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Letztes Jahr, als ich hier war, sprach ich über mein Schwimmen am Nordpol. Obwohl dieses Schwimmen vor drei Jahren stattgefunden hat, erinnere ich mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich erinnere mich, am Rande des Eises zu stehen, kurz davor ins Wasser zu springen und zu denken, ich habe zuvor noch nie so einen Ort auf der Erde gesehen, der so beängstigend ist. Das Wasser ist völlig schwarz. Das Wasser hat minus 1,7 Grad Celsius, oder 29 Grad Fahrenheit. Es ist grauenhaft kalt in diesem Wasser. Da schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Falls etwas schief gehen sollte während dieses Schwimmens, wie lange wird es für meinen gefrorenen Körper dauern diese 4,5 km bis zum Grund des Ozeans zu sinken? Und dann sagte ich mir, ich muss diesen Gedanken so schnell wie möglich aus meinem Kopf verschwinden lassen. Und der einzige Weg, der mich in dieses eiskalte Wasser springen und einen Kilometer weit schwimmen lässt, ist, meinen iPod zu hören und mich dabei auf Hochtouren zu bringen. Ich hörte alles, angefangen bei schönen Opern, bis hin zu Puff Daddy, und stellte mich zu 100% auf die Sache ein -- es gibt nichts Mächtigeres als einen starken Willen -- und dann ging ich zum Rande des Eises und sprang einfach ins Wasser.
Und jenes Schwimmen dauerte 18 Minuten und 50 Sekunden, aber es fühlte sich an wie 18 Tage. Und ich erinnere mich, als ich aus dem Wasser kam, taten meine Hände so furchtbar weh, und als ich meine Finger ansah, hatte ich buchstäblich Wurstfinger, weil -- Sie wissen, dass wir teilweise aus Wasser bestehen -- wenn Wasser gefriert, expandiert es, und so waren die Zellen in meinen Fingern eingefroren und expandierten und platzten. Und den Gedanken, den ich sofort hatte, als ich aus diesem Wasser kam, war folgender: Ich werde niemals im Leben wieder in solch kaltem Wasser schwimmen.
Wie auch immer. Letztes Jahr hörte ich vom Himalaya und dem Schmelzen der - (Lachen) und dem Schmelzen der Gletscher, aufgrund des Klimawandels. Ich hörte von diesem See Imja. Dieser See entstand während der letzten paar Jahre duch das Schmelzen des Gletschers. Der Gletscher zog sich bergauf zurück und hinterließ an dieser Stelle diesen großen See. Und ich glaube fest daran, dass das, was wir im Himalaya sehen das nächste wirklich große Schlachtfeld auf dieser Erde ist. Fast zwei Milliarden Menschen, also jeder Dritte auf dieser Erde, ist abhängig von dem Wasser aus dem Himalaya. Und mit einer Bevölkerung, die wie die Unsrige wächst, und mit der Wasserversorgung dieser Gletscher, die aufgrund des Klimawandels so stark zurückgeht, denke ich, haben wir ein echtes Risiko der Instabilität. Im Norden hat man China; im Süden sind Indien, Pakistan, Bangladesh - lauter Länder.
Und so entschied ich mich den Mt. Everest zu besteigen, den höchsten Berg auf dieser Erde, und veranstalte dort ein symbolisches Schwimmen unterhalb des Gipfels des Mt. Everest. Nun, ich weiß nicht, ob jemand von Ihnen jemals die Chance hatte, den Mt. Everest zu besteigen, aber es ist eine ziemliche Quälerei. 28 beeindruckende, große, kräftige Yaks trugen unsere ganze Ausrüstung diesen Berg hinauf -- ich hatte nicht nur meine Speedo-Schwimmhose. Da war ein riesen Film-Team, um alle Bilder auf der ganzen Welt zu senden. Eine weitere Herausforderung während dieses Schwimmens ist nicht nur die Höhe. Ich wollte dieses Schwimmen auf 5300 Meter Höhe über dem Meeresspiegel durchführen. Es ist also wirklich weit oben. Es ist sehr, sehr schwer dort oben zu atmen. Man wird höhenkrank. Es fühlt sich an, als würde jemand hinter dir stehen und dir mit einem Hammer die ganze Zeit auf den Kopf schlagen.
Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass in diesem Jahr entschieden wurde eine große Räumungsaktion am Mt. Everest durchzuführen. Viele, viele Menschen sind am Mt. Everest umgekommen, und nun war das Jahr, in dem man sich entschied raufzugehen und all die toten Bergsteiger zu sammeln, um sie nach unten zu bringen. Und wenn man den Berg so hinaufläuft und etwas vor hat, was so noch kein Mensch und eigentlich auch noch kein Fisch vorher getan hat. Da schwimmen nicht mal Fische auf 5300 Meter Höhe. Wenn man versucht das zu tun, und sieht dann diese Toten an einem vorüber ziehen, wird man demütig, und man erkennt dabei auch ganz klar, dass die Natur so viel mächtiger ist als wir es sind.
Und wir gingen diesen Weg hinauf, den ganzen Weg rauf. Und wir sahen auf unserer rechten Seite diesen großen Khumbu-Gletscher. Und den ganzen Weg entlang des Gletschers sahen wir diese großen Seen von geschmolzenem Eis. Und wir kamen an diesem kleinen See an, unterhalb des Gipfels des Mt. Everest, und ich bereitete mich vor, wie ich mich bisher immer vorbereitet habe, für dieses Schwimmen, das so extrem schwierig werden sollte. Ich setzte meinen iPod auf. Ich hörte ein bisschen Musik. Ich machte mich selbst so gut wie möglich aggressiv -- aber kontrollierte Aggression -- und warf mich dann in dieses Wasser.
Ich schwamm so schnell ich konnte während der ersten 100 Meter, und dann merkte ich sehr, sehr schnell, dass ich ein riesen Problem mit meinen Händen hatte. Ich konnte kaum atmen. Ich schnappte nach Luft. Anschließend begann ich zu würgen, und musste mich kurz darauf im Wasser übergeben. Und alles passierte so schnell. Und dann - ich weiss nicht, wie es passierte - aber ich ging im Wasser unter. Und glücklicherweise war das Wasser ziemlich flach, und ich war in der Lage mich selbst vom Seeboden wegzustoßen, um über dem Wasser wieder nach Luft zu schnappen. Und ich sagte mir, mach' weiter. Halt' durch. Halt' durch. Ich machte noch fünf oder sechs weitere Züge, bis ich dann keine Kraft mehr in meinem Körper hatte, und ich ging unter bis zum Boden des Sees. Und ich weiß nicht, woher es kam, aber ich war irgendwie in der Lage mich selbst so schnell wie möglich an den Rand des Sees zu ziehen. Ich habe gehört, dass Ertrinken der friedlichste Tod ist, den es gibt. Ich habe niemals wieder einen größeren Schwachsinn gehört. (Lachen) Es ist das größte furchterregende und panische Gefühl, das man je haben kann.
Ich brachte mich zum Rand des Sees. Mein Team packte mich, und wir gingen so schnell wir konnten runter über das Geröllfeld zu unserem Lager. Und dort setzten wir uns hin, und wir besprachen, was schief gegangen war dort am Mt. Everest. Und mein Team sagte es mir direkt ins Gesicht. Sie sagten: Lewis, Du musst deine Taktik grundlegend verändern, wenn du dieses Schwimmen erfolgreich durchführen willst. Alles, was Du in den letzten 23 Jahren über das Schwimmen gelernt hast, musst du vergessen. Jedes einzelne Detail, das Du gelernt hast, als Du in der britischen Armee gedient hast, über Geschwindigkeit und Aggression, musst Du außer Acht lassen. Wir wollen, dass Du nach zwei weiteren Tagen diesen Hügel hinauf gehst. Nimm Dir die Zeit Dich auszuruhen und nachzudenken. Wir wollen, dass Du in zwei Tagen diesen Berg hinauf gehst, und anstatt schnell zu schwimmen, so langsam wie möglich zu schwimmen. Statt zu kraulen, mach Brustschwimmen. Und denke daran, schwimme nie mit Aggression. Jetzt ist es an der Zeit mit wahrer Demut zu schwimmen.
Und so gingen wir zwei Tage später auf diesen Berg hinauf. Und ich stand da am Rande des Sees, und ich sah hinauf zum Mt. Everest -- und er ist einer der schönsten Berge auf der Welt -- und ich sagte zu mir selbst, mach' es diesmal langsam. Und ich schwamm durch den See. Und ich kann Euch nicht sagen, wie gut ich mich fühlte, als ich auf der anderen Seite ankam.
Aber ich lernte zwei sehr, sehr wichtige Lektionen dort am Mt. Everest. Und ich danke meinem Team von Sherpas, die mich das gelehrt haben. Die erste Lektion ist: Auch wenn etwas in der Vergangenheit gut funktioniert hat, heißt das nicht, dass es in der Zukunft genauso gut funktionieren wird. Und genauso hier. Bevor ich jetzt irgend etwas anfange, frage ich mich, welche Denkweise ich benötige, um eine Aufgabe erfolgreich durchzuführen. Und wenn man das auf das Problem des Klimawandels überträgt, und das ist, offen gesagt, der Mt. Everest aller Probleme -- nur weil wir immer so gelebt haben oder immer so konsumiert haben und diese Erde für so lange Zeit besiedelt haben, bedeutet das nicht, dass wir so weiter machen können, wie bisher. Die warnenden Signale sind überall. Als ich geboren wurde, betrug die Weltbevölkerung 3,5 Milliarden Menschen. Jetzt haben wir 6,8 Milliarden Menschen, und wir erwarten 9 Milliarden Menschen im Jahre 2050.
Und dann die zweite Lektion, die radikale Veränderung meiner Taktik. Und ich bin hierher gekommen, um Euch heute zu fragen: Welche radikale, taktische Veränderung könnt Ihr in Eurem Verhältnis zur Umwelt annehmen, damit sicher gestellt wird, dass unsere Kinder und unsere Enkelkinder in einer unversehrten Welt und einer sicheren Welt und am allerwichtigsten, in einer zukunftsfähigen Welt leben können? Und wenn Ihr jetzt wieder geht, möchte ich Euch darum bitten über diese eine radikale, taktische Veränderung nachzudenken, die Ihr machen könnt, um eine große Veränderung herbeizuführen, und setzt Euch dann zu 100% dafür ein. Bloggt darüber, tweetet darüber, redet darüber, und gebt einhundert Prozent. Denn es gibt nur sehr, sehr wenige Dinge, die nicht erreicht werden können, wenn wir unsere ganze Kraft dafür einsetzen.
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Nachdem er am Nordpol schwamm, schwörte sich Lewis Pugh, dass er nie wieder in solch kaltem Wasser schwimmen würde. Dann hörte er vom Imja See am Mt. Everest - einer großen Menge Wasser auf einer Höhe von 5300 Metern, die erst kürzlich durch geschmolzenes Gletschereis entstanden ist - und unternahm dorthin eine Reise, die ihm eine gänzlich neue Einstellung über zwei Dinge lehren sollte: Das Schwimmen und die Beurteilung des Klimawandels.
Pushing his body through epic cold-water swims, Lewis Gordon Pugh wants to draw attention to our global climate. He's just back from swimming in a meltwater lake on the slopes of Mount Everest. Full bio »
Translated into German by Yu-Sing Tammy Bohn
Reviewed by Bernhard Umlauf
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18:53 Posted: Sep 2009
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18:03 Posted: Oct 2006
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07:44 Posted: May 2009
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