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Wissen Sie wie wiele Arten von Blütenpflanzen es gibt? Eine viertel Million – das ist die Zahl der bekannten Arten – eine viertel Million Arten von Blütenpflanzen. Und Blüten sind echte Teufelskerle. Pflanzen haben grosse Mühe sie zu produzieren. Sie benötigen eine enorme Menge an Energie und Rohstoffen. Wieso machen sie sich diese Mühe? Die Antwort darauf ist natürlich, wie auf so vieles in der Welt: Sex. Ich weiss woran Sie denken, wenn Sie diese Bilder anschauen. Und die Antwort darauf, weshalb sexuelle Reproduktion so wichtig ist -- es gibt viele andere Wege für Pflanzen um sich zu vermehren. Nehmen wir Ableger; die können sozusagen Sex mit sich selbst haben; sie können sich selbst bestäuben. Aber sie müssen eigentlich ihre Gene verbreiten um sie mit anderen Genen zu vermischen, damit sie ökologischen Nischen besetzen können. So funktioniert die Evolution.
Pflanzen geben diese Informationen über Pollen weiter. Einige von Ihnen haben ein paar dieser Bilder möglicherweise schon einmal gesehen. Wie ich immer sage: jeder müsste Zuhause ein Rasterelektronenmikroskop haben, um sie sehen zu können. Es gibt so viele unterschiedliche Arten von Pollen wie es Blütenpflanzen gibt. Und das ist sehr nützlich für die Forensik und so weiter. Die meisten Pollen, die bei uns Heuschnupfen auslösen stammen von Pflanzen, die den Wind nutzen um ihre Pollen zu verbreiten. Das ist ein sehr ineffizienter Prozess, weshalb so viel davon in unseren Nasen landet. Weil die Pflanzen sehr große Mengen hinausschleudern, in der Hoffnung, dass die männlichen Geschlechtszellen, die sich in den Pollen befinden, nur durch Zufall eine andere Blume treffen. Alle Gräser, also alle Getreidepflanzen und die meisten Bäume transportieren Pollen durch den Wind. Die meisten Arten nutzen aber Insekten für ihre Zwecke. Und das ist der intelligentere Weg, da so weniger Pollen benötigt werden. Die Insekten und andere Arten können die Pollen direkt an ihren Bestimmungsort bringen.
Wir sind uns der Beziehung zwischen Insekten und Pflanzen natürlich bewusst. Das ist eine symbiotische Beziehung. Egal ob Fliegen, Vögel oder Bienen, sie profitieren auch davon, in der Regel durch den Nektar. Diese Symbiose hat zu einigen wunderbaren Anpassungen geführt - der Kolibrischwärmer ist eine wunderschöne Anpassung. Die Pflanze profitiert davon, dass der Kolibri die Pollen weiterverbreitet. Pflanzen haben kleine Landebahnen für Bienen entwickelt, die ihren Weg sonst nicht finden. Auf vielen Pflanzen sind Markierungen, die anderen Insekten ähneln. Das sind die Staubbeutel einer Lilie, eine sehr clevere Konstruktion. Wenn ein ahnungsloses Insekt auf ihr landet, klappen die Beutel hoch und schlagen dem Insekt auf den Rücken, wo die Pollen hängen bleiben und zu anderen Pflanzen gebracht werden. Das ist eine Orchidee, die so aussieht als ob sie ein Maul hätte. Die Insekten sind dadurch gezwungen herauszukrabbeln und werden dadurch von Pollen bedeckt.
Es gibt mindestens 20.000 Orchideenarten - eine beeindruckende Vielfalt. Und sie haben alle möglichen Tricks auf Lager. Sie müssen Bestäuber anlocken die ihnen helfen. Diese Orchidee, bekannt durch die Untersuchungen von Charles Darwin, der bei ihrem Anblick eine großartige These aufgestellt hat. Sie sehen eine sehr lange Nektarröhre, die von der Orchidee heruntergeht. Und was Insekten dort in der Mitte der Blume tun müssen - sie müssen ihren kleinen Saugrüssel dort hinein und die ganze Nektarröhre hinab stecken um an den Nektar zu kommen. Und als Darwin diese Blume sah sagte er: "Etwas muss sich parallel dazu entwickelt haben." Und tatsächlich, hier ist dieses Insekt. Normalerweise rollt es den Rüssel ein, aber in seiner gestreckten Form sieht er so aus.
Sie können sich vorstellen, dass, wenn Nektar so wertvoll und für die Pflanze aufwendig zu produzieren ist und viele Bestäuber anlockt, dann ist es wie bei menschlichem Sex, die Menschen beginnen zu täuschen. Sie sagen etwa: "Ich habe Nektar, willst du kommen und ihn Dir holen?" Das hier ist ein Pflanze die Insekten in Südafrika einfach lieben. Und sie haben einen langen Saugrüssel entwickelt um an den Nektar zu kommen. Und das ist eine Nachahmerin, eine Pflanze, die das Original kopiert. Und hier ist die Fliege mit langem Rüssel die keinen Nektar von der Nachahmerin bekommen hat. Weil die Nachahmerin, anders als die Fliege erwartet, gar keinen Nektar hat. Die Fliege hat aber nicht nur keinen Nektar bekommen, sie hat außerdem - wenn Sie ganz genau hinschauen, am Kopfende des Rüssels sehen Sie Pollen die sie zu weiteren Pflanzen übertragen hätte, wenn nur nicht ein Botaniker vorbeigekommen wäre und sie auf blaues Papier geklebt hätte.
Täuschung zieht sich durch das ganze Pflanzenreich. Diese schwarzen Punkte auf er Blume, sie sehen für uns wie schwarze Punkte aus, aber für männliche Insekten bestimmter Arten sehen sie wie zwei Weibchen aus, die sehr heiß sind. (Lachen) Und wenn das Insekt dort landet nimmt es Pollen auf, die es zu weitern Pflanzen bringt. Wenn Sie sich das "Jeder-Haushalt-sollte-eins-haben"-Elektronenmikroskop Bild ansehen sehen Sie, dass es gewisse dreidimensionale Muster gibt. Es sieht für das Insekt wohl nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut an.
Und diese Elektronenmikroskop-Bilder - hier eins von einer Orchidee, die ein Insekt imitiert - zeigen, dass verschiedene Teile der Form verschiedene Farben haben und scheinbar unterschiedliche Oberflächen, und für die Wahrnehmung eines Insekts sind die Texturen sehr, sehr unterschiedlich. Diese Pflanze hat das Imitat einer glänzenden metallischen Oberfläche entwickelt, wie man es auf manchen Käfern sieht. Und unter dem Elektronen-Mikroskop sieht man, dass diese Oberfläche ganz anders ist, als die, die wir bisher betrachtet haben. Manchmal imitiert die ganze Pflanze ein Insekt, sogar in unserer Wahrnehmung. Ich finde, das sieht aus wie ein fliegendes Tier. Es ist eine wunderbare Sache.
Diese hier ist clever. Sie heißt Obsidium. Für bestimmte Bienen sieht sie aus, wie eine andere, besonders aggressive Biene, daher fliegt sie hin und haut ihr mehrfach auf den Kopf um sie zu vertreiben und nimmt dabei natürlich viele Pollen auf. Gleichzeitig imitiert diese Pflanze eine andere Orchidee, die reichhaltiges Nahrungsangebot für Insekten bereit hält. Diese hier hat aber nichts für sie. Sie betrügt also auf zwei Ebenen - fabelhaft.
Hier sehen wir den Canangabaum, ein Inhaltsstoff vieler Parfums. Ich habe vorhin eines an jemandem gerochen. Die Blüten müssten eigentlich gar nicht so bunt sein. Sie senden ein fantastisches Spektrum an Düften an alle Insekten. Diese hier riecht nicht so gut. Das ist eine Blüte, die wirklich sehr scheußlich riecht und das hat sich entwickelt um Aas zu imitieren. Daher lieben Fliegen sie. Sie fliegen rein und bestäuben sie. Das ist ein Helicodiceros, auch bekannt als "totes Pferd". Ich weiß nicht, wie ein totes Pferd riecht, aber die Pflanze trifft es wahrscheinlich ganz gut. Es ist wirklich furchtbar. Und Schmeißfliegen können sich nicht zurückhalten. Sie fliegen rein bis ganz nach hinten und legen ihre Eier dort ab, das sie denken es ist Aas, ohne zu realisieren, dass keine Nahrung für die Eier da ist, die deshalb sterben, die Pflanze aber profitiert davon, da die Fliege voll Pollen wieder weiterfliegt und die nächste Blüte bestäubt - fantastisch.
Das hier ist Arum maculatum, der Gefleckte Aronstab. Ich habe ihn letzte Woche in Dorset fotografiert. Er erwärmt sich auf ca. 15° über Umgebungstemperatur - faszinierend. Und wenn man in die Pflanze hineinschaut, ist dort eine Art Barriere hinter den Blütenständen. Fliegen werden von der Hitze angezogen, durch die flüchtige Chemikalien entstehen, und sind dann unten in dem Behälter gefangen. Sie trinken den wunderbaren Nektar und sind danach klebrig. Nachts kriegen sie dann eine Pollendusche und danach erschlaffen die Borsten, die wir oben gesehen haben und geben dadurch den Mücken, die voll Pollen sind, den Weg frei - großartige Sache.
Wenn Sie das für großartig halten, jetzt kommt einer meiner Favoriten. Das ist der Philodendron Selloum. Falls jemand aus Brasilien hier ist, Sie werden die Pflanze kennen. Sie ist wirklich faszinierend. Diese Art Phallus dort ist ca. 30cm lang. Und er macht etwas, das keine andere Pflanze die ich kenne macht, und zwar wenn er blüht. Dort in der Mitte sind die Blütenstände - ca. 2 Tage lang hat es einen Stoffwechsel, der dem von Säugetieren sehr ähnlich ist. Anstatt sich von Stärke zu ernähren, was die Nahrung von Pflanzen ist, nimmt es etwas, das braunem Fettgewebe ähnlich ist und verbrennt es so zügig, dass die Fettverbrennungsrate, der Stoffwechsel, dem einer kleinen Katze entspricht. Das ist die doppelte Energieproduktion eines Kolibris, im Verhältnis zum Gewicht - wahnsinnig beeindruckend. Er macht aber noch etwas das unüblich ist. Er erwärmt sich nicht nur auf 43 bis 44 °C für ca. 2 Tage, sondern hält eine konstante Temperatur. Er kann seine Temperatur regulieren und dadurch konstant halten. Sie fragen sich: "Warum tut er das?" Wie Sie sich denken können, gibt es einige Käfer, die es lieben sich bei dieser Temperatur zu paaren. Und sie fliegen hinein und legen los. (Lachen) Und die Pflanze überschüttet sie mit Pollen, und sie fliegen weiter und bestäuben. Was für eine wunderbare Sache.
Der typische Bestäuber für uns ist ein Insekt. Aber in den Tropen bestäuben auch viele Vögel und Schmetterlinge. Und viele tropische Blüten sind rot und wir glauben, das liegt daran, dass Vögel und Schmetterlinge ähnlich sehen wie wir und daher die Farbe rot sehr gut sehen können. Wenn man sich das Spektrum von Vögeln und Menschen anschaut, wir sehen Rot, Grün und Blau also dieses Spektrum hier. Insekten sehen Grün, Blau und Ultraviolett und verschiedene Stufen von Ultraviolett. Also etwas, das hinter unserem Spektrum weiter geht. Und ich höre Sie fragen: "Wäre es nicht toll, wenn wir das auch sehen können?" Natürlich können wir das. Was sieht also ein Insekt? Letzte Woche habe ich dieses Sonnenröschen in Dorset fotografiert. Wie Sie sehen sind das kleine gelbe Blumen, kleine gelbe Blüten überall. Und so sehen sie bei sichtbarem Licht aus. So sieht es aus, wenn man das rot herausnimmt. Die meisten Bienen sehen kein rot. Und dann habe ich mit Ultraviolett-Filtern fotografiert und sehr, sehr lange die speziellen ultravioletten Frequenzen belichtet und das kam dabei heraus. Und das ist eine fantastische Zielscheibe.
Wir wissen nicht genau was Bienen sehen, genau wie Sie nicht wissen was ich sehe, wenn ich sage "Das ist rot". Wir können nicht in die Gedanken von Insekten oder anderen Menschen hineinsehen. Aber der Kontrast wird in etwa so sein. Sie sticht vor dem Hintergrund heraus. Hier ist eine weitere kleine Blüte - andere Bandbreite von Ultraviolett-Frequenzen, andere Filter, die den Bestäubern ähnlich sind. Und das ist das was sie sehen würden. Falls Sie jetzt denken alle gelben Blüten haben diese Eigenschaft - keine Blüte kam für dieses Bild zu Schaden; sie wurde nur am Stativ befestigt, nicht getötet - doch unter ultraviolettem Licht sieht es so aus. Und das könnte als Basis einer Sonnencreme dienen, weil Sonnencremes UV-Licht absorbieren. Die Stoffe in der Pflanze könnten dabei hilfreich sein.
Abschließend haben wir eine Nachtkerze die Bjorn Rorslett mir aus Norwegen geschickt hat - fantastische versteckte Muster. Ich liebe die Idee von versteckten Dingen. Ich finde da ist etwas poetisches enthalten. Und zwar, dass diese Bilder mit UV-Filtern gemacht wurden, Filter die vor allem von Astronomen genutzt werden um die Venus zu fotografieren - genauer gesagt ihre Nebel. Das ist der Hauptzweck dieser Filter. Venus ist die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, und das wiederum ist die Geschichte der Blüten. Und Blumen zeigen nicht nur große Anstrengungen um Bestäuber anzulocken, sie schaffen es außerdem, dass wir große Felder voll mit ihnen Pflanzen und sie uns gegenseitig bei Geburten und Toden schenken, und vor allem bei Hochzeiten, welche, wenn man darüber nachdenkt, der Moment sind, an dem der Austausch von genetischem Material von einem Organismus zu einem anderen festgelegt wird.
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In diesem visuell überwältigenden Vortrag zeigt Jonathan Drori die außergewöhnlichen Techniken die Blütenpflanzen – von denen es mehr als 250.000 Arten gibt – zum Anlocken von Insekten entwickelt haben um ihre Pollen zu verbreiten: "Landebahnen" um die Insekten zu leiten, ultraviolettes Leuchten, raffinierte Fallen und sogar das Imitieren von paarungsbereiten Insekten.
Jonathan Drori commissioned the BBC's very first websites, one highlight in a long career devoted to online culture and educational media -- and understanding how we learn. Full bio »
Translated into German by Felix Patotschka
Reviewed by Alex Boos
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07:12 Posted: Apr 2010
Views 158,643 | Comments 52
07:48 Posted: May 2011
Views 518,936 | Comments 112
16:30 Posted: Mar 2009
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