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Heute möchte ich darüber sprechen, wie ich über den Nordpol schwamm, den nördlichsten Punkt der ganzen Welt. Und vielleicht beginne ich am besten mit meinem verstorbenen Vater. Er war ein großartiger Geschichtenerzähler. Er konnte eine Geschichte über ein Ereignis so erzählen, dass man sich so fühlte, als wäre man in diesem Moment wirklich dabei. Und eine Geschichte, die er mir sehr oft erzählte, als ich noch ein kleiner Junge war, war vom ersten englischen Atombombentest. Er war damals dabei und sah, wie sie explodierte.
Er erzählte, dass die Explosion so laut und das Licht so hell war, dass er sogar seine Hände vor sein Gesicht halten musste, um seine Augen zu schützen. Und er sagte, dass er dabei sogar ein Röntgenbild seiner Finger sehen konnte, weil das Licht so hell war. Und ich weiß, dass der Anblick der explodierenden Atombombe meinen verstorbenen Vater sehr, sehr tief geprägt hat. Jeden Urlaub, den ich als kleiner Junge hatte, verbrachte ich in Nationalparks. Er versuchte, mich dazu zu motivieren, die Welt zu schützen und mir einfach zu zeigen, wie zerbrechlich die Welt ist.
Er erzählte mir auch von den großen Entdeckern. Er liebte Geschichte. So erzählte er mir von Kapitän Scott, wie er den ganzen Weg zum Südpol zu Fuß ging. Und von Sir Edmund Hillary, wie er den Mount Everest bestieg. Und wenn ich recht überlege, war ich gerade sechs Jahre alt, als ich davon träumte die Polargebiete zu bereisen. Ich wollte wirklich mit aller Kraft in die Arktis. Diese Gegend hatte etwas, das mich magisch anzog. Aber gut. Manchmal dauert es eben lange, bis ein Traum wahr wird. Aber vor sieben Jahren befuhr ich die Arktis zum ersten Mal. Und es war so schön, dass ich in den letzten sieben Jahren immer wieder dort war. Ich liebe diesen Ort.
Aber ich habe auch gesehen, wie sich diese Region stärker verändert hat, als man beschreiben kann, alleine in dieser kurzen Zeitspanne. Ich habe gesehen, wie Eisbären auf sehr, sehr dünnem Eis unterwegs waren, um Futter zu suchen. Ich bin am Fuße von Gletschern geschwommen, die sehr stark geschmolzen sind und ich habe genauso jedes Jahr weniger und weniger Meereis gesehen. Und ich wollte, dass die Welt erfährt, was dort oben passiert.
In den zwei Jahren vor meinem Schwimmen schmolzen 23 Prozent der Fläche des arktischen Meereises einfach weg. Und ich wollte den Verantwortlichen dieser Welt buchstäblich "an's Jacket gehen", um ihnen verständlich zu machen, was da vor sich geht. Deshalb entschied ich mich, am nördlichsten Punkt der Welt ein symbolisches Schwimmen zu verantstalten. An einem Ort, der eigentlich komplett zugefroren sein sollte, aber momentan sehr schnell taut. Und die Botschaft war ziemlich klar: Der Klimawandel ist real und wir müssen etwas dagegen unternehmen. Und wir müssen gerade jetzt etwas dagegen unternehmen.
Gut, den Nordpol zu durchschwimmen ist keine alltägliche Angelegenheit. Nur um davon eine ungefähre Vorstellung zu bekommen. 27 Grad hat das Wasser in einem normalen Hallenbad. Heute morgen hatte das Wasser des Ärmelkanals eine Temperatur von 18 Grad. Die Passagiere, die von der Titanic fielen, fielen in Wasser mit gerade mal fünf Grad Celsius. Süßwasser gefriert bei Null. Und das Wasser am Nordpol hat Minus 1,7. Es ist arschkalt. (Gelächter) (Applaus) Bitte entschuldigen Sie, aber ich kann es nicht anders beschreiben. (Gelächter)
Ich musste also ein unglaubliches Team um mich versammeln, das mir bei dieser Aufgabe helfen sollte. Ich stellte dieses Team aus 29 Leuten aus 10 Nationen zusammen. Manche Leute glauben, Schwimmen ist ein Ein-Mann-Sport. Man springt in das Wasser und legt los. Das kann für mich nicht weiter von dem entfernt sein, wie es wirklich ist. Dann absolvierte ich eine riesige Menge an Training. Ich schwamm in Eiswasser hin und her.
Aber am wichtigsten war es, mental zu trainieren, um mich auf das Kommende vorzubereiten. Ich musste mir das Schwimmen vorstellen. Ich musste es mir vom Beginn, entlang des Weges bis zum Ende vorstellen können. Ich musste das Salzwasser in meinem Mund schmecken. Ich musste meinen Betreuer sehen, wie er mich anschreit. "Komm schon Lewis! Komm schon! Weiter! Weiter! Weiter! Nicht langsamer werden!" Und so durchschwamm ich den Nordpol in meiner Vorstellung buchstäblich hunderte und aber hundertemale.
Und nach einem Jahr des Trainings, fühlte ich mich soweit. Ich war überzeugt davon, das Schwimmen tatsächlich durchführen zu können. So buchten fünf Mitglieder des Teams mit mir eine Fahrt auf einem Eisbrecher zum Nordpol. Am vierten Tag entschieden wir dann einfach ein kurzes fünfminütiges Testschwimmen zu machen. Ich bin vorher noch nie in Wasser mit Minus 1,7 Grad geschwommen, weil es einfach unmöglich ist, das bei diesen Bedingungen zu trainieren. Dann stoppten wir das Schiff, wie man das eben macht. Wir gingen alle runter zum Eis, und ich zog meine Badesachen an und sprang in das Wasser. Nie in meinen Leben
habe ich etwas annähernd Vergleichbares gefühlt, wie in diesem Augenblick. Ich konnte nur schwer atmen. Ich schnappte nach Luft. Ich hyperventilierte sehr stark, und innerhalb weniger Sekunden waren meine Hände taub. Und so paradox es auch klingt, weil man in eiskaltem Wasser ist, aber alles brennt wie Feuer. Ich schwamm für fünf Minuten so gut es ging. Ich erinnere mich nur, wie ich versuchte aus dem Wasser herauszukommen. Ich kletterte heraus auf das Eis. Und ich erinnere mich, als ich die Schwimmbrille abnahm, an den puren Schock, als ich meine Hände ansah, weil meine Finger so stark geschwollen waren, dass sie wie Würste aussahen. Sie waren so stark geschwollen, dass ich sie nicht einmal mehr schließen konnte.
Da der Mensch zum Teil aus Wasser besteht und sich dieses Wasser beim Gefrieren ausdehnt war es tatsächlich passiert, dass die Zellen in meinen Fingern einfroren und sich dabei ausdehnten. Sie waren sogar geplatzt. Und ich befand mich in starker Todesangst. Ich hastete sofort auf das Schiff und begab mich in eine heiße Dusche.
Ich erinnere mich daran, wie ich unter der heißen Dusche stand und versuchte meine Finger aufzutauen. Ich dachte daran, dass in zwei Tagen das Schwimmen über den Nordpol stattfinden sollte. Ich versuchte mir ein Schwimmen über 20 Minuten vorzustellen, einen Kilomter lang über den Nordpol. Dieser Traum, den ich hatte, seit ich ein kleiner Junge bei meinem Vater war, verflüchtigte sich gerade. Es gab keine Möglichkeit mehr, das alles zu verwirklichen. Ich erinnere mich daran die Dusche zu verlassen und zu bemerken, dass ich meine Hände nicht einmal mehr fühlen konnte. Für einen Schwimmer ist es aber wichtig die Hände zu spüren, weil man das Wasser packen können muss, um es an sich vorbei zu ziehen.
Am nächsten Morgen wachte ich auf und war äußerst niedergeschlagen. Und das Einzige, woran ich denken konnte, war Sir Ranulph Fiennes. Für diejenigen, die ihn nicht kennen. Er ist ein großartiger englischer Forscher. Ein paar Jahre zuvor hatte er versucht, den ganzen Weg zum Nordpol auf Skiern zurückzulegen. Doch er brach durch das Eis in das Wasser. Und schon nach drei Minuten in diesem Wasser, nach nur drei Minuten in diesem Wasser, konnte er sich wieder befreien. Und seine Hände waren so schwer erfroren, dass er zurück nach England fahren musste. Er ging in das örtliche Krankenhaus, doch man sagte ihm dort: "Ran, wir haben keine Möglichkeit diese Finger noch zu retten. Wir können sie nur noch abnehmen." Und Ran entschied sich in seinen Geräteschuppen zu gehen, eine Säge zu nehmen, und es selbst zu machen.
Alles woran ich denken konnte war, wenn das Ran nach drei Minuten passiert, und ich nach fünf Minuten meine Hände nicht mehr fühle, was in aller Welt wird mir passieren, wenn ich das 20 Minuten lang mache? Im allerbesten Fall, werde ich einige Finger verlieren. An den schlimmsten Fall wollte ich gar nicht denken. So fuhren wir weiter durch das Packeis in Richtung Nordpol.
Und mein guter Freund David sah, wie ich nachdachte. Und er kam zu mir herauf und sagte: "Lewis, ich kenne dich, seit du 18 Jahre alt bist. Ich kenne dich Lewis, und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass du dieses Schwimmen machen kannst. Ich glaube wirklich an dich Lewis. Ich habe gesehen, wie du trainiert hast, und ich kenne die Gründe warum du das machen willst. Es ist so ein wichtiges Schwimmen. Wir befinden uns in einem sehr, sehr wichtigen Abschnitt dieser Geschichte, und du wirst dieses symbolische Schwimmen hier machen und versuchen die Verantwortlichen dieser Welt wach zu rütteln. Lewis, habe den Mut das zu machen, weil wir jeden Augenblick auf dich aufpassen werden."
Ich bekam durch diese Worte von ihm soviel Selbstvertrauen, weil er mich einfach so gut kennt. So fuhren wir also weiter, erreichten den Nordpol, stoppten das Schiff, und es war genau so, wie es die Wissenschaftler vorhergesehen hatten. Überall auf dem Meer gab es offene Flächen. Ich ging runter in meine Kabine, legte meine Badesachen an und ein Arzt befestigte einen Brustsensor, der die Körpertemperatur und meinen Puls mass. Dann gingen wir raus auf die Eisfläche
und ich erinnere mich, wie ich das Eis ansah, und es gab darin große Stücke weißen Eises und das Wasser war total schwarz. Ich hatte vorher noch nie schwarzes Wasser gesehen. Es ist dort 4200 Meter tief und ich sagte mir: "Lewis, schau nicht links, schau nicht rechts. Bewege dich einfach weiter und mach es." Und deshalb möchte ich Euch jetzt einen kleinen Film über das zeigen, was dort im Eis passierte.
Video: Wir fahren gerade aus dem Hafen und es ist jetzt jener Moment, wo man ein etwas mulmiges Gefühl bekommen kann. Es sieht hier alles so dermaßen grau aus, und sieht so kalt aus. Wir haben gerade unsere ersten Eisbären gesehen. Es war absolut magisch. Eine Mutter und ein Jungtier. So ein schöner Anblick. Die Aussicht, dass sie in 30, 40 Jahren aussterben könnten ist ein sehr furchterregender, ein sehr, sehr furchterregender Gedanke. Endlich sind wir am Nordpol. Es waren Monate, Monate und Monate der Träume, um hierher zu kommen, Jahre des Trainings und der Vorbereitung. Oh. In ein paar Stunden werde ich da draußen schwimmen. Es ist schon ein wenig beängstigend und bewegend. Amundson, bist du fertig? Zehn Sekunden zum Start. Zehn Sekunden zum Start. Nimm die Schwimmbrille ab. Nimm die Schwimmbrille ab!
Mann: Nimm die Schuhe. Nimm die Schuhe. Gut gemacht Junge! Du hast es geschafft! Du hast es geschafft, Lewis! Du hast es geschafft! Du hast es geschafft, Mann!
Lewis Pugh: Wie um alles in der Welt haben wir das geschafft?
Mann: Gegen die Strömung! Du hast es gegen die Strömung geschafft!
Lewis Pugh: Vielen Dank. Vielen Dank. (Applaus) Vielen herzlichen Dank.
Zuschauer: Zugabe! (Gelächter)
Lewis Pugh: Ich möchte dann gerne mit den folgenden Worten enden. Ich brauchte vier Monate, um meine Hände wieder zu fühlen. Und war es das wert? Ja, das war es absolut. Es gibt jetzt nur noch sehr, sehr wenige Leute, die nicht wissen, was in der Arktis passiert. Die Leute fragen mich: "Lewis, was können wir gegen den Klimawandel machen?"
Ich sage ihnen dann, dass wir drei Dinge machen müssen. Die erste Sache, die wir machen müssen, ist eine Aufteilung des Problems in handhabbare Teile. Sie sahen während des Films all die Flaggen. Diese Flaggen repräsentierten die Länder, aus denen mein Team zusammengestellt wurde. Genauso ist es mit dem Klimawandel. Jedes einzelne Land muss Zugeständnisse machen. England, Amerika, Japan, Südafrika, der Kongo. Wir sitzen alle im gleichen Boot.
Die zweite Sache, die wir machen müssen, ist einfach ein Rückblick auf das, was wir in einer so kurzen Zeitspanne bereits erreicht haben. Ich erinnere mich, als ich vor ein paar Jahren über den Klimawandel sprach, fielen mir die Leute in's Wort und sagten, dass es den doch gar nicht gibt. Ich komme gerade von einer Reihe von Vorträgen zurück, die ich in den ärmsten Townships von Südafrika vor kleinen Kindern, etwa im Alter von 10 Jahren, gehalten habe. Vier, fünf Kinder saßen an einem Tisch und sogar unter diesen ärmlichsten Bedingungen hatten alle ein sehr, sehr gutes Verständnis davon was Klimawandel bedeutet.
Wir müssen nur an uns selbst glauben. Gerade jetzt müssen wir an uns glauben. Wir sind schon weit gekommen. Wir machen es richtig. Aber das Wichtigste, was wir noch machen müssen, ist, glaube ich, uns unseren Lebensabend vorzustellen, um dann zurückzublicken und uns eine der fundamentalsten Fragen zu stellen. Und sie lautet: "In welcher Welt wollen wir leben und welche Entscheidung treffen wir heute, um sicherzustellen, dass wir alle in einer zukunftsfähigen Welt leben können?". Meine Damen und Herren, vielen, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Applaus)
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Lewis Pugh spricht über sein Rekordschwimmen am Nordpol. Er trotzte (in einer Badehose) dem Eiswasser, um auf das Schmelzen der Polkappen aufmerksam zu machen. Sehen Sie erstaunliche Filmaufnahmen – und einige unverblümte Kommentare über das Schwimmen in extrem kaltem Wasser.
Pushing his body through epic cold-water swims, Lewis Gordon Pugh wants to draw attention to our global climate. He's just back from swimming in a meltwater lake on the slopes of Mount Everest. Full bio »
Translated into German by Bernhard Umlauf
Reviewed by Alex Boos
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