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Joseph Lekuton erzählt eine Parabel von Kenia

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Ich heiße Joseph und bin Parlamentsmitglied in Kenia. Stellen Sie sich ein Dorf der Massai vor. Eines Abends kommen Soldaten der Regierung, umstellen das Dorf, und fordern jeden Erwachsenen auf, einen Jungen in die Schule zu schicken. So kam ich zur Schule, indem ein Typ der Regierung eine Waffe hoch hielt und meinem Vater sagte: "Du musst eine Wahl treffen." Und so konnte ich ohne Sorge in diese Missionsschule gehen, die von einem amerikanischen Missionar geführt wurde, und das erste, was mir der amerikanische Missionar gab, war etwas Süßes. Ich hatte in meinem Leben noch nie Süßigkeiten gegessen. Und so sagte ich mir, mit all diesen anderen hundert Jungen: "Hier gehör' ich hin." Und blieb - (Lachen) - während jeder um mich herum aufhörte. Meine Familie zog herum. Wir sind Nomaden. Jedes Mal, wenn die Schule schloss - es war eine Internatsschule und ich war sieben - musste man herumreisen, bis man sie fand. 50 Meilen, 40 Meilen, das spielte keine Rolle. Man schlief im Busch, aber machte weiter.

Und ich blieb. Ich weiß nicht warum, aber ich blieb. Und ehe ich mich versah, bestand ich die staatliche Prüfung und fand mich in einer sehr schönen High School in Kenia wieder. Und ich beendete die High School und fand jemanden, der mir ein Vollstipendium für die Vereinigten Staaten gab. Meine Mutter lebt immer noch in einer Hütte aus Kuhdung, keiner meiner Brüder geht zur Schule, und dieser Mann sagt zu mir: "Hier, los."

Ich bekam ein Stipendium für die St. Lawrence University im Bundesstaat New York. Beendete das und besuchte danach die Harvard Graduiertenfakultät. Beendete das und dann hab' ich ein wenig in Washington, DC gearbeitet. Ich schrieb ein Buch für den National Geographic und lehrte Geschichte der USA. Und während der ganzen Zeit ging ich immer wieder zurück in die Heimat und hörte mir die Probleme der Menschen an; kranke Menschen, Menschen ohne Wasser und all das. Und jedes Mal, wenn ich zurückkehrte nach Amerika, dachte ich weiter über sie nach.

Dann eines Tages erzählte mir ein Stammesälterer eine Geschichte und sie ging so: Vor langer Zeit herrschte ein großer Krieg zwischen Stämmen. Und es gab da einen Stamm, der ziemliche Angst vor diesem anderen Luhya-Stamm hatte. Und sie sandten immer Späher aus um sicherzugehen, dass sie nicht angegriffen wurden. Eines Tages eilten die Späher herbei und berichteten den Dorfbewohnern: "Die Feinde kommen; nur eine halbe Stunde von hier entfernt. Bald werden sie hier sein." So gab es ein Gerangel, die Leute nahmen ihre Habe und machten sich bereit wegzugehen. Aber da waren zwei Männer, einer war blind, der andere hatte von Geburt an keine Beine. Der Anführer der Häuptlinge sagte: "Tut uns leid, wir können euch nicht mitnehmen, dann sind wir zu langsam. Wir müssen unsere Frauen und Kinder wegbringen, wir müssen rennen." Und sie wurden zurückgelassen, darauf wartend zu sterben.

Aber die beiden ersannen etwas. Der Blinde sagte: "Schau, ich bin ein sehr starker Mann, aber ich kann nicht sehen." Der Mann ohne Beine sagt: "Ich kann bis ans Ende der Welt sehen, aber ich kann mich vor keiner Katze oder was auch immer in Sicherheit bringen." Also ging der Blinde in die Knie und forderte den anderen auf, sich auf seine Schultern zu setzen, und stand auf. Der obere kann sehen, der Blinde kann gehen. Und sie liefen los, folgten den Fußspuren der Dorfbewohner, bis sie sie fanden und an ihnen vorbeizogen.

Das wurde mir von einem Älterenrat erzählt. Es ist eine sehr arme Gegend, ich vertrete Nord-Kenia, die nomadischsten, abgelegensten Gebiete überhaupt. Und dieser Mann sagte zu mir: "Hier bist du nun also, mit einer guten Ausbildung von Amerika, du hast dort ein gutes Leben. Was wirst du für uns tun? Wir wollen, dass du unsere Augen bist, wir geben dir die Beine. Wir laufen für dich, du führst uns."

Die Gelegenheit war nun da, ich hatte ja immer darüber nachgedacht: Was kann ich tun, um meinem Volk zu helfen? Man kommt dort jedes Mal in ein Gebiet, in dem wir nach 43 Jahren der Unabhängigkeit immer noch keine grundlegenden Gesundheitseinrichtungen haben. Man muss in einer Schubkarre transportiert werden - 20, 30 km - um in ein Krankenhaus zu kommen. Es gibt kein sauberes Trinkwasser.

Also sagte ich mir: "Ich werde mich dem verschreiben. Ich verlasse Amerika. Ich werde für ein Amt kandidieren." Im letzen Juni kam ich aus Amerika zurück, trat zur Wahl im Juli an und gewann. Für sie bin ich zurückgekommen und das ist meine Aufgabe.

Und nun habe ich in den letzten neun Monaten einen Plan erstellt, sodass in fünf Jahren jeder Nomade sauberes Trinkwasser haben wird. Wir eröffnen Arzneiausgaben überall in unserem Wahlbezirk. Ich bitte meine Freunde aus Amerika um Hilfe, Schwestern und Ärzte zu schicken, um uns zu helfen. Ich versuche, die Infrastruktur zu verbessern. Ich nutze das in den USA und von meiner Gemeinde erhaltene Wissen, um sie voranzubringen. Ich versuche, hausgemachte Lösungen für unsere Angelegenheiten zu entwickeln. Denn wir wissen zwar, dass Fremde kommen und uns helfen können, wenn wir uns jedoch nicht selbst helfen, können wir gar nichts bewegen.

Mein Plan ist deshalb, während ich weiterhin Studenten mit verschiedenen Gebieten vertraut mache - einige werden Ärzte, einige Anwälte - wollen wir eine umfassende Gruppe von Leuten entwickeln, Studenten, die zurückkehren und uns beim Voranbringen einer Gemeinde helfen, die sich mitten in einer gewaltigen wirtschaftlichen Rezession befindet.

Während ich also weiterhin ein Mitglied des Parlaments bin und Ihnen allen zuhöre, wie Sie über Botanik, Gesundheit, Demokratie und neue Erfindungen sprechen, hoffe ich, dass eines Tages in meiner eigenen kleinen Gemeinde von 26.000 Qudadratkilometern, vielleicht fünf mal so groß wie Rhode Island, ohne Straßen, wir zu einem Vorbild werden, um anderen in ihrer Entwicklung zu helfen. Vielen Dank.

About The Speaker

A teacher, writer and member of the Kenyan parliament, Joseph Lekuton has an inspiring vision for Kenya.
Full bio and more links

About This Talk

Joseph Lekuton, Parlamentsmitglied in Kenia, beginnt mit der Geschichte seiner außergewöhnlichen Ausbildung und erzählt uns dann eine Parabel darüber, wie Afrika voran kommen kann. Seine Botschaft der Hoffnung war nie so wichtig wie heute.

Translated into German by Anne Mentz
Reviewed by Andreas Kreuzeder
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