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Die erste Frage lautet, warum müssen wir uns überhaupt Sorgen über eine pandemische Bedrohung machen? Worüber sind wir besorgt? Wenn ich sage "wir", meine ich den Rat für Aussenbeziehungen. WIr sorgen uns in der Gemeinschaft für nationale Sicherheit, und natürlich auch in den Gesellschaften für Biologie und öffentliche Gesundheit. Während das Reisen durch die Globalisation stark zugenommen hat, ist es notwendig geworden, dass jeder überall ist, immer und auf der ganzen Welt. Das bedeutet, dass wir unsere kleinen mikrobiologischen Anhalter mit uns tragen. Eine Seuche, die in Surat, Indien beginnt, bleibt nicht unbedeutend, sondern ein globales Ereignis – eine globalisierte Besorgnis, die das Risikogleichgewicht verändert hat. Der Hurrikan Katrina hat uns gezeigt, dass wir uns nicht vollständig darauf verlassen können, das die Regierung jederzeit bereit und in der Lage ist, zu handeln. Tatsächlich kann der Ausbruch einer Seuche mehrere Katrinas auf einmal bedeuten.
Unsere größte Sorge momentan ist das Virus namens H5N1. Manche von Ihnen nennen es Vogelgrippe, es trat zuerst in Südchina auf, Mitte der 90er Jahre. Aber es wurde erst im Jahr 1997 bekannt. Vergangenes Weihnachten kannten erst 13 Länder H5N1. Momentan sind wir bei 55 Ländern, in denen das Virus entweder in Vögeln, Menschen oder beiden aufgetreten ist. Was die Ausbrüche bei Vögeln angeht, können wir sehen, dass das Virus inzwischen mehr oder weniger auf der ganzen Welt war, ausser den beiden Amerikas. Ich werde darauf zurück kommen, warum wir bisher verschont bieben.
Bei Nutzgeflügel, besonders bei Hühnern, ist H5N1 zu 100% tödlich. Es ist eine der tödlichsten bekanten Mikroben, die in den vergangenen Jahrhunderten auf der Welt im Umlauf war. Wir haben versucht, damit umzugehen, indem wir sehr viele Hühner getötet haben und oftmals geschah das leider, ohne die Kleinbauern zu entschädigen, so dass die Fälle jetzt oft vertuscht werden. Es wird auch durch die Migratinonsmuster von wilden Wasserzugvögeln weiter verbreitet. Es gab ein zentrales Ereignis am Qinghai-See in China. Vor zwei Jahren starben Tausende der Zugvögel gleichzeitig, aufgrund einer Mutation, die das Virus ausgebildet hatte, was die Bandbreite der befallenen Arten dramatisch vergrößerte. Diese Zugvögel flogen also nach Sibirien, Europa und Afrika und trugen das Virus in sich, was zuvor nicht möglich gewesen war.
Jetzt sehen wir Krankheitsausbrüche bei Menschen. Bisher sind das glücklicherweise kleine Ereignisse, winzige Ausbrüche, gelegentliche Ansammlungen. Das Virus hat sich in den letzten beiden Jahren dramatisch verändert, es haben sich zwei verschiedene Familien des H5N1 Virusbaums gebildet, mit Ästen und verschiedenen Eigenschaften, die besorgniserregend sind. Als also macht uns Sorgen? Nun, als erstes ist es und noch niemals rechtzeitig gelungen, einen gezielten Impfstoff für mehr als 260 Millionen Menschen herzustellen. Also wird uns das nicht viel helfen bei einer weltweiten Pandemie. Sie haben bestimmt von den Vorräten an Impfstoff gehört. Aber niemand glaubt, dass es tatsächlich sehr effektiv sein wird, wenn es einen echten Ausbruch gibt.
Ein Gedanke ist, als die Flughäfen geschossen wurden nach dem 11. September, verzögerte sich unsere jahreszeitliche Grippe um zwei Wochen. Der Gedanke ist also, vielleicht sollten wir einfach sofort – wir haben gehört, H5N1 wird nun von Mensch zu Mensch übertragen, das Virus ist zu einer für Menschen ansteckenden Krankheit mutiert – lassen Sie uns die Flughäfen schliessen. Analysen von Hochleistungsrechnern, welche über die Effektivität dieser Massnahme angestellt wurden, haben allerdings gezeigt, dass wir damit kaum Zeit gewinnen. Und natürlich wäre das enorm störend für alle vorbereitenden Planungen. Alle Gesichtsmasken werden beispielsweise in China hergestellt. Wie könnten wir sie überall auf der Welt verteilen, wenn wir einfach alle Flughäfen schliessen? Wie könnten wir die Impfstoffe rund um die Welt transportieren und die Medikamente oder alles andere, was verfügbar ist oder auch nicht? Wir sehen also, die Flughäfen zu schliessen, ist kontraproduktiv.
Wir sind besorgt, weil dieses Virus durch den Verzehr von rohem Fleisch von infizierten Tieren übertragen werden kann, anders als alle anderen Grippeviren, die wir je untersucht haben. Wir haben die Übertragung zu Wild- und Hauskatzen beobachtet und nun auch zu Haushunden. Bei Versuchen der Fütterung an Nagetiere und Frettchen haben wir herausgefunden, dass die Tiere Symptome zeigen, die noch nie bei Grippe aufgetreten sind, Anfälle, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, einseitige Lähmungen. Das ist nicht unsere normale Haus- und Hofgrippe. Soweit wir sehen, entwickelt sich das Virus zu einem Nachbau des Grippevirus von 1918, der letzten grossen Pandemie – dort ging es ebenfalls direkt von Vögeln auf Menschen über. Es gab eine zeitliche Entwicklung und diese unglaublich hohe Sterberate bei Menschen. 55 Prozent der Menschen, die mit H5N1 infiziert wurden, sind der Krankheit tatsächlich erlegen. Und es gibt nur eine kleine Anzahl von Menschen, die infiziert wurden und keine Kranheit ausgebildet haben.
In den Versuchsfütterungen bei Affen kann man sehen, dass es sogar einen spezifischen Regler im Immunsystem schwächt. Das Ergebnis davon ist es, was einen tötet, es ist nicht direkt das Virus, sondern das eigene Immunsystem, das überreagiert und sagt, "Was immer das ist, es ist so fremdartig, es macht mich rasend." Die meisten Verstorbenen waren Menschen unter 30 Jahren, kräftige, gesunde junge Erwachsene. Wir haben die Übertragung von Mensch zu Mensch in mindestens drei Anhäufungen beobachtet – zum Glück schliessen diese Fälle sehr intimen Kontakt ein, so ist es noch kein Risiko in grossem Rahmen für die Welt.
Gut, jetzt sind Sie nervös. Sie nehmen wahrscheinlich an, dass die Regierungen jetzt etwas tun werden. Und wir haben eine Menge Geld ausgegeben. Der grösste Teil der Ausgaben in der Administration von Bush steht tatsächlich eher in Verbindung mit Anthrax und der Bedrohung durch Biowaffen. Und sehr viel Geld wurde auf lokaler und Bundesebene verteilt, um Infektionskrankheiten zu untersuchen. Das Resultat sind gerade mal 15 Staaten, die für die Massenverteilung von Medikamenten und Impfstoffen im Falle einer Pandemie zertifiziert worden sind. Die Häfte der Staaten hätte schon in der ersten Woche keine freien Krankenhausbetten mehr, vielleicht auch zwei Wochen. Und 40 Staaten haben schon einen akuten Mangel beim Pflegepersonal. Wenn Sie jetzt eine pandemische Bedrohung hinzufügen, haben Sie ein grosses Problem.
Was haben diese Leute mit diesem ganzen Geld gemacht' Zahlreiche Übungen in der ganzen Welt. Tun wir mal so, als gäbe es eine Pandemie. Lasst uns alle herumrennen und unsere Rolle spielen. Das Hauptresultat ist gewaltige Verwirrung. Die meisten Leute wissen nicht, was ihre Aufgabe sein wird. Und das Endergebnis ist, jede einzelne Übung hat vor allem gezeigt, dass niemand weiss, wer verantwortlich ist. Niemand kennt die Befehlskette. In Los Angeles zum Beispiel, ist es der Bürgermeister, der Gouverneur, der Präsident der Vereinigten Staaten, der Chef der Nationalen Sicherheitsbehörde? Die Bundesregierung sagt, es ist der Mann mit dem Titel 'Prinicpal Federal Officer' der wohl zufällig bei TSA sitzt.
Die Regierung sagt, ihre Verantwortung liegt in erster Linie darin, das Virus ausserhalb des Landes zu halten, was, wie wir alle wissen, unmöglich ist, und anschliessend vor allem anderen die Belastung der Wirtschaft zu entschärfen. Um alles andere sollen sich die lokalen Gemeinschaften kümmern. Alles dreht sich um die Stadt, in der man lebt. Wie gut ist Ihr Stadtrat organisiert? Haben Sie einen guten Bürgermeister? Er ist der, der verantwortlich sein wird. Die meisten lokalen Einrichtungen werden sich darin überbieten, an Ihren Anteil an den Bundeslagern eines Medikaments namens Tamiflu zu kommen, was hilreich sein mag oder auch nicht – dazu komme ich noch – und an Impfstoff und andere Behandlungen, Masken und alles andere, das gelagert wird. Es wird einen massiven Konkurrenzkampf geben. Wir haben einen Impfstoff gekauft, wahrscheinlich haben Sie davon gehört, er wurde von Sanifo-Aventis entwickelt. Leider wurde er gegen die aktuelle Form von H5N1 hergestellt. Wir wissen, dass das Virus mutieren wird. Es wird ein anderes Virus sein. Der Impfstoff wird wahrscheinlich nutzlos sein. Hier kommen die Entscheidungen zum tragen.
Stellen Sie sich vor, Sie sind der Bürgermeister ihres Orts. Lassen Sie uns überlegen: Sollen wir veranlassen, dass alle Haustiere drin bleiben? Deutschland hat das letztes Jahr getan, als H5N1 dort auftauchte, um die Verbreitung zwichen den Haushalten durch Haustiere wie Katzen und Hunde usw. einzugrenzen. Was tun wir, wenn wir keine Schutzräume mit Luftfilterung haben, damit das Pflegepersonal sich um erkrankte Patienten kümmern kann? Diese hier sind in Hongkong. Wir haben nichts vergleichbares hier. Was ist mit Quarantäne? Während der SARS-Epidemie in Peking schien Quarantäne zu helfen. Wir haben keine einheitlichen Richtlinien in Bezug auf Quarantäne in den Vereinigten Staaten. Einige Staaten haben verschiedene Richtlinien für jeden Bezirk. Aber was ist mit den selbstverständlichen Massnahmen? Sollten wir alle Schulen schliessen? Aber was ist dann mit den Arbeitern? Sie gehen nicht arbeiten, wenn ihre Kinder nicht in der Schule sind. Sollten wir Telearbeit fördern? Was funktioniert?
Die britische Regierung hat ein Modellprojekt zu Telearbeit durchgeführt. Sechs Wochen lang liessen sie das ganze Bankwesen so tun, als ob eine Pandemie im Gange sei. Sie stiessen auf die Kernfunktionen, es gab zwar irgendwie immer noch Banken, aber man konnte niemanden hinschicken, um die Geldautomaten aufzufüllen. Niemand verarbeitete die Kreditkartentransaktionen. Die Versicherungszahlungen wurden nicht ausgeführt. Grundsätzlich wäre die ganze Wirtschaft in einem Katastrophenzustand. Und das sind nur die Büroarbeiter, Banker.
Wir wissen nicht, wie wichtig das Händewaschen bei der Grippe ist – schockierend. Man nimmt an, dass es eine gute Sache ist, sich oft die Hände zu waschen. Aber in der wissenschaftlichen Gemeinschaft gibt es eine hitzige Debatte darüber, welcher Prozentsatz der Grippeübertragung zwischen Menschen durch Niesen und Husten geschieht und wieviel über die Hände passiert. Das medizinische Institut hat versucht, die Maskenfrage zu klären. Welchen Weg können wir gehen im Wissen, dass wir nicht genügend Masken haben werden, weil sie in Amerika nicht mehr hergestellt werden? Sie werden alle in China produziert. Brauchen wir N95? Eine moderne und ausgezeichnete, auf jedes einzelne Gesicht angepasste Maske? Oder können wir es mit anderen Arten von Masken lösen? Bei der SARS-Epidemie in Hongkong haben wir festgestellt, dass die meisten Übertragungen stattfanden, weil die Leute ihre Masken nicht richtig auszogen. Ihre Hand wurde von der Aussenseite der Maske verunreinigt und sie rieben ihre Nasen. Bingo! Sie bekamen SARS. Es waren nicht die fliegenden Mikroben. Wenn Sie genau jetzt online gehen, finden Sie Unmengen von schwachsinniger Fehlinformation. Am Ende kaufen Sie eine – sie heisst N95 Maske. Lächerlich. Wir haben nicht einmal eine Grundlage dafür, woraus die Schutzausrüstung für die Erstbetreuenden bestehen soll, die Leute, die tatsächlich vorne an der Front sind.
Und Tamiflu. Von diesem Medikament haben Sie wahrscheinlich gehört, ein patentiertes Medikament, hergestellt von Hoffmann - La Roche. Es gibt Anzeichen dafür, dass man damit Zeit gewinnen kann inmitten eines Ausbruchs. Sollte man Tamiflu über eine lange Zeitspanne einnehmen, gehören Suizidgedanken zu den Nebenwirkungen. Eine Umfrage zur öffentlichen Gesundheit hat den Effekt analysiert, den eine grossflächige Nutzung von Tamiflu hätte, sie zeigt dies sogar als kontraproduktiv für die öffentliche Gesundheit auf, es macht es nur schlimmer. Und noch eine interessante Sache: wenn ein Mensch Tamiflu zu sich nimmt, werden nur 20 Prozent davon so umgewandelt, dass sie im menschlichen Körper eine aktive Verbindung bilden. Der Rest wird zu einer festen Verbindung, welche trotz Filtern ins Wassersystem gelangt und dabei die grippeverseuchten Wasservögel erreicht, was dazu führt, dass diese möglicherweise restistente Virenstämme entwickeln. Sowohl in Vietnam als auch in Ägypten haben wir bei Mensch zu Mensch-Übertragung Virenstämme beobachtet, die gegen Tamiflu resistent sind. Ich persönlich denke, dass die Lebenserwartung für Tamiflu als effektives Medikament sehr begrenzt ist – wirklich sehr begrenzt.
Gleichwohl basieren die Regelwerke der meisten Regierungen für Grippe-Epidemien darin, Lagerbestände von Tamiflu anzulegen. Rußland hat tatsächlich genug davon an Lager, um 95 Prozent aller Russen zu versorgen. Wir haben genügend an Lager für 30 Prozent. Wenn ich 'genügend' sage, meine ich genügend für zwei Wochen. Dann bleibt man alleine zurück, weil die Pandemie noch 18 oder 24 Monate weitergeht. Einige der ärmeren Länder, die am meisten Erfahrung mit H5N1 haben, haben Lager voller Medikamente, die bereits abgelaufen sind. Was wissen wir von 1918, von der letzten grossen Pandemie? Die Bundesregierung hat den Großteil der Verantwortung abgetreten. Und am Ende hatten wir dieses Flickwerk von Regeln über Amerika verstreut. Jede Stadt, jeder Bezirk ergriff eigene Maßnahmen. Und die Regeln und Glaubenssysteme waren äusserst unterschiedlich. In manchen Fällen wurden alle Kirchen, Schulen und öffentlichen Orte geschlossen.
Die Pandemie zirkulierte drei Mal in 18 Monaten, und das ohne die zivile Luftfahrt. Die zweite Welle war die mutierte, äusserst tödliche Welle. Während der ersten Welle hatten wir genügend Pflegepersonal. Aber zur Zeit als die zweite Welle kam, trafe es soviele, die im Gesundheitswesen arbeiteten, dass wir die meisten unserer Ärzte und Krankenschwestern an der Front verloren. Insgesamt haben wir rund 700.000 Menschen verloren. Das Virus war tödlich für 100 Prozend der schwangeren Frauen. Wir wissen nicht einmal, warum. Der grösste Anteil der Toten war 15 bis 40 Jahre alt – starke, gesunde junge Erwachsene. Es war vergleichbar mit der Pest. Wir wissen nciht genau, wieviele Menschen gestorben sind. Die tieferen Schätzungen gehen von 35 Millionen aus. Das bezieht sich auf eurpäische und Nordamerikanische Daten.
Eine neue Studie von Chris Murray in Harvard zeigt, dass wenn man die Datenbanken ansieht, welche die Briten in Indien führten, stellt man eine 31 Prozent höhere Sterberate bei den Indern fest. Wir haben also starken Grund zur Annahme, dass die Sterberate an armen Orten viel höher war. Und eine wahrscheinlichere Zahl liegt irgendwo im Bereich von 80 bis 100 Millionen Menschen, noch bevor wir die zivile Luftfahrt hatten. Also, sind wir bereit? Als ein Land sind wir es nicht. Und ich denke, sogar unsere Führungspersonen würden in diesem Fall sagen, dass wir noch sehr viel zu tun haben.
Was bedeutet das nun für Sie. Nun, als erstes würde ich keine privaten Vorräte von irgendwas anlegen, für Sie selbst, Ihre Familie oder Ihre Angestellten, bevor Sie Ihre Hausaufgaben wirklich gemacht haben. Welche Masken funktionieren? Welche Masken funktionieren nicht? Wieviele Masken braucht man? Die Studie des medizinischen Instituts bemängelt, dass die Masken nicht rezykliert werden können. Wenn man nun denkt, die Pandemie bleibt 18 Monate, kauft man dann Masken für die Dauer von 18 Monaten für jede einzelne Person in der Familie?
Dann wissen wir auch nicht, mit Tamiflu wieder – die häufigste Nebenwirkung von Tamiflu sind Grippesymptome. Woher weiss man also, wer in der Familie die Grippe hat, wenn jeder Tamiflu nimmt? Wenn man diese Gedanken auf eine ganze Gemeinde ausweitet, oder alle Beschäftigten in einem Unternehmen, stellt man fest, wie eingeschränkt die Möglichkeiten von Tamiflu sein könnten. Alle sind gekommen und haben zu mir gesagt, sie würden Wasser- oder Essensvorräte anlegen. Wirklich? Haben Sie einen Ort, um Essensvorräte für 18 oder gar 24 Monate zu lagern? Wollen wir die Pandemiebedrohung so sehen, wie die Menschen in den 50ern den Zivilschutz sahen und unsere eigenen kleinen Luftschutzkeller gegen die pandemische Grippe bauen? Ich finde das nicht vernünftig.
Ich denke, wir müssen nicht als Individuen vorbereitet sein, sondern als Gemeinschaften, vorbereitet als ein Land, vorbereitet als ein Staat, als eine Stadt. Zurzeit ist der grösste Teil der Vorbereitung äusserst fehlerhaft. Ich hoffe, ich habe Sie davon überzeugt, denn das bedeutet, dass die eigentliche Aufgabe lautet, rauszugehen und Ihre lokalen und nationalen Führungspersonen zu fragen: "Warum haben Sie diese Probleme nicht gelöst? Wieso denken Sie immer noch, dass die Erfahrungen von Katrina auf die Grippe nicht zutreffen?" Wir müssen den Druck am richtigen Ort aufsetze. Aber ich denke, die anderes Sache ist, wenn man Mitarbeiter hat und ein Unternehmen, dann hat man eine gewisse Verantwortung, zum Nachweis, dass man für sie vorausdenkt und versucht zu planen. Der britische Plan mit dem Bankwesen zeigte zumindest, dass Telearbeit hilfreich sein kann. Wahrschenlich reduziert es die Ansteckung, denn die Leute kommen nicht ins Büro und husten einander an oder berühren dieselben Objekte und reichen sich Dinge von Hand zu Hand. Aber kann man so ein Unternehmen aufrechterhalten? Wenn es eine Internetfirma ist, geht das vielleicht. Andernfalls wird es Probleme geben. Ich freue mich, Ihre Fragen zu beantworten. (Applaus)
Publikum: Welcher Faktoren bestimmen die Dauer einer Pandemie?
Laurie Garret: Welche Faktoren die Dauer bestimmen, wissen wir nicht wirklich. Ich könnte Ihnen verschiedene Statistiken nennen, aber ehrlich gesagt wissen wir es nicht. Im Endeffekt schwächt sich das Virus vielleicht ab ist für die Menschheit nicht mehr tödlich und findet andere Wirte. Aber wir wissen nicht, wie und warum das geschieht. Es ist eine sehr komplizierte Ökologie.
Publikum: Welche Warnsignale müssen wir beachten? Sie wissen wahrscheinlich viel mehr als wir alle. Kann man sagen, wenn dies oder das geschieht, kommt eine Pandemie?
LG: Der Moment, in dem man Beweise findet für eine ernsthafte Übertragung von Mensch zu Mensch. Nicht nur im inneren Familienkreis, wo man sich um einen kranken Bruder oder eine Schwester kümmert, sondern in einer infizierten Gemeinschaft – die Ausbreitung an einer Schule, in Schlafsälen, etwas in dieser Art. Ich denke, das ist jetzt die allgemeine Vereinbarung von der WHO und allen Organisationen. Dann schicken sie den Alarm.
Publikum: Forschungen deuten darauf hin, dass Statine helfen können. Können Sie darüber etwas sagen?
LG: Ja. Es gibt Anzeichen, dass die Einnahme von Lipitor und anderen geläufigen Statinen zur Cholesterinkontrolle die Anfälligkeit für Grippeerkrankungen verringern können. Aber wir verstehen nicht vollständig, warum. Der Vorgang ist nicht klar. Und ich glaube, man kann nicht auf eine verantwortungsvolle Weise seine Kinder mit Lipitor oder etwas in dieser Art behandeln. Wir haben überhaupt keine Ahnung, was die Auswirkungen wären. Man könnte mit einem solchen Vorgehen sehr gefährliche Ergebnisse bei seinen Kindern verursachen.
Publikum: Inwieweit haben wir bereits die Möglichkeit, zu bestimmen, ob jemand das Virus trägt, bereits bevor die Symptome voll ausgebildet sind?
LG: Richtig. Lange Zeit sagte ich, dass wir wirklich dringend ein schnelles Diagnostikum brauchten. Unsere Zentren für Krankheitskontrolle haben einen der von ihnen entwickelten Tests – als schnelles Diagnostikum bestimmt. Es erfordert 24 Stunden in einem hochentwickelten Labor und in sehr fachmännischen Händen. Ich denke da an einen einfachen Messtab. Man könnte es mit seinem eigenen Kind machen, es wechselt einfach die Farbe. So sagt es einem, ob man H5N1 hat. Im Hinblick darauf, wo wir in der Wissenschaft mit DNS-Identifikation usw. stehen, ist das nicht mehr so weit entfernt. Wir sind noch nicht soweit. Es wurden noch nicht die richtigen Investitionen in diese Richtung gemacht.
Publikum: Wenn ich es richtig verstehe, dachte man 1918, es gäbe eine Abschwächung des Virus', gerade dann, als es den Sprung zum Menschen machte. Denken Sie, dass es hier ähnlich ist? Ich meine, eine Sterberate von 100 Prozent, das ist sehr ernst.
LG: Nun ja. Wir wissen noch nicht wirklich, wie die Sterberate des Virenstamms von 1918 für Wildvögel war, bevor es von Vögeln auf Menschen überging. Es ist merkwürdig, dass es keinen Beweis für ein Massensterben von Hühnern oder anderen gehaltenen Vögeln in Amerika gibt, bevor die menschliche Pandemie aufkam. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass diese Ereignisse auf der anderen Seite der Welt auftraten, wo niemand sich darum gekümmert hat. Aber das Virus ist ganz klar einmal um die Welt gegangen in einer Form, die mild genug war, dass die britische Armee im ersten Weltkrieg es tatsächlich als 'keine Bedrohung' und als nicht massgebend für das Ergebnis des Krieges eingeschätzt hat. Und als es die Welt einmal umrundet hatte, kam es in einer ungeheuer tödlichen Form zurück. Welcher Prozentsatz der infizierten Menschen ist dadurch gestorben? Auch hier wissen wir es nicht genau. Natürlich, wenn man von vorneherein unterernährt war, wenn man ein geschwächtes Immunsystem hatte, in Armut in Indien oder Afrika lebte, dann war die Wahrscheinlichkeit zu sterben viel grösser. Aber wir wissen es nicht wirklich.
Publikum: Ich habe gehört, dass die eigentliche Todesursache einer Grippe die damit verbundene Lungenentzündung sei. Und dass ein Impfstoff gegen Lungenentzündung zu einer um 50 Prozent besseren Überlebenschance führen könnte.
LG: Krankheitsforscher waren lange Zeit eher unintressiert an der Bedrohung durch die pandemische Grippe, aufgrund dessen, dass es 1918 noch keine Antibiotika gab. Und weil die meisten Menschen, die an einer normalen Grippe sterben, was in einem normalen Grippejahr rund 360.000 Menschen weltweit entspricht, zumeist Senioren sind. Sie sterben nicht an der Grippe, sondern weil die Grippe ihr Immunsystem angreift. Damit kommen Pneumokokken oder andere Bakterien, Streptokokken, und zack, schon haben sie eine bakterielle Lungenentzündung. Aber es hat sich herausgestellt, dass das 1918 überhaupt nicht so war. Und in den bisherigen H5N1-Fällen bei Menschen waren ähnliche bakterielle Infektionen ebenfalls kein Problem. Es ist dieser komplette Zusammenbruch des Immunsystems, das ist die Ursache, warum Menschen an diesem Virus sterben.
Ich möchte nur hinzufügen, dass wir dasselbe mit SARS beobachtet haben. Was also passiert ist, der Köper sagt – das Immunsystem schickt all seine Wachposten aus und sagt, "Ich weiss nicht, was zum Kuckuck das ist. Wir haben nie auch nur annähernd so etwas gesehen." Es wird nicht helfen, die Scharfschützen rauszuschicken, denn diese Antikörper sind gar nicht da. Und es wird ebenfalls nicht helfen, die Panzer und die Artillerie zu holen, weil die T-Lymphozyten das Virus auch nicht erkennen. Deshalb müssen wir eine thermonukleare Antwort haben, die ganze zytokine Kaskade stimulieren. Das ganze Immunsystem strömt dann in die Lungen. Dann sterben sie, ertrunken in ihren eigenen Flüssigkeiten von der Lungenentzündung. Aber es ist keine bakterielle Lungenentzündung. Und es ist keine Lungenentzündung, die auf eine Impfung reagieren würde. Ich glaube, meine Zeit ist um. Ich danke Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit. (Applaus)
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Während sich die Welt 2007 vor einer pandemischen Vogelgrippe fürchtete, hielt Laurie Garrett, Autorin von "Die kommenden Plagen" diesen eindringlichen Vortrag. Ihre Einsichten aus vergangenen Pandemien sind plötzich relevanter denn je zuvor.
Pulitzer winner Laurie Garrett studies global health and disease prevention. Her books include "The Coming Plague" and "Betrayal of Trust," about the crisis in global public health. Full bio »
Translated into German by Seth Warncke
Reviewed by Karin Friedli
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Let’s pretend there’s a pandemic. Let’s everybody run around and play your role. Main result is that there is tremendous confusion. … Nobody knows who’s in charge. Nobody knows the chain of command.” (Laurie Garrett)
25:50 Posted: Jul 2006
Views 170,067 | Comments 39
12:15 Posted: Mar 2009
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