Ich möchte darüber sprechen, was wir von Konservativen lernen können. Und ich bin in einer nostalgischen Lebensphase, deshalb möchte ich Ihnen beichten, dass ich als Kind tatsächlich ein Konservativer war. Ich war ein Junger Republikaner, ein "Teen Age Republican", ein Leiter der "Teen Age Republicans". Ich war sogar das jüngste Mitglied einer Delegation bei der Versammlung, die 1980 Ronald Reagan als Präsidentschaftskandidaten der Republikaner wählte.
Ja, ich weiß was Sie jetzt denken. (Gelächter) Sie denken, "Das steht so aber nicht im Internet." Sie denken, "Das steht nicht bei Wikipedia." Und tatsächlich ist das hier eines der Beispiele für all den Müll, der durch die Leitungen fließt, in diesem Internet. Wikipedia berichtet von einem Typen, ein ehemaliger Kongressabgeordneter aus Erie, Pennsylvania der mit 20 einer der Jüngsten bei der Nationalversammlung der Republikaner war. Aber das stimmt einfach nicht. (Gelächter) Das macht mich ganz verrückt, lassen Sie mich das eben ändern. (Gelächter) (Applaus) Also... so, perfekt. Perfekt. (Gelächter) Okay, Lawrence Lessig, richtig. Okay. Endlich kommt die Wahrheit ans Licht. Okay, sehen Sie? Das wars. Fast fertig. Da haben wirs. ".. jüngster Republikaner," okay, fertig. Das wars. Bitte speichern. Da haben wirs. Und ... Wikipedia ist geheilt, endlich. Ok, aber das ist nicht, worum es geht.
Womit wir uns beschäftigen sollten, wenn wir über Konservative nachdenken -- außer diesem Fall der 1980er Versammlung -- worum es geht ist folgendes: Sie gehen zur Kirche. Klar, eine Menge Leute gehen zur Kirche. Ich sage nicht, dass nur Konservative zur Kirche gehen. Und ich spreche nicht von der Sache mit Gott. Da will ich nicht drüber reden, darum geht es mir nicht. Sie gehen zur Kirche, und damit meine ich, sie tun viele Dinge umsonst füreinander. Sie veranstalten gemeinschaftliche Mahlzeiten. Sie verkaufen sogar Bücher darüber. Sie versorgen arme Leuten mit Essen. Sie teilen, sie geben, sie verschenken. Und das sind genau die gleichen Leute die Wall Street-Firmen leiten, die Sonntags dort auftauchen und teilen. Und nicht nur Mahlzeiten.
Genau diese Leute glauben in vielen Zusammenhängen fest an die Grenzen des Markts. Sie sind in vielen wichtigen Fragen gegen Märkte. Ja, wie wir alle zelebrieren sie diese Art von Beziehungen. Aber sie achten sehr darauf, dass kein Geld in diese Beziehungen gerät, denn sonst werden sie zu so etwas hier. Sie wollen uns regulieren, diese Konservativen, uns daran hindern, den Markt an diese Orte vordringen zu lassen. Denn sie verstehen, dass es Orte für Märkte gibt, und Orte, wo der Markt nicht existieren sollte, wo wir frei sein sollten, die Gemeinschaft mit anderen zu genießen. Sie erkennen, dass diese beiden Dinge koexistieren müssen.
Und das zweite Großartige an den Konservativen ist: Sie verstehen Ökologie. Genau, es war der erste republikanische Präsident des 20. Jahrhunderts, der uns ökologisches Bewußtsein beigebracht hat -- Teddy Roosevelt. Erst haben sie uns Ökologie im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen gelehrt. Und dann im Kontext der Innovation, der Ökonomie. Sie verstehen, dass in diesem Kontext das Kostenlose ein wichtiges, essentielles Konzept der kulturellen Ökologie ist. Über so etwas sollten wir nachdenken.
Klar, ich weiß, Sie glauben mir das nicht wirklich. Also, hier ist Beweisstück Nr. 1. Ich möchte Ihnen meinen neuesten Helden zeigen, Julian Sanchez, einen Libertären, der am Cato Institute arbeitet, das viele für "böse" halten. Julian hat ein Video gemacht. Er macht furchtbare Videos, aber großartige Inhalte, deshalb zeige ich Ihnen ein Stück davon. Hier ist der Anfang.
Julian Sanchez: Ich möchte etwas über die Art und Weise sagen, wie Remix-Kultur sich zu entwickeln scheint...
Larry Lessig: Er fängt also an, uns von drei Videos zu erzählen. Hier ist das fantastische Brat Pack-Remix zum Song Lisztomania. Natürlich hat sich das viral verbreitet. Wahnsinnig erfolgreich.
(Musik) And dann haben es ein paar Leute aus Brooklyn gesehen. Sie beschlossen, das gleiche zu machen. (Musik) Und dann, klar, haben es Leute aus San Francisco gesehen. Und die dachten sie müssen das auch machen. (Musik) Das ist alles schön, aber unser Libertärer möchte, dass wir daraus etwas wichtiges lernen. Hier kommt die erste Lektion.
JS: Offensichtlich ist irgend etwas hieran absolut großartig. Sie handeln alle in dem Bewußtsein, die originale Version nachzuspielen. Und der Typ der es gedreht hat, hat offenbar ein gutes Auge und Erfahrung mit Videoschnitt. Aber gleichzeitig sind das einfach nur ein paar Freunde, die einen authentischen Moment miteinander erleben und Quatsch machen. Das sollte jedem bekannt vorkommen, der schonmal mit ein paar guten Freunden gefeiert, gesungen und getanzt hat.
JS: Das ist ganz anders als bei den Videos, die wir vorher gesehen haben, denn hier geht es beim Remix nicht nur um eine Einzelperson, die etwas alleine im Keller tut; es geht um einen Akt sozialer Kreativität. Und das führt nicht nur zu einem anderen Resultat, es hat das Potential, zu verändern, wie wir miteinander umgehen. Unsere normale soziale Interaktion wird zu einer Art Aufruf, sich in dieser Weise kollektiv auszudrücken. Unsere reale soziale Existenz wird in Kunst verwandelt.
LL: Also folgert dieser Libertäre aus diesen zwei Argumenten...
JS: Bei einem Remix geht es um Einzelne, die unsere gemeinsame Kultur als Sprache benutzen, um ihrem Publikum etwas mitzuteilen. Im zweiten Stadium, dem sozialen Remix, wird sie benutzt um die Beziehung der Menschen zueinander zu vermitteln. Erst einmal werden in jedem Video die Brat Pack-Charaktere als Folie benutzt um die soziale Realität jeder Gruppe darzustellen. Aber es gibt auch einen Dialog zwischen den Videos, sobald die Grundstruktur etabliert ist entsteht eine Plattform, auf der die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den sozialen und physischen Welten der Gruppen thematisiert werden.
LL: Und hier kommt das Wichtigste, was Julian sagen möchte.
JS: In der Urheberrechtspolitik geht es nicht nur darum, wie man die Produktion einer bestimmten künstlerischen Ware stimuliert; Es geht darum, welchen Grad von Kontrolle wir Anderen über unsere soziale Realität einräumen, eine soziale Realität, die heutzutage unvermeidlich von Popkultur durchdrungen ist. Ich glaube es ist wichtig, dass wir an diese zwei unterschiedlichen Arten öffentlicher Güter denken. Wenn wir uns nur auf eine davon konzentrieren, riskieren wir, die zweite und reichhaltigere, und vielleicht sogar wichtigere Art zu ersticken.
LL: Richtig. Bingo. Getroffen. Freiheit bedeutet sowohl die Option, den kommerziellen Erfolg der großen kommerziellen Werke zu ermöglichen, als auch die Option diese andere Art von Kultur zu schaffen. Und damit das passiert, müssen Konzepte wie "fair use" zentral und geschützt sein, um diese Art von Innovation zu ermöglcihen, wie unser Libertärer erklärt hat, zwischen diesen zwei kreativen Kulturen, einer kommerziellen und einer teilenden Kultur. Diese Leute, er hier, sie verstehen diese Kultur.
Meine Sorge ist, dass wir Demokraten das oft nicht tun. Dieses tolle Unternehmen hier zum Beispiel. In den guten alten Tagen, als ein Republikaner diese Firma leitete, bauten ihre besten Werke auf der Vergangenheit auf. Alle großen Disney-Filme waren Arbeiten, die gemeinfreie Werke verwendeten und remixten, oder warteten, bis sie gemeinfrei wurden, um sie zu remixen, und die Remix-Kreativität zu feiern. Sogar Mickey Mouse, als "Steamboat Willie", ist ein Remix des damals sehr bekannten, sehr beliebten "Steamboat Bill" von Buster Keaton. Dieser Mann war ein außerordentlicher Remixer. Er ist die Krönung und das Ideal genau dieser Art von Kreativität.
Aber dann ging das Unternehmen durch eine dunkle Phase an diesen Demokraten über. Völlig anders. Das ist der Mann, der hinter dem Verfahren steckte, das wir den Sonny Bono Copyright Term Extension Act nennen, der die Dauer der bestehenden Rechte um 20 Jahre verlängerte, so dass niemand mit Disney tun konnte, was Disney mit den Gebrüdern Grimm getan hatte. Wir haben versucht, das anzufechten, beim Obersten Gerichtshof, um die ganzen Konservativen dort dazu zu bringen, das zu zerschlagen. Wir hatten die Unterstützung von Nobelpreisträgern, darunter der rechts orientierte Nobelpreisträger Milton Friedman, der sagte, er würde unseren Antrag nur unterschreiben, wenn das Wort "no-brainer" im Text vorkäme. (Gelächter) Aber offenbar waren keine Gehirne an diesem Ort, als Demokraten das Gesetz absegneten und umsetzten. Eine winzigkleine Fußnote, man könnte meinen, Sonny Bono war ein Republikaner, aber ich glaube das nicht. Dieser Mann ist kein Republikaner.
Ok, als zweites Beispiel, denken Sie an diesen Helden der Kultur, die Ikone hier links, der Schöpfer dieser Figur. Sehen Sie sich die Seite an, die er gebaut hat: "StarWars" MashUps, Leute werden aufgefordert, ihre kreative Energie einzusetzen um eine neue Generation von Aufmerksamkeit auf diese außerordentlich wichtige Kulturikone zu lenken. Lesen Sie die Lizenz. Die Lizenz für diese Remixer schreibt alle Rechte an den Remixen Lucas zu. Das Remix gehört Lucas. Sogar an allem, was man zum Mashup hinzufügt, Musik beispielsweise, hat Lucas ein unbefristetes Recht zur kostenlosen Verwertung. Hier wird kein Urheber anerkannt. Der Urheber hat keine Rechte. Der Urheber ist hier nur ein Farmpächter. Und wir sollten uns erinnern wer die Farmpächter beschäftigte: die Demokraten, nicht wahr?
Die Republikaner erkennen hier also eine gewisse Notwendigkeit des Eigentums an, den Respekt für Besitz, die Anerkennung für den Urheber, den Remixer, den Besitzer, den Eigentümer, den Inhaber des Copyright dieser ausgesprochen starken Werke hier, die nicht von einer Generation von Farmpächtern kommen. Ich glaube es gibt hier einige Lektionen zu lernen, Lektionen über Offenheit. Unsere Leben sind vom Teilen bestimmt, zumindest zum Teil. Sogar für den Vorsitzenden von Goldman Sachs, zumindest teilweise. And damit dieses Teilen geschehen kann, brauchen wir gut geschützte Räume für "fair use".
Das war Nummer Eins. Nummer Zwei: Diese Ökologie des Teilens braucht Freiheit, innerhalb derer kreiert werden kann. Freiheit bedeutet: Ohne jemandes Erlaubnis etwas kreieren dürfen. Und Nummer Drei: Wir müssen den Schöpfer respektieren, den Schöpfer dieser Remixe, durch Rechte, die direkt an ihn geknüpft sind. So erklärt sich die rechtsstehende, gemeinnützige Organisation Creative Commons. Eigentlich ist das gar keine rechte Organisation, aber klar -- lassen Sie mich das abschließen -- Creative Commons bietet Autoren einen einfachen Weg, ihre Inhalte mit den Freiheiten auszustatten, die sie ihnen mitgeben wollen.
So dass wir von einer "Alle Rechte vorbehalten"-Welt zu einer "einige Rechte vorbehalten"-Welt kommen, so dass die Menschen wissen, welche Freiheiten mit dem Inhalt verbunden sind, um auf der Basis eines kreativen, urheberrechtlich geschützten Werks aufzubauen und zu kreieren. Mit diesen Tools von uns wird das Teilen ermöglicht: durch Lizenzen, die es regeln, und die Freiheit, zu kreieren, ohne erst um Erlaubnis zu fragen, weil die Erlaubnis schon vorliegt, und den Respekt für den Urheber, weil es auf einem Urheberrecht aufbaut, das der Schöpfer freigiebig lizensiert hat. So erklärt sich auch die große rechte Verschwörung die sich offenbar um diese Lizenzen herum entwickelt hat, denn es gibt über 350 Millionen digitale Objekte dort draußen, die so frei lizensiert sind.
Ist dieses Bild einer kreativen Ökologie, das Bild einer Ökologie der ausbalancierten Kreativität, ist das die kreative Ökologie, die wir erleben? Wie Sie wissen, glauben das nicht viele von uns. Ich bin gerade letzte Woche wieder darüber gestolpert. Ich hatte aus einem Wireside Chat den ich gehalten habe ein Video gemacht, und es bei YouTube hochgeladen. Dann bekam ich eine E-Mail von YouTube, die mich merkwürdigerweise informierte dass Inhalte meines Videos der mysteriösen WMG gehörte, und ihrer Content ID entsprach. Ich habe mir nichts dabei gedacht.
Und dann sagt jemand auf Twitter zu mir, "Dein Vortrag auf YouTube wurde gesperrt. War das Deine Absicht?" in der Annahme dass ich einen großen Plan hätte, die offensichtlichen Schwachpunkte des DMCA offenzulegen. Ich antwortete, "Nein." Ich habe gar nicht drüber nachgedacht. Aber als ich die Seite aufrief, war der ganze Ton des Beitrags stumm geschaltet. Das ganze 45-minütige Video war stumm weil Bruchstücke des Videos, in dem es um fair use ging, Musik der Warner Music Group enthielt. Interessanterweise verkauften sie trotzdem Anzeigen für die Musik wenn man das stumme Video abspielte. Man konnte die Musik noch kaufen, aber hören konnte man nichts, weil es stumm geschaltet war.
Also tat ich was das Regelwerk mir vorschrieb, damit ich YouTube nutzen darf, um über fair use zu sprechen. Ich ging auf eine Seite, auf der ich Fragen beantworten musste. Und dann muss man auf geradezu Bart-Simpson-artige, kindische Weise tatsächlich einen Text abtippen und zwar richtig, um sein Recht auf freie Rede zu bestätigen. Wie in der dritten Klasse. Ich darf keine Reißzwecken auf den Stuhl des Lehrers legen. Ich darf keine Reißzwecken auf den Stuhl des Lehrers legen. Absurd. Empörend. Das ist eine extreme Perversion des freiheitlichen Systems, das wir fördern sollten.
Und was ich Sie frage ist: Wer bekämpft das? Es ist interessant. Wer war in der letzten Präsidentschaftswahl der vorderste und aktivste Gegner dieses Online- Regulierungssystems? John McCain. Brief um Brief hat er YouTubes Weigerung attackiert, das fair use-Prinzip mehr zu respektieren in ihrer außergewöhnlichen Sperr-Praxis die seine Kampagnen so oft aus dem Internet geworfen hat.
Das war meine Geschichte von damals, in meinen guten alten Tagen als rechter Irrer. Nun zurück zu heute, wo ich etwas linkslastig bin -- Jedenfalls bin ich Linkshänder, immerhin das -- Ich frage mich ob wir Linken erwarten können, dass wir diese Ökologie der Freiheit jetzt schaffen können, in einer Welt, in der es ungemein starke Einflüsse gibt, die dagegen sind, wo sogar Ikonen der Linken wie diese hier Gesetze vorantreiben die die Forderung nach Open Access für staatlich geförderte Forschung effektiv verbieten würden? Der Präsident hat einen Prozess unterstützt in dem geheim Abkommen ausgehandelt werden die uns in das irrsinnige System des DMCA zwingen werden das wir schon eingeführt haben, und das wohl unausweichlich zu einem Three Strikes-System führen wird das natürlich der Rest der Welt auch übernimmt. Kein einziges Beispiel einer Reform wurde bisher erreicht. Und so ein Wandel steht auch nicht bevor in diesem System, nicht in absehbarer Zeit.
Hier ist also die Lektion in Offenheit, die wir lernen sollten. Offenheit ist ein Bekenntnis zu einer Reihe von Werten. Wir müssen über diese Werte sprechen. Den Wert der Freiheit. Den Wert von Gemeinschaft. Den Wert von begrenzter Regulierung. Den Wert, den Urheber zu respektieren. Und wenn wir diese Werte zumindest von einigen Instanzen der Rechten lernen können, wenn wir sie übernehmen und verinnerlichen können, dann könnten wir vielleicht ein Geschäft machen. Wir auf der Linken lernen diese Werte, und vielleicht machen die Rechten dann die Gesundheitsreform mit oder Klimapolitik oder so etwas.
Auf jeden Fall bitte ich Sie, zusammen mit mir diese Werte zu vermitteln.
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Bei TEDxNYED spricht der ehemalige "Junge Republikaner" Larry Lessig darüber, was die Demokraten von ihrer vermeintlich konservativeren gegnerischen Partei über Copyright lernen können. Eine überraschende Sichtweise auf die Remix-Kultur.
Lawrence Lessig has already transformed intellectual-property law with his Creative Commons innovation. Now he's focused on an even bigger problem: The US' broken political system. Full bio »
Translated into German by Judith Funke
Reviewed by Alex Boos
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18:56 Posted: Nov 2007
Views 1,202,692 | Comments 307
15:36 Posted: May 2010
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