Baumaterial: dem Sand selbst.
Magnus Larsson hopes to build new structures in the desert -- by using bacteria to turn shifting sand into a solid mass. Full bio »
Translated into German by Simon Scheithauer
Reviewed by Veit Guenther
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Sand is a magical material of beautiful contradictions. It is simple and complex. It is peaceful and violent. It is always the same, never the same, endlessly fascinating.” (Magnus Larsson)
07:32 Posted: Oct 2009
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19:30 Posted: Aug 2006
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17:42 Posted: Aug 2009
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